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Evangelisch oder katholisch – welche Religion steht mir?

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Originalfoto: ebeth

Martin Luther und Sigmund Freud haben bei der Entwicklung ihrer Kulte einen entscheidenden Konstruktionsfehler begangen – sie verzichteten auf die Möglichkeit der Vergebung. Welch‘ Jubilieren wäre auf den Klinikfluren der Republik! Man geht in seine wöchentliche Seelenheilung, beichtet, dass man seine Mutter begehrt und selbst seinen Kot nicht gern abgibt, weil man gar so engherzig ist, und der Heiler lächelt milde und sagt: „Ich vergebe dir.“

In diesem Jahr liegt in Deutschland der Katholizismus im Trend. Der Satz zum Trend lautet: „Wenn schon Religion, dann die mit dem ganzen Glamour und dem mystischen Brimborium.“ Die Protestanten haben den „Evangelischen Kirchentag“ mit einer Meldung im Vermischten des Flensburger Kuriers, die Katholiken haben „Der Papst kommt nach Bayern!“ mit fetten BILD-Schlagzeilen und Fotos von Männern in fliederfarbenen Umhängen in jedem Life-Style-Magazin.

Im – meiner Mutter zufolge – „tiefschwarzen“, also streng katholischen Aachen war es dagegen eine klare Sache: ein Protestant zu sein war cooler (sagte man so in den 80ern: „cool“). Während wir im evangelischen Religionsunterricht über die Freuden der Abtreibung sprachen und über manipulative Werbung aufgeklärt wurden oder umgekehrt, hielt der Priester im katholischen Unterricht, der tatsächlich ein Priester war und „der schöne Pütz“ genannt wurde, weil er den Hausfrauen in seinem Bezirk den Kopf verdrehte, Predigten, las Psalme und manchmal sang er.

Das hatte allerdings den Vorteil, dass die Katholiken während des Religionsunterrichts gemütlich schlafen konnten. Außerdem bekamen sie alle eine 1.

Bei den katholischen Kindern zuhause wurde vor jedem Essen gebetet. Wenn ich dabei saß, bewegte ich stumm meine Lippen mit und lachte in mich hinein. Aber im Gegenzug waren die Geschenke, die sie an den christlichen Feiertagen erhielten, pompös. An jedem Osterfest wucherte die Todsünde Neid in mir, wenn die fetten Katholikenkinder bepackt wie die Rentiere des Weihnachtsmannes von all den abertausend Tanten und Großtanten zurückkamen. All diese alteingesessenen, katholischen Aachener Sippen waren in Wahrheit riesige Verbände, Glaubensnetzwerke zur Vertiefung der Geschenkkultur. Und dann hatten all die Daniels, Andreasse und Markusse auch noch Namenstage, an denen sie noch reicher beschenkt wurden als an ihren Geburtstagen.

Am Tag danach kamen sie dann behängt mit goldenen Uhren und Walk- und Printenmännern und Schokotörtchen in die Schule und vergaßen das christliche Almosengebot. Man merkt, ich bin traumatisiert.

Wir Protestanten dagegen, wir bekamen von Gott nichts, wir mussten aber auch nichts geben. Wir konnten unser Sperma in die Welt hinaushauen, unsere Mädchen hatten von „No Sex until Marriage“ nur aus Liedern von Front 242 gehört.

Erst einige Jahre später merkte ich, dass es sich im Grunde genau umgekehrt verhält mit Protestanten und Katholiken. Da eben, wie oben erwähnt, die Katholiken ihre Sünden vergeben bekommen, können sie sündigen ohne Unterlass, während die Evangelischen wie RAF-Mitglieder der Gnade harren.

Deshalb gehen katholische CSU-Wähler in den Puff, während Protestanten Streetworker werden.

Da hat Martin Luther, der Erfinder des Protestantismus und nebenberuflicher Judenhasser und Bauernfeind, sich also einen groben Schnitzer geleistet.

So richtig fällt dieser Schnitzer jedoch nicht mehr ins Gewicht, weil sowieso niemand sich an die von den Kirchen aufgestellten Regeln hält. Ob christlich-sozialer Gesundheitsminister oder Abstinenz predigender amerikanischer Politiker – sie alle vergessen die Hitze der Hölle für einen abkühlenden Samenerguss.

Wenn sich also niemand an die Regeln hält, dann kommt es darauf an, ob das Spiel Spaß macht. Und da wird die Wahl zwischen den Glaubensrichtungen zur Geschmacksfrage.

