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Stellvertreterjournalisten

mauer
Foto © o2ma

Du sollst kein aus zweierlei Fäden gewebtes Kleid anlegen.

Levitikus 19,19

Der Papst war gut gelaunt.
Drei nette junge Männer mit silbigrem Haar und entrücktem Lächeln und ein alter Bekannter gaben ihm die Gelegenheit für die frohe Botschaft zu werben. Im Gegenzug zeigte er sich generös. Beispielsweise erklärte er, wie man AIDS bekämpft.

Nämlich durch Herzensbildung.

Und es lässt sich schwerlich leugnen: In einer Welt ohne Freier, ohne Prostituierte, in einer Welt ohne Tennislehrer und Sekretärinnen, in einer Welt ohne zerrüttete Ehen und ohne verliebte Teenager, in einer Welt ohne Sünde:

In einer anderen Welt also, da hätte es das Virus schwer.

Wenn mich mein langsam vergilbtes Schulwissen nicht im Stich lässt an dieser Stelle, war Jesus Christus nicht von dieser Welt. Aber er wirkte in ihr.

Nicht in einer Idealvorstellung der Welt.

Und was zeigt ein Blick in diese Welt?
Da stirbt beispielsweise gerade ein Kontinent aus.

Und es ist nicht so, als reagierte die Kirche nicht darauf. Es steht tatsächlich zur Debatte, den Gebrauch von Kondomen zu erlauben, wenn ein Ehepartner mit HIV infiziert ist. Nur kann die Kirche das nicht sofort entscheiden.

Wir können nicht leugnen, dass es sich um ein Problem handelt, das zum Großteil auf eine moralische Unordnung gegen das sechste Gebot zurückgeht.

Kann man wohl nicht. Man kann auch nicht leugnen, dass die Kirche den Infizierten sagt: „Selbst schuld.“

Die Empörung war groß, als die Bloggerin Lyssa die Kanzlerin interviewte und dabei freundlich vorging. Dabei hatte sie eine Information erhalten, die bis dato noch keiner bekommen hatte: Die Kanzlerin wusste nicht, wo der Kongo liegt, bis sie auf ihren Globus geschaut hatte. Das ist Journalismus.

Die drei Öffentlich-Rechtlichen aber, die waren so ergriffen von sich und der Situation, dass ihnen das Zeitalter der Aufklärung, das ihren Berufsstand erst hervorgebracht hatte, nur noch vorkam wie ein Wimpernschlag angesichts des Hauchs der Ewigkeit, der sie heftig umwehte.

Für die heiklen Themen war ein Mitarbeiter des Hauses zuständig. Eberhard von Gemmingen fragte nach der Homo-Ehe.

Joseph Ratzinger, ein großer Rhetor und durchaus sympathischer Mann, parierte elegant, dass es nicht die Erfindung der Kirche sei, dass Mann und Frau Leben hervorbringen. Und die Journalisten giggelten wie Schulbuben, die sich daran erfeuen, dass der Geschichtslehrer von Schwertern redet, die in Scheiden geschoben werden.

Ein Journalist hätte natürlich fragen können, warum Gott dann Homosexuelle geschaffen hat, die einander lieben.* Aber hier saßen Kinder ganz nah beim Weihnachtsmann.
Und welches Kind würde den Weihnachtsmann schon fragen, warum er so einen dicken Bauch habe und ob das vom Bier komme.

Ein drittes Feld gibt es noch, bei dem die Kirche im Widerspruch zu der herkömmlichen Auffassung von einem freiheitlichen Gemeinwesen steht.

Die Rolle der Frau.

Nun, so sprach der Papst sinngemäß, die Frauen hätten allerlei wichtige Positionen in der Kirche. Das Priesteramt käme nunmal nicht in Frage, aber sonst eine Menge.

Ich verrate kein allzu großes Geheimnis, wenn ich sage: Es gibt keine menschliche Gemeinschaft, in der die Frauen keine wichtige Rolle einnehmen. Auch aus einer noch so talibanösen Gesellschaft sind sie nicht wegzudenken. Angeblich ist jeder zweite Mensch eine Frau, daran liegt das.

Aber gleichberechtigt sind Frauen erst, wenn man ihnen nicht eine Rolle zuweist, sondern wenn sie die Rolle ausfüllen können, die sie sich aussuchen.

