143

Einfach nur mal angenommen

Einfach nur mal angenommen, man würde sich Gedanken um ein Unterhaltungslabel der digitalen Gegenwart machen.

Mal angenommen, man würde dabei absichtlich den Begriff „Plattenfirma“ vermeiden, da es keine Platten mehr gibt und Unterhaltung nicht ausschließlich musikalischer Natur sein muss.

Mal angenommen, man würde sich um Künstler und Autoren kümmern wollen und obwohl oder gerade weil man wüsste, dass Kopierschutz rausgeschmissenes Geld, BitTorrent ein wunderbarer Vertriebsweg für große Dateien, das Netz die beste Mund-zu-Mundpropaganda (danke…), Abmahnungen kleiner Websites Blödsinn und Creative Commons eine große Chance sind, würde man sich darum kümmern wollen, dass diese Künstler und Autoren Geld mit ihrer Kreativität verdienen.

Was würde man tun?

Wie müsste das „Label“ aussehen, dass kommerziell und realistisch arbeitet und die digitalen Realitäten und Möglichkeiten nicht nur erkennt, sondern herzlich umarmt?

Wir haben hier schon viel gemeckert über die Musikbranche, über die GEMA, die GVL, über diejenigen eben, die für die Betreuung der Kreativen und ihrer Einnahmen zuständig sind. Aber einfach mal angenommen, man wäre das Meckern leid und würde es viel lieber selber, besser oder wenigstens anders machen. Ohne Ballast, ohne Angst, ohne Größenwahn, aber mit klaren Zielen, die über ein Hobby hinaus gehen.

Wie müsste ein modernes Label aussehen, sich anfühlen, sich finanzieren, agieren?

Wir haben bei diesem Planspiel, das wir seit einigen Wochen spielen, viele Ideen, sind aber davon überzeugt, dass von euch noch viel mehr Input kommt. Wer also Lust auf virtuelles Hirnstürmen hat: You’re welcome!

(File under: Schamloses Ausnutzen der Leser auf dem Weg zu Resultaten und zu den Spreeblick-Sessions.)

143 Kommentare

  1. 01

    Oha… da müsste ich wohl erst einen Moment in mich gehen.

    Ich meld mich später nochmal ;-)

  2. 02

    vorweg: das ist jetzt nur ein kleiner eckpunkt, der mit einem gesamtkonzept nichts zu tun hat.

    aber ich finde sog. ‚labelnights‘ immer sehr spannend, in mehr oder weniger regelmaessigen abstaenden. zum einen kann sich die online-community dann auch mal in der realen welt sehen/kennenlernen. zum anderen kann es als promo ausserhalb des neztes dienen.

    wie gesagt, ist nur ein kleiner eckpunkt und ausserdem hattet ihr das bei spreeblick eigentlich schon mal mit der ‚futura bold‘ (ich hoffe das ist jetzt richtig geschrieben.)

  3. 03

    Verschieben wir das auf später? Nein. :)

    Wie müsste es aussehen oder sich anfühlen?

    Lässig, schon irgendwie ein Netzwerk, wobei jeder einzelne individuell seinen Platz definiert weiss und es deshalb unterschiedliche Künstler und Autoren gibt, die nicht alle in der gleichen Suppe schwimmen. Und es vereint sie vermutlich nicht nur das Innernet – das ist höchstens die Arbeitsfläche.

    Ansonsten – schön, schick, viel Fremdes, neugierig machend, interessant provozierend…

    Mal schauen…

  4. 04
    msc

    @Manuel

    Das ist sowieso eine gute Idee.
    Gerade im Hinblick auf den Artikel von Julie würde ich es begrüßen, wenn die Kommentare erst nach ca. 3 Tagen eröffnet würden. Das gäbe den Lesern genug Zeit, das Gelesene zu verarbeiten – und so manche Schlammschlacht wäre uns erspart ;-)

    Aber zum Thema: Es stimmt schon – meckern fällt immer leicht. Aber so ein richtiges Konzept kann ich auch nicht aus dem Ärmel schütteln.
    Hm, mal nachdenken.

  5. 05

    Ein solches Label sollte begreifen, dass der Nutzer keine Musik mehr besitzen will, sondern nur noch darauf Zugriff haben will, wann und wie es ihm beliebt. Denn er will keine Daten, egal in welcher Form, herumschieben, sondern sie einfach nur hören.
    Der Nutzer will trotzdem seine Lieblingsongs hören, aber auch zu seinem Geschmack passendes Neues erfahren.
    Der Nutzer will sich nicht mit kleinteiligen Song/CD/DVD Preisen rumschlagen, sondern ein Abo haben, das alle seine Wünsche abdeckt.
    Der Nutzer braucht kein Label, sondern einen von ihm zusammengesammelten Verbund von Labeln, bzw. deren Unterkategorien, aggregiert und zum Festpreis abboniert.
    Eigentlich will er sich um Labelgrenzen einen Dreck scheren. Er will Songs, kein Label.
    Ich denke also viel wichtiger ist erstmal so ein offenes Metaframework, das diese infrastrukturellen Vorraussetzungen schafft und über Labelgrenzen hinweg operiert. Dann können wir über Labels sprechen. Aber dann eigentlich auch nicht mehr. Es sollten die Künstler selber sein, die Ihre Daten darin feilbieten.
    Wer braucht da noch ein Label? Ok, Marketing und so. Aber gut, das wären dann mehr so Dienstleister, hired and fiered by the artists.

  6. 06

    Nachtrag: Lese mich grade wieder und denke: Das wär ja ne Mischung aus Pandora, Myspace und iTunes.

  7. 07
    msc

    Äh, ich sehe mich schon als „Nutzer“.
    Aber ich möchte Musik schon „besitzen“ – Beim Begriff Abo rollen sich mir die Fußnägel hoch.

  8. 08

    Abo finde ich auch nicht gut. Aber Geld muss ja irgendwie fließen, wenn es über Hobby hinausgehen soll. Ein Prepaid-Modell vielleicht?

  9. 09
    msc

    Als kleines Beispiel für einen Vertriebsweg, den ich gerne nutze:

    http://thresholdhouse.greedbag.com/

    Dort kann man die Alben von COIL in digitaler Form kaufen.
    Wahlweise in mp3, AAC oder stellenweise auch in FLAC.
    Ohne DRM :-)

    Ist zwar mehr die klassische Schiene (Kreditkarte), aber ich nutze es gerne.
    Zumal die Sachen von COIL auf traditionellen Tonträgern sehr schwer zu bekommen sind.

  10. 10

    Vielleicht bin ich auch nur extrem faul, aber ich hab weder Lust noch Zeit, mich mit Datenhaltung und Kostenkontrolle auseinander zu setzen. Deswegen Abo und deswegen auch kein lokales speichern.

  11. 11
    ElCot

    @mspro: Also Napster – nur irgendwie ohne Napster drumherum, was?

  12. 12

    @mspro

    wer braucht da noch ein label? na, um der guten ordnung willen.
    ein label ist ja nicht nur ein virtueller zusammenschluss mit einem namen drauf, sondern ein verbund von richtigen menschen, die eine idee transportieren.
    man gründet, sagen wir, das label „sonnenschein“, legt fest, wer draufkommt, also ins konzept passt und das sind am anfang wohl kreative freunde und freundesfreunde, die zwar gute ideen haben, die aber nicht an den mann/die frau bringen können, weil sich ja wohl keiner in die fußgängerzone stellt und sagt: guck mal, ich hab hier einen geilen comic. willste den nicht kaufen?
    kurzum: ein label kann helfen, auftritte zu kriegen, sich adäquat potenziellen käufern zu präsentieren und dann auch wirklich zu verkaufen.
    ich finde sowieso, dass mp3 u.ä. natürlich in die konzeption eingehen MÜSSEN, dass aber analoge formate wie bücher, filme auf dvd’s, schallplatten, photos usw. usf. über den ganzen digihype nicht in vergessenheit geraten sollten.
    und bevor sich ein cooler neuer autor, filmemacher, dj oder eine band in einen verlag oder ein major label reingeschleimt hat, vergeht soviel zeit, dass man das ganze auch gleich selbst in die hand nehmen kann.

    @johnny

    immer wieder aktuelle themen, die du aus dir rausschraubst und bei denen es spaß macht, in die diskussion miteinzusteigen.

  13. 13

    Kuck Dir Proton Radio (Progressive House) an: hat als Internet Radio angefangen (donation) und hat jetzt ein eigenes Label gegründet, das jetzt über beatport.com die Songs verkauft.
    Außerdem im Programm: Compilations, Podcast (ganze Mixe, mit Link der jeweiligen Stücke [Coveransicht] zum Download auf beatport.com), mp3-Mixe von einem begnadeten DJ (Jay Epoch) im Forum zum runterladen.
    Die sind saumäßig gut: bieten eine Menge und nutzen alles, was möglich ist.
    Gute Frage: wer verdient da eigentlich was?

  14. 14

    @ myself

    analoge formen wie filme auf dvd’s?
    schon reichlich lange vor dem bildschirm gesessen heute, was?

    was ich natürlich meine ist, dass sich nicht nur alles um tauschbörsen und runtergelade aus und im netz drehen sollte, sondern dass man auch mal „richtige“ sachen zum anfassen mit cover und so zu hause haben will und nicht nur zugemüllte festplatten.

  15. 15
    Tom

    Kuck Dir mal Proton Radio an: die haben als Internet Radio angefangen und jetzt ein Label gegründet, das nur online über beatport.com vertreibt.

  16. 16

    „Der Nutzer will sich nicht mit kleinteiligen Song/CD/DVD Preisen rumschlagen, sondern ein Abo haben, das alle seine Wünsche abdeckt.“
    Naja, ich für meinen Teil möchte kein Abo. Ich möcht ab und zu mal ein Lied und dann und wann mal ein Album kaufen. Abos schrecken mich eher ab.
    Damit so ein Label bekannt wird sollte es am besten so einschlagen wie iTunes, YouTube oder MySpace. Also ein Portal wäre keine schlechte Idee. Vieleicht ein deviantart.com für Musik? Also jeder kann seine Musikstücke hochladen wie er will unter der Lizenz die er will. Wenn er will gibts nur Ausschnitte oder low-quality Versionen zum kostenlosen Runterladen. Die Vollversion bzw. eine in hoher Qualität kompremirte bzw. nicht verlustbehaftet kompremierte (FLAC) Version gibts dann gegen bezahlung.
    deviantart.com wird wie es sceint von einigen Künstlern als Plattform genutzt. Vorallem um bekannt zu werden, aber auch um Prints zu verkaufen. Sowas für Musik wär sicher nicht schlecht. Aber eine bessere Suchfunktion sollte das dann haben.
    Was ist bei onlinekäufen von Musik bis jetzt immer nicht dabei? Ein Booklet. Das sollte am besten kostenlos als HTML aber acuh als PDF abrufbar sein. Und Lyrics sollten bei jeden Lied dabei sein. Am besten gleich im MP3- oder Vorbis-Tag.
    Eine Kooperation mit BitTorrent, Wikipedia (Einträge über die Künstler) und Googel oder ähnlichen Größen würde sicher eine super Publicity bieten und auch aus technischen Gründen gut sein.
    Auf alle fälle wäre ein Wiki zu dem Thema mal gut. Also ein Wiki in dem man gemeinsam die Geschäftsidee ausarbeitet. Vieleicht stellt Tim das chaosradio-wiki, bzw. eine Usersite im chaosradio-wiki, zur Verfügung? Er gehört da ganz bestimmt nicht zu den Exkludisten. ;) Vieleicht macht er auch mal ne Chosradiosendung zu dem Thema? Könnte man dann auch als Publicity nutzen.

  17. 17

    Meine Sicht mag da gerade etwas eingefärbt sein … aber wenn die Frage lautet, „Wie kann von dem ganzen Spass jemand leben, wie kann sich das finanzieren?“, dann habe ich in den letzten 6 Wochen eins gelernt: es zählt zuerstmal die Reichweite.
    Nur, dass wir uns da nicht missverstehen: ich bin da wirklich kein Freund von und wäre glücklicher in einer anderen Welt, aber das Geld im Netz liegt zu allererst hinter den PIs, wie Google gerade eindrucksvoll bewiesen hat, indem sie auf Murdocks Kaufpreis von MySpace (der schon jenseits von Gut und Böse war) nochmal ein Drittel drauf gelegt haben – nicht etwa um den Laden zu kaufen, sondern nur um ihn zu durchsuchen!
    Gut MySpace ist kein Label und Masse statt Klasse kann nicht das Prinzip von Spreeblick sein, aber wie gesagt: mein Einsicht der letzten zwei Monate ist, dass auch hochwertige Inhalte nach den gleichen Regeln spielen müssen, wenn’s um’s Geld geht.

  18. 18

    @Tom
    Also beatport.com kann mit mir garkein Geschäft machen. Die benötigen Flash 8, aber für Linux gibts nur Flash 7. Sowieso ist das ja eine Frechheit und ein Blödsinn, für so eine Seite Flash vorauszusetzen. Acessability gibts da sicher kein und Google kann’s sicher auch net richtig indizieren. Alle großen erfolgreichen Seiten verwenden kein flash als Muss. Naja, YouTube schon, aber nur als eingebettete Viedeo-Viewer. Und auch da brauch ich kein Flash, hab nen Weg gefunden die Videos runterzuladen und abzuspielen (mit ffplay von ffmpeg. manchmal packts auch vlc).
    Also eine anforderung an die Homepage des Labels: Flash nur als kleine entbärliche Audio-/Video-Player einbetten und immer eine Filedownload-Option anbieten.

  19. 19

    ups, mein kommentar das ist jetzt ein bischen pessimistisch geraten, das war gar nicht so gemeint, denn was ich auch gelernt habe ist, dass es immer mehr Leute im Netz gibt, die hochwertige Inhalte haben wollen, und denen es auch egal ist, ob die als Abo oder Besitz oder SMS-Service daher kommen. Hauptsache das Vertrauen zwischen Besucher und Anbieter stimmt.

  20. 20
    kalle

    supporter driven wie auf http://supporter.neubauten.org/ finde ich schon mal gar nicht so schlecht. Mit dicken Tam Tam drumherum, Studiocam, Exklusivmaterial etc. Konsequent auch der Verkauf einer 80gig Platte mit allen Aufnahmen der letzten Tour irgendwo da im Shop. Da würde Plattenfirma dann auch wieder passen. Das ganz passt aber sicherlich nicht immer und überall. cdbaby ist auch ganz nett.

    Es wird und muss auch nicht den einen Weg geben. Abo für den einen, Singletracks für den anderen, CDs, Mobil, limitiertes Vinyl-On-Demand, Konzerte, Auftragsmusik, Merch. Letztlich ein Multichannelvertrieb aller möglichen erbringbaren Leistungen – Musik, Show und Marke unter Berücksichtigung des eigenen künstlerischen Anspruchs, der Nachfrage und den mannigfaltigen technischen Möglichkeiten.

  21. 21

    So klasse die Idee auch ist. Ich denke damit die Unternehmung auf mittel- bis langfristig rentabel ist, sind immer mehr Kompromisse notwendig, die letztendlich darauf hinauslaufen, dass man letzt endlich doch ein normales Plattenlabel wird.

  22. 22

    Ähm Johnny…du weißt dass Magnatune existiert und funktioniert.

  23. 23

    die von mp_464 vorgeschlagene labelnacht würde ich auch als wesentlichen bestandteil des verlags, der marke, des labels sehen. ein abend mit vielen facetten und vor allem, mit der persönlichen note (im sinne einer person vor ort, in schlagdistanz). ein point of sale vor den eigenen füßen. [soweit das konkrete]

    der verlag sollte signalisieren, dass ver-wertet wird und nicht ver-schenkt. ich weiß aus eigener bescheidener (sehr bescheidener) erfahrung, dass es nichts schlimmeres gibt, aber vielleicht lohnt es sich gerade hierfür auch einen unsympathischen arsch ins boot zu holen wenn man selbst nicht wert-schätzt, warum soll es dann die zielgruppe übernehmen? die will doch nur konsumieren?! (bitte keinen pranger für diese aussage und ja, die zielgruppe besteht aus selbständigen wie selbstbewussten individuen)

    ansätze, spinnereien (weitere):
    der verlag sollte ohne balast, aber mit bedacht agieren. hier kommt das „premium“ ins spiel. gerade ohne überwachende instanzen, die sich ob ihrer starrheit selbst überleben (gema, gvl) wäre bewusster kontrollverlust in teilen sicher ein gutes mittel. es muss nicht alles in geld umgewandelt werden. keine perlen vor die säue, dafür trüffel auf die teller derer die hunger haben. (phrasenschwein, anyone?)
    vielleicht kann auch ein gesundes selbstbewusstsein nicht schaden. eine leistung hat ihren wert, den man ab und an auch ver-werten muss. (ich wiederhole mich)

    vielleicht bleibt am schluss nur die frage, ob man mit pioniergeist glänzen oder mit ernüchterung profitieren möchte.

  24. 24

    bin jetzt noch nich solang dabei… aber ist das mit der „mund-zu-mund-propaganda“ son absichtliches running-gag-insider-ding das sich tatsächlich hierauf bezieht, oder kennt und schätzt man SpOn hier bloß einfach nicht? :P

    (memo an mich: häkchen machen hinter a-blogger-dissen-damit-dieser-meinen-blog-besucht-und-berühmt-macht)

    lg flo

  25. 25

    Vor allem braucht das einen Podcast :-). Bei 3p fand ich immer cool, dass die etablierten, die Nachwuchskünstler mit aufgebaut haben.