Im globalen Maßstab geht der Trend zum Singen und Klatschen in den Messen, Religion ist hipper und volksnäher geworden. Die deutschen Amtskirchen aber haben den verlässlichen Charme der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Sie funktionieren nicht richtig und verbrauchen ihr Geld für ihre eigene Verwaltung, aber sie sind politisch korrekt, umarmen Juden, Bäume und Ausländer, sogar für Frauen fällt hier und da ein warmes Wort ab.

Mag man also Heilige und Namenstage und Crossdresser oder IKEA-Kirchen und sozialpädagogische Beratungen? Mag man wortgetreue Bibelauslegung oder spaßige Verdrehung der Worte des Herrn in ihr Gegenteil?

Wie fiele die Antwort auf die Gretchenfrage heute aus? „Du, ich finde ja Abtreibungen voll okay, aber ich steh‘ irgendwie total auf Gold und Purpur und den ganzen alten Kram“ oder: „Du, wegen deiner Abtreibung, lass uns da nochmal reden drüber, ich muss jetzt zu meinem Ayurveda-Kurs, aber – hey! Kopf hoch!, Hauptsache, die Kirchensteuer ist bezahlt.“

Nimmt sich nicht viel.

Ergänzung zu der Frage, ob Kirchen hohe Verwaltungskosten haben:
Nehmen wir beispielsweise den Haushalt des Erzbistums Freiburg:

Leitung/Koordination 1.070.000 €
Gemeinde- und Erwachsenenpastoral 1.173.000 €
Zuweisungen für den laufenden Bedarf 41.000.000 €
Investitionen 31.120.000 €
Kindergärten 16.475.000 €
Gemeindeverbände 6.890.000 €
Dekanate 1.710.000 €
Seelsorgeregionen 1.725.000 €
Personalkosten
(Geistliche und Laien in der pfarrlichen Seelsorge) 45.690.00 €

Personalkosten und Zuweisungen für den laufenden Bedarf sind hier die mit Abstand größten Posten.

Diese Informationen sind allerdings unvollständig. Das Gesamtbild sieht anders aus. Schaut man in die Konkordate, wird deutlich, dass ein großer Teil der Personalkosten sowieso schon von den Ländern – und damit auch von konfessionslosen Steuerzahlern – bezahlt wird.

So regelt Artikel 8 des Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhl und Niedersachsen die staatliche Finanzierung der Schulen kirchlicher Träger:

Das Land wird im Rahmen der allgemeinen Förderung der Privatschulen den Schulen katholischer Träger weiterhin seine Hilfe angedeihen lassen. Nach Maßgabe der staatlichen Vorschriften werden diese Schulen staatlich anerkannt und durch Finanzhilfe – mindestens unter Wahrung des bisherigen Verhältnisses zu den Aufwendungen für die von Gemeinden und Gemeindeverbänden getragenen öffentlichen Schulen – sowie durch Erleichterung im Austausch von Lehrkräften gefördert. Über die Anwendung der staatlichen Vorschriften werden die Landesregierung und die Diözesen eine besondere Vereinbarung treffen.

In Artikel 15 desselben Konkordats ist die Pfarrbesoldung geregelt:

Das Land zahlt an die Diözesen, beginnend am 1. Januar 1965, als Dotation und als Zuschuß für Zwecke der Pfarrbesoldung und -versorgung jährlich drei Millionen zweihundertundfünfzigtausend Deutsche Mark. Der Betrag ist in seiner Höhe laufend den Veränderungen der Besoldung der Landesbeamten anzupassen.

Und weil man sich auf kirchlicher Seite nicht gern in die Bücher schauen lässt, gibt es auch noch eine Ergänzung zu Artikel 15:

Für die Staatsleistung wird ein Verwendungsnachweis gemäß Â§ 64a der Reichshaushaltsordnung nicht erfordert. Durch Vereinbarung der Diözesen untereinander wird der Anspruch auf die Staatsleistung auf die einzelnen Diözesen aufgeteilt. Die Vereinbarung ist der Landesregierung anzuzeigen.

Interessant auch noch folgendes Zitat:

Das zeigt sich vor allem an der Bezahlung der hauptamtlichen kirchlichen Mitarbeiter. Hier trägt die Kirche nur 16,2 % der Kosten insgesamt. Sämtliche Mitarbeiter der Diakonie und Caritas werden vom Staat und der Öffentlichkeit finanziert.

