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Kinderwahnsinn

kind
(Original-Foto © romainguy)

Ich grübele gerade über die Motivation erwachsener Menschen nach, unzählige Fotos ihrer Babies und Kinder mit Namen und Anekdoten zu bloggen. Öffentlich, wohlgemerkt, denn passwortgeschützt für die Familie mag das ja vielleicht hier und da sinnvoll sein.

Hätte ich im Alter von 12 Jahren festgestellt, dass meine Eltern meine gesamte Kindheit in aller Weltöffentlichkeit und detailliert recherchierbar dokumentiert haben, hätte ich das Wort „Vertrauen“ im familiären Zusammenhang für immer aus meinem Wortschatz verbannt und eine Namensänderung beantragt.

73 Kommentare

  1. 01

    „Weltöffentlichkeit“ ist eher theoretisch. Ich betreibe auch eine solche Seite, deren Adresse nur einige Freunde und Familienmitglieder kennen. Es lohnt sich nicht, die Seite mit einem Passwort zu schützen, es verirrt sich ohnehin kaum einer dahin. Und wenn doch, wird er mit Sicherheit gelangweilt weiterwandern…

  2. 02

    Und woher weißt du, dass sich in 10 Jahren der googlende Nachbar/ Freund/ Feind/ Arbeitgeber deiner Kinder nicht doch auf die Seite oder was dann von ihr im Cache übrig ist verirrt?

  3. 03

    Das ist ungefähr so wahrscheinlich, dass er sich in mein Wohnzimmer verirrt und dort ein Fotoalbum findet. Übrigens enthält die Seite keine Namen, nach denen er aktiv suchen könnte.

  4. 04

    Das ist aber nur ein Teil der Seiten (die ich übrigens nicht verstehe, solche Fotos sind privat und das sollen sie auch bleiben), viel peinlicher sind meiner Meinung nach die Eltern, die Blogs für ihre Kinder aus der Sicht der Kinder führen. So nach dem Motto „da hat Mami aber mal wieder nicht gemacht was ich wollte, und dann habe ich laut geschrien“. Die sollen lieber ihre eigenen Erfahrungen bloggen (wenn sie das überhaupt wollen) und nicht so tun, als wüssten sie, was ihre Kinder so denken…*das* wäre mir besonders peinlich. Ein paar hübsche Adressen kann ich bei Bedarf gerne raussuchen.
    @Lusiol: Darauf würde ich mich nicht verlassen, die Wege der Suchbots der Suchmaschinen sind unergründlich.

  5. 05

    Endlich jemand, der meinen Standpunkt teilt. Klar habe ich zig tolle Bilder meiner Jungs, mit denen man mächtig prallen könnte (die Kinder sehr echt gelungen — die Bilder auch), aber dennoch werde ich keines davon FlickR“™n. Wenn Oma/Opa denn dann mal DSL haben, vielleicht mal ein paar als „žprivat“ online stellen, aber ganz sicher nicht für alle sichtbar präsentieren.
    Es wird nur noch ein paar Jahre dauern, bis drüben in Amiland die ersten Kinder ihre Eltern verklagen, weil diese sich in der Beziehung nicht zurückhalten konnten.
    Hat nicht jeder ein Kinderbild im Album, das ihm Zeit seines Lebens peinlich bleiben wird? Und heutzutage kann sich der komplette Jahrgang des Fotoopfers darüber amüsieren. Selbst Jahre später kann es der Chef/Ausbildungsleiter/Kollege immer noch anklicken und weiter mailen. Einige Eltern denken wirklich nicht sehr weit.

  6. 06

    Lusiol, Namen wegzulassen ist sicher nicht falsch. Es dauert aber keine zwei Jahre mehr, bis ein einziges digitales Bild genügt, um alle anderen dazu passenden zu finden.

  7. 07

    was einmal im internet ist, kann man so einfach nicht mehr aus diesem verschwinden lassen!
    und mir waere schon ziemlich unwohl bei dem gedanken, dass jetzt irgendwie meine gesamte kindheit/jugend im netz veroeffentlicht wurde.

    erstens: weil ich niemand meine erlaubnis dazu gegeben habe und auch nicht geben werde.
    zweitens: weil das niemanden etwas angeht, ausser dem familien/bekanntenkreis. und noch nicht einmal da muessen alle komplett alles ueber mich wissen.

  8. 08

    Ihr magt ja tendenziell Recht haben, aber seid Ihr da nicht ein bisschen übertrieben vorsichtig (um nicht zu sagen paranoid)? Was lässt sich aus diesen Fotos ableiten, die nur im familiären Kontext wirklich Sinn machen? Baby sitzt in der Wanna, Baby spuckt in den Teller, Baby macht die ersten Schritte…
    Johnny, ich glaube, ich kann mir ein besseres Bild von Dir machen, indem ich regelmässig Deine Kommentare lese, als Du von meinem Kind, wenn Du seine Baby-Fotos betrachtest.

  9. 09

    ja, mache ich auch, also zumindest einige anekdoten. nichts, was die kinder blossstellen würde, nichts, was ihre intimsphären verletzen würde, aber natürlich ist das meine auswahl und schon deshalb irgendwie ein übergriff. sie sind erkennbar, weil ich nur das in meinen augen besondere ins blog stelle, also sachen, in denen die kleinen persönlichkeiten deutlicher werden, eine (sehr) kleine auswahl. bin auch nicht ganz sicher, ob das okay ist, aber im zweifel lieber gar nichts von den kindern, die mein leben so sehr prägen? andererseits erzählt man ja ohne rückfrage auch nichts aus dem privatleben anderer leute. bin gespannt auf die diskussion hier.

  10. 10
    leo

    Grosse Teile meiner alten (selten besuchten) Homepage sind auf archive.org für vermutlich lange Zeit konserviert… Es ist quasi unmöglich etwas rückstandsfrei aus dem Internet zu entfernen, wenn es einmal frei zugänglich für eine Weile drin war. Ich frage mich aber sowieso, warum Leute bereitwillig ihre Steckbriefe bei Myspace und Co mit privaten Informationen befüllen. Seien es die eigenen oder die Ihrer Kinder… Allein schon der Gedanke, dass Geheimdienste und Werbemonster fleissig ihre Soziogramme anfertigen hindert mich daran. Mit RSS-Feeds bietet man den Datenkraken ja sogar mittlerweile eine einheitliche Schnittstelle. Es gibt nur eine Erklärung: die Leute wissen nicht, was Datenschutz ist, warum das wichtig ist und dass das ein Grundrecht ist.

