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RTL hat eine große Zukunft hinter sich

Ja, das muss man sich wie der Toonblog wundern, wenn man das Spiegel-Interview mit RTL-Chef Gerhard Zeiler (online nicht frei verfügbar) liest:

Ich sage Ihnen eins: Die heute 17-Jaährigen werden, wenn sie 27 sind, wieder
viel mehr fernsehen. (…) Mit zunehmendem Alter, wenn ploötzlich eine Familie, ein fester Job und Kinder da sind, steigt das Bedürfnis, sich zurückzulehnen, zu entspannen und unterhalten zu werden.

Schon bitter, wenn dagegen der erzkonservative Rupert Murdoch wie ein junger Visionär daher kommt:

Power is moving away from those who own and manage the media to a new and demanding generation of consumers – consumers who are better educated, unwilling to be led, and who know that in a competitive world they can get what they want, when they want it.

Der Unterschied mag mal wieder in der Leidenschaft liegen, mit der das eigene Geschäft betrieben wird. Murdoch ist, bei aller völlig berechtigten Kritik, Medienmann durch und durch, Zeiler ist Politiker und verspricht seinen Geldgebern daher, dass sich nichts ändern wird. Wie es sich gehört. Und ob es stimmt, was er sagt, interessiert ihn selbst vermutlich am allerwenigsten.

[via]

19 Kommentare

  1. 01

    Ich hab erst neulich bei meiner Glotze das Kabel gezogen, eben genau aus dem Grund, den der Herr Zeiler nennt. Ich will mich zurücklehnen und entspannt unterhalten werden. Im Netz, weil es fast nur noch hier geht.

  2. 02

    der zeiler geht mir auch auf den zeiger, deswegen wohl der vertipper ;-)

  3. 03

    Muss daran liegen. :) Ist korrigiert, danke!

  4. 04
    matze

    Woher kommt das bloß, überall Wettbewerb und Konkurrenz und Änderung, doch das Fernsehen, will bleiben, wie es ist?

    Ist das nur Deutschlands Medienlandschaft?

    Aber andererseits, ist eigentlich auch schön, wenn die konservativen Kapitalhorter sich nicht wandeln wollen, dann haben andere junge Ideen die Zeit, die Leute zu begeistern.
    Hoffentlich.

  5. 05

    matze, sehe ich ähnlich. Mal sehen, ob’s klappt.

  6. 06
    Harm

    Hm, die ‚better educated‘ haben auch früher nicht soviel ferngesehen. Die ‚lesser educated‘ 17jährigen müssen auch nicht erst 27 werden, um heute schon viel fernzusehen.
    Die prekärer werdende Situation der Sender konnte man mitverfolgen: Über Talk-Shows am Mittag, über Casting-Shows, jetzt zum Allheilmittel-Format Call-TV.
    Es scheint kein Geld mehr da zu sein, es muss an allem gespart werden. Es scheint ein marktwirtschaftliches Problem zu sein, vielleicht Aufteilung abnehmender Werbeetats unter mehr Sendern.
    Guter Content ist unabhängig vom Medium, aber schön dass Du immer noch das Empowerment der Konsumenten im Blick hast. Ich sehe das noch nicht so.

  7. 07
    Chris

    Wie Herr Zeiler darauf kommt, das man mit Kindern (was im Plural für die 27 jährigen in Deutschland meiner Meinung durchaus eine gewagte Idee ist) wieder dazu kommt, mehr fernzusehen, ist mir ein Rätsel. Ich verbringe die Zeit lieber mit meiner Tochter. Und bin über die Zeit, wenn sie dann im Bett ist froh, das ich noch ein wenig Ruhe habe um ein Buch zu lesen.

  8. 08
    jan

    Ich denke wenn sich IP-TV mit annehmbarer Hardware durchsetzt (Settop Boxen <100 Euro) sind die Zeiten der Fernsehsender bald gezählt. Denn dann bricht die Macht durch Zugriff auf teure Kabel und Satellitendistributionswege zusammen und jeder kann Inhalte kostengünstig oder kostenfrei verteilen. Eine Anke Engelke, Oli Pocher und diverse andere abgesägt Unterhaltungstalente machen solange Programm wie es die Zuschauer sehen wollen und nicht wie es die Programmpolitik bestimmt. Zudem ist mit mehr experimentierfreudigen Formaten zu rechnen, weil es keinen Programmchef mehr zu bedienen gibt.
    Gerade so Sender wie RTL werden schwere Zeiten erleben, weil sie nur durch Präsens auf der Fernbedienung, nicht aber durch innovative Inhalte punkten.

  9. 09

    Rundfunk ist tot.

    Ich hoffe nur, dass sich TV im Internet gewinnbringend vermarkten lässt ohne die Vorteile der neuen Plattform einzuschränken. Ohne Geld würde das Programm sonst noch schlechter.

