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StudiVZ: Auf Platz 1 gegruschelt

Als ich StudiVZ das erste Mal gesehen habe, dachte ich, es handele sich um ein Angebot der Katholischen Fachhochschule Gießen. Allein schon der Name. Studis, das sagen doch nur junggebliebene Streetworker und solche, die es werden wollen. Johnny hat sich dann mit dem Thema ein paar Mal beschäftigt, bevor es ihm zu langweilig wurde, fx3.org ebenfalls (das Blog wurde leider eingestellt), aber vor allem bei Don Alphonso konnte man erfahren, dass StudiVZ durchaus höhere Pläne hatte als auf den ersten Blick hin erkennbar. Diese schienen jedoch zum Scheitern verurteilt. Geschmacklosigkeiten eines der Gründerväter, Stalkinggruppen, Datenschutzprobleme.

Alles, was ein Start-Up nicht brauchen kann, war bei StudiVZ versammelt. Die Artikel von Don Alphonso zum Thema finden sich unter dem Suchbegriff StudiVZ immer noch auf der ersten Seite bei Google. Doch man kann es wohl nicht anders sagen: Deutschlands Bildungselite googlet nicht nach StudiVZ, sie besucht einfach die Seite und gruschelt bis zum Morgengrauen. StudiVZ ist mittlerweile die meistbesuchte deutsche Website.

Wie konnte das geschehen?

Man könnte nun behaupten, dass Blogs mit ihrer kryptischen Sprache und ihrer winzigen Zielgruppe einfach nicht in der Lage waren, die Studenten zu erreichen. Aber auch Spiegel Online und das ZDF berichteten und listeten die Recherche-Ergebnisse der Blogs auf. Es lief also aus Bloggersicht ganz wunderbar. Deutschlands Studenten lesen jedoch nicht nur keine Blogs, auch das größte Online-Magazin schreit in einen abgeholzten Wald hinein.

Ganz offensichtlich bietet StudiVZ den Studenten, wonach sie verlangen. Sie wollen Kontakte vortäuschen wie die Erwachsenen bei Xing. Gleichzeitig wollen sie sich selbst darstellen, indem sie Fotos von sich präsentieren, auf denen sie braune Haut haben und weiße Zähnchen zeigen.

Eine Schul-Freundin meiner Lieblingslektorin nutzt StudiVZ sehr ausgiebig. Würde man ihr erzählen, dass ihre Bilder in einer Stalkergruppe hin- und hergereicht werden, sie würde sich vermutlich geschmeichelt fühlen. Achtzehn Fotoalben von ihr sind der Allgemeinheit zugänglich. In der Sparte „über sich selbst“ sagt sie:

partygirl, lustig, rede viel und gern, verständnisvoll, shoppingsüchtig, freue mich auf meinen späteren beruf… !!

Der anvisierte Beruf: Mathematiklehrerin.

Diese Freundin braucht also vermutlich keine aufklärerischen Artikel, sie braucht einen Psychologen. Besser: Eine Gehirnwäsche. Noch besser. Eine Gehirnhochglanzpolitur.

Girls with low Self-Esteem und Boys mit Kontaktneurodermitis, ist das die deutsche Studentenschaft?
Scheint so.

Bleibt die Frage: Wenn man tatsächlich etwas mitzuteilen hat, es sogar wie Chris als dringendes Anliegen formuliert, wie erreicht man lesefaule Studenten? Anders gesagt: Wenn Blogs selbst mit Unterstützung von Massenmedien nicht durchdringen zu der ureigensten Zielgruppe, dem akademischen Nachwuchs: Wie soll überhaupt eine Bewegung von Blogs ausgehen? Wozu machen wir das hier eigentlich?

Eine letzte Freude jedoch zum Schluss. Immer noch weiß kein Mensch, wie man mit diesem Klickmonster Geld verdienen soll. Die Freude des kleinen Mannes, zugegeben. Aber eine Freude.

113 Kommentare

  1. 01
    Chris

    Warum soll man sich von einem Medium/System abwenden, wenn es vereinzelt Probleme gibt? Der Fehler steckt nicht in dem Medium, sondern in jedem selbst. Klar, es gab einer „Stalker-Gruppe“ (formaljuristisch ist es kein Stalking), aber wieviele von damals einer Million Leuten waren dort drin? In so einem großen System hat man nunmal das Abbild der Gesellschaft und das besteht aus: Dummheit, Hass, Beleidigungen, Gewalt und Selbstdarstellung. Wer das versucht zu ändern, muss ganz anders agieren. Aber es ist ja einfacher zu kritisieren als Medienkompetenz zu fördern.

  2. 02

    Die Welt ist ja so verdammt scheiße!! Ich muss weg aus dieser Welt. Ich versteh sie nicht.

  3. 03

    Sie, die (jungen) Studenten verstehen die ganze Problematik nicht. Woher auch? Die Jungs und Mädchen, die heute im ersten Semester sind, sind gerade mal 18, 19 Jahre alt. Für sie war das Internet immer da. Genau wie das Fernsehen und das Radio: Anschalten und konsumieren.

    Die Hintergründe technischer (Datensicherheit, etc.), ökonomischer und gesellschaftlicher Art werden nicht verstanden und sind daher nicht von Interesse.

    Die heute, sagen wir mal 30-35 Jährigen, hatten noch die Chance – wenn sie früh genug dabei waren – das Medium wachsen zu sehen und es tiefer zu verstehen.

    Die junge Studentengeneration konsumiert das Web (2.0) genau so unkritisch wie eine Sendung auf Pro7Sat1.

    Blogs (Autoren und ihre Leser) stellen in Deutschland eine so kleine Minderheit dar, dass die ihre Themen zwar innerhalb der kleinen deutschen Blogosphäre eine grosse Aufmerksamkeit erreichen, draussen aber nach wie vor keine Rolle spielen.

    Dass Themen aus der Blogophäre in den allgemeinen (mediatisierten) Diskurs überspringen, ist immer noch höchst selten. Anektdotisch, gewissemassen.

    Ein strukturelles Problem, an dessen Überwindung ich inzwischen nicht mehr glaube.

  4. 04

    Medienerziehung und Medienkompetenz sind doch die wirklichen Schlagwörter um die es gehen muss. Niemand hindert mich daran totalen Bullshit ins Netz zu stellen, ob nun in meinem Blog oder bei Portalen wie studiVZ. Ob ich mir Haare vom Hintern brenne und es bei youtube zeige oder mich in kruden Multiplayer-Games nach oben kämpfe – wichtig ist der richtige Umgang und ein gewisses Maß an Medienintelligenz, dann sind solche Tools wie StudiVZ ein sehr nutzbares, aber auch zeitgleich beherrschbares Medium.

    Ich nutze studiVZ mittlerweile sehr aktiv, um über alte Zeiten zu reden, mit Menschen die ich manchmal schon vergessen hatte. Das sind keine Freunde und es wird nicht „gegruschelt“, sondern das sind geteilte Erinnerungen.

  5. 05

    Hmm, die Welt ist schlecht und Spreeblick neidisch? ;-) Macht halt auch Fotos hier mit in die Kommentarfunktion und eigene Profilseiten, dann hängt Ihr StudiVZ bestimmt bald ab.
    Was mich bei denen übrigens übrigens wirklich nervt: die unglaublich unkomfortable Foren-Technik und -Struktur.

  6. 06
    Benni

    Hui…
    deutsche Studenten lesen schon Blogs! Schließlich bin ich euch seit inzwischen 3 Jahren treu :)
    Oder bin ich da mit meinen Med.-Inf.-Kollegen ein einsames Beispiel?

    StudiVZ hat einfach deswegen so großen Zulauf, weil es für uns junge Studenten die Möglichkeit bietet, viele alte Freunde auf _einfache_ Weise wiederzufinden. Schließlich wissen wir alle: Der Mensch an sich ist faul, und wenn ihm eine Möglichkeit geboten wird (am besten in Form einer einzigen Website), schnell Informationen (auf Stalker möchte ich jetzt mal nicht eingehen) über seine Freunde (Adresse, schließlich bedeutet ein Studiumsbeginn meist Umzug, Telefonnummer etc.) zu bekommen, dann wird diese genutzt.
    Und wenn Nachrichten bezüglich bedenklicher Datenschutzeinstellungen gelesen werden, dann nimmt man sie zwar schockiert zur Kenntnis, aber der Entschluss, das Portal zu verlassen, ist dann doch schwer.

  7. 07

    Benni:

    Na klar bist du eine Ausnahme. Als Medieninformatiker hast du inzwischen hoffentlich auch entsprechende Seminare, die Du Besuchen kannst.

    Okay. Alte Bekannte wiederfinden. Das dürfte auch bei vielen der Übriggebliebenen aus der New Economy eine Motivation gewesen sein, bei OpenBC/Xing mitzuspielen.

