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Klare Aussagen

was missverstanden werden kann, wird missverstanden werden

S. Müller

Also dann. Aber hier nur noch klare Aussagen.

Konrad Adenauer war auch mal jung.
Eure Eltern hatten mindestens einmal Geschlechtsverkehr.

Kurt Beck hat Übergewicht.
Ich habe mir heute eine zu enge Hose gekauft, um hinein zu wachsen.

Ich weiß durch Blogscout.de, wer das neue nächste deutsche Topmodel ist.
Ich weiß durch Youtube, wie man „Angela Merkel“ in Gebärdensprache sagt.

Die große Koalition ist mir zu groß.
Oskar Lafontaine ist ein kleiner Mann in einem verhältnismäßig großen Körper.

Ich mag Konzerte so wenig, dass ich noch nicht einmal heute Abend zu De La Soul gehe, obwohl ich dann dazu befähigt wäre, einen schwärmerischen Artikel über sie zu schreiben.

Ich finde, dass Autobahnen kein Grund sind, sechs Millionen Menschen zu töten.

Ich finde zweieinhalb Lieder von Sido gut, obwohl ich erst kürzlich geschrieben habe, dass es peinlich sei, ihn zu hören.
Ich bin mir jetzt peinlich.

Ich saß in jungen Jahren in einem Kindersitz und war morgens immer sehr froh, wenn kein Löschwasser ihn ruiniert hatte.

Ich bin seit gestern bei Twitter.
Ich bin nicht in der Lage, Twitter zu verstehen.

Dieser Text ist jetzt zu Ende.

51 Kommentare

  1. 01

    „Eure Eltern hatten mindestens einmal Geschlechtsverkehr.“ eine Unangenehme Wahrheit.

    „Ich mag Konzerte so wenig, dass ich noch nicht einmal heute Abend zu De La Soul gehe, obwohl ich dann dazu befähigt wäre, einen schwärmerischen Artikel über sie zu schreiben.“
    Steinigung!

  2. 02
    Steinigung!

    Aber hinten anstellen, Malte.

  3. 03

    Du solltest Pressemitteilungen für Quizsender schreiben.

  4. 04

    Und jeder nur einen Stein.

  5. 05

    ach du sch§$%&, da werde ja ich zitiert. :-O

    ich muss weg. ^^

  6. 06
    philoact

    *DAS* finde ich kindisch! sorry, aber da hätte ich mehr erwartet, oder missverstehe ich deinen Text Malte?

  7. 07

    Ganz großes Kino!

  8. 08

    Und für sowas gibts Grimmepreis?

  9. 09

    Herr Malte hat einen Sack Reis gefunden. Umgefallen.

    (Und jetzt? Ratlos zurückbleib)

  10. 10
  11. 11

    Am besten wäre es wenn jeder geschriebene Artikel mit „Du Arsch“ endet.
    Da weiss man doch eher woran man ist, und das ist daran der gedankliche Vorteil.
    Selbst tiefgründige Ergüsse die individuell verstanden werden,
    sind mit der Endung „Du Arsch“ wahrscheinlich besser ein zu ordnen.
    Du Arsch

    [Stehe unter Drogen]

    ;-)

  12. 12

    Hmm. Naja, ich habe zwar eine Reaktion auf den Post von „buchstaben in bewegung“ erwartet. Aber mit so etwas hätte ich nicht gerechnet …

    Tut mir Leid, das ist jetzt wirklich nicht böse gemeint (denn sonst seid ihr wirklich Spitzenklasse), aber gerade bei euch hätte ich auf eine eine respekt- und verständnisvollere Antwort auf Kritik gehofft.

  13. 13

    der umgang mit kritik ist immer schwer (allgemeinplatz) und auch spreeblick hat in der vergangenheit schon oft gezeigt, dass sie noch keinen guten umgang gefunden haben. entweder werden die kritiker als trolle dargestellt und damit verachtet oder kritik wird wortlos übergangen (verallgemeinernd).
    zur not kommt aber auch manchmal die kolchose an und knüppelt dem „troll“ ein paar über. auf knüppeln scheinen ja auch einige zu stehen. werden sie gerade nicht vom staat zusammengeknüppelt, knüppelt man halt anderen ein paar über, die dann auch noch wen schwächeres finden, dem sie dann noch ein paar überknüppeln können usw usf.

  14. 14
    ajo

    entweder werden die kritiker als trolle dargestellt und damit verachtet oder kritik wird wortlos übergangen

    hm, und was ist hier jetzt der fall?

