12

Any promotion is good promotion

TIP, Netzeitung, SPIEGEL.

1. Wann sind Sie in Berlin das letzte mal einer guten Idee begegnet?
2. Was macht die Idee für Sie so besonders?
3. Beschreiben Sie kurz Ihre eigene gute Idee.
4. Wer oder welche Idee hat Sie selbst zu Ihrer eigenen Idee inspiriert?

So fragte der TIP für die aktuelle Ausgabe zum Thema „Kreative in Berlin“ per Mail vor zwei Wochen und mir fiel nix ein und ich hatte keine Lust und dann, nachdem ich schon wegen kompletter Unkreativität abgesagt hatte und mich dann doch habe überreden lassen, weil ja komplette Unkreativität auch etwas peinlich ist, habe ich das hier zurückgeschickt:

Der silber-magenta-farbene Fernsehturm-Fußball: Ein Ball ist rund und der Fernsehturm an einer Stelle auch, das passt also super, und für die T-Com ist es gute Werbung, weil dadurch ganz viele Leute ihren Telefonanbieter wechseln. Und dann ist auch noch bald WM, da haben sie mit dem Timing echt Glück gehabt. Das bringt mich auch gleich auf eine neue Idee. Man könnte es auch mit dem Funkturm machen, aber nicht mit der T-Com und in anderen Farben. Und nicht mit einem Fußball.

Dazu gibt es ein kleines Foto von mir mit einem Pickel auf der Stirn, den man aber nicht so gut sieht. Keine Ahnung, ob das jemand versteht, was ich da getip(p)t habe. Was aber am Ende egal ist, immerhin ist der TIP somit die erste Berliner Publikation, die Spreeblick mit mehr als einem Nebensatz erwähnt (nachdem die taz eine freie Autorin geschickt hatte, die sich drei Stunden lang das Blogdingens erklären ließ, um dann doch „was für den Tagesspiegel“ zu machen, das nie erschienen ist, glaube ich. Auch egal, und zwar sowas von.

Am vergangenen Dienstag ein Treffen mit einem Journalisten der Netzeitung für die Rubrik „39 Fragen“, viel Zeit, Ruhe, ein netter und interessierter Mensch, der vor allem eines ist: vorbereitet. Das fast zweistündige Gespräch wird auf einem Laptop direkt mitgeschnitten und es entwickelt sich ein spannendes (glaube ich) GESPRÄCH! Extrem angenehm mit jemandem zu reden, der neugierig ist, der Fragen stellen kann, der zuhört und redet, der piekst und hinterfragt. Er zahlt am Ende, ohne dass ich das erwartet hätte, mein Essen und die Getränke da er nach eigener Aussage „schließlich Geld mit dem Artikel verdient“ und bedankt sich für die Zeit, was ich auch tue. Mal sehen, was dabei herauskommt, ich bin gespannt.

Heute Gestern dann noch der „New-York-Korrespondent“ vom SPIEGEL (keine eigene Website, da SpOn immer wieder betont kaum etwas mit der Print-Ausgabe zu tun zu haben), der in Berlin weitere Interviews zum Thema, you guessed it!, „Web 2.0“ macht. Mit craiglist (kaum verändert online seit 1995…) hat er auch schon geredet. Den Termin hat „das Büro“ gemacht. Per Telefon.

Nach den ersten Fragen im Café bin ich mir nicht sicher, was der Mann von mir will, nach der Frage „Erzähl doch mal, wie das so entstanden ist mit Spreeblick“ verstehe ich es: gar nichts. Er krakelt ab und an handschriftliche Hieroglyphen zusammen, die nur noch er (vielleicht) entziffern kann und will einfach nur weg. Als ich mit meinem üblichen Salm bei Jamba angekommen bin frage ich mich endlich selbst etwas. Nämlich: „Was mache ich hier eigentlich?“.