  8. 08

    Zur möglichen Finanzierung, was aber eigentlich die Sorge alle Controller dieser Welt sein sollte und nicht unsere:
    FAZ.net vom 18.07.2007

  9. 09

    Wenn man einzelne Kriterien aus bestimmten Organisation pickt, um sie dann zu verteufeln (hier momentan: Kirche und StudiVZ) und dann an anderer Stelle bei schwerwiegenderen Kriterien anderer Organisationen (Yahoo!) die Verantwortung abgibt, dann finde ich das schon eher nicht so gut.
    Und alle StudiVZ-Nutzer auf Girls with low Self-Esteem und Boys mit Kontaktneurodermitis zu reduzieren halte ich sogar für dumm.
    Trotzdem finde ich Spreeblick gut und ich bin auch noch Student.

  10. 10

    In meinem Bekanntenkreis (immerhin alle um die 30!) höre ich neuerdings ständig an allen Ecken und Enden, dass sie auf einmal alle bei StudiVZ Mitglied sind – und dabei sind noch nichtmal alle von denen noch eingeschriebene Studenten! Die nutzen das Ding wie andere bei MySpace eingetragen sind. Und keinen von denen interessiert, dass StudiVZ unter am Netzgeschehen interessierten Menschen den wahrscheinlich miesesten Ruf hat, den eine Website überhaupt haben kann: Sie sind alle dort eingetragen, stellen ihre Fotos rein und freuen sich des StudiVZ-Lebens. Mir unerklärlich (vor allen Dingen vor dem Hintergrund der oben ja auch erwähnten Skandal-Welle), aber es ist so. Seltsame Welt.

  11. 11

    @andreas: völlig deiner meinung!

  12. 12
    Malte

    die frage ist nicht so sehr, ob studivz gut oder schlecht ist, es erfüllt durchaus die funktion, die es erfüllen soll. das seltsame ist doch eher, dass blogs keinerlei einfluss haben, obwohl es so aussieht, als hätten sie ihn. (und nebenbei bemerkt: ich finde es nicht irritierend, dass man sich bei studivz anmeldet, ich finde irritierend, was die leute da einstellen und was für eine geistige kapazität das verrät. die unterschiede zwischen einer nagelstudiobesitzerin und einer angehenden mathematiklehrerin sind mit bloßem auge kaum noch erkennbar. war allerdings in meiner studentenzeit in ansätzen schon so.)

  13. 13

    @Malte: Naja, wenn ihr das Nagelstudio gehört“¦

  14. 14
    Malte

    @ armin
    im grunde mein traum: ausgehalten werden von einer frau mit nagelstudio.

  15. 15
    Holger

    Finde ich zu allgemein. Ich nutze StudiVZ zum Kontakt mit Freunden (Alle da und billiger als Handy), des Weiteren lese ich viele Blogs und Nachrichtenseiten (übrigens auch SPON, die ich nach wie vor zu den besten zähle).

    Klar, dass Mag nicht auf alle zutreffen und viele nutzen es wohl auch als Singlebörse oder zur Selbstdarstellung. Aber die These „weil meistbesuchten Seite keine anderen“ ist doch falsch. Auf StudiVZ schreiben mir pro Tag X Leute, auf keiner anderen Seite gibt es in so einer Frequenz neues. Also gehe ich 15 auf StudiVZ, 8 Mal auf Spreeblick, Werbeblogger, PRblogger usw.

    Ich rate: Nehmt diese Community nicht so ernst. Ist Spaß und Zeitvertreib und wenn man nicht zu viel von sich preisgibt auch in Ordnung.

  16. 16

    @ malte: weiss die lieblingslektorin schon davon ;)

  17. 17
    Royal

    ich habe diese ganze diskussion von anfang an mitverfolgt, aber mich nur zu einem comment verleiten lassen. nun aber.

    also ich hab das ganze „anti-studivz“ in der blogosphäre nicht verstanden. anti „die macher im hintergrund“, ok. anti „dumme PR und stalkinggrupp“. ok. aber anti „das ganze projekt als solches“. nicht ok. und dann immer diese „mann die studenten müssen ja blöd sein, so freigiebig da bilder reinzustellen etc.
    vielleicht ist es den meisten bloggern einfach zu fern, diese vorstellung, dass manchen das einfach spaß macht. dass die seite, wie zb auch myspace etc, den usern was gibt, worauf sie bock haben.

    ich wohne in london und habe hier studiert, und bin seit januar 2006 bei FACEBOOK, von dem studivz ja bis ins letzte detail abgekupfert hat. vor monaten hat sich facebook geöffnet, und es ist nich mehr rein auf collage, uni etc ausgerichtet. mittlerweile ist meine halbe firma hier in london bei facebook und allen macht es spaß sich da gegenseitig an die wall zu schreiben und sich in fotos zu taggen und was man noch so machen kann. und so wie ich das sehe, ist facebook das selbe wie studivz (bzw. wohl eher umgekehrt). und hier machen es nicht nur studenten sondern auch nicht-studenten.

    überlasst es doch einfach den usern, ob sie bock auf sowas haben oder nicht, aber seid doch nicht traurig, dass sich nur aufgrund peiliches verhaltens der macher und pr-pannen etc nicht gleich alle user abmelden. fühlt ihr euch jetzt echt in eurem impact gekränkt, den ihr nicht bewirkt habt? ich nutze das nicht mal, habe hier alles darüber gelesen, und würe es als studen in deutschland trotzdem nutzen.

  18. 18

    Ich glaube, dass es bei „2,5 Millionen“ Nutzer (realistisch sicher knapp halb so viele) genau die gleiche Sozio-Diversität gibt, wie bei gleicher Anzahl Menschen im echtem Leben. Ob Loveparade, Swingerclub oder Supermarkt.

    Warum Blogs hier keine nachhaltige Wirkung erzielen konnten?
    An meinem Beispiel: Als Alphonso und andere studiVZ die Hosen ausgezogen haben, war ich entsetzt, wie die Macher mit ihrer Seite, mit ihren Usern und ihrer eigenen Medienkompetenz umgehen. Erschüttert war ich dann beim Verkauf.

    Gleichsam haben aber die Blogs , mitgeholfen das alle offenen Scheunentore in der Technik der Seite, mal schneller, mal langsamer geschlossen wurden.

    Und der Kopf wurde abgesägt.

    Für mich jetzt Gründe genug, die Funktion die mir studiVZ bietet, jetzt auch zu nutzen.

    Außerdem hat diese Aufklärung durch Blogs vielleicht für eine Verstärkung des Selbstregulativs von studiVZ bewirkt: als jüngst die NPD eine Gruppe eröffnen wollte, gab es eine enorme Bewegung innerhalb der Nutzer, die Gruppe wurde gekapert und in sehr vielen Gästebüchern wurde zum virtuellem „Widerstand“ aufgerufen. Das hat funktioniert.

    Dazu brauchte es keine Blogs, andersherum habe ich auch in Blogs drüber nichts gelesen.

  19. 19

    Wenn unsere Bildungselite die Dinge ohne zu hinterfragen so hinnimmt und sich lieber amüsiert stellt sich mir die Frage wie die ihren Job erledigen wenn sie einmal Verantwortung haben.
    Ich würde so ein Verhalten eher von abgebrochenen Hauptschülern erwarten aber mittlerweile glaube ich das die sich oftmals intelligenter verhalten als so manch ein Hochgebildeter.

  20. 20
    me

    willkommen in der realität. vielleicht dämpft das mal die selbstüberschätzung der blogger, was ihren einfluss angeht.

  21. 21
    Chris

    @Andreas:

    Die jungen Leute (Studenten) verstehen die Problematik sehr wohl, aber glücklicherweise sind sie kritisch dem gegenüber was lauthalsig durch die Blogospähre geschriehen wird. Wenn ein junger Autohersteller in einem seiner Fahrzeug vor Jahren mal Probleme hatte (vielleicht gingen die Türen auch ohne Schlüssel auf, oder die Räder sind einfach abgefallen) so hat dies doch keine Auswirkungen auf die Zukunft. Es sind Fehler passiert, du wurden ausgemerzt und korrigiert. Wenn man später dann ständig auf diesen Fehler rumreitet, so hat dies absolut nichts mit Aufklärung zu tun. Und genau das passiert bei studiVZ. „Stalking-Gruppen“, Datenschutzprobleme, „Nazi-Einladungen“, das sind doch alles alte Kamellen, offensichtlich wurde daraus gelernt und die Probleme beseitig.

  22. 22

    Ich bin selber Student und auch sporadischer Nutzer von MySpace, last.fm und ähnlicher Selbstdarstellungsplattformen. Bei StduiVZ würde ich mich aus diversen Gründen trotzdem nie anmelden.

    Was die Langzeitwirkung solcher Plattformen angeht, glaube ich aber, dass Mark Morford, Kolumnist des San Francisco Chronicle, gar nicht so unrecht hat, wenn er schreibt:

    For one thing, if everyone in Generation Next eventually has their tell-all MySpace journals that only 10 friends and their therapist are forced to read, then soon enough the whole culture, the entire workforce will mutate and absorb the phenomenon, and it will become exactly no big deal at all that you once revealed your crazy love of pet rats and tequila shooters and boys‘ butts online, because hell, everyone revealed similar silliness and everyone saw everyone else’s drunken underwear and everyone stopped giving much of a damn about 10 years ago.