  26. 26

    Wenn man Tauschnetzerke als Verbündete auf seiner Seite haben will und nicht als Feinde, zwingt dies doch dazu, die Inhalte (in diesem Fall die Songs) an sich als kostenlos zu betrachten.
    Ein bezahltes Abo, oder eben einzeln zu kaufende Songs würden schließlich dort wieder kostenlos erhältlich sein, und man steht wieder vor dem Ausgangsproblem.
    Geld muss also irgendwie anderes hereinkommen.
    Konzerte, CDs, DVDs – Dinge, die mehr Wert haben als der pure Inhalt des Songs.
    Ich möchte es nicht missen, eine gekaufte CD in meinen Player zu legen und gleichzeitig das wertige Booklet durchzublättern.
    Das Label würde also seine Funktion als Medien-in-den-Laden-Briger behalten. Die Zeit und das Geld, das nicht mehr in das Verklagen von Tauschbörsen und deren Nutzer investiert wird könnte in die attraktivere Gestaltung der handfesten Waren (CDs, DVDs) fließen.
    Höchst wahrscheinlich würde dies jedoch nicht den Umsatzeinbruch ausgleichen. Vielleicht müssten Konzerte teurer werden. Aber das will ja auch niemand.
    Also vielleicht doch eine Verschlankung des Labels. Keine greifbaren Waren, nur digitale. Das würde die laufenden Kosten auf ein Minimum beschränken. Die Daseinsberechtigung behält es trotzdem, da Bands/Künstler mit seiner Hilfe aus dem Schatten heraustreten könnten und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt würden. Aber woher kommt in diesem Szenario das Geld für die Brötchen? Wie bekommen etwa YouTube oder MySpace die Kosten für die Server herein? Deren Inhalte sind schließlich ebenfalls kostenlos.
    Wohl mehr Fragen als Antworten, aber das Thema ist es wirklich wert, darüber nachzudenken.

  27. 27
    timtester

    Obwohl ich vom diesem Business keine praktische Ahnung habe, finde ich:

    – die Künstler müssen nicht vermarktet sondern erlebbar gemacht werden
    (das mit Toni Mahoni ist ja ein Anfang)
    – bei der Darstellung der Künstler im Web kann man viel Geld sparen,
    bei meinen „Lieblingsbands“ sind die Fanpages meist besser als der
    Labelkram, auch kleinere Acts haben bestimmt eine Fangemeinde oder
    können das schon selbst ganz gut
    – die Regeln müssen klar sein „He wir machen coole Sachen, müssen aber
    davon leben.“ durchsetzen kann man das nicht, hoffen aber schon
    (die Ärzte lassen doch auch Bootlegs kostenlos im Inet zu)
    – als Nutzer möchte ich gute Kritiken, mit denen ich auch als
    Erwachsener was anfangen kann, Radio und Fernsehen verbieten sich
    da leider heutzutage
    – wie finde ich aus der Menge „Verliebt“ von Toni und wie kann
    ich das kaufen? Nach den gängigen Genre Menüs hätte ich das nie
    gefunden
    – der Label muss die Plattform bieten und stellt aus meiner Ansicht
    die Dienstleistungen für den Nutzer und Künstler dar
    Hier wird es extrem schwierig, i-tunes setzt die Latt performance
    mäßig sehr hoch. Auch für die Leute die den Content einstellen
    muß ja was Brauchbares her. Das bedeutet Investitionen in nicht
    unerheblichen Maßstab! Trotz kleinem Anfang (wenige Künstler) darf
    hier nicht gespart werden!

    Tim

  28. 28
    Mike

    Tja, die eigene Zukunft ist bereits Vergangenheit…

    Am besten laßt ihr euch von einem (vorzugsweise Stuttgarter, in Berlin gibt es so wenige) Autokonzern sponsoren und schon gehts los: http://www.mercedes-benz.de/mixedtape

    Der Nachteil: man muß ein entspanntes Verhältnis zu Autos haben. Siehe auch: Opel-Blogger. ;-)

    Mike

  29. 29

    was ist mit dem podsafe music network?

  30. 30

    Heureka!
    Eine digitale wollmilchlegende Eiersau (oder so ähnlich). Das Du da nicht früher drauf gekommen bist. Schon mal an elektronische Tupperparties gedacht?

    matthias:)

  31. 31

    erste überlegung. es gibt doch am prenzlauer berg einen weinladen mit einer kleinen schenke dabei in der man das geld, das man für den wein auszugeben bereit ist, einfach in einen großen topf tut. das soll wohl ganz gut funktionieren. es gibt im sauerland ein hotel (nein, nicht der sauerlandstern) das am wochenende nach dem selben prinzip verfährt. man bezahlt, was man geben will. auch das soll funktionieren.
    Und wie ist das mit dem net-lectronic-label thinner.cc? Die musik gibt es umsonst. aber kann man dort nicht donations geben, also geld spenden wenn man das möchte? ich habe keine ahnung was dabei rumkommt.
    zweite überlegung:
    es gibt einen lesenwerten Artikel bei brandeins, Ausgabe 02/2004.
    http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=1299&wh=Musik&MenuID=130&MagID=45&sid=su811731772026613256
    da geht es unter anderem um das potato-system, erfunden von zwei forschern die an
    der mp3-entwicklung beteiligt waren. das system funktioniert so:
    „Bei Potato, dem System der beiden Forscher, bleibt dieser Mehrwert erhalten: Die Tracks sind ungeschützt und beliebig zu vervielfältigen. Dennoch gibt es einen Anreiz, sie nicht kostenlos aus dem Netz zu ziehen und weiterzugeben, sondern für sie zu bezahlen — denn Potato beteiligt nicht nur die Musiker an den Erlösen, sondern auch die Kunden.
    Das funktioniert so: Wenn ein Musiker einen Song bei Potato anmeldet, erstellt der Potato-Server einen Link zu diesem Track. Diesen Link kann der Musiker zum Beispiel auf seinerWebsite veröffentlichen. Wer draufklickt, wird auf das Potato-System umgeleitet und kann dort den Track kaufen. Damit erhält der Käufer aber nicht nur das Musikstück, sondern auch das Vertriebsrecht dafür. Potato erstellt automatisch einen neuen Link, der nicht an den Verkäufer gebunden ist, sondern an den Käufer. Dafür muss er sich nur selbst bei Potato anmelden, damit dieVerkaufsprovision abgerechnet werden kann. Wenn er dann den für ihn erzeugten Link in sein eigenes Web-Angebot stellt und jemand den Song über diesen Link kauft, wird er mit 20 Prozent am Kaufpreis beteiligt. Wenn der Käufer, der ihm das Stück abgekauft hat, den Song weiterverkauft, bekommt er zehn Prozent, in einer dritten Stufe noch fünf Prozent. Erst in der vierten Stufe fällt der erste Verkäufer aus der Kette heraus und erhält keinen Anteil mehr. Nur die Urheber bekommen immer 30 Prozent vom Umsatz. Potato ist Marketingwerkzeug und Vertriebssystem in einem, sagt Jürgen Nützel. Zu Beginn habe der Künstler nur einige wenige Fans, aber darunter seien stets einige Enthusiasten, die sagten: Cool, ich platziere das auf meiner Website. „žSo kann die Begeisterung der Fans genützt werden. Die erzählen nicht nur von der Musik, die verkaufen sie weiter.“
    grundsätzlich finde ich die idee nicht schlecht. da nicht zuletzt durch die weblogs immer mehr private webseiten entstehen wo man einen hinweis auf bevorzugte platten, bücher, spiele etc. liefern kann könnte ich mir so einen vertriebsweg durchaus vorstellen.
    und wie soll so ein label aussehen? mmmh…

  32. 32
    Donald

    Es sollte ein virtueller Hut vorhanden sein, in den ich auch kleine Beträge für die Künstler reinwerfen kann. Und zwar so einfach wie möglich. Mit Paypal vielleicht oder mit einem Guthaben, dass ich im Laufe der Zeit wegspenden kann.

    Wenn die Dateien kein DRM haben (bitte!), dann kann ich sie ja auch auf anderen Wegen von Freunden bekommen. Wenn ich dann merke, dass ich sie so gut finde, dass ich sie auch kaufen würde, kann ich dann einfach freiwillig ein paar Euro in deren Hut werfen. Und wenn ich später merke, dass ich sie noch besser finde, spende ich vielleicht nochmal was. Die Sachen, die nur OK sind, bekommen dann etwas weniger, aber immerhin mehr als nichts. Sowas wünsche ich mir.

    Bitte mach es möglich, Johnny!
    Donald

  33. 33

    Ein Club. Vinyl. Ein Fanzine. Eine Website. Microgeld. Kein Sponsor. Kopieren.

  34. 34
    y

    Ein Finanzierungsmodell:

    Die Inhhalte können nur vollständig von regestrierten Usern betachtet werden – Mitgliedern. (Name + Passwort reichen für den anfang).

    Die Mitgliedschaft kann man solange Testen wie man will ist quasi Kostenlos.
    Trotzedem wird einem klar gemacht dass man immer nur ein Tester ist und eigentlich etwas nutz für das ander bezahlen.

    Ein Zähler könnte einen anzeigen wieviel man schon Konsumiert hat und daraus berechnen was man Zahlen müsste um Fair zu sein. (und so ein schlechtes Gewissen erzeugen ).

    User die regelmässig Zahlen könnten mit ein Sternchen belohnt werden das Anzeigt wie fair sie sind (in Talkbacks/Foren).

    Leute die sich selber an der Plattform beteiligen, bekommen für ihre Beiträge Kredits und müssten weniger bezahlen.

    Und dann holt ihr Euch noch das Patent für das System :-)

  35. 35

    Mmmh, das ist hier die 1-Million-Dollar-Frage, oder? ;)

    Ernsthaft: Wenn man es schafft, all diese (widersprüchlichen?) Anforderungen unter einen funktionierenden Hut zu bringen, hat man womöglich das Modell für die zukünftige Vertriebsform von Entertainment gefunden.

    Wenn es denn so eine Lösung gibt – was möglich, aber ganz und gar nicht sicher ist – dann findet man sie nur durch Probieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass so ein Versuch auf Anhieb erfolgreich ist, ist gering, aber so what? – das Risiko gehört zum Spiel.

    Ganz persönlich lege ich keinen Wert auf Booklets, Cover, Wikis und das ganze Drumherum. Ich will den Content. Einfach, übersichtlich, unbeschränkt, kaufen. Ich glaube, dass intuitive, einfache Bedienbarkeit einen großen Teil des Erfolgs ausmacht. Eben deswegen ist iTunes so erfolgreich: Eine all-in-one-Lösung. Das mag auf Kosten der Kompatibilität gehen, aber es überzeugt.

    (Und wenn der Laden tatsächlich läuft, kommt Google und kauft ihn. :p )

  36. 36

    Mir wären sowohl Web Zweinulligkeit als auch einige andere langweilige Dinge herzlich egal. Das wichtigste an einem Label sind die Künstler und die Musik!
    Das sind die beiden einzigen Kriterien, die ich zu Grunde lege.

    Gefällt mir eine Band, kaufe ich deren CD. Unkomprimiert und original. Downloads interessieren mich persönlich nicht die Bohne.

  37. 37
    Ms_Ing

    @Y:
    Ich danke nicht, dass es eine gute Idee ist zu versuchen seinen Kunden einschlechtes Gewissen zu machen.
    Aber ich halte die Idee von einer Art Credit-System für gut. Man kann „Punkte“ (Points, Credits, Mäuse, Schnorchel, …) erwerben, aber nicht nur durch Geld, sondern auch durch Trackbacks, „Treue“ oder durch Beiträge. Beispielsweise in Foren oder durch Rezensionen.
    Vielleicht auch etwas ähnliches wie die Amazon-Links auf dieser Seite. Je mehr Leute von einem Link auf das Label gelangen desto mehr „Punkte“ kriegt der Besitzer des Links.
    Ich denke auch, dass es nicht mehr darum geht Musik zu besitzen. Für mich wäre ein Live-Mitschnitt, beispielsweise bei YouTube interessanter als ein Booklet, aber ich will auch in der Lage sein Musik auf ein portables Musikabspielgerät meiner Wahl zu überspielen.

    Ich weiß, dass mir jetzt keine Möglichkeit der Geldeinnahme eingefallen ist, aber:

    AIN’T NO MOUNTAIN HIGH ENOUGH

    Viel Glück Johnny

  38. 38

    Okay die Kommentarspam- Versuchung geh´ ich mal ein.
    Unsere Umsetzung dieser, oder zumindest ähnlicher, Ideen sieht seit ca. 2 Jahren ungefähr so aus: http://www.12rec.net . Netlabel halt, alter Hut, plus schöne DIY CD-Rs, noch älterer Hut. Macht aber trotzdem Spaß und stößt durchaus auf Interesse. Nur mit Geldverdienen hat das natürlich nicht annähernd was zu tun. Nee, auch mit den CD-Rs verdienen wir nix… Selbstkostenpreis excl. Arbeitszeit. Aber ist große Kunst nicht schon immer mit Selbstausbeutung Hand in Hand gegangen? ;)
    Donations? Freiwilligkeit? Keine Ahnung wie das bei Thinner so läuft, aber aus unserer Erfahrung keine Chance. Wir hatten mal diese PayPal Buttons, haben die aber nach ein paar Monaten runtergenommen weil da rein garnichts kam. Dann lieber komplett drauf scheißen.
    Die Elektronika/ Tanzmusik Kollegen setzen da sehr auf den Promoeffekt der Umsonstreleases und sehen dann zu daß die Kohle bei DJ & Livesets reinkommt was bei den etablierteren Netlabels wohl durchaus aufgeht aber auf Bands eher nicht übertragbar ist.
    Naja, aber ich bin da wohl auch nicht der richtige Mann für. Alles was sich auf Business reimt fand ich schon immer irgendwie gruselig. Musik für´s Herz und Nachtportierjob für die Miete… das ist mein Geschäftsmodell! ;)
    Bin jedenfalls sehr gespannt was da in der Richtung so kommt bei euch. Viel Glück für Wasauchimmer!

  39. 39

    Wow.

    Ich bin beeindruckt.

    Die meisten Vorschläge/Vergleiche sind Vertriebswege. iTMS, magnatune, Pandora, Potato (das leider bisher extrem unsexy daherkommt, aber das kann man ja ändern): Das alles sind moderne Formen des „Plattenladens“, auch wenn sich magnatue z.B. als Label bezeichnet (ich glaube übrigens nicht, dass es auch nur einen einzigen Künstler gibt, der sich halbwegs über magnatune finanziert, das mag aber an meiner natürlichen Abneigung gegenüber Unternehmen liegen, die als peinlichen Claim „wir sind nicht böse“ benutzen). Dieser Vertrieb kümmert sich einzig um den Verkauf oder die Verbreitung von Musik oder Daten – die Künstler jedoch zu betreuen, in ihrer Entwicklung zu begleiten, ihnen (auch finanziell) zur Seite zu stehen, sie zu „positionieren“, Marketing zu machen und sie vor allem erstmal zu finden – das ist (bisher) Aufgabe des Labels oder des Verlags. Eine Aufgabe, die sehr oft unterschätzt wird, denn weder iTMS noch andere Plattformen ohne DRM interessieren sich für den Künstler, er ist austauschbar und sie investieren keinen müden Gedanken, geschweige denn Euro in seine Entwicklung oder zahlen die Aufnahmen, Demos, Mieten oder die Plakate für seine Tour.

    Das muss nun aber alles nicht heißen, dass ein Label „von heute“ genauso sein muss wie das von gestern. Nur wollten und könnten wir kein Portal gründen, zumal es davon ja jede Menge spannender und nutzbarer gibt.

    Wir gehen das kleiner an: Würden wir z.B. aktuell über einen digitalen Vertrieb von Tonis CD nachdenken, würden wir aus dem Bauch raus erstmal an Potato denken, da fair und sinnvoll. iTMS oder Musicload müsste man sich aber auch überlegen, schließlich hat der Nutzer am Ende die Auswahl und letztendlich darf man nicht vergessen, dass nicht jeder ein Obernerd und Auskenner ist: Wer Musik sucht, die er im Radio gehört hat, geht vielleicht zunächst zu den „Großen“ – und was er dort nicht findet, gibt es eben in seinem Universum nicht. Das alte Spiel.

    Mit anderen Worten: Unsere Überlegungen setzen viel früher an. Sie beginnen mit der Frage, ob sich ein Künstler, seine Musiker, seine Tour und seine Helfer überhaupt noch über „Verkäufe“ der Musik finanzieren lassen oder ob es andere Wege geben müsste.

    Es gibt viele Beispiele, die noch nach dem alten System funktionieren, die Beatsteaks haben z.B. richtig viele Platten verkauft (um mal ein Beispiel ein „integren“ Band, die sich hochgearbeitet hat, zu nehmen). Aber wie lange werden sie das noch tun?

    Nur mal als Ansatz und Futter fürs Hirn: Plattenfirmen sichern sich mittlerweile (nicht ganz zu Unrecht) Anteile an den Einnahmen aus Live-Konzerten ihrer Acts (das war bis vor wenigen Jahren undenkbar). Der Hintergrund ist klar: Das Label finanziert die Aufnahmen, stellt die CD her, stellt den Kram bei iTMS rein und macht Werbung – damit die Aufnahmen dann per P-2-P runtergeladen werden und der Künstler hauptsächlich an den Konzerten und am Merchandising verdient, wovon das Label keinen Cent sah. Alles jetzt mal flach und auf die Schnelle getippt…

    Wir fragen uns also eher, ob ein „modernes“ Label nicht eher ein erweitertes Management ist, dass eben ein Label geradezu überflüssig macht. Dieses Management kümmert sich, während der Künstler Künstler ist, um seine Web-Präsenz, seine MySpace-Freunde, seine YouTube-Kommentare, den (analogen durch Dritte und digitalen Selbst-) Vertrieb – eben um alles. Dafür erhält dieses Management Anteile an allen „Auswertungen“, nicht nur am Verkauf von Tonträgern oder bezahlten Downloads (sondern?). Der Ausschluss von Mittelsmännern sorgt für ohnehin höhere Einnahmen auch auf Künstlerseite – so in die Richtung. Und dabei ist das Problem der Vergütung der Autoren, also der Urheber, die nicht immer mit dem Musiker identisch sind, noch nicht einmal angedacht…

    Was für uns feststeht: Der Künstler als Selbst-Promoter, der nicht nur Songs schreibt und aufnimmt, sondern auch noch seine Seiten und Vertriebe betreut, mag in Einzelfällen und bis zu einem bestimten Level funktionieren – auf Dauer aber ist er Utopie. Pop ist viel mehr als nur der Klang eines Songs oder das Foto eines Sängers.

    Und trotz allem: Sehr viel tolle Ideen und Anregungen, danke dafür! Das macht Spaß. Ganz besonders spannend finde ich den Gedanken des Nicht-„besitzen“-Wollens von Musik, sondern den dauerhaften und örtlich ungebundenen Zugriff darauf.

    Wenn wir tatsächlich irgendwas auf die Beine stellen können, gibt’s Frei-Accounts oder was auch immer.

