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Campagne Electorale Deux Zéro

sarko350.jpg
(Überraschungsgast Sarkozy. Foto: moiles)

Die Franzosen haben sich entschieden. Für die nächsten fünf Jahre wird Nicolas Sarkozy ihr Präsident sein. Dass er es geworden ist, verdankt er wohl nicht zuletzt der französischen Blogosphäre.

Denn anders als Thomas Knüwer vermutet, ist Sarkozy nicht Web 1.0. Der Mann und seine Berater, zu denen auch der prominenteste französische Blogger gehört, wissen perfekt auf der Klaviatur der politischen Kommunikation in Zeiten des Web 2.0 zu spielen.

Rückblick:

Ein Blick zurück in das Jahr 2005. Nach dem tragischen Tod zweier Jugendlicher im Département Seine Saint Denis brechen im November Unruhen in Frankreich aus. Die Partei Sarkozys, UMP, schaltet bei Google Anzeigen für das Suchwort „Emeutes“ – Unruhen. Der Link führt zur Website der UMP, die Linkbeschreibung lautet: „Soutenez la politique de Nicolas Sarkozy pour rétablir l“™ordre“. Unterstützen Sie die Politik Nicolas Sarkozys zur Wiederherstellung der Ordnung.[1]

In einem viel beachteten Posting gibt der Schauspieler und Regisseur Mathieu Kassovitz („La Haine“, „München“) Sarkozy uns seiner Politik als Innenminister eine Mitschuld an den Unruhen. Unter den 396 Kommentaren ist eine Antwort Sarkozys. Das Innenministerium bestätigt, dass es sich tatsächlich um einen Kommentar des Innenministers handelt.[2]

Kurz vor Weihnachten 2005 veröffentlicht Loic Le Meur einen Videopodcast mit dem Innenminister. Le Meur ist zu diesem Zeitpunkt bereits der mit Abstand bekannteste französische Blogger. Le Meur ist durch mehrere erfolgreiche Gründungen von Internet-Firmen reich geworden. Er organisierte auch die bekannten Konferenzen Le Web. Im Videopodcast spricht Sarkozy viel über das Internet und vergleicht den Boom der Weblogs mit Entwicklung der Privatradios im Frankreich der 80er Jahre. Die beiden Gesprächspartner sprechen sich mit dem informellen „tu“ Du an, was gerade in Frankreich besonders bemerkenswert ist. In der Folge muss Le Meur einige Kritik einstecken, dem Interview würde die nötige Distanz zwischen Fragendem und Antwortendem fehlen. Dennoch markiert dieses Interview den Beginn einer wunderbaren Männerfreundschaft.

Le Meur engagiert sich im darauf folgenden Jahr im Internet Kommitee der UMP und tritt schliesslich dem Wahlkampfteam bei. Er berät die Partei und den Kandidaten in Sachen Internetkommunikation mit Schwerpunkt Blogs und Web 2.0. So initiiert er Sarkozy-Insel in Second Life, kümmert sich um den Aufbau eines Unterstützer-Blognetzwerkes und nutzt dafür alle gängigen Tools wie Flickr, Dailymotion und NetVibes.[3]

Im Dezember 2006 verärgert Loic Le Meur viele internationale Blogger nachhaltig, als er Sarkozy als Überraschungsgast auf der Le Web 3 präsentiert. Für den (Vor-)Wahlkampfauftritt des Innenministers werden die Redezeiten regulärer Sprecher gekürzt und Panels zusammengestrichen.[4]

2007:

Die Konservativen entwickeln eine mehrstufige Online-Strategie[5], um die Meinungsführerschaft im Netz zu erlangen:

– Auf der Plattform Debat Sarkozy werden 1500 Fragen und 8000 Kommentare gesammelt – und vom Kandidaten per Video beantwortet.

– Blogger werden in das Kampagnen-Hauptquartier eingeladen und in die strategische Kommunikation eingebunden.

– Die Plattform Debat Sarkozy wird zum Journal du Buzz, einem Digg-Ähnlichen Informationshub für die Sarkozy-Blogger.

– Blogger-Flashmobs. Hochmotivierte Blogger veranstalten „Flashmops“ in Paris, bei denen Wahlkampf-Werbematerial verteilt wird.

