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Der Wille zum Mob

Britney Spears sagte mal – sie war damals gerade auf dem Zenith ihres Schaffens, also zwischen Oops, I did it again und Lucky – manchmal werde ihr bewusst, dass sie diese Bekanntheit nicht mehr zurückdrehen könne, dass den Rest ihres Lebens alles beobachtet werden würde, was sie tut. Der Puls von Bundesligatrainern während eines Spiels ist konstant so hoch wie meiner wäre, wenn mich alle von mir gegessenen Schweine nachts besuchen würden, um mit mir über Käfighaltung zu diskutieren. Fußballprofis werden für Spiele fitgespritzt und haben schon in jungen Jahren Kniegelenke wie Mumien.

Arme Schweine.

Aber Moment. Britney Spears hat mit ihren Platten soviel verdient, dass ich selbst dann, wenn ich mein Kaninchen zum Bloggen überreden könnte, das Geld in einer Lebensspanne nicht reinbekommen würde. Bundesligatrainer sind beinahe alle Einkommensmillionäre und selbst ein Zweitligaprofi bekommt Schecks auf Bundeskanzlerinnenniveau. Mitleid wäre da doch obszön. Oder?

Max Mey schreibt in den Kommentaren bei Stefan Niggemeier, der einen Artikel der Huffington Post über Paris Hilton verlinkt hat:

und nochwas: ja, ich freue mich diebisch. ich geniesse es, wie dieses spoiled girl flennend in den knast gebracht wird. wie sie sich über das harte knastleben beschwert, wie sie nach mum ruft, wie sie versucht, wieder mit allen mitteln da raus zu kommen. wie sie sich windet und leidet. ich sehe es mit genugtuung. sie hat es im wahrsten sinne nicht anders verdient und es die logische konsequenz ihres bisherigen werdegangs.

Woher genau kommt dieser Wille zum Mob?
Was macht es so schön, einer Frau beim Weinen zuzuschauen? Werden ihre Tränen zu meinem Lieblingsgetränk, weil sie nicht auf Strohmatten schläft? Darf sie mir leid tun, dürfen Fußballerknie in mein Bewusstsein dringen angesichts von Tellerminenopfern?

Ich halte weder Fußballer noch Erbinnen und auch Sängerinnen von Welthits für taugliche Vorbilder.

Aber – wenn auch auf einem anderen Level – gilt für alle erwähnten Beispiele das gleiche Prinzip der strukturellen Überforderung, das uns alle prägt und das ich gestern schon in dem Artikel über Primacall erwähnt habe. Ob man nun im Rahmen dieser Überforderung Millionen verdient oder gerade genug, um sich abends besaufen zu können, das sind am Ende nur graduelle Unterschiede.

Häme ist da nicht angebracht und der Glaube, Geld könne für die Schattenseiten entschädigen, ist ein systembedingter Denkfehler.

Aber Mobs lieben Denkfehler. So lässt es sich kuscheliger geifern.

46 Kommentare

  1. 01
    planlos

    …zwischen Tretminen-Opfern und Paparazi-Opfern gibt es was: sie sind beide unglücklich. Die Umstände, die zum Unglück führen, sind egal.

    Ist das Karma scheiße, wird man selbst als Prinzessin auf der Erbse Leiden. Man sollte also Mitleid mit allen Leidenden haben…. naja, wir üben noch :)

    Schön Gruß

  2. 02
    heidrun

    mmmhhjein. es gibt solche und solche paparazzi-opfer.
    ich finde den „beruf“ paparazzo völlig verachtenswert und empfinde nicht wirklich häme für irgendwelche mädchen in irgendwelchen knästen, aber wenn man seine karriere auf diesem ganzen zirkus aufbaut, muss man sich auch nicht wirklich wundern, wenn man plötzlich die schattenseiten zu spüren bekommt. gibt es viele paparazzi-stories über, sagen wir, ludivigne sagnier, die zweifellos sehr sexy und sehr talentiert ist? es gibt sicher einige, aber die grenzen hat die dame woanders gesteckt. würde scarlett johansson auf diese weise bis in den knast verfolgt? ich glaube nein. jemand wie paris hilton lebt von genau diesem scheiss. mir entlockt das wenig schadenfreude, aber mehr als ein schulterzucken eben auch nicht.