    Das wird vermutlich in ein paar Jahren alles so normal und banal sein, wie es den meisten Usern heute schon scheint.

  23. 23

    Studivz ist doch voll toll: man findet alle seine Leute aus dem Abijahrgang und kann untereinander Partyfotos tauschen. Genau so wie man es schon auf der Jahrgangswebsite oder an Orten gemacht hat, wo Studenten sich treffen.
    Will sagen: man ist doch unter sich, so lange der Eindruck nicht erweckt wird, es könnte jemand anderes zusehen.
    Ich habe auch so einen account. Natürlich ohne Partyfotos oder sonstige Digne die niemanden etwas angehen, aber um mit alten Bekannten kontakt zu halten ist das schon praktisch, ich kann den Reiz vollkommen nachvollziehen.

    Was das Geld verdienen angeht: Ich glaube (nein ich weiß aus entsprechender Quelle) Studivz hat einen sehr guten Plan davon, wie Geld verdient werden soll. Werbung ist der Anfang und die funktioniert – angeblich – schon sehr gut. Der nächste Schritt ist unvermeidlich: Jobbörse. Student zahlt um in die „Jobkontakte-Community“ aufgenommen zu werden wo ihn dann Unternehmen finden, die noch viel mehr Zahlen um Teil der gleichen Community zu sein. Oder so ähnlich.
    Das Versicherungsprinzip: Existenzängste ausnutzen.

  24. 24
    Thomy

    Junge junge, du hast glaub ich völlig den Bezug zur Realität verloren. Die Blogosphäre hat viel weniger einfluss auf Leute, die noch ein Real-Life haben, als ihr glaubt.. Studenten zähle ich jetzt mal dazu. Des weiteren bin ich mir sehr sicher, dass ein großteil der VZ-Nutzer über die Skandale bescheid gewusst haben, auch ohne die bekannten hysterik-poster..aber: Es gibt einfach keine alternative! Der Nutzerkreis ist da, die leute die du kennst sind da, der rest ist 2.rangig. Die Leute, die eh schon immer etwas fortschrittlicher waren haben fast alle auch einen Facebook account, aber was bringt dir das, wenn 80% deiner kommilitonen da nicht sind, sondern bei Studivz. Ich bin der Meinung, dass die betreiber sich jeden Sonntag zum Gruppensex mit Schafen treffen könnten und das würde trotzdem keinen interessieren.

  25. 25

    Ich hab einfach keinen Bock, die Dummfressen von damals wiederzusehen.
    (Ich weiß, darum ging’s Dir nicht Malte, aber da dass allen egal ist, bin ich jetzt halt mal Lemming)

  26. 26

    „Deutschlands Studenten lesen jedoch nicht nur keine Blogs, auch das größte Online-Magazin schreit in einen abgeholzten Wald hinein.“

    dieser satz wurde bereits mehrfach falsifiziert.

    könnte man dann anschließend meinen, ich wäre dumm, weil ich trotzdem da bin. denn wer auf studiVZ ist, ist mit sicherheit unreflektiert und im geiste beschränkt.

    vielleicht haben blogs auch einfach eine so geringe reichweite, weil sie falsche dinge behaupten, weil sie glauben, sie wären immer im recht, weil sie glauben, sie könnten immer fein pauschalisieren und moralisieren usw.

    ich gehe dann mal in therapie, lieber malte. vielen dank für deine unterstützung. es ist wie eine befreiung. eine erleuchtung. ein segen. gott sei dank gibt es die aufklärerischen blogs. sie helfen dem unmündigem bürger bzw. studenten. denn sie sprechen immer die wahrheit. wie wir an maltes text mal wieder sehen.

  27. 27

    ich möchte eine seite, wo ich alte bekannte loswerden kann. danke.

  28. 28
  29. 29
    Peter H aus B

    Aus meiner Sicht:
    Blogs ziehen an mir, mit Ausnahme von Spreblick, vorbei. Warum? Zu unübersichtlich, bis da eine Information von mir verifiziert ist (Recherche,hier, Recherche da), das dauert mir zu lange. Dazu bin ich zu sehr Konsument.
    Den üblichen Verdächtigen kann ich da mehr trauen, bzw. weiss wann ich ihnen misstrauen muss.
    Ein Blog ist für mich nach wie vor letztendlich nur das (Web)tagebuch irgendeines Hansels/irgendeiner Hanseline.
    Es gibt einige wenige rühmliche Ausnahmen, aber die Poesiealbumblogs sind Legion.

    Der Erfolg von Studi und OpenBC/Xing?
    Offensichtlich ist die Masse eben erst im Netz angekommen und ist sich über die Folgen ihres Exhibitionismus nicht im klaren.

  30. 30

    In einem Forum für angehende Studenten las ich mal einen Aufruf, dass doch alle sich schnell bei StudiVZ anmelden sollten. Da schaltete ich mich ein und versuchte das naive Dingchen zu erklären warum sie das lieber nicht tun sollte. Ihre Antwort klang ähnlich wie: „Ach du *g* jeder hat halt seine eigene Meinung und wenn du nicht willst, dann zwingen wir dich auch nicht *lol*! Ich freu mich jedenfalls supi dolle Studentin zu sein und melde mich heute noch bei StudiVZ an! *grins*“

    Selbst der Hinweis, dass sie sich strafbar macht, wenn sie sich als Nichtstudentin anmeldet, perlte mit einem lauten „*fg*“ an ihr ab.

    Ich mag die Vorstellung nicht, dass das unsere Bildungselite wird.

  31. 31
    studentka

    Nicht jeder Student, der auf StudiVZ angemeldet ist, nutzt dieses nur zur Selbstdarstellung/ ist bereits hirntot/ macht sich keine Gedanken über Datenschutz, etc. Als ich in der Blogosphäre über die Pannen dieses Portals laß, habe ich überlegt, mich abzumelden, mich jedoch dagegen entschieden. Warum? Weil es einfach die einzige Möglichkeit ist, Kontakte zu Mitstudenten herzustellen, die man mit Gesicht und Vornamen aus Seminaren kennt, von denen man aber keine Telefonnummer, keine Adresse, kein garnichts anderes weiß. Ich bin mit den Entwicklungen bei StudiVZ nicht unbedingt glücklich, ich würde gerne meinen StudiVZ Account ebenso wie meinen Briefkasten mit einem „Bitte keine unerwünschte Werbung einwerfen.“-Schild versehen. Aber spätestens, wenn ich wegen Überschneidungen ein Seminar verpasse und mich vor der nächsten Stunde über Hausaufgaben, Lektüre u.ä. informieren muss, bin ich auf StudiVZ angewiesen. Trotzdem weiß ich um die Gefahren von StudiVZ und gebe dort auch so wenig wie möglich von mir preis. Ich habe keine Fotoalben, auf meinem Profilfoto bin ich nur für diejenigen zu erkennen, die mein Gesicht schon einmal in natura gesehen haben, ich gebe keine infantilen Kommentare auf anderer Leute Pinnwände ab, ich habe keinerlei Adressdaten dort hinterlegt. Und ich habe auch nicht das Bedürfnis, jeden Menschen, den ich einmal flüchtig irgendwo gesehen habe, meinen Freunden hinzuzufügen. Ich habe einige nichtstudierende Freunde darauf hingewiesen, dass sie sich mit ihrer Mitgliedschaft strafbar machen. (Wie man dann auch noch diese Tatsache durch Mitgliedschaft in Gruppen wie „Pssst- ich bin gar kein Student“ groß in seinem Profil verkünden kann, übersteigt mein Vorstellungsvermögen.)
    Vielleicht gehöre ich damit zu einer Randgruppe unter Studenten (ich lese ja auch Blogs und überregionale Zeitungen; dass an deutschen Universitäten hochschulpolitiksbedingt eine teilweise beinahe bildungsfeindliche Atmosphäre herrscht, die desinteressierte, hedonistische Studenten mit heranzieht, steht auf einem anderen Blatt), trotzdem verwahre ich mich gegen Verallgemeinerungen der Art, wie sie hier fallen. Ich begegne an der Uni täglich Menschen wie der von Malcom zitierten „Dame“, ich sitze teilweise mit Leuten in einem Kurs, die in mir das Bedürfnis wecken, meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen, die offensichtlich ihr Abitur in der Lotterie gewonnen haben, aber eben auch Studenten, auf die dies nicht zu trifft, und die wirklich einmal eine „Bildungselite“ sein werden, für die man sich nicht fremdschämen muss. Leider fällt diese Gruppe im Internet auf den einschlägigen Seiten eher durch Unauffälligkeit, also gar nicht auf.

  32. 32
    Malte

    @ studentka
    ich verurteile überhaupt nicht, dass man diesen dienst nutzt. aber wir sind uns doch einig: irgendeine der vielen bildungsreformen muss schiefgegangen sein, oder?
    @ malcolm
    hehe :)
    aber inwiefern würde sie sich strafbar machen?