Im Blogosphärenwahlkampf 2007 wird mit harten Bandagen gekämpft. Die Videoplattform Dailymotion wird zum zentralen Speicher von Filmen und Clips die die Kandidaten in Misskredit bringen sollen. Es kursieren zum Beispiel Videos, die Beweisen sollen, dass Sarkozy in einer Talkshow einen Knopf im Ohr trug, durch den er die passenden Antworten zugeflüstert bekommen haben soll. Dies wird relativ schnell als Manipulation entarnt. Praktisch jeder Auftritt der Kandidaten wird mitgeschnitten und landet – oft entsprechend bearbeitet – auf der Videoplattform.

In den Kommentaren der politischen Blogs[6] herrscht ein rauher Ton. Die Sozialistische Partei sieht sich sogar gezwungen, Ihre Anhänger zur Mässigung aufzurufen. Das linke Spektrum, längst nicht so auf Linie gebracht, hat den perfekt organisierten Konservativen online nicht viel entgegen zu setzen.

Die Strategie der Blogger-Zelle innerhalb der Sakorzy-Kampa ist aufgegangen. Sarkozy und seine Berater, allen vorran Loic Le Meur haben es verstanden, erfolgreich die Themen der Online-Konversationen zu setzen.

Es ist müssig, sich zu fragen, ob eine solche Online-Kampagne in dieser Breite auch in Deutschland möglich wäre. Denn einerseits hat Thomas Knüwer schon recht: unsere Volksvertreter sind wohl mehrheitlich noch Web 1.0 – andererseits ist die deutsche Blogophäre, was ihre Größe und Diversität betrifft, so weit von ihrem französischen Pendant entfernt wie die Erde von der Sonne.

Mindestens.


[1] http://www.sixtus.net/index/P637/
[2] http://www.andreas.de/wordpress/archives/2005/12/04/kassovitz-vs-sarkozy-en-blog/
[3] http://www.loiclemeur.com/france/2007/05/a_toi_de_jouer_.html
[4] http://beissholz.de/pivot/artikel-1440.html
[5] http://vincent.ducrey.com/2007/Mai/05/les_blogueurs_avec_sarkozy___bilan_de_campagne.html
[6] http://www.bonvote.com/

UPDATE: Der deutsch-französische Sender arte zeigt online die Dokumentation www – Der neue Weg in Elysée?. Der Film zeigt, wie die beiden Kandidaten Sarkozy und Royal das Internet für den Wahlkampf genutzt haben. Sehr interessant uns sehenswert. Leider wohl nur für eine Woche online.

Danke, mucknich.

44 Kommentare

  1. 01
  2. 02

    Grml, der edit geht hier net… zu früh abgesendet zudem auch noch:

    Also: Wow! So einfach kann’s gehen, wenn man nur will… Hätt‘ ich net gedacht, dass da auch in der „großen Politik“ (Frankreichs) schon so drauf Wert gelegt wird!

  3. 03

    die entscheidungen für politiker und parteien funktioniert wie bei jedem anderen konsumprodukt. nicht die qualität des produktes bewirkt eine kaufentscheidung, sondern die qualität und quantität der argumente, die für das produkt kommuniziert werden.
    nicht politische programme entschieden, sondern der erfolg der dazu realisierten pr.
    somit könnte die bloggerwelt tatsächlich zu einer vertiefenden auseinandersetzung mit den inhalten der politik führen. doch auch hier manipulieren zunehmend professionelle strategen.

    eine frage: wer bekommt hier eigentlich für seine kommentare bereits geld?

  4. 04

    wow, sehr gut recherchiert andreas. danke für die infos.

  5. 05
    westernworld

    inwiefern ist die französische blogosphäre anders als die deutsche?
    ist sie besser, anders, älter oder nur größer.
    hängt das mit der früheren verbreitung internetähnlicher dienste wie minitel zusammen?

  6. 06
    westernworld

    @wolle#4

    ich noch nicht. bitte, bitte kauf mich.

  7. 07
    Lupus

    Zum Glück haben wir nicht eine so homogene Blogosphere wie in Frankreich, sonst liesse die sich auch so leicht für Wahlkampf instrumentalisieren. Wobei der Prostitutionsgrad in Deutschland, was die Blogs angeht, grad dramatisch zunimmt!

    Hoffe auf Web 3.0

  8. 08

    Das linke Spektrum, längst nicht so auf Linie gebracht, hat den perfekt organisierten Konservativen online nicht viel entgegen zu setzen.