  15. 15
    Malte

    Keine Sorge, ich schreibe gleich noch etwas Verständnisvolles. Bis dahin bitte die verständnisvolle Diskussion hier lesen.

  16. 16
    heidrun

    „Ich saß in jungen Jahren in einem Kindersitz und war morgens immer sehr froh, wenn kein Löschwasser ihn ruiniert hatte.“
    das ist mir zu komplex. was meinstn jetzt genau damit?

  17. 17

    ajo, wenn der beitrag ein bisschen zynisch gemeint ist, dann ist zynismus wohl auch eine sehr gängige form für den umgang mit kritik. ich habe mich da auch eher auf micha bezogen und war doch stark verallgemeinernd und kann mich dann doch wirklich nicht auch noch um den einzelfall kümmern. irgendwann muss ja auch mal schluss sein.

  18. 18
    matze

    @ovit
    irgendwie scheint Dir kein Umgang mit Kritik zu gefallen.
    Daß auf Spreeblick niedergeknüppelt wurde, habe ich nie erlebt.
    Es wurde diskutiert – das ist Pluralismus.
    Das scheint Dir nicht zu passen.
    Das wortlose übergehen auch nicht, ja, hm, wie soll den dann mit Kritik umgegangen werden? Zustimmen?
    Auch das haben Malte und Johnny öfter gemacht.

  19. 19

    Noch etwas zur Ergänzung, nicht dass mir da jemand meine Aussage falsch versteht ;-)

    Dass Buchstaben in Bewegung den „Benz brennt“ nicht ganz gelesen, falsch verstanden oder in den falschen Hals bekommen hat, ist mir klar. Auch dass die Kritik deswegen teils unberechtigt (zum. meiner Ansicht nach) ist, ist ebeneso klar.

    Aber auch eben deswegen hätte ich (zumindest) von den Spreeblickern eine irgendwie, naja, verständnisvollere und weniger zynische Antwort erwartet. Wie gesagt, erwartet … ich will keines Wegs sagen, dass Maltes Reaktion falsch ist. Ganz im gegenteil, ich finde sie schon witzig und einfallsreich. Aber trotzdem schlägt sie mir doch etwas auf den Magen.

  20. 20

    na ich weiß es auch nicht. ist zynismus gut? er funktioniert wenigstens. vielleicht sollte es ein reflektierter umgang mit kritik sein. aber die selbstbetroffenheit steht da dann immer im weg. weil man auch immer sich selbst angegriffen fühlt und nicht das, was man erschaffen hat. kritik ist mir zu komplex.

    das hier hat mir von herrn goetz sehr gut gefallen. kritik um zu verbessern.

    Lob ist schlecht. Es installiert ein Gefälle, eine Nähe, eine Anmaßung; und stellt auf ganz unerfreuliche Art in Frage, dass das Gelobte selbstverständlich zu loben ist, weil es geglückt ist. Ein Aussehen, eine Geste, ein Kontakt, erst recht natürlich jedes extra hergestellte Ding, ein Essen, ein Buch, eine Musik. Gelobt zu werden ist furchtbar, aber noch schlimmer ist es, wenn man versehentlich selber derjenige ist, der ein Lob äußert. Scham, weil man spürt, das gehört sich nicht, die ganz Kaputtheit des Lobens wütet dann in einem. Man hat sich ans Gelobte einfach drangeschmissen, anstatt die Freude des Geglückten aufzunehmen und in Gedanken umzusetzen, warum genau die geglückte Sache einem so geglückt vorkommt. Lob erniedrigt die Welt des Gelobten, wie auch den Lobenden, Analyse und Argument erhöhen den geistigen Zustand, in dem alles sich befindet. Zustimmung schwächt, Kritik stachelt an, energiefiziert die Welt.

  21. 21
    sunny

    die spreeblick kolchose wird immer was zu meckern haben. sind sie doch alle betroffen. aber außer meckern – in den diskussionen lassen sie dich allein…

  22. 22
    Maltefan

    @micha: Was soll man eigentlich ernsthaft und nicht-zynisch zu jemandem sagen, der einen Text nicht dafür kritisiert, was tatsächlich drinsteht, sondern dafür, wie man ihn böswilliger- oder abgrundtief dämlicherweise falsch verstehen könnte? Und als Beleg für die böse Wirkmächtigkeit der Falschverstehung irgendeinen Kommentartroll anführt und behauptet, der stünde für 10% der Spreeblick-Leser? Also mir fällt da nichts ein.