  3. 03

    @Malte: genau, der Unterschied ist aber, dass dem Blogger beim Leiden niemand zusieht. Während Britney, Paris und Angela täglich vor unseren Augen leiden, sind wir der Hofstaat, der mitleidet oder mitgeifert. Im I Ging heisst sowas: der Stärkere an zweiter Position bringt kein Heil. Wobei das sicher nicht auf alle Blogger zutrifft und auf Angela fairer Weise wohl auch nicht.

  4. 04
    stephansen

    Der Kapitalismus der Aufmerksamkeit ist ein sehr ausdifferenziertes System, dem zu entkommen so sauschwierig ist. Ich zum beispiel hasse es, ständig gezwungen zu werden, bewundernde Aufmerksamkeit in besagte Figuren zu investieren. Und dieser Hass scheint nur meine Kaufbereitschaft zu erhöhen, meine Bereitschaft, schadenfrohe Aufmerksamkeit zu investieren, anstatt dass ich mich schlicht weigere, meine wertvolle Aufmerksamkeit komplett von diesem Ramschladen abzuziehen… Irgendwie kriegen sie dich immer.

  5. 05
    stephansen

    ähh: fasel… „anstatt dass ich mich schlicht weigere, meine wertvolle Aufmerksamkeit weiter in diesem Ramschladen auszugeben“, meinte ich.

  6. 06

    Hat Ihnen jemand mal gesagt, dass Sie eine wunderbare Schreibe haben, lieber Malte? Ich liebe es mittlerweile, Sie zu lesen.

  7. 07
    Matthias

    Ich bin ich der Meinung, dass diese Leute gewusst haben, was sie tun, als sie Popstars oder ähnliches wurden. Ausserdem brauchen und benutzen diese Leute die Medien.

    Und genau da liegt der Unterschied zum Tretminenopfer (@planlos). Das hat sich sein Schicksal nämlich nicht freiwillig herausgesucht.

    Ich denke bei Miss Hotelerbin liegt es auch einfach an dem Image, dass sie sich aufgebaut hat. Dieses Zickenimage polarisiert eben.

  8. 08
    ZeroG

    „Prinzip der strukturellen Überforderung, das uns alle prägt … Ob man nun im Rahmen dieser Überforderung Millionen verdient oder gerade genug, um sich abends besaufen zu können, das sind am Ende nur graduelle Unterschiede.“

    Meinst Du so graduelle Unterschiede wie nach 1-2 Jahren Arbeit den Rest des Lebens aufm Golfplatz / der Zweitvilla verbringen zu können … versus Dich mit 63 noch anscheissen lassen zu müssen dass dass schneller geht wegen Angst vor Harz IV …

    Mobbers Mitleid ist auch merkwürdig, da rührt ein gebrochener Absatz eines Playgirls zu Tränen, da leidet man mit einem gefeuerten Trainer trotz Mio-Abfindung – aber Genozid in Darfur/Ruanda ist kein Thema …

  9. 09

    Ich vermute, die Häme kommt daher, dass viele Menschen von der brüllend lauten Omnipräsenz solcher leeren Körperhüllen wie Paris Hilton angenervt sind.

    Mir persönlich sind Paris Hilton, Britney Spears & Co (KG?) ja völlig egal. Wenn Frau Hilton eine Straftat begeht, muss sie halt in den Knast.