    Hach, nach einem Tag voller sehr merkwürdiger Kommentare in anderen Artikeln stellt sich gerade wieder so ein „Ich mag Spreeblick doch schon sehr“-Gefühl bei mir ein…. Danke dafür! :)

    Achja, noch mehr: DRM wird es mit mir zumindest nicht ausschließlich geben, es sei denn, die einzelnen Vertriebswege, sollten wir uns dafür (auch) entscheiden müssen, bestehen darauf. Dann muss es eine freie Alternative geben, denn dieser Blödsinn mit Songs, die ich bei iTMS kaufe, aber nicht auf mein Handy mit MP3-Player-Funktion bekomme, ist genau das: Blödsinn. Ich bin sicher, dass die nächsten Jahre sowieso eine Verabschiedung von DRM hin zu Watermarks (siehe wieder: Potato) bringen werden.

    Gleichzeitig jedoch glaube ich auch nicht an das freiwillige Spendensystem. Zählt mal, wieviele Leute hier sehr begeistert von Spreeblick-Spenden waren und ratet, wieviele davon tatsächlich gespendet haben. Genau. :) Und ich meine das nicht böse, sondern verstehe das sogar komplett! Ich hab peinlicherweise noch nie ’nem Blogger etwas aus seiner Wunschliste bestellt, bezahle aber jeden zweiten Morgen Geld für die Tageszeitung, die voller Werbung ist. Und so geht das sicher nicht nur mir.

    Ich suche die Lösung und weiß, dass sie irgendwo darauf wartet, gefunden zu werden. Vielleicht ist sie radikal, vielleicht bedeutet sie komplett freie Musik, keine Ahnung, aber irgendwo ist sie und sie wird funktionieren. Doch sie muss für alle funktionieren: Einfach, schnell, leicht. Das ist das ganze Geheimnis von iTunes, sowas muss es auch für ein Label geben.

    Ich bin müde. Schlaft gut!

  40. 40

    Und noch was:

    Mercedes Benz zahlt nach meinem Wissensstand so gut wie gar nichts an die Künstler des Mixtapes. Sie müssen GEMA-frei sein (damit MB keine Abgaben zahlen muss), bekommen vielleicht eine kleinere einmalige Summe und danach ist Schluss. Egal, wieviele CDs hergestellt wurden und wieviele Downloads es gab. Fair? Zukunft? Ich bezweifle das.

  41. 41
    ajo

    Der Tag wird kommen, an dem man mit Musik gar kein Geld mehr wird verdienen können. Das ist auch so 20. Jahrhundert… Trotzdem wird es immer Musik geben, vielleicht dann sogar bessere.

    @austerlitsch: auch das Akropolis in der ‚Lindenstraße‘ hat schon vor Jahren die Bezahlung auf freiwilliger Basis eingeführt. Mittlerweile haben die das wieder abgeschafft, glaube ich, weiß einer warum und wann? Oder haben diese miesen Autoren die Story einfach nur nich mehr weiter gestrickt? Wäre nicht das erste mal…

  42. 42

    ajo, deinen ersten Absatz habe ich so oder ähnlich selbst schon gesagt. Dennoch: Wovon werden Autoren und Musiker, von denen Präsenz und Output auch dann erwartet werden wird, dann leben?

  43. 43

    Ah, Johnny hat eine Abneigung gegen Unternehmen, die den peinlichen Claim „Wir sind nicht böse“ haben. Deshalb auch die ganzen Google-Ads auf seinen Seiten. Ja nee, is klar.

    Natürlich finanziert sich noch kein Künstler ausschließlich über Magnatune, dazu ist das Ding einfach zu unbekannt. Das liegt übrigens daran, dass die „A-Blogger“ der Nation stets von Majorlabel-Gedudel reden und sich per Amazon-Link lieber ein paar Cent dazuverdienen, anstatt eben solche Labels zu unterstützen. Das Problem liegt nicht am Geschäftsmodell von Magnatune, sondern am Einfluss der Major Labels.

  44. 44

    @René: Nee, das Problem ist, dass ich bei magnatune nichts finde, was mich interessiert. Hätten sie Künstler, die über einen Liebhaber-Status hinauskommen würden, wären sie auch bekannter. Kann ja noch passieren.

    Im Übrigen ist das (uralte und natürlich schon immer extrem fragwürdige) Firmen-Motto (!) „don’t be evil“ von Google ein erheblicher Unterschied zu der Behauptung „We’re not evil“ im Logo von magnatune. Aber ich fand auch das Google-Credo immer Panne. magnatune ist eine prima Idee, überhaupt keine Frage. Wird aber erst funktionieren, wenn sie das alberne „wir sind moralisch besser“-Image, das keinen Musikhörer (außer dich) interessiert, ablegen und z.B. Affiliate-Links einführen. Es gibt (von wegen „die bösen Majors“) massig Indie-Labels die sehr erfolgreich sind, der Erfolg steht und fällt jedoch mit den Künstlern, er kam noch nie über Angebotsmasse oder über moralische Ansprüche des Vertriebs.

    Niemand (außer du) kauft Musik nach Labels, Verlagen, Management oder moralischer Ausrichtung, Leute kaufen Musik, die ihnen gefällt. Dass sie diese dafür erstmal kennenlernen müssen, ist klar. Und dabei geht es auch um Marketing-Geld, da ändert das Netz nichts dran.

    Nochmal: magnatune ist große Klasse, vor allem wegen ihrer Transparenz und ich kann viele Gedanken hinter dem Versuch nur allzu gut nachvollziehen. Aber ich glaube nicht mehr daran.

  45. 45
    Malte

    Wenn also letztlich kein Geld aus Plattenverkäufen bei dem Label bleibt (jetzt bekommt das Label wohl so zwischen 10 und 15% des Ladenpreises, kann aber sein, das ich mich irre)bleiben ja nur noch:
    Anteile an den Konzerteinnahmen, Anteile an den Merchandising-Einnahmen, Werbung für andere Produkte auf den Labelseiten und Beteiligung, falls der Künstler Werbung machen sollte oder Abfindungen, wenn ein Major den Künstler übernehmen will.
    Das Label wäre dann also A&R-Abteilung, Konzerveranstalter und Agent in einem. Im Sport sind die Spielerberater mächtige Akteure, in Hollywood auch, ich weiß nicht, wie es bisher in der Musikbranche ist. Das Potato-System klingt auch interessant.
    Bliebe die Frage, wie ein Label sich als Marke etabliert. Motown oder Low Spirit stehen jeweils für einen eigenen Stil, bei dem (im Fall von Low Spirit) der Konzert- bzw Ravebesucher weiß, was ihn erwartet, wenn er auf ein von dem Label veranstaltetes Event geht. Das wäre bei schwer klassifizierbaren Künstlern wie Toni Mahoni deutlich komplizierter.
    Wer Toni Mahoni hört, der mag auch? Da fällt mir auf Anhieb kein zwangsläufiger gemeinsamer Nenner der Mahoni-Hörer ein.

  46. 46

    mspro(10), vorausgesetzt, die speichernde, verwaltende Instanz ist vertrauenswürdig und die Abo-laufzeit nicht so absurd lang, komme ich mit. Faul bin ich nämlich auch und der Gedanke, quasi-überall unkomplizierten Zugriff auf meine Medien zu haben, hat viel Charme.

  47. 47

    Ich glaube kaum dass ich der einzige Mensch bin, der nachdenkt bevor er etwas kauft. Aber diese Diskussion hatten wir ja beim Cola-Artikel schon. Mir ist der Slogan völlig wurscht, entscheidend ist dass dort Menschen arbeiten die den Kunden nicht als Feind begreifen. Genau das tun die Major Labels: sie sehen in Kunden in erster Linie Personen, die ihre Produkte „raub“kopieren könnten. Und das Traurige ist, dass sie sich das sogar leisten können, weil sie eben ein Monopol haben.

    Ich glaube auch nicht, dass du dir die Musik bei Magnatune wirklich einmal angehört hast. Ich habe plötzlich das komische Gefühl, dass du zu den Menschen gehörst, die Musik vor allem nach ihrer Bekanntheit und weniger nach der Musik an sich aussuchen. Seltsam, das hätte ich bei deiner Vorliebe für Punkpop-Geschraddel nun wirklich nicht gedacht.

    Die Auswahl der Künstler ist klein, das ist richtig. Das liegt größtenteils daran dass die Musik (im Gegensatz z.B. zum Podsafe Music Network) handverlesen ist und nicht jeder reinkommt. Die Qualität ist aber entsprechend hoch. Vor allem die Qualität der klassischen Stücke ist auf absolut professionellen Niveau, wie mir zwei Musikwissenschaftler bestätigt haben. Klar, klassische Musik verkauft sich bei der MyspaceYouTubeiPodKlingelton-Generation nicht. Möglicherweise eine Schwachstelle. Aber die Möglichkeiten, die sich über CreativeCommons-Lizenzierte Musik, freiwillige Werbung durch Podcasts und anderer Mundpropaganda ergeben, sind ja auch noch relativ neu. Ich wäre nicht überrascht, wenn die meisten Künstler noch ein Problem damit haben, dass man ihre Musik im Grunde auch so bekommt, per CC-Lizenz, ohne dafür zu zahlen. Da fehlt möglicherweise noch ein Meinungswandel.

    Zur Zeit fehlt solchen Labels einfach noch die Kohle. Und das wird auch so bleiben, wenn man sie nicht unterstützt.

  48. 48

    Du möchtest dich dringend mit Neil Leyton treffen, der zur Popkomm und auch evtl zur Wizardsd of Os in Berlin weilen wird. Der ist erfolgreicher Labelmacher (Fading Ways) und Musiker. Advokat freier Kultur und Creative COmmons-Veröffentlicher. Und aktivist was das alls angeht. Wennd u magst: mail an bekannte Adresse, ich vermittle dir den Kontakt.

  49. 49

    Ich denke gar nicht mal, dass das „reguläre“ Portal-Online-Label-(…)-Prinzip so falsch ist. Zweifelsohne ist die angebotene Musik zu teuer, bei vergleichsweise schlechter Qualität. (mp3 mit 128kbps und DRM ist nun mal nichts grandioses und daran ist nicht zuletzt auch die Kompressionsmethode von mp3 Schuld.)
    Trotzdem kann man der Massenkompatiblität wegen auf den „Moving Pictures Enterainment Group – Layer – 3“ Audio Codec, also mp3 (sorry fürs Klugscheißen) nicht verzichten.

    Sinnvoll wäre es wohl eher zweigleisig zu fahren:
    Zum einen müsste der Nutzer eine Hand voll Demosongs umsonst bekommen (zum Beispiel drei bis fünf pro Album, käme auf die Dauer an) und zum andern müsste er aber für das komplette Album einen Preis zahlen. (Dazu komme ich noch)
    Dieses Album müsste dann in allen sinnvollen Kompressionsstufen herunterladbar sein. (128 – 320kbps)
    Da alles ohne DRM liefe wäre der Nutzer im Stande die Musik einfach zu verbreiten. Ja. Na und? Das wäre die Werbung.

    Aus Sicht eines Künstlers (ich bin Gitarrist, vielleicht zählt das) stelle ich mir das so vor: Ich melde mich bei dem „Service“ an und erstelle ein communityfähiges Konto. (Klar, die Website braucht ein Forum)
    User können sich über mich informieren und mich einfach kontaktieren – Höchstformmarketing auf Fanebene. Wenn ich denn Fans habe.
    Damit es dazu, zur Fanbasis, kommen kann lade ich meine Musik auf den Server der Seite hoch. Vielleicht erstmal zwei/drei Songs.
    Die Start- und wahrscheinlich auch Portalseite würde immer diverse Künstler vorstellen. Natürlich immer mehrere – es gibt ja verschiedene Stile.
    Der User, dem die Musik gefällt, nimmt über das Forum, oder auf andere (elektronische?) Weise Kontakt mit dem Künstler auf und bestellt bei ihm das Album, oder wahlweise auch nur einzelne Songs. Diese haben vom Künstler bestimmte Preise, die ein festgesetztes Maximum nicht überschreiten dürfen. Als Premium könnten schon bekanntere und erfolgreiche Künstler in Zusammenarbeit mit dem „Label“ gepresste CDs anbieten, die dann über die Website erhältlich wären.
    Ein Künstler hätte also eine Plattform, über die er einfacher Bekanntheit erreichen könnte, als wenn er hofft, dass jemand die eigene Seite findet und besucht.

    Mitgliedschaften für Künstler sind gratis – für User gäbe es Alternativen: Die kostenlose Version, in der er eine bestimmte Anzahl Songs runterladen kann und die Premiumversion, durch die er ständigen Zugriff auf sämtliche Songs und ggf. auch Videos hat. (Natürlich nur die Promosongs etc.)

    So, das war erstmal ein kleiner Einblick in meine Vorstellungen, die von vielen bekannten Prinzipien gar nicht mal so stark abweichen.
    Ich habe bestimmt viel vergessen, aber das kann ich ja notfalls ergänzen.

    So, gute Nacht! :) Gruß Marvin

  50. 50
    Nero

    Soory Jonny, aber das Unterhaltungslabel der digitalen Gegenwart lässt den Künstler alle Rechte behalten und macht auf Wunsch und Selbstvertrieb nur Marketing.

  51. 51
    bonzo

    „Ich denke also viel wichtiger ist erstmal so ein offenes Metaframework, das diese infrastrukturellen Vorraussetzungen schafft und über Labelgrenzen hinweg operiert. Dann können wir über Labels sprechen. Aber dann eigentlich auch nicht mehr. Es sollten die Künstler selber sein, die Ihre Daten darin feilbieten.“

    1.) ja, sehe ich auch so, Netzwerke schaffen
    2.) Imageschäden für die Majors (antikapitalistische Kritik, Schrottproduktionsvorwurf etc.), da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, das alles natürlich ohne Beleidigungen; Ziel: alle Majors sollen sich eines tages von selbst zersetzen
    3.) persönlciher Freund werden mit Künstlern, die man liebt (sie können auch ruhig bei einem major einen Deal haben), sie mit vernünftigen Argumenten davon überzeugen, dass der Major doch eigentlich Scheiße macht
    4.) Mucke nur noch im Netz kaufen
    5.) Irgendein mieses Demo zu bsp. Universal schicken und jede Woche dreimal dort anrufen und fragen, was denn mit dem Demo passiert sei. Das demotiviert sie, die Genervtheit der Angestellten am Telefon überträgt sie auch bald auf den A&R
    6.) Die machenschaften der Majors mit der Rüstungsindustrie endlich aufdecken und die Stasi-Akten der gesignten Ostkünstler auftreiben und an die Presse bringen, auch das kann einen effektiven Imageschaden hervorrufen, da der Major nicht genau geprüft hat, wen er signte
    7.) Den Arzt bestechen, der die nächste Busenvergrößerungs-OP für Sarah Connor operiert, dass er dabei nicht vergisst mit dem Skalpell auszurutschen und die Stimmbänder zu durchtrennen
    8.) Sich zum Sasha umoperieren lassen und die ganze Zeit antisemitische Statements von sich geben und dann sagen, dass man die von der Plattenfirma hat, wo doch so ein antisemitischer Wind wehe
    9.) Immer Arschloch sein, wo es nur geht, außer zu den eigenen Kindern
    10.) Selbst gute Musik rausbrinen und sie über Internet-Netzwerke vertreiben

    Diese liste lässt sich quasi unendlich fortführen!

  52. 52

    @ y (#33):
    „Die Inhhalte können nur vollständig von regestrierten Usern betachtet werden“

    das ist doch muell, oder?
    wenn ich jetzt auf eine mir unbekannte labelseite komme, dann moechte ich mir als unregistrierter nutzer erstmal anschauen, was gibt es hier, wie laeuft das hier.
    sollte dies nicht der fall sein, werden die meisten leute die dieses label nicht kennen abgeschreckt, d.h. sie verschwinden schnellstmoeglich wieder und das war’s.

    als neuling moechte ich mir doch erstmal ein bild vom ganzen machen und nicht sofort dazu gedraengt werden, mich wieder einmal irgendwo anzumelden.

  53. 53

    Ich denke, dass das ganze nur dann erfolgreich sein kann, wenn man endlich wieder anfängt den Kunden als Kunden zu begreifen und ihn ehrlich zu behandeln. Das fängt damit an, dass man begreift das rechtliche Auseinandersetzung mit Kunden eher zu Umsatzrückgang als Zuwachs führen und geht damit weiter, dass der Kunde von Zeit zu Zeit einen Leckerbissen braucht um ihn zu locken. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die man klar kennzeichnen sollte und wovon man _jede_ ausschöpfen sollte:

    – Pay per use:
    Musik online anhören – Bezahlung erfolgt nach Zeit oder pauschal
    je „Session“

    – Pay per download:
    Musik zum kostenlosen Download. Ohne Zwangsrestriktionen wie DRM, denn das ist nur eine Art dem Kunden zu zeigen wie wenig man von ihm hält. Ehrlich, aber nicht loyal. Darf teurer sein als Pay per use, denn man hat ja dann etwas, was man brennen, archivieren, besitzen kann. Aber es sollte sich im Rahmen halten. Downloadpreise sind nicht fair, wenn sie je Lied mehr kosten als ein Track auf einer normalen Audio-CD

    – Pay per Music-Flatrate
    Ein Abo, mit mehr monatiger Verpflichtung. Je nachdem wie lang man einen Vertrag eingeht wird man dann auch belohnt mit günstigeren Preisen. Pauschalpreise. Zusätzliche Kosten dürfen _dann_ nicht mehr entstehen.

    Allen Angeboten gemeinsam: Auswahl zwischen verschiedenen Qualitätsstufen ermöglichen. Mehr kostet mehr, weniger kostet weniger.

    Ab und an mal kostenlose Downloads oder Sonderaktionen wie Demo CDs die man hier und da an den Mann bringt. Wenn das Geld dafür da ist natürlich.

    Und zu guter letzt: Richtige CDs habe Artwork, sind anfassbar, archivierbar, sammelbar. Toll, also. Sie dürfen mehr kosten, als wenn ich 10 Tracks runterlade und auf CD brenne. Aber 30 EUR für eine CD ist zu viel. Dafür gehen viele Konsumenten 2-5 Stunden arbeiten. Das _will_ keiner ausgeben.

    just my 2 cents

  54. 54

    @ y (#33):
    „Die Inhhalte können nur vollständig von regestrierten Usern betachtet werden“

    das ist doch muell!
    wenn ich jetzt auf eine mir unbekannte labelseite komme, dann moechte ich mir als unregistrierter nutzer erstmal anschauen, was gibt es hier, wie laeuft das hier.
    sollte dies nicht der fall sein, werden die meisten leute die dieses label nicht kennen abgeschreckt, d.h. sie verschwinden schnellstmoeglich wieder und das war’s.

    als neuling moechte ich mir doch erstmal ein bild vom ganzen machen und nicht sofort dazu gedraengt werden, mich wieder einmal irgendwo anzumelden.