  11. 11
    y

    Würde es dich wirklich so sehr stören wenn Dein Daddy das Fotoalbum Deiner Kindheit Scannt und es samt der Bildunterschriften in Netz stellt (inklusive der Super 8 Filme)?

    Ich würde mich über so was eher freuen, und sicherlich mit den Link ein paar Freunden quälen. Passwort geschützt oder nicht wäre mir wirklich schnuppe – meine Kindheit hat doch nichts zu verheimlichen.

    Könnte ein schönes Hobby für Rentner werden – und schönes Thema für einen Volkshochschulkurs.

    habt Ihr Links gibt es schon Web-Stars unter diesen Seiten oder weshalb die Aufregung?

  12. 12

    wenn jemand sich selber aus freien stuecken dazu entscheidet sein privatleben in die oeffentlichkeit (ins netz) zu tragen, finde ich es voellig ok dieses zu tun. was mich stoert ist, wenn andere ueber meinen kopf hinweg entscheiden so etwas zu tun. informationelle selbstbestimmung ist mir in diesem zusammenhang schon sehr wichtig!

  13. 13

    @Lusiol: Es geht nicht um paranoid, sondern darum, das es Kinder evtl. nicht möchten, das solche Bilder von ihnen allgemein zugänglich sind. Und das sie das selber entscheiden können sollen, wenn sie soweit sind.

    @y: Ja, würde es. Weil es Fotos von mir sind, und da möchte ich gerne selber bestimmen können, was zu sehen ist, und was nicht. Und es geht nicht darum, etwas verheimlichen zu wollen. Privatsphäre hat damit nichts zu tun.

  14. 14

    Lusiol, das Problem dabei ist, IMHO, dass Du keinerlei Kontrolle darüber hast, in welchen Caches deine Inhalte archiviert werden. Du weisst auch nicht, mit welchen anderen Daten deine Inhalte und ihre URIs (semantisch und automatisch) verknüpft werden. Pustet Deine Website einen RSS-Feed heraus, kannst Du die http-Logfiles Deines Servers (so du ueberhaupt Zugriff darauf hast) auch vergessen.

    Und Johnny hat recht. Die Bildaehnlichkeitsalgorithmen sind entwickelt und funktionieren. Derzeit werden sie eher auf kleineren Bildermengen angewandt, der Rechenaufwand ist schlicht noch zu hoch. Aber das Problem kriegt Google schneller in den Griff, als das wir uns es jetzt vorstellen können.

    Die nächste Stufe ist dann die Bilderkennung und automatische Analyse und Anotierung der Bildinhalte. Dann brauch man eigentlich gar nicht mehr zu wissen, wie Dein Kind heisst, um Fotos von ihm zu finden.

    Ein weiterer Punkt: Es geht vielleicht weniger um eine tatsaechliche Bedrohung. Aber ich veröeffentliche auch nicht einfach so Bilder, auf denen man Menschen erkennen kann. Ausser es handelt sich um Anwesende bei einer oeffentlichen Veranstaltung oder ich habe es mir vorher ganz genau überlegt, welche Rueckschluesse Mensch oder Maschine ziehen koennen.

    Klingt ein wenig paranoid. Nennt es meinetwegen déformation professionelle.

  15. 15
    leo

    Wenn dein Kind plötzlich und unerwartet später eine Person des öffentlichen Lebens wird, und ein Reporter findet im Netz ein Bild, auf dem es beim Wickeln seine Mami anpinkelt, dann wird es dieses Bild vermutlich für sein Leben nicht mehr los. Die Kraft von Bildern, und seien sie noch so banal, sollte man nicht unterschätzen.

  16. 16

    Es geht ja vor allem um die Frage der Selbstbestimmung in einer Gesellschaft, in der Kinder wenig Rechte haben. Was ich hier tue, wieviel ich von mir gebe, ist meine Entscheidung, ich bin erwachsen. Ich finde es aber auch völlig okay, Anekdoten zu erzählen, das tue ich ja (wie Hotel Mama) auch hin und wieder und so allgemein wie möglich. Nur eben die fast komplette Doku finde ich oft befremdlich.

    Es geht nicht um Paranoia, sondern das ist eine spannende und ernthafte soziale Diskussion. Wann hört man als Eltern, die halt mal ein paar Baby-Bilder bloggen, damit auf? Wann kommt der Punkt, an dem das Kind das viellleicht auch mitgestaltet und was bedeutet das für die Entwicklung eines Menschen, wenn er in vielen Situation daran denkt, dass das prima zu bloggen wäre?

  17. 17

    Das „Recht am eigenen Bild“ ist in anderen Zusammenhängen übrigens auch gesetzlich ganz gut geregelt.

  18. 18

    Wenn ich Kindern im Teenageralter erklären muss warum es keine gute Idee ist auf der eigenen öffentlichen Homepage Fotos online zu stellen auf denen sie in Unterwäsche posieren, dann wundern mich solche Eltern auch gar nicht mehr. Vielleicht sollte man mal Aufklärungskurse in Sachen Privatsphäre im Internet für Kinder und Eltern machen. Ist etwas im Internet erst mal für alle einsehbar bleibt es möglicherweise für immer online, dessen sollte man sich sehr bewusst sein. Siehe unzählige Geschichten in denen in der Vergangenheit von Prominenten geschnüffelt wird (woher will man wissen was später mal aus dem eigenen Kind wird?) oder auch Privatmenschen von Stalkern ausspioniert werden. Ich würde es nicht wollen dass jedermann meine Babyfotos sehen kann, ich denke das ist mein gutes Recht, und wäre auch enttäuscht von meinen Eltern wenn sie öffentlich gemacht worden wären.

  19. 19

    comment#17: wenn sich nur alle daran halten wuerden. siehe ‚bild‘ zeitung und die aktion mit diesem bild-foto-reporter.

  20. 20

    @Johnny: Johnny, das ist zwar prinzipiell richtig, nur werden 1jährige geringfügige Probleme haben, dieses Recht auch durchzusetzen.

  21. 21

    @Uli: Die Bild hat bereits mehrmals vor Gericht das abdrucken bestimmter Fotos verboten bekommen. Nur kann das halt nur nachträglich passieren und dann ist das Foto schon millionenfach gedruckt. Die Strafen, die das da kostet, zahlen die aus der Portokasse…

  22. 22

    Ich habe mich schon vor der Geburt meines Kindes entschieden, weder seinen Namen online preiszugeben, so sich das irgendwie vermeiden läßt, noch ein Bild zu posten. Paßwortgeschützt für Freunde & Familie gibt es das schon, aber mehr eben nicht.

    Und sei es nur, um das Kleine davor zu beschützen, immer und überall sofort als mein Kind kenntlich zu sein. Wer weiß, in welche Situationen ich mal gelange, von denen ich nicht möchte, daß es irgendwie mit hineingerät?