Ich hätte dafür bezahlt, Alice Schwarzer auf einem der Stühle zu sehen. Hätte sie auf dem großen – leicht erhöhten – gesessen, ich würde mich morgen taufen lassen.

In einer anderen Welt.

* Der Link ist sehr lesenwert und erklärt auch das Zitat am Anfang.

36 Kommentare

  1. 01

    Soso. Jede zweite Frau ist ein Mensch. Wer hätte das gedacht!
    SCNR ;-)

  2. 02
  3. 03

    @.chris: Weiss ich. War Absicht. Siehe SCNR.

  4. 04

    Trotzdem falsch zitiert. Selbst wenn du nicht widerstehen konntest.

  5. 05
    Malte

    Musste es gerade googeln. Was man hier so lernt an Newspeak ist schon fantastisch.

  6. 06

    Hätte Alice Schwarzer auf dem großen – leicht erhöhten – Stuhl gesessen, ich würde morgen aus der Kirche austreten.

  7. 07
    Stefan

    Du sprichst mir aus dem dem Herzen!
    Auch ich habe das Interview verfolgt und nur ungläubig gestaunt, mit wie viel falscher Ehrfurcht hier die Herren Journalisten (warum eigentlich keine Frau unter den Interviewern?) der „heilige Vater“ seine „frohe Botschaft“ verbreiten konnte. Entweder es gab ein Abkommen, dass nicht Nachgehakt werden durfte (warum dann das Interview?) oder die Herren haben sich nicht gerade mit Mut begleckert…

  8. 08

    Klarer Fall von Versagerjournalismus seitens der öffentl-recht. Es spricht ja wohl Bände, wenn ausgerechnet vom Radio Vatikan-Vertreter die heikelsten Fragen nach Homo-Ehe etc. kamen. Schade auch, dass vor lauter Grass-Aufregeung die deutschen Zeitungs-Feuillitons es versäumt haben den Herren TV-Journalisten ordentlich den Marsch zu blasen.

  9. 09
  10. 10

    Ich hab nach Minute 19 weggeschaltet, weil es mich zu sehr aufgeregt hat. Weil die wichtigen Zwischenfragen fehlten. Nicht, dass man es erwartet hätte, aber entweder kritisch bzw. hinterfragend oder nicht. Problematische Fragen so halb anzusprechen ist irgendwie unsinnig und birgt keine sinnvollen Antworten.
    Insofern: Danke für den schönen Beitrag, Malte.

  11. 11

    #9 deine kritik erinnert mich an die fernsehduelle zur bundestagswahl. so wird aber eben fernsehen gemacht. und da sitzt der papst. und die heiklen fragen sind auch immer die gleichen und die antworten auch schon jedem bekannt. warum sollte man also „kritisch nachhaken“? und warum das interview? der papst hat ein interview im öffentlich rechtlichen gegeben! das ist doch mal was. genug gläubige wollen ihren papst da auch nicht sehen, wie er in die ecke gedrängt wird und sich wehren muss. inhaltlich argumentiert wird hinter der kamera. und internas plaudert man nicht aus. usw.

  12. 12
    Sam

    Der Papst ist doch schon falsch wenn man nur seine Umgebung anschaut.
    Alles sehr sehr imposant, es ist nur ein Gefühl, aber mein Gefühl gibt mir meistens Recht.

    Aber davon mal abgesehen, ist der Razinger, so wie er sich gibt, zumindest ein herzenswarmer Mensch, der bestimmt einen sehr guten Opa abgeben würde.

  13. 13

    vielleicht müsste man interview einfach mal definieren?
    der alte mann mit den komischen klamotten kannte die fragen ja auch schon alle.
    also spannung null.
    dafür hat er was von heiligen stühlen erzählt…
    sehr intressant.
    aber mal ehrlich der typ, sorry aber besonder cool is er nicht…
    langweiler halt.
    guenter grass meinte ja auch er wäre ein nerd.

    ich hab mit meinen gez gebühren schon coolere sendungen subventioniert…
    wenn er wenigstens mal was über seine zeit als hitlerjunge erzählt hätte.
    aber nein.

    schade.

  14. 14

    Schön fand ich auch, dass die alle dessen Namen nicht kannten. Richtig schlecht vorbereitet.

