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Ich bin der Deutscheste

nietzsche bar

Im Spiegel stand einmal über unsere gleichermaßen breitnasigen wie ausgestorbenen Muskel-Verwandten:

Neandertaler waren carnivorer als Carnivoren.

Nun soll dieser Satz nicht bedeuten, dass etwa Löwen eine heimliche Leidenschaft für Kamillentee und Gemüsesuppe hegen, er bedeutet: Sie aßen mehr Fleisch. Ein Mammutsteak an Gnuhoden zum Frühstück und dann ging es erst richtig los.
Bei mir nun ist es so:

Ich bin deutscher als die Nazis.

Mein Umzug brachte einen tiefen Bick in mein vernachlässigtes Bücherregal mit sich.

Nur Deutsche.

Gut, in einer Ecke steht Houellebecq und spielt an sich rum, John Updike erzählt Herrenwitze und Douglas Coupland gewährt Einblick in die Oberfläche amerikanischer Neurotiker, die zu langweilig sind, um in einem Woody-Allen-Film vorzukommen. Aber ansonsten:

Nur Deutsche. Tonnenweise.

Bei diesem Konsumverhalten können die Nazen nicht mithalten. So ein durchschnittlicher NPD-Abgeordneter, was wird der schon in seinem Bücherregal stehen haben? „Leben auf der Überholspur: Die 100 wichtigsten Regeln für Inhaber des Führerscheins“? Oder „Superman“?

Was ergibt schon die amazon-Abfrage: Kunden, die dieses Produkt gekauft haben … für „Mein Kampf“?

Bei mir dagegen könnte man nur durch Betrachtung der Titel die Singularitätsfrage durchdeklinieren, die Schuld für Ausschwitz auf sich nehmen und einen Saumagen zubereiten.

Und wenn man genauer hinlauscht, gewinnt man einen tiefen Einblick in die deutsche Debattenkutur.

Benjamin von Stuckrad-Barre erklärt, warum es klug ist, vor einem Fernesehauftriit zu kotzen (Livealbum), Herbert von Arnim stimmt zu (Fetter Bauch regiert nicht gern), Karl Marx erklärt die Welt (Das Kapital) und Friedrich Nietzsche findet das zu oberflächlich und materialistisch (Der Antichrist). Bei Schopenhauer rennt er damit offene Türen ein, aber der lässt sich lieber über seinen Fußfetisch aus, was Rupprecht Podszun dazu veranlasst, in die Runde zu werfen, dass sie allesamt Teil des Problems seien (Die verkalkte Republik).
Eine Best-Of-Compilation der deutschen Philosophie (Deutschland Deine Denker) legt nah, dass kein Mensch Originalausgaben braucht, woraufhin die Reclam-Hefte einen Ostermarsch beginnen und ein Lied von Herbert Grönemyer anstimmen, in dem es um ungeborene Tränen geht.

Was ist los mit mir? Werde ich demnächst Wagner-Arien pfeifend, die Karl-May-Gesamtausgabe unter meinen muskulösen Arno-Breker- Armen haltend durch Berlin und Nacht und Wind stürmen?

Hat jemand ein paar Asiaten für mich?
Aber nicht Murakami. Als Lotta mir das letzte Mal daraus vorgelesen hat, konnte ich einige Wochen keinen Geschlechtsverkehr mehr ausführen ohne mandeläugige Mingvasen, zartfühlende Teezeremonien, pastellfarbene Kalligraphen und lesbische Bonsaibäume aus meinem Unterbewussten verdrängen zu müssen.

Oder Afrikaner, Lateinamerikaner, Südseeinsulaner?

Hätte ich erstmal ein erdteilig ausgeglichenes Verhältnis in meiner Bücherwand, ich könnte mich dem nächsten Komplex zuwenden:

Ich habe nicht ein einziges Buch von einer Frau.

59 Kommentare

  1. 01

    Lieber Johhny, ich könnte dir mit links eine Liste von 100 exzellenten Sience Fiction vorschlagen, in der ich zuvor alle Deutschen eliminiere (ähm, natürlich nur namentlich) – und auch dafür sorgen, daß eine Frauenquote von 5% eingehalten wird. Oder du bekommst eine Liste mit 101 (wir wollen ja nicht übertreiben) Werken arabischer Autoren und Autorinnen, damit du nicht weiter so deutschtümeln… sorry, ich meine deutschschmökern mußt.

    Die Frage ist nur: WAS willst du eigentlich lesen?! Die meisten COMICS sind schließlich auch nicht aus dem Deutschen Reich, äh… der Deutschen Demo… hm, nee, also nochmal: der Deutschen Bundesrepublik, sondern aus dem großartigen Belgien bzw. dem angelsächsischen Raum].

    Also?!

  2. 02
    sunny3d

    Hallo Achmed – der Autor ist Malte und wir wollen Namen – also Namen von arbischen Autorinnen – zumindest möchte ich die – also her damit!!!!!!!!!

  3. 03

    also ich lese, erschreckenderweise, auch nur franzosen, ein paar deutsche und us-amerikaner. ich hatte mal nen brasilianer, hab ich aber nach 10 seiten weglegen müssen, weil es so doof war. ist dann auch, tatsächlich, verschwunden. also das buch meine ich.
    es gibt noch nen guten russen, charms, aber kennste ja bestimmt selbst.
    frauen, hui, da wirds echt noch komplizierter. ich glaube das letzte buch das ich von einer frau las war „no logo“, und das fand ich irgendwie nicht so überzeugend, was aber ganz sicher nichts mit dem geschlecht der autorin zu tun hatte oder hat..