    Ja, und informationelle Selbstbestimmung eben; die hat auch schon mein Kind, so gut es halt irgendwie machbar ist. Sein Leben ist so ja schon/noch fremdbestimmt genug.

  23. 23

    rrho, auch ein interessanter Gedanke… das Kind vor möglichen Komplikationen des Lebens der Eltern zu schützen.

  24. 24

    Johnny: Wieso „in anderen Zusammenhängen“? Gibt es kein Recht am eigenen Bild für Kinder?

  25. 25

    comment #18:
    das mit den aufklaerungskursen in sachen privatsphaere finde ich eigentlich eine super idee. weil sich viele (auch junge) menschen der ganzen problematik eigentlich nicht bewusst. da wird halt mal schnell ein myspace-konto eroeffnet, wo man natuerlich alle felder mit moeglichst viel information fuellt. myspace ist zur zeit sehr angesagt und man will ja schliesslich auch dazu gehoeren.

    bloss wann/wo sollten solche kurse stattfinden? bei schuelern ist es eigentlich klar; in der schule (informatikunterricht beispielsweise). voraussetzung ist natuerlich dass die lehrer ueber genuegend kompetenzen verfuegen und sich der problematik bewusst sind bzw diese problematik naeher behandeln wollen.

    bei ‚aelteren‘ menschen, die die schulzeit schon hinter sich haben, wird es schon schwieriger mit den aufklaerungskursen. ich kenne eingie leute die dann so etwas sagen wuerden wie: ich komme gerade von arbeit und habe jetzt wirklich keine lust, mich auch noch damit zu beschaeftigen. ausserdem schreibe ich ja nur ab zu eine mail und suche dann und wann was bei google. da wird schon nichts passieren.

  26. 26

    stralau, soweit ich weiß, bezieht sich das Recht am Bild nicht auf familiäre Veröffentlichungen. Vielleicht kann es aber, ähnlich wie das Urheberrecht, einfach noch nicht auf die aktuelle Mediensituation bezogen werden.

  27. 27
    leo

    Allgemein werden doch die meisten Rechte der Kinder von ihren Eltern „verwaltet“ bis die Rechtsmündigkeit eingetreten ist.

  28. 28

    @leo: Genau; und das erfordert einen (IMHO sehr) verantwortungsvollen Umgang damit.

  29. 29

    ooops. Erwischt. Meine Kinder sind seit sechs Jahren online. Und ich verlinke sogar von hier dorthin.

    Allerdings versperren wir seit gut vier Jahren den tieferen Zugang zu der Seite mit einem Passwort. In unserem „Umfeld“ der Mehrlingseltern war es fast schon üblich, eine eigene Webseite zu haben und unsere „Attraktionen“ zu zeigen. Bei uns geschah das schlicht aus der Not heraus, zuviele Freunde und Bekannte zu haben, die ständig wissen wollten, wie es dem dreierPack geht usw. Email war damals noch umständlich, weil für viele sehr, sehr langsam; hätte es blogSoftware im heutigen Umfang gegeben, wäre mit SIcherheit ein blog daraus geworden. So aber blieb es unsere Internetseite. Irgendwann fiel uns dann auch auf, dass das ganze öffentlich sein nicht mehr kontrollierbar ist, aber das kam eben erst nach einigen Erfahrungen. Und welcher Durchschnittselternteil mit Computerbildinterneterfahrung kennt sich denn bitteschön mit webarchiven aus? Die meisten Menschen sind doch schon mit dem google-Cache überfordert. Ganz zu schweigen von irgendwelchen Bilderkennungsdingsbumsen…

    Ich finde uA zwei hier genannte Argumente sehr spannend:
    – wer weiß, was ich eines Tages anstelle. Ich möchte vielleicht nicht, dass mein Kind damit in Verbindung gebracht wird;
    – wer weiß was mein Kind später einmal wird. Vielleicht will es als Bundeskanzlerin nicht, dass ihre SchokoEisMundKreationen public werden.

    Und ganz ehrlich: In diese Richtungen habe ich noch nie gedacht.

    Und jetzt?
    Aufklärung? Denkanstöße für die Zielgruppe der Eltern? Ich bin seinerzeit mit meinem Passwort schon schief angesehen worden und als Paranoiker verschrien.

    In diesem Sinne…
    olli

  30. 30

    Es kann sein dass ich mich täusche, aber gab’s nicht letztes Jahr einen Fall in Mexiko oder den USA wo irgendso ein widerlicher Pädophiler sich sein Opfer per Blog gesucht hatte? Mama schrieb immer schon jeden Tag aus Sicht ihres Kindes … „Heute bin ich wieder in die Schule gegangen – die Lehrer der Was-Weis-Ich-Schule sind alle so nett und am Montag werden wir nur 5 Stunden Unterricht haben, da kann ich schon früher nach Hause…“

    Der Pädophile dachte sich – Oh welche nützliche Infos – und hat sich das Kind propmt geschnappt und vergewaltigt!

    Aber auch im allgemeinen find ich’s schrecklich über Kinder Infos ins Internet zu stellen. Hätten meine Eltern das gemacht – obwohls da noch keine Blogs gab – ich hätte umgehend meinen Namen geändert. Denn die Kinder können ja schlecht kontrollieren was für Infos über sie verbreitet werden und vorallem was das für Folgen haben kann…

  31. 31

    Obwohl es manchmal viel schlimmer ist, was viele Eltern offline über ihre Kinder sagen und von ihnen zeigen, ist das Thema ein wichtiges. Meiner Ansicht nach mündet es wie so viele Diskussionen in eine Kernforderung: Mehr Medienkompetenz!
    Warum passieren Medien in der Schule immer nur als Rand-Thema in anderen Fächern? Wie passt es zusammen, dass sich Kinder zig Stunden pro Tag mit TV, PC und PSP befassen und darüber nur marginal in der Schule reden, streiten, erfahren? Wer weiß, was ein google-cache ist, bloggt doch gleich ganz anders. Dafür braucht es allerdings auch kundige Lehrer.
    Was mir etwas aufstieß, war die Titulierung von Kindern als „Attraktionen, die gezeigt werden müssten“. Auch wenn es lustig gedacht war: Diesem sozialen Zwang sollte man doch widerstehen können. Auch wenn er aus der eigenen Familie kommt. Soll doch die Omma mal zu Besuch kommen und gleich den Abend babysitten.
    Ich habe drei Kinder und blogge auch darüber. Ohne Bilder, ohne echte Namen, ohne Kommentare auf anderen Seiten. Bekannte wissen, was und wer gemeint ist, Fremde können sich lediglich ein Bild machen. Und zwar eines, das ich später problemlos vor meinen Kindern rechtfertigen kann.