  15. 15

    Den Journalisten ist nichts vorzuwerfen. Dem Stellvertreter Gottes stellt man keine Fangfragen. Das der Benedikt, bzw. Ratzinger wie er früher hieß, schon immer ein erzkonservertiver Katholik war, wissen wir ja auch so. Und warum sich alle über „Wir sind Papst“ gefreut haben, war mir schon damals ein Rätsel.

  16. 16
    Micha

    Den Journalisten ist nichts vorzuwerfen. Dem Stellvertreter Gottes stellt man keine Fangfragen. Das der Benedikt, bzw. Ratzinger wie er früher hieß, schon immer ein erzkonservertiver Katholik war, wissen wir ja auch so. Und warum sich alle über „Wir sind Papst“ gefreut haben, war mir schon damals ein Rätsel.

  17. 17
    AP

    In einer anderen Welt würden die öffentlich-rechtlichen Herren dem Papst kritische Fragen stellen. In dieser erwarte ich das nicht. So spannend und nötig es auch wäre.

  18. 18

    Aus Sicht der Kirche sind die Angaben von Herrn Ratzinger folgerichtig. Was sollte er als Stellvertreter Christi auf Erden denn sagen? Es gibt nun mal die Dogmen der Kirche. Und das sind nicht nur die Zehn Gebote. Also, wenn man das kritisiert, kann man die christliche Kirche gleich als Ganzes kritisieren und ihre Abschaffung fordern, was schon viele getan haben. Da kommt auch nichts Neues mehr rüber. Deswegen ist es jedermanns freie Entscheidung, sich für den Religionsschwachsinn und den ganzen Rattenschwanz an Unrichtigkeiten und Zumutungen zu entscheiden oder nicht.

    Hey, und Alice Schwarzer, das kann nun wirklich keiner wollen. Da geh‘ ich ins Kloster. Und Du lass Dich taufen.

  19. 19

    Ein wenig rätselhaft ist mir schon, dass offensichtlich nicht katholisch gläubige Menschen und Menschen, die atheistisch oder agnostisch sind, von der katholischen Kirche immer erwarten, dass zentrale linksliberale Glaubenssätze jetzt doch auch von ihr übernommen werden. Was erhofft Ihr Euch davon?

    Wie Spork schon bemerkte, können der Papst und die entsprechenden katholischen Gremien von ihren Dogmen und Glaubensinhalten nicht einfach so runter — die sind einer höheren Macht verpflichtet als der veröffentlichten Meinung oder Mehrheitsentscheidungen. Das ist natürlich keinerlei Entschuldigung für dieses wirklich lahme Interview. Der Papst hat das beste draus gemacht, seine garnicht so einfachen Ansichten zu Gott und der Welt unter die Fernsehzuschauer zu bringen. Aber außer Pater Eberhard waren die anderen Journalisten ja Totalausfälle: keiner hatte auch nur einen blassen Schimmer von der konkreten Position der katholischen Kirche zu allen angeschnittenen Themen. Niemand hat sich die Mühe gemacht, sich die letzten Amtshandlungen des Vatikans in Bezug auf die Neubesetzung von Bischofs- und Erzbischofssitzen anzuschauen. Die interessante Position der katholischen Kirche zur Stammzellenforschung kam nicht vor (die nämlich ein ziemlich neues Licht auf die Abtreibungsdebatte wirft — zumindest für mich persönlich). Und schon garnicht die Frage aller Fragen — obwohl Benedikt quasi dazu aufgefordert hat: Wie kann ein typischer mitteleuropäischer Mensch am Anfang des 21. Jahrhunderts überhaupt zum Glauben kommen? Dass der Mann das Oberhaupt einer Religion ist, nicht eines possierlichen Mini-Staates mit coolem Corporate Design und seltsamen Ritualen, den die Leute irgendwie knuddelig finden — das hat sich bis zu den öffentlich-rechtlichen Verwesern des medialen Normal-Nulls wohl nicht durchgesprochen.

  20. 20

    Der Kritik an den Journalisten stimme ich sogar zu.

    Und der Frau Doktor auch, die mir viel aus dem Mund genommen hat ;-)

    Ich denke, dass Ratzinger auf der argumentatorischen Ebene auch kein Problem mit kritischen Journalisten hätte.

    Diese vorauseilende Unterwürfigkeit merkt man ja auch gerne bei Regierungschefs oder anderen vermeintlichen „Respektspersonen“.