Wie man sieht: Ein Blick auf den durch Kirchensteuern finanzierten Haushalt allein verstellt die Sicht auf die tatsächliche Finanzsituation und die Gewichtung innerhalb der Kirche.

Und ich möchte auch noch eine Anmerkung machen zu dem Vorwurf, Texte mit Religionsbezug würden auf Spreeblick nur aus Lust an der Provokation veröffentlicht.

Artikel 10 des Konkordats besagt:

Das Land wird bei den Rundfunkanstalten, an denen es beteiligt ist, darauf bedacht bleiben, daß die Satzungen Bestimmungen enthalten, nach denen das Programm das religiöse Empfinden der katholischen Bevölkerung nicht verletzt, der katholischen Kirche angemessene Sendezeiten eingeräumt werden und ihr eine angemessene Vertretung ihrer Interessen an den Fragen des Programms ermöglicht wird.

Das provoziert mich.

56 Kommentare

  1. 01
    Pergan

    Das ist ja richtig schlecht und uninspiriert. Plakativstes Schweinezeitungsniveau.

  2. 02

    Das ist ja auch nur eine Falle für hochqualifizierte Kommentare. Funktioniert bisher sehr gut.

  3. 03

    Mh. Seltsamer Religionsunterricht — auch Protestanten glauben an die Vergebung der Sünden und auch bei ihnen gibt es die Beichte, wenn auch nicht den Druck zur wöchentlichen Ohrenbeichte wie bei den Katholiken.

  4. 04
    Malte

    ich möchte mich hier jetzt gar nicht zu tief in theologische diskussionen verstricken, aber ist es nicht gerade das wesenmerkmal des protestantismus, dass man vergebung nicht für eine leistung erhält?

  5. 05
  6. 06

    Die Frage ist nur, was will uns der Künstler damit sagen? Ich vermute mal: Werteverfall oder doch die Fokussierung auf Sex in der heutigen Gesellschaft oder wollte der Autor nur kurz prahlen, mit dem Wissen, das auch Martin Luther kein Heiliger war und sein Schaffen auch Schattenseiten hat?

    Ich habe keine Ahnung…

  7. 07

    Bei manchen Kommentaren wünscht man sich, es käme ein Ritter mit einem Gummihuhn in der Hand rein und würde es ihm um die Ohren schlagen.

    Wahlweise auch einen Ziegelstein.

  8. 08

    Mal davon ab, dass das theologische Eis, auf das Du dich hier begibst, eher dünn ist und manche Katholiken ihre Religion schon ernst nehmen und auf das Sündigen verzichten, bin ich aber als getaufter Protestant und Kind einer Mischehe auch immer von der Opulenz des Katholizismus fasziniert gewesen. Einmal in der Osternacht das Gloria erleben, wenn plötzlich die Orgel einsetzt und die Lichter angehen – dagegen kommen auch fünfhundert Jahre Kampf gegen die Werkgerechtigkeit nicht an. Und gegen Beatlemania-ähnliche Stimmung auf dem Petersplatz hat ein Bischof Huber gar keine Chance mehr.

  9. 09

    Einen Satz meines Religionslehres werde ich nie vergessen. Und der ist protestantisch (Der Satz und der Lehrer):

    „Es gibt keine billige Gnade. Gnade ist umsonst“

    Um den Ernst hier doch mal durchzuhalten: Mit „Gnade“ ist die Vergebung Gottes gemeint. „Umsonst“ meint geschenkt durch das Osterereignis an alle die daran glauben. Leisten muß man dafür nix (evangelische Version) aber einfach so weiterhuren kommt dann allerdings auch nicht gerade glaubwürdig rüber…

    Das darf gerne auch Herr Söder von der CSU lesen (deren „C“ ich eine ABGRUNDTIEFE UNVERSCHÄMTHEIT FINDE).

    Ich find das Thema eigentlich sehr spannend. Denn letztlich muss jeder, ob er nun irgendwas glaubt oder nicht, mit der Scheiße klarkommen, die er verbockt. Aber ob sowas blogtauglich ist, bezweifle ich…

  10. 10

    Was ist eigentlich mit denjenigen die sich keiner Religion zugehörig fühlen und eher für sich selbst an Gott, einer höheren Macht oder sonstwas glauben? Ich persönlich finde das die Religion nicht verwaltet werden sollte, denn man hat doch den Glauben für sich selbst und nicht für irgend so nen Hampel der sich Papst nennt? Tut mir wirklich leid wenn ich hier vielleicht jemanden auf die Füße trete aber mein Glaube an Gott besteht nunmal nur für mich alleine und meiner Meinung nach muß ich mich dafür nicht in eine vorgebende Form pressen lassen wenn ich meinem Gott genausogut in Gedanken huldigen kann.