  32. 32

    Nicht vergessen sollte man auch, was mit einem Blog passieren kann. Ich habe früher™ viel mehr persönliche Geschichten veröffentlicht. Wenn dann aber plötzlich mal mehr als 20 Leute auf der Seite sind, fühlt sich das komisch an. Und das passiert schneller, als man denkt, ein lustiges Video reicht…

  33. 33

    Im übrigen: Scheiß auf Blogs. Was sind schon Blogs? Die Super-Nanny läuft wieder. Millionen sehen zu, wie Kinder er- und verzogen werden. Wie pleite verzweifelt muss man sein?

  34. 34

    @Lusiol:
    „“Weltöffentlichkeit“ ist eher theoretisch. Ich betreibe auch eine solche Seite, deren Adresse nur einige Freunde und Familienmitglieder kennen. Es lohnt sich nicht, die Seite mit einem Passwort zu schützen, es verirrt sich ohnehin kaum einer dahin. Und wenn doch, wird er mit Sicherheit gelangweilt weiterwandern“¦“

    öhm… wenn das so ist warum machst du das denn? ich als kind würde mich über ein fotoalbum voller erinnerungen weitaus mehr freuen (so wie es meine eltern bei mir gemacht haben)

  35. 35
    Ludwig

    Mir ist das relativ Banane, da laß ich jedem Tierchen sein Pläsierchen. Zumal die heavy user des Internet sich und ihr Medium m. E. entschieden zu wichtig nehmen. Es kann natürlich böse Folgen haben, wenn der Hoster versehentlich von der offiziellen Seite auf die private verlinkt (so geschehen einem Dozenten für Pädagogik, der privat eine Vorliebe für sadomasochistische Spiele pflegte – ich finde den Artikel nicht mehr, aber die geeks können ja mal ihren Spürsinn beweisen ;) und bevor man jemandes Fotos ins Netzt stellt, sollte man zumindest mal fragen, das gebietet allein die Höflichkeit.
    Wem diese, aus welchen Gründen auch immer, abhanden gekommen ist, kann man ja immer noch juristisch auf die Sprünge helfen.

    Man kann das aber auch theologisch erklären: Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Exodus 20,2-17

  36. 36
    Relaxblogger

    Für den Fall, dass dies in der bisherigen Diskussion noch nicht berücksichtigt wurde. Vor rund einem Monat hat Google Neven Vision gekauft. Neven Vision (ehemals eyematic: gegründet von ehem. Mitarbeitern der Universität Bochum) entwickelt Software zur Gesichtserkennung, die bereits zur Verfizierung bei Bezahlungsvorgängen mit dem Handy in asiatischen Märkten eingesetzt wird.
    In Bezug auf Google bedeutet dies, dass zukünftig nicht nur der Name relevant sein wird, sondern aufgrund eines vorliegenden Bildes eine Bild-Personensuche durchgeführt werden kann, indem die Suchsoftware die biometrischen Gesichtsdaten (Abstand Mund zu Nase etc.) abgleicht. Dies addiert eine zusätzliche Dimension zu oben angeführtem Thema.

    http://www.jmboard.com/gw/2006/08/16/google-kauft-neven-vision/

  37. 37

    Ich denke, dass man das wirklich ohne Paranoia diskutieren sollte. Meine drei älteren Kinder (zwischen vier und zehn) beispielsweise frage ich bei Fotos immer, bevor ich sie zugänglich hochlade. Meine kleinste kann noch nicht reden.
    Selbstverständlich muss ich als Eltern verantwortlich mit den Rechten und Interessen und Schutzbedürfnissen und dem irgendwann aufkommenden Fremdschämen der Kinder umgehen. Und so, wie ich sie nicht auf Elternabenden bloßstelle oder an Werbefirmen verhökere, habe ich auch beim Bloggen oder beim Flickrn oder so was auf sie zu achten.

    Nur: Erziehung und Verantwortung für Kinder beinhaltet immer auch Eingriffe in die Privatsphäre des Kindes, das kann nicht anders gehen.

  38. 38
    Kleines Frühstück

    Mir wurde vor ca. 6 Jahren mal das Portemonnaie geklaut. Da war ein Kinderbild von mir drin: ich als Kleinkind bei Bekannten auf“™m Topf. Wenn ich mir vorstelle dass irgend so ein fremder Typ jetzt… Ekelhaft, hoffentlich hat er“™s/sie“™s weggeschmissen.
    Ich fand als Fotografin auch schon immer diese Kinderportraits in diesen grauenvollen Fotostudios schrecklich!
    Fazit: Kinderfotos im Netz geht nicht, weil die eben noch nicht selbst darüber entscheiden können!

  39. 39

    Eltern, Vorsicht!

    Sonst ruft der böse Onkel Alphonso an und macht Eure Blagen rund.

  40. 40
    TriIIian

    Seine Bilder massenweise ins Netz zu stellen ist ein bisschen wie im Schaufenster zu wohnen. Ich finde auch, das sollte man nur mit mündigen Leuten machen, die darüber selbst entscheiden können.
    Kinder gehören nicht dazu.
    Lusiol, natürlich verirrt sich normalerweise niemand Fremdes auf solche privaten Seiten. Aber was ist, wenn jemand, der ganz zufällig vorbeisurft (warum auch immer), ein witziges Bild bei dir entdeckt und von seiner eigenen Seite aus darauf verlinkt? Wenn dieser Jemand dann noch viele Leser hat? Man hat Null Kontrolle mehr darüber, was mit den Bildern passiert.
    Natürlich kann einem das theoretisch auch mit Freunden passieren, denen man privat ein Bild von den Kindern gegeben hat. Aber da entscheidest du immerhin, wem du die Bilder gibst (und wem nicht).
    Vor zwei Jahren ist in unserem Bekanntenkreis ein Kind bei einem Verkehrsunfall gestorben – vom LKW überfahren worden. Was die Medien (Bild und Co) da alles in Gang setzen, um an ein Bild des Kindes zu gelangen, kann sich niemand vorstellen. Wie praktisch, wenn man dann einfach nur im Netz surfen muss…

  41. 41
    jan

    Wow! Ich bewundere immer wieder die Medienkompetenz und das Datenschutzbedürfnis meiner Mitmenschen. Mir scheint das irgendwie nicht gegeben zu sein. Mein kleiner Sohn ist auf Flickr ganz gut vertreten und meine Familie freut sich drüber. Mit Passwortschutz würde ich mit einem Schlag meine Familie und Freunde ausschliessen (die Leute merken sich doch sowas – leider – nicht). Natürlich fänd ich’s auch schöner, wenn Omma mal eben zum Babysitten vorbeikommen würde, aber leider wohnt Omma nicht ganz um die Ecke. Und da lasse ich meine Freunde und Bekannten lieber „öffentlich“ teilhaben als ganz darauf zu verzichten.
    Natuerlich versuche ich mit gesundem Menschenverstand an die Sache zu gehen und keine – potentiell – peinlichen Fotos hochzuladen und allzu eindeutige Referenzen zu vermeiden (wobei das Puzzle wahrscheinlich in ein paar Jahren dann doch irgendwie zusammengesetzt werden könnte). Aber ich finde es auch etwas übertrieben, die Persönlichkeitsrechte eines Babies angegriffen zu sehen. Oder dürfen die Eltern die alten Alben mit den „peinlichen“ Fotos auch nur nach schriftlicher Genehmigung ihrem Besuch zeigen?

