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Paradox

Wenn jemand ein Buch schreibt, dann bekommt er als frischer Autor als Honorar vom Verlag 10%, vielleicht 15% vom Händlerabgabepreis abzgl. Herstellungs- und anderer Kosten. Das gestaltet sich also ähnlich wie bei der Musikindustrie.

Verlinkt derjenige sein eigenes Buch mit einem amazon-Affiliate-Link auf seiner Website, erhält er nach erfolgtem Verkauf 5% bis 7,5% des Verkaufspreises. Was in den meisten Fällen mehr ist als sein Verlagshonorar.

21 Kommentare

  1. 01

    Das mit den 10%-15% gilt so pauschal nicht. Es gibt glücklicherweise Verlage – hauptsächlich amerikanische – die ihren Autoren deutlich höhere (50%) Honorare zahlen. Siehe z.B. http://pragmaticprogrammer.com/authors/index.html

    Die Differenz beim Affiliate-Programm ergibt sich meiner Meinung nach aus der hohen Differenz zwischen dem Straßenpreis und dem, was Händler wie Amazon bezahlen müssen. In Deutschland fällt dies wegen der Buchpreisbindung normalerweise nicht so auf, aber die Preise in den USA differieren teilweise erheblich (30% und mehr sind keine Seltenheit).

  2. 02

    Es gibt sicher auch in Deutschland andere Verlage und andere Konditionen, die Zahlen oben sind jedoch bei vielen größeren Verlagen und bei neuen Autoren die Regel.

    Oder hast du andere Zahlen/Quellen? Was ist denn der Schnitt nach deiner Erfahrung?

  3. 03

    Meine Erfahrung in Bezug auf Bücher beschränkt sich noch auf ein einziges (wurde vor vier Wochen veröffentlicht) und ich denke, dass ich ausgezeichnete Vertragskonditionen habe. Bei Zeitschriften habe ich mehr Erfahrung und auch hier zahlen amerikanische Verlage deutlich besser, d.h. im Schnitt das Doppelte (leider frisst der Dollarkurs im Moment einiges davon auf).

    Doch im Kern hast Du völlig Recht, denn auch wenn ein Autor abzüglich der Kosten noch 50% vom verkauften Buch erhält, so freut er sich lediglich über Bücher, die direkt vom Verlag verkauft werden. Bei allen Verkäufen über Händler wie z.B. Amazon bleibt nur noch ein sehr geringes Honorar.

    Ich für meinen Teil kaufe seit längerer Zeit Bücher direkt über die Verlage, da es in Deutschland in der Regel dasselbe kostet und die Autoren dabei um ein Vielfaches besser wegkommen.

  4. 04

    Wieso Paradox? Du kannst das beste Produkt (in diesem Fall ein Buch) haben, wenn es keiner kauft, ist es wertlos. Der Schlüssel zum Verkauf ist der Vertrieb (in diesem Fall die Form des Affiliate-Programms). Aus diesem Grund verdienen gute Vertriebsleute häufig ein vielfaches von dem, was der eigentlich „Herstellende“ verdient. Das ist nur auf den ersten Blick ungerecht. Denn z.B. der Agentur-Webdesigner könnte die umwerfendste Website der Welt kreieren – wenn der Vertriebsmensch sie nicht an den Kunden bringt, sind es letztendlich nur wertlose Zeilen Quellcode und der Webdesigner würde verhungern. Genau daran, am Vertrieb, scheitern die meisten Firmen. Und genau deshalb lassen sich Online-Händler diese auf dem Empfehlungs-Marketing basierende Sonderform des Vertriebs auch gerne etwas kosten. Am Ende profitieren alle: der Online-Händler, der Teilnehmer am Affiliate-Programm und ganz besonders auch der Autor, der sich darüber freut, dass sein Buch aufgrund eine guten Vertriebs nicht nur 5.000 Mal sondern 500.000 Mal verkauft wurde. (btw: Ich bin kein Vertriebler!)

  5. 05

    Man könnte als Autor aber auch sein eigenes Produkt vom Verlag kaufen, dabei (je nach Abnahmemenge) bis zu 30% Rabatt erhalten und das Produkt über die Website, bei Schulungen (u.ä.) oder gar bei Ebay verticken. :o)

  6. 06
    jbc

    „..dass sein Buch aufgrund eine guten Vertriebs nicht nur 5.000 Mal sondern 500.000 Mal verkauft wurde.“

    Ist das nicht Wunschdenken?

  7. 07

    Matthias, ganz sicher hast du Recht, was die Wichtigkeit des Vertriebs angeht, dennoch scheint mir die Marge für den Autor im Verhältnis zu klein.