    BTW: Ich empfehle hier mal das Buch „Salz der Erde“ – einem Interview von Peter Seewald und Ratzinger.

  21. 21

    „…Hinauf zu dem Gott der anscheinen als Einziger akzeptiert hat, das Menschen
    nie gerecht sein können, solange sie leben.
    …und diese Menschen trozdem liebt.“

    !

  22. 22

    „Was erhofft Ihr Euch davon?“

    Eine bessere Welt.

  23. 23

    @ Frau Doktor
    Ich erwarte gar nichts von der katholischen Kirche. Meine Erwartungshaltung richtet sich einzig und allein an die, die diese Dauerwerbesendung ermöglicht haben. Schleichwerbung soll aus dem Programm verbannt werden, da bieten sich solche Formate anscheinend an.
    Wo du aber bei mir linksliberale Glaubenssätze findest, musst du mir noch verraten. Gleichberechtigung findet auch die CDU großartig (A.M!), es wird gemunkelt, dass auch Katholiken keine 13 Kinder mehr bekommen, selbst in Irland nicht, es aber trotzdem auf eine durchschnittliche Geschlechtsverkehrrate von bis zu zweimal in der Woche bringen.
    Wie von Luther empfohlen.
    Na gut, ich bin der Ansicht, dass Homosexualität nicht in die Verdammnis führt. Aber auch hier: Kein Beleg für eine linksliberale Position. Der tückische Hans Meiser hat einen schwitzenden Edmund Stoiber während des Bundestagswahlkampf 2002 gefragt, wie seine Reaktion aussähe,wenn ihm sein Sohn seine Homosexualität offenbaren würde. Stoiber würde es begrüßen. In der ihm eigenen zurückhaltenden Art, aber bis zum Hals gefüllt mit stiller Freude.
    Aber auch wenn wir beide uns da wohl nicht einig werden. Deine Ansätze klingen interessanter, als alles, was von den drei Fragezeichen kam.

  24. 24

    „Kann man wohl nicht. Man kann auch nicht leugnen, dass die Kirche den Infizierten sagt: „žSelbst schuld.““

    Und dem Vatikan ständig die HIV-Infektionen in die Schuhe schieben zu wollen, ist albern. Ihr könnt doch nicht ernsthaft glauben, daß das mit den Kondomen in Afrika nur deshalb so unpopulär ist, weil der Vatikan was gegen Verhütungsmittel hat, sich aber gleichzeitig die Menschen einen Dreck darum scheren, was das Papst zu außerehelichem Geschlechtsverkehr sagt.

    Das Interview war wirklich armselig. Wie Schülerzeitungsredakteure saßen sie um ihn herum. Exakt abgezirkelte Fragekontingente, inhaltlich dünnes Geplätscher. Ich hatte übrigens den Eindruck (aber das ist spekulativ), daß die Verkrampftheit und Steifheit des Interviews eher darauf beruhte, daß die beteiligten Sender eifersüchtigt aufeinander schielten als an den Wünschen des Papstes.

    Die Bilder während des Abspanns schienen mir ganz gut zu zeigen, wofür das Ganze gut sein sollte: Betriebsausflug nach Italien.

  25. 25
    matze

    Ich kann auch nur die Interview-Bücher von Ratzinger und Seewald empfehlen.
    Da werden viel mehr Fragen geklärt (auch wenn der Seewald später zum Ratzinger-Fan und Wieder-Katholiken wurde)

    @malte: Daß in Afrika Aids grassiert, liegt ja nicht nur an der katholischen Kirche. Sonst würde ja auch in Bayern, Irland…

    Aber ganz wunderbarer Tonfall in Deiner Schreibe. Gefällt mir.
    Mir fällt noch ein, daß der Papst kein Geld verdient, er hätte ja auch mal die Herren Journalisten nach deren Honorar fragen können oder warum ihre Haussender Gewaltfilme zeigen, warum ARD und ZDF ein Kinderprogramm haben wo Kinder doch lieber raus oder zu den Hausaufgaben sollen und nicht fernsehen, da hätten die bestimmt dumm aus ihren Maßanzügen geguckt.

  26. 26

    @ Malte:
    Sorry, dass ich meine Vorurteile quasi verkehrtherum auf dich projeziert habe. Ich denke, in Sachen Homosexualität, Verhütung, AIDS- und HIV-Prävention sind wir vermutlich überhaupt nicht unterschiedlicher Meinung, genauso wie in Sachen Emanzipation. Und mit der Lästigkeit der Dauerwerbesendung hast du natürlich dreimal recht.