  42. 42
    TriIIian

    Jan, das ist es doch gerade: bei deinem Besuch weißt du (jedenfalls nehme ich das jetzt mal an), wer da in deinem Wohnzimmer sitzt und du überlegst dir auch vorher, ob du ihm die Bilder zeigst.
    Du stellst dich nicht in der Fußgängerzone ins Schaufenster damit. Auch nicht in einer Seitenstraße.

  43. 43
    TriIIian

    Johnny, deine Uhr (Timestamps der Kommentarbeiträge) geht übrigens falsch ;-)

  44. 44
    jan

    Mmh, vielleicht ist das ja naiv, aber mit ist die reale Freude meiner Familie und Freunde an den Fotos irgendwie wichtiger als die theoretische Möglichkeit des Missbrauchs.

  45. 45
    leo

    Dinge im Internet zu veröffentlichen ist einfach nicht das gleiche, wie sie ein paar Freunden zu zeigen. Solche Vergleiche speziell mit dem Internet führen zu nichts (Röhrensystem, Marktplatz, Briefkasten).
    Ich finde Passwortschutz bei sowas gut. Es bedarf ja keiner High-End-Technologien um die Masse auszuschliessen. Und wenn die Tanten und Ommas sich das nicht merken können, kriegen sie halt ein Erinnerungskärtchen. Irgendwann kapieren sie das schon, schliesslich sind sie ja auch in der Lage den Zusammenhang zwischen Telefonnummer und Angerufenem herzustellen und gewöhnen sich daran, die Telefonnummern in ein kleines Buch zu schreiben, weil sie wissen, dass das Anrufen sonst nicht funktioniert.

  46. 46
    sunny3d

    Bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt. Wenn man nicht wüsste, dass es ein Kind ist, könnte man auch ein Alien mit großen Spockohren dahinter vermuten.

  47. 47

    Ich sehe das etwas ähnlich wie der Johnny. Man weis ja nie was kommt ;-)
    Mal ehrlich, ohne Paranoia zu haben. Mann muss doch nicht gleich noch einen Haufen Geschichten zu den Fotos der Kinder hinzufügen. Es reicht doch wenn man die Fotos einfach irgendwo hochlädt und der lieben Verwandtschaft dann den Link schickt. Die können sich alle ihre Fotos runterladen und beim nächsten Kindergeburtstag gibt es dann wieder Neue. Die älteren Fotos kann man dann wieder löschen (so mache ich das jedenfalls).
    Auf der anderen Seite schreibt Johnny bei Kommentar 2:

    Und woher weißt du, dass sich in 10 Jahren der googlende Nachbar/ Freund/ Feind/ Arbeitgeber deiner Kinder nicht doch auf die Seite oder was dann von ihr im Cache übrig ist verirrt?

    Wir werden glaube ich nicht daran vorbei kommen, irgendwann alle gläsern zu sein und auch mir bereitet es noch ein unangenehmes Gefühl wenn ich daran denke. Authentizität also Echtheit ist es was die Menschen ertragen werden müssen. Niemand kann seine Vergangenheit so einfach hinter sich lassen. Aufmerksamkeit wird mehr darauf gelenkt werden, wie ein Mensch mit seinen Fehlern und Schwächen umgeht und die Menschheit will sich selbst outen (was man an vielen Blogs schön erkennen kann). Bis es so weit ist werden sicher noch ein paar Jahre verstreichen und es wird so schleichend kommen wie es die Menschen ertragen können – also KEINE PANIK!

    Gruß
    Felix
    P.S. Warum anonym Kommentieren solange ich nur meine Meinung sage?

  48. 48

    …schlimm sowas, echt schlimm. dass man in diesem land sein eigentum nicht vorzeigen darf. ganz schlimm.

  49. 49
    leo

    @#50: Meinst du mit „sein eigentum“ die Kinder? Die darf man im Gegensatz zu anderem Eigentum z.B. auch nicht verkaufen.

  50. 50

    Was ist denn eigentlich mit den Persönlichkeitsrechten des Kindes? Das Kleine kann sich doch nicht wehren und wird Opfer seiner exhibitionistischen Eltern. Vielleicht liegts daran, dass der Exhibtionismus im Netz allgemein um sich greift wie eine ansteckende Krankheit.

  51. 51

    @jan:

    wie waere es wenn du einfach deine freunde/familie zu dir einlaedst. dann koennen alle deine kinder in natura bestaunen. wenn das nicht (immer) moeglich ist, gibt es ja auch noch den weg die bilder per post an oma zu schicken.
    denn, wenn eine passworteingabe deine oma schon vor probleme stellt, dann weiss ich nicht ob internet unbedingt das richtige fuer sie ist.

  52. 52

    Was einmal ins Netz gestellt wurde kann nicht so leicht zurückgenommen werden. Und gerade im Zusammenhang mit der kommenden Vorratsdatenspeicherung würde ich mir doppelt, dreifach und vierfach überlegen ob ich Bilder meiner Familie, meiner Freunde oder meiner Partner ohne Rücksprache ins Netz stelle. (Öffentliche Veranstaltungen wie Conventions nehme ich da mal bewußt aus, bei Menschenmassen ist das sowieso eher unproblematisch aber kleine, intime Treffen müssen nicht im Netz landen.)
    Sorge macht mir auch nicht die einzelne Anwendung an sich, aber Mashups, die Daten von mir aus vielen Quellen zusammenführen sind definitiv etwas vor dem mir graut – und wer weiß wo dann meine Daten landen.
    Jeder hat was zu verbergen – seine Privatsphäre nämlich und das gilt dann auch erweitert für Familie und eigene Kinder.
    Ad Astra

  53. 53

    Es sollte ein verbrieftes Recht auf den Datenschutz Minderjähriger geben, dessen Kern die Eltern nicht durch Zustimmung antasten können.