„Und dann kam die Jamba-Geschichte“, sage ich und er sieht mich fragend an: „Welche Jamba-Geschichte?“. Als er mein ungläubiges Gesicht sieht, schickt er hinterher: „Ich bin ehrlich gesagt eigentlich gar nicht vorbereitet.“

Ich setze zu einem weiteren Mantra an und höre nach „Also ich habe damals in einem Artikel über…“ auf. Statt die uralte, überall recherchierbare und langsam langweilige Kiste wieder zu öffnen sage ich in einem Anfall von mir wohltuender Arroganz: „Und ich habe ehrlich gesagt gar keine Lust, den ganzen Kram nochmal zu erzählen.“

Der Rest ist blödes Gelaber von mir und dumpfes Gekritzel von ihm, er zahlt selbstverständlich seinen grünen Tee und sonst nichts und ich bin froh, dass es nach nicht einmal einer Stunde vorbei ist.

Er wird, wenn überhaupt, sowieso schreiben, was er will. Kann er auch. Liest eh keiner. Und wenn, dann steht da irgendwo „Spreeblick“ und das ist abgesehen von seinem Gehalt alles, was hängenbleibt.

12 Kommentare

  1. 01

    richtig so. das interview mit dem spiegel-typen hättest du auch ruhig abbrechen können. wenn sich jemand nicht vorbereitet, aber deine zeit beansprucht, ist er unten durch.

  2. 02

    any content is good content?

  3. 03

    Ich frage mich auch, wie man als Interviewer so schlecht vorbereitet zu einem Interview gehen kann! Aus so einem Artikel kann doch einfach nichts werden! Und da würde ich doch meinen Namen lieber nirgendwo in einem Artikel lesen als in einem schlechten!

  4. 04

    das ist also so die bandbreite an journalistischem engagement: von gut vorbereitet und auf das thema eingehend bis hin zu desinteressiert und den artikel wohl schon fertig vertippt, aber die spesen noch mitnehmend.

  5. 05
    Phillip

    Irgendwie scheiße, was der SPIEGEL-Typ da gemacht hat. Und noch viel beschissener, dass Du meinst, ihn hier vorführen zu müssen.

  6. 06
    nico

    philip, er wurde nicht vorgeführt, weil gar nicht klar ist, wer es ist. er blieb anonym.

  7. 07

    Was heißt „vorführen“? „Der arme Spiegel-Mitarbeiter“??

    Ich schreibe hier u.a. Erlebnisse nieder und schließlich schreibt der Mann ja auch über unser Treffen, das war kein geheimes Treffen zweier Privatpersonen. Speziell die Unterschiede zwischen den beiden beschriebenen Interviews, die Beschreibung, wie eben „Qualitätsjournalismus“ auch aussehen kann, ist erwähnenswert. Es gibt keinen Grund, auf den Mann einzuhauen, dennoch beschreibt mein Erlebnis (das nicht einzigartig ist, aber auch nicht zur Verallgemeinerung führen sollte) sehr gut, wie manchmal gearbeitet wird.

    Klar, das Thema war nicht „Die politische Lage der Nation“, aber es geht hier um Respekt.

  8. 08
    gregor

    Nee, doch nicht etwas der Osang???

  9. 09

    Respekt. Für den Typen der Netzeitung. Und vor Dir arrogantem Sack ;)

  10. 10
    miKa

    was soll noch kommen, wenn medien content nur noch um des content-willens produzieren? nix.

    @Phillip: der mann verdient sein geld damit und SpON sind nicht die schützenswerten „Guten“. wer schreiben will, sollte vorher wissen, was geht.

  11. 11

    Hm. Also ich finde es garnicht so scheiße, den Typen hier vorzuführen, wenn man das denn überhaupt so nennen will. Es geht mir persönlich ziemlich auf den Driss, dass es heutzutage immer normaler wird, dass man in bezahlten Blättern immer mehr WischiWaschi Artikel lesen muss, die soviel Information enthalten, dass man die nach nicht mal 1 Minute Google Bedienen selbst gefunden hätte. Abgesehen davon: Er ist Journalist. Als solcher muss er Kritik einstecken können. Das gehört mit zum Job.

Diesen Artikel kommentieren