    Wobei ich glaube, wenn das ganze katholische Ritual nicht den Charme von High Renaissance Drag hätte (Männer in goldweißen Kleidern! komplizierte Choreographien in total überdekorierten Räumen, die die Firma Versace heute noch für ihre Ideen ausplündert!, Singen in Fistelstimme!), würde man denen auch die Sendezeiten nicht so hinterher werfen.
    Und hatten die öffentlich-rechtlichen Sender nicht mal Kirchen-/Glaubensredaktionen? Die drei Luschis haben ja überhaupt nix gewusst. Ich weiß, das sagte ich schon, aber je öfter ich mir das anhöre, desto platter bin ich. Was uns wieder zu der Frage bringt, die wir schon in einem Thread weiter unten zum Thema Blogger- und MSM-Journalismus andiskutiert hatten: Warum ist der deutsche MSM-Journalismus doch relativ überwiegend auf bescheidenem Niveau, wenn die Themen auch nur ansatzweise so komplex werden, wie die Wirklichkeit nun mal ist? Am schlechten Redaktionsgehalt kann’s nicht liegen.

    Weiß jemand was über die Einschaltquoten? Oder was man so in der katholischen Kirchenöffentlichkeit denkt über das Interview?

    Ich glaube ja, Benedikt hat sich zu Tode gelangweilt während des Interviews. Der ist denen doch intellektuell und in Sachen Wissen zigmal überlegen, der musste sich ja zusammenreissen, nicht zu gähnen — und hat halt sein klassisches Programm abgespielt.

  27. 27

    @ matze
    Es kennt ja jeder den Satz von Gloria von Thurn-und-Taxis: „Die schnackseln halt einfach gern.“ Das ist in einfachen Worten ausgedrückt das, was viele Menschen darüber denken. Aber denken ist in dem Zusammenhang schon zuviel gesagt. Denn wer würde, nachdem er nachgedacht hat, darauf kommen, dass Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben unterschiedliche Geschlechtsverkehrraten haben.
    Es liegt an der Armut. Wegen der Armut prostituieren sich mehr Frauen als in Europa, obwohl wir durch den Wegfall des eisernen Vorhangs auf dem besten Weg sind, den afrikanischen Vorsprung einzuholen. Für diese Prostitierten sind Kondome unerschwinglich teuer. Selbst ich glaube nicht, dass diese Frauen zu katholisch sind, um welche zu benutzen. Aber die Kirche interveniert, wenn Kondome kostenlos verteilt werden sollen.
    Wenn jeder Geschlechtsakt mit einer Hure beispielsweise in München ohne Kondom stattfinden würde, München wäre ein Leichenhaus.
    Ganz ohne ausgeprägte Schnackselsucht.
    Ich ärgere mich sehr, dass mir deine Idee beim Schreiben nicht eingegeben wurde, denn du hast natürlich recht: Verdammt, warum hat der Papst die drei nicht darauf abgeklopft, wie sie es halten mit ihrem göttlichen Sendungsbewußtsein? Warum lief vor dem Interview die Lindenstraße mit einem Homopaar in der Ehekrise? Einem lesbischen Paar, das genervt ist von seinem Kind? Oder ist das gar schon der subtile Einfluss Benedikts? Gibt es also neben der Dauerwerbesendung trotzdem noch Schleichwerbung? Aber der Papst hat ja nicht einmal Kai Dieckmann eine Frage gestellt zu den Mopsmädchen auf der Titelseite und dem ausgiebigen Kleinanzeigenteil.
    Er wusste ja offensichtlich gar nicht, mit wem er redet, denn vorgestellt haben sie sich erst nach dem Gespräch.
    „Heiliger Vater, ich bin vom Zentrum der Freude.“
    @ Frau Doktor
    Gibt es den Ausdruck sich beömmeln eigentlich noch? Habe ich mich jedenfalls.
    Und warum die keine Ahnung hatten? Wir hatten bei Fooligan bereits die Diskussion, wie es sein kann, dass Menschen die Spiele übertragen haben, die nicht gerade mit dem Schweiß von Fritz Walter großgezogen wurden. Und jeder kann bestätigen, dass er bei einem Thema, mit dem er sich auskennt, im Fernsehen nichts Neues mehr erfährt. Das ist das Massenmedienparadox. Sie senden nicht für Experten, deshalb stellen sie sich eine imaginäre Erna Kachelschmidt aus Kassel vor und fragen sich während des Gesprächs: Versteht die mich? Lautet die Antwort: Das war ein Fremdwort, Erna schaltet gleich ab, kommt Johannes B. Kerner herein und paraphrasiert solange bis Erna eingeschlafen ist. Mit der Fernbedienung in der Hand – aber ohne umgschaltet zu haben.