  55. 55
    jagila

    Hi Johnny, Seit dem Erfolg der wikipedia versucht alle Welt (youtube, myspace, fon) irgendwie in community-basierte Sites die Geschäftsidee reinzudrücken. Frag doch mal, wie man eine unkommerzielle, frei zugängliche Musik-Community aufbauen könnte, in Analogie zur wikipedia oder zu freifunk.net (vs. fon). Das wäre eine interessante Frage ;-)

    PS Mir ist schon klar, dass auch du (wie ich) motiviert bist, etwas zu essen zu haben und auch mehr ;-) Nur die spannende Frage wäre dann halt wie man es schaffen kann, dass wir auch dann angenehm leben dürfen, ohne dass wir profitabel (verwertbar) sein müssen (das muss deine *Geschäfts*idee ja auch sein). Aber diese grundsätzliche Frage wird leider nie gestellt, sondern nur wie man innerhalb des kapitalistischen Systems seine eigene Verwertung möglichst gut organisieren kann.

    Ist nicht als Anpisse gedacht ;-)

  56. 56
    bonzo

    @Patrick, das gibt´s doch schon so gut wie, wie wollen aber doch was Neues schaffen, also weiter
    11.) offizielle Internetdownloadareas gegen Bezahlung vermeiden
    12.) die am Herd verbliebene frau eines A&Rs bumsen und ihm das als Ereignis in einen Song packen und ihm zu schicken, wichtig ist hierbei, dass man vorher feststellen sollte, ob er seine Frau noch liebt
    13.)Fernsehen so gut wie es geht vermeiden, jedenfalls die privaten kommerziellen Sender, sie versuchen bsp. mit der Chartshow oder Top of the Flops dir dich zum Kaufen und bringen und dir vorzugaukeln, dass alles gut ist wie es bisher war.
    14.) Alte Audio-CDs archivieren bsp. auf MD und dann an einen Second-Hand-CD-Laden verkaufen – wenn das alle machen, führt das zu einer Materialüberflutung des Marktes, der CD-Preis sinkt weiter.
    15.) Keine CD kaufen, die teurer ist als 5€, das ist angemessen für die
    Produktionskosten
    16.) Wenn ein Major bsp. mal wieder Scheiße rausgebracht hat, z.B. die neue CD von Janet Biedermann, die CD direkt beim Label reklamieren und Geld zurückverlangen
    17.) Vor einem CD-Geschäft mit dem Hund Gassi gehen, damit er dort einen Haufen hinsetzt.
    18.) Wenn du einem A&R auf der Straße begegnest, sage ihm, was für einen miesen und unnützen Job er in deinen Augen hat (DDK- demotivierende Direktkonfrontattion)
    19.) gehe ab und zu auf dem Bau arbeiten und werde dir dann bewusst, das alles mit den Händen der Arbeiter erschaffen wurde und die Musikindustrie die Made im Speck ist, die sich von der Arbeit der anderen ernährt
    20.) Halte dir einen eigenen Popstar zu Hause im Kaninchenstall und fütterwe ihn nur wenn er den Ton trifft. Wenn du zufällig Madonna in deinem Käfig hast, füttere auch sie erst dann, wenn sie einen Ton trifft, auch wenn es dich viel Geduld kostet.

  57. 57

    gab es eigentlich musiker vor der zeit als es labels gab?
    wie haben die das damals gemacht?
    musikanten am hofe eines gut betuchten adeligen?
    hatte mozart ein label?
    das rad der zeit zurück drehen geht nicht aber darüber nachdenken schon.

    vielleicht ist die „galerie“ bekannt aus der bildenden kunst eine mögliche form von support für musiker.
    neben vielen „major galerien“ (geld) gibt es viele galerien oder mäzene die künstler unterstützen weil sie deren werke gut finden und an den künstler glauben.

    geld zu verdienen mit seiner kunst ist bestandteil des berufes „künstler“.
    aber das „schnelle“ geld kann nicht die oberste priorität sein.
    gab es nicht sogar hier auf spreeblick einen tollen beitrag mit ted robinson der ein umdenken fordert?

  58. 58

    stichwort querfinanzierung, vielleicht genügt es ja schon, sich integre künstler/autoren ins boot zu holen, die damit leben können, dass ein festgelegter anteil der erwirtschafteten gewinne auf jeden fall für die unterstützung anderer angelegt werden. künstler/autoren, die nicht schon beim nächstbesten höher dotierten vertrag wechseln.
    bei der vermarktung könnte man sich das sortiment aufteilen. der „verlag“ verdient an buttons und t-shirts, der künstler/autor an cd’s und verwertung.
    zu naiv? oder schon zu aktuell?
    wesentlich finde ich, die marke zu fördern. eine zeit lang konnte man blind bei lado einkaufen und wusste, man bekommt was großes geboten. derzeit gilt das selbe für ghvc. regelmäßige werksschauen in form von compilations (ich dachte die seien bald tot, machen aber eben genau in dieser form sinn) veröffentlichen, damit neue freunde von künstler/autor a mit künstler/autor b-f bekanntschaft machen können.

    stichwort betreuung: touren durch die clubs auf der einen seite zum anderen muss (!) bereitschaft gezeigt werden, dem verlag zur seite zu stehen. eben bei compilations, labelnächten und in der außendarstellung. auch wenn der künstler bis zu einem gewissen punkt für sich steht, bleibt er auf andere auch angewiesen…

  59. 59

    MELD!
    bin wieda da! und
    bin dabei – irng.wie.ooch.imma…
    1000 gedankens 2 schehr
    aber grad

    zu vülle zu tun :(

  60. 60

    Also ich sehe das alles recht pragmatisch:

    Wenn ich Künstler wäre (heute), hätte ich eine eigene Webseite auf der meine Musik zum Verkauf steht, als CD und als Download. Lösungen dafür bietet jeder moderne Web-Hoster an. Die Kosten bewegen sich inklusive dem nötigen Webspace bei etwa 50 Euro im Monat.

    Ich wäre außerdem ein Kleinunternehmer (vielleicht gibt es da sogar eine Freiberufsregelung, bei der ich keine MWSt. berechnen muss). Beim CD-Versand muss ich mich natürlich noch um die Verpostung kümmern usw., die Buchführung und all das ist relativ easy bei Kleinunternehmen.

    Für die Aufnahme von Live-Acts und Videos davon würde ich jemanden beauftragen, oder es selbst machen. Kostet ne Kleinigkeit, aber man kann sich die Audio- und Videogeräte auch ausleihen. Gibt’s in jeder größeren Stadt.

    Auf meine Webseite kommt außerdem noch ein Link auf einen Merchandising-Bereich (bietet mein Hoster auch an).

    Hab ich noch was vergessen?

    Das heißt also: Ich produziere selbst, ich verkaufe selbst, ich versende selbst, an die GEMA habe ich keinen Gedanken verschwendet (warum auch?), keiner quatscht mir rein und mein gesamter Umsatz steht ausschließlich mir zur Verfügung.

    Meine Fans bekommen ein Forum auf meiner Seite, einen Chat und wenn sie wollen einen Blog und einen Podcast. Kostet nix außer Zeit.

    Ja und dann ist er fertig, mein Mini-Label.

    Das härteste an dieser Lösung ist das Marketing, welches ich auch komplett selbst machen muss. Das heißt in Foren gehen und mitquatschen, meine Songs in den verschiedenen Networks bekannt machen usw.

    Aber man kann halt als Mini-Label-Besitzer nicht auf der faulen Haut liegen und kiffen (Oh Gott, dieses Cliche wieder).

    Es ist ein Fulltime Job.

  61. 61
    bonzo

    Das heißt also: Ich produziere selbst, ich verkaufe selbst, ich versende selbst, an die GEMA habe ich keinen Gedanken verschwendet (warum auch?), keiner quatscht mir rein und mein gesamter Umsatz steht ausschließlich mir zur Verfügung.
    Das kannste infach vergessen, du brauchst MEHR publicity, die Leute kriegen von dir nichts mit, du säumelst dann vor dich hin und wartest bis jemand eine deiner CDs kauft, dann fängst du nach einer Zeit tatsächlich an zu kiffen, es braucht einen starken Vertrieb, aber den haben die Majors so gut wie besetzt und wenn du als Künstler zum Label gesht und dir eine Scheibe produzieren lässt, kannst du lange auf deinen Scheck warten und er wird auch sehr dürftig ausfallen, 90% der Einnahmen teilen sich Produzent und Plattenfirma, also einzige Möglichkeit besteht in meinen Augen darin, das Monopol der Mächtigen zu brechen, neu anzufangen, alle Uhren auf Null, nie wieder Chartshow usw. , aber das habe ich glaub ich hier schon tausendmal gesagt und man müsste auch die radios dazu bewegen, nicht nur tracks mit einer Label-ID zu spielen, wg. Abrechnung und so einen Quatsch, es müsste das Monopol gebrochen werden wie auch das Monopol der Apotheken in Deutschland gerade aufweicht, müsste man die Majors zershlagen oder sie zumindest zu Preissenkungen zwingen, was dazu führt, das sie Personal abbauen müssen und letztlich dann keine Majors mehr sind, wir bräuchten ein EU-Gesetz, das das Monopl der GEMA und der Majors entgültig zunichte macht, ansonsten löst sich Kultur in Luft auf, es sollten zumindest auch andere Künstler mal verdienen können und nicht immer nur dieselben, die an den Hebeln der Medienmaschinerie sitzen (Raab bsp.) – es muss ein FAIRER Wettbewerb stattfinden können, und deshalb fordere ich hiermit offiziell die EU auf, auf dem Musikmarkt das Monopol zu brechen, so wie es bei den Apotheken die Tage geschehen ist – FREIER MARKT HEISST GLEICHE CHANCEN FÜR ALLE, das ist aber in Deutschland beileibe nicht so! Ich finde es by the way erstklassig, was die EU momentan alles für coole Sachen macht, was die in einem halben Jahr schaffen, das schaffen unsere bundespolitiker nicht in einem halben Jahrzehnt im gegenteil

  62. 62

    @michael
    das klingt ja alles ganz logisch, löst aber das problem aber trotzdem nicht ganz: wer hindert die kunden denn daran, deine songs in einer tauschbörse kostenlos herunterzuladen? das problem, vor dem eben auch die heutigen labels stehen.
    da du nichts mit der gema zu tun haben willst, hast du auch keine einnahmen durch eventuelle radio/tv-playtimes.

  63. 63

    Die Überlegung gewissermaßen als All-inklusive-Management die Labels zu umgehen oder als All-inklusive-Managment das Management zu umgehen klingt interessant.

    Ich kenn mich im Music-Biz nicht wirklich aus, aber ist nicht eventuell existierende „Reibereien“ zwischen Management und Label nicht auch eine Art „Befruchtungsmanöver“. Naja, mit Cost-Center könnt ma das wieder hinkriegen ;-)

    Man sollte natürlich auch nicht die „Macht“ derartiger All-inklusive-Labels unterschätzen, wenns mal zwischen ihnen und Veranstaltern oder Musikern nicht so rund läuft.

    Und natürlich stellt sich die Frage, bis zu welcher Größe man einen Künstler derart labeln/managen kann.

    Nichts desto trotz vor allem für die Künstler eine gute Idee. Und ob der Vertrieb jetzt via Abo, Micropayment oder anders wie läuft ist wohl eher eine Frage von Markt und Finanzierungsmodell. Wie hoch ist der Werbewert einer billig/kostenlos unter die Menschen gebrachte CD oder eines Songs für sagen wir eine Tournee oder das Verkaufen der DVDs?

    Durch das zentrale Finanzieren über einen Produktemix hinweg können so derartige Cross-Selling sicher effektiver und klarer genutzt und dokumentiert werden.

    BTW & OT: Irgendwie fehlt mir ein vernünftiges weit verbreitetes Micropayment-System, das sich z.B. durch Musikempfehlungen (siehe oben) dotieren lassen könnte.

  64. 64

    Es ist sinnvoll, über die richtigen Vertriebs- und Bezahlmethoden nachzudenken.

    Noch sinnvoller ist es allerdings darüber nachzudenken, was man überhaupt anzubieten hat. Ich bin sehr konservativ: Ich glaube daran, dass sich ein gutes Produkt immer verkaufen kann. Sogar eine CD oder, wie bizarrerweise in manchen Musikszenen sogar häufiger, eine Schallplatte. Es kommt letztlich darauf an, welche Relevanz das Produkt, oder der Künstler hat.

    Den Ansatz, dass man darauf setzt, die Wertigkeit eines Produktes so stark zu vermitteln, dass die Leute freiwillig dafür bezahlen, halte ich als einzige Erlösquelle für unrealistisch. Das Weinerei-Beispiel weiter oben in den Kommentaren zieht nicht: Wer nichts in den gemeinsamen Topf reinwarf, konnte sich sicher sein, die Verachtung der anwesenden Gäste zu genießen. Direkter, sozialer Druck. Das Geschäft wurde übrigens mit dem klassischen Weinverkauf gemacht. Somit handelte es sich um eine etwas aufgemotzte, regelmäßige Weinprobe, für die bezahlt wurde.

    Abgesehen davon sollte eine Unternehmung durchaus den Anspruch haben, profitabel zu arbeiten und Selbstbewußtsein zu transportieren – nur so weckt man eine gewisse Begehrlichkeit. Apple ist nicht zuletzt deswegen so begehrenswert, weil die Produkte toll aussehen und vergleichsweise kostspielig sind.

    Die (je nach Maßstab) erfolgreichsten Musik-Label-Gründungen, die ich mitverfolgt habe, sind immer zwei Mustern gefolgt:

    1. Da war ein Musiker, der seine Musik veröffentlichen will und deswegen einen bestimmten rechtlichen und organisatorischen Rahmen aufbauen musste.

    2. Da waren Musikfans, die die Musik ihrer Freunde/ Bekannten herausbringen wollten und sich damit als Teil einer bestimmten Szene verstanden.

    In beiden Fällen gab es bereits das Produkt. Und genug Hinweise darauf, dass es auch andere interessieren könnte. Und, was die Sache sicherlich einfacher macht. es gab eine klar definierte Zielgruppe (z.B. Industrial-Szene), die zwar klein aber willens war, Geld auszugeben. Bis heute ist es in der sog. Industrial-Szene eher verpönt eine Plattensammlung nur im MP3-Format zu besitzen. Aber das ist sicherlich eine subkulturelle Besonderheit, die aus einem gewissen Elite-Denken resultiert.

    Die Orientierung an einem wie auch immer gearteten Mainstream, der aber irgendwie doch cooler sein soll als der Rest, ist meiner Ansicht nach hoffnungslos.

    Vielleicht sollte man also zunächst darüber nachdenken, was man wem anbieten möchte, bevor es um das wie geht. Aber da werden euch die Ideen sicherlich nicht ausgehen ;-)

    Ansonsten schließe ich mich den Vorrednern an: Kein DRM, Vertriebsbasis Internet, so viele Bezahloptionen wie möglich.

  65. 65

    @bonzo
    ich glaube nicht an eine lösung „von oben“. die existierenden strukturen durch gesetze aufzuweichen wird nicht funktionieren. das muss von unten geschehen, indem sich diejenigen, die kunst schaffen dem zugriff der strukturen entziehen und damit das system nicht mehr finanzieren.

    das system lebt doch nur, weil sich künstler prostituieren… lassen… (…müssen?)

    @julian
    das stimmt. aber das problem existiert genauso wenn du bei der gema gelistet bist, also systemunabhängig.

    ich halte es für sehr unwahrscheinlich (statistisch gesprochen), dass ein neuer Künstler in die Radiowelt vordringt. darauf zu setzen, ist wie lotto zu spielen.

    abgesehen davon ist es doch unlogisch an einer prostitutionslotterie teilzunehmen.

  66. 66
    sdf

    johnny: auf magnatune schon mal „drop trio“ angeschaut?

    und zumindest die bekannteren klassischen sachen auf magnatune (z.b. Philharmonia Baroque) erreichen mit magnatune höhere erlöse als über den klassischen vertriebsweg (kann natürlich auch daran liegen, dass der klassische cd-markt von unter 1-euro-cds dominiert wird)

  67. 67

    Das da oben sollte

    „Die Überlegung gewissermaßen als All-inklusive-Management die Labels zu umgehen oder als All-inklusive-Label das Management zu umgehen klingt interessant.“

    heißen.

  68. 68
    bonzo

    ch glaube nicht an eine lösung „von oben“. die existierenden strukturen durch gesetze aufzuweichen wird nicht funktionieren. das muss von unten geschehen, indem sich diejenigen, die kunst schaffen dem zugriff der strukturen entziehen und damit das system nicht mehr finanzieren.

    am besten von unten und von oben, dann geht´s schneller

    Dass sich Künstler prostituiren lassen, ist das Problem des jeweiligen Künstlers, auch dass bei so manchem Popstar jede Scheibe gleich klingt, im Grunde ist doch die Musikindustrie das konservativste Stück Elend, das es gibt, die treten ständig von einem Fuss auf den anderen, schicken Trendscouts los, um nach dem Image der Zeit Ausschau zu halten, um danach einen Popstar wie ein Gefäß mit diesem Image zu füllen, das ist die Philosophie der Industrie, man könnte dem einen oder anderen Trendscout in einer hippen Bar ruhig mal das ein oder andere Bier beim Stolpern „aus Versehen“ ein Bier über die frisch gestylte Frisur schütten, um ihm dann zu erklären, dass genau das momentan die angesagt Frisur ist und ich schwöre euch, Trendscouts kann man von jedem Mist überzeugen, sie lungern hier in dieser ganzen Stadt und warten auf die Erleuchtung, so wie der A&R, so ist der Trendscout eines der hoffungsloseste Individuum der heutigen Zeit, voller maßloser Neugierde um sich doch endlich ein Bild von dir machen zu können; und wer rekrutiert den Trendscout, der Trendscout-Trendscout natürlich, so kommen wir letztlich in Berlin Mitte an, wo sich die Trendscouts aus allen herren Ländern versammeln, die Industrie selbst hetzt sie einen auf den Hals, da wird man schon mal bewacht oder auf der Straße beobachtet nur für dieses Image, das es in Wirklichkeit gar nicht gibt, der Trend, o liebe Gemeinde des multimedialen Konsums, geht dahin, euch endlich abzuschütteln, um wieder den Kopf freizukriegen, ich hätte im Fernsehen gerne Showa, wo einfach nur eine Stunde Jojo gespielt wird oder wieder Sendungen wie „Captain Power“ aber nicht zum 35mal DEutschland sucht das Suppenhuhn oder Wer wird Trillionär, ich will einfach meine Ruhe und gute Sendungen und gute Musik, ich will nicht beim Konsumieren eure Profilneurosen mit verarbeiten müssen, obgleich ich selbst eine habe, wahrscheinlich

  69. 69

    Wow, zwei tage nicht richtig online und gleich einen großen Teil der sehr versierten diskussion hier verpasst. Trotzdem will ich auch noch was dazu schreiben:

    Neben all den vielen digitalen Vertriebsvorschlägen hier, das Geld erzielen die allermeisten Künstler (und dazu zählen auch u.v.a die großen) mehr als die Hälfte ihres Verdienstes aus Konzerten. Hatte Johnny ja auch schon zwischendurch erwähnt. Und dass sich die Label-Arbeit auch bei den Majors vom Plattenvertrieb wieder mehr hin zum Management verschiebt, ist damit auch klar.
    Übrigens könnte es ja auch den umgekehrten Weg geben: Veranstalter kaufen sich bei Labels ein.. Da gibt es auch schon ein paar globale Fische.

