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Sebastian Deisler – Der Unvollendete

Es gibt diese Spieler, von denen reicht eine einzige Szene, um zu sehen, was in ihnen steckt. Bei Mario Gomez genügte eine Strafraumszene in seinem ersten Spiel, um zu erkennen, dass da ein Raubtier in die Hühnerfarm der Bundesliga eingebrochen ist.
Sebastian Deisler dagegen war ein Künstler. Seine großen Momente hatte er jenseits der spielentscheidenden Szenen. Den Ball an der Eckfahne jonglieren, bis der Gegner Applaus klatscht, das war sein Metier. Zu ballverliebt im Grunde, um tatsächlich ein deutscher Nationalspieler zu sein. Wahrscheinlich war der Briefträger der Deislers ein Brasilianer.

Jetzt hört er auf.

Das ist, als hätte Leonardo da Vinci, nachdem er die Augenpartie und den Mund der Mona Lisa gemalt hatte, gesagt: „So. Das war es jetzt. Ich will jetzt was mit Ton machen. Die Toskana ist ja gleich um die Ecke.“

Bleibt ihm zu wünschen, dass er damit zurecht kommt, nun zu sein wie wir alle. Wir alle werden nie Weltmeister sein, nie Europameister, nie ein Spiel allein entscheiden. Aber wir würden uns die Füße brechen, wenn wir eine Deisler-Szene nachspielen wollten. Viel Glück mit etwas anderem. Auf dass er genug Geld zur Seite gelegt hat, dass er jetzt etwas machen kann, was ihm Spaß macht. Und wenn es was mit Ton ist.

8 Kommentare

  1. 01

    Ich wusste wenn einer einen guten „Nachruf“ zu Deisler schreibt, dann isses der Malte.

    Ansonsten… traurig das alles. Richtig traurig.

  2. 02

    Die sollten echt mal aufhören sich bei uns zu bedienen.

    Und wieder einmal wunderbar geschrieben, Herr Welding!

  3. 03
    Nagetier

    „…Bleibt ihm zu wünschen, dass er damit zurecht kommt, nun zu sein wie wir alle… “
    So ganz wie wir alle ist er wohl nicht (siehe sein Kontostand).
    Trotzdem, sehr schöner Post!

  4. 04
    alex

    …von den 20 Millionen Bayern-Handgeld zu Hertha-Zeiten wird ja hoffentlich noch was übrig sein…

  5. 05
    Flo

    Mein Mitleid mit Deisler hält sich doch sehr in Grenzen: Die x Millionen, die er fürs rumheulen bekommen hat, sollte echt ausreichen um ein schönes und entspanntes Leben zu führen. Unsereins wird in solchen Fällen finanziell ans Ende seiner Möglichkeiten gelangen, aber hier wird sinnlos Geld rein gegepumpt. Gott sei Dank trifft es genau die Richtigen, nmälich die die eh schon genug Kohle ham und sich die Bundsliga auf die Bank kaufen.

  6. 06
    bEN

    @ Flo
    Schön für dich, dass du selbst nie eine Depression hattest, sonnst würdest du hier nicht so eine Sch**** schreiben.

    Deisler und auch die bayern (das ich das sagen muss) sind mit diesem Thema sehr gut umgegangen.

  7. 07

    Dass Deisler nun seine Karriere beendet finde ich schon sehr schade. Aber bei seiner Krankenakte ist das wahrlich kein Wunder gewesen. Schade, schade.

    Flos Beitrag kann ich insofern nachvollziehen, als dass ich selbst nicht wusste, dass Depression eine „richtige“ Krankheit und nicht nur „Rumgeheule“ ist. Außerdem erzeugen 20 Mio. DM Handgeld für einen Wechsel zu den ohnehin schon unbeliebten Bayern eben eine Menge Neid.

    Dazu kommt eine Medienlandschaft, die sich nur zu gerne auf Deislers Krankenstand stürzte und oft auch heuchlerisch mitleidig davon berichtete.

    Das Bild, was sich beim Konsumenten des Ganzen – dem gemeinen Fußballfan – bildet, reduziert sich dann auf „Der arme, arme Multimillionär!“.

    Und das ist – neben den vielen Verletzungen – genauso schade.

  8. 08
    Flo

    Ich weiß dass eine Depression eine Krankheit ist; genauso wie ein Husten, eine Migräne oder ein Herzinfakt. Ich kann mir auch vorstellen, dass man sich während so einer Zeit sehr mies fühlt.

    Aber gehen wir mal davon aus wenn uns so etwas passiert: Wir verlieren einen Menschen, den wir sehr lieben. Wir gehen nicht mehr zur Arbeit und schauen nur noch ins Leere. Was passiert? Nur wenige Mennschen werden sich für uns interessieren, weil keine Medien da sind, um das ganze hochzupuschen; irgendwann werden wir „beurlaubt“ und bekommen nur noch geringfügiges Gehalt.
    Also immer schön die Relationen im Auge behalten!

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