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(POP UP 2006

Dass ich Leipzig in den wenigen Augenblicken, die ich für die Stadt bei Kurzbesuchen habe, entzückend finde, erwähnte ich bereits. Am befremdlichsten ist dabei für mich als arroganten West-Berliner die Tatsache, dass ich den von mir früher wirklich verabscheuten sächsischen Slang inzwischen richtig mag. Was für mich früher, man verzeihe mir die Offenheit, einfach nur dumm klang, hat heute etwas nettes, erdiges, angenehmes, ähnlich wie (auch wenn es ganz anders klingt) Kölsch. Verstehen tue ich es aber immer noch nicht ganz, zumindest nicht bei Taxifahrern.

Nicht, dass man den bei der (POP UP am Wochenende besonders deftigen sächsischen Eingeborenen-Dialekt gehört hätte, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen, denn ich freue mich immer, wenn ich etwas dazugelernt habe.

„Es geht um Inhalte“ lautete der Untertitel der Indie-Messe, und es war daher sicher kein Zufall, dass ich die Gesprächsrunde mit Sascha Kösch (de:bug), Moritz Sauer (phlow.de), Nils Mammen (Uni Leipzig) und Kai Pahl sowie meiner Wenigkeit unter der Moderation von Axel Rahmlow als eine recht inhaltsreiche empfunden habe.

Es mag in der Natur der Indie-Sache liegen, dass die Frage „Und wie soll man damit einen Revenue-Flow generaten?“ angenehmerweise nicht einmal auftauchte, stattdessen wurde im schönen WERK II über das Wie, das Warum und das Was gesprochen.

Nebenbei konnte ich auf der eigentlichen Messe endlich einmal die hochgeschätzten Kollegen und Kolleginnen vom Jackpot, Baby! in echt sehen (und sprechen), Johannes und Christophe mal wieder die Hände schütteln und ein paar CDs von diversen Labels einsacken. Von denen leider ein paar so dermaßen grottenschlecht sind, dass ich mich gar nicht traue, sie zu erwähnen. Die tollen nehme ich mir in den nächsten Tagen mal vor.

Die Messe: Kleine Stände mit liebevoll gemachten CDs und Vinyl, Badges und Shirts, Fanzines und Websites. Und nach den vielen „Business“-Konferenzen der letzten Monate das schöne Gefühl, sich wirklich wohl zu fühlen, da mittendrin.

Kein einziges Foto auf meinem Handy, kein Flickr-Posting, kein Live-Bloggen. Einfach nur ein entspannter Tag mit vielen netten Menschen und Gesprächen. Danke für die Einladung!

Zitat des Tages: „Was heißt hier ‚Deutschland hat keine Streitkultur‘? Wir haben den zweiten Weltkrieg angefangen!“ (Wie immer trockener als die Luft bei Karstadt am Hermannplatz: Sascha Kösch am Rande der Frage, warum Blogs in Deutschland nicht so populär sind wie in anderen Ländern.)

Anmerkung: Kein einziges Mal „Web 2.0“ gehört, welches, obwohl dahinter ursprünglich durchaus einige spannende Ideen steckten, längst im Marketing angekommen ist. Wo es einen ganz erbärmlichen, langsamen Tod sterben wird.

7 Kommentare

  1. 01

    Der phlow.de Link ist kaputt

  2. 02

    Danke, jetzt geht er!

  3. 03
    Dagger

    Wenn wir mal nur den zweiten Weltkrieg angefangen hätten…

  4. 04
    Mick

    ach johnny, war das schön. mein jahrelanger lieblingsmoderator auf fritz verschwand (1999?) plötzlich im dreimonatigen urlaub und….kam nie wieder. und nun war ich bei der pop up, sah im programmheft, wer da auftreten würde und war dann sehr positiv angetan. das thema hat mich nicht sonderlich interssiert (aber erst jetzt weiß ich etwas besser, was ein blog wirklich ist), aber du bist ja sowas von einem netten. es ist unglaublich. das war schon immer im radio faszinierend, wie du es schaffst, (fast) immer äußerst nett zu sein. hier dann das selbe, dazu noch absolut fehlende arroganz (im gegensatz zu den anderen). war sehr angenhem, dir zuzuhören, einige schlaue weisheiten waren auch dabei.
    nun gut, liebesbrief ist hier beendet. werde sicherlich in zukunft öfter mal hier lesen…
    was mich aber wirklich noch kurz interessieren würde…wie und wieso bist du bei fritz spurlos verschwunden?

    hoffe, man darf so am thema vorbei hier posten…

    besten gruß,
    mick

  5. 05

    ich mag ja liebesbriefe. :) obwohl „nett“ immer so unverbindlich klingt, oder? danke dir für die netten (aha! :)) worte!

    ich hatte bei fritz baby-pause. danach wollten sie mich nicht mehr.

  6. 06

    Und wenn Du mal wieder in Leipzig bist, freue ich mich über einen Gegenbesuch. Ist auch nicht sehr weit vom Bahnhof weg, Shakespearestr. – mit Blick auf die „Löffelfamilie“ http://www.nato-leipzig.de/loeffel/

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