    Also erstens: Neue Labels bauen Künstler als Liveperformer auf.

    und gleich zweitens: Von Anfang an global denken. Eine gute Rockband nach Brasilien zu fliegen und dort ein paar Gigs zu spielen ist leicher als man denkt. Von Europa gar nicht zu reden. Lokale Partner braucht man dort natürlich. Aber die Kommunikation und Promotion ist ja easy: Über das Netz.

    Drittens: Alle digitalen Vertriebswege nutzen, die es gibt. iTMS, Musicload, Finetunes, CDs per Paypal auf der eigenen Seite, auch mp3-Downloads, Potatoe auch, klar, geiles System, vielleicht ein vielstufiger Prozess usw.

    Viertens: Content raushauen und customizen. Wer viel live spielt, hat auch viel Material. Immer alles nutzen und immer direkt mit den Leuten in Kontakt treten. Fanbase aufbauen und differenziert ansprechen. Fanbase in die Produktion einbeziehen. Mehrstufige Community aufbauen.

    Also, auch wie alle anderen kreativen Köpfe hier brainstormingmäßig rinjehaun. Bin gespannt! Da geht sicher was.

  70. 70

    @stylewalker

    Die Idee durch Konzentration auf Live-Performance (hoffentlich qualitativen) Content zu kreieren und den zu nutzen (was nicht zwangsweise verkaufen bedeutet) find ich fein. Hin und wieder ein Livestream.

    Was natürlich bedeutet, dass der Künstler live eine entsprechende Präsenz rüberbringen sollte/müßte. Oder das Label hat für „die Introvertierten“ eine nette Kommunikationsidee.

  71. 71

    Klar, Livepräsenz ist megawichtig. Sieht man ja auch bei DJs. Die charismatischen kommen voran, die öden Techniker (die immer in den Clubs stehen und über die Mixtechnik des aktuellen DJs nörgeln) kommen zu nichts. Die müssen nicht nur gute Platten sauber auflegen, sondern v.a. entertainen, sorry, unterhalten..

    @alle (v.a. bei Spreeblick): Hatte gerade Zeit und Lust und hab ein kleines Logo gebastelt, liegt hier.
    Nice, huh?!

  72. 72
    Gene October

    Gleich mal vorneweg, ich habe gerade nicht alle Beiträge durchgelesen daher greife ich jetzt evtl. den ein oder anderen Gedanken auf der schon mal erwähnt wurde.

    1. Das „Label“ muss sich von dem Gedanken verabschieden durch den verkauf von Musik, also durch die Auswertung der Leistungsschutzrechte Geld zu verdienen.

    2. Der Künstler muss sich von dem Gedanken verabschieden durch den verkauf von Musik, also durch die Auswertung der Leistungsschutzrechte Geld zu verdienen.

    3. Label & Künstler müssen sich darüber einig sein das sie gemeinsam zum Erfolg wollen und das sie den materiellen Erfolg in irgendeiner Art & Weise gerecht teilen.

    4. Das Label der Zukunft wird in Zukunft Marketing Dienstleister am Künstler und am Kunden sein.

    5. Geld wird in Zukunft durch die Auswertung der Urheberrechte (Live, Radio, TV, Internet, Klingelton etc.etc.) verdient. Ob daran in Zukunft noch ein Verlag beteiligt sein wird/muss ist meiner Meinung nach fraglich. Die Abrechnung kann auch von dem neuen „Dienstleister“ erledigt werden. Weiterhin wird man Geld durch Live Aktivitäten und Merchandising verdienen können. Zu einem geringen Mass auch an Tonträgern, aber dies wird kaum noch ins Gewicht fallen.

    6. Ebenso in Frage stellen muss man in Zukunft Managements und Booking Agenturen, da viele der Aufgaben eben von diesem „Dienstleister“ erledigt werden können.

    Fazit:

    während heute eine Unzahl an Firmen (Plattenfirma, Musikverlag, Booking Agent, Promotionfirma – hier nochmal aufgeteilt in: Presse-, Radio-,TV- und Onlinepromotion, Management, Grafiker, Webgestalter um nur einige zu nennen) den Künstler als Quell ihres Reichtums sehen, wird es in der Zukunft einen „Dienstleister“ nennen wir diesen ruhig „Label“ geben der sich um die meisten dieser Aufgaben kümmern wird, und im Umkehrschluss vom Künstler an der Umsetzen zu einem vernünftigen Prozentsatz beteiligt wird.

    Alles andere ist Quatsch, und da lass ich auch nicht mit mir reden.

  73. 73

    Abosysteme mögen ja ín iTMS / Napster Dimensionen Sinn machen, aber bleiben wir mal auf dem Teppich. Angenommen demnächst gibt´s die ‚Spreeblick Entertainment Division‘ dann gäb´s da erstmal Toni Mahoni und vielleicht noch 2-3 andere Künstler…. Was soll ich da mit nem Abo?!?
    @bonzo: Deine Europagesetzgebungs- Ansätze versteh ich nicht. Weder Major Labels noch die Gema haben ein gesetzliches Monopol (wie es in Deutschland bspw. Apotheker haben / hatten). Was soll europäisches Recht denn da machen? Alles verbieten? Dann lieber die Idee mit den A&R Frauen… wobei ich mir auch nicht sicher bin ob ich das auf mich nehmen würde ;)

  74. 74

    Wer schreibt eigentlich heute Protokoll? ;)

    Muss mich durch alles durchlesen und versuche dann mal, eine Zusammenfassung zu machen.

  75. 75
    Malte

    @ Gene October
    Exakt :)
    Im Unterschied zu den bereits existierenden Plattenfirmern wäre es auch leichter, auf die Einnahmen aus CD-Verkäufen zu verzichten, weil diese schon beim Aufbau der Labelstruktur nicht vorhanden sind.

  76. 76

    Ich persönlich könnte mich nicht mit so etwas zufrieden geben. Wie weiter oben schon erwähnt bin ich ebenfalls ein Nutzer, der Musik nicht nur nutzen/hören will, sondern besitzen will. Ich brauche etwas in der Hand. Musik ist ja auch nicht nur der Sound. Verpackung, Booklet, Artwork, Pappschuber, Vinyl. All sowas muss da meiner Meinung nach drumherum. Eben solche Faktoren verstärken auch oft die Aussagen, die Musiker in ihrer Musik rüberbringen wollen. So etwas in die oben angeregte digitale Form zu bringen scheint mir unmöglich. Außerdem bin ich sowieso ein Symphathisant des kleinen Indielabels, dass als Hobby betrieben wird und sich als solches grade über Wasser halten kann. Natürlich kaum CDs sondern eher auf Vinylbasis. Solche Labels sind dann auch größtenteil unabhängig von der Musikindustrie oder auch teilweise unabhängig vom Internet. Vieles passiert noch über Mundpropaganda und gerade auf Konzerten mit Bands eben solcher Labels ist der Geist innerhalb der „Szene“ dann doch ein anderer und diesen irgendwie digital zu erschaffen ist nun wirklich ein Ding der Unmöglichkeit. Ich meine nicht den Geist auf Konzerten, sondern den Geist innerhalb der Leute, die eben diese oder jenes Label für gut befinden/hören. Ein relativ gutes Beispiel für so ein Label: http://www.denovali.com, http://www.reactwithprotest.net, http://www.apemustnotkillaperecords.net

    Okay ein sehr auch mich bezogener Kommentar, aber die Kommentare sind ja für den Ausdruck der eigenen Meinung da, soweit ich weiß.

  77. 77
    Gene October

    @Dan

    Für dich machen wir doch weiter sehr schön verpackte CDs oder unheimlich schweres Vinyl, wir kommen nur nicht auf den Gedaqnken davon leben zu wollen. Die Tonträger bekommst Du auf Konzerten, in unserem Online Shop, bei Amazon und bei den 20 – 30 Plattenläden in Deutschland die sich noch für soetwas interessieren.

  78. 78

    Plattformen wie http://www.jamendo.com übernehmen das Vertreiben auch schon recht gut. Das Einzige was fehlt, ist in der Tat Management und Marketingbetreuung der Künstler.

    Wenn dann hier auf Spreeblick, der erste Contest (Aktionismus braucht das Land!;)) stattfindet mit „Und jetzt schickt hier bitte Jeder ein selbstgestricktes Lied ein, in dem der Satz ‚I live by the river‘ vorkommt“, dann bin ich da dabei

  79. 79
    boo

    Also ich bin schon überrascht, wie kaufmännisch das hier alles diskutiert wird. Vielleicht rührt das nur daher, das sich in meinem Bekanntenkreis duzende Musiker & eine Hand voll Kleinstlabels tummeln, die das alles selbstausbeuterischer Weise quasi umsonst machen, aber die Musik und das Anliegen des Labels muss schon weit vor solchen Überlegungen stehen. (s.a. SUBs Kommentar 66)

    Ein Label muss eine starke ästhetische Setzung machen, was Künstler, Veröffentlichungen, Design, Auftreten etc. angeht. Nix wiki- oder blogeskes wo jeder mitmachen darf. Nicht nur bei elektronischer Musik spielt das eine grosse Rolle, und Leute kaufen nach Labels / richten ihren Musikgeschmack danach aus. Schwieriger, aber interessanter wird es, wenn man Veröffentlichungen jenseits der Genregrenzen plant, aber wenn’s da noch kein Genre oder keine Szene gibt (ihr würdet ‚Zielgruppe‘ sagen :P ), dann konstruiert man halt eins/eine. Darum wirds „klassische“ Labels auch immer geben: Auch wenn’s hunderte Portale gibt, wo ich mir legal & umsonst Musik runterladen kann, das meiste ist Schrott, und es gibt viel zu viel, als dass man in alles reinhören könnte oder wollte. Labels schaffen da eine qualitative Vorauswahl, die wichtig und eben auch wertvoll ist.

    Ich glaub schon das man mit Musik verkaufen Geld verdienen kann, wenn man die richtigen Musiker hat & wenn mans richtig macht. Das soll jetzt nicht zu nörgelig klingen, aber bei der Toni Mahoni CD fand das Cover eher mau und den Sound zu steril. Hier ist Liebe zum Detail aber das wichtigste schlechthin, so schafft man sich als Label eine Identität über die Musik eines Interpreten hinaus. Wenn man das dann noch schick verpackt, kann man noch Platten verkaufen, und online nutz man so viele Plattformen wie geht, da kann sich der Käufer dann aussuchen, welche er will, da was eigenes machen ist Quatsch, das Problem ist ja gerade, das es keinen Standart gibt.

    Und diese „Monopol der Majorlabels“ Argumentationen versteh ich auch nicht. Kleine engagierte Labels und Musiker gibts doch wie Sand am Meer, und auch bevor man nach Berlin gezogen ist und sich das alles im gutsortierten Spezialgeschäft kaufen konnte, und lange vor Napster & iTunes, gabs schon Mailorder und man konnte sich die obskurste Musik in die Provinz schicken lassen. Ist auch eine gute Sache, das es nicht alle Musik im Mediamarkt gibt.

  80. 80
    Asoli

    Heureka! Ich hab`s!

  81. 81
    Gene October

    @BOO
    Glückwunsch zu deinem Idealismus. Schön verpackte, bestens gemasterte, mit Stil verlesene veröffentlichungen von angesehenen Künstlern, die in den Medien hochgelobt werden verkaufen Europaweit 2500 Stück – wenn es gut läuft. Da macht das Label wenn es wirklich gut läuft und alle Vertriebe zahlen ca. 14.000,– € Umsatz (wenn 2/3 der Verkäufe in Deutschland stattfinden). Davon muss bezahlt werden:

    ca. 2500,00 € – 2700,00 € GEMA
    ca. 3500,00 € Herstellung (keine besonders gute Verpackung – in diesem Fall und auch kein Vinyl!
    ca. 400,00 € für Belichtungen, Mastering, Grafik und was so anfällt
    ca. 300,00 € für Porto (Versand von Promo CDs, von Mastern, Versand der Tonträger an die Vertriebe etc. etc.)
    dann muss mindestens 1 Mann 3 – 4 Monate daran arbeiten – und zwar während der regulären Arbeitszeiten der Musikbranche – so zwischen 10:00 Uhr und 18:00 Uhr. In diesem Zeitraum laufen nochmal mindestens
    600,00 € Kommunikationskosten auf
    Wenn man die Band fair behandelt bekommt sie 15% – 18% vom BRUTTO Umsatz das wären in unserem Fall so an die 3000,00 € – 3600,00 €

    Noch nicht bezahlt in dieser Rechnung sind so Kleinigkeiten wie Anzeigen, Plakate, Fotografen, Arbeitszeit, Miete, Studio, Fahrtkosten – zu Konzerten, Vertrieben usw. usw. (und 1000 kleine Dinge die ich gerade vergessen habe).

    Jetzt rechnen wir mal zusammen:

    Einnahmen:

    14.000,00 €
    – 3500,00 €
    – 2500,00 €
    – 400,00 €
    – 300,00 €
    – 600,00 €
    – 3000,00 €

    Macht:

    ein „Profit“ von 3400,00 €. Davon will man leben, Miete zahlen, Bier trinken usw. usw.

    Das ganze haut ohne kaufmännische Überlegungen nicht hin.

    Und der von mir angenommene fall von 2500 verkauften Tonträgern ist zur Zeit soetwas von optimistisch. Die Realität bei Indie Firmen liegt zwischen 200 – und 800 verkauften Tonträgern. Ohne einen guten Taschrechner nutzt das ganze nicht, den es funktioniert nur wenn man professionell ist. Ein Label als Hobby zu betreiben nervt alle (Künstler, Vertriebe, Medien und dich selbst).

    Nix für ungut

  82. 82

    Das ist ja ein Thema, an dem sich seit langem viele schlaue Menschen abarbeiten und z.B. auch mit interessanten Ideen aufwarten. Aber die Grand Unifying Theory, der grosse Gegenentwurf zur Plattenindustrie war bislang nicht dabei, und das wird wohl auch seine Gründe haben.

    Da die Menge an Musik immer mehr wird und sich die Vertriebswege und die Medien, über die sich Menschen über Musik informieren immer weiter diversifizieren, wird m.E. die Bedeutung der Filter immer grösser. Das Problem sehe ich daher eher bei der Frage, was man tun muss, um an den Filtern vorbeizukommen oder wie man sie perfekt bedient, damit steht und fällt m.E. jedes Geschäftsmodell. (Wobei natürlich auch mehr Nischen enstehen werden, d.h. man muss nicht immer überall ganz oben dabei sein)

    Das setzt natürlich voraus, das man weiss, was diese Filter sein werden. Bislang hatte man z.B. als kleines Rock/Pop-label ohne grossen finanziellen Background eine überschaubare Zahl an Multiplikatoren: Das sind die 5 Musik-Mags und die paar Radioprogramme, die bemustert werden; in den letzten Jahren vielleicht auch noch 10 online-Angebote.
    Dort war man ohne Geld dann zumeist vom Wohlwollen oder dem Grad der Kumpeligkeit mit den jeweilen Redateurinnen/Redakteuren anhängig. (Mit Geld geht’s eh nur über Payola, das war schon immer so und ist ja auch bekannt.)

    Ich vermute, dass die Zukunft vor allem mehr Medien produziert, die ebenfalls eine Filterfunktion haben werden; vielleicht sogar user-generiert, wie z.B. ratings. Der Trend, der zum grossen Teil den Niedergang der Musikindustrie verursacht hat, könnte weiter fortschreiten und zur Folge haben, dass das Marketing mit überschaubarem finanziellen Einsatz aus dem Bedienen vieler kleiner Fronten bestehen wird, die evtl. alle ihren eigenen Gesetzen gehorchen.

    Das von Musik in Zukunft immer weniger Menschen werden leben können, scheint mir unausweichlich. Und ich sehe das ähnlich wie einige der anderen Kommentatoren: Der administrative Teil des Musikgeschäfts wird immer kompakter werden, Manager werden Booker und Promoter und am Ende vielleicht sogar Labelmanager. Letztenendes ist aber immer das Produkt, an dem die Vermarktung ausgerichtet sein muss; Gießkanne ist nicht mehr, die Nischen müssen immer exakter bestimmt/geschaffen und verteidigt werden. Die Verzahnung der Bereiche wird wahrscheinlich eine immer grössere Bedeutung gewinnen, dazu kommen noch Co-Ops, Sponsoren und Affiliations, denn ohne networking und nischenübergreifende Promotion-Versuche werden die kleinen Inseln ganz schnell ZU klein.

    Was die GEMA betrifft: Eine gute Sache. Eines der Dinge, die sie aber ganz schnell ändern muss, ist der Verzicht auf die Vertretung des Gesamtwerkes des Künstlers. Flexiblität ist wohl das Attribut, dass das künftige Marketing am besten beschreibt, und das wird zum grossen Teil auch mit dem Umgang der Songs verbunden sein. Deshalb muss es dem Urheber umgehend möglich gemacht werden, bestimmte Teile seines Werkes GEMA-frei handhaben zu können.