    Seit ein paar Jahren versuche ich – einigermassen erfolgreich -, besonders nervige mediale Nervensägen durch totale Ignoranz zu „töten“. Ich nehme sie einfach nicht mehr wahr, so wie ich auch die Weihnachtsdekorationen in den Geschäften nach kurzer Zeit nicht mehr wahrnehme. Sehe ich ein Bild von denen in der Zeitung, gucke ich schnell weg. Unterhält sich jemand über solche Leute, höre ich weg. Fernsehen gucke ich eh kaum noch. Man muss nur die Kraft haben, eben nicht auf den Link zur neuesten Newsmeldung zu klicken.

    Den Typen mit dem Gurkenlaster habe ich auf diese Weise platt gemacht: Ich kann mich nicht mal mehr an seinen Namen erinnern.

    Möglicherweise regen sich viele Leute aber halt so gerne auf, dass sie sich gierig auf die nächste Britney-Hilton-knallt-gegen-einen-Gurkenlaster-Meldung stürzen.

  10. 10
    ajo

    Vor einer Woche wäre so eine Überschrift auf Spreeblick noch undenkbar gewesen.

  11. 11
    heidrun

    den denkfehler, „Geld könne für die Schattenseiten entschädigen“, den machen übrigens alle beteiligten, also sowohl britney/ paris/whonot selbst als auch der mob.

  12. 12

    Ich denke, moderne Medienstars wirken wie Kunstfiguren und werden als solche angesehen und behandelt. Man empfindet sie nicht als wirkliche Menschen (was sie aber vermutlich sind, vielleicht sind es aber auch schon längst Roboter) die eigene Häme fühlt sich somit nicht besonders verwerflich an.

  13. 13
    Peter H aus B

    „Was macht es so schön, einer Frau beim Weinen zuzuschauen? Werden ihre Tränen zu meinem Lieblingsgetränk, weil sie nicht auf Strohmatten schläft? Darf sie mir leid tun, dürfen Fußballerknie in mein Bewusstsein dringen angesichts von Tellerminenopfern?“

    Könnte von F.J. Wagner sein..ist es auch, oder?

  14. 14
    heidrun

    gurkenlaster? ich glaub, meine filter sind verdammt gut :-)

    @ johnny: die meisten _machen_ sich dazu. es gibt tausend berühmte leute, die nicht ständig beim einkaufen in der gala gezeigt werden. warum nur?

  15. 15

    Ich frage mich immer wieder, was passiert wäre, wenn ihre Eltern sie nicht in Paris, sondern in Bangkok gezeugt hätten.

  16. 16

    @ heidrun (14): Siehste! Klappt schon! :-)

  17. 17
    Peter H aus B

    Die Unterschiede sind so groß nicht, wir alle sind Schurken und Engel, Dummköpfe und Genies, und zwar das alles in einem: die vier Dinge finden Platz genug in dem nämlichen Körper, sie sind nicht so breit, als man sich einbildet. Schlafen, Verdauen, Kinder machen – das treiben alle; die übrigen Dinge sind nur Variationen aus verschiedenen Tonarten über das nämliche Thema. Da braucht man sich auf die Zehen zu stellen und Gesichter zu schneiden, da braucht man sich voreinander zu genieren! Wir haben uns alle am nämlichen Tische krank gegessen und haben Leibgrimmen; was haltet ihr euch die Servietten vor das Gesicht? Schreit nur und greint, wie es euch ankommt! Schneidet nur keine so tugendhafte und so witzige und so heroische und so geniale Grimassen, wir kennen uns ja einander, spart euch die Mühe!

    Camille/Dantons Tod Georg Büchner

  18. 18
    Maltefan

    Malte, sagt Dir „Brot uns Spiele“ was?
    Promis und vor allem Sportler sind die Gladiatoren unserer Zeit. Früher waren Gladiatoren Sklaven, heute werden sie halt gut bezahlt um sich mit Haut und Haaren ans Volk zu verkaufen. Sie erfüllen die gleiche Funktion .. das Volk will Spekatekl und kriegt Spektakel, bis zum bitteren Ende.
    Im Unterschied zu früher verkaufen sich die Leute heute freiwillig. Ich finde das durchaus humaner als erzwungene Sklaverei.