  33. 33

    Zum Thema „strafbar“:

    „8.2 Vertragsstrafenregelung: Verstößt ein Nutzer gegen eine oder mehrere Bestimmungen der Ziffern 2.1 bis 2.4 und/oder Ziffer 7., ist der Nutzer verpflichtet, eine vom Betreiber nach billigem Ermessen festzusetzende und im Streitfall vom zuständigen Gericht zu überprüfende Vertragsstrafe auf erstes Anfordern an den Betreiber zu zahlen. Ferner ist der Nutzer in einem solchen Fall verpflichtet, unverzüglich nach Aufforderung durch den Betreiber eine nach juristischen Standards übliche vertragsstrafenbewehrte Unterlassungsverpflichtungserklärung abzugeben.“

    Strafbar im Sinne unseres Strafgesetzbuches ist die Teilnahme an StudiVZ als NichtStudent natürlich nicht. Auf Basis welcher Gerichtsbarkeit? Tatsächlich ist eine Vertragsstrafe laut AGBs von studiVZ möglich. Über die gerichtsfeste Durchsetzbarkeit individueller AGBs möchte ich gar nicht erst anfangen und dennoch darauf hinweisen, dass die proklamierten User Zahlen von 2.4 Millionen Usern nur, aber auch wirklich nur, mit einem sehr großem Teil Nichtstudenten zu Stande kommen kann. Die Betreiber werden also ein Teufel tun, ihre Zahlen zu „bereinigen“ in dem sie einzelnen Nichtstudenten-Usern Vertragsstrafen aufhalsen. Dann lernen die Betreiber ihren genutzten Schneeball-Effekt andersherum kennen. Das wäre geschäftlicher Selbstmord.

    Für die zu verkaufenden TKPs ist es sowieso vollkommen irrelevant, wer die Klicks erzeugt. Am Ende den Machern auch.

  34. 34
    Malte

    was studierst du nochmal? :)

  35. 35
  36. 36
    westernworld

    “ Anders gesagt: Wenn Blogs selbst mit Unterstützung von Massenmädchen nicht durchdringen zu der ureigensten Zielgruppe, dem akademischen Nachwuchs: Wie soll überhaupt eine Bewegung von Blogs ausgehen? Wozu machen wir das hier eigentlich?“

    malte, auf die frage für wenn wir das hier machen, so dieses wir die summe der blogger und blogleser als ganzes meint, hab ich eine klare ansage : FÜR UNS!

    wenn du hier eine weltrevolution im schnellgang oder deine promotion
    zum mediengott auf beschleunigtem wege erwartest wirst du wahrscheinlich enttäuscht werden.

    missionare nerven.
    wenn sie es nicht interessiert, ist es ihr gutes recht.
    sag mal hast du dich heut eigentlich schon in ausreichendem maß für dein völlig fehlendes interesse an – themengebiet des größten desinteresses einsetzen – gerechtfertigt?

    das macht sie nicht gerade zu kandidaten für eine wunderbare freundschaft für mich, aber die welt besteht zu 90% aus vollpfosten.
    lerne damit zu, leben.

    es heißt aus gutem grunde angebot, informationsangebot- nicht medienklistier.

    re: ureigenste zielgruppe? in welchem elfenbeinturm hast du den studiert?
    und haben die sich mal gemeldet und das so formuliert.

  37. 37
    Tina

    malte, zu Deiner, also unserer, Studentenzeit gab es weder Nagelstudios noch Mathematiklehrerinnen; das mit dem formaljuristischen Stalking hätte ich gerne noch geklärt…

  38. 38
    fukagawa

    hm… ich bin student, ich lese blogs und ab und zu die zeit, ich habe keinen fernseher. UND ich bin im studivz angemeldet. was ist da schiefgelaufen?!
    zugegeben, auch ich überlege seit den aufkommenden diskussionen um studivz schon ab und zu, ob ich mich wieder abmelden soll. ich lasse alles so privat wie das denn möglich ist, poste keine nackt- oder ausnahmesituationen-fotos, bin nicht mitglied in gruppen wir „wir trinken bier nur an tagen die mit „g“ enden und mittwochs“…

    aber wie einige meiner vorgänger schon feststellten: es ist eine möglichkeit, mit freunden in kontakt zu bleiben (und damit meine ich nicht kontakt à la wer-hat-die-meisten-freunde-die-er-eigentlich-überhaupt-nicht-kennt-contest). vor ein paar tagen habe ich über studivz einen sehr guten freund wieder gefunden, den ich seit jahren weder per email oder bei google, noch über handy oder seine eltern erreichen konnte. und ja, ich bin froh darüber.

    und nein, die werbung auf studivz kommt absolut nicht bei mir an, genauso wenig wie die auf anderen webpages oder -portalen.

    @ malte und alle anderen zügig pauschalisierenden – ob die studenten heutzutage hedonistischer, motivationsloser, primitiver… sind, wäre sicher spannend zu untersuchen, aber ich bezweifle, daß dies in direktem zusammenhang mit der intensität ihrer studivz-nutzung/blog-nicht-nutzung steht.

  39. 39

    Facebook wird da bald eh drüber bulldozern.

  40. 40
    fukagawa

    jaja, auch ich kenne diese sorte studenten (meint die 50% hornochsen, von denen „nippifippi hell yeah“ spricht) zur genüge. bloß: was bitte hat das mit studivz zu tun? und: läßt sich das nicht eigentlich auf die gesamte menschheit übertragen?

  41. 41
    Royal

    @marcel weiss (43)
    ist das so? begründung?
    facebook wächst wie bekloppt hier in UK (weil sie ihr netzwerk für alle geöffnet haben, aber studivz kann das wohl nur machen, wenn sie ihren namen ändern ind alle-vz oder sowas…)
    aber ob sich facebook mit lokalisierten versionen den nicht-englischsprachigen raum vornehmen will bezweifel ich. zumindest nicht in den nächsten 6-12 monaten oder so.

  42. 42
    Christian

    Ich studiere Geschichte, Germanistik und Theologie und lese regelmäßig die verschiedensten deutschen Blogs, von der Blogbar über Niggemeier bis zu Spreeblick; außerdem Heise, Golem, SPON, Welt, Zeit, u. a. (Außerdem nutze ich ausschließlich Ubuntu GNU/Linux und spiele »Killerspiele«, aber das nur nebenbei.)

    Was mir immer wieder auffällt, ist die zeitweilige Überheblichkeit, die latent in Kommentaren und Blogeinträgen zu bemerken ist: nur weil viele Studenten gerne bei StudiVZ sind, sind es alles Idioten, die keine Ahnung vom Leben, von Wirtschaft, von Technik und sonstigem haben. Manchmal steht einem der Sinn schlicht und ergreifend nicht nach intelektueller Befriedigung, sondern nach ganz baneler, blöder und auch auch primitiver Unterhaltung: das liefert StudiVZ. Nicht mehr, nicht weniger.

    Dass es auch Studentinnen und Studenten gibt, die nicht begreifen, dass es nicht sinnvoll ist, seine sexuellen Vorlieben der ganzen Weltöffentlichkeit zu präsentieren, das dürfte klar sein: der Mehrheit ist das meiner Meinung nach allerdings auch bewusst.

    Mein Tipp: weg mit dem moralischen Zeigefinger und ein wenig mehr Toleranz zeigen. Ich weiß, das fällt schwer.

  43. 43
    Malte

    tatsächlich ist mein zeigefinger (gerade der) vollkommen unmoralisch)

  44. 44
    oliver

    ist das verwunderlich? wir (also ihr und ich und die meisten meiner freunde auch) kennen den „mainstream“ doch gar nicht. spreeblick z.b. bewegt sich ja alleine schon sprachlich (vom inhalt mal ganz zu schweigen) auf einer ebene, die 99% der deutschen zu kompliziert, zu anstrengend oder zu abgehoben ist. nicht falsch verstehen, ich fühle mich da wohl, aber ich bin nicht repräsentativ.

    ich war vor kurzem per gästeliste auf einem pur-konzert. das ist deutschland! da würden uns allen der kiefer runterfallen, die leute dort zu sehen. aber das war der mainstream, und der hat sich sehr wohl dort gefühlt.

    noch eine möglichkeit, den mainstream zu beobachten: einfach mal durch deutschland fahren und an einem beliebigen rasthof anhalten. und würden die blogs lesen? die meisten von denen werden nicht wissen, was blogs überhaupt sind. und jede wette, da sind auch studenten darunter.

  45. 45
    Christian

    Also bitte. Das Niveau hier ist ohne Frage hoch, aber zu hoch für 99% der Deutschen? Das ist lächerlich. Die FAZ, die Zeit und auch der Spiegel sind mindestens genauso anspruchsvoll. Und mir wäre neu, dass da nur 1% der Deutschen zugreifen. Lass die Arroganz mal sein, die wirkt sehr unvorteilhaft und peinlich.

