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Keep on bloggin‘ (in a free world)

Hier hat der Don Alphonso natürlich Recht, Freiheit für Blogs kann nur weltweit gelten, und ich finde es super, dass sich Amnesty International mit der Aktion Irrepressible dem Problem der Internet-Zensur zuwendet:

Chat rooms monitored. Blogs deleted. Websites blocked. Search engines restricted. People imprisoned for simply posting and sharing information.

The Internet is a new frontier in the struggle for human rights. Governments — with the help of some of the biggest IT companies in the world — are cracking down on freedom of expression.

Amnesty International, with the support of The Observer, is launching a campaign to show that online or offline the human voice and human rights are impossible to repress.

11 Kommentare

  1. 01

    Tja, bei dem Thema gibt es so schnell keine Kommentare. Irgendwie unangenehm, als postmodernes Abziehbild der zukünftigen Mediengesellschaft daran erinnert zu werden, dass man nur kann, weil man darf. Sonst zieht jemand den Stecker. Oder humaner: Schickt den Anwalt. Immer schön die Fresse halten. Postet doch noch ein paar Links von Youtube, oder gibt es ein neues Gadget von Google? Alles kann so einfach sein.

    Hatte mich ja schon gefragt, wie es denn wohl wird, wenn die ganzen Entwicklungsländer jetzt ihre Informationen vernetzen dürfen. Mit dem 100 Dollar Laptop. So viele Menschen, die noch nicht satt und konditioniert sind. Und dann habe ich in der ct‘ 12 gelesen, dass Transmeta für Microsoft ein „Abrechnungssystem für PC, Betriebssysteme und Anwendungen“ entwickelt, „Angedacht ist dieses Flexgo genannte System zunächst für Entwicklungsländer“. Ich ahne: Wenn schwarze Muslime (evil meets terror) den Anflug auf Hochhäuser üben, bleibt der Bildschirm dunkel.

    Die Zensur beschränkt sich längst nicht nur auf das Internet. Viele Medien haben Informationen, die sie nicht veröffentlichen dürfen, da RichterInnen eine Gefahr für die „Persönlichkeitsrechte“ der Kläger sehen. Diese Kläger haben sich für viel Geld Anwälte gesucht, um ihre Interessen radial einzuklagen: Verschleierung, Verbot der Veröffentlichung, Redeverbot. Man kann sich vom Täter zum Opfer erklären lassen – das nötige Geld verausgesetzt. Nach der heutigen Rechtsprechung kann in Deutschland jedes NSDAP-Mitglied verhindern, dass seine Mitgliedschaft veröffentlicht und diskutiert wird. Das haben Stasi und andere Typen der organisierten Kriminalität erreicht. Schönes Beispiel ist da Ulrich Mühe: http://www.netzeitung.de/kultur/392495.html

  2. 02

    Irgendwie unangenehm, als postmodernes Abziehbild der zukünftigen Mediengesellschaft daran erinnert zu werden
    Allerdings!
    Im Iran wurde man im Worst Case vor 3 Jahren öffentlich hingerichtet, wenn man mit einer Gitarre erwischt wurde. O-Ton eines jungen Iraners in einer Sendung auf 3sat vorletzte Nacht.
    Tja, uns schlägt man zwar nicht die Rübe ab, aber von freier Meinungsäußerung kann in Europa im Allgemeinen und in Deutschland im (ganz!) Besonderen noch lange nicht die Rede sein. Angefangen beim Abmahnwahn, über Zensur von Songs, Büchern, Filmen, bis zum Parteienfilz in den Landesmedienanstalten.
    Bevor wir die Freiheit von Bloggern in China fordern, sollten wir uns erst einmal um unsere eigene kümmern.

  3. 03

    Die Leute, die behaupten, dass das Internet sei nicht zensierbar, sind ja größtenteils verstummt, seit es die Great FireWall of China gibt, und das Thema Internetzensur taucht immer häufiger auf, so auch mit dieser Aktion, die ich natürlich trotzdem gut finde.

    @Acid: Die Situation in D halte ich für nicht sehr wild. Sicherlich sind unberechtigte Abmahnungen ein Übel, aber generell endet die Freiheit des einen eben da wo die des Rechte des anderen anfangen. Und dass bei neuen Medien die verschieden Seiten ausloten, was geht und was nicht, und versuchen ihre Interessen so weit wie möglich durchzusetzen, ist normal. Oder irr‘ ich mich?

  4. 04

    @Thomas
    Was sich in Deutschland in den letzten Jahren als System des „Mundtot machens“ etabliert hat, ist ein Skandal. Dabei geht es nicht um unberechtigte Abmahnungen oder das „Recht auf Persönlichkeitsschutz“, sondern um eine Lesart von Gesetzen nach Feudalherrenart!

