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Ich komme übrigens vom Planeten Sirius

Sirius
Foto © jpstanley

Das meistgehörte Vorurteil gegen die Juristerei ist, dass sie trocken sei.

Ich aber sage euch: sie ist saftiger als das „Riesige Riesenschnitzel“, mit dem Holgi mir den Mund gern mal wässrig macht, wenn weit und breit von Schnitzeln nicht die Rede sein kann.
Trocken ist nur die erste Anmutung:
Die „Abgrenzung der straflosen Teilnahme am erfolglosen Versuch einer eigenverantwortlichen Selbsttötung von der strafbaren Tötung in mittelbarer Täterschaft“ klingt nach einer Materie, die die Zunge pelzig werden lässt.

Aber dahinter verbirgt sich der Sirius-Fall.

Es trug sich also zu im Jahre meiner Geburt, da lernte ein Mädchen einen Jungen kennen.
Das Gericht bezeichnete das Verhältnis der beiden später als „zumeist wohl eher platonisch“.

Der Begriff der platonischen Liebe hat heutzutage eine leichte Entwertung dadurch erfahren, dass Gäste von Nachmittagtalkshows ihre Beziehungen zu Menschen als platonisch bezeichnen, wenn sie sagen wollen:
„Geknallt habe ich die Alte nicht.“
Diese beiden aber, die waren, obwohl sie das ein oder andere Mal den Verlockungen des Fleisches erlagen, geistig einander sehr nah.

In stundenlangen Gesprächen tauschten sie sich über Philosphie und Psychologie, Erdstrahlung und Klöppelstickerei aus.
Eines Tages machte sich der Junge einen Spaß daraus zu behaupten, Darwin habe die Arbeiten an der Evolutionstheorie nicht vollendet, weil er sich die Klitoris nicht habe erklären können.
Das Mädchen war wie immer tief beeindruckt vom Wissen des jungen Mannes.
Immer häufiger trieb der Junge von da an dieses Spiel: Mal erwähnte er, dass Karl Marx zusammen mit Jules Verne eine kleine Science-Fiction-Buchhandlung in Paris betrieben habe, mal raunte er, mit dem Sturz Allendes habe wohl die CIA zu tun.

Als er ihr im Rahmen eines ausufernden Telefonats am frühen Abend eins Spätsommertages offenbarte, dass William Patrick Hitler der Pate Rudi Dutschkes sei und in anderem Zusammenhang den baldigen Zerfall der Sowjetunion vorhersagte, konnte das Mädchen nicht mehr an sich halten:
„Woher weißt du das alles nur?“, fragte sie mit einem begeisterten Seufzer.
Er zögerte einen Moment, atmete hörbar in die Muschel und sagte schließlich, dass sein überlegenes Wissen nicht irdischer Natur sei.

„Ich komme vom Planeten Sirius. Ich muss jetzt allerdings weg, morgen erzähle ich dir mehr.“

Das Mädchen war hoch erfreut und sehr stolz darauf, einen Freund von einem anderen Planeten zu haben, ihre Wangen glühten noch des Nächtens so hell, dass sie einen Waschlappen drauflegen musste, weil es sonst im Zimmer nicht dunkel genug zum Schlafen gewesen wäre.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass das Mädchen sich strahlendster geistiger Gesundheit erfreute: Sie war nicht depressiv, nicht manisch, war weder am Borderline-Syndrom erkrankt noch nahm sie Drogen, Nahrung aber regelmäßig zu sich und behielt diese auch im Körper, ja nicht einmal unter einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom litt sie.