    Malte: dann ist Deine Definition von Moral eine andere als die meine.

  46. 46

    @Royal Ja, zum Großteil wegen der Öffnung, die man leicht unterschätzen kann. Ich hab das hier ausführlich erklärt damals (Achtung! Schamlose Eigenwerbung!).

    Mittel- bis langfristig ist da sogar Myspace (in Userzahlen) schlagbar. Vorausgesetzt die öffnen sich nicht auch.

    EDIT: Ich meinte hier nicht die Öffnung für Nichtstudenten, sondern die Öffnung für Drittanbieter auf facebook als Plattform. (let’s go straight ot..sorry)

  47. 47
    Maltefan

    > tatsächlich ist mein zeigefinger (gerade der) vollkommen unmoralisch

    was sind denn das für töne hier?

  48. 48

    Ging es nicht eigentlich in Maltes Post um den Einfluss der Blogosphäre als Informationsinstanz auf individuelle Entscheidungen, wie ich mich bezüglich bestimmter Firmen verhalte?
    Ging es vielleicht nicht auch um die Frage, warum die angeblich bildungselitäre Blogosphäre so wenig Einfluss hat auf die bei StudiVZ versammelte angebliche Bildungselite?
    Ginseng War der Punkt, dass sich grundsätzlich Menschen bei etwas wie StudiVZ anmelden NIE Thema des Posts?
    Ging es NEBEN den oben genannten Punkten nicht lediglich zusätzlich um die Frage, warum die Bildungselite bei StudiVZ zu nicht unerheblichen Teilen durch Saufen, Sexismus, Voyeurismus und ähnliche Dummheiten unheimlich sinnentleerte Selbstbespaßung auffält?

    Wieso wird so gern Zuspitzung mit Arroganz verwechselt?
    Wieso kommen die hier kommentierenden StudiVZler jetzt alle in so einen Rechterftigungsdruck?

    Aus Maltes Post schimmert der, vielleicht etwas naive, Wunsch, dass zumindest die Bildungselite der Studierenden auf kritische Argumente bezüglich komischer Geschäftspraktiken und Datenschutzmängeln hört.
    Gleichzeitig desillusioniert er (sicher nicht als Erster und damit leicht redundant) diejenigen in Bloggersdorf, die glauben, Blogs seien gesellschaftlich relevant. Und mit Verlaub, das sind vor allem diejenigen die Spreeblick und Co. dauernd vorschreiben wollen, wie Bloggen geht.
    Habt Ihr schonmal darüber nachgedacht, dass naives Fragen („Wozu machen wir das hier eigentlich?“) ein rhetorischer Kunstgriff sein kann?

    Der größte Gewinn an diesem Post ist, wie einfältig wieder einmal dutzende LeserInnen auf den Malteschen Leim gehen. Was zeigt, dass der Mann schreiben kann. Schade, dass die Rolle des Maltefans schon vergeben ist…

    BTW: Was ist so toll daran, alte Bekannte einfach wiederzufinden? Ich dachte immer, die die mir wichtig geblieben sind habe ich nicht aus den Augen verloren. Und die anderen Pappnasen kann ich eventuell beim Abitreffen alle zehn Jahre oder so wiedersehen. Falls ich da hingehe.

  49. 49
    Malte

    björn, lass uns ein kind adoptieren.

  50. 50
    bongokarl

    Bisschen Polemik gefällig?

    1. Studentenbashing ist schwach.
    2. Was ist denn, wenn die Studenten diese Form der Kommunikation einfach gerne nutzen wollen? Weil sie komfortabel ist? Weil nunmal eben alle angemeldet sind und weil diese Art der Community einfach umfangreicher ist als bloßes Instant-Chatting und Posten in irgendwelchen Foren, in denen man niemanden kennt? Weil diese Art der Kommunikation unverzichtbar ist?

  51. 51

    vielleicht sind auch die „sich rechtfertigenden studenten“ des zynismus und der zuspitzung mächtig?
    malte tippt mit seinem krummen moralischen zeigefinger alles an und mehr nicht. wenn das die große kunst ist, wenn das die wahre bildungselite ist, dann werde ich die welt auch nur noch pauschalisierend betrachten, um ein bisschen zu sein wie der große malte. denn der hat die welt und das schreiben mal so wirklich verstanden.
    aber immer schön ins internet schreiben, wer mal eine therapie braucht. eine gehirnaufpolierung. das geht in ordnung. steht ja nur in einem irrelevanten blog.

  52. 52

    … und wir faseln immer von Relevanz. Echochamber der alten Männer. Seniler Popperklub, diese Blogosphäre – der Einfachheit halber sortiere ich Punk mal unter POP ein, interessiert heute sowieso keinen mehr.

    Vgl. http://www.ringfahndung.de/archives/blog_related/wiederschein.html

  53. 53
    Maltefan

    Das große Mißverständnis der Welt an den Schriftstellern ist ja, dass sie meint, bloß weil einer schreiben kann, müsse er auch die Welt besser verstehen. Dabei wurde mancher gerade deswegen so groß, weil er, genau beobachtend, verwundert feststellen musste, dass das ja alles gar keinen Sinn ergibt. (Buchtipp: Die Abschaffel-Trilogie von Wilhelm Genazino, eins der großartigsten zeitgenössischen Werke in deutscher Sprache)

    Kunst ist BTW nie mehr als was antippen. Was draus machen muss schon der Rezipient (womit ich jetzt nicht sagen will, dass gerade dieser Artikel große Kunst sei, aber Dein Argument läuft grundsätzlich ins Leere).

  54. 54

    Es ist meiner Meinung nach eine Fehlannahme, daß an deutschen Universitäten eine Bildungslelite ausgebildet wird.

  55. 55
  56. 56
    corax

    @ DrNI

    Doch schon, bloß keine deutsche, sondern eine vietnamesische, kubanische, angolanische, libanesische, ,lybische, iranische, türkische, grichische…..in der Vergangenheit; und heutzutage halt eine andere.

  57. 57
    Maltefan

    > Es ist meiner Meinung nach eine Fehlannahme, daß an deutschen Universitäten eine Bildungslelite ausgebildet wird.

    Ja wo denn sonst?

  58. 58
    mucknich

    Das Problem ist, dass an den meisten deutschen Unis keinerlei Anreize zum Mitdenken und kritischen Hinterfragen geboten werden, sondern ein eigener Kopf vielmehr bestraft wird. Und wenn dann selbst Studenten (und ich kann nur hoffen, dass die künftige Bildungselite nicht aus meinen Kommilitonen besteht) gleichgeschaltet und unkritisch durch die Welt laufen, ist dass eigentlich nicht weiter verwunderlich, sondern eher konsequent. Was diese Dummheit zwar nicht rechtfertigt, aber erklärt.

  59. 59
    Maltefan

    Hab ich in einem fernen Land studiert, ohne es zu merken???

    Naja, das Problem (oder vielleicht auch der Segen, da kann ich mich nie so recht entscheiden) der deutschen Universitäten ist, dass keine Konzentration der wirklichen Elite stattfindet. In allen westlichen Ländern ist das Studium zu einer besseren Berufsausbildung „verkommen“, auf die natürlich so ungefähr zutrifft, was Du sagst. Allerdings gibt’s immer und überall dann noch die 10%, denen man zum Denken keine Anreize geben muss. In den USA versammelt man die dann in Stanford oder Yale, wo die hohe Konzentration an Denkwilligen natürlich ein ganz anderes intellektuelles Klima und auch ne ganz andere Leistungsethik erzeugt. Dafür sinken dann große Teile des Rests auf das Niveau einer mittelmäßigen Berufsschule ab.

    Deswegen: Natürlich wird an den deutschen Universitäten die deutsche Bildungselite ausgebildet (wo denn sonst), aber es ist völlig falsch zu glauben, dass jeder, der da ausgebildet wird, dazugehört.

  60. 60
    bongokarl

    Also irgendwie werden hier gerade wirre Behauptungen aufgestellt und alles klingt ziemlich „die Jugend von heute“ und „früher war alles besser, da hätte es sowas nich gegeben“. ôO

  61. 61
    Maltefan

    Was genau findest Du denn wirr, bongokarl?

  62. 62
    BEN

    @DrNI, 63: Und das ist nur in Deutschland so, bzw. in vielen anderen Ländern anders?!?

  63. 63

    also, meine professorin fördert mein eigenständiges denken schon sehr. man muss das aber auch wollen. wenn studenten einfach schnell durch wollen, dann können profs das auch…

  64. 64

    @maltefan, das ist doch eine widergabe von klischees. sind alle anderen universitäten in den usa mumpitz weil es ein paar eliteunis gibt. neee, mein lieber. das gute an dem college – system in den usa ist, dass jedes college eine eigene note hat. elite, um der elite wegen, musik um der musik wegen und etc.

    aber studiengebühren sind quark.