    Beispiel 1: Der Focus hat vor Jahren eine Initiative für die Pressefreiheit unterstützt. Es ging um das „Carolinen-Urteil“ bei dem Caroline von Monaco gegen die Veröffentlichung von privaten Bildern geklagt hat. Ein Sturm der Entrüstung! Spiegel, Stern, Focus und Bild in einer Kampange! Die Forderung damals: Pressefreiheit darf nicht eingeschränkt werden. Heute steht ein Focus-Journalist im Zwielicht, weil er dem BND Informationen über andere Informationen geliefert haben soll. Ein interessanter Vorwurf, doch leider nicht nachvollziehbar: Alle Passagen über den Journalisten wurden in dem Bericht geschwärzt. Er hatte gegen die Veröffentlichung geklagt, Persönlichkeitsschutz.

    Beispiel 2: Ulrich Mühe, Hauptdarsteller in „Das Leben der Anderen“, schreibt ein Buch über seine Erfahrungen mit der Stasi. Darin eine Passage, in der er seine Ex-Frau als Stasi IM bezichtigt. Seine Frau geht dagegen vor Gericht, Persönlichkeitsschutz. Die Passagen werden geschwärzt. Nicht nur das, Hr. Mühe darf sich in den Medien weder über dieses Urteil, noch die Begründung, noch die Folgen des Urteils äußern. Seine Ex-Frau hatte dagegen geklagt, Persönlichkeitsschutz. Der Leiter des Instititus für Historische Forschung über Stasi und SED stellt eindeutig fest, das es eindeutige Hinweise über die IM Tätigkeit die Ex-Frau von Hr. Mühe gibt. Die Frau klagt, diese Informationen dürfen nicht veröffentlicht werden, Persönlichkeitsschutz.

    Beispiel 3: Die Süddeutsche Zeitung stellt fest, das die Aufarbeitung der Geschichte der DDR in Sachen Stasi, SED und Informanten durch die eingesetzen Behörden in vielen Fällen kontraproduktiv ist. Die Behörden klagen gegen diese Aussagen und der Richter stellt fest, das bestimmte negative Aussagen nicht mehr veröffentlich werden dürfen.

    In diesen Fällen davon zu sprechen, dass „die Situation in D nicht sehr wild ist“, grenzt schon an SM-Praktiken. Anders herum wird ein Schuh draus: Wem nicht bekannt ist, was da abgeht, der sieht das Problem auch nicht – schließlich gibt es keine Veröffentlichung und Diskussion darüber. Was in unserer Welt nicht Öffentlich wird, exisitert nicht. Und das ganz „human“, ohne Mordkommandos und Folter. Das Ergebnis ist aber das gleiche!

  5. 05

    Danke für’s finden der Irrepressible Aktion. Ob nun weltweit oder vor der eigenen Haustür, die Aktion unterstütze ich in meiner kleinen Bloghütte.

  6. 06

    @Thomas – meine erste Begegnung mit Zensur war in den 80ern. Ich jobbte in einem Plattenladen, natürlich hörten wir den ganzen Tag Musik. Alle guten Punkplatten hatten mehr Ausgepiepstes als zusammenhängende Lyrics. Und die wurden so verkauft!
    Gegen 2001 gab es dann ein Wiedersehen: wir hatten ein Filmforum, lebhafte Diskussionen über all den Asia-Trash waren an der Tagesordnung, inkl. Links zu Reviews aus aller Herren Länder. Alles Streifen, die man in unseren Nachbarländern mit 16 an der Tanke kaufen kann, bei uns sind sie nicht nur indiziert, sondern von der Staatsanwaltschaft „bundesweit eingezogen“. D.h. im Worst Case, dass man offziell (also z.B. in Webforen) nicht einmal die Titel nennen darf.
    Bei Filmemachern (z.B. Jörg Buttgereit) flogen sie ein und beschlagnahmten die Masterbänder. Selbiges bei Olaf Ittenbach – nu ja, jetzt dreht er in den Staaten.
    Im Netz gab es später massive Auflagen, viele Foren und Videoshops machten dicht. Das alles war noch vor der Jugendschutzreform 2003.
    Wußtest du, dass Pacman nicht mehr auf Heft-CDs durfte, weil er nicht „geprüft“ war? Damals hätte niemand gedacht, dass jemand auf solch eine absurde Idee kommen würde. Nach 2003 sah es anders aus: das neue Jugendschutzgesetz schickt ungeprüfte Medien automatisch direkt auf den Index. Die Prüfung kostet natürlich Geld, die niemand für die Nachprüfung der alten Spiele ausgeben würde.
    Selbst die Heft-CDs von Computermagazinen müssen jugendschutzrechtlich geprüft sein.
    Für die indirekte Zensur über den Urheberrechtsschutz wäre ein eigenes Blog von Nöten.

