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Erst verbieten, dann fragen

Wenn das ZDF eine Jugendsendung macht, etwa Bravo-TV, dann ist der Durchschnittsgreis vor dem Fernseher 46 Jahre alt. Kein Wunder, dass man sich da Jugendthemen mit einer ordentlichen Portion Hass annimmt. So zum Beispiel mit dem Beitrag „Wie Kinder Spaß am Morden finden“, der im Kulturmagazin „Aspekte“ ausgestrahlt wurde. Es geht natürlich um Ringerclubs Schützenvereine Schachverbände Computerspiele. Die Aushilfsgandhis von „Aspekte“ sind dagegen und fordern Spieleverbrennung. Wie es aussieht, wenn jemand sich mit dem Thema auseinandersetzt, der jung und gutaussehend ist und sich auf dem Gebiet auskennt, könnt ihr bei d-frag nachlesen. Chris hat gründlich recherchiert und ein paar passende Antworten auf die sorgenfaltigen Großjournalisten gefunden.

24 Kommentare

  1. 01

    In der ersten Ausgabe der Trash-Comedy „die Freudenshow“ haben wir die richtige Antwort darauf gegeben, denke ich. Nach Killerspielen sollte man jetzt auch Singstar und The Sims verbrennen ;-)

    Zu finden unter:
    http://www.die-freudenshow.de/2006/10/16/a-new-star-is-born/

    Freudige Grüße!

  2. 02
    stefanx

    oh mann. es geht um ein recht ernstes thema, danke an malte für den link rüber zu d-frag. videospam kann man sich da bitte mal sparen.

  3. 03
    Malte

    Da ist tatsächlich eine witzige Reportage-Satire über Sims-Sucht enthalten. Ist kein Videospam. Aber dachte ich auch erst :)

  4. 04

    @stefanx: Videospam? Sorry – aber in dem Video geht es genau um dieses Thema. Ist das letzte Item der Show – eine (natürlich überzeichnete) „Reportage“ über Computerspiele… Mit Spam hat das nix zu tun… Aber back2thetopic ;-)

  5. 05

    Übrigens sollte man nicht nur Spiele, sondern auch viele Bücher verbieten, zum Beispiel dieses hier.

  6. 06

    Die Leute verbieten gern alles, was sie nicht kennen oder zu brauchen meinen. Fachausdruck dafür: Xenophobie – befällt keineswegs nur den Pöbel.

  7. 07

    Für so ne Wissenssendung bei so nem privaten TV wollten die mal von mir was zu SIMS haben. Als es dann aber losging mit von wegen wie schädlich das Spiel sei, da wollten die nicht mehr.

  8. 08

    Bei solchen Menschen Verständnis für Computerspiele zu erlangen, gleicht dem Versuch einem Rindvieh die physikalischen Grundlagen des Fliegens verständlich zu machen: Es ist nicht möglich. Das Thema eSports vergessen wir gleich komplett. So durchlebt jede neue Generation ihre Revolution: In Südkorea gibt es 50 x aktive WoW-Spieler wie auf der restlichen Welt. Dort gibt es WoW-Lounges im Flughafen und 3 Fernsehsender nur zu Thema eSports! Gegen Asien wirkt Deutschland wie ein Entwicklungsland. Unabhängig davon ist die Diskussion getränkt von PC und Gutmenschen-Moral. Wie immer.

    #

  9. 09

    schlimmer noch als diese art der xenophobie finde ich die unglaubliche bigotterie. das sind doch genau dieselben leute, die abends ihren enkelkindern grimm’s märchen und max und moritz vorlesen (und natürlich bibeltreue, unreflektierte christen sind, nr. 5).
    das sollen sie ja auch tun, aber dann bitte das empören sein lassen.