  65. 65

    Mit ein Grund, weswegen ich Spreeblick fast nie lese: Die widerwärtige und völlig unangebrachte Arroganz der selbst kaum der Adoleszenz ent-, auf jeden Fall noch nie in Verantwortung hineingewachsenen Autoren gegenüber dem vermeintlichen Geschmeiß, das zu Millionen Gottschalk guckt und nebenbei Ehssan Dariani gruschelt.

    Wer hat Dich zum Richter über das Onlineverhalten der Studenten und den Nutzen von Social-Networking-Websites bestellt, Malte? Was maßt Du Dir an, besser als ich zu wissen, was gut für mich ist? Woher dieser abstoßend elitistische, zutiefst undemokratische Reflex? Alles nur aus dem gekränkten Ego des ungehörten Propheten heraus?

    Statt fader und steriler Polemik hättest Du Deine Zeilen für eine eingehendere Betrachtung des Umstandes nutzen können, was es für uns alle heißt, daß heute soviel über so viele im Netz zu finden ist, wie es z.B. amerikanische Medien wie auch oben zitiert längst tun, das ist nämlich durchaus spannend und intellektuell fruchtbar. Aber wozu das Hirn rühren, wenn die Claque schon jeden leisen Furz begierig aufsaugt?

    Armer Junge.

  66. 66
    Maltefan

    @sunny: Nein, es sind nicht alle anderen Mumpitz (hab ich auch nicht geschrieben), aber es gibt welche, die sehr deutlich Mumpitz sind*, und das ist etwas was es in unserem egalitären System nicht gibt — weil jede Uni gewisse Standards erfüllen muss und auch sonst die Unterschiede einfach nicht so riesig sind. Die Professoren verdienen überall das gleiche und die meisten Studenten können sich die Unis nicht aussuchen.

    Das ist übrigens auch etwas, was viele Amerikaner nicht verstehen — dass es bei uns nicht so sehr darauf ankommt, an welcher Uni man studiert hat, weil die Diplomprüfungen ein sehr vergleichbares Niveau haben. Ein Elektrotechniker von der TU München ist nicht per se besser oder schlechter als einer von der TU Braunschweig.

    Grüße, Maltefan

    *) Und das sind auch keine Klischees, das ist das, was mir amerikanische + deutsche Expatriates berichtet haben.

  67. 67

    blogs machen schon (fast) alles richtig. solange aber alle nur mit den schultern zucken und sich ein „na und?“ denken. was soll man machen? studivz hat was von jackass: irgendwo scheisse, aber spass machts doch.

  68. 68

    maltefan, o.k. da stimme ich dir zu. ich muss nochmal meine mitbewohnerin genauer „interviewen“ zu dem thema. ich hatte nur den eindruck gewonnen, das die spezielle förderung, bzw. die speziellere ausrichtungen der colleges durchaus einen vorteil für die studenten mit sich bringen.

  69. 69
    Maltefan

    @Sunny
    Kleine Anekdote an Rande: In meiner Promotionszeit hatte ich zwei Kollegen, die ein Jahr in USA waren, der eine Stanford, der andere in Boulder, Colorado. Der Stanford-Typ kam etwas gestresst, aber extrem inspiriert zurück und meinte, man habe sich schon sehr ranhalten müssen, um bei dem Niveau mithalten zu können.
    Mit dem Boulder-Typ entspann sich nach seiner Rückkehr folgender Dialog:
    Ich: Wie waren denn die Studenten so?
    Er: Entsetzlich dumm!
    Ich: Was, noch dümmer als unsere?
    Er: (sieht mich nur mit mit einem Blick an der sagt „Du hast ja keine Ahnung“)

  70. 70
    corax

    @Andi Andi

    Ist ja witzig.(nicht wirklich)
    Erst wird hier von einigen gegen Datenschutzverletzungen protestiert.
    Dann wird von einem Autor hier aufgezeigt, dass die angebliche mögliche deutsche zukünftige Elite, keinerlei Bewusstsein dafür hat, sich vor der gesamten Menschheit die einen Internetanschluss, oder demnächst darüber verfügt, Bilder oder persönliche Daten zu liefern, die auf unbestimmte Zeit (lebenslang?) weltweit abrufbar sind, und dann ist er deshalb arrogant?

    Pax

  71. 71

    maltefan, mmh, eliteunversitäten sind sehr teuer, natürlich finden auch kluge arme köpfchen ihren weg dahin. aber es bleiben immer noch eine menge kluger köpfe draußen, da nicht alle rein können, ein stidendium bekommen können. konkurenzdruck …

    aber es gibt auch partnerschaftsprogramme zwischen den universiäten, so dass auch kleine colleges von „großen“ profitieren können. malte übernehmen sie.

  72. 72
    Maltefan

    @sunny:
    Klar, die Klugen der oberen Mittelklasse, die es nicht nach Stanford, Cornell oder ans MIT schaffen, gehen halt an eine Uni der oberen Mittelklasse. Es gibt ja auch gute staatliche Unis, die nicht so teuer sind. Aber ganz unten gibt es eben auch einen Bodensatz, der bei uns so nicht zu finden ist. Dafür gibt’s bei uns auch kein Stanford!

  73. 73

    Die immer mehr wachsende Möglichkeit, ein ganzes Leben online abzurufen, ist ja gerade das Spannende, das eine genauere Betrachtung als die vorliegende billige und überhebliche Polemik verdient hätte.

  74. 74
    Maltefan

    Andi: Klar ist das reizvoll. Die Frage ist doch aber, ob man seine Daten denn unbedingt so einem Laden anvertrauen will.

  75. 75

    Selbst mit einem völlig seriösen Anbieter bliebe die Tatsache, daß Leben mehr und mehr ergoogelbar sind, bestehen. Das ist die Frage, die interessant ist. Was Dariani und Co. treiben oder nicht, interessiert offensichtlich keinen Schwanz, was einige Blogger im Rausch ihrer vermeintlichen Wichtigkeit bis heute nicht verwinden können.

    Wie der Junge, der mit seiner Lupe schon hundert Ameisen verbrannt hat, frustriert feststellt, daß der Haufen weiter fest steht und die Königin immerdar thront, und in einen Heulkrampf ausbricht.

    Eine lächerliche Figur.

  76. 76

    andi, ein ganzes leben? die oben von malte beschriebene dame sucht anscheinend einen freund, also ist das eher eine kontaktanzeige.
    ein ganzes, also wirklich ein ganzes leben online zu finden wird schwer sein. immer nur punktuell und immer nur der quark, den man verzapft hat.
    selbst wenn ich noch mit 60 an meinem blog schreiben würde, wäre das nicht mein leben, weil immer etwas fehlt. naja der trend mit den autobiographien wird auch wieder abflauen.

  77. 77
    corax

    @Andi

    Ich nehme mal an das ist eine Antwort auf mein post(75)
    Ich bin erst seit kurzem hier und möchte mir nicht anmaßen für den Autor zu antworten.
    Mir scheint! es so, dass der Autor (Malte) lediglich darauf hinweisen wollte, dass es bedenklich ist, wenn Studentinnen sich ohne jegliches Bedenken, in knapper Bekleidung und mit voller Nennung der persönlichen Daten, ablichten lassen, und sich nicht nur ins Internet stellen „lassen“ sondern sich selbst rein „stellen“. Und das quasi unwiderruflich und ignorierenderweise, das manche das noch harmlos als „Wixvorlage“ nutzen, sondern erst auf den Trichter mit dem „Gruscheln“ und „Stalken“ bringt.

    Anders gefragt.
    Wie können sich denn halbwegs intelligente Menschen über Coldcalls aufregen und gleichzeitig ihre Strandfotos mit persönlichen Daten ins Netz stellen?

    Pax

  78. 78

    Das eine (Coldcalls) ist eine Form der unfreiwilligen Belästigung und als solche offensichtlich borderline-rechtswidrig. Das andere (Bikinifotos) ist freiwillige Preisgabe, die meines Erachtens auf lange Sicht eher positive Effekte für die Gesellschaft haben wird, so wie es die freiwillige Preisgabe der sexuellen Präferenz (Outing) schon erreicht hat. Wenn das Bikinimädchen oder der Schakkeline-Gruppengründer genauso gute oder schlechte Arbeit leisten wie der Hetero Max und die Lesbe Petra, kommen wir vielleicht endlich vom schwachsinnigen Vorurteil weg, eine Summe von Attributen sei eine ausreichende Beschreibung einer Person.

    Ein sehr guter Cartoon zum Thema.

  79. 79
    Malte

    @ andi
    ich habe zuvor noch kein wort über studivz geschrieben, weil ich geahnt habe, dass die kampagnen keinen erfolg haben werden. wie auch immmer: interessantes thema, das du da ansprichst. hast du da schon etwas zu verfasst?

  80. 80
    Maltefan

    „Selbst mit einem völlig seriösen Anbieter bliebe die Tatsache, daß Leben mehr und mehr ergoogelbar sind, bestehen. Das ist die Frage, die interessant ist.“

    Erstens ist das keine Frage.
    Zweitens sind, wie schon sunny bemerkte, keine Leben ergoogelbar, sondern Daten.
    Drittens ist das schon schlimm genug und sicherlich absolut gar kein Argument dafür, mit Fotos vom letzten Binge Drinking im Netz hausieren zu gehen. Eher schon dagegen.

