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Sweet Gene Vincent

ian dury mick jones

Für den Ü-40-Stammtisch und anlässlich der kleinen Madness-Wehmut ein Blick zurück auf den 2000 verstorbenen Ian Dury und seine Blockheads, hier gemeinsam mit Mick Jones an einer (glücklicherweise?) kaum hörbaren Telecaster.

Den Jüngeren, deren Aufmerksamkeitsspanne vermutlich nur deshalb bis hierhin gereicht hat, weil das Handy gerade neu startet, seien folgende langweilige-alte-Männer-Fakten dargereicht:

Ian Dury bewegt sich so, wie er sich bewegt, weil eines seiner Beine taub war – eine Folge der Kinderlähmung und vielleicht ein Grund mehr für seine große Verehrung von Gene Vincent, dessen Bein bei einem frühen Unfall zerstört wurde. Der Typ neben Ian Dury bewegt sich überhaupt nicht, weil er das damals unglaublich cool und irgendwie new-wavig fand.

Als Gene Vincent 1971 verstarb, gründete Ian Dury Killburn and the Highroads, wirklich erfolgreich wurde er aber erst mit den Blockheads, speziell mit den Singles „Sex and Drugs and Rock’n Roll“ und „Hit me with your rythm stick“, die sogar auf diesen 80er-Jahre-Samplern auftauchen, die von Menschen gekauft werden, die sich noch nie für Künstler, sondern immer nur für einzelne Songs interessiert haben.

Sowohl mit Madness als auch mit The Clash (aber auch mit anderen Künstlern der Zeit wie z.B. Elvis „Ich kann alles, sogar Klassik“ Costello) verband Ian Dury eine enge Freundschaft. The Clash borgten sich den Blockheads-Basser Norman Watt-Roy, als Paul Simonon für die Aufnahmen von Sandinista! verhindert war, und Blockheads-Keyboarder Mickey Gallagher war nicht nur auf Tour mit The Clash, sondern soll sogar Ko-Autor von „Magnificent Seven“ sein. Madness schließlich würdigten Ian Dury kurz vor seinem Tod mit dem fantastischen gemeinsamen Song „Drip Fed Fred“ vom ohnehin sträflich unterbewerteten Madness-Album „Wonderful“.

Dass Mick Jones, der im Video oben mit den Blockheads zu sehen ist und Gitarrist von The Clash war, die Alben der Libertines und auch das Debut der Babyshambles produziert hat, erwähne ich, um den Bezug zur aktuellen Popwelt herzustellen und zu beweisen:

There’s no rest for the wicked.

(Dank für die Video-Links an Slidetone)

17 Kommentare

  1. 01

    Immerhin tut der Typ neben Ian Dury genaus das, was man mit Saxophonen machen soll: Nicht spielen.

  2. 02

    Naja, mir sagt der Telecastersound bei dem Lied (und eigentlich generell) eh nicht so zu, deshalb stört mich das nicht so; interessant find ich nur immer bei älteren Aufnahmen, dass Bands auch wunderbar ohne 5m Schützengräben Bodyguardbereich auskommen. Meistens.

  3. 03

    Sag ich ja: Cool.

  4. 04

    Schade, dass der Anfang des Liedes nicht geboten wird. Das ruhige Vorspiel in Sweet Gene Vincent bildet einen so schönen Kontrast.

    Und Davey Payne ist jetzt nur so cool und unbeweglich, damit er nachher eine schöne Schlägerei vom Zaume brechen kann.

  5. 05

    Marvin, und das Bier gab es aus Gläsern! Ohne Pfand-Chip!

  6. 06

    obwohl ich, ob meiner wenigen Jahre, nicht von damals reden kann, find ich es doch durchaus ansprechend, wenn das Bier aus einem Glas gereicht wird. Schmeckt einfach nichtmal halbsogut, wenn man blos irgendsone lauwarme Plörre ausm Plastikbecher kriegt, und dafür dann aber mindestens drei Euronen aufn Tisch legen muss.
    Aber es geht auch heute noch anders. So geschehen bei den Dead Kennedys letzten Monat. Ok, war in Österreich, aber da hat’s funktioniert, wieso hier nicht. Grade auch weil man bei Bands wie den Dead Kennedys nicht unbedingt Rücksicht vom Publikum erwarten sollte.

    Bier gehört in ein Glas!

  7. 07

    Wie, Dead Kennedys? Sind die mit Biafra unterwegs?