  23. 23
    Manuel

    Meine Güte, wenn ich mir da so die Diskussion „drüben“ anschaue… und auch teilweise unter diesem Artikel, dann fällt mir auf: Die Zeit der Ironie ist wohl wirklich vorbei.

    Oder um SPON zu zitieren: „Denn die Postmoderne, mit ihrer Vernarrtheit ins Zitat, ins Collagieren, in die Ironie, in die Uneigentlichkeit ist out. Man hat wieder eine Agenda, eine Mission…“ (Filmkritik zu Fluch der Karibik 3)

    Also, lesen wir alle am besten nur noch Pressemitteilungen. Das schont das Herz, und die Tastaturen ;-)

  24. 24

    Zynismus ist eklig. Aber der Text ist nicht zynisch. Er ist vielleicht etwas schnippisch (tolles Wort!), aber er sagt genau das, worum es geht. Und das ist nicht unbedingt das, was da steht.

  25. 25
    limpi

    Zynismus finde ich gut, dein Text ist nich zynisch, aber das macht auch nix, weil er das sagt was nicht da steht und das genau so geschrieben wird.

    muss man johnny teilweise rechtgeben

  26. 26
    feinfinger

    Zynismus ist eine Reaktion auf das was draußen ist . aber wichtiger – Sido hat 2 1/2 gute lieder ??? welche ?? kann das wer beantworten ?

  27. 27

    Nur Kernaussagen fetzen nicht. Ich will das verpackte. Ich will mich wie Weihnachten auf das auspacken freuen und nicht auf Gutscheine. Ich will das drumrum und nicht das kleinste. Ich will das Ganze.

    Schön das ich das hier immer wieder finde und dieses Ganze Spielraum für meine eigene Meinung gibt.

    Liebe Grüße aus New York.

  28. 28
    sunny

    mann/frau, ich sollte in die politik gehen oder ein unternehmen führen.
    das läuft ja wie am schnürchen…
    aber ich werde es nicht öfter tun.

  29. 29

    @feinfinger: Endlichen Wochenende ist eine Jugendhymne. Wenn man selber nicht mehr jugendlich ist, kriegt man das nicht so mit. Aber guter Partysong. In „Kling wie Du“ macht er mit Harris nen Rollentausch, der sehr witzig ist. Sind schon mal zwei. Und dieser Song über Sarah Kuttner kriegt von mir nen halben Punkt. Gibt aber noch mehr gute Songs.

  30. 30

    Ich denke, dass sowohl Johnny als auch Malte sehr gute Autoren sind, gerade auch wenn es darum geht, Dinge zwischen die Zeilen zu schreiben. Ein guter Text hat eben nicht nur Töne – er hat auch Zwischentöne, Zwischentöne zwischen den Zwischentönen, und dann noch das, was sich die Leser selbst dazudenken. Ich habe damit an sich auch kein Problem – im Normalfall macht ja genau das die Spreeblick-Einträge so interessant.

    Nur: Man kann auch falsche Botschaften zwischen die Zeilen schreiben. Entweder absichtlich oder aus Versehen. In diesem Fall ist das meiner Meinung nach so gewesen.

    Davon abgesehen habe ich überhaupt kein Problem mit dem „Zynismus“ des Blog-Eintrags oben. Ich halte es für sehr fair, dass Malte seine Leser auf die Kritik hinweist, anstatt sie in meinem D-List-Blog ;-) verpuffen zu lassen.

  31. 31
    heidrun

    die, die hier nach einem „fairen“ umgang mit kritik schreien, sollten eher mal über einen intelligenten umgang mit dem geschriebenen wort nachdenken. im ernst, die hier teilweise zutage tretende unfähigkeit, die botschaft eines nun wirklich nicht so komplexen textes zu dechiffrieren, verbunden mit einer naiven forderung nach „objektivem“ journalismus, finde ich recht beängstigend.

  32. 32

    Mich würde interessieren, wie du den Text interpretierst. Was sind die Kernaussagen, wo ist er missverständlich? Wo teilst du Maltes Meinung, wo nicht?

