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Branko Zebec

Es gibt wenige Trainer, die mir sympathisch sind. Normalerweise ertrage ich sie, wie man Krankheiten erträgt, im besten Fall sind sie mir egal. Die wenigen Ausnahmen stammen, wenn sie nicht exzellente Blogs machen, aus Osteuropa: Ristic, Stepanovic, Zebec. Erstere habe ich auf Grund ihrer rotzigen Interviews und ihres Galgenhumors für ewig ins Herz geschlossen, bei Zebec reichte ein Foto.

Das Foto findet sich in einem Bildband über die EM 1960, als Jugoslawien Zweiter wurde. Zebec war einer der Stars des Turniers, aber das Foto zeigte ihn nicht als Spieler, sondern als Trainer beim HSV, kurz vor seiner Entlassung im Dezember 1980. Die Haare wirr, die Brille schief auf der Nase sitzend, ins Leere starrend – die Sorte Wrack, die man zum Beispiel in den Eckkneipen Neuköllns häufiger antrifft.

Eigentlich war er ein erfolgreicher Trainer gewesen: Double mit den Bayern 1969, dann beim VfB zwei eher mittelmäßige Jahre, dann, in Braunschweig, vier sehr gute Jahre. Bis man 1977 den Breitner holte. Ein Jahr später war Zebec weg, nach Hamburg. Braunschweig ist dann 1980 abgestiegen.

Gesoffen hat er anscheinend die ganze Zeit schon. Aber erst in Hamburg war er dann richtig im Eimer. Gegen Dortmund soll er mit 3,25 Promille auf der Trainerbank gesessen haben. Da liegen die meisten schon. Auf einer Pressekonferenz hat er anscheinend auf die Frage, wie er das Spiel gesehen habe, mal geantwortet: „So viele Beine…“ Oder, als der Gegner mal einen Elfmeter verwandelte, hat er sich beschwert, wie man den Stürmer so frei zum Schuss habe kommen lassen können. Von diesen Geschichten gibt es hunderte, Anekdoten eben. Wenn Ullrich von seinen Besäufnissen erzählt, finde ich das lächerlich bis lustig. Das ist der billige Weißwein. Wenn ich an George Best oder Garrincha denke, klingt das nach Rock’n’Roll. Das ist der Whiskey. Wenn ich an Gainsbourg denke, höre ich ihn „fickt euch doch alle“ sagen. Das ist der Pastis. Wenn ich die Geschichten über Zebec höre, klingt das nach Schmierentragödie. Das ist der Korn, oder das Rasierwasser, das Alkoholiker morgens saufen, wenn ihnen der Alkohol ausgegangen ist.

Keine Kommentare

  1. 01
    Samuel

    Naja, Meyer, Doll und Klopp, das sind die sympathischsten.

  2. 02

    was los? hat hier die gepflegte HSV-kultur einzug gehalten? wo sind aldi werderaner? :)

  3. 03

    Sry, aber ich kann keine netto-plus an hsvlern feststellen. Normalerweise pfeift hier jeder sein eigenes Lidl. ;)

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