    Damals, als das Internet noch ganz klein war, gab es mal ein Usenet, in dem man auch schon elektronisch und öffentlich miteinander konversieren konnte. Das Usenet hatte die angenehme Eigenschaft, dass die Beiträge nur eine gewisse Zeit vorgehalten wurden und dann im Nirvana verschwanden. Deswegen schrieben da viele Leute sorglos vor sich hin, unter ihrem richtigen Namen und in dem Bewußtsein, dass dieser Artikel in 4 Wochen expiren würde.
    Udn dann wurde das Internet größer. Es gab auf einmal eine Seite mit Namen dejanews, die alle Usenet-Artikel archivierte. Auf einmal wurde es schwierig, die eigenen Ergüsse aus dem Netz zu tilgen. Dejanews wurde dann von Google aufgekauft, und jetzt findet man alle Postings in Google.
    Damals kannte ich ein Mädchen, das unter ihrem richtigen Namen in de.talk.sex sehr freizügig über ihre Erlebnisse berichtete. 10 Jahre später habe ich sie wiedergetroffen. Sie war mittlerweile Recruiter in einer Firma in einer spießigen Kleinstadt und das erste, was sie mir erzählte, war, dass ich bloß niemandem in der Firma was erzählen soll woher wir uns kennen (ich interessierte mich für den Job) und wie mühselig sie jahrelang versucht hat, ihre Spuren zu verwischen, weil es dann doch etwas peinlich wurde.
    Go figure! Mir ging es übrigens ähnlich, wenn vielleicht auch eine Spur weniger peinlich.

    Aber als Mitglied der deutschen Bildungselite kann man sich vielleicht gar nicht vorstellen, dass es einem mit 40 möglicherweise peinlich werden kann, wenn man immer und überall mit den Dummheiten konfrontiert wird, die man mit Anfang schwanzig gemacht hat.

  81. 81
    Maltefan

    Kleiner Nachtrag:
    Falls das mit dem „peinlich“ nicht überzeugend genug sein sollte, bitte ich noch folgendes zu bedenken: Nicht jeder Mensch will einem wohl. Je mehr persönliche Details über mich in Google zu finden sind, desto angreifbarer mache ich mich selbst für diese Leute. Ich habe schon am eigenen Leib erfahren, wie schmerzlich so eine gut gemeinte, aber grundfalsche Offenheit der anonymen Masse gegenüber backfiren kann.
    Und da geht es nicht darum, dass ein potentieller Arbeitgeber etwas über einen ergooglen könnte, was ihm nicht gefällt, sondern um ganz altmodisches Mobbing, virtuelle Vernichtungskampagnen und (Cyber)stalking. Klar kann man sich gegen sowas vor Gericht wehren, aber es geht an die Substanz. Und man hat den Ärschen selbst die Munition säckeweise direkt ins Haus gekarrt. Damit muss man dann leben.

  82. 82

    Malte (84): Ja, im Cache meiner noch nicht veröffentlichten, weil unfertigen Blogbeiträge (zur Zeit ca. 60% fertig). Unfertig deshalb, weil ich längst nicht mit dem Nachdenken über das Thema fertig bin und es ohnehin wie immer keine einfachen Lösungen geben wird. Gerade darum würde ich mir dazu mehr Gedankenfutter wünschen, statt immer dasselbe Bashing lesen zu müssen.

    Für den Anfang neben dem oben bereits verlinkten Artikel aus SFGate.com und dem klasse Comic die aber wahrscheinlich auch schon bekannte NY Mag-Story zum Thema.

  83. 83

    hui, eine dosis dialektik zur nachtruhe. andi vs. maltefan. ;)
    im ernst beides gleichwertige thesen samt cartoon, malte übernehmen sie.

  84. 84

    Hm, drei Links führen den Kommentar schon in die Moderationswarteschleife? Na egal, als Kontrast noch zwei Artikel zum Thema, die ich eher schlecht und oberflächlich fand: aus der Neon und der Zeit.

  85. 85

    @andi, du bist denen zu schlau. im ernst!

  86. 86

    So, langsam muß ich auch mal ins Bett, aber weil dieses Thema in letzter Zeit zu meinem neuen intellektuellen Violon d’Ingres geworden ist, will ich nochmal in drei kurzen Punkten nachlegen:

    1. Richtig, man ergoogelt kein Leben, sondern Daten aus einem Leben. Das ist doch genau der Punkt! Warum sollen die Stücke meiner Person, die sich im Netz finden lassen, über meine tatsächliche Person aussagekräftiger sein als z.B. Stephen Kings Romane über Stephen King? Genau diese vorurteiligen Kurzschlüsse „Frau = hat keine Seele“, „schwul = pädophil“ oder „Säufer im StudiVZ = echter Säufer“ sind doch, was wir bekämpfen müssen und nicht billigen!

    2. Ganz abgesehen davon, daß hier mal wieder die Heuchelei seitens der Personaler und der Mächtigen maßlos ist: Nur weil die Eskapaden eines Herrn Hartz, Mayer-Vorfelder oder Beckenbauer nicht in Blogs und auf Flickr verewigt sind, heißt das nicht, daß sie brave Engel waren oder daß sie bessere Arbeiter sind als ein studiVZler. Aber eben auch nicht unbedingt schlechtere. Warum will man es solchen Leuten unhinterfragt durchgehen lassen, über die Form unserer Lebensläufe zu bestimmen? Mein Lebenslauf ist mein Leben, und das gestalte ich bestimmt nicht, wie es sich Peter Hartz wünscht.

    3. Man glaubt es kaum, aber ich bin seit 2000 im Usenet unterwegs, in den letzten Monaten jedoch zeitbedingt nicht mehr so häufig. Man findet unter meinem Klarnamen Lustiges, Kluges und vielleicht auch Erhellendes, aber auch Dummes und Peinliches, das ich heute nicht mehr so schreiben würde.

    So what?

    Ist es verboten, sich zu ändern? Ist es unvorstellbar, aus seinen Fehlern zu lernen? Ist es falsch, ein Mensch zu sein??

    Und wenn es das nicht ist: Warum sollte ich mich für meine Äußerungen schämen? Hinter den meisten stehe ich nach wie vor, und bei den anderen habe ich meinen Fehler eingesehen bzw. dafür um Entschuldigung gebeten. Warum sollte mich das dann erpreßbar machen bzw. warum sollte ich mich davon erpressen lassen? Sind nicht umgekehrt die die Schweine, die einem die Jugend nicht verzeihen können? Wollen wir von solchen Kreaturen beherrscht werden, die selber nie Menschen waren oder ihre Leichen ganz, ganz tief im Keller vergraben haben?

    Meine Antwort ist klar. Glasklar.

    Und ich kann zum Abschluß nur nochmal auf die Präzedenz des homosexuellen Outings zurückkommen, an der wir uns meines Erachtens ein großes Beispiel nehmen sollten. Denn wie anders ändern sich Einstellungen, wenn nicht, daß Oma Erna sieht, daß der nette Nachbar, der ihr immer die Tüten hochträgt, ja weiter nett bleibt, auch nachdem er sich als warmer Bruder offenbart hat? Wie anders, wenn nicht, daß Artur Kowalski merkt, daß dieser Wowereit oder dieser Westerwelle gute Arbeit leisten können, obwohl sie’s gern mit Männern machen? Wie anders, wenn nicht, daß man sagt, man ist schwul und das ist gut so, und es gibt nichts, wofür man sich schämen oder entschuldigen müßte, und wer einen trotzdem angreift oder nicht einstellt, ist eben ein hoffnungsloser Ewiggestriger, den die Härte des Gesetzes treffen soll?

    Wie anders sollen wir Menschen unter Menschen sein?

    In diesem Sinne lade ich jetzt meine Bikinifotos in den Flickr.

  87. 87

    porno für alle.

  88. 88

    in einer perfekten welt hast du mit deinen gedanken durchaus recht und ich würde dir komplett zustimmen, andi. aber ein blick in die ersten drei seiten einer x-beliebigen zeitung zeigt schon, dass dem nicht so ist und das sich daran so schnell nichts ändern wird. menschen werden immer vorurteile haben, wie sie auch immer versuchen werden, sich durch persönliche angriffe eigene vorteile zu erhoffen. wenn man privates preisgibt macht man sich angreifbar, irgendein arsch findet sich und nutzt es aus.

    das homosexuelle outing zeigt doch schon, dass deine gedanken nur eine schöne utopie sind. resentiments gegenüber schwulen und lesben sind immer noch allerorten vorhanden. vielleicht nicht mehr in der schärfe wie noch vor 20 jahren, aber ob nun jemand „scheiss schwuchteln“ rausbrüllt oder es zu seinen kumpels hinter vorgehaltener hand sagt ändert nichts an der einstellung.

    wie gesagt, dein ansatz ist gut, hält der realität aber leider nicht stand.