  4. 04
    sunny3d

    Ich habe gerade einmal mein Bücheregal überflogen (ein Langstreckenflug!)
    und habe ebenfalls viele Franzosen, Deutsche, Russen, Briten,Österreicher, Tschechen, Amerikaner, einen Inder (Rabindranath Tagore) und einen Erzählsammelband aus Afrika der den Namen „Die Sonnenfrau“ (ja, das steht auf dem Buchdeckel) entdeckt. Aber meine Autorinnen im Regal sind auch alle Deutsch – ob sie nun Sybille Berg, Karen Duve oder Annette von Droste Hülshoff heißen.

    PS: Lieber Achmed – bitte poste doch ein paar arabische Autoren und Autorinnen, die du für gut befindest. Ja?!

  5. 05

    Hm, mein Bücherregal ist alles in allem auch erschreckend Euro- und Nordamerikazentrisch, aber ich hätte da einen ganz wundervollen Argentinier zu empfehlen.

  6. 06

    Hallo sunny3d – dein Wunsch sei mir Befehl …ganz im ‚deutschen‘ Sinne des threads ;-)

    Die Klassiker:

    Nagib Mahfus (gerade gestorben, Nobelpreisträger)
    Taufik al-Hakim
    Edwar al-Kharrat
    Emile Habibi
    Hanna Mina
    Salah Stetié
    Die Zeitgenossen:

    Gamal al-Ghitani
    Raschid al-Daif
    Muntasser al-Kaffash
    Ibrahim al-Koni
    Antoine Choulhod
    Abbas Beydoun
    Hassan Dawoud
    Elias Khoury
    Alexandre Najjar
    Die Frauen:

    Hanan al-Shaykh
    Miral al-Tahawy
    Raja Alem
    Radwa Ashour
    Salwa Bakr
    Sahar Khalifa
    Batool Khedairi
    Ahlam Mostaghanemi
    Ahdaf Soueif
    Salwa Bakr
    Salwa al-Naimi
    Jüngere SF-Autoren:

    Taleb Omaran
    Nihad Scharif
    Muhammad el-Ashry
    Nabil Farouk
    Nicht erwähnt sind die arabischen Autoren/innen die nicht in arabischer Sprache schreiben. Und die Schreibweisen der Namen sind auch ‚flexibel‘ ;-)

    Mit den besten Empfehlungen
    vom Datenscheich

  7. 07

    Um die Frage nach der amazon Abfrage zu beantworten:

    Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen:

    * Adolf Hitler I. Führer und Reichskanzler. Feldherr und Diktator. 1889 – 1938: Werden und Weg. Führer und Reichskanzler. von John Toland
    * Adolf Hitler ‚Mein Kampf‘, 2 CD-Audio von Helmut Qualtinger
    * Mein Kampf. Editionen mit Materialien für den Literaturunterricht. (Lernmaterialien) von George Tabori
    * Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Die Pläne der Nazis nach dem Endsieg. von Ralph Giordano

    Ziemlich einseitig… aber was will man erwarten?

    Gruß
    Robert

  8. 08

    wenn ich hier so über mein Regal fliege seh ich viel aus dem Englisch sprachigem Raum(Australien Amerika England usw.) weil ich halt mal 3 Jahre in Australien gelebt habe, allerdings haben die da nur gute Kinderbuch Authoren, also soweit ich weiß weil ich da noch recht jung war, ansonsten seh ich Franzosen(Camus usw.), Deutsche(Timm, Kehlamnn usw.) und Belgier(Hergé usw.) Ansonsten gibts nicht mehr so viel interesantes, der Koffler darf nicht fehlen aber das ist kein Buch, das ist Papier mit Buchstaben die schlau sind. Ja Reklam Hefte hab ich auch, aber wer hat die nicht?
    Ich glaub die Spreeblick Leser sollten mal alle abstimmen über das beste Buch allerzeiten(hatten wir den Vorschlag nicht schon mal??)

  9. 09

    Hmmm, also mein Regal ist auch sehr germanozentrisch, aber Brecht, Lichtenberg, Georg Forster, Kurd Lasswitz, Arno Schmidt, Gernhardt, Grass (ja, ja, auch der!), Fauser, Kerr, Rühmkorf: da muß man sich doch nicht verstecken. Obwohl, das waren/sind (mögen Herr Grass und Herr Rühmkorf noch lange durchhalten…) halt alle keine „guten Deutschen“.

    Da klingt bei aller maltesischen Ironie doch die deutsche Selbstzerfleischung durch. Meinste, irgendein Amerikaner würde sich solche Gedanken machen?

    Und ich hab‘ mir eh gesagt: Sowie ich die Deutschen alle durchhab, fang ich mit den Ausländern an. Übersetzungen lesen ist doch wie erzähltes Essen…

  10. 10

    Da geht es meinem Bücherregal ähnlich, obwohl bei mir der Sachbuchanteil überwiegt. Aber jetzt wo du es sagst: Von weiblichen Autoren ist auch bei mir nichts zu finden…

  11. 11

    …deutscher und wohl auch patriarchalischer ;-)

    Das Durchchecken unserer Billys ergab bei mir 17 Autorinnen und bei Stefan Ramone 3 eher zurecht unbekannte Autorinnen mit Titel wie bspw. „How to shit in the woods“.
    Bei mir tummelt sich von Allendes Isabel über Toni Morrison und Anna Seghers bis zu Wolfs Christa dann doch etliches Lesenswertes. Aber beispielsweise kein Andy McNab, was dann fairerweise als Misandrie bezeichnet werden muss?