    Das finde ich den zentralen Satz. Es gab und gibt eine Menge Anti-Sarkozy-Blogs (siehe auch hier), aber nur sehr wenige Pro-Segolène-Blogs. Angesichts der Tatsache, dass Sarkozy anscheinend vor allem traditionell rechts wählende Bevölkerungsgruppen zur Stimmabgabe motivieren hat können, würde ich Deine Aussage lieber umdrehen: Der Sieg der Konservativen ist wahrscheinlich nicht die Mobilisierung der französischen Blogosphäre gewesen, sondern die Verhinderung einer Mobilisierung durch die Sozialisten.

  9. 09

    Und im Web 3.0 wird alles anders?

    Du tauscht ja „nur“ die Technik aus, nicht die Nutzer… *g*

  10. 10

    @westernworld #6:

    Zum einen gibt es einen gewaltigen Groessenunterschied. In Frankreich kursiert die Zahl von 13 Millionen Weblogs. Selbst wenn davon ein grosser Prozensatz inaktiv wäre, ist im Vergleich dazu die deutsche Blogosphaere mit aktuell vermuteten 140.000 Blogs nicht einmal ein Dorf. Eher eine Bauernschaft.

    Neben den ganzen Schülern, die eine hohen Anteil an der Blogosphaere haben, haben viele Prominente, seien Intellektuelle, Künster, Autoren oder Show-Sternchen ein eigenes Weblog, dass sie zumeist selbst pflegten. Unter einer einer eigenen Adresse, nicht irgendwo versteckt bei einer Online-Ausgabe einer Zeitung oder eines Magazins.

    Blogs werden in Frankreich sehr viel selbstverständlicher als relevante Online-Konversation verstanden. Das Thema Politiker-Weblogs ist mindestens seit der letzten Parlamentswahl vor vier Jahren relevant.

    Es mag einen Zusammenhang mit der Parteienstruktur geben. In Frankreich ist das politische Spektrum deutlich aufgefecherter und wechselhafter als in Deutschland. Parteienbündisse entstehen und lösen sich auf.

    Einzelne politische Persönlichkeiten, auch wenn sie aktuell kein grosses Mandat inne haben sind medial präsent. Und für sie waren und sind Weblogs die idealen Kommunikations- und Selbstdarstellungsplattformen. Einer der ersten Politiker, die in Frankreich gebloggt haben, war der ehemalige Finanzminister Dominique Strauss Kahn der Sozialisten.

    Ausserdem beteiligen sich Politiker schon mal an Diskussionen in Blogs, wie oben beschrieben. Sarkozy – Kassovitz.

    Ich kenne keinen Fall, in dem sich ein amtierender Minister in einem Weblog geaeussert hätte. (Gut, immerhin hat Guido Westerwelle mal hier bei Spreebick kommentiert ;)

    Nein, ich kann keinen Zusammenhang mit der starken Verbreitung von Minitel in den 90ern erkennen. Eher im Gegenteil. Minitel hat bis in die ganz späten 90er Jahre dafuer gesorgt, dass der Anteil der Franzosen, die das Internet nutzten im europaeischen Vergleich sehr gering war.

    Ich glaube, die Erklärung ist eher darin zu suchen, dass es in Frankreich ein anderes Verstaendnis von gesellschaftlichem Diskurs und Partizipation gibt. Einmischung ist dort selbstverständlich. Sei es durch Demonstrationen oder Streiks. Gerne auch anarchosyndikalistisch. (ich mag das Wort ;) Bauern, die nach Paris fahren und ihre nicht verkaufte Ueberschussproduktion dem Landwirtschaftsminister vor die Fuesse kippen – zum Beispiel.

  11. 11

    @apfelbaum #9:
    ja. ein interessanter gedanke. das linke spektrum hat es sich vielleicht zu einfach gemacht, sich einfach nur gegen sarkozy zu stellen – ohne auf die argumente einzugehen und es gleichzeitig versaeumt, eine deutlichere pro-royal kampagne zu fahren.

  12. 12

    @ Andreas: Ich denke, dass sich die Linke in weiten Teilen nicht in Übereinstimmungen mit den Positionen Royals hat bringen können. Um einen Schulterschluss zu vollziehen, hätte es wohl eines starken linken Themas bedurft. Einen Krieg, gegen den man hätte sein können beispielsweise. Das war eine Vernunftehe, und für viele Linke noch nicht mal das, sondern eine Zwangsheirat. Nicht die perfekten Voraussetzungen, um einen Pro-Royal-Wahlkampf zu führen.