    Sie killen unsere Kultur.. Stück für Stück.
    Wie Birger schon sagt: Wem nicht bekannt ist, was da abgeht, der sieht das Problem auch nicht
    Man muss eine gewisse Affinität dafür entwickelt haben, um das bewusst wahr zu nehmen. Daher meine ewige Spaßbremserei.
    :)

    Wenn noch mag, sollte mal bei Alvar reinschauen.

  7. 07

    Die Auswüchse des Jugendschutzes, der in diesem Land neben der Terrorbekämpfung das beste Mittel ist um Inhalte zu zensieren, sind doch seit den frühen 80er Jahren rational nicht mehr Nachzuvollziehen. Wenn man sich anguckt welche Filme heutzutage noch auf dem Index stehen oder sogar beschlagnahmt sind aus dem Bereich des Phantastischen Films, dann kann man sich nur an den Kopf fassen. Wer ab und zu mal auf Filmbörsen geht, in Berlin oder anderen Großstädten, dem sind Beschlagnahmungsaktionen der Polizei sicher geläufig. Nicht das dort nach Bootlegs gesucht würde, nein beschlagnahmt werden uralte Filme aus den 80ern, die Effekttechnisch und inhaltlich oft harmloser sind, als das was heute ungekürzt im TV laufen darf. Das selbst Klassiker wie Dawn of the dead, Phantasm oder Evil Dead immer noch nicht ungekürzt verkauft werden dürfen, die in anderen Ländern zurecht als Meilensteine des Genres gelten, ist auch kaum Bachzuvollziehen.
    Die Schikanen mit den einige Filmforen überzogen werden, gleichen denen mit denen in den 80er-90ern Computerspielzeitschriften angegangen wurden, wenn sie es nur wagten über DOOM und ähnliches zu berichten. Zensur hat, von den Ärzten, über Udo Lindenberg, Jörg Buttgereit bis zu Ralf König durchaus ihre Tradition in Deutschland und findet immer wieder Richter und Staatsanwälte, die aus persönlichem Geschmack heraus Urteile fällen, die logisch nicht nachzuvollziehen sind.
    Wird sich aber wohl auch nie etwas dran ändern, denn die breite Mehrheit der Bevölkerung ist immer dafür etwas das sie nicht mag zu verbieten. Zumal wenns vorgeblich darum geht die Kinder zu schützen.
    Ist ja fein, daß man hier nicht mit den Repressalien rechnen muß die einem Im Iran oder China drohen und man sollte die Zustände auch nicht vergleichen, weil da doch einige Welten zwischen liegen, aber zufriedenstellen ist die Situation hier deswegen noch lange nicht – zumal sich seit 9/11 ein bedenklicher Trend zur Verschärfung der Zensur abzeichnet. Einen Aufschrei gäbe es hierzulande aber wohl erst dann, wenn man Fußball oder die BILD verbieten würde…

  8. 08
    Dagger

    Nicht so schick, was überall so passiert.

    Bitte blogen Sie jetzt!

  9. 09

    Mir fällt zum Thema Zensur noch etwas ganz anderes ein und zwar die Selbstzensur durch die Zuschauer. Beispiel:

    Septemberweizen: Dokumentarfilm aus den 80ern der aufzeigen will was mit der Ernährung mit Brot so für Perversionen angestellt werden. Grimme Preis, tolles Buch … aber den Film gab es bis vor kurzem nicht digitalisiert und er ist glaube ich auch noch nicht im Fernsehn gelaufen.
    Life and Debt: Dokumentation darüber wie man ein Land (Jamaika) in eine finazielle Abhängigkeitsspirale bringen kann wenn man WTO, IMF oder Weltbank ist. Der Film ist nicht mal auf deutsch zu haben.

    Fime die wehtun und bei denen man sich sehr schnell hilflos vorkommen kann. Aber gleichzeitig riesige unbewältigte Fehlentwicklungen unserer auch so weit entwickelten zivilisierten Welt.

    Zensur das sind nicht NUR die anderen. Das sind wir oft auch selbst. Wenn wir alle anfangen würden in unserem kleinen eigenen Umfeld für mehr Transparenz zu sorgen, dann hätte das Auswirkungen auf die gesammte Transparenz. Aber solange privat die Losung lautet: Über Geld wird nicht geredet, solange wird auch im Großen nicht vernünftig über Geld geredet werden. Und das ist nur EIN Beispiel.
    Wenn ich einen Fehler mache der mir peinlich ist, dann habe ich auch das Bedürfniss das lieber zu vertuschen, zu zensieren und böse Blicke an meine Kollegen zu verteilen wenn sie die Story weitererzählen. Aber genau da fängt Zensur meiner Meinung nach an. Man muss sich das nur größer vorstellen.

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