    Erklär´s mir. :-)

  33. 33
    heidrun

    ok, also:
    die überschrift „benz brennt“ lässt keine konkreten rückschlüsse auf die meinung des autors zu. wer gerne deuten möchte, sieht hinter dem wortspiel einen verweis auf traditionen „linker“ sprüche. vgl. auch „kreuzberg brennt“
    darunter ein brennendes spielzeugauto – könnte das nicht bedeuten, dass es sich bei dem anschlag um eine kindische aktion handelt? dass das ganze mehr einem sturm im wasserglas ähnelt? denn: diekmann ist weder ruiniert, noch hat die ganze sache dem ansehen von bild-, g8- und sonstigen gegnern genützt. ähnlicher effekt wie alle jahre wieder am 1. mai.
    im text gibt malte zunächst zu, dass er schadenfreude empfunden hat nach dem anschlag auf diekmanns auto. ein gefühl, das so ziemlich alle bild-gegner im ersten moment gehabt haben dürften, mich eingeschlossen. aber da schadenfreude ja ein äusserst niederer, nur leider schwer zu unterdrückender impuls ist, trauen sich viele derer, die den anschlag dennoch nicht gutheissen, nicht, es zuzugeben.
    umso schöner, dass jemand ehrlich genug ist, es doch zu tun, mit hilfe von worten wie „klammheimlich“, „gefühl“, „erster impuls“ (was das bedeuten mag?), um anschließend jedoch am vorfall selbst und an sich selbst kritik zu üben.
    wer einfach nur „supersache“ zu dem anschlag sagt, ist ein dummkopf. wer übereifrig pc behauptet, sich nicht gefreut zu haben, dem würde ich persönlich im ersten impuls wiederum spontan verlogenheit unterstellen.
    du hingegen schreibst: „Der Autor sagt – bevor er irgendwelche anderen Aussagen macht – erstmal: Ich finde das nicht wirklich schlecht.“
    falsch. der autor sagt – bevor er irgendwelche anderen aussagen macht – erstmal:
    „meine erste reaktion war: das hat er verdient:“
    „albern, kontraproduktiv, zwangspubertär und letztlich mit zu wenig Brandbeschleuniger geschehen – es ist auch gefährlich.“ – äusserst deutliche ablehung der aktion von seiten des autors, gewürzt mit einer prise ironie.
    was ihn nicht davon abhält, kai diekmann scheisse zu finden. sollte es auch nicht.
    mitleid sollte niemanden davon abhalten, kritik zu üben. rechtfertigt wird damit an dieser stelle gar nichts.
    „unschuldigen Benzen schuldiger Bonzen“ – das ist ein wortspiel. eine freude für jeden deutschlehrer. analyse aus dem ärmel: durch das gegensatzpaar „unschuldig“ – „schuldig“ verdeutlicht der autor, dass er den „bonzen“ zwar für schuldig hält (und jeder, der diekmann für einen unschuldigen und ehrenwerten mitbürger hält, darf an dieser stelle einmal laut schreien), sein auto aber nicht. das impliziert die sinnlosigkeit, die die sachbeschädigung in den augen des autors hat. der begriff „bonze“ stammt aus dem linken jargon. der autor übernimmt ihn, um durch die alliteration mit „benz“ seinen leser zum lachen zu bringen, was durch diesen geschickten kunstgriff zugleich den begriff selbst diskreditiert. das wird durch die oben bereits erwähnten adjektive „albern, kontraproduktiv, zwangspubertär“ noch verstärkt.
    “ Und dem fackelt also ein tapferes Häuflein boulevardkritischer Kulturrebellen den Mercedes ab.“ liest du in diesem satz respekt, anerkennung und lob für die brandstifter? ich bin sicher, man kann auch noch distanzierender und herablassender werden, aber ob das unbedingt nötig ist? der autor findet die jungs/mädchen offenbar ziemlich lächerlich. es erübrigt sich dann auch, zu schreiben, wie du von ihm verlangst: „Solche Anschläge sind kriminell und verurteilenswert. Ich lehne solche Aktionen ab und verachte die Menschen, die so etwas tun.“
    „dann muss man gerade darum bemüht sein, das auf dem Boden des Rechtsstaates zu machen, den man doch verteidigen will.“ ich verstehe dein problem mit diesem satz nicht. das eingeforderte „muss“ steht drin, als dringliche aufforderung an alle, die da mit steinen schmeissen wollen.
    die autounfall-analogie zeigt deutlich, was der autor von dem verhalten beider parteien hält und wie er die folgen sieht.
    du willst kernaussagen? here we go:
    „Wenn der Innenminister nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht, wenn die größte Zeitung des Landes dort auch nicht steht, dann sollten wenigstens ihre Gegner den Boden fruchtbar machen. Und das nicht durch Brandrodungswanderfeldbau.“

