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Wir weinen um Werder

Ein (unter der Woche mit Joggingjoppe eher der Hartz-4-Zielgruppe angepasster) heute feinbezwirnter Thomas Schaaf mit werdergrüner Krawatte mag zum unzähligsten Mal verbittert auf die Gruppenauslosung blicken, die ausgerechnet von Jens Lehmann co-ausgelost wurde, und neidisch auf den Missmut von Ehrgeiz-Olli sein, dessen derzeit einziges Problem neben ihm selbst ein unwichtiges Gegentor des Internazionale Football Club aus Mailand ist.

Während die Bayern, Meister der gehobenen Perspektivlosigkeit, gegen Hinterbänkler des europäischen Fußballs wie Sporting Lissabon oder Spartak Moskau nur zeitweise zum Fußball genötigt wurden, brach Bremen unter der Sumoringer-Last der teuersten Mannschaft der Welt und der des Titelverteidigers zusammen. 0:2 nach 18 Minuten in Barcelona. 0:2 nach 90 Minuten. Nur Platz drei in Gruppe B nach Chelsea und Barcelona. Aus.

Die beste Mannschaft der Bundesliga mit den offiziellen Fooligan-Lieblingen Klose, Frings, Mertesacker und Borowski am Boden. Diego ist nicht Ronaldinho, sieht aber hübscher aus. Ein 0:2-Rückstand in Camp Nou noch zu drehen, ist für ein finanziell eher im AOK- als im Privatversichertenbereich angesiedeltes Team kaum möglich. Die Champions also fortan ohne Bremen. Bayern dagegen wird uns und die Champions League weiter mit ihrem Rumpelfußball quälen dürfen. Hoffentlich nicht zu lange.

Übrigens heißt Camp Nou gar nicht so, sondern Nou Estadi del Futbol Club Barcelona. Aber das trocknet meine Tränen nicht.

9 Kommentare

  1. 01
    Fringser

    Bremen hatte nach dieser tollen CL Saison viel mehr verdient. Ich war gestern am Boden zerstört, sehr sehr schade.

  2. 02

    Ich war ich auch sehr sehr traurig. Werder hat eine tolle und symphatische Mannschaft.
    Fußballerisch hatten sie es verdient, eine Runde weiter zu kommen in der CL, aber sie hatten mal wieder Pech in der Auslosung.
    Ich finde es schade, dass Bayern hier unnötig kritisiert wird, Bayern hat mit Abstand die meisten Punkte geholt in der 5 Jahres Wertung. Außerdem präsentieren sie den deutschen Fußball eigentlich immer relativ lange und gut in der CL. Es gab in den letzten jahren auch schwarze Zeiten für den deutschen Fußball. Aber Bayern,egal was man von ihnen hält, hilft dem deutschen Fußball weiter!

  3. 03

    war auch ziemlich down, aber wenn man spielt wie das kaninchen vor der schlange wirds gegen barca halt schwierig :/

  4. 04
    joshtree

    Als Nichtwerdersympathisant Ewigbayernfan und mit viel Kleingeld fürs Phrasenschwein: Schönspielen zählt nicht! Allein die Tatsache, dass der ganze neu zugezogene SuperInPrenzlauerberg die schicken Leverkusen2002-Shirts weggeschmissen hat und komplett in Grünweiß rumrennt sollte einem zu denken geben! Wahrscheinlich glauben die Leute auch an den Blödsinn vom linken (also „schönen“) und rechten (also „ergebnisorientierten“) Fussball und halten sich jetzt für wahnsinnig alternativ und fortschrittlich.

    Dabei gehts doch immer um irgendwelche Pötte. Mein Fazit aus Fussball WM und aktueller Champions League ist, dass moderner und erfolgreicher Fussball aussieht wie Italien bei der WM, Barca gestern in Halbzeit2, Chelsea immer und Bayern leider nur manchmal: kontrolliert, langweilig, absolut humorlos und furchtbar clever.