  54. 54

    Zu viele Kommentare um hier noch zu kommentieren. Aber das ist schon ein komisches Gefühl, nicht wahr, wenn man warnt und keiner hört zu :-)

  55. 55

    @jan (43): ich mache es genauso: photos meines kindes liegen paßwortgeschützt in einer galerie (nicht bei flickr); wenn es einen schwung neuer bilder gibt, dann bekommen die interested parties eine mail, und jedes mal (ich sollte mir da mal ein template machen) steht der zugangscode noch mit drin. das ist zwar nur so sicher, wie emails halt sicher sind, aber man braucht wenigstens kriminelle energie, um an die bilder zu kommen. und es gibt keine probleme beim zugang.

    (und wem das zu viele technologische hürden sind, der bekommt die bilder sowieso per post.)

  56. 56
    Max

    Ist Datenschutz nicht eine Illusion?

    Es beginnt damit das man ein Impressum für die Webseite mit Adresse angeben muss, ebenso bei der Registrierung einer Domain.

    Jeder gibt seine privaten Daten beim Emailverkehr den „kostenlosen“ Anbietern preis, die meist irgendwelche Firmen sind. Bei Google zum Beispiel wurde schon mehrfach versucht sie zur herausgabe der Daten zu zwingen, bisher ohne Erfolg (zumindest nicht öffentlich bekannt), aber das der Standardwebzugang mittlerweile http (mitlesbar) und nicht mehr https (secure) ist spricht Bände. Man muss sich schon bemühen um weiterhin einen https Zugang zum Webinterface zu erreichen.

    Grossbritannien bemüht sich gerade eine Datenbank für alle Kinder und Jugendlichen durchzusetzen die dann „bestimmten“ Gremien zugänglich sind. Da sie aber die Lücken in solchen Systemen kennen gibt es da ein Hintertürchen für Reiche und Bekannte Leute die davon ausgeschlossen werden. (leider finde ich gerade den Link zu dem Artikel nicht)

    Von den ganzen schönen Kundenkarten ganz zu schweigen. Nen Peilsender (Handy) tragen ja mittlerweile auch alle mit sich rum.

    Weiter gehts mit Videoüberwachung.. Auf der Friedrichstrasse in Berlin sind ca. 100 Kameras.

    Ich für meinen Teil bin sogar gegen den Datenschutz, weil er momentan sowieso nur eine Floskel ist und die Leute in Sicherheit wiegen lässt. Dann soll man doch alle Daten allen Leuten zugänglich machen, dann entwickelt sich daraus ein Bewusstsein für die gesammelten Daten und es werden vielleicht auch nicht mehr soviele gesammelt.
    Außerdem ist es doch gut wenn die Unternehmen wissen was die Leute wollen, dann können sie viel besser unsere Bedürfnisse befriedigen (*träum*). (Natürlich befriedigen sie lieber ihre und falls es gut für sie ist auch die unseren)

    Ich für meinen Teil finde das die vielen Daten die gesammelt werden niemals ein richtiges Bild einer Person beschreiben und man dadurch die Personen schon in Schubladen steckt bevor man sie wirklich kennt.
    Früher habe ich mal ein Projekt betreut, bei dem der andere Projektleiter in Wien saß und wir ca ein Viertel Jahr immer nur per Telefon und Email kommuniziert haben. Als wir uns dann mal richtig getroffen haben, war die Einschätzung und Kommunikation dann ganz anders. Ich bin der Meinung ein paar Daten können einen Menschen nicht wirklich beschreiben.

    Ich finde es auch schade das heutzutage viele versuchen „Fehler“ oder „Ungereimtheiten“ in ihrem Leben zu kassischen. Man macht nunmal Fehler und das Recht sollte man anderen auch einräumen und nur weil jemand mal irgendwann scheiss gebaut hat ist er nicht ein schlechter Mensch. Und wenn ich lese das Leuten dann vielleicht mal Babybilder peinlich sind, dann weiss ich ehrlich gesagt nicht warum! Ist es so schlimm auch mal über sich selbst zu lachen? Sind es nicht gerade die alltäglichen Geschichten die die „Stars“ erst wieder menschlich erscheinen lassen?

    Stellt euch vor jeder weiss alles über dich! Wäre das nicht befreiend? In jeder Lebenslage einfach nur du selbst sein ohne Maskarade!
    Unwissenheit fördert Vorurteile! Ein wirklich eindrucksvolles Beispiel hatte ich vor ein paar Jahren in Dresden, als dort das „Jahrhunterhochwasser“ war. Beim Sandsack schleppen und beim späteren Aufräumen war jeder gern gesehen egal welches aussehen. Es war einfach herrlich zu sehen wie Jugendliche mit Dreadlocks und Punker mit den „Alteingesessenen“, die sich sonst nicht einmal begrüssen, obwohl sie Nachbarn sind, zusammenarbeiteten und später dann so Sätze kamen „sie sind sehr hilfsbereit und man kann sich gut mit ihnen unterhalten“. Und das über Leute die sich wenige Wochen vorher, aus Unwissenheit und des Vorurteils wegen, nichtmal eines Blickes gewürdigt haben.

    also nochmal Kurz: lieber mehr Freiheit und Toleranz also noch mehr Gesetze und Angst.

  57. 57
    flynn

    Johnny, konsequenterweise solltest du dann aber auch aufhören Erlebnisse mit deinen Kindern im Podcast zu veröffentlichen. Vielleicht ist denen ja z.B. das Deutschlandhymen-Gesinge auch irgendwann mal peinlich. Deine Kinder haben auch da ein Mitspracherechte, dass sie mangels geistiger Reife noch nicht ausüben können…

  58. 58

    das mit dem Datenschutz-Abschaffen „Gegen-Datenschutz-Sein“ ist ja ein netter Gedanke, wenn es darum geht, das Bewusstsein für den Umgang mit Daten zu stärken. Aber auch ein stumpfes Schwert ist letztendlich eine Waffe, mit der ich jmd. auf den Kopf hauen kann. Es hilft mir zwar nicht gegen alles und jeden, aber immerhin. Ich kann mir zB nicht vorstellen, dass man gegen ein Waffen-Für-Jedermann-Verbot sein kann, nur damit man abends auf dem Heimweg sich der drohenden Gefahr mit einer Waffen überfallen zu werden, bewusster ist. Also ich für meinen Teil bin ganz froh, wenn es hier und da noch festgeschriebene Grenzen gibt, deren Übertreitung man anprangern kann.