    was mich an einigen reaktionen, auch an deiner, stört, ist diese erwartungshaltung, die fertige meinung des autors zu anfang eines textes auf dem silbertablett serviert zu bekommen, ohne erkennbaren willen, weiterzulesen und anschließend über das gelesene nachzudenken, mit – sorry- wenig gespür für zwischentöne und literarische stilmittel.
    wer von einem autor absolute eindeutigkeit und womöglich noch so etwas wie objektivität verlangt, dem mangelt es schlicht und ergreifend an dem, was mit der auch schon auf dem letzten loch pfeifenden vokabel „medienkompetenz“ bezeichnet wird.
    „Denn, wenn von den 40 000 Leuten nur jeder hundertste aus einem Spreeblick-Text eine solche Lehre zieht:
    friede, freude, hippietum? hat alles zu nix geführt. da steh ich doch wirklich lieber vor abrauchenden daimlern der obersten oberschicht und grinse offiziell dazu.
    villen sollten brennen. sorry, aber dahin tendiere ich mittlerweile.
    …dann sind das immer noch 400.“
    abgesehen davon, dass diese zahl eine doch recht gewagte schätzung darstellt:
    was erwartest du von medien aller art? das behaupten einer objektivität, die es nicht geben kann, gepaart mit einer ausrichtung auf den dümmsten anzunehmenden leser? willkommen bei bild & co!
    das ist genau das, was ich meinte, als ich schrieb, ich fände manche der reaktionen auf „benz brennt“ beängstigend. mich beunruhigt es zutiefst, wenn ich sehe, wie wenig menschen mit texten umgehen können (das gilt auch für den, der gerne villen brennen sehen möchte). denn dann ist auch die schöne erfindung des internet nicht so hilfreich, wie viele sich erhoffen. die ganzen atemberaubenden möglichkeiten von recherche, verlinkungen und diskussionen, die das netz dem gedruckten wort voraushat, sind nichts wert, wenn die leute sie nicht handhaben können.
    implizit machst du den autor für das platte dummgeschwätz eines lesers verantwortlich. es hat angeblich auch schon mal eine frau einen hund in eine mikrowelle gesteckt, weil in der gebrauchsanweisung nicht drinstand, man dürfe keine hunde in diese mikrowelle stecken. denken muss jeder selbst, auch wenn’s schwerfällt.
    ich lese spreeblick wie auch verschiedene zeitungen sowie andere blogs mit einer gewissen regelmäßigkeit, und ich tue es nicht, um zu erfahren, was ich meinen und denken soll, sondern um mich zu informieren, mir evtl. auch eine eigene meinung zu einem thema zu bilden (denn ich bin nicht der ansicht, dass ich verpflichtet bin, zu allem eine konkrete meinung zu haben), oder um unterhalten zu werden. sicher macht es spaß, wenn ein artikel wie dieser meine meinung voll und ganz widerspiegelt und bestätigt, jedoch kann ich das doch nicht von einem medium erwarten.
    so, und jetzt geh ich mal wieder meinem tagewerk nach…

  34. 34
    nicnac

    Brillante Analyse, heidrun. Dankeschön :).
    @simon: Mir scheint bei Deiner Kritik das Maß der Dinge aus dem Lot geraten. Was ist Gewalt gegen Sachen im Verhältnis zu den von Diekmann zu verantwortende Kampagnen, die zur Vernichtung ganzer Existenzen führen?
    Dabei scheust auch Du nicht davor zurück, auf demagogische Elemente zurückzugreifen: Einbruch in den Intimbereich eines Menschen, Bedrohung geheiligter Werte wie Familie und Kinder! Merkst Du was?
    Ich halte Maltes Art, die Dinge zu beschreiben, für legitim und kompromißlos ehrlich. Mir geht die Art von ‚political correctness‘, wie Du sie einforderst, entschieden auf den Keks. Wohin würde sie letzten Endes führen? Zu langweiliger Ödnis und zu Scheren im Kopf.
    Natürlich hat Malte als Multiplikator eine Verantwortung. Der wird er aber auch gerecht, wie Heidrun eindrucksvoll verdeutlicht hat.
    Verschiedener Meinung zu sein, ist durchaus legitim. Du hast ein Recht auf Deinen abweichenden Standpunkt, aber ich denke, er orientiert sich vorwiegend an Werten, die obsolet sind und längst schon von den Verhältnissen ad absurdum geführt werden.
    Bedingungslose Fairness, absolute Neutralität? Wie das, wo wir doch alle Menschen sind?