  11. 11

    Danke, dass Du Front 242 im Text untergebracht hast. :)

  12. 12

    Hmnaja. Die Exemplifizierung des (sicher diskussionswürdigen) Umganges mit der RAF, ihrer Geschichte und ihren Mitgliedern anhand der ganz offensichtlich nicht verstandenen christlichen Gnadenlehren (egal, ob r.-k. oder ev.) scheitert doppelt: der Text kann sich nicht entscheiden, ob nun „launig“ auf dem altbezopften Christengedöns rumgeklopft oder dasselbe als Folie für eine ganz woanders verortete Situation verwandt werden soll.

    Wie auch das Statistiklesen nicht zu den Fähigkeiten des verehrlichen Autors zu gehören scheint. Den Unterschied zwischen Personalkosten und Verwaltungsaufwand ist ihm offensichtlich unbekannt.

  13. 13

    Malte (4): Ich auch nicht. Wie Du sagst, gibts Vergebung nicht für eigene Leistung — aber eben auch nicht gar nicht (wie Du im ersten Satz des Artikels suggerierst).

  14. 14

    Für die einen ist es eine christliche Konfession, für die anderen ist es heidnisch oder gar ein Baalskult?

    Diese Religionen… geht es nicht sowieso nach dem Motto „Ich mach mir die Welt widiwidiwie sie mir gefällt…“?

  15. 15
    westernworld

    @malte#4

    „…aber ist es nicht gerade das wesenmerkmal des protestantismus, dass man vergebung nicht für eine leistung erhält?“

    hierzu ein entschiedenes jaein.
    eigentlich hast du in der theorie recht, in der lutherischen zumindest.

    aber da die calvinistische prädestinationslehre auch ganz ordentlich auf den protestantischen mainstream abgefärbt hat ist das so eine sache.

    ein leistung ist es schon, aber keine der kirchen, sondern eine des individuums.
    eigentlich eine perversion des ursprünglichen gedankens der reformation.
    säugetiere brauchen scheinbar einfach eine klare hackordnung.

  16. 16

    @maternus: Ja dann. Dann lösch ich den wieder, den Text, oder? Wenn das so mit der Exemplifizierung scheitert und der gar nicht richtig Statistikliest? Macht ja dann gar keinen Sinn. So ein Text. Belastet nachher noch das Internet.

    Habe aber gerade bei dir eine fantastische und treffende Analyse der Boulevard-Presse gelesen, die mich wirklich umgehauen hat. Hoffe, das kommt sehr bald an die breitere Öffentlichkeit!

  17. 17

    Schon erstaunlich, das man einen Text über christliche Religionen schreiben kann, ohne den Namen „Jesus“ auch nur zu erwähnen – und keinem fehlt was. Aber zum Glück ist Gott nicht an diese Vereine gebunden. Nicht auszudenken, wenn er sich tatsächlich an das halten müsste, was Menschen so über ihn denken (Dogma wurde letztens ja auch wiederholt).

    Hier kann man jemanden sehen, der es tatsächlich schafft, das zu tun, was Jesus wohl eher von den Menschen wollte, als Kirchen zu gründen, die sich hauptsächlich mit sich selbst beschäftigen.

  18. 18

    Ohne Glauben brauche ich Gottes Gnade nicht.

  19. 19
    sunny

    mmh, also die kritik von maternus war jetzt nicht wirklich bösartig und ihm deswegen vorzuwerfen, er würde ja selbst nur gaga – quatsch auf seinem blog veröffentlichen, ist unangemessen, sorry.

    mal abgesehen von der statistik (was in erster linie wohl daselbe beinhaltet – verwaltung gleich personal – oder) – finde ich den ersten absatz schon interessant. (maternus 12)

    ich habe das so verstanden, dass es um die anwendungspraxis geht. um den alltag. darum, die lehre einzuhalten. sich daran zu halten – was aber in vielen fällen nicht funktioniert.

    christian klar ist ja jetzt keine abstrakte einheit, der aus diesem kirchlichen ryhtmus einfach herausgenommen werden kann – wenn es im christlichen sinne um gnade geht.