    Myspace und Co. sind alles interessante Dinge, aber ich bezweifle, das eines von den Angeboten irgendwann normative Macht erlangt. Ein neues Medium, eine neue Schnittstelle, an die man sich anschliessen muss.

  83. 83
    boo

    @ Gene October

    Liest sich tatsächlich ein bisschen naiv mein Beitrag oben; ich wollte nicht unterstellen, es wäre einfach sich mit einem Label zu finanzieren oder bedürfe keiner kaufmännischen Überlegungen. Wie eingangs erwähnt gibt’s in meinem Umfeld keinen Profit, ich kenne diese Rechnungen für 500er Vinylauflagen und die sehen natürlich nicht besser aus. Aber ich hab halt keinen Fernseher & keine Klingeltöne auf dem Handy, sondern geh immer in den Plattenladen Platten kaufen ;)

  84. 84
    Tommy

    wieso ist der einzelene künstler ohne label auf verlorenem posten? geht doch (naja, noch nicht ganz). aber, guck mal was auf youtube passiert. dort unterhalten einige mit einer webcam hunderttausende andere. labelarbeit erledigt die technik. fehlt nur noch ein automatisches micropayment-system. aber wem erzähle ich es, herr mahoni ist ja auch dort.
    ich glaube, diese art der revolution, also die erfolgreiche digitalisierung der persöhnlichen vermarktung – so nenn ich das jetzt mal, also, diese revolution wird software-technischer natur sein. labels und personen die promotion machen wollen, treten weiter in den hintergrund. werbung stinkt einfach. stattdessen ausgefeilte rating systeme, die auch noch geld verteilen. the global lottery. „labels kümmern sich um dies und das, damit der künstler künstler sein kann.“ hihi … ist doch eh schon jeder ein künstler. frag mal die leute, die den ganzen tag im cafe sitzen … alles künstler! der typ der immer vorm kaisers steht – künstler! du – ich – künstler! jeder hat was zu sagen, machen, ein paar nette titten vorzuzeigen. fehlt nur noch ein cooles, extrem kapitilistisches, digitales, globales abrechnungssystem. nix mit softskills – software! sollte auch für spreeblick gut sein. habt ja schon ne menge content.

  85. 85

    … im fernen Berlin so ähnliche Gedanken, wie ich hier in Köln. Und stellt sich eben solche Fragen, wie ich mir. Einfach mal angenommen, ich gebe meine Ideen hier freimütig zum Besten: bekomme ich dann auch die von Johnny? Im festen Glauben, hier einfach nur eine wichtige Diskussion zu führen und in vollem Bewusstsein, dass Ideen und Konzepte zum Glück nicht schutzfähig sind fange ich einfach mal an.

    Wie müsste das Label sich anfühlen?
    Eben nicht wie ein Label. Eher wie eine Plattform. Jeder, der sich berufen fühlt Inhalte zu publizieren, darf das auf dieser Plattform. Hobby-Bands aus der Garage ebenso wie professionelle Kapellen, die (noch) keinen Vertrag haben oder keinen mehr. Filmer, Autoren, Designer, Marketing-Profis und alle, die digitalisierbaren Content produzieren sind willkommen. Bands finden Vermarkter. Designer bieten virtuelle Plattencover und Filmplakate, Autoren schreiben Bandtexte und Drehbücher.

    Wie müsste das Label sich finanzieren?
    Downloads sind gebührenpflichtig. 50 Prozent des im Marktvergleich konkurrenzlos günstigen Preises gehen an die Künstler 50 Prozent an die Plattform. Für an Label gebundene Bands mehr als attarktiv. Das Label bietet Zusatzleitungen: CD oder DVD gefällig oder doch lieber das Buch als Hardcover? Das T-Shirt der Band, die aktuell die Downloadcharts anführt? Oder doch lieber eine redaktionell bearbeitete Compilation? Alles kein Problem.

    Wer seine Kunst professionell vermarkten will, muss sich präsentieren. Das Standardprofil ist kostenlos, wer mehr haben möchte, hat gegen eine Zahlung sicher nichts einzuwenden. Die Marketing-Profis unter den Mitgliedern taugen nichts? Sie haben keine guten Kontakte zur Redaktion der Plattform und schaffen es einfach nicht den Lobpreisungsartikel auf der Startseite zu platzieren? Nun gegen einige Euronen ließe sich da sicher etwas machen. Sei es ein einfacher Text zur Verwendung im Profil oder der Tourbericht auf der Startseite.

    Wie sollte das Label agieren?
    Eine saubere Trennung zwischen redaktionellen, bezahlten und Dialoginhalten schaffen. Gleichzeitig den Dialog fördern. Charts veröffentlichen. Selbst Inhalte zum lesen, hören und anschauen schaffen. Programme aus dem Mitglieder-Content zusammenstellen – zum hören, sehen, lesen. Vertraglich gebundenen Künstlern klar machen, dass die Plattform die größeren Potenziale für sie bietet, als im Sterben begriffene Medienhäuser.

    Und wenn ich genauer darüber nachdenke … das würde schon Spaß machen.

  86. 86
    laanda

    Meine Vision eines modernen Labels:

    Ein großes Internetportal, auf dem Zugang zu allen Angeboten hat. Die Angebote selber haben dann recht eigenständige Seiten. Beispielsweise gelangt man dann von der Musik Abteilung auf die Seite eines Künstlers, welche persönlich gestaltet ist.

    Die Funktion des Labels:
    Der Nutzer kann sich darauf verlassen, bei allen Angeboten des Portals einen gewissen qualitativen Standard vorzufinden, egal ob es um ein Album eines Labelband geht, um den Kurzfilm eines Videokünstlers, einen Blog, einem Radiosender oder andere Angebote. Der Nutzer kann also dem Label „vertrauen“.
    Das Label betreut seine Künstler/wenauchimmer aber auch über das Internet hinaus, hinein in die reale Welt. Es organisiert Konzerte, angebotsübergreifende Veranstaltungen und betreibt vielleicht in den großen Städten Clubs, in denen eigene DJs und Künstler auftreten (können).
    Generell sollte es über das Internet hinaus Kontakt mit den Nutzern geben.
    Wenn man irgendwo für einen Flyer für eine Veranstaltung in die Hand gedrückt bekomme, auf dem irgendwo das Label auftaucht (z.B. als Sponsor/Veranstalter), kann man wieder den oben erwähnten Standard erwarten.

    Um es kurz zu machen: Für den Nutzer ist das Label vor allem ein Qualitätssiegel, sie können ruhigen Gewissens dafür Geld bezahlen, es ist keine Mogelpackung.

    Finanzierung:
    Jetzt wird schwierig, ich habe mit sowas wenige bis gar keine Erfahrung. Aber ich habe darüber nahcgedacht, wofür ich Geld bezahlen würde.

    1. Veranstaltungen (in der nicht-digitalen Welt)
    Das geringste Problem, hier kann man von jedem Besucher einfach Eintritt verlangen.

    2. Die Digitalen Angebote:
    Ein Abonnement. Für das ganze Portal, man kann, wenn man bezahlt, auf alle Inhalte zugreifen. Auf Filme, Audiodateien, Blogs, etc. Wenn man kein Geld bezahlt hat man nur Zugriff auf Textinhalte, aber Blogs nur eventuell. Die Werbung im Portalkann man ausblenden, wenn man etwas mehr für sein Abonnement bezahlt. Jeder Nutzer kann persönlich entscheiden, welchen Sparten des Portals mehr und welche er weniger unterstützen will, in dem er seine Abonnemtzahlungen prozentual verteilen kann. Allerdings nur grob, also etwa auf die Bereiche Film, Musik, Radio u.ä. Die genaue Verteilung auf einzelne Künstler regelt das Label. Generell gilt: keine DRM, Musik die man in seiner Abonemmentszeit runtergladen hat, hat man auch nacher noch. Allerdings nicht mehr online..
    Abgesehen davon gibt es für nicht-Abonnementen die Möglichkeit einzelne Alben und Filme zu kaufen und Radiosender mit Audiowerbung zu hören (die es bei zahlenden Kunden nicht gibt).

    Auch Rabatte für Abonnementen bei Live-Veranstaltung wären denkbar.

    Hoffe, es taugt wenigstens als Anregung,
    Laanda

  87. 87
    laanda

    Achja, das Merchandising und Plattenverkäufe habe ich ganz vergessen, dass gehört selbstverständlich auch noch dazu, damit kann man ja auch gut Geld machen, vor allem wenn man als Label einsieht , dass drei verkaufte Alben für 5€ mehr sind als eins für 10.

  88. 88

    Noch was:
    Wenn man durch die Künstler browst sollte es mehrere Arten der Sortierung geben:
    Nach „favourites“, die jeder eingeloggte User vergeben kann, nach Anzahl der Downloads, nach Datum (also das upload-date der einzelnen Songs) etc.
    Ein Muss wären auch daily features. Also „Kritiker“ heben jeden Tag 5 gute Songs hervor und präsentieren diese auf der Startseite ansprechend. Nicht zu viel Text. Eben ähnlich wie die daily deviantations auf deviantart.com: http://today.deviantart.com/features/

  89. 89

    Hm… mobile Vertriebswege (auch über Print und T-Shirts und so) wären doch auch was – auf dem Netz gibts ja wirklich schon fast alles;). Wir sind da eigentlich auch dran (jetzt nicht nur mit Musik). Vielleicht könnte man sich ja mal treffen oder so.

    Aber Labels find ich eigentlich ganz ok und fast grad so wichtig wie die Musik, wenn sie einem helfen, die riesige Menge zu durchforsten, zu filtern und zu ordnen. Natürlich solls auch Einpersonen-Labels geben können. Pandora und LastFM in Ehren.

  90. 90
    Brandbeschleuniger

    Ich finde vieles, was hier geschrieben wird, zu sehr auf die Perspektive der Musikindustrie begrenzt.

    Bei der Suche nach dem Modell für ein Unternehmen, dessen Zweck es sein soll, die Finanzierung künstlerischer Arbeit zu sichern, hilft vielleicht ein Blick auf das, was in den Niederlanden das Äquivalent zu ARD und ZDF ist. Dort machen im wesentlichen private Stiftungen und Vereine öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

    Für die Kunstermöglichungsfirma der Zukunft würde das also bedeuten: Stiftungskapital von Mäzenen, Steuervermeidungsfetischisten, Menschen ohne Erben u. ä. einsammeln, anlegen und von den Zinsen Musik-, Film-, Buchproduktionen finanzieren. Das hätte doch Stil: das Stiftungskapital in Bundesschatzbriefe anlegen und Staatsschulden in Kunst verwandeln.

    Allerdings bin ich mir noch nicht hundertprozentig sicher, ob das funktioniert: Damit das Stiftungskapital eine Million Euro Jahresetat abwirft, müßte man bei den derzeitigen Zinssätzen auf Bundesschatzbriefe 66 Millionen Euro aufbringen. Klingt erstmal nach viel, aber wenn man überlegt, wie viele Milliarden in den nächsten Jahren so vererbt werden, müßte das Geld, wenn hier alle fleißig mitsammeln, doch aufzutreiben sein.

    Weiß hier übrigens jemand, wie genau die Trägerstiftungen und -vereine des niederländischen Rundfunkwesens ihre Budgets auftreiben?

  91. 91
    bonzo

    @ Gene October
    den es funktioniert nur wenn man professionell ist. Ein Label als Hobby zu betreiben nervt alle (Künstler, Vertriebe, Medien und dich selbst).

    was interessiert mich, was die nervt und was nicht, jeder Mensch hat das Recht Musik oder Kunst, man stellt es ins Netz und es ist veröffentlicht, ist doch toll!Das wird letztlich als Vertriebweg übrig bleiben, naja gut, es gibt immer noch Ausnahmen, Abba bsp. verkaufen 3000 Tonträger täglich weltweit und auch Madonna, die ja nun ein knallhartes Marketing fährt, einiges. Aber das muss man auch, In Amiland wird sich bsp. Hip-Hop auch wie bisher gut verkaufen. Aber mal ehrlich, möchte eigentlich irgendein Künstler seine Musik als Klingelton im Axel F-Format, das ist doch was für Gehirnamputierte!
    Das funktioniert bei Bands mit Songs wie „Barby Girl“, aber doch nicht vsp, bei Portishead! Und es führt zunehmend dazu, dass Musiksender mit den Werbekampagnen für Klingeltöne überschüttet werden, letztlich dazu, dass ich schnellstmöglich den Sender wechsel, weil mich das alles nervt, es interessiert nicht, was die Medien nervt, es ist interessiert nur eins: WAS NERVT DEN POTENTIELLEN KUNDEN, und da sollte man auch langfristig denken, man muss den Kunden inspirieren nicht zumüllen, da liegt genau der Strategiefehler der Plattenindustrie, ich würd da erstmal das halbe Personal feuern und Leute mit echten Visionen ranlassen und dann wird auch wieder Geld verdient, im bewusstsein der menschen gibt es nur cool oderr uncool, die Mainacts sind Teenagerbands, die gehen wie sie kommen,…

  92. 92

    @laanda:
    „vor allem wenn man als Label einsieht , dass drei verkaufte Alben für 5€ mehr sind als eins für 10“

    der umsatz ist bei 3×5 höher als bei 1×10, nicht aber unbedingt der profit. mach deine rechnung mal in der annahme, dass das label bei einer platte kosten von 4 – 5 euro oder gar mehr hat.

  93. 93

    außerdem halte ich den ganzen plattform-kram für quatsch… es gibt eh zu viel musik, es wird zeit, dass wieder mehr gefiltert wird. natürlich finde ich es gut, dass es heutzutage einfach wie nie zuvor ist, musik zu veröffentlichen… führt aber leider auch dazu, dass jeder meint etwas rausbringen zu müssen. früher hat ne band noch 3 demo tapes aufgenommen und 100 konzerte gespielt, bis man sich das erste mal an an eine „richtige“ veröffentlichung rangewagt hat. heute hat jede band eine website (oder myspace account), bevor sie das erste mal auf der bühne gestanden hat.

  94. 94
    Jule

    Nur auf die Musikindustrie bezogen ist es ganz einfach:

    http://www.sellaband.com

    Der Konsument ist gleichzeitig Finanzierer. Du hast als Fan der Band die Möglichkeit, zu investieren und gleichzeitig zu profitieren.

    Das schaffen nur Bands, an die wirklich geglaubt wird und die es somit verdient haben.

  95. 95
    Jule

    P.S.: Dauert ja noch vier Tage, also klickt einfach mal auf „How It Works“ und lest euch das Konzept durch.

  96. 96
    indirekte Rede

    leiner Hinweise: dieses Thema wird auch in einem wunderbar geschriebenen Artikel, der zudem die ökonomischen Zusammenhänge erklärt, behandelt:
    „The Long Tail Forget squeezing millions from a few megahits at the top of the charts. The future of entertainment is in the millions of niche markets at the shallow end of the bitstream“

    http://www.wired.com/wired/archive/12.10/tail_pr.html

  97. 97
    Gene October

    @Bonzo

    Wenn du nicht professionell bist nervst du auch deinen potentiellen Kunden.

  98. 98
    gernot

    ’sell a band‘ sehr schlau, das. klingt nach { the next GEMA } und nach dem vertriebssystem fuer spreeblick – kleines label mit reichweite. eine portion gluecksspiel ist auch dabei und alle beteiligten provitieren. das schreit ja geradezu nach wachstum.

    damit duerfte die ausgangsfrage wohl beantwortet sein…

  99. 99
    laanda

    @johannes du hast natürlich Recht, mein Beispiel war zu simpel, ich wollte damit nur ausdrücken, dass meienr Meinung nach die Albenpreise zur Zeit zu hoch sind und mit niedrigeren Verkaufspreisen wesentlich mehr abgesetzt werden würde. 50% niedrigere Preise sind wahrscheinlich echt zu krass, obwohl für mich persönlich gilt, dass ich zur Zeit nur verbilligte Alben kaufe, davon aber nicht gerade wenig.

    Laanda

  100. 100
    Gene October

    @Laanda
    Der Preis für Musik spielt nur eine untergeordnete Rolle. Es geht im wesentlichen darum den Fan derart zu begeistern das er bereit ist einen angemessenen Preis für das „Erlebniss“ zu bezahlen. Siehe in diesem Zusammenhang die Preise für Live Konzerte bzw. kann ich mich erinnern das ich 1979 gerne 37,90 DM für „It´s Alive“ von den Ramones ausgegeben habe, und du willst nicht wissen wieviel ich bereit war für diverse Bootlegs auszugeben. Der Preis ist Nebensache, der Act muss stimmen.

  101. 101

    professionell bedeutet doch in erster linie bei einer tätigkeit finanziellen erfolg als hauptziel zu haben. wenn es so gemeint ist dann freu ich mich über jedes amateur- (=liebhaber) label das musik veröffentlicht weil sie den leuten wirklich am herzen liegt und nicht um damit größtmöglichen profit zu machen. was dabei rauskommt sieht man ja wenn man nal ne minute die überreste des musik tv anschaltet.
    desweiteren bedeutet eine amateurhafte herangehensweise ja nicht gleich schludriges arbeiten oder schlechte qualität… eher im gegenteil! nimm mal eine beliebige top 10 single-cd in die hand und dann ein in handarbeit zusammengeklebtes constellation release… (ich will ja jetzt nicht schonwieder selbstreferenziell werden ;) was macht denn bitte mehr freude?
    naja, ich finde einen herzlichen dilettantismus manchmal sehr erfrischend!

  102. 102
    Gene October

    @SimSullen
    Ganz falsch, professionell bedeutet keineswegs ein auf den finaziellen Erfolg ausgerichtetes Unternehmen, es bedeutet vielmehr das man sich mit ganzer Kraft auf etwas konzentrieren kann. Es bedeutet das man die wirtschaftliche Basis für Kunst und Kreativität schafft, denn bei aller Träumerei möchte der Künstler als solches nicht unbedingt Daytime Jobs haben um dann am Abend oder am Wochenende den Kreativen spielen zu können, vielmehr träumt er davon von seiner Kunst leben zu können. Profesionelle Partner erleichtern dieses Anliegen ungemein. Es hilft zu Beispiel ungemein wenn man sich mit der GEMA und GVL professionell auseinandersetzen kann, genauso hilft es wenn man professionell mit Radiosendern oder Zeitschriften zusammenarbeiten kann. Zur Zeit werden ca. 70% des Tonträgergeschäftes von 3 Händlern dominiert, wenn du keinen Weg findest mit zumindest einen von denen zusammen zu arbeiten wird es extrem schwer deinen Künstler und seinen Tonträger an den Mann zu bringen. Und diese Händler erwarten eine extrem profesionelle Zusammenarbeit. Nur so als Beispiel. Das gleiche Gilt auch für Internationale Vertriebe, Itunes etc. etc.