  10. 10

    danke heidrun, an die märchen musste ich auch denken. oder auch an betrunkene politiker, die lallend über die ach so böse droge cannabis herziehen. stets ist das muster das gleiche: was sich für die zielgruppe als schlimm und schlecht aufbauschen lässt, wird zur geißel erklärt und mit verbotsforderung belegt. und vor lauter vordergründigkeit kommen hintergründe gar nicht mehr vor. es könnte ja den anflug von komplexität bekommen. :/

  11. 11

    Töten ist, genau wie viele andere Dinge, eine Kulturleistung. Und wie es so läuft sind wir Menschen sehr stolz darauf unsere Kultur zu pflegen und zu erhalten. Ob man es da sinnvoll nennen kann, sogenannte Ballerspiele zu verbrennen, weil man sich nicht gern an seine evolutionären Wurzeln besinnt und die eigene Neigung zur Gewalt lieber unter allerlei Vernunft begräbt muss nicht erst erörtert werden. Die Nazis wollten auch lieber in der Wärme stehen, als die Texte der Bücher reflektieren.
    Im übrigen sollte die Frage erlaubt sein, wie friedliebend Menschen sind, die andere Dinge anzünden, um sie zu vernichten. Ist sicher ein Aspekt, auf den Aspekte lieber nicht eingehen will.

  12. 12

    Also vom Spiele verbrennen hat ja keiner geredet, sondern vom verbieten. Allerdings, siehe den Kommentar von Tanja bei d-frag, sind die täglichen Nachrichten doch viel gewalttätiger als jedes Spiel (wie ich übrigens auch finde). Was mir in dem Zusammenhang einfällt sind auch die 13 gruseligsten Amerikaner hier

  13. 13

    In den USA ist ein Killergame namens Postal 2 absoluter Kult. Sie veranstalten dort Events, mit Rockmusikern, „Miss Postal-Wahlen“ ect. pp.
    Hier in .de wären da einige auf den Barrikaden. „Miss Postal“ würde man Frauenfeindlichkeit und Sexismus vorwerfen, statt Rockbands würde man „Deutschland sucht den Super-Dude“ veranstalten („Dude“ ist der Protagonist des Spiels).
    Das Game ist so dermaßen überzogen gewalttätig wie ein Takashi Miike-Film, so dass man Selbstironie und Sarkasmus in jeder Spielszene erkennt. Des Dudes Dialoge erklären den Rest. In .de kann man mit Begriffen wie „Ironie“ nichts anfangen, zudem versteht man kein Englisch. Es gab ja unlängst eine Diskussion, welche Songs aus den 60/70ern im Radio nie gespielt worden wären, hätte man die Lyrics verstanden. Selbst die Werber mussten feststellen, dass „Come in and find out“ niemand so recht begreift.
    Ich denke, die Zensurwut hat auch viel mit Lernresistenz zu tun.

    Gegen Asien wirkt Deutschland wie ein Entwicklungsland.
    Deutschland ist in vielen Belangen ein Entwicklungsland. Es geht ja nahezu taglich einen Schritt zurück. Wir alle tragen dazu bei, weil wir uns das gefallen lassen.
    Als damals die „Freiwillige Selbstkontrolle Unterhaltung“ (USK) aus dem Boden gestampft wurde, nahmen wir das einfach so hin. Ungeprüfte Spiele waren plötzlich automatisch auf dem Index. So z.B. PacMan! Niemand wäre auf die Idee gekommen, dieses Spiel prüfen zu lassen. Und es nachträglich durch die Kontrolettis absegnen zu lassen, hätte einen Haufen Geld gekostet.
    Irgendwo hatte ich gelesen, dass einige Spieleschmieden den deutschen Markt mittlerweile ignorieren, weil es zu alben und zu kostspielig sei, die Games zu modifizieren (Blut aus grünen Pixeln u.s.w.)