    So. Und mein webmiles-Konto lösche ich jetzt auch. Husch-Husch.

  59. 59

    ich empfinde den eintrag und die kommentare als sehr beunruhigend, so hab ich das auch leider noch nicht gesehn, schreibe auch ein mitunter persönliches blog und veröffentliche auch bilder meines sohnes. allerdings immer aus meiner perspektive. zwei sachen würd ich gerne noch in den raum werfen:
    zum einen sind doch die bilder ob bei flickr und/oder bei den meisten blogs durch cc oder ähnliches geschützt, so müsste beispielweise die bildzeitung um mein einverständniss vor der veröffentlichung fragen. zum anderen hab ich das gefühl das mich dieses problem zu geheimnisstuerei zwingt, welcher ich mich nicht anschliessen möchte, können wir nich lieber alle aufhören privatsphären anderer, ganz einfach zu respektieren, egal ob ich zugang dazu habe oder nicht? und so werd ich einfach weitermachen, vorerst jedenfalls. euch allen einen maximalen wirkungsgrad noch!

  60. 60
    leo

    „können wir nich lieber alle aufhören privatsphären anderer, ganz einfach zu respektieren“
    Du meintest „anfangen“, oder?
    Das Problem dabei ist, dass die ganze Sache in’s Wanken gerät, sobald nur einer von Millionen das nicht respektiert. Am problematischsten finde ich, dass momentan viele Gesetze in die andere Richtung aufgeweicht werden.

  61. 61

    flynn, wir bemühen uns da um angemessene Vorsicht, aber eine komplette Selbstzensur würde bei uns nicht funktionieren.

    Wir reden von unseren Kindern, da sie zu unserem Leben gehören, werden aber sehr selten detailliert, nennen z.B. nie Namen, genaue Orte etc.. Wir erzählen nur Geschichten, die wir tatsächlich auch in jeder Gesprächsrunde mit Unbekannten erzählen würden.

    Es ist alles speziell in einem Blog eine Gradwanderung, na klar. Was man aber feststellen kann: wirklich persönliche Geschichten haben bei Spreeblick nachgelassen, seitdem es nicht mehr nur ein Dutzend Leser sind. Das ist irgendwie schade, geht aber nicht anders.

  62. 62

    uups, ja, „anfangen“ meinte ich.

  63. 63
    Sabine

    Sicher, Privatsphäre gilt es zu akzeptieren. Ist aber manchmal mitunter schwer durchzusetzen, wenn sich im Netz viele mit Persönlichem auf dem Präsentierteller zeigen. Vor einiger Zeit hatte ich mich bereit erklärt für unser Abitreffen bei der Recherche nach „žverloren gegangenen“ Mitschüler/innen zu helfen. Bin also ins Internet, in Google, Namen eingetippt, Bildersuche angeklickt usw.. Mir standen die Haare zu Berge, was sich mir da an Bildern, putzigen Kinderfotos, lustigen Anekdötchen etc. bot. Wollte ich alles gar nicht wissen, hat mich aber doch — ich geb“™s ja zu — irgendwie fasziniert. So in dem Sinne „žach schau“™ mal, der hat doch immer auf cool gemacht. Jetzt hat sein Sohn so einen konventionellen Namen.“ Musste dabei auch schmunzelnd an die Zeit der Volkszählung denken (damals im Westen Mitte der 80er Jahre — erinnert sich jemand?), als wir lieber eine Strafanzeige riskieren wollten als dem Volkszähler an der Tür unseren Namen (der sowieso auf dem Klingelschild stand) und Familienstand preiszugeben.

  64. 64

    das stoert mich schon sehr lange, das eitle hausieren gehen mit den kinderfotos. frage mich, wieviele heimliche elterliche kindermissbraucher dort verdeckt ihre sproesslinge auf den markt bringen wollen. ich weiss, dass klingt provokant, aber es gibt so etwas. auch in der wikipedia tummeln sich ja verdeckt und anonym mitglieder von kinderschaendernetzwerken. traurig, aber leider war.

  65. 65

    Passend zum Thema bin ich vorhin zufällig beim ersten Klick auf „next blog“ in meinem (noch) Blogger.com gehosteten Blog auf folgenden neuen Blogger-Blog gestossen:

    http://marcojunior.blogspot.com/

    Ob das so gewollt war?

  66. 66
    Tim

    Der Wahnsinn eines solchen Tuns ist mir bei folgender Gelegenheit aufgefallen: Ich hatte 1998 einige Fotos meines Neugeborenen auf meine homepage gestellt. Für die Verwandten. Sollten auch nur einige Tage drauf bleiben, alles kein Problem.

    Zufällig war ich dienstlich damals in Berlin und abends haben wir in der Tacheles-Kneipe noch ein paar Bier nach dem Arbeitstag eingenommen. An den Wänden hingen Displays mit Tastaturen davor und man konnte ins Internet. War damals ja noch nicht so verbreitet und diese Computer waren der Treffpunkt für einiges seltsames Volk (90er Jahre Tacheles halt). Ich habe die Seite mit den Babyfotos aufgerufen umd es meinem Kollegen zu zeigen.

    Da hin nun das Foto eines wenige Stunden alten unschuldigen Babys in einer verrantzen dunklen Berliner Szene-Kneipe und drumherum sehr abenteuerliche Gestalten.

    Das hat mir einddrucksvoll gezeigt, dass private Fotos nichts im öffentlichen Internet verloren haben.

  67. 67
    TriIIian

    @stephan (Nr. 61)
    Ich glaube kaum, dass die Bildzeitung in solchen Fällen erst nachfragen würde. Lieber bringen die so ein Foto erstmal auf die Titelseite und riskieren eine Abmahnung. Dafür bezahlen die doch sicher ein Heer Anwälte. Die meisten Fotos sind doch für die eh nicht von Interesse. Aber WENN sie mal eines brauchen, warum auch immer, schrecken die vor nichts zurück.
    A propos Privatsphäre respektieren: das ist ja heute insgesamt mehr und mehr auf dem Rückzug. Man denke nur einmal an die ungewollt mitgehörten Privat-Telefongespräche in der U-Bahn, die einem so aufgenötigt werden. Wie oft muss man sich da Dinge anhören, die man gar nicht wissen will. Letztens machte neben mir ein mir völlig unbekannter junger Mensch mal eben per Handy mit seiner Freundin Schluss. Muss das denn sein?

  68. 68
    RC

    „Eltern“ (“ weils natürlich nicht pauschal gemeint ist) sind doch sowieso „Wahnsinnige“.