    Dass diese nun aber gar nicht so klein sein soll, schreibt ja Maik hier. Wie hoch sie ist, tippt aber keiner. Maik, wieviel wovon bekommst du denn nun bei den erstklassigen Konditionen? Musst du nicht sagen, klar, aber ohne Zahlen bringt die Diskussion ja nix. Meine Zahlen stammen von zwei größeren Computerfachverlagen und zwei Autoren, die Romane herausgegeben haben.

  8. 08

    Ich zitiere mal einfach den Text der Verlagsseiten:


    A great deal! We currently pay 50% royalties. We take what we receive for
    a book, subtract direct costs (printing, copy edit, artwork, and a few other things) and split it with you. Compare with 10% from many other publishers. Oh, and we give you a royalty statement each month, and pay royalties quarterly.

    Nehmen wir mal an, ein Buch wird für $32.95 verkauft. Für die Produktion (Druck, Titelgestaltung, Erstellung des Index, Versand, etc.) entsteht ein Fixkostenanteil. Nehmen wir der Einfachheit halber an, der liegt bei $2.95, so bekommt ein Autor bei diesen Konditionen $15.00 pro direkt vom Verlag verkauften Buch. So richtig schön sind natürlich digitale Werke (mein Buch wird auch als PDF-Datei verkauft), da die Produktionskosten dafür so gut wie null sind.
    Geht dasselbe Buch über einen Vertriebskanal wie Amazon, bleiben sowohl dem Autoren als auch dem Verlag von jedem verkauften Buch so $3-$4. Allerdings verkauft Amazon.com das Buch für knapp über $20. So gesehen verdient bei solchen Titeln niemand so richtig viel und insbesondere erscheint mir die Verteilung des Geldes einigermaßen fair (auch wenn der Löwenanteil beim Vertrieb liegt).
    Was mich zur Einsicht führt, dass Johnnys ursprünglicher Einwand schon richtig ist: Verlage, die nur eine Provision von 10%-15% zahlen, ziehen ihre Autoren über den Tisch.
    Ich habe mit meinem Erstlingswerk ca. 13 Monate verbracht und bin in erster Linie froh über die vielen positiven Kritiken. Doch kann ich nicht verhehlen, dass ich auch froh über die eine oder andere Urlaubswoche bin, die ich damit finanzieren kann ;-)

  9. 09

    @ Dirk in 5: Genau aus diesem Grund gehen selbst kleinere Autoren heute auf „Lesereise“ und geben dort in – eigens zu erwerbenden – Exemplaren ihrer Bücher Autogramme. Ich kenne einen Autor, der das seit Jahren so handhabt und mittlerweile auch auf seiner privaten Homepage an allen möglichen Affiliate-Programmen teilnimmt.

    @ jbc in 6: Dann streiche die 500.000 und ersetze sie durch 10.000. Und dennoch hat der Autor, der 20 % vom Erlös erhält und 10.000 Stück verkauft immer noch mehr davon als derjenige, der 35 % einstreicht aber nur 5.000 Exemplare loswird.

    @ Johnny in 7: Natürlich hast du Recht – die Marge erscheint in der Tat klein und es es vielleicht auch (je nachdem, wie hoch die Marge denn nun ist). Allerdings ist eine Marge – meinen Erfahrungen aus der Ferne (flüchtige Bekanntschaften mit einigen kleineren Autoren) nach zu urteilen – auch immer eine Frage der Verhandlung und des Standings. Ein unbekannter Autoren-Novize, der eine Abhandlung zum Thema „Dauerviskosität von Schneckenschleim im luftleeren Raum unter besonderer Berücksichtigung der Gravitalkräfte“ schreibt wird weniger Prozente dafür erhalten, als wenn sich John Grisham desselben Themas annähme.

    Im übrigen darf beim Thema Autorenvergütung generell die gute alte „VG Wort“ nicht vergessen werden. Wer ein Buch schreibt, dass einigermaßen gut verkauft wird, bekommt hier „hintenrum“ noch ein paar nette Euros extra.

  10. 10

    Maik, bei solchen Texten auf Ami-Websites bin ich aber auch immer vorsichtig… die sind Meister im Marketing, aber wer weiß, wie hoch sie die Herstellungskosten und die „few other things“ ansetzen? :)

    Mir fällt halt die Nähe zur Musikindustrie auf (auch dort kommen einige wichtige Einnahmen für die Künstler über GVL und GEMA, ähnlich wie die VG Wort bei Autoren), dort funktioniert es genauso und wird stark kritisiert, bei den Buchverlagen scheint das als gegeben hingenommen zu werden. Und man muss sich auch fragen, wie diese Schlüssel zustande gekommen sind. Sind sie am Ende sogar fair? Hat ein Verlag so viel mehr Arbeit mit einem Buch als der Autor? Vielleicht unterschätze ich das ja.