  103. 103

    Das was du dir vorstellst läuft auf ein Musikunternehmen hinaus, das an den privaten Konsumenten nichts verdient. und an denen auch nichts verdienen will.
    Durch eine großangelegte Promotion über torrents, myspace, p2p… baut man sich eine möglichst große Fan-schaft auf. Es ist hierbei wichtig, dass die Musik nicht wahrlos ausgewählt wird, sondern dem Label eine Identität verschafft. So dass sich nicht nur die einzelnen Tracks verbreiten, sondern auch der Name des Labels.
    Über das Internet ist ja auch Kommunikation und Interaktion mit den Hörern möglich, so dass eine Bindung der Hörer einfacher ist als bei einem herkömmlichen Label.

    Der finanzielle Gewinn dieses Unternehmens setzt erst im zweiten Schritt ein. Seine Kunden sind Firmen, die das Label, seinen Namen oder die Musik nutzen wollen, um sich zu profilieren.
    Einnahmequellen wären hier zum Beispiel Gratis-CDs beim Kauf eines Autos oder beim Buchen einer Flugreise. Oder Downloads/Podcasts auf den Firmenseiten.
    Auch im Live-bereich geht das langsam los: Das Konzert ist für den MusikFan umsonst und wird von einem Gönner finanziert: o2 zum Beispiel lädt schon seit längerem zu Geheimkonzerten in den Postbahnhof ein, um noch cooler als T-Mobile zu sein.
    Ausserdem sind da noch die Lizenzgeschäfte (Werbung, Film, Websites…).
    Das Lustige daran ist, dass es diesen potentiellen Kunden sehr entgegen kommt, wenn die Musik Gemafrei ist. Da bezahlen die gerne eine höhere Summe, wenn sie keine mechanischen Lizenzen an die Gema abdrücken müssen.
    Die Kunst wird darin liegen, sich nicht komplett aufkaufen zu lassen und sich treu zu bleiben – darin wird aber auch die einzige Erfolgschance dieses Modells liegen. Ähnlich wie bei Spreeblick ist da wohl eine Vision und großes Feingefühl nötig.
    Ich weiß nicht wie, und ob das funktioniert und irgendwie schmeckt die Idee auch ziemlich bitter.
    Aber es ist das einzige, was mir dazu einfällt.

  104. 104

    ist ja nur angenommen

  105. 105
    Jan(TM)

    Sinn und Zweck eines Labels ist ja nicht „der beste Freund des Musikers“ zu sein. Sondern Sachen zu produzieren die man für wertvoll(künstlerisch oder im Sinn von Knete machen) hält und das eine Auswahl getroffen wird. Ich habe keine Lust auf einer Webseite 5 Millionen freie aber miese Lieder zu hören um einen Diamanten zu finden.

    Also wäre das erste, sich einschränken damit man eingeschätzt werden kann. Man braucht ein Markenzeichen wie z.B. „John Peel“, „Lutz Schramm(Parocktikum)“. Wo ich mir als Zielgruppe sicher sein kann das die Musik wirklich sehr gut, inovativ, etc. ist, auch wenn sie mir dann nicht immer gefallen muss.

    Und da sehe ich das grosse Problem, diese User kann man vielleicht zu 20% mit CDs mit tollem Artwork, super Klang … erreichen und dazu bringen Geld zu bezahlen. Die restlichen 80% schimpfen gemütlich weiter auf die bösen grossen Labels, GEMA, reden von „Netzwerken bilden“, freier Kultur und spenden ihr Geld dann doch nur den Bierkonzernen.

    Ich bezweifel sehr stark das man Creativ Commons, Musik und Künstler die von ihrer Arbeit leben können unter einen Hut bekommen kann.
    Die Sprüche kann ich schon hören „Eh die wollen 2,50 für en Bier uffen Konzert von dennen – nee da zahl ich doch nicht och noch für die -wenn icks kostenlos downloaden kann!“, „Geld für Musik? Ich bin doch nicht blöd! So muss weiter im Müllmarkt neue Anlage holen!“

  106. 106
    bonzo

    Die Sprüche kann ich schon hören „Eh die wollen 2,50 für en Bier uffen Konzert von dennen – nee da zahl ich doch nicht och noch für die -wenn icks kostenlos downloaden kann!“, „Geld für Musik? Ich bin doch nicht blöd! So muss weiter im Müllmarkt neue Anlage holen!“

    Raucher geben täglich ca. 3-5 € für Kippen aus, wenn nicht mehr; Musik ist eben auch nicht Strom oder Gas, es dient zur Unterhaltung, es ist nichts Greifbares, in gewisser Weise etwas Immaterielles, und greifbar für den User über reinen Datentransfer, das Musikkonsumieren hat sich auch bei den Jugendlichen stark verändert und überhaupt; ich bin damit aufgewachsen mir eine Platte oder CD durchzuhören, manchmal mehrmals täglich, Phil Collins „…but seriously“ bsp. ist ein Album, das man durchhören kann, aber heute werde ich maximal auf ein oder zwei Songs von bands aufmerksam aufgrund der Vielfalt; ich habe auch irgendwie nicht richtig Bock, mir heute ne ganze CD von einer Band durchzuhören, wenn ich das Gefühl habe, die band hat versucht ein Album zu füllen, zwischen 1-3 Perlen findet man zweitklassige Musik, also kauf ich mir das Album nicht; im netz kann ich mir ja auch bei Musicload bsp. gezielt nur die Songs runterladen, die ich haben möchte, was ich sagen möchte: in den 80ern ist auch viel Scheiße auf den Markt gekommen, aber es gab da Künstler wie bsp. Phil Collins/ Genesis, die ein ganzes Album höchste Musikansprüche erfüllten, ganz zu schweigen von der wahnsinnigen Live-Performance von Phil Collins; man nehme jetzt mal Robbie Williams, der einige gute Songs gemacht hat wie ich finde, ich aber kein Album von dem Typen besitze, weil mir noch niemand bis dato gesagt hat: he, dieses Album MUSST du dir anhören, es ist der Hammer. Das ist sehr selten geworden wie ich finde, aufgrund des Drrucks auf die Bands, schnell das Ding fertig zu machen; um gute Musik zu machen, braucht man ein gewisses Budget, da die Industrie aber nur short term goals verfolgt und keine langzeitige Strategie hat oder eine Strategie hat, die kein kultureller Maßstab mehr ist in meinen Augen, bewegt sich das alles auf sehr wackligen Beinen, da hilft es auch nicht wirklich, wenn Reamon bsp. bei der Bundesligaeröffnung spielen, auch wenn das super Publicity isr, obgleich Reamon eine Band ist, die ich mag und die live super sind. Die Jungs spielen sich den Arsch ab, aber CDs verkaufen die momentan glaub ich nicht sehr viele. Bezeichnend ist, dass die ihren Hit Supergirl gespielt haben, so daran erinnern sich die Leute, dann kommt das neue material, das von der Mache her ähnlich klingt, aber kein großer Song ist wie Supergirl, aber verkaufen soll es sich trotzdem wie Supergirl und genau an der Stelle liegt das Problem, die Erwartung und die Enttäuschung der Band und der Industrie, wenn´s nicht klappt, was wieder zu Druck auf alle Beteiligten führt, genau diesen Kreislauf muss die Industrie durchbrechen ansonsten schaufelt sie sich ihr eigenes Grab, ja es ist ein Jammer

  107. 107

    Meine Antwort:

    Man würde z.B. eine Konkurrenzunternehmung GEMA* an den Start bringen, zusammen mit einer Reihe namhafter Acts und Künstler, die ebenfalls angenervt sind von der GEMA. Dies würde man koppeln an eine Initiative für ein fortschrittlicheres Urheberrecht, welche die Interessen von Konsumenten & kleinen Künstlern besser berücksichtigt, indem man z.B. gegen die überkommene 70-Jahre-Regelung angeht, welche im Wesentlichen bewirkt, dass die heutigen (!) Erträge aktiver Künstler denen zufallen, die Rechte an alter, verlebter, toter Kunst erworben haben. Außerdem würde man daran mitwirken, Künstlern den Freiraum einzuräumen, an einer „žKultur-Flatrate“ mitzuwirken, ein Freiraum, der vor dem Hintergrund heutiger Rechteverwertungsmonopole „žSchutzorganisationen“ wie GEMA und GVL z.Zt. nicht existiert.

    Ohne einen konzertierten Angriff auf diese Institutionen, welche vor allem Rechteverwertern & saturierten Künstlern bzw. deren Witwen nützen (während sie z.B. kleinen Künstlern schaden), wird dieser m.E. notwendige Freiraum niemals entstehen.

    KONKURRENZ GEGEN DIE GEMA!

  108. 108

    Meine Antwort:

    Äh, es muss natürlich heißen: „žMan würde z.B. eine Konkurrenzunternehmung zur GEMA* an den Start bringen(…)

    Sorry!

  109. 109
    Jan(TM)

    „Erträge aktiver Künstler denen zufallen, die Rechte an alter, verlebter, toter Kunst erworben haben“ Kann ich dir gerade nicht folgen. Die Gema verteilt ihr Geld doch laut hörensagen im grossen Topf an die „grossen“ Künstler wie Madonna, M. Jackson, B. Spears – weil es zu kompliziert wäre 0,023 Euronen an kleine Bands(z.B. Plan B [g,d&r]) zu überweisen die einmal pro Jahrzehnt im Radio laufen.

    Oder meinst du es sollte kein Geld mehr gezahlt werden an den Rechtebesitzer für das Abspielen von Liedern wie „Gelbes Unterseeboot“, „Gestern“ etc.? Wobei ich dir da mit „alter, verlebter, toter Kunst“ zustimmen würde. Duck und weg …

  110. 110
  111. 111

    hey,

    wenn ihr dann zu einem entschluss gekommen seid und an die technische umsetzung gehen solltet, ich hab noch jede menge freizeit uebrig. und ich kann so komplizierte web-„portale“ u.ae. programmieren.

    deralex

  112. 112

    professionelle softwareentwicklungszeit sollte es wohl heissen, nicht freizeit

  113. 113

    Hier scheint man schon weiter zu sein:
    http://phlow.net/mag/interview_portrait/renommee_agent_musik_lizensierung.php
    cc Musik verschenken und Geld verdienen. Ob ich dort dann aber sagen kann: „Ich möcht meinen Sound nicht unter z.B. Autowerbung hören“, weiss ich nicht.

  114. 114

    Ich möchte ein Modell, das über Werbung Songs kostenlos anbieten kann. Sollen doch die großen Firmen für mich bezahlen. Dafür sehe ich mir dann auch ein bissle Werbung für ´n Lied an!

    Johannes

    PS: Plant Microsoft nicht sowas???

  115. 115
  116. 116

    Im Bereich der Literatur sind Agenten inzwischen hierzulande ja weitaus üblicher als noch vor wenigen Jahren. Gute Agenturen (meine ist übrigens http://www.schrift-art.net … shameless plug) machen mehr, als sich „nur“ um den Verkauf von Manuskripten zu kümmern, das heißt sie helfen beim Marketing, bei der Organisation von Lesereisen und so weiter. Ein befreundeter Profi-Musiker hat mir erzählt, dass seine Band ihre Einnahmen zum allergrößten Teil von Konzerten und Merchandising erhält. Ich schätze mal, dass der Anteil der Musiker am Plattenverkauf ähnlich gewaltig ausfällt, die der Anteil der Autoren am Buchverkauf. Allerdings können Musiker mit Auftritten mehr verdienen als Autoren (glaubt mir einfach).

    Vielleicht kann man auf dieser Agentenschiene auch in anderen Bereichen arbeiten. Wenn man die Künstler sozusagen für alles, sprich auch für Performances, Werbung und so weiter unter Vertrag nimmt. Dann müsste man überlegen, dass die eigentliche Kunst, die Musik, der Podcast, was auch immer, eigentlich nur Werbung für die finanziell gewinnbringenden Aktivitäten ist. Neben dem legalen, günstigen oder gar kostenlosen Download würde man eben noch CDs oder DVDs (und Bücher?) anbieten, für all diejenigen, die einen Silberling zuhause stehen haben möchten. Merchandising wäre extrem wichtig; Auftritte ebenfalls. Da das Label/der Verlag/die Agentur dafür Geld erhält, müsste sie dementsprechend auch Leistung erbringen, sprich Organisation und PR übernehmen.

    Ich habe keine Ahnung, ob das funktionieren kann. Im Buchmarkt lebt der Agent, genau wie der Autor, von den verkauften Büchern (die meisten Autoren können davon alleine übrigens nicht leben). Aber andere Bereiche bieten ja auch andere Einkommensmöglichkeiten. Erfolgreiche Künstler haben ja durchaus Agenten, vielleicht sogar mehrere für verschiedene Bereiche („normaler“ Agent, PR-Agent, Booking-Agent, etc.). Das müsste man wohl konzentrieren und in Kombination mit den Leistungen eines klassischen Labels als Gesamtpaket anbieten.

    Am Ende möchte doch jeder Geld mit dem verdienen, was er/sie tut. Deshalb muss es sich für Künstler und Label/Agent/Verlag lohnen. Das Problem ist, dass man mit traditionellen Labels konkurriert, die Künstlern eventuell bessere Konditionen anbieten können. Schließlich wird da theoretisch an der Kunst und allem anderen verdient. Vermutlich braucht man am Anfang eher idealistische Künstler…

    Und man braucht eine Möglichkeit für PR. Man muss die potenziellen Kunden erreichen können. Ohne Bekanntheit und Aufmerksamkeit wird es nicht funktionieren. Aber darüber wissen andere mehr als ich.

    Von Kinderbuchverlagen rate ich ab. Der Markt ist extrem dicht und man muss jede Menge wirklich schlechter Kinderbuchmanuskripte von Menschen lesen, die glauben, weil sie ein oder mehrere Kinder großgezogen haben, könnten sie auch das Beste aller Kinderbücher schreiben (weil das ja so einfach ist).

    Chris

  117. 117

    @ Chris / Kinderbuchverlag: Ich bastel in meine Beiträge demnächst einen Satirebutton ein ;)

  118. 118

    @ Boogie: schon verstanden, ich habe nur ebenfalls satirisch geantwortet… ;)

  119. 119

    falls ihr während dieser hoffentlich noch nicht allzuschnell versiegenden diskussion einen lebend-versuch zum thema anschauen möchtet (und nebenbei tolle, bereits in Johnnys Podcast gefeaturedte Musik) entdecken wollt, dann klickt euch mal zu omaha-records.de

    Hier haben sich einige meist deustche Singer-Songwriter zusammen getan um die schöne neue Welt des Internets zu beschallen…

  120. 120
    Acid

    Ich hab nicht die ganzen 124 Kommentare gelesen, vielleicht hat sich diese Frage schon jemand gestellt:
    Braucht es überhaupt ein Label? Der Begriff Label ist durch all die Abmahnungen auch recht negativ behaftet.
    Ist es nicht viel mehr so, dass der moderne Rezipient mittlerweile viel zu emanzipiert ist und sehr oft zum eigenen Produzenten wird!?
    Vielleicht sollte man die potenziellen Kunden teilhaben lassen. Remixe, Videos zu Traxx machen – alles sowas. Man könnte vorgefertigte Audio- und Videoloops zum DL anbieten…

    Ein Jammer, dass es sowas wie iLife nicht von Adobe und Steinberg (o.ä.) gibt. So ein Multimedia-Easy2use-Bundle. Sowas könnte man wunderbar einbinden.

  121. 121
    kalle

    na, das ist doch passend zu diesen konzertveranstalter label synergie ideen.auch wenn die wohl nicht ganz so musik2.0 kompatibel sein werden.

    Konzertveranstalter FKP Scorpio gründet Label
    HAMBURG, 12.08.06 (fkp). Der große deutsche Konzertveranstalter FKP Scorpio schafft sich ein zweites Standbein und gründet mit 7Hz Recordings ein eigenes Label…

    http://www.pop100.com/news_detail.php3?id=3457

  122. 122
    DieterK

    Verkauf oder Abo?
    Bisher war es ja so, dass die so genannten Intensivkäufer die wichtigsten Kunden der Musikindustrie waren. Diese Minderheit war für den größten Umsatzanteil verantwortlich. Und diese Leute, ich gehör(t)e auch dazu, wollen Tonträger (MP3s?) besitzen., das heißt sie werden keine Abos nutzen.
    Die Mehrheit der Kunden kauft / kaufte ein, zwei CDs im Jahr. Wieso soll diese Gruppe in Zukunft auf die Idee kommen, jeden Monat Gebühren für Musik zu zahlen? Musik bedeutet diesem Kundenkreis nicht besonders viel, sie haben keinen iPod haben und laden (vielleicht) ab und zu mal einen Song aufs Handy.

    „žPotato“ (lizenzierte P2P-Systeme):
    Das klingt, oberflächlich betrachtet, ganz gut: Weitergabe durch die Käufer, die dafür Provisionen bekommen.
    Genauer betrachtet geht es bei diesem Modell darum, dass die Contentanbieter die Distributionskosten auf die Kunden abwälzen, die dafür Gutschriften bekommen, die aber nur zum Kauf innerhalb des Systems verwendet werden können. Das ist genau so wie am Anfang der Industrialisierung. Damals sind die Arbeiter ihren Lohn gleich wieder in den Lebensmittelläden / Mietwohnungen ihrer Arbeitgeber gleich wieder los geworden.
    Allein der „žCommunity-Effekt“ (was immer man darunter verstehen mag und falls dieser in einem kommerziellen System überhaupt entsteht) könnte für diese Distributionsform sprechen.

    Label & Management
    Label und Management haben vollkommen unterschiedliche Aufgaben. Die Geschichte der Musikindustrie zeigt, dass immer dann, wenn Management und Label identisch waren (ich rede jetzt nicht von Bands wie den Rolling Stones oder den Toten Hosen, die sich selbst managen / vermarkten) die Musiker noch mehr übervorteilt wurden, als ohnehin branchenüblich: Zwei Beispiele:
    – Als Manager hat David Geffen in den 60er / 70 er Jahren für seine Künstler gekämpft, als Labelboss hat er Neil Young verklagt.
    – Die endlose Geschichte von King Crimson / Robert Fripp und EG.

