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Per Anhalter durchs Web 2.0

web 2.0
Collage © Stabilo Boss

Speziell für Online-Einsteiger und Investoren ist es nicht leicht, durch den schattenwerfenden Farbverlauf durchzusteigen, der sich Web 2.0 nennt; und ehe man sich’s versieht kann man unter der Dusche im Fitnessstudio nicht mehr mitdiskutieren oder kauft versehentlich StudiVZ. Doch das muss nicht sein, denn glücklicherweise gibt es Spreeblick, das Fachmagazin für Zahlen mit einem Punkt dazwischen.

MySpace

MySpace wurde von der Musikindustrie gegründet und ist das größte MMORPG der Welt, also ein Online-Spiel. Mitspielen darf jeder, der sich einen Namen ausdenken kann, Menschen ohne eigenes Profil bekommen für die Dauer des Spiels eines ausgeliehen. Ziel des Spiels ist es, möglichst viele andere Spieler als „Freund“ zum eigenen Profil hinzuzufügen. Sieger ist derjenige mit den meisten Freunden. Bei Verlassen des Spiels müssen alle Freunde wieder abgegeben werden.

Second Life

Second Life ist ein virtueller Swingerclub für Journalisten. Die Plattform wird von den großen Medienhäusern der Welt finanziert um in den kommenden Jahren die Redaktionskantine, Betriebsausflüge und Konferenzräume zu ersetzen und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz endlich auch denjenigen möglich zu machen, die gar keinen haben.

Flickr

Flickr entstand auf Initiative diverser internationaler Anwälte, die eine zentrale Anlaufstelle für die Recherche nach Bild-Urheberrechtsverletzungen im Internet benötigten. Gegen 2009 sollen alle Fotos im Internet bei flickr registriert und recherchierbar sein.

YouTube

YouTube ist die Digitalisierungsplattform der Film- und Fernsehindustrie. Jeder, der in den vergangenen Jahrzehnten Kopien von Filmmaterial auf VHS-Kassetten oder moderneren Speichermedien gesammelt hat, darf die digitale Version unter Angabe seiner Rechneradresse zu YouTube senden. Die Sammelaktion soll Ende 2007 abgeschlossen sein, danach wird die Industrie das Archiv gegen einen geringen Beitrag zur Verfügung stellen und allen Original-Einsendern eine Rechnung wegen Urheberrechtsverletzungen zusenden. Abgerechnet wird nach übertragenen Gesamtminuten abzgl. der Minutenzahl eigener Neuproduktionen, deren Verwertungsrechte dann bei YouTube liegen.

Xing

Xing wurde vom Neckermann-Versand gegründet, der auf der Site seine Anzug- und Kostüm-Kollektionen der letzten 23 Jahre präsentiert.

GoogleMaps

GoogleMaps sind eine Webcam für Leute, die keine haben.

Twitter

Twitter ist ein Online-Selbsthilfe-Tool für suizidgefährdete Teenager, das diese vor dem finalen Schritt ins Jenseits bewahren soll. Durch die Echtzeit-Darstellung des Lebens Dritter erfährt der Besucher, dass sein eigenes Leben doch nicht so erbärmlich ist wie ursprünglich angenommen.

del.icio.us

del.icio.us speichert die Adressen von Websites, die man sich später mal in Ruhe ansehen wollte, was man aber nie schafft, und stellt sie anderen Web-Nutzern zur Verfügung, die sie sich später mal in Ruhe ansehen wollen, was sie aber nie schaffen.

last.fm

Ursprünglich finanziert vom Internationalen Verband der Fahrstuhlhersteller entwickelte sich last.fm in den letzten Monaten zur Selbstanzeige-Plattform der Kriminalpolizei. Nutzer können hier eintragen, welche Musikdateien sie aus dem Internet geladen haben.

Wikipedia

Die Wikipedia ist das größte Star-Wars-Diskussionsforum der Welt.

Weblogs

Weblogs (auch: Blogs) sind einfache elektronische Publikationssysteme, die von der CIA entwickelt wurden. Weblogs geben Bürgern das Gefühl etwas zu sagen zu haben und verhindern dadurch möglicherweise störende, tatsächliche Aktivitäten. Weblogs sind das digitale Equivalent zum Demonstrationsrecht.