  28. 28
    MK

    „Weiß jemand was über die Einschaltquoten?“

    http://www.quotenmeter.de/index.php?newsid=15939

  29. 29

    Da haste es mit den Quoten, der Papst hat seine übliche Propaganda abgegeben und alte Menschen haben es sich angeguckt, junge aber kaum. Ich hab’s mir angetan (ich bin ja fair) und, nunja, es war reine Propaganda und wie es einer in einem Forum ausgedrückt hat: Diese Reporter dürfen sich nicht mehr Journalisten nennen, denn das war kein Journalismus, sondern Buckelei. Und das 40 Minuten lang, auf Kosten der Gebührenzahler. Und der oberste katholische Medizinmann durfte erklären, wieso er so toll sei…

  30. 30
    matze

    @Malte mit Kai Dieckmann stimme ich Dir absolut zu.

    Die katholische Kirche ist ja auch in Mafia-Kreisen sehr beliebt, hat Hitler und Goebbels nicht eskommuniziert – klar, sie ist ja besonders für die Sünder da. (Meine das nur halbironisch.)

    Ich habe nicht gemeint, daß die Afrikaner gerne „schnackseln“ darüber steht mir kein Urteil zu. Ich wollte nur feststellen, daß es an mehr liegt, als an der kath.Kirche.
    In Südafrika glaubt man ja auch die Legende, die Europäer hätten sich Aids ausgedacht.

    Stimme Dir auch zu, die Armut ist schuld, aber dagegen hilft Aufklärung, Bildung und nicht durch Jungfrauenbumsen . (Sorry, aber das ist nicht nur Prostitution sondern auch ekelhafter Mißbrauch in der Familie.)

  31. 31
    matze

    @ malte

    Danke für den Link zum grandiosen SZ-Artikel.

  32. 32

    achja. es würde schon reichen, wenn sich die katholische kirche selbst an ihre standarts halten würde.
    > http://de.wikipedia.org/wiki/Verlagsgruppe_Weltbild
    (damit ich nicht immer der penner bin, der keine quellen angibt ;-) …das nächste mal, wenn ich durch lauf mach ich euch n paar nette photos….)

  33. 33

    @malte
    >Die katholische Kirche ist ja auch in Mafia-Kreisen sehr beliebt, hat Hitler und Goebbels nicht eskommunizier

    Es heißt korrekt exkommuniziert. Und Hitler hat sich nach römisch-katholischem Kirchenrecht selbst exkommuniziert.

    @kollegball

    Die Kirche soll doch immer modern werden. Da benimmt sie sich mal wie eine normale Firma, dann ist es auch nicht richtig. Was ich am Weltbild-Verlag allerdings kritisiere, ist der Verkauf von einiger esoterischer Literatur.

  34. 34

    @fono

    ich red nicht von esotherik (was nach deren grundsätzen auch nicht drinn sein sollte) sondern von „pornographischem und gewaltverherlichendem material“ …einfach mal den katalog durchblättern, oder durch den lagerverkauf schlendern. ich rede nicht von „krassen“ sachen, sondern vom ÜBLICHEN. und gerade davon will sich die kat. doch unterscheiden…

  35. 35

    Naja, die Begeisterung für den Papst hält sich auf jedenfall nicht nur bei mir persönlich, sondern anscheinend auch in der Region Regensburg sehr in Grenzen. Nach einer Umfrage auf Donau.de (Online-Ausgabe der ansässigen Mittelbayerischen Zeitung) geht der Papst den Leuten am Arsch vorbei (40% freuen sich nicht, 25% ist der Papst egal) und ignorieren den „Pontifex“ schlicht (70% werden auf keinen Fall zu einer Veranstaltung gehen). Reife Leistung des Papstes – trotz Dauerpropaganda solche Umfragewerte zu haben.

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