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Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar: Die ersten Monate in Freiheit

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Foto: Rosino

Juni 2007
Johannes B. Kerner: Im sogenannten „Deutschen Herbst“ fallen 34 Menschen dem Terror der RAF zum Opfer. Heinrich Böll spricht vom Krieg der sechs gegen sechzig Millionen. Sie waren daran beteiligt. Und haben deshalb über zwanzig Jahre im Gefängnis gesessen. Meine Damen und Herren, ich begrüße mit Ihnen Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar.
Das Publikum applaudiert höflich. Die Kamera schwenkt auf Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar. Mohnhaupt schaut wirr, weiß nicht, wo die Kamera ist, Klar zwinkert nervös mit den Augenlidern.

Johannes B. Kerner: Frau Mohnhaupt, Herr Klar, wie fühlen Sie sich?
Klar: Ich freue mich, hier sein zu können.
Mohnhaupt, gleichzeitig: Gut, danke.

Johannes B. Kerner, schaut fragend: Viele sagen ja, nach einer so langen Zeit im Gefängnis, da wäre man nicht mehr derselbe.
Mohnhaupt, teure Sendezeit verstreichen lassend, bläst eine Backe auf: Mhmtja.
Klar, heftiger zwinkernd: Das geht schon an die Substanz.

Johannes B. Kerner: Verstehe, verstehe. Ich will da auch gar nicht zu tief in Sie dringen. Kommt es vor, dass man Selbstmordgedanken hat?
Mohnhaupt, immer noch nach der Kamera suchend: Es gibt da so Momente, da kann, da kann man.
Klar: Das geht schon an die Substanz.

Johannes B. Kerner, Papiere studierend, dann glattstreichend: Herr Klar, Sie waren dreißig Jahre alt, als Sie verurteilt wurden. Nun waren das wilde Zeiten damals, von mir gibt es auch Fotos (schaut ins Publikum, lacht), die dürften Sie nie zu sehen bekommen (deutet auf seinen verlängerten Rücken) Haare bis da und in den Zigaretten war auch nicht immer nur Tabak. Wobei, das war auch nicht so ein Teufelszeug wie heute, das Gras, sagt man ja, das ist heute bis zu zehnmal stärker in seiner „Wirkung“ (macht Anführungszeichen mit den Händen) sag ich jetzt mal so.
Klar: Heute ist das bestimmt stärker, ja.
Mohnhaupt: Wo muss ich eigentlich hinschauen?

Johannes B. Kerner: Schauen Sie einfach mich an, wir sind hier ja unter uns (legt den Zeigefinger einer Hand auf die Lippen, deutet ein Zögern an). Nun gab es ja durchaus kritische Stimmen, was Ihre Entlassung anging. Die Witwe von Hanns-Martin Schleyer beispielsweise hat beklagt, sie hätten sich nie von ihren – nennen wir sie ruhig so -„Taten“ distanziert.
Klar: Ach, wissen Sie, bei einem etwas anderen Lauf der Ereignisse, da wäre ich jetzt vielleicht Professor in den USA.

Das Publikum versteht die Anspielung nicht. Kerner springt helfend zur Seite.
Johannes B. Kerner: Sie meinen, nachdem Sie Außenminister waren?
Lautes Gelächter im Publikum.
Klar, nun entspannter: Das weiß man nie so genau. (Zu Brigitte Mohnhaupt) Und du? Hättest du dich von einem General erschießen lassen?
Kerner, erläuternd zum Publikum: Wie Petra Kelly.
Mohnhaupt: Ich hätte zuerst geschossen.
Das Publikum lacht mit einer Stimme. Aus vollem Hals.

Johannes B. Kerner, nach außen in sich hinein lachend: Starke Frauen braucht das Land ja, das hört man ja jetzt immer wieder. (Wieder ernster werdend) Ich wäre ja kein investigativer Journalist, wenn ich nicht fragen würde: Was sind denn nun ihre Pläne für die Zukunft?
Mohnhaupt, Kerner in die Augen schauend: Ich habe einen Vertrag bei einem großen westdeutschen Verlag, da werde ich meine Erinnerungen veröffentlichen.
Klar: Das wird sich zeigen, erstmal ausspannen, alte Freunde treffen, das geht schon sehr an die Substanz.

Johannes B. Kerner: Frau Mohnhaupt, Herr Klar, ich bedanke mich sehr für die offenen Worte und wünsche Ihnen alles Gute im neuen Leben. Mein nächster Gast ist ein Allrounder, Sänger, Entertainer, Schauspieler, Comedian …
Mike Krüger, ihm ins Wort fallend: Das mit dem Schauspieler darfste nicht sagen, hinterher verklagt man mich noch wegen Amtsanmaßung.

Juli 2007
Ausriss aus den Klingeltoncharts:
Platz 1: Monrose – ‚Cause I’m real
Platz 2: Stefan Raab und die Terroristen – Ich hätte zuerst geschossen (Der Boom-Boom-Song)
Platz 3: Vanilla Ninja – Like Ice Cream