Blog-Kommentarfelder

Blog-Kommentarfelder sind in Blogs reservierte Anzeigenplätze für andere Blogs. Sie haben den Kommunikationswert einer Kneipenschlägerei, sind aber nicht so unterhaltsam.

Ajax

Der Begriff Ajax bezeichnet den Teil eines Web-2.0-Businessplans, der das Investorengeld zwar anzeigt, aber nicht nachlädt.

Voice-Over-IP

Durch Voice-Over-IP-Technologie ist es möglich geworden, ohne einen Telefonanschluss zu telefonieren. Man benötigt dazu lediglich einen Highspeed-DSL-Anschluss, den viele Kommunikationsdienstleister im Paket mit einem Telefonanschluss anbieten.

RSS

RSS ist eine Technik, die es erlaubt, Inhalte von Websites anzuzeigen. Derzeit stellen die meisten sogenannten „RSS-Feeds“ nur Textinformation dar, geplant ist jedoch die Integration von Bildern, Sounds und Videos, später sollen auch Layout-Möglichkeiten folgen. RSS löst 2010 das World Wide Web ab, welches bis dahin komplett an die Holtzbrinck-Investorengruppe verkauft wurde.

Web

Das Web ist ein Werkzeug, mit dem Millionen Menschen eine regelmäßige und sinnvolle Tätigkeit simulieren. Die von der Bundesregierung ermittelte, durch das Web verlorene echte Arbeitszeit von zwei Jahren pro Person wurde kürzlich hinten drangehängt.

(Inspiration: Ein Café-Gespräch mit Jeck Pixelbrei)

229 Kommentare

  1. 01

    Sehr schöner Beitrag! Finde die Collage echt klasse!

  2. 02

    Hier wird das Web 2.0 endlich mal so beschrieben dass jeder versteht was gemeint ist. Jetzt habe auch ich endlich den nutzen von Xing verstanden ;-)

  3. 03

    Und mit Voice-Over-IP zum telefonieren ist einfach genial, wenn der Telefonanschluß zwar im Anboeterpaket enthalten ist aber nicht genutzt wird…

  4. 04

    Wirklich sehr schön erklärt. An einem trüben, nassen Sommertag könnte das Ganze zu Depressionen führen! Das mit den Weblogs ist vielleicht tiefer als man denkt? Wer möchte sich schon auf Demos körperlich einbringen. Mal sehen we das Rennen in Zukunft macht…

  5. 05

    Richtig schön erklärt!
    Muss ich echt sagen, Voice-Over-IP ist wirklich toll.
    Wir setzen das schon eine ganze Weile ein!

    Vielen Dank für den tollen Artikel!

  6. 06
    Datenbanken

    „…oder kauft versehentlich studivz..“ sehr geil. Na das sind ja mal endlich Erklärungen, die meinen Eltern helfen werden, meine Internetwelt zu verstehen, wobei ich auch bei einigen Portalen eine echte Bedrohung sehe, wie leichtfertig manche Menschen mit ihren Daten im Netz hantieren..

  7. 07

    Ich war nach der Suche von Sinn- und Zweck von Myspace.
    Das es so einfach ist.. Ich bin begeistert.
    Ich schwöre, ich werde künftig wieder mehr Spreeblick lesen.

  8. 08

    Genial, diese Abhandlung. Und wie wahr sind diese Erklärungen. Das mit den zwei Jahren hinten dran von wegen der verlorenen Arbeitszeit finde ich am Besten.

  9. 09
    Andremoda

    Hammer!

    Über das myspace-MMORPG kriege ich mich gar nicht mehr ein.

    Danke für den treffenden Artikel.

  10. 10

    Bin mal gespannt, wann diese Einzellösungen noch intensiver miteinander verknüpft werden. Google ist ja schon hier dabei das Internet zu beherrschen.

  11. 11

    „RSS löst 2010 das World Wide Web ab, welches bis dahin komplett an die Holtzbrinck-Investorengruppe verkauft wurde“ – Tja, man hängt leider etwas im Zeitplan, aber vielleicht wird’s ja nächstes Jahr was ;-)

  12. 12

    :D Sauber, hab sehr gelacht! Besonders über „…der das Investorengeld zwar anzeigt, aber nicht nachlädt.“ Schönes Ding!

  13. 13
  14. 14

    Köstlicher Artikel.

    Habe sehr gelacht!

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