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Next-Gen Saves

schach
(Foto: rkimpeljr)

Nachdem die drei großen Konsolenhersteller ja nun die nächste Generation eingeläutet haben, wage ich einen Blick in die Zukunft. Besser gesagt, ich wage mich aufs dünne Eis der vagen (sorry) Ideen, auf den steinigen Weg der… öhm, lassen wir das.

Next-Gen bedeutet derzeit vor allem „mehr“ und „besser“: Mehr Power, mehr Polygone, mehr Pixel. Bessere Grafik, bessere KI, bessere Physik. Nintendo wirft wie in jeder Generation noch einen neuen Controller ins Rennen — fertig ist die Laube, Zukunft, wir kommen.

In den nächsten Jahren werden wir eine Menge neuer Spielkonzepte und Welten ungeahnter Dimensionen erleben. Die Entwickler und Publisher werden versuchen, uns entweder mit wahnwitzigen Effekten wegzuhauen oder mit tiefgründigen Storys zu überzeugen. Und wir werden immer tiefer eintauchen in die spannenden Geschehnisse rund um pfiffige, erinnerungswürdige Charaktere.

Dann klingelt es an der Tür, die Mutter ruft zum Essen, wir werden müde… und befinden uns in der Steinzeit.

Wer mich diese Generation wirklich vom Hocker hauen will, der integriere bitte zwei Funktionen in seine Spiele:

  • Sichern zu jeder Zeit, und zwar den

    EXAKTEN augenblicklichen Zustand

  • Eine mehr oder weniger komplette Übersicht

    über „was bisher geschah“

Ich bin nicht mehr der jüngste, mein Gedächtnis ist gefüllt mit überlebensnotwendigen Informationen, meine Zeit ist kostbar, mein Sozialleben halbwegs intakt. Ich kann (wenn’s hochkommt) zwei Stunden am Stück vor einem Videospiel sitzen, und ich komme (im Zweifel) erst nach Wochen erneut zu einem begonnen Spiel zurück.

In meinem Regal liegen zig Spiele auf Halbmast. Lauter großartige Sachen, nur habe ich kaum noch eine Ahnung, was ich jeweils als nächstes tun muss.

Wer ist der Typ, den ich auf der Straße sehe? Wo liegt wohl diese Insel, von der alle reden? Wie steuere ich nochmal das Schiff, und was mache ich mit all den Items in meinem Inventar? Wie oft muss ich welchen Button drücken, um zu springen? Oder springe ich automatisch? War ich hier nicht schonmal, das Bild kommt mir bekannt vor…

Feste Save-Points sind nicht nur „nicht mehr zeitgemäß“, sie waren es meiner bescheidenen Meinung nach noch nie. Klar, ich sterbe bei einem Boss-Battle, zum Glück gibt’s den Save-Point, aber wenn ich ein Spiel aus eigenem Antrieb unterbrechen will, dann mag ich nicht erneut die Sternchen, Münzen oder Holzkeulen sammeln, die ich bereits im Rucksack, auf der Zahlenleiste oder links oben in der Ecke hatte.

Ich will einfach nur weiterspielen.

Eine Reihe Save-Slots, also das komplett selbständige Sichern zu einer mehr oder weniger beliebigen Zeit, ist nicht wirklich besser. Am Ende hat man entweder 500 gespeicherte Spielstände oder aber einen ständig überschriebenen. Im schlimmsten Fall hat man dumm gesichert und steht mit leeren Händen und Kanonen vor einem Megamonster. Im besten Fall klickt man sich als notorischer MemoryCard-Messie ewig und drei Tage durch die Spielstand-Fülle.

Sichern als Mini-Game…

Dabei haben doch vor allem die neuen Konsolen mehr Kraft unter der Haube als Esso und Kellog’s Tiger im Milchtank. Können nicht ein paar, also nur ein paar der verfügbaren GigaFlops, oder vielleicht einer, also wirklich nur einer der vielen vielen Kerne für ein Next-Generation-Sicherungssystem verwendet werden?

Ein paar Flops?

Ein Kern?

Pretty please?

Ich stelle mir das in etwa so vor, dass eine permanente Sicherung abläuft, die dann wie eine Art Zeitmaschine funktioniert. Was der Spieler mit der gesammelten information macht, sei ihm überlassen. Er könnte an jeden x-beliebigen Punkt des Spiels springen und entweder von dort weitermachen (destruktiv) oder die Szene, den Abschnitt, das Level erneut spielen (nicht destruktiv, z.B. Intros/Tutorials).

Daneben könnte er den gesamten Spielverlauf wie in einem Film nachverfolgen. Vorwärts, rückwärts, schneller Vorlauf, und per schlau gesetzten Kapitelpunkten und -filmchen sogar ganz grob wie in „echten“ Rückblicken.

Ich weiß, ich weiß, es geht um Spielspaß und das alles, und ich sollte froh sein, dass mittlerweile überhaupt gesichert wird, und „never change a running system“ und „hat sich doch bewährt“, jaja. Vielen Dank für all die Innovationen, winkewinke, sehr nett, aber… wir haben… bereits… 2007.

Ein kleines bisschen Science Fiction, bitte?

Ich will doch nur spielen… :)

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