    Und, ganz ehrlich — wenn man nicht total auf der Brennsuppe dahergeschwommen ist, kann man es (als Sportdurchaus schaffen, das Ausmaß, in dem man sich in diesem modernen Circus verkaufen muss, durchaus limitieren. Nur als Rampensau und Publicityschlampe, die unbedingt jeden Tag in der Zeitung stehen muss, wird es schlicht unmöglich, den Focus der Öffentlichkeit zu kontrollieren.

    Das ist die Entscheidung dieser Leute, so ein Leben zu führen. Deswegen halte ich Mitleid tatsächlich für komplett fehl am Platz.

  19. 19

    how – der häuptling hat (für mich) wahr gesprochen!

    danke malte.

    ich hätte da noch einen abgedroschenen klassiker für den MOB im angebot:

    „wer unschuldig ist, werfe den ersten stein!“

    vor einer woche wäre dieser spruch noch schwierig gewesen, inzwischen ist der g8 gipfel ja schon fast wieder aus den medien verschwunden und damit schon fast vergessen.

    gruß jens

  20. 20
    Malte

    @ Maltefan
    Hatte Britney Spears ihren ersten Hit nicht mit 16 und war sie nicht zuvor schon eine Art Kinderstar? Und müssen sich Fußballer nicht auch schon in recht zartem Alter dazu entscheiden, den Sport professionell zu betreiben? Ganz so einfach ist es also nicht mit der Freiwilligkeit der Entscheidung.
    @ Peter H aus B
    Welding`s Law
    Wenn in einer Gemeinschaft die Diskussionskultur so weit herausgebildet ist, dass Die Beteiligten allesamt zu klug sind, um Godwin`s Law zu erfüllen, wird an irgendeiner Stelle der Debatte dem Widerpart unterstellt, auf Bildzeitungsniveau zu schreiben.

  21. 21

    Tja, es ist halt bequem die Fehler bei den Anderen zu suchen. Am besten ausschliesslich. Da schmeckt die Halbe richtig gut.

  22. 22

    Britney hat zusammen mit Christina Aguilera (schreibt man das so?) den Mickey-Club moderiert, da war sie neun, glaube ich. Oder so. Die ist nach und nach aufhgebaut worden, wie das mit den meisten Stars so passiert.
    Ich find die Brot und Spiele These hinkt, über Promis wird auch unglaublich empathisch geschrieben, unglaublich detailverliebt. Promis funktionieren für meine Begriffe ein bißchen wie Schnulzenromane, wo eine Wirklichkeit, die schöner, perfekter und lebenswerter ist, zur Projektionsfläche wird.

  23. 23

    ach, die haben doch alle keine DNS, die d-promis, n-promis, s-promes da.

  24. 24

    Also, als Ewald Lienen Einundachtzig den Stollen in den Oberschenkel geschlitzt bekam, hatte ich ganz dolles Mitgefühl.

  25. 25
    Malte

    @ martin
    man müsste aber auch das sprichwörtliche gemüt eines fleischerhundes haben, um von dem anblick nicht erschrocken gewesen zu sein

  26. 26

    Als ich das letztens zufällig wieder im Fernsehen gesehn hab, konnte ich ne Woche kein Rindfleisch mehr essen. Zumindest nicht blutig.