  13. 13
    nrq

    Mag das mit den fehlenden Pro-Royale Blogs vielleicht daran gelegen haben, das auch viele der Sarkozykritiker die gute Frau für leicht inkompetent gehalten haben? Die Franzosen solten ja schließlich nicht nur über irgendwelche politischen Richtungen entscheiden, sondern den nächsten französischen Präsidenten bestimmen.

    Ich habe den Wahlkampf selbst nicht verfolgt, aber bei allem was ich über die beiden Kandidaten gelesen habe war „kann gut mit Menschen, ist aber politisch nicht so bewandert“ quasi die Zusammenfassung der Fähigkeiten von Segolene Royale.

  14. 14

    Andreas: Ich wünschte hier wäre es anders. Ich kenne die französische Parteienstruktur nicht, aber ich habe den Eindruck dass die Politik hier wirklich mehr für sich selbst und elitär gehalten wird. Wieso dann grossartig nach aussen kommunizieren, wenn die Schlacht im Inneren der Partei gewonnen wird. Während des Wahlkampf selbst ist dann nur noch Zeit für die Besuche auf den lokalen Märkten und TV Studios.

    Andererseits denke ich aber, dass in Deutschland auch schon ein Anfang gemacht ist. Zugegeben, ich kenne die schwarze Internetlandschaft nicht, aber mit den „roten Blogs“ war zumindest schonmal die Plattform da beim letzten Bundestagswahlkampf.

    Und bloggende Politiker gibt es auch hier…

  15. 15
    remei

    Danke für den tollen Bericht!

    Allerdings finde ich Deine Grundthese endweder falsch oder trivial. Entweder war der Einfluss der Blogs signifikant oder nicht. Aber ‚verdankt er wohl nicht zuletzt der französischen Blogosphäre‘ ist nur eine rethorische Blase.

    Sowohl in fr als auch in anderen (nicht nur westlichen) Ländern sind Blogs inzwischen Teil des öffentlichen Diskurses. Insofern haben sie signifikanten Einfluss auf die Meinungsbildung und politische Kultur. Ob sich eine starke Fürsprache einzelner, bekannter Blogger allerdings auf das Ergebnis des Hofierten immer positiv auswirkt, wage ich zu bezweifeln. Ohne den faux pas auf der Konferenz hätte das Ergebnis für den Konservativen möglicherweise noch besser ausgesehen. Obama hat die Geschichte mit dem Video ja offensichtlch auch eher geschadet.

    remei

  16. 16
    westernworld

    @andreas#11
    danke für die ausführliche antwort- echt was dazugelernt was die franz. blogosphäre anlangt.

    ich dachte bei minitel auch eher an die breite der allg. onlinesozialisation der franzosen die dadurch ja bereits viel früher stärker begann – btx, minitel, www. alles nur protokolle online/offline scheint mir die wichtigere leitunterscheidung zu sein.

    was die andere politik und konfliktkultur unserer nachbarn anlangt so scheint mir das erst in den letzten jahren ein vorteil zu sein.

    es war natürlich immer sehr malerisch anzusehen, aber eine sozialpartnerschaft wie sie die bundesrepublik bis in die achziger jahre kannte hat in frankreich bis heute nie funktioniert.

    da war die parteipolitische ausrichtung der gewerkschaften sehr hinderlich. genauso wie die sich durch alle wirren, anders als in deutschland, als sozial milieu erhaltengebliebene bourgeoisie.

    erst die tiefe krise des deutschen korporatismus im zeichen der globalisierung zeigte, das daß auf konsens und breitegestreute vetomacht basierende deutsche system einen mangel an konflikt und mobilisierungskultur hatte.

  17. 17

    „Dass er es geworden ist, verdankt er wohl nicht zuletzt der französischen Blogosphäre.“ ach, ich wußte nicht, dass die so weit rechts ist, so knapp neben Le Pain (!).