  8. 08
    Katharina

    Ach – sieh an… Von den Verquickungen zwischen Clash und Ian Dury wusste ich als Zu-spät-geborene nichts. Ganz kurz und ganz rechts auf der Bühne zu sehen ist aber auch noch Blockheads-Gitarrist John Turnbull. Gab’s da auch einen Austausch mit The Clash?
    Alte-Männer-Fakten, die mich jetzt aber durchaus interessieren würden! :)

  9. 09

    Nicht, dass ich wüsste! Gitarristen hatten sie ja selber zwei. :)

  10. 10

    Danke Johnny, schön geschrieben. Noch ein bischen Ü60 Trivia anbei? Gene Vincent ist ja heute leider fast völlig in Vergessenheit geraten. Dabei hat er über Jahrzehnte, bis hin zum Punk (und drüber hinaus), seine Spuren direkt und indirekt hinterlassen. Cliff Gallup, Gitarrist der Gene Vincent Band, war wahrscheinlich Jeff Becks Initialzünder. Beck widmet Vincent und Gallup später ein komplettes Album. Rockpile coverten „Get it“ und benannten ihre 77er Platte gleich nach dem Titel. John Lennon, Everly Brothers, The Fall und Birthday Party coverten Gen Vincent Titel. Für Johnny Kidd & the Pirates war Gene Vincent das Rolemodel. The Who coverten Johnny Kidd auf der „Live at Leeds“. Mick Green, Gitarrist der Pirates, beeinflußte die Pubrock Szene (aus der auch Joe Strummer kam). Wilko Johnson (Ex Dr.Feelgood Gitarrist, in dessen Band Norman Watt Roy Bass spielt) ist großer Mick Green Fan. Mick Jones orientierte sich ebenso an den Pirates. Adam Ant auch. Und dem Gene Vincent Clone, Vince Taylor (der wiederum mit den Dragons spielte, die in England auch Gene Vincents Backing Band waren), setzten die Clash ein kleines Denkmal mit ihrer grandiosen Version von „Brand New Caddilac“.

    @ Haarbueschel: Davey Payne kann aber auch ganz hervorragend tanzen: http://www.youtube.com/watch?v=zQ2dw5SQl80

    Last but not least: Wo wir letztens gerade bei Jools Holland waren, Ian Dury & Madness zu Gast bei Jools Holland (1999) http://www.youtube.com/watch?v=TCwjjE156F8

  11. 11

    daniel, ne, Biafra is raus. Jeff Penalty is drin. Schade, soeinen wie Jello Biafra gibts halt wirklich nur einmal.

    Weiss grad garnich, ob die noch unterwegs sind. Waren sie aber Ende letzten Monat auf jeden Fall…

  12. 12

    @ Katharina (8): John Turnbulls Motto ist zwar: „I am always in the right place at the right time doing the right thing.“ und er hat auch so ziemlich überall mitgespielt, aber eben nicht bei den Clash. Ich hab ihn, neben einem Auftritt mit Ian Dury & the Blockheads, einmal in Berlin mit Paul Young gesehen. Die Backing Band hieß damals afair The Royal Family. Sein Gitarrenspiel war weit, weit geschmackvoller als seine damalige Vokuhila Frisur. Aber meine Frisur war damals auch nicht besser.

  13. 13

    Nochmal John Turnbull/Clash, gerade gefunden: 1981 spielte John Turnbull mit einer Band Namens Pearl Habour auf dem Montreux Jazz Festival. Bass spielte … taaataaataataaa… Paul Simonon. Und Bruder (?) Nick Simonon an den Drums. Und weil zwei Schlagzeuger mehr Krach machen als einer, saß auch noch Steve Goulding an den Drums und der hat nun wirklich mit jedem (ausser mit den Clash) zusammengespielt. Von David Bowie über Gang of Four bis zu den Mekons. Ausserdem machen zwei Gitarristen mehr Krach als einer und darum stand Wilko Johnson Turnbull zur Seite.

  14. 14

    … und Paul Simonon war mit der Sängerin Pearl Harbour verheiratet. Und um den Kreis wieder zu schließen: 1995 spielte in ihrer Band der Dead Kennedys Gitarrist East Bay Ray…

  15. 15

    Ja, so sieht’s aus: Die 80er werden heute besser kopiert als sie jemals waren und die junge Zielgruppe lacht sich über die Originale schlapp. Wir wissen, dass wir alt sind, wenn wir mit den Originalen hinterherwinken und unseren Kindern zum Einschlafen vorsingen: There is a light that never goes out.

  16. 16
    Katharina

    Boogie, danke! Das sind ja alles interessante Querverbindungen! Ich habe J. Turnbull gerade am Wochenende live spielen sehen (mit Bob Geldof) und aus meiner Laiensicht war er da ganz großartig. Eine komische Matte hatte er aber immer noch! :)

  17. 17

    „Hit me with your rhythmn sticks
    hit me slowly, hit me quick,
    hit me! HIT ME!!“

    -Ian Dury-

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