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SZ, SZ, SZ!

Was is’n da bei der Süddeutschen los? Haben die ihre Chefredakteure schon in die Schlafsäcke nach Heiligendamm gesteckt?

Erst grundlegende Kapitalismuskritik am Beispiel Apple und dann wird auch noch das Urheberrecht abgeschafft.

Die wollen wohl ’ne Hausdurchsuchung provozieren. Terroristen, die.

(Speziell Krieg den Palästen, Friede den Künstlern! ist wirklich sehr lesenswert, da Autor Joost Smiers nicht nur über die seiner Meinung nach vorliegenden Mankos von Creative Commons nachdenkt, sondern auch den Lösungsansatz „urheberrechtsfreie Welt“ liefert. Hoffentlich habe ich in den nächsten Tagen Zeit, den Text ausführlich zu beantworten, denn er beinhaltet – leider, finde ich – ein paar grundlegende Fehler. Trotzdem gut, das Thema in dieser Form in der SZ zu sehen.)

16 Kommentare

  1. 01

    Die SZ scheint auf irgendeinem alternativ-vernünftigem Trip zu sein. Nicht, dass das zu bemängeln wäre… auch die Berichterstattung über die Demos vorgestern (bei don dahlmann schön dargestellt) war ein echter Lichtblick.

  2. 02

    Abgerundet wird dieses lesenswerte Programm durch „Die 100 besten Biere der Welt“: http://www.sueddeutsche.de/kultur/bildstrecke/603/110493/p0/

  3. 03
    Ingo

    Ich hab die Artikel direkt mal weiter empfohlen.

    Kann ich meine Freunde demnächst auch wieder auf die Gesamtausgabe loslassen?

  4. 04
    Sebi

    Naja der Artikel ist aber leider nicht so richtig durchdacht. Das mit der öffentlichen Brandmarkung wird sicherlich nicht so funktionieren wie es im Artikel angedacht ist. Natürlich wird es Leute geben die aus Prinzip nur die CD oder das Buch kaufen an dem der Autor/Musiker/etc. mitverdient.
    Aber es wird auch ganz schnell Firmen geben, die Werke reproduzieren, sobald deutlich wird, dass sie erfolgreich werden. Da hier dann ein deutlich geringeres Risiko besteht und auch keine Kosten für Lektoren/Studio etc. anfallen, können dann die Kopien deutlich billiger angeboten werden. Und da wir ja im Geiz-ist-geil-Land leben (auch wenn der Slogan glücklicherweise bald Geschichte ist), werden die meisten Menschen die billige Kopie kaufen…

  5. 05
    nrq

    Yepp, gerade die öffentliche Brandmarkung funktioniert nicht… sonst würde Timbaland vermutlich längst in der Ecke sitzen und sich schämen.

    http://www.youtube.com/watch?v=M4KX7SkDe4Q
    http://www.youtube.com/watch?v=wV2fTEeP6GM

  6. 06
    matti

    Oje oje, Steve Jobs als böser Weihnachtsmann führt seine infantilen Kunden mit Hilfe der Medien an der Nase herum und der aggressiver werdende iKapitalismus als gegen-aufklärerische Bewegung fordert vom Konsumenten eine reflektiert-kluge Einkausstrategie entwickeln … wenn der Autor als Journalist davon ausgeht, dass Kunden sofort in die Läden stürmen, nur weil Medien über bestimmte Produkte berichten, lässt das tief blicken. Genauso wie sein Bild vom unmündigen Kunden, der sich von Marktschreiern übertölpeln lässt, weil die im Rollkragenpulli daher kommen.

  7. 07

    Was die „Nichtentlohnung“ Kulturschaffender ist, so werden wir uns mit dieser anfreunden müssen. Vielleicht wird Musik wieder etwas wert, wenn es keine mehr gibt. Andererseits: Die Zahl der Musiker, die wirklich neue Musik machen, ist sehr gering. Wir sitzen auf einem ausreichend gut gefüllten Pool an Konserven, mit denen wir den Rest der Menschheit verbringen könnten. Wir brauchen keine neue Musik. Neue Musik ist etwas für Idealisten, die sich nicht bezahlen lassen müssen.

  8. 08
    DieterK

    Seine Thesen hat Smiers schon Ende der 1990er entwickelt, vor bzw. parallel zum Creative-Commons-Ansatz von Lessig. Aber schon damals blieb unklar, was anstelle des Urheberrechts kommen soll.

