1

Die Ticos

Den sonnigen Humor der Menschen aus Costa Rica durfte ich vor zwei Jahren kennenlernen.
Die Freundin einer Amnesty-engagierten Freundin war bei uns zu Gast, eine Pathologin aus San José. Sie erzählte von dem lustigsten Erlebnis ihrer ereignisreichen Arbeit. Ein junger Mann war in suizidaler Absicht von einer für Spaßsprünge deutlich zu hohen Brücke gesprungen.
Zu ihrer Begeisterung war der Körper des Toten äußerlich gänzlich unversehrt.
Aber jeder Knochen im Körper war zerschmettert.
Mit strahlenden Augen erzählte sie gestenreich, dass man mit dem Leib nun die michaeljacksonigsten Verrenkungen machen konnte, 180 Grad-Drehung aller Glieder war enthalten, die CR-Variante des All Inclusive. Ein echter Heidenspaß. Mein Costa-Rica-Kenia-Blend brauchte dringend etwas Milch.

Dieser Art des Humors ist es auch zu verdanken, dass man sich in Costa Rica auf das Eröffnungsspiel freut.
Natürlich haben Eröffnungsspiele ihre eigenen Regeln.
Es fällt selten mehr als ein Tor und häufig wird das von der Mannschaft erzielt, die der Außenseiter war.
Bei dieser WM sieht es anders aus, Costa Rica ist nicht nur schwach, die Mannschaft ist auch außer Form. International sowieso nur drittklassig, ist in den Testspielen auch nicht das, was man üblicherweise über Außenseiter sagt, nämlich, dass sie gut eingespielt seien, sichtbar geworden.
Hier ein wenig Kaffeesatzleserei aus den Pausenteebeuteln.

Acht Spieler sind bei Deportivo Saprissa unter Vertrag. Der größte internationale Erfolg dieses Vereins war der dritte Platz bei der Club-WM 2005. Die Mannschaft setzte sich gegen den FC Sydney mit 1:0 (Sydney stellt einen australischen Nationalspieler) und gegen das saudische Team von Al-Ittihad Jeddah mit 3:2 durch, verlor aber gegen Liverpool mit 0:3.
Herausragendes Ergebnis der WM-Qualifikation war das 3:0 gegen die USA zuhause in San José, Tiefpunkt die 1:3 Niederlage gegen Guatemala. Auswärts wurde nur gegen Panama gewonnen.
Die Testspielergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen, gegen die Kurpfalzauswahl spielte nicht die erste Mannschaft, gegen die Katalanen und die Ukraine wurde mit einer offensiveren Taktik gespielt, gegen Deutschland wird man spielen wie gegen Tschechien, das nur mühsam mit 1:0 gewann. Allerdings äußerten tschechische Spieler die Vermutung, dass die Ticos dem deutschen Pressing nicht würden standhalten können.
Eine Mannschaft also, wie geschaffen für Klinsmanns Konzept: Druck machen von der ersten Minute, durch schnelles Spiel Lücken aufreißen und Fehler erzwingen. Gruselig die Vorstellung, die deutsche Elf müsste gegen eine von Rudi Völler zur Großmacht hochgeredete Kneipentruppe mit doppelter Absicherung nach hinten und ordentlich Dünnpfiff in den Hosen spielen. So aber wird alles gut werden. Das Selbstbewusstsein der Reichküstler dürfte am Boden liegen, die Atmosphäre wird auf das auswärtsschwache Team eher lähmend als beflügelnd wirken.
Auch ohne Ballack wird das Spiel schon zur Pause entschieden sein, aber selbst ein 0:0 zur Halbzeit sollte niemanden beunruhigen. Irgendwann wird das erste Tor fallen und dann wird Costa Rica zusammenklappen. Mein Tip: 5:0.

1 Kommentar

  1. 01
    pierrot

    3:0 reicht auch, schließlich müssen ab der 70sten die von der langen Bundesligasaison müden Beine geschont werden.

Diesen Artikel kommentieren