  11. 11

    Ja, ja, nur weil man paranoid ist, heißt das nicht, sie wären nicht hinter einem her :-)

    Scherz beiseite: Auch ich bin bei Ami-Marketing immer sehr vorsichtig, habe aber in diesem konkreten Fall (der wahrscheinlich absolut nicht repräsentativ ist) die besten Erfahrungen gemacht.

    Ich schätze übrigens, dass der Großteil der Arbeit mit einem Buch beim Autoren liegt. Insbesondere bei belletristischen Werken dürfte sich die direkte Verlagsarbeit am Buch auf das Lektorat beschränken.

    Bei Sachbüchern sieht das vermutlich nur wenig anders aus (da muss immerhin ein Index erstellt werden), denn nur die wenigsten Verlage dürften über Spezialisten verfügen, die z.B. das o.g. Schneckenschleim-Buch gegenlesen können. Das tun dann im Normalfall Freunde und Bekannte des Autoren und bekommen vom Verlag im besten Fall ein kostenloses Exemplar dafür. All das differiert sicherlich auch heftig von Autor zu Autor, aber im Großen und Ganzen dürften die Verlage in Bezug auf die Arbeit ganz gut wegkommen.

    In meinem Fall war aber auch das ein wenig anders, da ich ein englisches Buch geschrieben habe und auch wenn meine Englischkenntnisse recht gut sind, musste mein Verlag doch eine ganze Menge tun, um es in ein druckbares Format zu bringen.

  12. 12

    Maik, jetzt verstehe ich das erst! Du hast das Buch tatsächlich da veröffentlicht, das war mir nicht klar. Ich dachte, dein Buch sei in Deutschland verlegt und du würdest den amerikanischen Verlag nur als Beispiel zitieren.

    Ok, dann vergiss meine Nachfragen. :)

  13. 13

    Im Grunde ist das doch dann ähnlich wie in der Musikbranche. Zumindest bei den Kleinstlabels (1000er Auflage und weniger) ist es so, dass der Plattenladen, der letztlich die Platte verkauft, pro verkauftes Objekt die höchste Gewinnmarge einfährt (Fixkosten usw. jetzt mal außen vorgelassen).
    So dürfte wohl auch Amazon innerhalb der Vewertungskette am meisten an den Büchern verdienen und kann demnach auch aggressiver das marketing mit dem affilitateprogramm bedienen.

    Aber schön, hier in der Diskussion zu lesen, dass man vielleicht doch nicht alle über einen Kamm scheren kann. Um hier mal keine Floskel auszulassen.

  14. 14

    Ein Wort, dass ich in dieser Diskussion nicht ganz aussen vor lassen möchte, ist Vorschuss. Bei grösseren Verlagen (in Deutschland) bekommt man tatsächlich im Schnitt 12%, am Anfang jedenfalls, in vielen Fällen existiert eine Staffelung. Dafür werden dort Vorschüsse gezahlt, die nicht rückzahlbar sind, also auf Risiko des Verlags gehen. Ich weiss von Vorschüssen über 60.000 Euro für Zweitlingswerke, ohne dass die Autoren prominent wären. Die Regel bei den zehn, zwölf grösseren Verlagen sind aber zwischen 10.000 und 20.000 Euro (Zahlen für Sachbücher). Kleinere Verlage schieben das Risiko oft auf die Royalties, also auf die Autorenprozente, zahlen also mehr Beteiligung, aber keinen Vorschuss.

    Was das scheinbare Ungleichgewicht zwischen Vertriebsbudget und Urheberanteil angeht: Besonders in Deutschland ist der Vertriebsapparat irrsinnig kompliziert, komplex und damit auch teuer – aber auch hocheffektiv. Fast jede Buchhandlung in Deutschland kann innerhalb von 48 Stunden fast jedes lieferbare Buch bestellen und ausliefern (jaja,Ausnahmen, Regeln, etc.). In den USA sieht das vollkommen anders aus, wo Wochen die Regel sind, jedenfalls bei Echtwelt-Buchhandlungen. Das ist auch der Grund, weshalb Amazon in den Vereinigten Staaten eine echte Marktmacht ist – hier in Deutschland werden nur lächerliche 3% der Bücher dort bestellt. Der Rest geht tatsächlich über die Buchhandlungen. Kann man sich immer gar nicht so richtig vorstellen, wenn man seit Jahren im Internet wohnt.