  12. 12

    Waaas? Ihr lest noch richtige Bücher?! Ich dachte, dass derart multimediale und kreative Menschen wie Johnny oder Malte nur noch RSS-Feeds lesen oder sich an Podcasts ergötzen ;-)

    @Malte: Ich habe noch ein paar Griechen (Herodot, Xenophon, Thukydides) und einen Römer (Caesar) rumzustehen, aber auch nur in deutscher Übersetzung…

  13. 13
    sunny3d

    Na, herrlich, danke lieber Achmed (deine Bio ist ja auch der Hammer!)!

    Ich habe natürlich noch Dorothy Parker und Frau Woolf vergessen zu erwähnen (und all die andern…). Insofern habe ich zumindest auch englishsprachige Autorinnen, wenn auch verstorbene daheim.
    Leider will mein schütteres Namensgedächtnis nicht die Autorin rausrücken, deren Buch gerade unter Protest in London verfilmt wurde (oder wird?).

  14. 14
    Jan(TM)

    Was ist eigentlich so schlimm daran deutscher als ein Nazi zu sein? Warum soll ich die Deutsche Geschichte und Identität dennen überlassen? Was ist deutsch daran Leute wie Erich Mühsam oder Yva umzubringen?

  15. 15
    sunny3d

    Else Lasker – Schüler, Emmy Hennings…
    so jetzt ist Schluss.

  16. 16
    Dennis

    Also in puncto Lateinamerika kann ich nur Gabriel García Márquez hochhalten, da hat mich bislang jedes Buch begeistert!

    Oder wie wärs alternativ mit ein paar Russen:
    Tolstoi, Solschenizyn, Dostojewski

  17. 17

    Bei den Russen fällt mir noch Vladimir Sorokin (Himmelblauer Speck, Die Herzen der Vier, Eis, etc.) ein…

  18. 18
    Mc_O

    die russen (dostojewski – die brüder karamasow / schuld und sühne) sind gut.

  19. 19

    Manzoni!
    Die Verlobten!
    Grandios!

  20. 20
    martin

    Ja genau, Russen: Wenedikt Wassiljewitsch Jerofejew, Dostojewski, dazu ein Bild von Modigliani anschauen. Aber natürlich auch die lustigen Amerikaner/Engländer zur Unterhaltung: Bill Bryson, Nick Hornby, David Sedaris.

    @Achmed: Da habe ich auch noch gar nichts von gelesen. Gibt es da ein besonders gutes Buch? Am liebsten: Lebenserfahrung mit Humor genommen und Klugheit draus erwachsen.

    Malte, Deine Einträge sind sehr gut!

  21. 21

    malte deine schreibe ist der hammer. mag ich wirklich immer sehr gern lesen. weiter bitte. mehr, mehr!

    :-D

  22. 22
    bonzo

    Also klar wimmelt es auch bei von Büchern deutscher Autoren, aber die besten unter denen waren doch im Grunde Weltbürger, ich denke an Thomas Mann bsp. ein unerreichter Romancier! Nietzsche war zudem auch in Frankreich verliebt, naja und der in Duftwassern badende Wagner ist ein Fall für sich (ich finde seine Musik zum Kotzen!) Falls du gute deutsche Frauenliteratur suchst, dann empfehle ich dir bsp. Anna Seghers „Das siebte Kreut“ oder“Transit“, beides hervorragende Bücher oder Judith Hermann oder Hannah Arendt, die bemerkenwerte Schriften verfasst hatund deren Scharfsichtigkeit ich für überaus vorbildlich halte, naja da gibt´s ja nun noch viel mehr, man sollte schon mal seinen Blick über Deutschland hinaus schweifen lassen, nach England, wie auch nach Russland oder Spanien, den spanischen Klassiker und einen der größten Romane solltest du auf jeden Fall in deinem Bücherregal haben, ist auch sehr interessant zu lesen, die Geschichte von Don Quichotte und Sancho Pansa, aber es gibt so viel fantastische Literatur auf dieser Welt, dass man drei Leben bräuchte um das alles zu lesen, leider ist unsere Zeit so arg begrenzt…

  23. 23
    Daniel

    Mal eben so vorgeschlagen:

    Yasushi Inoue – Das Jagdgewehr
    Ryu Murakami – Blaue Linien auf transparenter Haut
    Kenzaburo Oe – Eine persönliche Erfahrung

  24. 24
    freddi

    Ich bin froh, dass ich mir mit einigen guten Autoren die Muttersprache teile. In Übersetzungen geht immer so viel verloren. Allerdings wünschte ich, ich wäre mehrsprachig aufgewachsen. Es macht schon Sinn (und Spaß) über den literarischen Tellerrand zu schauen.

    Noch etwas am Rande: ich halte die Nazis und das Dritte Reich nicht für typisch deutsch. Ich finde es auch irgendwie traurig, wenn wir -im Sinne Jans- „denen“ das Feld überlassen und dann die Deutschen, die nicht zu dieser Negativ-Definition passen ausklammern (Cosmopolit).