Den ganzen folgenden Tag verbrachte sie in aufgeregter Erwartung des nächsten Gesprächs.
Direkt nach der Sendung „Schaukelstuhl“, die sie gern sah, obwohl diese von der ARD für ältere Menschen konzipiert wurde und sie selbst erst 22 Jahre alt war, stürzte sie beim ersten Zirpen des Klingeltons zum Telefon, um mehr über die außerirdische Herkunft ihres Seelenfreundes zu erfahren.
Aber es war nur ihre Mutter, die wissen wollte, wie die Mirabellenmarmelade geschmeckt hatte.
Obwohl sonst ihrer Mutter innig zugetan, strangulierte sie das Gespräch wie Hans Clarin in der Edgar-Wallace-Verfilmung Das indische Tuch seine Opfer.

Dann wählte sie selber die Nummer ihres Freundes vom Sirius und platzte sofort los:
„Erzähl mir mehr! Was machst du hier, gehst du zurück, kannst du mich mitnehmen, braucht man da eine Schutzimpfung, wird man an der Grenze schikaniert?“
Ihr Freund lachte gutmütig:
„Ruhig, meine kleine Erdenfreundin, eins nach dem anderen.
Wir Sirianer sind eine dem Menschen weit überlegene Rasse. Ich bin vom Sirianischen Hohen Rat ausgesandt, um auf der Erde nach hochwertigen Seelen zu suchen, die ich mitnehmen kann.“
„Oh ja, bitte, nimm mich mit!“ bettelte sie und fragte sich im Stillen, ob man auf dem Sirius wohl wert darauf legte, dass die Bikinizone rasiert sei, denn in diesem Sommer hatten die Bikinis die Leistengegend bedeckt und so hatte sie die Rasur schleifen lassen.

„Nun, so einfach ist das nicht“, hob der junge Mann an.
„Es gibt da allerdings eine Möglichkeit …“
„Und was?“ Ihre Stimme überschlug sich fast.
„Zufällig bin ich bekannt mit dem Mönch Uliko, der dich, wenn er im Zustand der totalen Meditation ist, in einen höheren Bewusstseinszustand versetzen kann. Es gibt da allerdings ein kleines Problem.“
„Och! Was denn?“ fragte sie ängstlich.
„Na ja, wenn Uliko im Zustand der totalen Meditation ist, kann er selbstverständlich nicht arbeiten. Deshalb besteht sein Kloster darauf, dass man eine geringe Entschädigung bezahlt.“
„Aber das ist doch gar kein Problem.“ Die junge Frau schlug sich begeistert auf den Schenkel.
Normalerweise hätte sie in die Hände geklatscht, aber in der einen Hand hielt sie ja nun einmal den Hörer.
„Nein, so schlimm ist das nicht, immerhin geht es um eine einmalige Gelegenheit. Da sollten 30.000 Mark keine Rolle spielen.“
Das Mädchen schluckte.
„30.000 Mark?“
„Du hast doch einen Onkel, der bei der Bank arbeitet und die kleine Erbschaft deiner Oma. Damit bekommst du leicht einen Kredit.“
„Ja, mein Vetter arbeitet bei der Bank.“ Kurz streifte sie der Gedanke, warum er vergessen hatte, dass ihr Onkel Tierarzt war, obwohl sie ihm so oft erzählt hatte, wie sie als Kind in den Ferien in der Praxis mitgeholfen hatte. Aber so ein Sirianer auf großer Mission hatte wohl einfach viel um die Ohren.

Es gelang ihr tatsächlich, den Kredit zu erhalten und 30.000 Mark später war sie in einer höheren Bewusstseinsstufe.