    Und: schön, dass jemand die Konstanz der Bayern über ide letzten Jahre hervorgehoben hat! Ich habe lieber ein Viertelfinale Champions League als UEFA-Cup.

  5. 05

    Das kommt davon wenn man Werder auswärts in Buckenburg NRW sieht, sich dabei in der „Destille“ vom Barca-Barkeeper endlos anjubeln lassen muss UND das Vereinscap zuhause vergessen hat…

  6. 06

    Ich hatte beizeiten gegen euer etwas einseitiges Radsportbashing (nicht mehr gefunden im Archiv) gemosert. Unter anderem mit dem Hinweis auf Fuentes‘ medial und öffentlich kaum beachtete Fußballerkunden. Jetzt kocht die Kacke vielleicht doch noch hoch und Barca scheint mittenmang dabei…
    …das wäre eine feine Erklärung für das unerklärlich schwache internationale Abscheiden der ’sauberen‘ Jungs aus der Bundesliga…ähem…
    ein paar Zitate aus Finacial Times http://www.ftd.de/sport/139456.html

    „Real Madrid und der FC Barcelona hätten nicht direkt mit dem Mediziner Kontakt gehabt. Fuentes habe seine Anweisungen an die Mannschaftsärzte weitergegeben, schreibt die Zeitung. In einzelnen Fällen hätten allerdings auch Fußballer den Arzt aufgesucht. Fuentes sagte dem Blatt auf die Frage, ob er für Real und Barça gearbeitet habe: «Das kann ich nicht beantworten. Man hat mir mit dem Tod gedroht. Man hat mir gesagt, dass ich oder meine Familie große Probleme hätten, wenn ich bestimmte Dinge ausspreche. Ich wurde drei Mal bedroht. Ein viertes Mal wird es nicht geben.»“

    „Der Mediziner selbst sagte der Zeitung: «Ich habe für Clubs der ersten und der zweiten Liga gearbeitet, für mehrere Vereine gleichzeitig.» Er bestritt nicht, Dopingmittel verabreicht zu haben“

    „Der Mediziner betonte, dass er nie behauptet habe, nur Radsportler behandelt zu haben. «Ich hatte Leichtathleten, Tennisspieler, Fußballer, Handballer, Boxer und andere Sportler als Patienten.» Dass in den Ermittlungsakten der Polizei nur Radprofis auftauchten, sei vermutlich damit zu erklären, dass der Radsport nicht so eine starke Lobby habe wie der Fußball.“

    Grüße eze

  7. 07

    eze, es mag sein, dass diverse Fußballspieler oder ganze Vereine regelmäßig dopen. Bei Real Madrid scheint es aber nicht viel gebracht zu haben. Auch den Freistoß von Ronaldinho haben Dopingmittel nicht geschossen. Generell wird glaube ich unterschätzt, wie weit viele deutsche Clubs wirklich in ihrer Trainingsarbeit hinterher hinken. Profi-Tennisspieler schütteln über das geringe Trainingspensum von Bundesliga-Fußballern den Kopf, meinte kurzem Nicolas Kiefer in „Rund“.

    Heißt natürlich nicht, dass es dopingfreien Fußball gibt.

    (Übrigens: einige unserer Beiträge sind tatsächlich verloren gegangen. Erklärung siehe hier und dort.)

  8. 08
    Ulfert

    jop, sehr schade. Wiedermal trauern wir, dass ein Spiel 90 Minuten dauert…^^ (Heimspiel gegen Barca)

    Ich sehe jetzt übrigens lieber guten Bremer Fußball im Uefa-Cup als langweiliges Bayern-Gekicke mit nem Ende im Viertelfinale. „Erfolgreich“ hin oder her, 5-Jahres-Wertung hin oder her (soo schlecht war Werder die letzten jahre auch nicht), Fußball wird aufm Platz gespielt und nicht in der Statistik oder aufm Rechenbrett. Lieber zweimal auswärts 6 Tore und ne Niederlage (in der Bundesliga) als dreimal nen knappes 2:1.

    Erfolgsfußball macht berühmt, schönes Spiel unsterblich.

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