  25. 25
    felika

    um nichts zu wiederholen, lasse ich die deutsche literatur direkt hinter mir. für amiland: philip roth. und yalom und sacks. für südafrika: j.m. coetzee. nicht zu vergessen, sir arthur conan doyle für england. ebenso tim parks, glaub ich, allerdings wohnhaft in italien. für israel ein paar klassiker: amos oz. david grossman. sami michael. eli amir. und immer, immer wieder etgar keret (jung und gar nicht klassisch). für hartgesottene auch gilad atzmon. für die türkei orhan pamuk. für araber, die nicht auf arabisch schreiben: sayid kashua. und diese wunderbare schriftstellerin, die auf englisch schreibt und über frauen zwischen kulturen. also gleich mehrere fliegen mit einer klappe für dich. und wirklich empfehlenswert. aber mir will dieser name grade einfach nicht einfallen. mist. und das buch ist verliehen. und mein nachbar bohrt laut in der wand neben meinem schreibtisch. das wird jetzt nix mehr.

  26. 26
    bonzo

    Noch etwas am Rande: ich halte die Nazis und das Dritte Reich nicht für typisch deutsch.

    Ei n Haufen Vollidioten, die das Deutsche NUR für ihre politischen Zwecke missbraucht haben, sonst nichts, Hitler war Österreicher, geisteskrank, dunkelhaarig und ein eiskalter „Serienkiller“ obendrauf, also was soll man zu diesem degenerierten Typen noch sagen, hatte schwerwiegende Probleme mit sich und seinem Vater, fühlte sich zeitlebends isoliert und betrogen von allen Seiten – litt unter starken paranoiden Wahnzuständen – also wenn man die Herrschaft einem Wahnsinnigen überlässt was kommt dann bitte schön anderes dabei heraus als Scheisse? Hitler hatte in meinen Augen nichts mit „typisch deutsch“ zu tun, seine persönliche Erscheinung war doch die eigene Verspottung
    seiner Thesen in „Mein Kampf“ bsp. und in so vielen triefsinnigen Reden. Es wäre an der zeit mal eine nachträgliche Psychanalyse über diesen menschen anzufertigen, wenn das möglich ist,

    und wer war jetzt typisch deutsch: stimmt auch nicht ganz, aber ich sage mal bsp. Beethoven, Kämpfer, mit dem Kopf durch die Wand, aber in seiner neunten Sinfonie macht er was ganz ganz Wichtiges: er lässt den Chor Schillers „Freude schöner Götterfunken“ singen – großartig! – er war groß, weil er den Menschen liebte, Hitler liebte den Menschen nicht, er hasste ihn, das ist der Unterschied, der sich in den Taten der betreffenden Person widerspiegelt; das Problem ist nur, dass die Nazis Scheisse für tausend Jahre in nichtmal zwei Jahrzehnten gebaut haben, wir bekommen dieses Image also so schnell nicht wieder weg, versteht sich, deshalb flüchten die Deutschen ins Nichtdeutsche, weil Hitler alle Klischees wie auch tatsächliche Tugenden vollends in seinem Machtkampf verfeuert hat; Nietzsche hatte auch in meinen Augen nichts mit Hitler zu tun, er spricht ja in seinen Werken von einem Übermensch,
    nicht von einem machtgierigen Ifioten, der die Welt zerstören will…

    Ich finde es auch irgendwie traurig, wenn wir -im Sinne Jans- „denen“ das Feld überlassen und dann die Deutschen, die nicht zu dieser Negativ-Definition passen ausklammern (Cosmopolit).

  27. 27
    memo

    Ich hab mir auf diesen SPON-Artikel hin Chandler Brossard’s Wacht auf! Wir sind gleich da! geholt. Bin noch nicht durch, kann aber jetzt schon sagen: harte Drogen werden wohl schlechter geredet als sie sind.

    @ blogschrift (#9)

    Übersetzungen lesen ist doch wie erzähltes Essen

    Ich kann dieses Lied nicht mehr hören! Auf mich wirkt das immer, als wollten die Leute in Wirklichkeit sagen: „PS: Ich bin übrigens total superkosmopolit und spreche fließend Englisch (Französisch, Spanisch, …).“ Man muss Filme und Bücher nicht immer im Original gesehen bzw. gelesen haben, wirklich nicht. „Übersetzungen lesen ist“ nämlich nicht „wie erzähltes Essen“, sondern eher wie Fusion cuisine und meistens recht lecker.

  28. 28

    Malte, die Erotik Murakamis hat sogar dem literarischen Quartett ein Ende gesetzt, meine ich mich zu erinnern.
    Versuch mal Kobo Abe. „Die Frau in den Dünen“ ist der Hammer.
    Oder Galsan Tschinag. Ein Mongole, der auf deutsch schreibt. Vielleicht als ersten Schritt raus?
    Ganz ausgeflippt: Wilde Schwäne von Jung Chang. Eine asiatische Autorin! (Das hab ich allerdings selbst noch nicht gelesen)
    Nur deutsche Autoren finde ich schon merkwürdig. Lebt da noch einer ausser dem unsäglichen St-Ba?
    Jenni Zylka ist ein deutsches Frollein, das Spass macht:
    „1000 neue Dinge, die man bei Schwerelosigkeit tun kann“.
    Von dem etws sperrigen Titel und dem crazy-Frau-von-heute-Einband darf man sich dabei nicht abschrecken lassen, die Zylka rockt.