  10. 10

    Och, wenn RTL so bleibt wie’s ist, auch fein. Brauchen wir in 20 Jahren nicht in die Museen klappern, kommt der Mief direkt nach Hause. Aber schönes erstes Zitat, als ob man nach Job und Kind noch mehr Unterhaltung bräuchte ;-)

  11. 11

    Heute bin ich 32 und Familienvater. Ich verspüre eigentlich immer seltener den Wusch, mich einfach hinzusetzen und mich unterhalten zu lassen. Viel schlimmer noch: In dieser Wohnung gibt es zwar ein Wohnzimmer, doch immer seltener findet auch nur der Hauch einer Unterhaltung dort statt. Die meiste Unterhaltung findet sich in der Küche, in der die Töpfe redseelig brodeln und im Kinderzimmer, in dem der Kurze tobt. Und wenn ich schon unterhalten werden will, dann nehme ich entweder ein Buch zur Hand, höre Radio, manchmal auch nur ein zeitvertreibendes Hörspiel. Einen möglichen Rest von Langeweile zu tilgen überlasse ich dem Internet beziehungsweise dem DVD-Spieler im Notebook. Ich kann mir daher nicht so recht vorstellen, wovon Herr Zeiler da so vollmundig spricht.

  12. 12

    Erstklassiger Titel des Beitrags!
    Auch treffend Dein Vergleich Zeilers mit einem Politiker: alles wird gut bleiben, man muss nur feste die Augen verschließen, noch 4 Jahre absitzen, dann ist Rente.
    Ich könnte mir vorstellen, dass der Durchschnitts-Spreeblicker RTL nicht schaut. Ich tus jedenfalls nicht – Sat1 und Pro7 ebensowenig.

  13. 13

    Es ist dabei ja noch eine besondere Ironie darin zu erkennen, wie ausgerechnet die alten TV-Mastodonten ARD und ZDF im Vergleich zu den Privaten wie morgenfrische Trendsetter aussehen (man vergleich nur mal die ZDF-Mediathek mit den über das komplette RTL-Onlineangebot verteilten Videoschnipseln…).

  14. 14

    Die jungen Familien mit Kindern die ich kenne haben irgendwie nur sehr, sehr selten das Bedürfnis, sich vom Fernseher unterhalten zu lassen. Bei den Sendungen, die dort zu finden sind, entsteht vor allem das Bedürfnis, seine Kinder vor Verdummung zu schützen.

    Dass die meisten Leute immer noch Fernsehserien schauen liegt dann eher an alluc.org, youtube.com, den Tauschbörsen und Projekten wie Joost. Übers Internet kann man schon heute Heroes, Eureka oder die neueste Staffel von Dr. House schauen und gleichzeitig seine Sprachkenntnisse aufbessern.

  15. 15
    Thunder77

    Also wenn die Gleichung höheres Alter = mehr Fernsehkonsum stimmt, dann produzieren RTL und Co doch z.Zt. total am Markt vorbei, oder? ;-)

  16. 16

    Ich schliese mich der Anti-RTL-Haltung an. Genauso wie Zeilers Wunsch nach konsumierenden Couchpotatoes gehen mir auch die steinzeitlichen Vermarktungsmethoden RTLs auf den Keks. Zu nennen wären hier noch die knebeligen Verträge, die alle Superstar-Anwärter unterzeichnen müssen. Ist doch kein Wunder, dass aus so einem Wettbewerb nur Drittklassiges hervorgeht, wenn man nur Aussicht einen monatlichen Lohn (bei Popstars waren es wohl 2000,-) hat und zudem untersagt ist, eigenes Material zu performen. Sogar die Verlierer dürfen acht Wochen nach Finale nicht selbständig auftreten. Ach, scheiss der Hund drauf!

  17. 17
    srm

    schoen beobachtet und gut kommentiert!

  18. 18

    Ich weiss ja nicht, so furchtbar weit sind die beiden doch gar nicht auseinander.

    Beide sagen dass die Inhalte (neudeutsch: Content) das wichtigste sind, das Internet ist auch nur ein neuer Vertriebsweg.

    Und recht haben sie damit auch. Denn was ist der groesste Teil der Sachen die auf YouTube und Konsorten zu finden sind? Was ist es was alle sehen wollen und am suchen sind?

    Richtig, Fernsehsendungen, Fernsehserien und aehnliches.

    Nur der Vertriebskanal aendert sich ein wenig, bzw ein weiterer Vertriebskanal kommt hinzu. Viel mehr aber auch nicht. Rubert mag da vielleicht ein bisschen weiter sein, aber das war’s dann auch schon.

  19. 19

    Hmmm… ich bin heute (bald) 17 – und habe seit Monaten nicht einen angeschalteten Fernseher gesehen (ach, doch, letzte Woche im Saturn…). Kaum zu glauben, dass sich das ändern soll…

    Erbärmlich, wer von seinen Kindern vor der Glotze entspannen muss… nein, bitte, dort wird man genervt. Hoffentlich nicht mehr lange. TV ist tot. Naja, fast. Untot.

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