  27. 27
    Rollo Tomasi

    …hatte ich Mitleid, als ich das heulende Elend von P.H. gesehen habe? Ja. Warum? Weil sie ein leidendes menschliches Wesen ist.
    …habe ich mich diebisch gefreut als dieselbe schuldig gesprochen wurde? Ja. Warum? Weil sie Produkt/Nutznieser/Subjekt eines inhumanen und moralisch anrüchigen Verwertungssystems ist.
    Selten war es schwieriger Opfer und Täter zu trennen…

  28. 28

    Breites Thema. Wenn sich ein Promi in der Öffentlichkeit saublöd verhält und nach Abzug aller Eventualitäten (gefakte Fotos/Berichte) man einfach dabei bleiben muss, dass er sich saublöd verhält, kann man auch mal schadenfroh sein. Ich habe Paris Hilton ganz ehrlich auch auf dem Kieker, einfach weil ich die letzten Jahre nicht an diesem Mädel vorbeikommen konnte, es gab kein Entrinnen. Sie nervt. Wünsche ich ihr die jetzige Situation? Nein, nicht ernsthaft. Aber sie ist nun mal mediengeil. Und ihr ganzer Ruhm resultiert auf Basis ihrer Mediengeilheit. Dann muss sie damit leben, dass die Stimmung auch mal umschlägt — wenn sie sich so saublöd verhält (damit meine ich Autofahren ohne Führerschein auf Bewährung). Aber: Sie wird auf ihre Weise aus der Sache so dermaßen Profit schlagen, dass sie in sechs Monaten sich über die heutige Lage in der sie sich befindet nur vor Freude auf die Schenkel hauen wird. Und: bei Hilton werde ich das Gefühl nicht los, das Ganze gehört zu ihrem neuen Konzept Imagewandel. Wie könnte die Maus nach außen vertretbar in kürzester Zeit ihr Image ändern und damit noch mehr Knete machen? Ich bin sicher bei der Sache hattes sie Gefängnis nie ernsthaft im Hinterkopf, bin mir sicher, das war geplante Kampagne. Die ist in zwei Jahren die absolute Charity-Queen. Alles andere hat sie ja schon durch. Und eines sollte man nicht vergessen: im Gegensatz zu Britney Spears, Hilton ist ihren Weg sehr selbstbestimmt gegangen.

    Bei z. B. Spears ist das etwas anderes, die wurde von frühester Jugend seitens Eltern & Management auf Star sein getrimmt. Das Mädel hatte nie die Chance sie selbst zu sein. Oder mal alleine zu sein. Alleine zu entscheiden. Was die Medien mit der Frau gemacht haben, als sie zum zweiten Mal schwanger war, das war für mich medienpolitisch unter allem Niveau. Wenn Fotografen/Journalisten nicht mal mehr Respekt haben vor einer werdenden Mutter und vor entstehendem Leben, der Mutter nicht die Chance geben in Ruhe mit zwei relativ kurzfristig aufeinander folgenden Geburten und einer Trennung vom Lebenspartner fertig zu werden, sollte man sich angekelt abwenden.

  29. 29
    vic

    Man da passt ja der Spiegelartikel perfekt: Paris Hilton als Beispiel Hegelscher Dialektik.

  30. 30

    @Malte
    Sehr schön. Weder eine positive, noch eine negative Sonderbehandlung ist gerechtfertigt. Und das sollte eigentlich so gut es geht, nicht nur für den Staat, sondern eben auch für uns gelten.

    Schließlich wandert man zum Glück nicht für (subjektiv) gute oder schlechte Musik bzw. nette oder nervige Schlagzeilen ins Gefängnis.

    Wobei man ganz ohne Häme wohl schon sagen kann, dass es ihr vermutlich gut tut, mal nicht ihr normales Luxusleben zu leben. Andere Perspektiven zu kennen, bringt oft Verständnis für andere Menschen, ihr Leben und ihre Sichtweisen.