  29. 29
    rh

    Jetzt will ich doch mal sehen, was sich aus so einer feministischen Sozialisation an Literatur niederschlägt:
    Marge Piercy, Donna Haraway, Marlene Stenten, Monique Wittig, Audre Lord, Adrienne Rich, Irmtraud Morgner, Irmgard Keun, Tania Blixen, Isabelle Eberhardt, Vicki Baum, Herbjörg Wassmo, Dacia Maraini, Elsa Morante, Ingeborg Bachmann, Simone de Beauvoir, Lou Andreas-Salome, George Sand, Marlen Haushofer, da sind auch die Nationen recht gut gemischt, trotzdem noch recht europäisch-amerikanisch eingefärbt.

  30. 30
    sunny3d

    Ja, Jenny Zylka schreibt verdammt gut und mit feinem bis krachigem Humor. Ich kenne zwar das Buch nicht, aber sie schreibt ja auch für diverse Tageszeitungen und Stadtmagazine.

    Naja, „Der Freund“ wurde ja eingestellt (Achtung – Kulturvorzeigeexperiment des Axel-Springer-Verlags) – insofern wird Christian Kracht jetzt vielleicht wieder sowas schönes wie „1979“ zaubern. Und Herr von Schönberg ist nicht mehr Chefredakteur eines Magazins, was es zwar noch gibt, aber niemand braucht und hoffentlich schreibt er nicht schon wieder.

    Natürlich erscheinen jährlich massenhaft Bücher von neuen jungen Autoren, die auch ganz hübsch sind – wie von Finn-Ole Heinrich – „die taschen voll wasser“ z.B., dessen Buch sich vor allem über Mundpropaganda verkauft hat (ich sag das jetzt nicht – mit dem viral…).

    Mitunter sind die Verlage zu klein, Elke Heidenreich redet nicht darüber und eine Kritik in der Zeitung mitunter schnell vergessen.
    Aber ich bin da optimistisch, wenn ich mir all die kleinen Verlage anschaue, die es immer wieder schaffen, ihre Perlen halbwegs anständig zu verkaufen.

  31. 31

    das unglaublichste buch das ich gelesen habe ist „ein herzzerreissendes werk von umwerfender genialität“. es ist das debut von einem mann und er ist auch noch ami, aber hey! wenn sonst niemand sowas tolles schreibt? hab ich schon ca. 20mal verschenkt, sollte wirklich jeder gelesen haben. wegen so weltfrieden und so, weisste? ach so, autor: dave eggers. auch alle anderen bücher sehr lesenswert.

  32. 32

    Nilz, hattest du mir das empfohlen? Hab ich nämlich gerade bekommen und es wartet darauf, gelesen zu werden.

  33. 33

    Über Tania Blixen und ihr Afrikabild läßt sich ja streiten.

    Der afrikanische Kontinent selbst hat ja einige wunderbare AutorInnen hervorgebracht:

    Wole Soyinka (Nobelpreisträger, Nigeria, ünglaubliche Wortvielfalt)
    Amadou Hampâté Bâ (Innenansicht des kolonialen Systems, frz. Westafrika)
    Doris Lessing (Südafrika)
    Chinua Achebe (Nigeria)
    Calixthe Beyala (Kamerun, feministisch)

    Da ich grad nicht vor meinem Billy sitze, könnte ich bei Interesse noch nachliefern. Die obigen Autoren gibts meist auch in der Übersetzung, obwohl gerade, vor allem bei Soyinka und Achebe, beim Original die einzigartige Sprache rüberkommt.

    Hier http://www2.hu-berlin.de/asaf/Afrika/Dokumente/Studium/Afrikanische%20Literatur_Grundlagen.pdf
    gibts Überlickswerke zur afrikanischen Literatur.
    Von der Amazon Suche würde ich abraten, es kommen dabei zu viele Frauenschicksalsgeschichten und die versteckten Sehnsüchte weißen Frauen bei raus. Gruselig.

    off topic: diesen Anna Boot Song der hier vor einiger Zeit vorgestellt wurde habe ich, als ich nichts-ahnend an der Hasenheide vorbeiradelte, doch tatsächlich gehört, als er auf einer Party im Sportverein gespielt wurde! Entpuppt sich als Ohrwurm.

  34. 34

    Danke, ich kann meinen Internetanschluss anscheinend abmelden, werde mich dann für einige Jahre mit den Lesetipps zurückziehen.
    Ich habe übrigens schon ein paar Bücher von Frauen gelesen, das letzte war von Sibylle Berg, Sex III oder so. Auf jeder Seite des Buchs wird ausführlich der Gestank des jeweiligen Ortes geschildert, leider ziemlich synonymfrei. Als Essayistin ist sie gar nicht schlecht, einen Roman von ihr würde ich aus olfaktorischen Gründen allerdings nicht mehr berrühren.

  35. 35
    sunny3d

    Malte: Das Buch heisst „Sex II“. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, ging es mir erst einmal zwei Wochen lang schlecht. Hinter jedem Mensch, dem ich auf der Straße begegnete, vermutete ich dunkle Abgründe. Ich verhielt mich 14-jährigen Mädchen gegenüber zynisch und alles war graue Suppe. Wirklich keine leichte Kost! Und ich würde es heute auch nicht noch einmal lesen. Aber damals hat es mir auf irgendeine Art und Weise gefallen.

    A propos, wer wissen will, wie sehr gute schnörkellose Geschichten mit Gegenwartsbezug funktionieren und dazu noch spannend sind – der sollte einfach Agatha Christie lesen und wenn es geht im Original, denn die Übersetzungen sind grauenhaft, fehlerhaft und teilweise fehlen ganze Passagen.