  35. 35

    @Heidrun: Dankeschön! Ich habe den Text mal auf mein Blog übernommen. Ich hoffe, das ist okay – wenn nicht, dann sag Bescheid. :-)

  36. 36
    heidrun

    es ist mir eine ehre :-)

  37. 37

    Strato (sphäre) über mit und Strato unter mir – Morgen ist meine Meinung garantiert Besser als Heute!

  38. 38

    Danke Heidrun … Danke Malte … Danke Heidrun Malte … Dank den Dank an Heidrun … Habe deinen Text 1000000 mal Kopiert und wieder gelöscht.

    Danke Heidrun – er ist noch immer wie Neu!

  39. 39
    Maltefan

    @heidrun:
    „was mich an einigen reaktionen, auch an deiner, stört, ist diese erwartungshaltung, die fertige meinung des autors zu anfang eines textes auf dem silbertablett serviert zu bekommen, ohne erkennbaren willen, weiterzulesen und anschließend über das gelesene nachzudenken, mit – sorry- wenig gespür für zwischentöne und literarische stilmittel.!“

    Vorhersehbar. Die identische Formulierung der „klammheimlichen Freude“ hat vor ein paar Jahrzehnten schon mal eine ganze Staats- und Bundesanwaltschaft in kollektive Hysterie und subsequenten Analphabetismus gestürzt.

  40. 40
    heidrun

    stimmt, das habe ich unterschlagen. na hoffen wir, dass es nur ein paar spreeblick-leser verunsichert…

  41. 41

    Ich stimme allen Punkten zu, so wie ich sie verstanden habe. Die anderen Kommentare habe ich nur exemplarisch gelesen, kann also nicht mit Sicherheit behaupten dass ich mich nicht irre.

  42. 42
    remei

    Herr Gödel hat zum Glück bewiesen, dass es kein logisches System geben kann, das in sich vollkommen schlüssig ist. Insofern muss jeder Versuch der Bewahrer des Status Quo, Lufthoheit über die Meinungen zu erlangen, zum Scheitern verurteilt sein.

    Ich werde diesen Artikel – nach 10 Jahren Abstinenz – bookmarken. Er ist die Wetterscheide, denn ab jetzt ist Meinung wieder frei von political correctness.

    Danke!

  43. 43
    Maltefan

    @remei:
    Das ist falsch. Gödel selber hat bewiesen, dass die Prädikatenlogik 1. Stufe vollständig und widerspurchsfrei ist (Gödelscher Vollständigkeitssatz, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6delscher_Vollst%C3%A4ndigkeitssatz). Und selbst wenn der erste Satz stimmen würde, wäre der zweite immer noch ein non sequitur.

  44. 44
    Malte

    Maltefan ist zu klug für mich. Ich bin jetzt Maltefanfan.

  45. 45
    remei

    @Maltefan:
    ich bezog mich natürlich auf den Gödelschen Unvollständigkeitssatz. Alles andere wäre trivial.

    Ich würde mich ja auch nie auf den *ersten* Hauptsatz der Thermodynamik beziehen! ;-)

  46. 46
    Maltefan

    @remei:
    Auf welchen, den ersten oder den zweiten? ;-P
    War mir schon klar, dass Du Dich auf den ersten bezogst, allerdings ist Deine Aussage in ihrer Allgemeinheit („Es kann kein … geben“) trotzdem falsch, da der nicht für alle logischen Systeme gilt. Und Dein zweiter Satz folgt sowieso nicht aus dem ersten, selbst wenn er wahr wäre (bzw dann erst recht nicht, denn ex falso usw… ;-)
    Sorry für die Korinthenkackerei, ich bin bloß etwas allergisch auf die inflationäre (und falsche) Verwendung des armen Gödel*, um die Unmöglichkeit von allem und jedem zu begründen, etwas allergisch.

    Grüße, Maltefan

    *) für den sich seit diesem unsäglichen Buch „Gödel, Escher, Bach“ sowieso jeder für einen Spezialisten hält

  47. 47
    Maltefan

    Öhm, Satzbauchaos, bitte das zweite „etwas allergisch“ streichen …

  48. 48
    remei

    Also Gut, ziehe meine Aussage zurück. Die Herleitung steht auch noch auf wackeligen Füßen. Ich wollte sagen: In einer Demokratie ist die Bewahrung des Status Quo möglicherweise ein undemokratisches Verhalten.

  49. 49
    Maltefan

    @Malte (45):
    Dann kann ich mich ja jetzt Maltefanfanfan nennen und wir können gleich den Mitlesern erklären, was Rekursion ist. ;->

  50. 50

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