    O.k. – interessant wäre doch – wie war das verhältnis der einzelnen raf – mitglieder zu relisiösen themen

  20. 20

    Also fuer mich gab es nur die Wahl zwischen Ethik- und einem etwas nebuloesen und nicht weiter diversifizierten Religionsunterricht, wobei ich mich dann aufgrund des ansprechenderen Lehrkoerpers lieber fuer die Atheistenvariante entschieden habe und damit wohl auch ganz gut lag. Vergeben wurde da aber auch nix…

  21. 21

    Ich würde gerne mal über außerirdische Sexualpraktiken diskutieren und dabei einen kleinen Voodoo-Miniaturgalgen mit Nadeln durchstechen, aber ich fürchte dass sich auch dann passionierte Glaubenstheoretiker fänden, die mir das keinesfalls vergäben, egal welche Leistungen ich ihnen dafür böte.
    Drum setz ich mich zurück, geniesse die Sonne und ess ein theologisches Eis aus (8).

  22. 22
  23. 23

    sunny, nö, bösartig ist der Kommentar nicht, aber das war meine Antwort ja auch nicht.

  24. 24
    Malte

    mal abgesehen von der statistik (was in erster linie wohl daselbe beinhaltet – verwaltung gleich personal – oder) – finde ich den ersten absatz schon interessant. (maternus 12)

    maternus 12 – liest sich wie eine bibel-stellenangabe, hihi.

  25. 25

    Religion ist veraltet und wird für meinen Geschmack viel zu oft zur Legitimierung sehr fragwürdiger Dinge verwendet.

    Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, wie man wirklich ernsthaft „gläubig“ sein kann.

    P.S: Bin (oder war vielleicht eher) konfirmierter Protestant, hab sogar 4 Monate mal Kirchensteuer bezahlt, aber nur weil ich mir nicht bewusst war, dass das automatisch passiert, wenn ich im Arbeitsvertrag als Konfession evangelisch angebe; das war wohlbemerkt in einem katholischen Krankenhaus.

  26. 26

    Hmmm. Ist zwar nicht alles korrekt, was du über Protestantismus schreibst … aber gut wie immer, Malte.

    PS. Ablass existiert durchaus bei den Protestanten, wird aber im allgemeinen abgelehnt ;-)

  27. 27
    bongokarl

    Ich bin rational denkender Atheist, glaube aber an Liebe, Musik, ein bisschen Spiritualität die in beidem liegt und das Mysterium des Lebens und das Wunder der Existenz an sich.

    Ich muss aber sagen dass der romantisch-esoterische Schnickschnack der Katholiken durchaus seinen Reiz hat. Aber das unglaublich weltfremde Gelaber und die Mittelalter-Dogmen, reissen es dann eben wieder raus. Also doch eher noch Protestantismus.

  28. 28

    @Mucho
    >Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, wie man wirklich ernsthaft „gläubig“ sein kann.

    So kompliziert ist es nicht. Ich kann mir inzwischen nicht mehr vorstellen wieder Atheist zu sein. Oder besser gesagt, kann ich es mir zwar vorstellen aber ich wollte es nicht. Was die Legitimation von fragwürdigen Dingen angeht, kann ich dir übrigens zustimmen, allerdings trifft das meiner Meinung nach nicht nur auf Religionen zu. Anscheinend neigt der Mensch dazu, sich alles für seine persönlichen Zwecke zurechtzubiegen.

  29. 29

    malte (24):

    Neinnein, „Personal“ sind alle Angestellten bei Kirchens, also auch Kindergärtnerinnen, Küster, Putzfrauen, Krankenpfleger, Ärzte, Stationsschwestern…

    Die kirchlichen Verwaltungen an sich sind im Vergleich zu den weltlichen Kollegen sogar sehr schlank.

  30. 30

    Oh, ganz vergessen:

    Johnny (16):

    „Wenn das so mit der Exemplifizierung scheitert und der gar nicht richtig Statistikliest? Macht ja dann gar keinen Sinn.“

    Warum so dünnhäutig? Die Debatte um die RAF ist wichtig und notwendig, das sagte ich ja bereits. Und diese Debatte gewinnt m.E. nicht dadurch, daß man sie mit Bildern bereichert, die letztlich in der Sache und genau betrachtet nicht sonderlich viel bringen.

    „Habe aber gerade bei dir eine fantastische und treffende Analyse der Boulevard-Presse gelesen, die mich wirklich umgehauen hat.“

    Das ist doch schön! Im übrigen bin ich nur Z-Blogger, ich darf auch Zweieinhallb-Zeiler.

