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Kleine Anthologie der Fußball-Poesie

„Wie, Fußballgedichte?“, murmelte der Mitbewohner auf die Frage nach literarischen Ergüssen über das schönste Spiel wo gibt. „Irgendwas von Handke, mit Nürnberg, aber das muss man nicht kennen.“ Lieber Herr Mitbewohner, nur weil Sie aus Augsburg stammen, ist nicht alles, was aus Nürnberg stammt oder von Nürnberg handelt, automatisch Ziegenscheiße, und außerdem gibt’s ne Menge hübscher kleiner Fußballgedichte, und damit ich sie Ihnen, Herr Mitbewohner, zu passender Zeit unter die Nase halten kann, fang ich einfach mal an zu sammeln:

1. Teil – Robert Gernhardt: Von Spiel zu Spiel

„Der Mensch ist da Mensch, wo er spielt“ –
das trifft’s, Herr Schiller. Gut gezielt!

Vom Vorspiel einmal abgesehn –
ein Spiel wird erst durch Regeln schön.

Die – nur ein Beispiel – untersagen,
sich mit, statt auf dem Brett zu schlagen.

Und die beim Fußball darauf zielen,
den Ball nur mit dem Fuß zu spielen.

Denn Hand- wie Foulspiel öffnen Türen,
die statt ins End- zum Nachspiel führen.

Doch stets gilt, daß der Weg das Ziel ist,
weil nach dem Spiel schon vor dem Spiel ist.

Keine Kommentare

  1. 01
    Malte Zander

    Wobei Kollege Handke, wie die 11freunde heute schreibt
    den falschen Verteidiger aufgestellt hat ;)

  2. 02

    Vom gar nicht genug zu lobpreisenden Gernhardt gibts ja auch noch das Gedicht Italien – Mexiko, Fussball-WM, 28.6.94, das mit den schönen Worten beginnt:

    Wäre ich schwul,
    ich verliebte mich
    in den mexikanischen Torwart.

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