„Prächtig“, sagte ihr Freund und schaute dabei auf seine nagelneue Tag Heuer.
„Der erste Schritt ist getan.“
„Was denn noch? Ich will dahiiin“, quengelte das Mädchen.
„In deinem jetzigen, dem alten Körper sind noch zu viele Partikel deiner alten, irdischen Seele. Im Detail ist das zu kompliziert zu erklären, verkürzt gesagt: Du musst den Körper wechseln.“
Das Mädchen zog mit ihrem Zeigefinger an der Unterlippe.
„Und wie macht man das?“
„Du kannst froh sein, dass du mich hast. Ich habe nämlich schon vorgesorgt.“ Er senkte die Stimme.
„In einem roten Raum am Genfer See wartet der Körper einer toten Künstlerin auf dich.
Er ist sozusagen reisetauglicher. Du solltest allerdings bedenken, dass du auch mit dem neuen Körper Geld benötigst.“
Er schaute nachdenklich.
„Aber auch da gibt es eine Lösung: Du schließt einfach eine Lebensversicherung ab. Zahl doch einfach soviel ein, dass du im Todesfall 250.000 DM erhälst.“
„Aber ich bin dann doch tot.“ Das Mädchen konnte nicht so ganz folgen.
„Dummerchen!“ Der Mann schüttelte milde tadelnd den Kopf.
„Setz´einfach mich als Begünstigten ein, ich gebe dir dann das Geld, wenn du in deinem neuen Körper bist.“
Das Mädchen war ganz seelig, dass es einen so weisen Freund hatte.
„Und weißt du, was noch besser wäre? Wenn du deinen Übergang in eine neue Existenz als Unfall in Szene setzen würdest, könntest du sogar über 500.000 DM verfügen. Am besten, du tust so, als sei dir ein Föhn in die Wanne gefallen.“

Die junge Frau schloss die Versicherung ab, setzte den sirianischen Freund als Begünstigten ein und sich selbst in die Badewanne.

Sie dachte noch einmal an die Mirabellenmarmelade ihrer Mutter und an die gemütlichen, aber doch recht eintönigen Abende mit dem „Schaukelstuhl“, der Sendung für ältere Menschen von der ARD.
Sie nahm den Föhn aus der Halterung, knipste ihn an, stellte sich die immergrünen Wiesen des Planeten Sirius vor und ließ den Föhn in das Badewasser gleiten.
Als sie die Augen wieder öffnete, saß sie immer noch in der Badewanne, der Föhn hatte den Geist aufgegeben, ihr Geist aber war immer noch im aus der Mode gekommenen Körper.

Sie wickelte sich in ihr Badetuch und fragte den Freund um Rat.
Der Freund war ganz unsirianisch verwirrt, riet ihr zunächst, den Fernseher an die Badewanne zu stellen, der aber erwies sich als zu groß, den Toaster verwarfen sie wieder, weil der die Ermittler hätte misstrauisch werden lassen können.
Sie telefonierten noch zehn Mal miteinander, schließlich beendete der Sirianer mit einem Fluch, der nach irdischen Maßstäben gotteslästerlich war, die Versuchsreihe.

Hatte der Freund nun lediglich am Versuch einer Selbsttötung teilgenommen? Dann hätte er sich keiner Straftat schuldig gemacht.
Oder hat er versucht die Frau zu ermorden, wobei er sie selbst als Tatwerkzeug einsetzte?

Der BGH hat sich für den Mordversuch entschieden.
Die Wanne war übrigens vorschriftswidrig nicht geerdet.

32 Kommentare

  1. 01

    Dann bin ich jetzt mal schnell im Bad. Die Wanne erden…

  2. 02
    AP

    Genialer Fall, und sehr schön be- und geschrieben.
    Ich steige mit meinem Verständnis für die Frau spätestens dann aus, wenn sie mit Föhn in die Wanne klettert. Für alles, was davor passiert ist, gibt es genug traurige Beispiele von gelungener Abzockerei, aber so gutgläubig (oder blöd) geht doch gar nicht.