Oktober 2007
Nazan Eckes: Auch zur neuen Ausgabe von Let’s Dance haben wir Prominente ins Trainingslager geschickt.
Hape Kerkeling: Es treten an: Vanessa Petruo, Collien Fernandes, Estefania, Gülcan, Karsten Speck, Biggi Mohnhaupt, Nobbi Blüm und Chris Klar.
Nazan Eckes: Biggi, du hattest ja den Sommerhit des Jahres zusammen mit Stefan Raab, was gibt’s Neues von Dir?
Mohnhaupt, in die Kamera schauend: Erstmal vielen Dank für den ganzen Support, das war ja echt ein irres Ding. Ich hab mein Buch draußen (hält ein Buch in die Kamera. Das Buch trägt den Titel: „Ich war dabei“).
Hape Kerkeling: Willkommen im Club der tanzenden Dichter.
Das Publikum tobt.
Nazan Eckes: Nobbi, wie geht es dir?
Norbert Blüm: Die Rente ist sicher.
Nobbi-Sprechchöre im Publikum, Collien Fernandes prüft, ob ihre Brüste zuverlässig aus jeder Kameraperspektive aussehen, als würden sie gleich rausfallen, Christian Klar spannt seine frischtrainierten Muskeln an.
Hape Kerkeling: Chris, du bist ja unter die Schauspieler gegangen.
Klar: Ja, ich werde im Prequel von „Der Untergang“ Hitlers Leibwächter spielen.
Nazan Eckes: Ich mag Komödien auch total gern.

März 2008
Mohnhaupt, im Dschungel sitzend, zu Marianne und Michael: Die Kängurueier waren echt total widerlich, aber damals, als ich untergetaucht war, da gab es eine Wohnung mit Gefrierkühltruhe aber ohne Herd, da habe ich immer so halbaufgetaute Fischstäbchen gegessen, das war noch ekliger.
Marianne und Michael, simultan: Du warst mal Taucherin?

Mai 2008
Christian Klar, zappelig: Leute, macht mich nicht verrückt, vier Tiere, die man aus Blindschleiche bilden kann, 20000 Euro, ich schnapp gleich über, soviel Geld, strengt mal die roten, äh die grauen Zellen ein bisschen an.

115 Kommentare

  1. 01
    Maria

    Was ist das? Ein solches Interview hat nie stattgefunden, Christian Klar ist noch nicht in Freiheit, und Monhaupt erst seit 2 Tagen. Will hier jemand die Zukunft vorhersagen? Bitte um Antworten, Gruß Maria

  2. 02
    Maria

    Okay, der Artikel ist erfunden, aber von wem, und wofür?
    Mohnhaupt ist seit 2 Tagen frei, hoffentlich hat sie ein Angehöriger
    Ihrer ehemaligen Opfer auch nach 30 Jahren noch auf seiner oder ihrer
    Abschussliste!!!

  3. 03
    Herr M.

    Langweilig. Platte Satire. Ausser „ich hätte zuerst geschossen“. Das war gut.

  4. 04
    Matze

    @ Amadeus: Schreib keinen Scheiß!!!

  5. 05
    hola

    so etwas wird es ja wohl bis auf weiteres nicht geben, da die Begnadigung ja grad eben abgelehnt wurde

  6. 06
  7. 07
    Piper

    zum unteren Zitat: die Regierung sagt sie wolle keine Rache und sondern gleich wertig behandeln das ist Quatsch kein Mörder saß so lang wie Terroristen und gerächt haben sie sich doch schon als sie Baader und Meinhoff ermorden ließen (an Selbstmord starben sie bestimmt nicht da gibt es ein tolles Buch darüber, habe es im mom ausgeliehen sonst würde ich au den Titel veröff.)
    zitat von Maria: hoffentlich hat sie ein Angehöriger Ihrer ehemaligen Opfer . auf . ihrer Abschussliste!

  8. 08
    sabi

    Hi Malte,

    fande den Text schon lustig, könnte mir aber nicht vorstellen, dass ein C. Klar oder eine B. Mohnhaupt ins Fernsehen kommen, wobei viele TV-Talkshows bestimmt daran interessiert wären, die beiden zu sich einzuladen. Wahrscheinlich würde dann B. Mohnhaupt nur stottern und C. Klar müsste ziemlich lange überlegen, wie er seine Sätze formuliert, wenn man an das Interview mit Herrn Gaus (2001) denkt. Ich bin mal gespannt, ob C. Klar das mit seinem Praktikum gebacken kriegt. Immerhin ist er schon über 50 Jahre, und hat soweit ich weiß mit Arbeiten mit Technik kaum was am Hut gehabt, naja vielleicht hat er doch genügend technisches Verständnis. Braucht aber auch als Bühnentechniker ein gutes Durchhaltevermögen. In seinem Alter, naja. Hätte er besser im Gefängnis eine Ausbildung gemacht, dann hätte er jetzt schon Vorkenntnisse. Naja egal, sein Bier. Prost!

  9. 09
    Moonwalker

    Hallo Malte,

    ich muss ehrlich sagen, dass ich den Text zwar für teilweise „witzig“ halte, jedoch feststellen muss, dass er ziemlich schlecht recherchiert und etwas Wirklichkeitsfremd ist.
    Zu einem wurde vergessem, dass bei aller krimineller Energie, Mohnhaupt udn Klar hohcintelligente Persönlichkeiten sind, die sich sicher nicht auf diese plumpe Art und Weise vermarkten lassen werden. Davon abgesehen, wird das ihre ideologische Haltung, die garantiert noch immer vorhanden ist, kaum zulassen.
    Die Ex-RAfler als Popstars sind eine irreale Vorstellung

  10. 10
    BlackSoldier7

    was soll man dazu sagen…es ist zwar krass und man wünscht jemannden nicht den tod aber wir sind nur mal alle menschen und nicht perfekt dewegen habe ich nicht allzuviel gegen RAF …klar ist es nicht gerecht dass andere menschen ihr leben dafür verlieren weil die anderen einfach nur hass haben aber das ganze hat auch etwas bewegt und zwar den menschen zum nachdenken gebracht!!..naja ich wünsch euch alles gute

  11. 11
    G

    hach…ich liebe die Brigitte!!! *knuddel…knutsch!!!*

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