    Wegen den Bildern: Eltern haben ohnehin schon immer überhaupt jedem Bilder ihrer Kinder gezeigt. Oft auch völlig ungefragt. Wer kennt nicht die berüchtigten Fotoalben mit peinlichen Babyfotos die einfach aufgeklappt und jedem gezeigt werden, zu den unpassendsten Anlässen (okay, vorausgesetzt es gäbe Passende). Oder auch die Eltern die Bilder ihrer Kinder in der Brieftasche dabei haben und dann rumzeigen. Die Bilder jetzt gleich ins Netz zu hängen ist ja das gleiche Verhalten, nur eben mit potentiell weitaus schlimmeren Folgen (die die „wahnsinnigen“ Eltern nicht einmal erahnen).

    Viele Eltern verhalten sich ohnehin so, als hätte man bestimmte Teile ihres Gehirns gelöscht (als wären sie selbst z.B. nie Kinder gewesen), gutes Beispiel sind Mütter die ihren Kindern Klamotten anziehen mit denen es in der Schule Ärger geben _wird_ und lachen dann auch noch so, wenn das Kind, dass es in der Situation einfach besser weiß, protestiert. Aber das ist jetzt zu offtopic.

    Ich habe leider nicht alle Beiträge lesen können (zuviel Text™), aber ich sah so Zeug wie „mit den Daten die es gibt kann man eh kein vollständiges Bild der Person erstellen“. Selbst wenn das so wäre/auch weiterhin so sein wird: seit wann ist es Menschen wichtig, sich ein vollständiges Bild über jemanden zu machen, bevor sie über jemand anderen/diese Person urteilen? Hallo? Draussen auf der Strasse siehts ja auch so aus, das sich alle Menschen gegenseitig an den Händen fassen und den ganzen Tag lang miteinander auf einer grünen Wiese tanzen oder wie? Hahahahahaha. In der Anti-Terror Datei erfassen sie auch erstmal deinen Namen und dann biste Terrorist, reicht völlig. ;) Time to get real: Arbeitgebern genügt es völlig zu wissen ob man raucht/trinkt/schwul ist… Krankenkassen genügt es zu wissen das man vielleicht eine Veranlagung für Krankheit X hat und so weiter und so fort. Es spielt _für keinen_ dieser „Entscheider“ eine Rolle ob man ansonsten ein Mensch ist, der sich vor einen fahrenden Zug werfen würde um einem völlig fremden Menschen das Leben zu retten.

    Nur mal paar Punkte, damit es kein Aufsatz wird:

    Geheimdienste finanzieren schon heute Projekte, um all diese Daten in Datenbanken zu konvertieren, die Leute freiwillig über sich selbst ins Netz stellen. Und mir möge bitte jetzt niemand mit diesem V. Wort kommen das ich so hasse, weil das hier einfach Realität ist. Ich gebe trotzdem lieber Quellen.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/74104

    Des weiteren kommt die Technik, jeden vollautomatisch von biometrischen Systemen überall „im Vorbeigehen“ identifizieren zu lassen. Das ist sogar schon von der Bundesdruckerei _beworben_ worden, auch wenn sie es offensichtlich von ihrer Seite gelöscht haben. Ich frage mich warum?

    http://bluearchive.wordpress.com/2006/08/07/epass-vergabe-in-usa-beginnt/

    Eigentlich möchte ich nur sagen, Eltern sollten sich um ihre Kinder kümmern etc., dazu gehört es auch, nicht wildfremden Menschen Informationen über sie zu geben. Super-besorgt zu sein, wenn das Kind mit dem „falschen“ Spielzeug spielt, aber dann jedem Fotos (in datenbankgerechter, digitaler Form) unter die Nase zu halten usw., passt einfach nicht zusammen. Ich denke es ist längst an der Zeit sich dieser Thematik bewusst zu sein, gerade Eltern sollten es endlich mal sein.

  69. 69

    Danke für die Diskussion! Ich will mich mal von der anderen Seite melden und erklären, warum ich über meine Tochter blogge. Vielleicht interessiert das ja jemanden?

    Eltern mögen wahnsinnig sein, das stimmt. Ein Kind zu bekommen, ist einfach das überwältigendste und wohl auch umwälzendste Ereignis in einem Leben. Da wird man dann halt ein bisschen gaga. Für mich war und ist der Blog eine Möglichkeit meine Gagaität auszuleben, ohne alle die zu belästigen, die sich dafür nicht interessieren. Wer sich interessiert, kann mitlesen, wer nicht, darf es sich sparen.

    Was ich sehr genieße, ist, dass sich mit der Zeit Mitleser einfinden, die auch kommentieren und so eine kleine Gemeinschaft von „verwandten Seelen“ entsteht. Da kann man auch mal dumme Fragen stellen, gemeinsam lachen etc. Naja, jeder der ein Themenblog hat oder liest, wird das kennen. Tja, und wenn man da so in trauter Runde ist, dann will man natürlich auch das Goldstück zeigen. Und zwar ständig. Weil es ist ja so niedlich…

    Die Freude an der Gemeinschaft ist es im übrigen auch, die Passwortschutz etc. unattraktiv machen. Wenn es nur um die Info für die Verwandtschaft ginge, bräuchte ich kein Blog schreiben.

    Ich weiß jetzt, dass das etwas naiv ist. Und ich gehe aus dieser Diskussion nachdenklich raus. Für mich stellt sich jetzt die Frage, wie lange ich das noch „verantworten“ kann. Mal sehen…

  70. 70

    da kann ich nur mit dem tv-werbeopa auf dem moped sagen: „junge, entspann dich mal“. seit zig zehntausenden von jahren kriegen menschen – wie tiere auch – nachwuchs. ganz normaler biologischer kreislauf. fuer dich ist es etwas besonderes – aber fuer die welt? eltern finden ihre kinder immer „einmalig“, so what. und deinen kleinen tust du keinen gefallen, wenn do so einen hype um sie veranstaltest. liebe sie, zeige ihre fotos den kollegen – aber verschone die welt. ist besser fuer alle. und wieso verleidet passwortschutz die „freude an der gemeinschaft“? nichts fuer ungut.

  71. 71
    RC

    @Klabauter

    „Vielleicht interessiert das ja jemanden?“

    Genau das ist doch der Grund, aus dem sich manche hier _dagegen_ ausgesprochen haben. _Würde_ es _alle_ langweilen wäre es ja in der Tat egal und könnte sowieso keine negativen Folgen haben.

    Aber leider interessiert es auf alle Fälle „jemanden“ und zwar vielleicht genau die Leute, von denen man ganz sicher nicht möchte, das diese die eigenen Kinderbilder sammeln – die sie ohne die eigene (freiwillige) Hilfe vielleicht nie in die Hände bekommen hätten.

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