  18. 18

    „Dass er es geworden ist, verdankt er wohl nicht zuletzt der französischen Blogosphäre.“

    Als ich diesen einleitenden Satz gelesen hatte, freute ich mich schon darauf zu lesen, daß die kleinen privaten Blogger die Entscheidung mit herbeigeführt hätten. Wie sich im Artikel dann aber herausstellt, ist es wohl eher die geschickte Nutzung der Blogosphäre bzw eigentlich der Blogtechnik für den Wahlkampf. Wie schon Wolle schrieb: nur ein anderes Medium.

    Oder ergibt sich ein Mehrwert für den französischen Blogleser im Vergleich zum französischem Zeitungsleser?

  19. 19

    @tf #18
    hmm, du kennst den grundsaetzlichen unterschied zwischen einer zeitung und einem weblog?

  20. 20

    Sehr interessanter Artikel, dafür vielen Dank. Dank aber auch an Andreas, für seine Einschätzung bezüglich der Relevanz von Weblogs im französischen Diskurs. Mich würde sehr interessieren, ob es hier vielleicht noch andere „Frankreich-Kenner“ gibt, die da eine stärkere „Binnenperspektive“ der franzöischen Meinungsbildung haben.

    Mein persönlich, unsachlicher und womöglich total falscher Eindruck ist eher der, dass Online-Marketingstrategien einen eher zu vernachlässigenden Einfluss auf die Wahl hatten. Der Präsidentschaftswahlkampf ist so angelegt, dass er polarisiert. Und tendenziell gibts in Frankreich immer eine leichte Mehrheit für „Rechts“. Zudem wirkt Sarkozy charismatisch „neuer Kennedy?“ (tagesschau.de) und konnte Royal in den TV-Debatten öfter mal den Schneid klauen. Aber ob seine sicherlich sehr gut geplante Online-Strategie da einen entscheidenden Einfluss hat? Zumal man da auch noch zwischen einer „von oben“ angelegten Plattform mit Videobotschaften und einer vermeintlich „von unten“ durch linientreue Blogger getragene Werbekampagne unterscheiden muss.

    Bla… wie gesagt. Eigentlich hab ich keine Ahnung. *g* – aber mich würden mal Einschätzungen zu meinen Gedankenstrichen interessieren.

  21. 21

    @impi #21

    Ja klar hat Sarkozy nicht die Wahlen gewonnen, weil er eine sehr gute Online-Kampagne gemacht hat. Vor allem ist es ihm gelungen, Wähler vom rechten Rande bis weit in die Mitte des politischen Spektrums von sich zu überzeugen.

    Dennoch: ich finde die Kampagen in ihrer strategischen Planung und Durchführung sehr bemerkenswert.

    Und wie gesagt: Mein Eindruck ist, dass die Konservativen die Themen der Online-Konversationen besetzt haben und die Line nur hinterher laufen konnte.

  22. 22

    Mich hat nach der Lektüre dieses Artikels vor allem überrascht, dass es Sarkozy war, der die Technologien des Internets erfolgreich genutzt hat. Meinen Informationen nach war doch das zentrale Wahlkampfthema von Ségolene Royal Frankreichs Demokratie-Defizit. Sie wollte die Zentralgewalt einschränken, Bürger in Entscheidungsprozesse einbinden und deren Durchsetzung von Jurys überwachen lassen um Debakel wie zuletzt bei der Arbeitsmarktreform zu vermeiden.
    Stattdessen hat kompromisslose Nicoalas Sarkozy das Internet als Werkzeug bemüht, dessen Reformen bereits jetzt weitgehend feststehen und dessen débat Sarkozy vielmehr ein demander Sarkozy war.
    Soweit zu meinem Verständnis des französischen Wahlkampfes. Natürlich kann ich was falsch verstanden haben ;)

    Insgesamt find‘ ich die geschilderte Entwicklung des Internets als Medium der Politik trotz der Nebenwirkungen sehr positiv, denn man kann sich nicht nur einseitig informieren, sondern fragen und diskutieren. Bitte bringt die Politik ins Internet.

  23. 23

    @Andreas #20
    natürlich kenne ich den Unterschied. Ich meinte auch nicht den prinzipiellen Mehrwert, der ist mir sehr bewußt, aber den konkreten Mehrwert im Bezug auf die Wahlen und aufs Informieren über den Wahlkandidaten. War es mehr als „nur“ die Verlagerung (bzw Ergänzung) von den üblichen Medien weg? Also inhaltlich meine ich.