  31. 31

    maternus, alles nicht so wild, mich nerven nur manchmal Reich-Ranicky-eske Kommentar-Kritiken. Bitte auch immer mit ;) lesen.

    Aber das mit dem Z-Blogger… meine eigene Erfahrung zeigt, dass sich das fix ändern kann. Ob man will oder nicht. Und Zweieinhalbzeiler dürfen wir doch wohl alle, oder? Ich mache da ja eher weniger Unterschiede, wer was darf und wer nicht…

  32. 32

    „Martin Luther und Sigmund Freud haben bei der Entwicklung ihrer Kulte einen entscheidenden Konstruktionsfehler begangen – sie verzichteten auf die Möglichkeit der Vergebung.“

    Der Satz enthält schon so viele Fehler, daß es eigentlich gar nicht lohnt weiterzulesen. Wer es doch tut, hat nicht viel davon außer reflexartigem Eindreschen auf Religiosität. Das ist dann nicht mal besonders pfiffig oder überzeugend formuliert, sondern nur ein Haufen billiger Polemik.

  33. 33

    (off topic, aber on comments): Ich sehne mich nach einem Text voller Hardcore-Dada vor diesem Publikum.

  34. 34

    off topic, aber on comments

    Da liegst Du, ntropie, gerade voll im Trend. Diesen Frühling trägt man die comments locker und lose um die Hüfte, ohne Bindung zum Thema. Sollten Sie Kopfbekleidungsfragen quälen, wenden Sie sich bitte an Batz (7).

  35. 35

    ntropie, Religion geht immer.

  36. 36

    [edit/malte:
    ich möchte hier keine antisemitischen verwirrtheiten lesen und ich werde auch nicht darüber diskutieren]

  37. 37
    miKa

    könnte vielleicht jemand den unsäglichen „winfried“ kommentar/36 löschen?
    es ist unerträglich, täglich diese -schwachsinns-ich allein weiss wie die welt funktioniert-und übrigens die juden haben schuld- sinnfreien ergüsse sehen zu müssen.

    P.S: und meinen hier dann auch, da er sich dann erübrigt hätte

  38. 38
    Lone Star

    Wasser zu predigen und Wein zu trinken ist m.E. eine Einstellung, die in allen Glaubensrichtungen um sich greift. Darüber, welche Religionsgruppe am stärksten davon befallen ist, lässt sich streiten, ist es aber nicht wert. Ein sehr gelungener Artikel, finde ich.

    Ich bin so froh, dass ich kein Kölner bin.

  39. 39

    Grummel. Warum? Allein wegen der Diskussion?

    Vieles von dem was Malte schreibt, ist einfach falsch. Und seine Kommentar zeigen, dass er das – zumindest teilweise – selber weiß.

    Vergebung ist wesentliches Merkmal des lutherisch-reformierten Glaubens; eben darum – dass es *Vergebung* und kein *Ablass* ist – ging es damals ja. Malte wird sicher auch ein oder zwei mal das Glaubensbekenntnis gesprochen oder zumindest gelesen haben („…und vergib uns unsere Sünden…“).
    Da ist der Link betitelt ‚verbrauchen ihr Geld für ihre eigene Verwaltung‘ und wenn man den klickt, steht da ‚Sachkosten, Verwaltung: etwa 10 %‘.
    Dass es innerhalb der evangelischen Kirchen eine intensive Diskussion darüber gibt, dass man zu ‚verkopft‘ ist und dass man vielleicht doch ein wenig zu Ritualen und Symbolen nach katholischem Vorbild zurückkehren sollte, ist da nur noch eine Randnotiz.
    Und ob Malte zum ökomenischen Kirchtag hier in der Stadt war und/ oder zu der Zeit nur japanische Medien verfolgt hat, kann ich nicht sagen.

    Ok, veröffentlicht ihr solche Beiträge also nur, weil ihr Kommentare wie die hier haben wollt? :p
    (‚Mist, der Kommentaschnitt ist diese Woche schon wieder unter 20 gerutscht. Malte, mach mal was mit Religion.‘)

  40. 40

    Mal ganz abgesehen von protestantisch-semifaschistoiden Erfindungen wie Konfirmationsunterricht (soll echt schlimm gewesen sein), habe ich mich im fortgeschrittenen Alter – sehr grob vereinfacht – darüber aufklären lassen, dass wir Katholiken die Hardliner sind, während die Protestanten aus historischen Gründen unerträgliche Opportunisten und Pragmatiker vor dem (weltlichen) Herrn seien. Was dann in Zeiten wie dem Dritten Reich dazu führte, dass Katholiken (jenseits des Amtsklerus!) weitestgehend geistig renitent blieben, während Protestanten da weit weniger Probleme mit ihrer intellektuellen Anpassung hatten. Als Beispiel wurde mir die Historie der beiden benachbarten Städte Mönchengladbach (seinerzeit größtenteils protestantisch) und Rheydt (katholisch, übrigens und leider auch Geburtsort des Propagandaminsters) vorgebetet, äh, vorgebeiert.

