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Modul-Liebe

futsch

(Foto: honky_tonk89)

Als ich jung war und Geld brauchte, gab es Videospiele nur in Form von Cartridges — klobige graue Plastikmodule, die in den dafür vorgesehenen Schlitz in der Konsole gesteckt wurden.

Niemand war wirklich glücklich über diese Dinger, denn sie waren… klobig und grau, teuer in der Herstellung, und sie boten nur wenig Speicherplatz.

Als irgendwann die CD aufkam und Opas Vinyl verdrängte, hatten ein paar schlaue Produktdesigner in Japan eine spitzen Idee. Sie nutzten dieses neue Speichermedium für ihre ebenso neue Konsole und landeten damit bekanntlich einen Superhit: Plötzlich war alles Sony, und aus »Nintendo spielen« wurde »Playstation zocken«.

Der Rest ist Geschichte.

Ich blieb damals den Modulen treu, indem ich mich gegen Lara Croft und für Mario 64 entschied. Zugegeben, ich stellte mir vor allem gegen Ende des N64-Lebens häufiger die Frage, ob mich verwaschene Texturen, Midi-Gepiepse und das Fehlen von Sprachausgabe und Filmsequenzen tatsächlich nicht störten. Aber mich überzeugten einfach die Vorteile der Module gegenüber den sogenannten »Silberlingen«.

Da waren zuallererst die nicht vorhandenen Ladezeiten. Einstecken, anschalten, »bli-ging« und loslegen.

Dann natürlich die nicht vorhandenen Ladezeiten. Schnell ein Spiel wechseln? Kein Problem. Abbrechen, Neustarten? Easy. Nächstes Level? Na und.

Vor allem aber, Ihr ahnt es schon: Keine Ladezeiten! Entsprechend muss ich immer noch fett grinsen, wenn ich an die Statusbalken der PSone denke…

Daneben gab es aber noch andere, durchaus gewichtige Vorteile. So z.B. das fehlende Laufwerksrattern, das fehlende Risiko verschmutzer oder dejustierter Laserdioden sowie ein relativ niedriger Stromverbrauch. Nicht zu vergessen das Speichern von Spielständen direkt auf dem Modul. Gab’s zwar nicht bei allen Spielen, aber sich nicht um die richtige Memory Card kümmern zu müssen, kann vom Prinzip her einiges, vor allem bei einer ansehnlich großen Spielesammlung und chronischer Unordnung.

Überhaupt: Unordnung. Auf den Packungen stand zwar immer was von »sorgfältig behandeln« und »Achtung, Achtung, nicht die Platine berühren«, aber mir reichte ein Pappkarton, in der sämtliche Spiele hüllenlos herumlagen. Ich habe sogar mehrere Parties veranstaltet, bei denen die Gäste auf der Toilette Mario Kart und Star Wars und Fußball spielen durften. Versucht das mal mit CDs — viel Spaß beim Neukauf.

Hach ja… damals.

Heute ist das Thema natürlich durch und gegessen, der Drops gelutscht, die Frage endgültig entschieden. HD-Gaming auf Modulen würde bedeuten, dass wir sündhaft viel Geld für extrem kurze Spiele hinlegen müssten und erst recht keine Film-, Musik- oder Sprachwiedergabe hätten.

Der Gameboy Advance/Micro dürfte so ziemlich die letzte Konsole gewesen sein, die auf »echte« Module gesetzt hat, und die Flash-Karten für den DS stellen wohl mehr eine Übergangslösung denn eine langfristige Option dar. Sollte Nintendo jemals einen Nachfolger mit höherer Auflösung anbieten, wird auch dort kaum ein Weg an einem disc-basierten Medium vorbeiführen.

Mich macht das nicht unbedingt traurig, aber das Gefühl ist nicht bloß Nostalgie. Module sind… sagen wir mal… spielerfreundlich. Ich mag das. Ich steh‘ gern im Mittelpunkt. ;)

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