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Zaghafte Annäherung an die Ananas-Realität (Golden)

Realität wird im Allgemeinen völlig überschätzt. Ich war gestern im Regenwald des Kölner Zoos.
Eine LSD-Welt mit buntschillernden, aufgeblasenen Tauben, flirrend, doch fliegenlos, bedenkenbefreites Tropfenlassen, nie waren Schweißflecken besser begründet.
Dagegen konnte auch der draußen brutzelnde Rekordsommer nicht anschwitzen.
Wie ich aus dem Regenwald in die plötzlich kühle Kölner Luft, wird Jürgen Klinsmann heute in sein erstes Spiel in der Wirklichkeit treten.

Spielern wird überraschend klar, dass sie schwer verletzt sind, Zuschauer vergessen ihren Text (Deutschland, Deutschland) und beginnen zu pfeifen, Huth bleib Huth und für Ballack gibt es keinen Ersatz.
Was kann diese Mannschaft aus dem Fußgelenk schütteln, was ist ihr kleinster gemeinsamer Nenner, wenn nicht ein alles überschattendes Ziel zum Greifen nah scheint?
Tim Borowski nannte das Spiel um den dritten Platz der Heim-WM “Spiel um die Goldene Ananas.”
In der sprachlichen Sahelzone des Fußballs ist die Goldene Ananas die Fata-Morgana der Bilder.
Sie schimmert vor sich hin, soll ein Bild tiefster Verachtung sein und entblößt doch nur den, der sie in den Mund genommen hat.
Spiele der Nationalmannschaft sind beinahe immer Spiele um die Goldene Ananas. Und dann wird es plötzlich ernst, vier Spieler stehen um einen Italiener herum und fragen sich, ob sie bei früheren Gelegenheiten nicht einmal den Ernstfall hätten proben sollen, statt auf die Einflüsterungen ihrer Vereinstrainer zu hören: “Komm Basti, fahr doch nicht da hin, wir brauchen dich hier, Michael, der Klinsmann nominiert dich doch sowieso, Arne, wir bezahlen dein Gehalt, nicht der DFB.”
Bei beinahe jedem Spiel zwischen den Weltmeisterschaften hatte die DFB-Elf mehr Verletzte als eine durchschnittliche US-Einheit im Irak.
Wie oft konnte in der anvisierten Stammbesetzung gespielt werden?
Ich weiß es nicht. Waren schließlich bloß Spiele um die Goldene Ananas.

3 Kommentare

  1. 01
    shifty

    Und genau DAS ist einer der Gründe warum Klinsmann nicht weiter machen wird!

  2. 02

    Oder um es mit den Worten von Dr. Gregory House zu sagen: Realität irrt sich fast immer.

  3. 03

    Wirklichkeit erfolgreich abgewehrt: Ballack ist überflüssig. :)

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