  24. 24
    peterpan

    @tf #25

    Naja, wenn es einer schafft sich in einem Medium „insgesamt“ besser zu präsentieren, ist das doch auch ein qualitativer Vorteil – würde ich jetzt mal vermuten.

  25. 25
    mucknich

    Heute abend ab 20.40h gibt es auf arte einen Themenabend über den französischen Wahlkampf im Netz. http://www.arte.tv/de/geschichte-gesellschaft/Praesidentschaftswahlen-2007/1487176.html

  26. 26

    Da wollte ich auch gerade drauf hinweisen.
    Bleibt mir also nur noch zu sagen, dass der Themenabend ab 22.40 auch im Netz bei arte.tv angesehen werden kann, falls ihr euren Fernseher schon entsorgt habt.

  27. 27

    Oh, danke für den Hinweis auf die arte Sendung!

  28. 28

    Die ARTE-Sendung war auch sehr aufschlussreich…

    So war es in Frankreich im Vorfeld des ersten Wahlgangs nicht erlaubt, öffentliche Debatten im Fernsehen zu führen, bei denen nicht alle zwölf (sinds doch, oder?) Kandidaten anwesend sind. Der Sinn: Jeder soll die gleiche Redezeit haben, keiner einen Vorteil durch einem Mehr an Präsenz haben.

    Im Internet ist dies nicht gültig gewesen, so war das Internet offenbar für viele ein Quell für „unique information“. Interviews und Kleindebatten, die nur im Netz vorhanden sind, ziehen wohl auch eher internetfremde Menschen in die „ausstrahlenden“ Blogs.

  29. 29

    „Dass er es geworden ist, verdankt er wohl nicht zuletzt der französischen Blogosphäre.“

    Hatten französische Blogger wirklich Einfluss auf den Ausgang der Wahl? Überschätzen wir die da nicht? Mehrere Millionen Zuschauer in Frankreich haben immer noch TF1 und Antenne 2, sprich das gute alte Fernsehen als Meinungsmacher. Diese Verbreitung traue ich der französischen Blogwelt eben noch nicht zu.

    Mein Fazit: Ségolène hat nicht 47% gewonnen, sondern 47% waren gegen Sarkozy. Nur ist das nicht die Mehrheit.

  30. 30

    @Oliver #31

    Wie auch der arte-Bericht gestern herausstellte: In diesem Wahlkampf spielte klassischer Journalismus eine untergeordnete Rolle. Im Fernsehen traten mehrheitlich sachkundige Bürger denn Fachjournalisten auf.

    Viele Dinge, die in den Wahlkampfdiskurs eingingen kamen direkt aus dem Netz. Sei es durch die offiziellen Kandidatenplattformen oder sei es durch Blogger, die Video-Mitschnitte politischer Veranstaltungen online stellten, die Zuendstoff enthielten.

    Und nicht vergessen: wir reden hier von 13.000.000 (dreizehn millionen) weblogs.

  31. 31

    @ Andreas: Birnenbaum sagte das Gegenteil. Sie hätten ein paar Meinungsmacher beeinflussen können, sagte er, aber entscheidend is aufm Platz is im Fernsehen. Gegen 10 Millionen Zuschauer bei TF1 sieht die Blogosphäre halt blass aus.

    Ein anderer wichtiger Punkt wurde leider nur am Rande erwähnt: Die französische Medienlandschaft ist ne Katastrophe. Lagardère, Dassault und Konsorten haben ein Quasi-Monopol in Sachen Information. Da wächst auch das Bedürfnis nach alternativer Information.

  32. 32

    achso, ich brauch noch popcorn.

  33. 33

    2002 sagten die Franzosen NEIN zu LE PEN
    2007 sagten die Franzosen JA zu LE PEN LIGHT
    http://www.chartaland.de jetzt schützen

  34. 34

    @chartaland #38
    das ist genau die art kommentar, die die linke in frankreich nicht wirklich weitergeholfen hat. kannst du mal erlaeutern, was diese website soll?

  35. 35

    Danke, Andreas, für diesen Eurosphere Beitrag.

  36. 36
    Gaga

    Und dann haben alle 80000 französischen blogosphärenbewohner diesen Sarkozy gewählt, der darauf hin voll krass „gewonnen“ hat?
    Naja …

  37. 37

    Gaga #41: Den Artikel hast Du aber schon gelesen, oder?

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