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Andere Länder, andere Spiele

sumo

(Foto: Philbert Ono)

Ich habe mich schon oft gefragt, wie es kommt, dass in bestimmten Ländern ganz bestimmte Spiele überdurchschnittlich populär sind.

Es gibt da ja diese klassische Unterteilung USA/Japan/Europa: Die Amerikaner spielen Ego-Shooter, die Japaner verschlingen Rollenspiele, und in Europa sitzen vor allem die Deutschen nächtelang an ihren Echtzeit-Strategien und Simulationen.

Ein Blick in diverse Verkaufscharts scheint diese Klischees zu bestätigen, und eine andere Auffälligkeit gehört vermutlich zum gleichen Komplex: Aus keinem anderen Land kommen so viele »abgedrehte« Spiele, wie aus Japan, und kein anderes Land produziert so viele »hyper-realistische« Titel, wie die USA.

Letztlich haben wir:

Katamari vs. Half Life vs. Siedler.

Wario Ware vs. Tiger Woods vs. Fußball Manager.

So in etwa.

Vergleiche mit der Filmindustrie sind unausweichlich. Auch hier dominieren in Hollywood die computersimulierten Traumwelten und in Tokio die extrem stylisierten Streifen mit abstrusen Handlungen und ebensolchen Charakteren. In Europa dagegen… naja, Europa eben: Der weniger brachiale Humor, vor allem aber das sogenannte »Erzählkino«.

Letztlich gibt’s also Popcorn auf der einen Seite, fantastische Eindrücke auf der anderen, und dazwischen sitzen wir, auf unserer ewigen Suche nach dem Ding namens »Anspruch«. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Woher kommt das? Ist das tatsächlich alles zurückzuführen auf traditionelle Unterhaltung — Kabuki, klassisches Drama, Scharfschützenduelle vorm Saloon?

Kant, Samurai, Baseball? ;)

Ich finde das eine spannende Frage, denn wenn ich mich zuordnen müsste, wäre ich wohl spielender Japaner. Genau definieren kann ich das nicht, aber mich faszinieren die bunten Figuren, die immer an der Grenze zum Wahnsinn entlangbalancieren, und mich beeindruckt die schier grenzenlose Phantasie und (aus hiesiger Sicht) Risikobereitschaft einiger Entwickler.

Die reine Attraktion des Fremden ist es bei mir allerdings nicht. Mit japanischen Fernsehshows und Sportereignissen kann ich nämlich überhaupt nichts anfangen…

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