    Ich bin halt froh, dass ich kein Protestant bin.

  41. 41
    Malte

    @ kornecke
    ich habe da mal was ergänzt

  42. 42

    Der Artikel könnte ohne große Änderungen auch in der Bild-Zeitung stehen. Und nein, das war kein Kompliment.

  43. 43
    Jule

    Da sieht man mal wieder, wie es in unserem Staat um die im GG festgeschriebene Trennung von Staat und Kirche bestellt ist – nüscht is. Tolle Wurst.
    Wer sich’s im Glauben bequem einnisten will, soll machen, aber bitte nicht auf meine Kosten. Warum finanzieren sich die Kirchen denn nicht einfach über Spenden oder festgesetzte Mitgliedsbeiträge? Machen Taubenzüchtervereine etc. auch, klappt doch. Wer dazugehören will, muß (darf?) eben zahlen. Ich jedenfalls will den ganzen (Aber-)Glauben nicht mitfinanzieren, aber ich hab ja leider keine Wahl.

    Gott sei Dank (haha!) gibt es mittlerweile mehr Menschen in Deutschland, die sich als Atheisten bezeichnen, als je Katholiken und Protestanten (Quelle: Giordano Bruno Stiftung). Wird also alles nur noch eine Frage der Zeit sein.

  44. 44
    Jule

    Bevor Mißverständnisse aufkommen: Mit „je“ meine ich „jeweils für sich genommen.“

  45. 45
    daniel

    Auch Blogger sollten bevorzugt über Dinge schreiben, von denen sie etwas verstehen.

  46. 46

    Zum Nachtrag: Laut dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel hatten die Kirchen 2004 insgesamt knapp 8 Mrd. Euro Kirchensteuereinnahmen. Wenn dazu steht: ‚machen die Kirchensteuereinnahmen zwischen 60 und 85 % des jeweiligen Haushalts aus‘ kommt man nach Adam Riese auf irgendwas zwischen eins und fünf Mrd. Euro, die der Staat jährlich an die Kirche abgibt.

    Bei einem Gesamthaushalt von 270 Mrd, einem Schuldendienst von knapp 38 Mrd. und 8,5 Mrd für ‚Militärische Beschaffungen, Anlagen usw.‘ (Zahlen für 2006 nach BFM) ist es aufregenswert und schrecklick moralisch verwerflich wenn der Staat 1 – 5 Mrd. an religiöse Einrichtungen für Altenarbeit, Seelsorge, Bildung, Behindertenarbeit, Krankenpflege etc. gibt? Davon abgesehen werden freie Schulen, private Krankenhäuser oder gGmbHs ebenfalls finanziell vom Staat unterstützt. Muss man sich darüber auch aufregen? Sind Aktiengesellschaften, die profitorientierte Altenpflege betreiben, wirklich die besseren Empfänger von Steuergeldern?

    Ganz ehrlich: Ich möchte das Geschrei hören, wenn die deutschen Kirchen ihr soziales Engagment einfach einstellen würden. Ich würde wetten, dass man die (ok, vielleicht nicht alle) Atheisten dann besonders laut schreien hören würde. Würde ernsthaft jemand wollen, dass die Kirchen keinerlei Unterstützung vom Staat erhalten und ihre soziale Tätigkeit einstellen?

    Und Malte, wenn du dich von dem zuletzt zitierten Absatz tatsächlich provozieren lässt, dann mache ich mir Sorgen um deine Nerven. Wenn ich mir das heutige Fernsehprogramm anschaue rege ich mich über vieles auf – aber ganz bestimmt nicht über den unangemessenen christlichen Einfluss. Im Gegenteil könnte ich aus dem Stehgreif ein gutes Dutzend Sendungen aufzählen, denen ein bisschen mehr katholische Kirche sehr gut bekommen würde. Aber keine einzige Sendung von der ich den Eindruck habe, sie wäre übermässig christlich geprägt. (Ok, das Wort zum Sonntag. Eine. ;))

    Ich finde es albern, wenn sich hierzulande Atheisten beschweren, sie würden diskriminiert – wie es das oben verlinkte IBKA tut. Naja, so unterschiedlich sind da die Wahrnehmnungen.

