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England – Ecuador 1:0

Endlich versteht man als Fußballdeutscher, warum der Fußballnichtdeutsche die letzten 500 Jahre am deutschen Fußball verzweifelte: bei großen Turnieren ganz schlimme Spiele gegen müde oder unfähige oder müde und unfähige Gegner gewinnen, groteske Ausreden für die mangelhafte Leistung erfinden und sich von Runde zu Runde stolpern, während großartig kämpfende Teams wie Mexiko oder Trinidad/Tobago unverdient nach Hause fahren.

Denn der Engländer ist der neue Deutsche. Schockierend, ja völkerrechtswidrig scheint diese Erkenntnis. Doch fast alles im englischen Aufgebot erinnert an jene deutschen Teams der Vergangenheit, die weder glänzen noch sonst irgend etwas konnten außer gewinnen.

Ein Erich Ribbeck auf der Trainerbank, emotions- und regungslos, dümmliche Phrasen in Pressekonferenzen verbreitend, mutlos bei notwendigen Reformen, halbwegs leistungsbereite Spieler auf hinten rechts verheizend, der sich Sven-Göran Eriksson nennt. Der alte überspielte Lothar Matthäus heißt David Beckham, dessen rechter Fuß die Last einer verblendeten Ex-Weltmacht tragen muss und dieser Last tatsächlich bei einem einzigen Freistoß standhält. Das nicht existente Mittelfeld, auf dem Papier mehrere russische Ölmilliarden wert, wird tatsächlich nicht gebraucht, da die Querpass-Viererkette mit vier selbstgefälligen Liberos den Ball irgendwie, meist gar nicht, in einen kaputten Sturm katapultiert, wo ein 20jähriger Frank Mill auf ein zufälliges Schlitzohr-Tor wartet, anstatt es herauszuspielen. Ein Lars Ricken namens Frank Lampard, der aus keiner Lage, nicht mal vom Elfmeterpunkt, das Tor trifft. Einige Spieler bemühen sich, arbeiten sich müde, laufen viel. Weil sie so schlecht stehen, dass sie immer laufen müssen.

England appear to be playing the X, X, square, circle offense that’s so popular on the Playstation – two passes, then kick it over the top and mash the circle button in hopes Rooney can get on the end. (tnabacg)

Bloß das mit dem Titelgewinn wird der deutsche Engländer nicht schaffen. Weil auch der deutsche Deutsche es so nicht mehr schaffen wird. Genau deswegen morpht sich der deutsche Deutsche gerade zu einem kalifornischen Deutschen. (Whatever that means.)

Nach diesem Spiel steht fest: das beste zentrale Mittelfeld des Turniers heißt derzeit Torsten Frings & Michael Ballack. Oder Kaká & Kaká, wenn es zwei Kaká gäbe. (Übrigens herrscht über Torsten Fringsens Rolle als Nummer 6 leider immer noch einiges Unverständnis, das es zu zerstreuen gilt. Vielleicht demnächst hier auf diesem Sendeplatz.)

Ach ja, Ecuador war übrigens auch auf dem Platz. Sagt man.

9 Kommentare

  1. 01

    Zu den Äquatorianern, die deshalb so heißen, weil sie das Spiel 40000 km breit machen: Man darf keine Ballerinas in den gegnerischen Strafraum stellen.

  2. 02
    memo

    Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

  3. 03
    memo

    Jo wos is jetzt des?
    Die Vorschau hat mir versprochen, das Bild anzuzeigen.
    Dann halt mit Link

  4. 04

    Ganz schlimm das alles.

  5. 05
  6. 06

    By the way: Skandal vom RTL-Reporter! Der hat doch tatsächlich aus dem Engländer Frank Lampard während des Spiels den Schotten Paul Lambert gemacht. Tz, tz, the Queen wasn’t amused.

  7. 07
    Inge

    Und ob die Queen amused war. Je schlechter die Engländer spielen umso lauter und öfter singen die Fans die Hymne. Und lauter und öfter als gestern können sie kaum noch singen. Jetzt gehts gegen die Metzgerbande aus Portugal. Nach den Vorbelastungen also Ganz-große-Not gegen ganz-großes-Elend.

  8. 08
    Optimus

    Naja, wieder ein Geh-Heim-Favorit mehr…
    Bin nur mal gespannt, wer kommendes Spiel mehr gelb-rote Karten einsackt:
    Die Engländer, die ja eher passiv rumstehen und nix treffen oder die Portugiesen, die den Ballbesitz erlangen, indem sie den Gegner ummähen (naja – Holland war ja auch nicht zimperlich *g*).
    Wir werden sehen…

  9. 09
    vorri

    no se pudo!!!!
    die englända ham scheisse gespielt!!!!!!

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