    Auf Basis des kurzen, wirren Artikels aus der SZ ist eine sinnvolle Diskussion nicht möglich. Übrigens hat die SZ schon vor vier Jahren einen — genauso wirren — Artikel (Das Ende kommt sowieso. Plädoyer für die Abschaffung des Copyrights, http://www.sueddeutsche.de/sz/feuilleton/red-artikel1698)
    von Smiers veröffentlicht. Der wichtigste Unterschied: Damals forderte er nur die Abschaffung des Urheberrechts, heute hat er immerhin begriffen, dass dadurch die Oligopole / Monopole nicht automatisch verschwinden würden. Deswegen fordert er jetzt auch noch die Zerschlagung der Medienkonzerne etc. Aber: ein „žfreier Markt“ wäre allenfalls ein kurzfristiges Phänomen. Das erkennt Smiers ja auch selbst: „žAußerdem würde ein normalisierter Kulturmarkt weitaus mehr Künstlern die Chance geben, sich einen Ruf zu erwerben, eine Art Marke aufzubauen, die anschließend dazu genutzt werden könnte, sowohl mehr als auch teurer zu verkaufen.“ Eine Marke aufbauen, teurer verkaufen. Genau darum geht es auch heute schon. Ohne die Abschaffung des Kapitalismus würden ganz schnell neue Oligopole entstehen.

    Schon die Ausgangsthese, dass das Urheberrecht / Copyright (die Basis der industriellen Verwertung) „žwegbricht“, ist falsch. Richtig ist das Gegenteil: Gerade in den letzten beiden Jahrzehnten wurden die Rechte (im ökonomischen Interesse der Industrie) gewaltig ausgeweitet. Und das auch noch RÜCKWIRKEND (für bereits bestehende Werke). Sogar die (in jeder Hinsicht vollkommen unsinnige) Verlängerung — von 50 auf 70 Jahre – des Leistungsschutzrechtes für Produzenten und Interpreten von Tonaufnahmen, die in Großbritannien eine Expertenkommission Ende 2006 abgelehnt hatte, wird inzwischen vom Parlament befürwortet. Und wenn London fällt, fällt auch Brüssel.

  9. 09

    Sieht so aus, als müsste ich mir die Mühe der Detailkritik nicht mehr machen… :)

  10. 10

    Die SZ ist die einzige Zeitung deren Kürzel man nochmal auf einen Buchstaben verkürzen kann.

    Haha.

  11. 11
    Paul

    Beide Artikel sind total schlecht. Der (uralte) Apple-Artikel rülpst zigfach abgezogene Kulturkritik hoch, in der Hoffnung, vom Apple-Abglanz irgendwie streberisch jungfeuilletonistisch zu profitieren.
    Allein der Titel der Kolumnen-Reihe „Das Leben der Anderen“ ist so Scheisse, dass sich eh alles erübrigt.

    Der Urheberrechts-Artikel ist ebenfalls sehr schlecht: schlecht geschrieben, schlecht gedacht. „Ungeschriebenes Recht“ – Hä?
    Die günstige Kopie eines Bestsellers würde sich nicht verkaufen, weil dann der Verlag öffentlich gebrandmarkt würde? Bullshit. Was kümmert mich (oder die Trottel, die so was kaufen) die Stellungnahmen der Milliardärin Rowling, der Millionäre Kehlmann, Coelho, Brown? It’s the money, stupid.

    Der Autor begreift auch Null von Creative Commons — was solche Artikel so nervtötend macht, ist, dass sie sich von vornherein die Auseinandersetzung ersparen, und übertourig vermeintlich steile Thesen hinausphrasendreschen.
    Aber, wie’s scheint, funktioniert das: das Top 10-Blog Spreeblick beist sofort an — vermutlich, weil es ganz ähnlich funktioniert. And who’s part of the fucking Kulturindustrie???

    Wahrscheinlich folgt dann noch die kritische Stellungnahme aus der Perspektive des alternden Ex-Punk-Musikers und Rechteinhabers. Gähn.

  12. 12

    Hab mich auch gefragt, ob dieses wirre Gestammel (beide Artikel) von nem Praktikanten in der Mittagspause erledigt wurde. Argumentativ ganz ganz schwach auf der Brust. Abschweifendes, nicht auf den Punkt kommendes, wirres und zusammenhangsloses Vor-sich-hin-schwafeln. Alles im Abiturientengestus des „Weil das ja klar ist…“. Detailkritik kann man sich hier absolut sparen.

  13. 13
    Heiko

    Dieser Artikel ist so dermaßen unausgegoren und angreifbar, dass man sich fragt, warum der überhaupt verlinkt wird. Oder warum Johnny ihn ernsthaft als „lesenwert“ (!) bezeichnet.

    Aber immerhin werden die inhaltlichen Anforderungen doch sehr hoch geschraubt:

    Zwar enthält der Artikel grundlegende Fehler, aber Herr Smiers „denkt nach“ und liefert einen „Lösungsansatz“. (Dessen korrekte Bezeichnung aber eher Postulat wäre) Trotzdem gut, das Thema „in dieser Form“ in der SZ zu sehen?!

    Schön, dass wir mal drüber geredet haben. Was kommt als Nächstes?

    „Die Lösung für den Welthunger: Atombombe!“

  14. 14

    Ich habe da noch was interessantes zum Thema G8, Onlinedurchsuchung und Rechtfertigung von Staatsterrorismus nach §129a StGB gefunden:

    http://members.lycos.co.uk/g8enigmail/

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