  36. 36

    johnny: glaube ja, als du mal einen artikel hattest in dem auf mc sweeneys verlinkt wurde, was ja wiederum der verlag ist den eggers gründete und wo er sich selber rausbringt, mittlerweile. um alles, vermarktung und so, selbst in der hand zu haben. ich weiss auf jeden fall das wir hier in den comments mal über eggers sprachen, dachte aber das du es zu dem zeitpunkt auch schon gelesen hattest…? meine güte, wie schnell man vergisst was man in einem jahr so alles schreibt… schrecklich.

  37. 37
    Timo

    Um die lange Liste noch länger zu machen:
    Charles Bukowski, Chuck Palahniuk und T.C. Boyle sind „zwar“ alles Amis, aber sehr lesenswert.
    Thomas Bernhard kann sehr faszinierend sein, obwohl der in die Kategorie „lesen muss weh tun“ gehört, wie ich finde.

    Danke übrigens für die vielen Autorinnen die hier genannt wurden, hab nämlich auch ein recht patriachalisches Bücherregal.

  38. 38

    @ Martin: „Da habe ich auch noch gar nichts von gelesen. Gibt es da ein besonders gutes Buch? Am liebsten: Lebenserfahrung mit Humor genommen und Klugheit draus erwachsen.“

    DEN Wunsch kann ich gut verstehen – muß aber passen. Da ich selbst vom Übersetzen lebe, lese ich zur Entspannung nur in Deutsch, und am liebsten SF.
    Von Emile Habibi gibt es den Roman *Der Pessoptimist* – der allerdings während der Übersetzung ins Deutsche böse verhunzt wurde, da diese im Zuge eines ‚universitären Team-Projekts‘ entstand, brrr…

    Nun ist dieser Roman – der deinen Wünschen perfekt entsprechen würde – von dem überragenden palästinensichen Schauspieler mit israelischem Paß *Mohammad Bakri* zu einem 1-Personen Stück verwandelt worden, das er Anfang letzten Jahres sogar hier (im Berliner Paul-Löbe-Haus … vor nicht anwesenden Abgeordneten) aufgeführt hat. Der deutsche Text wurde dabei übrigens per Beamer ÜBER die Bühne gestrahlt, was natürlich satzsynchron stattfinden mußte.

    Da ich dieses Theaterstück selber übersetzt habe, könnte ich es dir gerne mailen. Als fortlaufenden Text sogar ;-)

    Mit Empfehlungen
    vom Datenscheich

  39. 39

    noch zwei frauen:
    bettina gundermann: lines
    juli zeh: adler und engel

    und warum hat eigentlich keiner hier den großen william s. burroughs erwähnt? das sei hiermit nachgeholt!

  40. 40

    @darkrond
    Bitte, bitte nicht die Zeh. Bitte!

    Interessant übrigens, daß hier scheinbar niemand zugibt, auch Trivialschund im Regal zu haben. Alle haben literarisch einwandfreie Geschmäcker. Wo sind Kürthy, King, Zimmer-Bradley, Perry Rhodan, Noah Gordon, Binchy, Elizabeth George, und so weiter und so weiter…

  41. 41
    sunny3d

    aha, yeda, aha – warum bitte nicht Juli Zeh? Dass sie am Literaturpornoschuppen in Leipzig war, lasse ich nicht gelten, da sie eindeutig eine Ausnahme bildet.

  42. 42

    @sunny3d
    Och, weil ich das selbst nie so treffend sagen konnte, was mich an der Zeh so ankotzt, hier das, was Stefan Gärtner dazu zu sagen hat:
    http://www.titanic-magazin.de/archiv/0506/zeh1.php

  43. 43
    sunny3d

    Mo-ment. „Adler und Engel“ ist wirklich wunderbar und selbst bei aller Kritik noch genießbar. Aber möglicherweise wird sie immer irgendwie „Klassenbeste“ bleiben – kann sein.

    hach – ich geb das auf – ich kann nie und nimmer für den Literturbetrieb arbeiten, also als Kritiktöse/PRkruzifiguge/Plakatanmalerin oder so.

    Scheiße – warum bin ich nicht Schauspielerin geworden.

    Ich geh mich jetzt aufhängen.

  44. 44

    nein, ich hänge mich nicht auf – ich werde jetzt „Porno“ von Irvine Welsh lesen und niehahahahamand, kan mich darrrrrran hindern. Vermutlich bin ich auch nur übermüdet.

  45. 45

    Hier mal meine Liste von gut lesbaren Büchern, meist von Ausländern, aber manchmal mit sehr deutschen Themen, die ich mir in den letzten zwanzig Jahren zusammengesammelt habe. Meist lesbar und spannend:

    Mo Yan: Das rote Kornfeld – spielt im China ca. 1930-1950 in Kriegs- und Revolutionswirren

    Louis Begley: Lügen in Zeiten des Krieges – handelt von einem Juden, der sich im Krieg in Polen versteckt, stark autobiographisch

    Louis Begley: Wie Max es sah – Ein Mann berichtet von die seltsame Geschichte einer Homosexuellen-Liebe
    Begley war mit John Updike zusammen einer der besten Absolventen an irgendeiner US-Elite-Uni. Alle dachten, er würde Schriftsteller werden wie Updike. Dann wurde er Anwalt und fing erst im Alter an zu schreiben. Durch die lange Karriere hat er einen sehr eleganten und leserfreundlichen Stil

    Jorge Semprun: Die große Reise – Bericht von einer Zugfahrt ins KZ. Man liest es in zwei Stunden weg.
    Semprun war in Buchenwald im KZ und kennt beide Seiten der „deutschen Seele“- Buchenwald und Weimar. Das macht ihn so interessant.