  14. 14

    Das grundlegende Problem ist, dass wir Kausalfetischisten sind (besonders unsere Volksverwerter). D.h. wir suchen immer nach dem einen Grund, der das Problem verursacht. Früher hat das gut funktioniert (Dorfbewohner tot, Säbelzahntiger ist schuld) aber heute haben wir es i.d.R. mit komplexeren Mechanismen zu tun.

    Es verkauft sich eben besser hinter Erfurt nur das Computerspielen als Ursache zu behaupten. Dass Robert(?) mehrere Probleme hatte (schulische wie familiäre), die sich u.U. noch gegenseitig bedingen wurde komplett ausgeblendet – man kann so etwas halt schlecht in einem Satz erklären. Computerspiele mögen im schlimmsten Fall ein Mosaiksteinchen sein, nimmt man dieses heraus, bleibt aber das pathogene Bild eines Psychopathen trotzdem erhalten. Anstatt in blindem Aktionismus Computerspiele zu verbieten, sollte man sich eher über die Früherkennung solcher sozialer Zeitbomben Gedanken machen.

    Noch dazu öffnet man mit der Computerspieldebatte ein Hintertürchen für die Erziehungsberechtigten. „Ich hätte mein Kind ja anständig erzogen, wenn nur diese vermaledeiten Computerspiele nicht wären…“.

    Für mich ist es eine Lachnummer, dass ein Land, das sich Meinungs- und Informationsfreiheit ins Grundgesetz schreibt, sich eine Zensurbehörde wie die BPjM leistet. Man sollte den Reiz des Verbotenen v.a. bei Jugendlichen nicht unterschätzen…

  15. 15

    @Seraja Ten: töten ist _keine_ kulturleistung, sondern hat eben etwas mit unseren „evolutionären wurzeln“ zu tun, da hast du dir selbst widersprochen. die kulturleistung hierbei (die absolut notwendig ist) ist meiner meinung nach die im weitesten sinne „künstlerische“ auseinandersetzung mit dem töten. dazu gehören eben auch diese spiele, ebenso wie horrorfilme oder die von miike oder kitano oder tarantino oder oder oder…

  16. 16

    @Acid: „In .de kann man mit Begriffen wie „Ironie“ nichts anfangen, zudem versteht man kein Englisch.“
    ich glaube, erstens verwechselst du den „britischen“ mit dem „amerikanischen“ humor, denn ironie ist keinesfalls fester bestandteil des zweiteren. die meisten vergessen, dass der großteil der us-bevölkerung auf dem land lebt und haben keine ahnung, wie es dort aussieht. filmtip, wenn auch überzogen: borat. da wird die ironiefähigkeit auf eine harte probe gestellt.
    in .de versteht man kein englisch??? aha. wir (spreeblick-leser) sind also teil einer winzigen elite, die es geschafft haben, aus dem englisch-unterricht seit der 5. klasse noch etwas zu behalten. interessant.

    @Po8: zustimmung, vor allem der kausalfetischismus a la „bild“.

  17. 17

    Ich verstehe das nicht. 3sat bzw „neues“ gehört doch auch zum ZDF. Udn bei neues wird über Computerspiele auch recht neutral bereichtet.

    Was für eien Doppelmoral.

    PS: Der Bericht kommt ja von unserem allseits „geliebten“ Rainer Fromm. Der sollte schon Frontal21 Zuschauern in „guter“ Erinnerung sein.

  18. 18

    erstens verwechselst du den „britischen“ mit dem „amerikanischen“ humor

    Ich denke nicht, denn von den Briten kenne ich wenig. Das einzige, was ich aus Britannien mag, sind ein paar Jungle/Drum&Bass-Musiker (und Portishead, of course). Aus den Staaten habe ich ein ganzes Regal voller DVDs, CDs, Tapes. Die meisten mit denen ich im Web zu hab, sind Amerikaner.

    in .de versteht man kein englisch??? aha. wir (spreeblick-leser) sind also teil einer winzigen elite, die es geschafft haben, aus dem englisch-unterricht seit der 5. klasse noch etwas zu behalten.