  3. 03

    naja, AP, wenn Du den Text aus der Viadrina Aufgabenstellung liest, dann klingt das schon ein wenig anders, als es Malte darstellt:

    „Im Jahre 1973 lernte S in einer Diskothek die T. kennen, eine unselbständige und komplex-
    beladene junge Frau. Sie entwickelte zu dem vier Jahre älteren S eine intensive Freund-
    schaft. Gegenstand der Beziehung waren hauptsächlich Diskussionen über Psychologie und
    Philosophie. Im Laufe der Zeit wurde S zum Lehrer und Berater der T in allen Lebensfragen.
    Sie vertraute und glaubte ihm blindlings.“

    Es war halt eben nicht die geistig völlig gesunde junge Frau, die da einem perfiden Plan erlag, sondern schon eine junge Frau, die ein paar gewissen Vorbedingungen mitbrachte. Das macht den Plan nicht weniger perfide, aber eben nicht immer möglich…

  4. 04
    Harm

    Was ist denn dann aus dem Körper aus dem roten Raum am Genfer See geworden?

  5. 05

    Eine sehr schöne Nacherzählung.

    Als nächstes hätte ich dann bitte gern den Katzenkönig-Fall, der war schon immer mein Favorit…

  6. 06
    sunny3d

    DAS IST SCHLIMM!

    Nur eines verstehe ich nicht. In dem Artikel in Recht & Sprache geht es um die Umkehrung des Täter/Opfer Prinzips.
    Bleibt also die Frage – Hat ER auch geglaubt, er sei ein Außerirdischer?

    Meine Güte, man stellt ja so einiges an, wenn man verliebt ist.

  7. 07

    Schreib bitte auch noch was über den legendären KATZENKÖNIG-Fall, den find ich am besten ;)

  8. 08
    Jan(TM)

    Was wenn er wirklich vom Sirus ist? Haben wir ein Auslieferungsabkommen mit dennen?

  9. 09
    thc

    „ich komme vom planeten sirius.“

    großartig. und ich komme vom sternensystem jupiter.

  10. 10

    Es ist so einfach, wenn man weiß, was es bedeutet :)

    DAnke für die Aufklärung *g*

  11. 11

    icewind: Wenn man weiß, was WAS bedeutet? (huh, Gruselschauer, die meinen Rücken hinab wandern)

  12. 12

    @ robert:
    man muss gar nicht komplett bekloppt sein, um ausserplanetarische Asylanträge zu stellen.
    Manchmal reicht es schon, Webdesigner zu sein:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Heaven%27s_Gate_%28Sekte%29

  13. 13

    Ich komme vom Planeten Pluto… Ach nein, Zwergplanet meine ich natürlich.

  14. 14

    Ich glaube am Ende wurde er verurteilt – egal was er geglaubt hat, er hat sich nicht gut genug informiert.

  15. 15

    Einfach eine geniale nacherzählung des Falles …, so jetz geh aber erstmal pennen und morgen früh gleich die Wanne erden.

  16. 16

    Und was lernen wir noch daraus? Badewannen sollten besser doch nicht geerdet sein, damit man nur ein leichtes Kribbeln verspürt wenn Strom über ausser durch den Föhn auch noch durch Wasser und Körper oszilliert? Oder war es doch so, dass die Wanne geerdet ist, damit der FI Schutzschalter merkt, dass der Strom irgendwo hinfliesst, wo er nicht hingehört und abschaltet, bevor der Herzmuskel flimmert? Wahrscheinlich war das einer von diesen modernen Schwachstromföhns vom Sirus.

  17. 17
    Bud

    Ich bin tatsächlich vom Planeten Sirius und kann eure – dem irdischen Wesen oft immanente – Ungläubigkeit in keinster Weise nachvollziehen.
    Tja, Chance vertan.
    Euch nehme ich in keinem Fall mit!

  18. 18

    Was Menschen unter Einfluss so alles glauben… Was wollen die den auf[sic!] Sirius mit unserem stinkenden Geld?

    Bin mal wieder verwundert wie wenig Gedanken sich manche Menschen machen wenn das Ziel vor Augen so weit weg ist. Das erklärt Lotto, Arbeitsamt und BILD-Zeitung.