    Fred Ullmann: Der wiedergefundene Freund- Ein Jude und ein deutscher Adliger freunden sich an. Ihre Freundschaft zerbricht an Adolf Hitler. Prägnant geschrieben, mit einer geilen Pointe! Dafür allein lohnt es sich, das Buch zu lesen.

    Tschingis Aitmatov: Dschamilja – Laut Louis Aragon „die schönste Liebesgeschichte der Welt“. Er hat nicht ganz unrecht.

    Michael Ondaatje: Es liegt in der Familie – Seine familiengeschichte. Alle ein bißchen irre und sehr liebenswert. viel besser als „der englische patient“. allerdings steh ich sehr auf familiengeschichten.

    Ruth Klüger: weiter leben – völlig unkonventionell und wenig „betroffen“ erzählt sie von ihren Odysee durch KZs.

    Leo Perutz: von dem sollte man alles lesen. gehörte zum Kreis um Kafka und Kisch. Schreibt historische Romane, die meist sehr knapp gehalten sind und konstruiert geschichten mit der präzision eines uhrwerks. war ja auch versicherungsmathematiker. zum einstieg empfiehlt sich „der schwedische reiter“

    john grisham: hinter seinen romanen steckt ein system. die firma – die schuld – das testament – der richter – die begnadigung. ich weiß nur noch nicht, was für ein system.

    frederik forsythe: die akte odessa – wehrmacht vs. ss. so nähern sich ausländer unserer vergangenheit.

    kurt vonnegut: schlachthaus 5. ein irrer roman über dresden. kurz und eindrucksvoll.

    gert ledig: vergeltung. 70 minuten eines bombenangriffs. nachher möchte man nichts mehr davon wissen. der abgrund. zum schluß ein vater unser.

    thornton wilder: die brücke von san louis rey. warum gerade ich, und nicht er?

    sören kierkegaard: entweder-oder. eigentlich unlesbar. ich habe in der mitte angefangen, beim „tagebuch der verführers“. man braucht zeit. man braucht geduld. neben nietzsche der wichtigste philosoph der gegenwart. aber er kann helfen.

    walter nigg: sören kierkegaard. spannende, sehr lesbare biographie. starker tobak. geht an die substanz.

    johannes gillhoff: Jürnjakob Swehn – der Amerikafahrer. Mecklenburgischer Bauer wandert aus in die USA und schreibt Briefe an seinen alten Lehrer zuhause. „Wir grüßen dich mit unserer Seele“. Sauwitzig und warmherzig.

    tolstoi: krieg und frieden. ich bin pierre, aber wo ist meine Natascha? die „zauberhafteste frauengestalt der weltliteratur“, sagte irgendwer. Dazu die russische verfilmung von sergej bondartschuk sehen.

    Helmuth James Graf von Moltke: Letzte Briefe. -Der allerletzte Brief ist Pflicht. man kommt aus dem Heulen nicht mehr heraus. Keine Literatur, sondern Leben.

    alles in allem auch recht germanozentrisch, diese auswahl.

  46. 46
    Dennis

    @Tanja:
    Wilde Schwäne von Jung Chang ist sehr gut, wenn man sich für die chinesische Geschichte des letzten Jahrhunderts interessiert, vor allem für die individuellen Schicksale. es liest sich recht locker weg, der große literarische Wurf ist es allerdings nicht.
    Gut zusammengefaßt wird ihr Leben an der Stelle, an der sie erzählt, wie sie in England zum ersten Mal 1984 gelesen hat und sich wundert, wie genau Orwell das Leben in China schildern konnte, ohne jemals dort gewesen zu sein!

  47. 47
    apfelbaum

    Frauen willste haben und dabei womöglich noch gutaussehen? Dann empfehl ich Nathalie Sarraute, Französin, nouveau roman, große existenzialistische Schiene. Trägt sich gut zu Lederflicken aufm Jackett. Oder noch besser: Simone de Beauvoir, Die Mandarine von Paris. Nachteil: Um das ernsthaft tragen zu können, musste Gitanes rauchen, und am besten noch schielen. Vorteil: Sind zwei Bände, wenn der erste vom vielen „in Cafés spazierentragen“ verschlissen ist, sitzt der zweite Anzug wie gehabt. Von Virginia Wolf würde ich abraten: kleidsam nur bei Psychotikern und Leute, die sabbern. Romantikerinnen tragen sich gut in Parks oder im Wald, während man bei Schlossbesuchen auf jeden Fall Lafayette dabeihaben sollte (Princesse de Clèves). Von den jüngeren Autorinnen kann ich nicht so viel empfehlen, außer Du bist vierzig und hast keinen Sex: Dann aber ne Deutsche, dann passt Sybille Berg ganz gut.

  48. 48

    Oh Apfelbaum: Applaus! Danke für die sabbernden Leute, die Frau Woolf lesen.

    Ja, ja es gibt eigentlich zuviele Autoren,würde der Philippe jetzt sagen.

    Aber sind Bücher immer noch kleidsam? Ich könnte mich jedes Mal totlachen ,
    wenn ich jemanden in der U-Bahn Houellebecq lesen sehe. Denn das muss man erst einmal anstellen, dass es die anderen auch sehen können, was man liest, also quasi das Buch parallel zum Gesicht halten. Ich könnte schon wieder kichern.