  31. 31
    Maltefan

    @ Malte
    Es gibt sicher Grenzfälle, was die Freiwilligkeit des Werdegangs angeht, aber es ist die Entscheidung jedes einzelnen, wie er mit dem Rummel um die eigene Person umgeht. Ich schrieb ja, dass es durchaus Sportler und sonstige Promis gibt, die es schaffen, den Rummel um ihr Privatleben zu begrenzen. Die legen sich dann halt nicht mit BILD ins Bett und regen sich hinterher auf, dass die ihr Publikum dann auch mit nicht so schmeichelhaften Geschichten aus ihrem Privatleben bedient. Ich verfolge die Yellow Press nicht besonders akribisch, aber ich bilde mir ein, dass z.B. über das Privatleben von Stefan Raab nicht viel bekannt ist. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass viel über Michael Schumachers Privatleben geschrieben wurde.

    Es gibt aber Leute, die bauen ihre ganze Existenz darauf auf dass möglichst viel in den Medien über sie berichtet wird, ganz besonders eben Leute wie Paris Hilton, die bekannt sind, weil sie bekannt sind.
    Die müssen dann mMn auch damit leben, dass das Volk sich eben auch an ihrem etwaigen Elend weidet.

  32. 32
    heidrun

    mein lieblingssatz meiner lieblingsprominenten uschi glas war mal vor zwei jahren oder so in der gala inmitten einer riesen-homestory samt interview über ihre scheidung etc. zu finden und ging sinngemäß so: „ja, ich habe sehr gelitten und nächtelang durchgeweint, aber das geht niemanden etwas an.“

    abgesehen davon denke ich natürlich auch, dass es einen unterschied macht, ob man seit kindertagen auf den ganzen quatsch getrimmt ist, aber selbst da fällt manchem ungefähr mit dem ende des teenager-alters auf, dass was schiefläuft, siehe auch (zumindest meines wissens nach): barrymore, drew. so krass paparazzi-umringt ist die nicht, oder? dennoch haben ex-kinderstars mein mitleid sicher (-> jackson, michael)

  33. 33

    Mit dem ganzen Rummel um den Gefängnis-Aufenthalt hat sie doch mal wieder geschafft, was sie wollte. Jeden Tag ein Beitrag in den Haupt-Nachrichtensendungen.

  34. 34
    Patrick

    Hmm. Solche Worte von Malte find ich irgendwie seltsam. Aber sei es drum.

    Zum Thema selbst:
    Menschen wie Paris Hilton und auch andere Berühmtheiten sind zwar einerseits in die ganze Chose reingeboren, aber andererseits profitieren sie ganz gut und gerne davon. Gerade Paris Hilton gehört zu den Menschen, die ihr Counterfeit sehr bewusst und mit voller Absicht in die Presse lancieren. Und überdies glauben sie, dass sie etwas Besseres wären, dass es richtig oder zumindest in Ordnung wäre, wenn sie erst betrunken und dann nach Entzug der Fahrerlaubnis ohne fahren würden. Menschen wie sie glauben, dass sie mit ihrer medialen Präsenz, ihrem Sexappeal und ihrem Geld (das sicherlich zum Sex Appeal eine Menge beiträgt) alles kriegen, was sie wollen.
    Und im weitesten Sinne ist das irgendwie ja auch so. Gut, jetzt wurde sie mal zu 45 Tagen verknackt. So what? Weil sie mal pünktlich zu Gericht kommt, wurde diese Strafe ja sowieso auf 23 Tage verkürzt. Das muss man sich echt mal vorstellen. Meint ihr diese permanente Mißachtung eines Gerichts wäre bei normalen Bürgern – egal ob in den USA oder in Deutschland – auch noch in dieser Form belohnt worden? Oder glaubt ihr da wäre es mal so zu so ner Haftaussetzung nach 3 Tagen gekommen? Psychische Belastung durch einen Knastaufenthalt kauft dir nach so kurzer Zeit keiner ab.

    Also wenn Paris Hilton für all jene Häme selbst verantwortlich ist, wenn sie die mediale Präsenz und glamouröse Leben mit all ihren Vorteilen genießt, was ist so schlimm daran, wenn man sich ein kleines bisschen freut, wenn sie auch mal die Schattenseite zu spüren bekommt. Was macht eine Paris Hilton oder einen Fussballer anders als einen Diekmann, über dessen Schaden du dich klammheimlich freust, Malte?