    Abschliessend sei jedem, der mit dem Thema zu tun hat, die Website des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels empfohlen, dort gibt es neben vielen wertvollen Informationen auch geschätzte 42 Millionen kostenlose Downloads, von Formularen über Studien und Marktdaten bishin zu Standardverträgen, zum Beispiel den Autorenstandardvertrag (auch auf englisch und französisch erhältlich):
    http://www.boersenverein.de/de/69181?rubrik=82998&dl_id=64216

  15. 15

    Ich hab schon bei Büchern mitgewirkt, wo ich nur via amazon-Link dran mitverdient habe… was macht man nicht alles um der Ehre und des Spaßes willen? ;)

    Früher hat amazon.de aber auch noch besser bezahlt – ich meine mich an bis zu 15 % zu erinnern.

  16. 16

    Noch eine Ergänzung:

    Es soll Verlage geben, wo man immer noch nach Festpreis bezahlt wird…

  17. 17

    Sascha, danke für die Infos! Vorschüsse sind eine weitere Parallele zur Musik, wir haben damals auch nie etwas anderes gesehen…

    Und danke auch für den Nebensatz „wenn man seit Jahren im Internet wohnt“ :)

  18. 18

    @Sascha:

    Da sind einige Passagen drin, da würde man sich als Autor freuen, wenn man sowas im Vertrag stehen hat. Und selbst wenn diese drin stehen, halten sich die Verlage auch nicht immer dran (z.B. die Information an den Autoren über die geplante Preissenkung/Verramschung).

    Aber was witziges sieht man bei der PDF-Datei jeweils am Ende einer Seite:
    „PDF wurde mit FinePrint pdfFactory-Prüfversion erstellt.http://www.context-gmbh.de

  19. 19
    tilman

    Eine gute Quelle aus der Praxis: http://www.andreaseschbach.de/
    Er schreibt viel übers Schreiben, hat dort eine solide und umfangreiche FAQ veröffentlicht.

  20. 20
    Chris

    Erstens nehmen seriöse Verlage normalerweise den Nettoladenverkaufspreis als Grundlage für die Berechnung der Tantiemen. Das bedeutet den Buchpreis ohne MwSt. Siehe Standardvertrag des Börsenvereins des deutschen Buchhandels.

    Zweitens ist Amazon mit unter 5% Marktanteil am deutschen Buchhandel (online liegt bei etwa 10%) relativ unwichtig. Immer noch passiert das Hauptgeschäft in den Buchhandlungen.

    Drittens müsste ein unbekannter Autor im belletristrischen Bereich für einen Vorschuss von €60.000 ein Buch schreiben, das wochenlang auf der Bestsellerliste (www.buchreport.de) steht. Selbst dann wäre der Verlag beim Vergleich Tantiemen/Vorschuss nur break-even.

    Viertens kann man als Autor alleine niemals genug Bücher verkaufen, um irgendwie mit einem Verlag mitzuhalten. Gleiches gilt sogar für Kleinverlage, die wenigstens schon einen halbwegs etablierten Vertrieb haben. Es sind die Buchhandlungen, die zählen. Und dort platziert zu werden, ist für Kleinverlage schon schwer bis unmöglich. Autoren selbst haben darauf gar keinen Einfluss. Amazon allein verkauft keine Bücher, PR ist zeitaufwendig und teuer und der Effekt nicht groß.

    Fünftens kann ich als Bestseller-Autor definitiv sagen, dass der Amazon-Partner-Link auf meiner ganz gut besuchten Webpage für mich bisher absolut unbedeutend war. Für das Geld bekomme ich heutzutage nicht einmal mehr einen Cappuchino im Café. Das mag bei anderen Autoren natürlich anders sein.

    Die obigen Links helfen weiter. Beim Börsenverein gibt es Standardverträge zum Runterladen, da kann man sich über gängige Staffelungen informieren. Andreas Eschbach hat eine sehr informative Seite, die sich anzusehen lohnt.

    Natürlich ist das Geschäft mit Büchern ein weites, Belletristik unterliegt anderen Regeln als Sach- und Fachbücher, Kleinverlage müssen anders kalkulieren als Großverlage und schwarze Schafe mit tollen Versprechungen gibt wie überall sonst auch.

  21. 21
    fehnman

    Hach, schön.
    Ich danke jetzt einfach mal Chris fürs Zurechtrücken der Perspektive. Mir wäre das deutlich zu aufwändig gewesen, so parallel zum Kopfschütteln. ;)

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