  49. 49

    Ach ja, für einen Überblick ist auch
    Joachim Sartorius „Atlas der neuen Poesie“ hilfreich
    oder Enzensbergers „Museum der modernen Poesie“
    oder Harald Hartungs „Luftfracht“
    oder Raoul Schrotts „Die Erfindung der Poesie“.
    Allesamt ohne Rücksicht auf Nationalität ausgewählt
    und dazu da, einen Überblick über die Weltpoesie zu verschaffen.

    Die Bibel ist übrigens auch nicht besonders deutsch
    und verschafft trotzdem einen geradezu globalen Überblick.

  50. 50
    Malte

    Die Bibel, die habe ich ganz vergessen! Du hast Recht, die habe ich natürlich. Habe ich also doch asiatische Literatur im Regal :)?
    @ sunny3d
    Das muss hier auch noch irgendwo rumfliegen: Es krankt daran, dass das Wort „Fotze“ ungefähr neuntausendmal vorkommt – und jedesmal unpassend ist.
    @ Yeda
    Trivialschund, der bei mir steht:
    George Lucas, Krieg der Sterne – Das Buch zum Film mit vielen Fotos.
    Die Goonies, auch ein Buch zum Film, Nick Hornby (die neueren sind auf der Grenze), Akif Pirincci (Das schlechteste Buch, das je geschrieben wurde – Ying – habe ich leider weggeschmissen, „Der Rumpf“ ist lausig geschrieben, hat aber eine gute Geschichte: Ein Mann ohne Arme und Beine begeht einen Mord. Er bedient sich dabei unter anderem des perfekten Mittäters: Eines Alzheimer-Patienten.

  51. 51

    was ich noch vergessen habe: der letzte beigbeder. mit „der romantische egoist“ anwärter für den allerdämlichsten buchtitel der letzten jahre, aber absolut geniales buch. kurweilig, schön zu lesen, recht clever gemacht.

    ellis´ „lunar park“ hab ich auch gerade durch und ist überrschend besser als gedacht, wird aber schnell zu so nem akte x mässigen buch. irgendwie. eigentlich nicht mein fall, aber da hats ganz gut funktioniert.

  52. 52

    @Malte

    Nick Hornbys alte Bücher waren, fand ich, an der Grenze, die neueren so ab „31 Songs“ sind eigentlich nur noch Schund. Dieser Mensch hat ein riesen Problem, nämlich dass seine Bücher einen vermitteln wollen: „Ich hab diesen und jenen Lebenstil, geh jeden Tag ins Fußballstadion, mache wegen jeden Dreck Listen und beurteile Leute danach was auf den Listen, die sie gemacht haben, steht. So und du machst es jetzt genauso!!!“
    So kommen mir seine Bücher vor. High Fidelity war nett, Fever Pitch eigentlich auch und About a Boy war erträglich (besser als die Film). Aber sonst kann er mir gestohlen bleiben.

  53. 53

    Astrid Lindgren, pippi Langstrumpf…?

  54. 54

    Vielleicht gibt es auch gar nicht soviel Literatur nach unserem Verständnis in Asien, Afrika oder Südamerika? Nicht überall haben Romane etc. denselben Stellenwert. Sind Romane nicht auch ein typisches Kennzeichen „aufgeklärter“ Gesellschaften? Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, daß in muslimischen Ländern Romane dieselbe Wertschätzung erfahren wie bei uns. Außerdem haben viele Menschen gar nicht die Zeit für manche Selbstbespiegelungen, die man in der „westlichen“ Literatur so nachlesen kann.

  55. 55

    @holzauge666
    Also „How to be good“ fand ich sehr lesenswert. Und da gibt es auch fast keine Listen zu lesen, nur das interessante Porträt einer Ehe.

  56. 56

    @Sigmar

    Das war ja noch vor „31 Songs“. Die neueren Bücher, ab diesem Buch finde ich Hornby einfach nur noch schlecht. Das letzte Buch, „The Polysyllabic Spree“ z.B. ist nur nervig.

    Aber das mit den verschiedenen Kontinenten und der aufgeklärten Gesellschaft würde ich nicht unterstreichen, ein Dante oder ein Grimmelshausen haben deutlich vor der Aufklärung geschrieben. Es gibt hervoragende indische Autoren, Japaner sowieso, aber genauso Chilenen oder Mittelamerikaner. Bei Afrikanern bin ich etwas grün, trotzdem weiß ich, dass da ein sehr lebendiger Literaturbetrieb ist, der uns halt zum Großteil verborgen bleibt.

  57. 57

    @holzauge666

    Aufklärung war vielleicht auch ein schlechtgewählter Begriff. es geht mir nur darum, daß Romane oft Alternativen zur herrschenden Weltsicht anbieten oder neue Ideologien konstruieren und transportieren.

  58. 58

    @malte: Und was sagt uns das? Lebt denn eigentlich die Mutti von Houellebecq noch?

  59. 59

    huch – ach. ich bin verwirrt – nein – es geht um „Porno“ von Irvine Welsh. Könnte man auch fragen, ob seine Mutti noch lebt. Ich habe cunt nicht gezählt, mir hat die Geschichte gefallen und brav wie ich war, habe ich mir den schottischen Schmus sogar im Original angetan.

    Großartig ist es auch wiederum nicht. So gesehen habe ich noch nie wirklich ein Buch gefunden, was ich fantastisch hätte finden können. Es gibt hin und wieder Autoren, die sind nah an der Perfektion, also meiner gefühlten Perfektion.

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