  35. 35
    Malte

    @ Patrick
    Kluge Frage. Aus meiner Sicht sitzt Diekmann auch in der Tretmühle, hält aber auch (bildlich gesprochen) auch Anteile an einem der größten Tretmühlenbetreiber. Außerdem habe ich bei Diekmann von einem ersten Impuls gesprochen, der darüber hinaus auch noch eine historische Referenz enthielt. Zudem habe ich den Brandanschlag klar (für manche mit nicht unbeachtlichen Argumenten nicht klar genug) verurteilt.

  36. 36
    Patrick

    @ Malte

    Ich weiß ja, dass du den Brandanschlag klar verurteilt hast und ich weiß auch, dass es ein erster Impuls war. Aber die klammheimliche Freude, die ich mit dir in diesem Fall übrigens geteilt habe, kannst du trotzdem nicht abstreiten. Und somit heißt du das Leid, was ihm wiederfährt (wenn man es so nennen kann) zwar nicht für richtig, aber zumindest freust du dich ein kleines bisschen darüber, dass er mal einen Dämpfer bekommt. Oder halt die negative Seite seines Schaffens zu Spüren.

    Als ich meinen Beitrag oben geschrieben hab, hatte ich deine Erwägung auch in Betracht gezogen. Ja, natürlich ist der Diekmann ein Tretmühlenbetreiber. Und genau deshalb ist der Brandanschlag auch nur das Resultat seines Schaffens. Man darf es nicht gut heißen, weil es ungesetzlich, kontraproduktiv und dumm ist, aber man darf sich ein bisschen drüber freuen. Bei Paris ist das was ihr widerfährt auch endlich (!) mal das Resultat Ihres Schaffens. Man darf das in diesem Fall aber sogar gutheißen (weil alles rechtlich und moralisch korrekt von Statten geht) und ein kleines bisschen freuen darf man sich auch. Eben weil sie den Dämpfer bekommt der uns vermittelt, dass sich auch eine Hilton an das Gesetz zu halten hat.

  37. 37

    @Patrick
    Stimme dir im Prinzip zu. Aber „ja, ich freue mich diebisch. ich geniesse es, wie dieses spoiled girl flennend in den knast gebracht wird. wie sie sich über das harte knastleben beschwert, wie sie nach mum ruft, wie sie versucht, wieder mit allen mitteln da raus zu kommen. wie sie sich windet und leidet.“ geht deutlich über gutheißen hinaus.

    Das ist für mich der Unterschied. Ich finde es auch gut, dass Paris Hilton wie jeder normale Mensch auch ihre Strafe bekommt, wenn sie gegen die Gesetze verstößt. Aber ich fang da auch nicht an zu jubeln und vor allem ergötze ich mich nicht an den Tränen.

  38. 38
    Patrick

    @ Henning

    Ja, ich stimme dir zu, dass das schon ein bisschen sehr krass ist. Ich schließe daraus vor allem eines: Das der Urheber dieser Sätze vermutlich ein sehr armseeliger aber auf jeden Fall sehr eifersüchtiger und boshafter Mensch ist.

    Aber ich fang da auch nicht an zu jubeln und vor allem ergötze ich mich nicht an den Tränen.

    Och gegen Jubeln ist an und für sich nichts auszusetzen. Denn zunächst sah es ja mal danach aus, als würde sich das Gesetz Paris Hilton beugen und nicht umgekehrt. Was ein Ärgernis für jeden ist, der schon mal zu schnell gefahren ist.

    Was das Ergötzen an den Tränen angeht: Das muss nicht sein, ja. Aber ich muss jetzt auch kein Mitleid empfinden. Davon abgesehen, dass ich die Tränen für Krokodilstränen halte. Menschen, wie Paris Hilton, tun relativ wenig ohne es medienwirksam zu machen.