  19. 19
    Malte

    @ skOre
    Nette Aufzählung, besonders „Arbeitsamt“ passt gut dahin.
    @ robert
    Aber „komplexbeladen“ ist noch nicht psychisch krank. „Strahlendster Gesundheit“ ist dann aber wohl tatsächlich übertrieben.
    @ tanja
    Wir sind also gegründet auf den Leichen kastrierter Männer?
    @ Harm
    Der ist verreist.
    @ sunny
    Nein, er wusste, dass er der menschlichen Rasse angehört.
    @ icewind
    Du redest in Zungen:)
    @ thc
    Naturwissenschaftliche Fakten können wahre Gläubige von gar nichts abbringen. Aber ich bin sehr froh, dasss nicht ich den Fehler gemacht habe.
    @ Micha
    Willst du schon von uns gehen?

  20. 20
    gabel

    so, da musste mia mal seine behütetes „WebRSS Feed netvibes.com“ Nest verlassen und auch mal Anerkennung für die Artikel hier zollen, die meinen tristanen und isolden Praktika-Alltag im Amt verschönern.. grüße aus der nie-mehr-zweite-Liga-Stadt Cottbus

  21. 21
    Niels

    Stellt sich die Frage warum Badenwannen vorschriftsmäßig geerdet sein sollten, wo doch ungeerdet offensichtlich ungefährlicher ist??

  22. 22

    Kann mir bitte einer bestätigen, dass es sich hier um eine fantasiereiche Geschichte handelt und nicht etwa um einen wirklichen Fall?
    Hilfe. 8-)

  23. 23
    herrschende Meinung

    Die Frage von Niels würde ich auch gerne beantwortet haben: Sind Badewannen, die entgegen der DIN- Norm nicht geerdet sind, ungefährlicher als geerdete?

  24. 24
    leo

    Der Strom will zur Erde fliessen. Durch die Erdung kann er das auch tun. Fliesst Strom zur Erde, merkt der FI-Schutzschalter das und unterbricht die Stromzufuhr bevor man aussieht wie ein Grillhähnchen. Bin kein Elektriker, aber so verstehe ich das.

  25. 25
    leo

    @Niels: Da steht nicht, dass ungeerdete Badewannen ungefährlicher sind, sondern, dass der Föhn den Geist aufgegeben hat. Hätte er das nicht, wäre das Mädchen wohl tot, weil die Wanne nicht geerdet war.

  26. 26

    er sucht sich halt seine besucher aus – da hat sie nicht reingepasst.

    Internet is halt auch nich anders als Leben.
    So – sunny – dafür bekommste jetzt ne Internetblume und tausend ausgewählte Besucher.

    :-)

  27. 27

    Was viel wichtiger ist: Der Verfolger eines Bienenschwarms darf bei der Verfolgung fremde Grundstücke betreten.

  28. 28

    Hmm.. Malte. Also insgesamt find ich die Schilderung hier ja sehr interessant zu lesen. Aber irgendwie werd ich das Gefühl nicht los, dass der Artikel seine Wirkung sehr stark durch das Motto „Schaut, wozu man Leute bewegen kann obwohl sie bei besser geistiger Gesundheit sind“ herstellt.
    Das finde ich traurig, weil man von einem gesunden geistigen Zustand ja nicht sprechen kann, wie bereits erwähnt wurde. Zwar magst du Recht haben, dass man nicht von ‚geisteskrank‘ sprechen kann. Das mag anders sein. Aber in den Schilderungen die ich sonst so finde (und im Kommentara) heißt es, dass jene Frau nicht nur komplexbeladen war sondern auch unselbstständig. Nun mal folgende Überlegung: Ich kenne aus meinem privaten Umfeld einige komplexbeladene Frauen. Ich bin kein Psychologe, kann also nur aus meiner Erfahrung oder meiner Beobachtung sprechen. Aber von diesem Standpunkt aus kann ich sagen, dass man Menschen die Komplexe haben und noch dazu unselbstständig agieren, sehr sehr leicht dazu bringt Dinge zutun die normalerweise „normale“ Menschen ablehnen würden. Ich schätze das hat viel damit zu tun, dass komplexbeladene Menschen viel Selbstreflexion betreiben, bei allem was sie tun und denken und meist in falscher Form, nämlich ständig negativ.