    Ich bezog mich in 1. Linie auf die Werber, die das Konzept ihrer Denglisch-Spots überdachten, weil sie damit kaum jemanden erreichten. Mich bestärkte das in meiner Ansicht, dass der typische TV-Glotzer ein ganz klein wenig debil ist.
    Der Durchschnitts-Spreeblicker ist natürlich mit einer gar gottgleichen Intelligenz gesegnet und verfügt über eine Allgemeinbildung, die selbst im Tierreich ihresgleichen sucht.
    Das Durchschnittsalter liegt bei 73. Das meist eingeworfene Medikament heißt Viagra, gefolgt von Aspirin und Vivimed gegen Kopfschmerzen.

    Tschuldigung!
    Johnny – gibbet irgendwelche Erhebungen über Alter und sonstige Merkmale der Spreeblickleser?
    Frauen: alle Ende 30, Kampfemanzen
    Männlein: Ende 20, sozial-ethisch auf der sicheren Seite, hoher Veganer-Anteil

    No offence! Just kiddin‘!

  19. 19

    Einen Kommentar zur Diskussion um Gewaltdarstellung in Spielen gibt’s auch von Jon Stewart. Die gezeigten Zitate von US-Politikern („insane jack asses“) sind unfassbar ignorant, bigott und sogar rassistisch.
    YouTube-Link

  20. 20

    @ acid (etwas ot jetzt): nun bleibt die frage, ob die werber (wie kommst du eigentlich auf die?? welche überhaupt? die des spieles?) wesentlich schlauer sind. aber nunja.
    ironie in fremden sprachen ist auch so ne sache. und dann noch im netz! respekt, dass du damit anscheinend keine kommunikationsprobleme bekommst.
    und: monty python kennst du schon, oder? man hört es munkeln, dass die recht häufig zitiert werden… spaß beiseite: was an us-mainstream-komödien so kommt (wonach man sich ja richten muss, wenn man über _den_ amerikanischen humor redet), ist nicht gerade reich an ironie. jedenfalls bei weitem nicht so sehr wie die britischen. und us-fernsehen kennst du auch ein bisschen, ja? da wär ich mir auch nicht so sicher, ob der deutsche tv-glotzer viel debiler ist. während fernsehen in gb mit so tollen sachen wie „absolutely fabulous“ aufwarten kann.
    was aber in deutschland zu viel an „political correctness“, ist mir in den usa zu viel an als toleranz getarnter gleichgültigkeit.
    mit den amis, die ich kenne (alles landeier) brauch ich jedenfalls über ironie nicht zu reden. und das liegt nichgt daran, dass ich sie nicht mögen würde oder ein freund des usa-bashings bin. aber ich bin halt auch kein freund des deutschland-bashings.FREUNDIN, natürlich, habe ja jetzt einen ruf zu verteidigen.

  21. 21

    heidrun:
    spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,310548,00.html
    :-D

    „Eine aktuelle Studie der Beratungsfirma Endmark zeigt, dass weniger als die Hälfte der Deutschen englische Werbesprüche richtig übersetzen können“

  22. 22

    @ acid: überrascht mich nicht allzusehr. „geiz ist geil“ wird ja auch nicht so wirklich verstanden (als unterstüzung einer der ätzendsten charaktereigenschaften, die es gibt). werbesprüche werden nicht „verstanden“, sie wirken einfach. und dass sie das in der muttersprache mehr tun, finde ich überhaupt nicht erstaunlich. btw: who the fuck ist die „beratungsfirma endmark“? komm mal in den usa mit deutschen sprüchen, die haben schliesslich auch deutsch in der schule….
    ach, und ging es nicht um ironie und humor? und eigentlich um games?

  23. 23

    hi hi: endmark.de:
    naming, wording, claiming, testing… wenn die sich da mal nicht selbst ans bein pinkeln…

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