  39. 39
    dussel

    hach, ich hab mich auch gefreut. geschadenfreut. bescheuerter weise. weil es mein leben nicht besser macht, weil es die welt nicht besser macht, weil p.h. für nichts bestraft werden muss. und da habe ich gedacht:
    sind wir nicht alle ein bisschen mob?

  40. 40
    Maltefan

    „weil p.h. für nichts bestraft werden muss“
    Nicht? Naja, dann sieh es als erzieherischen Maßnahme von der Du vielleicht mal profitierst, weil Du nicht von einer Besoffenen über den Haufen gefahren wirst.

  41. 41
    Patrick

    „Nicht? Naja, dann sieh es als erzieherischen Maßnahme von der Du vielleicht mal profitierst, weil Du nicht von einer Besoffenen über den Haufen gefahren wirst.“

    Danke, dass du es gesagt hast. Ich wollte schon, fand aber nicht die passenden Worte.

  42. 42
    dussel

    @Maltefan:

    ja ja, aber wenn ich das richtig verstanden habe, sitzt sie viel länger im knast als normalsterbliche. das meinte ich. sie sollte nicht schlechter gestellt werden wegen ihrem haufe kohle. außerdem sitzt sie wohl wegen fahrens ohne führerschein, nicht wegen dem alk. (so richtig habe ich da auch nicht durchgesehen, ach, is mir auch egal.)

  43. 43
    Maltefan

    (beiseite) Es ist echt unglaublich dass ich mich jetzt tatsächlich mit dieser Hohlfrucht beschäftigen muss. Malte, das nehme ich Dir persönlich übel!

    @dussel: AFAIK wurde ihr der Führerschein wegen besoffen Fahrens abgenommen, was sie nicht daran hinderte, ohne Führerschein weiterhin besoffen zu fahren, wofür sie schonmal eine Bewährungsstrafe gekriegt hat, was sie aber nicht daran gehindert hat, weiter ohne Führerschein (auch besoffen) zu fahren. Die Dame hat einfach geglaubt, sie kommt mit allem durch und kriegt jetzt einen Schuss vor den Bug. Dass sie geheult hat und offenbar verzweifelt war habe ich wohlwollend zur Kenntnis genommen, denn wenn ihr die Strafe nichts ausgemacht hätte, so wie anscheinend die Strafen vorher, hätte sie ja auch keinen erzieherischen Wert.

    Und, ganz ehrlich: Mich über die Ungerechtigkeit der amerikanischen Justiz aufzuregen, dazu werde ich sicherlich nicht zum Anlass nehmen, dass eine unbelehrbare Hohlbirne vielleicht ein paar Tage länger ins Gefägnis muss als eine weniger prominente Hohlbirne. In den USA kriegen tw. Leute für einfachen Diebstahl lebenslänglich, wenn sie sie sich dreimal erwischen lassen; in manch anderem Bundesstaat wäre Paris schon angezählt. Soll sie also froh sein und einfach nicht mehr besoffen und/oder ohne Führerschein autofahren.

  44. 44
    Peter H aus B

    Malte , F.J. Wagner ist nicht die Bildzeitung.

    Das von mir zitierte ist unbestreitbar stilistisch in der Nähe von Wagner. Nur macht der kürze, prägnantere Sätze. Bei Wagner wohnen Genie und Wahnsinn im selben Haus. Ich mag ihn nicht, muss ihm aber manchmal zugehstehen, die Sache auf den Punkt zu bringen. Und das durchaus humorvoll und bissig. Gelegentlich auch konträr zur sonstigen Haltung der BILD.

    PS:
    Würdest du (oder der Spreeblick insgesamt) auf Bildzeitungsniveau schreiben, würde ich hier nicht vorbeischauen.

    Also Missverständnis.

  45. 45

    Toller Schreibstil, Malte. Werde noch ein richtiger Fan deiner Artikel!