    Was wäre nun also, wenn jene Frau Zweifel bekam an den Thesen. In Ihrer Selbstreflexion aber redete sie sich ein, dass sie viel zu dumm ist um solch größeren Zusammenhänge zu verstehen. Dann tat ihre Unselbstständigkeit sicherlich ihr Übriges. Nämlich indem sie Ihr Denken abgab. Ihre Zweifel ausblendete und den Betrüger, der ohne Frage an ihr Geld wollte, für sie denken ließ. Viele Menschen lassen sich manipulieren. Aber: Es dürfte bei niemandem leichter sein, als bei jemandem der sich für zu dumm, zu hässlich oder wie auch immer hält.

  29. 29
    Malte

    @ Patrick
    Max von Freundeskreis James Thurber hat gesagt:
    Komik ist Tragik in Spiegelschrift.
    Das trifft es hier sogar noch besser als „Schadenfreude ist die schönste Freude“.
    Ich sage mir das selber, wenn mir unglückliche, nervenzerfetzende Dinge zustoßen, ich sage das Freunden, denen Übles passiert: Irgendwann lacht man drüber.
    Und der Fall würde sich für eine solche Darstellung sicher weniger eignen, wäre er nicht am Ende nicht noch verhältnismäßig glücklich ausgegangen.
    Abschließend kommt hier hinzu, dass die Frau anonym ist, ihr also durch den Artikel kein Schaden zugefügt wird und sie vielleicht heute selber denkt: Man, was war ich dämlich damals.
    Und hoffentlich darüber lachen kann.
    Wenn wohl auch nur ziemlich leise.

  30. 30

    Urteil scheint okay zu sein, die Frau war ja offensichtlich absolut debil. Also auf Gedanken kommt der Herr, mannomann. Da braucht wohl jemand dringend Kohle?! Zu Ihrem eigenen Schutz würde ich den Text noch um den Zusatz: „Nicht zum Nachmachen empfohlen“ ergänzen. Denn Debilität ist ein weit verbreitetes, ernstzunehmendes Phänomen. Und auch nicht gewissenhafte Menschen sind so selten nicht.

  31. 31
    Kermit

    Zwei Erkenntnisse aus Text und Kommentaren:
    1. Es lesen wenig Ingenierure mit.
    2. Juristen $%$§§“%“§)$§($% „)(§ $(§“$)% .

    Der letzte Satz ist in mehrfacher Hinsicht falsch. Badewannen wurden nicht geerdet, sondern es wurde ein Potentialausgleich durchgeführt, d.h. eine Reihe von metallischen Gegenständen im Bad wurden auf das gleiche Potential gebracht, indem man sie mit einem Leiter verbunden hat, das musste nicht unbedingt Erdpotential sein.

    Die verlinkte Vorschrift sagt ausdrücklich, dass Badewannen (heute) nicht (mehr) in den Potentialausgleich eingebunden werden.

    Warum? IMHO weil früher Rohre, Wanne etc. aus Metall bestanden. Unterschiedliche Potentiale auf diesen können viele Ursachen haben, die Wirkung ist aber unangenehm für den Badenden, wenn er z.B. den Wasserhahn berührt. Der Fön in der Wanne ist nur eine Gefahrenquelle von vielen.

    Heute sind Wasser- und Abwasserrohre meist aus Plastik bzw. nicht mehr unbedingt leitend verbunden. Auch die Wanne ist aus Plastik. Die Gefahrenquellen sind nun andere und es ist sicherer, die Wanne nicht mehr an den Potentialausgleich anzuschließen.

    Diese Regelung ist recht umstritten (http://groups.google.de/groups/search?hl=de&q=Badewanne+erden&qt_s=Suche)

    Beste Grüße
    Kermit

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