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Kulturpaket

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Ich bin ein furchtbar unzuverlässiger Rezensent der uns von Zeit zu Zeit zugehenden Kleinode, obwohl ich doch gut weiß, wieviel Herzblut Künstler in ihre Projekte fließen lassen. Mit besten Absichten hab ich also heute mal meinen Schreibtisch „aufgeräumt“ und gelesen, gehört und geguckt.

fluchtwegFangen wir mit der brandneuen CD von FLUCHTWEG an, die die Veröffentlichung des „Corporate Identity“ betitelten Albums am 10. März im Berliner Schlagwerk feiern (alle Infos auf der Fluchtweg-Site).

Das für eine Punkrockband ungewöhnlich schick gemachte Cover (matter Pappschuber, mattes Booklet aus dickem Papier mit geradliniger Typo für die Texte, keine Fotos) irritiert ebenso wie der Albumtitel, ich bin nicht sicher, was mir das sagen soll, zumal der musikalische Inhalt natürlich nach wie vor straighter Punkrock ist, den man auch „Powerpop“ nennen könnte, wenn es nicht so ein ekliges Wort wäre.

Man hört die langjährige Erfahrung der Band in Sachen Zusammenspiel, man merkt, dass sich hier jemand Gedanken um die Texte gemacht hat und es ballert ordentlich (und darf für den Saxofonisten auch mal Reggae- bzw. Ska-Einflüsse durchblicken lassen) und doch packt’s mich nicht, was allein am Gesang liegen könnte. Der hat nämlich in meinen Ohren einen Hang zum „bardenhaften“ und klingt manchmal ein bisschen so als wäre eine Gesangsausbildung übers Ziel hinausgeschossen. Ich habe keine Ahnung, ob der Fluchtweg-Sänger tatsächlich jemals eine Gesangsausbildung hatte und ich weiß, dass viele Leute diesen Stil sehr mögen, meine Tasse Tee ist es jedoch nicht.

Trotzdem noch immer vollste Sympathie für Fluchtweg, die von Label über Produktion nach wie vor alles selbst in die Hand nehmen und damit im feinsten DIY-Stil arbeiten. Außerdem schreiben sie erfrischend bodennahe Presseinfos („Den Volume-Regler auf 5, das reicht schon.“).

goldfischAn Punkrock dachte ich wegen des Covers zunächst auch, als mir die DVD „The Return Of Der Goldene Goldfisch“ in die Flossen (get it?) fiel, aber weit gefehlt. Das Projekt der Düsseldorfer Kino-Party-Veranstalter Cellluloid Suckers, das die Ergebnisse eines bereits zum zweiten Mal durchgeführten Musikvideo-Wettbewerbs für Düsseldorfer Bands widerspiegelt, umfasst sämtliche Musikstile, vom Rock über Elektro bis Country und Hiphop. Bei den Videos finden sich viele tolle Ideen und ein paar langweilige natürlich auch, und man bekommt wieder einmal schön vor Augen geführt, dass Popkultur aus viel mehr als den einzelnen Teilen besteht.

Herausragend auf der DVD: The Untrue, deren Clips auch hier zu finden sind.

cowboysNach soviel Musik erstmal „nur“ Bilder. Die Hamburger Galerie Heliumcowboy Artspace hat die Arbeiten aus den 32 Ausstellungen der letzten dreieinhalb Jahre in einem inspirierendem Buch zusammengestellt, das für mich als Kunstbanausen, der mit gerade mal zwei der 38 Namen etwas anfangen kann (Jim Avignon und Alex Diamond), einen perfekten Überblick über – hmm… aktuelle… sagt man noch „Popart“? – bietet. Mittendrin ist ein Foto von Bob Ross, gute Menschen also.

neue problemeUnd weil der Mensch auch lesen sollte: Neue Probleme ist eines dieser Fanzines, in denen einem immer wieder neue, noch nicht gelesene Texte auffallen, obwohl man schon so oft darin geblättert hat. Liest sich also wie ein gutes Blog und die erste Ausgabe ist verdienterweise ausverkauft.

Ein schickes Sammelsurium von Interviews, Zeichnungen, Rezensionen und Gedanken z.B. über Bruce Springsteen oder die T9-Texterkennung lassen auf eine nächste Ausgabe hoffen.

13 Kommentare

  1. 01

    chan marshall bevor sie sober wurde – thanks a lot.

  2. 02
    Q!

    Gepostet von Johnny am 05.03.2007 um 17:37h in That’s Advertisement.?

  3. 03

    Jetzt geht´s lo-oos, jetzt geht´s lo-oos…! Go, Adilette, go!

  4. 04

    Wieso leitest Du die Mails nicht einfach an die Popnutten weiter?
    (@Q!und3: Seid ihr eklig ;-)

  5. 05
    mego

    2,3,4 was ich auch dachte

  6. 06

    Dann seid ihr ja bald schon ein Verein!

  7. 07

    ja, hier scheint sich wohl niemand von den kommentatoren um content zu kümmern. pah – dann meckert aber auch nicht rum.

  8. 08

    neue protestform oder – without inhalt – hah?

  9. 09

    Na gut, dann jetzt mit Inhalt: Gibt es von „Fluchtweg“ Hörproben? (Die Ästhtik der CD unterscheidet sich ja von der Website sehr stark).
    Übrigens sind wir kein Verein, sondern eine Schulklasse ohne Vetretungslehrer.

  10. 10

    Hörproben habe ich keine gefunden, leider, auch nicht im Online-Shop der Band.

  11. 11

    Na, dann versuche ich es mal hiermit :-)

  12. 12

    ich hab mich auch noch nicht daran gewönt, immer und jede band auf myspace zu suchen und zu finden…;)

  13. 13
    anne

    ein paar, wenn auch etwas ältere hörproben von fluchtweg gibt’s übrigens auf tollshock.de ;)

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