    Eine positive Ausnahme war Tony Stratton-Smith, der das Management von Genesis freiwillig (und gratis) abgab, als er sein Label Charisma gründete.

    Die Kombination von Label und Management ist übrigens kein neues Modell, sondern uralt: Zum Beispiel waren viele britische „žunabhängige“ Label in den 1960er Jahren (Page One, Immediate, Charisma, EG) Ableger von Managementfirmen. MCA Records (heute Universal Music Group) ging aus einer Managementagentur hervor.

    Auch ökonomisch ist das Modell fragwürdig. Sanctuary Records, vor zwei Jahren noch als Zukunftsmodell gehandelt, hat gerade erst bewiesen, dass eine 360-Grad-Abdeckung (Label, Verlag, Management, Merchandising) überhaupt nichts bringt. Anfang Juli musste MW Entertainment (Managementagentur von Beyonce, Destiny“™s Child) für 2,7 Millionen Pfund wieder an den Gründer (Mathew Knowles) verkauft werden. Vor drei Jahren hatte Sanctuary 6,6 Millionen Pfund gezahlt, um ein Label um das Management herum aufzubauen.

    Zusätzliche Einnahmeformen:
    Der Versuch, der Labels, an zusätzlichen Einnahmeformen zu verdienen, ist aus ihrer Sicht verständlich. Aber bringt das wirklich was? EMI ist zwar an den Konzerteinnahmen von Robbie Williams beteiligt, dafür war der Vorschuss aber auch höher. Wieviele und welche Tourneen machen den Gewinn? Bis vor kurzen hieß es doch immer, mit Tourneen ist kein Geld zu verdienen (deshalb wurden ja die Sponsoren so begeistert begrüßt), sie dienen nur der Werbung für CDs. Die großen Einnahmen machen doch hauptsächlich Acts aus den 60er Jahren (Rolling Stones, Paul McCartney, Pink Floyd) und andere Dinosaurier, die längst Verträge haben, bzw. deren Konditionen bestimmen können. Mit dieser Strategie können die Label bestenfalls langfristig etwas bewirken.

    Selbstvermarktung:
    Das kann, wie Johnny zu Recht schreibt, nur für eine Minderheit eine Lösung sein. Allerdings bleiben in Zukunft alle Recht beim Künstler, der diese befristet zur Vermarktung an (Major)Labels oder ähnliche Organisationen vergibt.

    Vermarktung:
    Über ein Netzwerk von Firmen (Label, Verlag, Management, Online-Plattform, Webradio, Konzertveranstalter usw.), die jeweils auf ein Tätigkeitsfeld spezialisiert sind.

    Geld verdienen:
    Der Musiktausch in P2P-Systemen wird nach dem Vorbild der GEMA (oh Schreck) und anderer kollektiver Verwertungsorganisationen über Pauschalgebühren abgerechnet. Ohne DRM und ohne Überwachung der Kunden.

  123. 123
    Gene October

    @DieterK

    Du lässt die positiven Beispiele bei deiner Aufzählung raus, und die gehst davon aus das ein Label in der Zukunft mit einem Label der Verangenheit vergleichbar ist. Wenn wir davon ausgehen, und ich gehe davon aus, das in Zukunft die Einnahmen aus dem Verkauf von Musik bzw. Tonträgern nur noch einen Bruchteil der heutigen Umsätze ausmachen, kann ein Label der Zukunft sein Geld nur noch verdienen wenn es anderen Einnahmequellen beteiligt wird. Die Arbeitsteilung von heute wird in der Zukunft keinen Sinn mehr machen. Warum sollte ein Label in Zukunft weiter soetwas wie Toursupport bezahlen? Wenn die Verkäufe der Tonträger kaum noch reichen die Produktionskosten für eben jenen zu begleichen? Die Wertschöpfungskette der Musikvermarkter muss auf ein vernünftiges Mass erweitert werden, das heisst für den Künstler sicher nicht das alles aus einer Hand kommen wird, aber es müssen deutlcih weniger Hände werden.

  124. 124
    westernworld

    nur mal so als gedanken experiment und so wahrscheinlich wie freigabe von drogen zum zwecke der bekämpfung von aids und organisierter kriminalität; warum nichts vernünftiges aus der gema machen.

    die gema wird zu einem riesigen datenbankbetreiber umfunktioniert, jeder der für seine kreativen ergüße geld haben will kann sie kostenfrei hochladen und vergütet wird nach zahl der downloads. wer seine produkte darüber hinaus in greifbarer form vermarkten will darf das natürlich weiterhin, kein problem.
    der clou ist der daß die datenbank und die honorare aus einer abgabe ähnlich der gez nur direkt von finanzämtern, gez , krankenkassen oder wer sonst noch breiten zugriff hat eingezogen wird. es gäbe dann keinen anreiz mehr für unlizensierte downloads.
    das problem läge in der quasi deckelung der einnahmen der industrie und dies wüsten vorallem die amerikaner im zweifelsfall mit bodentruppen, im regelfall mit hilfe der zur durchsetzung ihrer interessen geschaffenen institutionen wie wto, weltbank oder uno- unterorganisationen zu verhindern.

    wahrscheinlich würde bei einem solchen ansatz mehr herrauskommen an einnahmen als jetzt, aber unregulierte märkte sind gottgewollt (http://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalismus#Max_Weber) und es muß ja einen sieger geben, den wirtschaft ist ja krieg.

    ja ich weiß aktienmärkte, rechtestruktur und nicht zuletzt wer legt die höhe der abgabe fest und ist es nicht unfair denen gegenüber die keine digitalisierbaren medien nutzen.

    zum letzten punkt kann ich nur sagen ja, doch das hindert auch niemanden die allgemeinheit für opern, öffentlichen nahverkehr und fussballstadien zur kasse zu bitten.

    ich für meinen teil halte es für viel wahrscheinlicher das die unterhalungsindustrie sehr viel kleinteiliger werden wird. mehr selbstverlage mehr künstler, kooperativen, mehr kleine klitschen.
    vielleicht eine stärkere betonung von live veranstaltungen in der popkultur da diese sich schlecht digitalisieren lassen- wäre auch durch die landflucht im rahmen des demographischenwandels besser möglich als bisher.

    die majors in film und musik werden nicht von heute auf morgen verschwinden, aber sie werden kleiner werden und weniger bestimmend sein als heutzutage.

    die andere option wäre ein sehr weitgehender überwachungsstaat der ist nötig um filesharing effektiv einzudämmen. das ergebnis wäre eine großflächige kriminalisierung der bevölkerung mit den bekannten folgen für das ansehen und die autorität des rechtsstaats und eine echte blüte starker einfach zu nutzender crypto- und steganografiewerkzeuge. PGP für meine oma sozusagen.

    der beitrag erhebt keierlei anspruch auf letztgültige ausgegorenheit.

  125. 125
    DieterK

    @Gene October

    Mal etwas polemisch geantwortet:
    Die „Wertschöpfungkette“ (der Labels) erweitern, läuft darauf hinaus, Heizer auf der Elektrolok zu beschäftigen.

    Wenn die Einnahmen aus Tonträgern / Downloads an Bedeutung verlieren, dann heißt dies doch, dass die Labels ihre zentrale Stellung im Musikgeschäft verlieren.

    Dies ist genau wie beim Wechsel von Notenblättern zu Walzen und Schellackplatten. Damals lösten die Tonträgerhersteller (Labels) die Verlage als wichtigste Instanz im Musikgeschäft ab. Das heißt jedoch nicht, dass die Labels ganz verschwinden (die Musikverlage der Majorlabels sind Gelddruckmaschinen, heute mehr denn je), sondern dass sie eine andere Funktion erhalten.

    Labels müssen sich völlig neu erfinden (womit wir wieder bei der Ausgangsfrage wären) und nicht einfach weiter wursteln wie bisher und nach zusätzlichen Einnahmen schreien — für die sie, z. B. bei der Beteiligung an den Konzerteinnahmen, noch nicht einmal eine Gegenleistung erbringen. Um bei Robbie Williams zu bleiben: Seine Popularität verdankt er Take That, da könnte auch noch die BMG Ansprüche anmelden. Oder die Randfichten (heißen die so?), die wären längst eine erfolgreiche Liveband, bevor sie einen Vertrag bei EMI hatten.

    Wie Du weiter oben geschrieben hast, wäre eine Möglichkeit, dass die Labels jede Menge zusätzliche Funktionen (Konzertagentur, Management etc.) übernehmen. Dabei gehst Du offenbar davon aus, dass alle diese Unterabteilungen die gleichen Interessen hätten, die noch dazu mit den Interessen der Künstler identisch sind. Dies ist aber nicht der Fall. Es war doch bisher schon so, dass (bei den Majors) A&R- und Marketing-Abteilungenen mehr gegen- als miteinander gearbeitet haben.

    Deshalb denke ich, dass es für die Künstler, aber auch für den Musikmarkt insgesamt, sehr viel besser wäre, wenn nicht wenige Mega-Labels alle Facetten des Business beherrschen würden, sondern eine Vielzahl von spezialisierten Dienstleister konkurrieren, so dass die Künstler die Wahl haben, mit wem sie zusammenarbeiten.

    Aktueller Lesetipp:
    Isobel Campbells (Belle And Sebastian, Queens Of The Stone Age) Reaktion auf die Nominierung zum Mercury Prize (britischer Grammy):
    „žI think a lot of the time musicians are the last people to benefit from their hard work. It’s quite bad really.“
    „žI really, really need to get [a manager]. I’m quite scared: you think you are getting into something good and you get ripped off.“
    Campbell, who concedes she probably will go to the awards if only to avoid being „killed“ by her record company, said part of her concern about success was that she might be packaged in a way that detracted from her music.

    @westernworld
    Ja, so ähnlich könnte/sollte eine Kulturflatrate funktionieren. Rechtlich ist es kein Problem (sagt jedenfalls eine französische Studie zu dem Thema).

  126. 126
    Gene October

    @DieterK

    Bei deiner Kritik an meinen Ausführungen übersiehst du, das ich davon spreche das sich „Labels“ neu erfinden müssen – ob sie in Zukunft überhaupt noch Labels heissen sei dahin gestellt. Deine Kritik an den bestehenden Strukturen kann ich nur teilen (ich habe lange genug mein Geld am Rande dieser Strukturen verdient). Wenn aber die Mitarbeiter eines zukünftigen „Labels“ erfolgreich sein wollen, müssen sie den Künstler und den kreativen Prozess in den Mittelpunkt stellen, da bleibt kkein Platz mehr für Egogepupse. Das zukünftige Label wird ja auch kein Megakonzern mehr sein, sondern ein 10 – 20 Mann/Frau Team das sich um max. 10 – 20 Künstler kümmern wird. Irgendeine Firma hat vor Jahren mal mit folgenden Spruch bei Künstlern für sich geworben: „Big enough to handle, small enough to care“. Diese Einstellung wird zum erfolg führen.

  127. 127
    AP

    The Long Tail von Chris Anderson bietet zwar keine Lösungsansätze für „das“ Label der Zukunft mit allem Drum und Dran, beschreibt aber sehr interessante Möglichkeiten und Entwicklungen sowohl für Konsumenten als auch für Produzenten durch das Internet, und zwar gerade in den Bereichen Film, Musik, Bücher. Ich versuche lieber nicht, das hier in verkürzter Form wiederzugeben, denn auch der Artikel kratzt nur an der Oberfläche, aber ich denke, für einige der hier bereits beschriebenen Ideen liefert er neues Futter.

  128. 128
    DieterK

    @Gene October

    Da sind wir ja schon fast einer Meinung. Die Frage ist halt nur, was genau dieses neuartige Label/Team – es wird auf eine Form von Investor / Management hinauslaufen – genau macht (10-20 Mann/Frau können sicher nicht die von Dir oben beschriebenen vielfältigen Aufgaben übernehmen), und wie das Vertragsverhältnis zwischen Künstler und der neuen Form von Label ist.

    Mein Punkt ist, dass die meisten Aufgaben, die ein Label heute macht, in Zukunft ausgegliedert sind. (Das haben die Majors ja zum Teil schon umgesetzt und ihre Presswerke / Vertriebssysteme verkauft) Auch die PR, besonders die in Verbindung mit Payola, wird von „unabhängigen“ Promotern gemacht. Da bleibt von den traditionellen Label-Funktionen (fast) nur noch die Finanzierung übrig. Deren Bedeutung geht aber durch Home-Studios, alternative Werbemöglichkeiten (Internet) und die trägerlose Distribution etc. auch zurück.

  129. 129
  130. 130
    westernworld

    eigentlich keine antwort auf die frage nach dem label, aber was wenn musik einfach nicht mehr den stellenwert hat und auch nicht zurückerlangt den sie ihn in den fetten jahren der popkultur nach dem zweiten weltkrieg bis ca. zum mauerfall hatte.

    früher bestand jugendkultur ,und pop war lange nichts anderes, aus drei hauptelementen- musik, klamotten und den orten an denen man unter gleichgesinnten diese musik hörte während man das entsprechende outfit trug.

    heute ist popkultur vielfältiger und die jugend ein stetig schrumpfender teil der bevölkerung.
    es gibt handys, internet, 40 tv-sender, dvd-videos, computer, computerspiele, drogen, autos, reisen- alles dinge die es früher nicht gab oder die schlicht für die meisten jugendliche nicht zur disskusion standen. und alle konkurrieren sie um die selben geldbeutel.

    auch sollte man nicht außer acht lassen das ein großer teil der jungen auf harz4- niveau aufwächst und sich schlicht keine CDs leisten kann.

    erwachsene bis ins reifere alter werden von vielen angeboten überfordert, sind noch nicht im englischsprachigen internetzeitalter angekommen und finden musik ganz nett, aber keine frage von leben und tod wie in ihrer jugend.

    apropos, als echte abgrenzung zu den älteren und damit als identitätsstiftendes element taugt sie auch nur noch ganz bedingt.

    „negermusik“, „urwaldgeräusche“ anybody, hat doch schon von uns mittdreißigern keiner mehr an den kopfgeworfen bekommen.

    vielleicht nicht im selben ausmaß, aber doch in vergleichbarer art droht der popmusik ein bedeutungsverlust wie ihn die bürgerlichen kunstbetriebe von oper, ballet, operette, klassischem konzert und theater
    im laufe des 20 jahrhunderts erlebten.

    ich weiß ein ketzerischer gedanke und nicht hilfreich bei der frage wie popmusik als brotberuf zu gestalten ist.

  131. 131

    scheinbar wurde last.fm hier noch gar nicht wirklich erwähnt, ich habe hier http://rotor.greyskull.de/?p=39 mal ein wenig über http://www.last.fm geschrieben, erspaart vielleicht eine weitere erklärung an dieser stelle hier, auch wenn das ein unterirdischer artikel bei mir ist.

    nun denn, ich denke das die stichworte pandora und last.fm sehr wichtig sind, wegen dem social networking und dem sender-character. ersteres gewährt szenen einen kummulativen beitrag zu rezensionen etc. zu leisten sowie als filter zu fungieren, zweiteres ist gerade wenn personalisiert ein großartiger distributionsweg. man stelle sich nur vor mein personalisierter sender, der aus meinen gekauften songs besteht, empfohlenen tracks, ähnlichen tracks etc. ließe sich nicht nur auf meinem rechner streamen sondern auch als podcast für den täglichen arbeitsweg, oder besser noch per umts ins autoradio holen.
    ich will bestimmen wie und wann ich womit die tracks höre, klar! es wäre auch toll dem käufer wieder geld zurückzuführen wenn andere über ihn alben gekauft haben etc..

    eine flatrate wäre eine wundervolle sache, sie würde die musik nicht billig machen und entwerten – ich denke das gegenteil wäre der fall. da man sehr viel für lau bekommt wird man wählerischer und achtet mehr auf die dinge, man sucht und stöbert, versucht perlen zu finden und aussergewöhnliche dinge. pop wird konsum-wegwerf-ware.

    ich denke das es schon viel bringen würde wenn man einfach nicht die „ich will so viel vom kuchen wie möglich“ mentalität mitträgt, die gerade die großen labels und medienkonzerne dazu bringt verkaufplattformen zu schaffen aber andere auszuschließen oder neue medien/formate entwickelt die nur ihre firma benutzt etc..

    sehr wichtig ist auch eine „soziale“ funktion, die so etwas beinhaltet wie, daß ergiebigere bands unbekanntere acts unterstützen – also kapital genutzt wird um auch unbekannten bands gute produktionen etc. zu ermöglichen…

    …oder gleich vernünftige mitgliedsbeiträge und alle künstler bekommen erstmal ein grundeinkommen ^^ später wird das dann ausgeweitet auf andere beruffsgruppen ;)

  132. 132

    beim überfliegen eines der ersten comments hatte ich fast einen geistesblitz ;>

    EBAY

    nur mit digitaler musik.

    jeder kann eigene musik verkaufen, das sog. label kassiert etwa 5% verkaufsgebühren und versucht so gut wie möglich sicher zu stellen, dass sich keine nazi(oder ähnlicher schand)-musik einnistet.
    außerdem werden hitlisten und bewertungssysteme (undundund…) eingeführt.

  133. 133
    Martin

    Ich hoffe, dass es so einen Quatsch nicht geben wird in näherer oder ferner Zukunft! Ich möchte CDs und LPs kaufen, sie anfassen, ansehen, in den Schrank stellen, in meinen Player legen, beim Hören das Booklet durchlesen und mich freuen, wenn ich sie zwischen meinen anderen Platten wieder einsortieren kann!
    Auch wenn die dicken Fische der MI auf die Tour nicht mehr genug Geld verdienen, im Indipendent und „Underground“ Bereich funktioniert das nach wie vor gut und die Vielfalt und Qualität des Angebots zwingen nicht in so ein Modell.

    Des weiteren gibt es schon unzählige Netlabels, die zwar unkommerziell arbeiten, aber den Künstlern trotzdem zu Bekanntheit, Auftritten und Veröffentlichungen auf „richtigen“ Labels verhelfen können.

  134. 134

    Martin, damit gehörst du zu einer aussterbenden Art. Ich z.B. möchte nicht noch kurz vor Ladenschluss in irgendwelche Läden rennen müssen und mich dann an einer langen Schlange anstellen müssen, nur für etwas was ich bei iTunes rund um die Uhr bequem von zu Hause immer sofort haben kann — In dem Format in dem ich es haben will: für meinen iPod.

  135. 135

    Fragst du etwa für Icke & Er? *grins*

Diesen Artikel kommentieren