    Achja, ich hätte es auch nett gefunden wenn zu den drei Punkten, die ich in 39 hatte, auch etwas ergänzt worden wäre und nicht nur zu der Frage ob/ wieviel Geld die Kirchen in Deutschland vom Staat bekommen. Tja, ist immer noch nicht Wünsch dir was hier, oder? ;)

    (Aufregen könnte ich mich über Kommentare wie 40: „protestantisch-semifaschistoiden Erfindungen wie Konfirmationsunterricht“ und eine Anmaßung, dass man ihm die Links um die Ohren hauen könnte. Hab aber gar keine Lust, mich drüber aufzuregen.)

  47. 47

    @winfried aus chemnitz – dann streicht den Beleidigungskommentar – das geht sonst an die Grenze der Verleumdung – wenn der Ausgangskomment nicht mehr zu lesen ist!

    Meine ich Ernst!

  48. 48

    @kornecke
    Es geht bei meinem Kommentar um Grundtendenzen der prot. oder kath. Bevölkerung, nicht um Pauschalisierungen. Und Konfirmationsunterricht kenn ich nur aus schauerlichsten Erzählungen. Junge Menschen werden auf dem Höhepunkt ihrer Pubertät gequält. Für mich ist das semifaschistoid.

  49. 49

    @winfried aus chemnitz Sprechen wir von einer Kritik an jüdischer Kultur dann ist man Antisemit – das ist dann per Definition Undiskutierbar – na Gut!

    Dialektische Wahl – Willste‘ sein Antisemit oder ein Vertreter der freien Rede – Nu denn als Jud‘ ist die Wahl einfach!

    Als Nichtjud‘ ist die Wahl auch ganz gut!

  50. 50

    @Torsten:
    Solche Kommentare da auf Basis von irgendwelchen „schauerlichen Erzählungen“ zu schreiben halte ich schon für ein starkes Stück. Vor allem weil du gleich von einer/zwei eventuell negtaiven Erfahrungen auf alles schließt.

  51. 51

    @Michael l:
    Meine Abneigung gegen Protestanten beruht natürlich zudem auf persönlichen Erfahrungen mit evangelischen Geistlichen und deren Familien – nein, ich möchte hier keine Beleidigungen hinterher schieben, schließlich trete ich nur beim Fußball nach, kann mir aber nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass im Spanischen Wörter wie „luterano“ und „herético“ gerne als Synonym bzw. als Schimpfwort verwendet werden. Und, liebe Kinder, fragt mich jetzt aber bitte nicht, was die beiden Begriffe auf Deutsch heißen. Soviel sollte das heutige Abitur eigentlich schon hergeben.

  52. 52
    Andreas

    Das von Malte aufgeworfene Thema hätte hier einen vortrefflichen Diskussionsort: kreuz.net

  53. 53
    Jens

    Ein Glück das ich nicht Katholisch bin.Also Protestanten sind immer im Vorteil.Sie haben keinen Papst der irgendwelche Religionen in fragestellt wie die Evangelische vom Papst in frage gestellt wurde und die ganze Lügerei die von den Ablassbriefen im Mittelalter angefangen bis in die heutige Zeit mit anderen Sachen.

  54. 54
    Stephan

    „Während wir im evangelischen Religionsunterricht über die Freuden der Abtreibung sprachen“
    So sieht also protestantischer Religionsunterricht in Aachen aus?

    Ein absolut dämlicher Artikel, mit dem ich hier meine Zeit verschwndet habe. Wird seinem Titel nicht im Ansatz gerecht. Grrrr..

  55. 55
    Peter Habegger

    finde Deinen Artikel absolut an der Realität. Meine Ex-Frau war katholisch, habe ihr verboten, zu beichten, was geht das einen Pastor an, ob ich mir morgends die Schuhe nicht putze. habe mich mal als Verwaltungsangestellter beim kath. Rentamt beworben und mußte mich als Protestant outen, konnte wieder gehen.
    Der Vatikan ist ein Milliarden-Unternehmen, der zugegeben auch etwas tut, aber solange ein Papst 10 Panzerwagen in der Garage hat und einen Millionenhaushalt verbrät, ist mir die katholische Kirche suspekt.
    Wie wird man Papst, man studiert Theologie, Gott hat ihn nicht gerufen.

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