  89. 89

    Es gibt noch Vorurteile gegen Schwule und Lesben, ja. Aber sie werden nicht mehr von Gesetzes wegen diskriminiert und auch nicht mehr am nächsten Baum aufgeknüpft. Ich sehe also durchaus eine Verbesserung.

  90. 90

    das stimmt wohl. aber die tatsache, dass ein antidiskriminierungsgesetz überhaupt erlassen werden muss, zeigt doch, dass fehler in der menschlichen natur vorhanden sind. genauso wie es immer schwulen-hasser geben wird, wird es auch immer leute geben, die einzelne ergooglte daten gegen jemanden benutzen.

  91. 91

    Hundertprozentige Lösungen gibt es nie. Aber nur, weil es noch einige Schwulenhasser gibt, sollte keiner Angst vor seinem Outing haben. Sonst haben die Hasser gewonnen.

    Jetzt aber wirklich gute Nacht!

  92. 92
    Maltefan

    Andi:
    Nun gut, es ist die Entscheidung jedes einzelnen, in welchem Maße er seinen exhibitionistischen Neigungen nachgehen will. Im Gegensatz zu Dir glaube ich nicht, dass die Welt besser wird, wenn jeder möglichst viele intime Daten von sich veröffentlicht. Homo oder hetero, Dein Leiblingsbeispiel, ist z.B. eine deutlich andere Sache als detaillierte Beschreibungen dessen, was man letzte Nacht so getrieben hat, wobei’s mir darum nicht vordringlich ging. Und ich weiss nicht wie deutlich ich noch hinschreiben soll, dass es mir nicht darum geht, was ein Personalchef dazu sagen könnte.

    Und nein, es ist weder verboten sich zu ändern noch muss unbedingt ein Problem daraus erwachsen, wenn man sein Privatleben im Internet ausbreitet. Aber wenn man mal in die Situation kommt, dass man sich einen Feind gemacht hat, dann hat man ein dickes Problem. Man glaubt gar nicht wie schnell auch die vermeintlich harmloseste Kleinigkeit zu einem Riesenpopanz aufgebaut und gegen einen verwendet werden kann.

    Es mag ja sein, dass z.B. Rufmord- und Diffamierungskampagnen spurlos an Dir abprallen, und dass Dein soziales Umfeld nach allen Seiten derart gefestigt ist, dass Dir sowas nie irgendwie schaden könnte. Ich kenne allerdings mehr als genung Leute, die durch sowas richtig fertiggemacht wurden. Die haben nach zermürbenden und teuren Prozessen vor Gerichten, die vom Internet keine Ahnung hatten, am Ende aufgegeben, nur um ihre Ruhe zu haben, und nie wieder was geschrieben. Eine Bekannte hat es getroffen als sie gerade wegen einer Krebserkrankung in Chemotherapie war. Ich selber konnte es aussitzen, aber es ging an die Nieren.

    Wie in Gottes Namen hat es also die Welt besser gemacht, dass ich offen über mich erzählt habe? Und damit meine ich nicht mal irgendwelchen spektakulären Outings. Eher harmlose Kleinigkeiten, die in jedem Winkel untersucht wurden bis einer gefunden wurde, in dem sich das irgendwie schlecht anhört.

    Mir persönlich ist es völlig egal, ob Deutschlands Bildungselite sich dafür entscheidet, das Private detailliert ins Öffentliche zu tragen oder nicht. Ich nehme ja auch lediglich mit Erstaunen zur Kenntnis, was Leute in Nachmittagsstalkshows so von sich und ihrer Familie erzählen. Ist ja nicht mein Problem, was die sich hinterher in ihrem privaten Umfeld für Probleme damit einhandeln wenn jeder weiss, wer wen schon wie oft mit wem betrogen hat.

    Wer sich aber im Gegensatz zu Dir nicht bewußt dafür entschieden hat, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, indem er alle seine Daten veröffentlicht, sondern vielleicht einfach nicht darüber nachgedacht hat, der soll sich an dieser Stelle vielleicht mal überlegen ob er wirklich will, dass seine Feinde das auch alles wissen, was er da unter Klarnamen veröffentlicht.

  93. 93

    Wenn ich das richtig gesehen habe, hat noch gar niemand Maltes Grundannahme bezweifelt: Dass die Blogs/spiegel.de keinen Einfluss auf die StudiVZ-Geschichte hatten. Dabei weiß man das ja gar nicht, nur weil StudiVZ jetzt die meinst-angeklickte Webseite ist.

    Vielleicht wäre StudiVZ das schon viel früher geworden, wenn Don Alphonso nicht gebuddelt hätte. Vielleicht gäbe es da jetzt 5 Millionen „Studenten“. Vielleicht wäre der Laden für 150 Millionen über den Tisch gegangen.

    Und zynisch gesagt:
    Ist doch super. Wenn ich mal mit jemandem um einen Job konkurriere, weiß ich genau, wo ich schauen muss wenn ich nachteilige Fotos finden will.

    Mir kommt auch noch ein passendes Sprichwort in den Sinn:
    „Wer mit Schweinen aus einem Trog frisst, ist selbst ein Schwein.“

  94. 94

    Maltefan (97): Es gibt durchaus noch genug Leute, für die „Homo“ gleichbedeutend ist mit „was man letzte Nacht so getrieben hat“, insofern sehe ich weder einen prinzipiellen noch einen graduellen Unterschied zur Selbstoffenbarung im Internet.

    Und genauso kann es einem auch heute noch zum gröbsten Nachteil gereichen, sich als schwul oder lesbisch zu offenbaren. Aber ist das noch der Regelfall (und wenn nicht, warum nicht)? Ist das ein Zustand, den wir unterstützen oder auch nur billigen wollen (und wenn nicht, wie nicht)? Ist das eine Welt, in der wir leben wollen?

    Die ersten Frauen, die Hosen trugen, wurden buchstäblich auf offener Straße in Stücke gerissen. Die ersten Schwulen, die sich geoutet haben, kamen ins KZ. Was kann uns heute auch nur annähernd Vergleichbares passieren?

  95. 95
    Maltefan

    Andi:
    Wie ich schon sagte muss das jeder selber wissen, ob sein exhibitionistisches und seelenstriptease Bedürfnis stark genug ist, solche etwaigen Kämpfe durchzufechten.
    Wer persönliche Details aber nicht aus einem tiefen Bedürfnis nach Outing und Seelenstriptease heraus ins Netz stellt, sondern nur aus Gedankenlosigkeit, der sollte vielleicht mal anfangen, ein wenig zu denken.

  96. 96

    Bewirbt das StudiVZ StudentInnen aktiv in den Universitäten?

    Bewerben Weblogs StudentInnen aktiv in den Universitäten?

    Soviel zur Erreichbarkeit von Gruppen außerhalb des sog. Web 2.0

  97. 97
    FDH

    Danke für die Diskussion. Herrlich! Danke für das Essay.

  98. 98
    Baem

    Stellt euch vor ihr habt eine Mörder-Braut auf dem Schoß, und surft gerade auf StudiVZ. Das befreit von jedem Selbst-Darstellungs-Drang und legt die wahre Funktionalität dar. Ihr eröffnet völlig Zwang-Frei einen Account und checkt was alte Freunde so machen. Als frustrierter hässlicher Single muss StudiVZ die Hölle sein.

  99. 99
    nero

    die blogosphäre hat doch einen an der klatsche :)
    wir studenten sind nicht dumm, wir denken einfach nur einen schritt weiter.
    je mehr peinliche fotos und gruschelgruppen ich auf studivz habe, desto überzeugender kann ich mich später rechtfertigen wenn es mit der bewerbung nicht gwklappt hat. im zweifelsfall lag es dann sicher am personalchef, einem frustrierten intoleranten blogger, der nur in studivz rumschnüffelt um alle auszuspionieren, die sich bei ihm bewerben.

    außerdem: vieles von dem, was ihr für peinlich haltet, zeugt nicht von mangelnder medienkometenz sondern von verändertem selbstbewußtsein. die studenten haben einfach keine angst mehr vor zukünftigen personalchefs und möglichen diktaturen. wenn es darauf ankommt machen sie sich eben selbstständig oder stürzen einen diktator.

    und was die shoppingsüchtige partyfreudige mathelehrerin in spee angeht – wieso braucht die eine gehirnpolitur? damit sie zu euren vorgefertigten klischees von mathematikstudentinnen paßt?
    also liebe blogger-generation, ihr könnt uns alle mal gruscheln!

  100. 100
    Maltefan

    Nero:
    Auf die shoppingsüchtige partyfreudige Mathelehrerin trifft zu, was ich anderswo geschrieben habe: Wenn die sich vorher überlegt hat, dass es ok ist, wenn ihre späteren Schüler (und zwar auch die, die sie nicht mögen und am liebsten mal so richtig fertigmachen wollen) haufenweise Sauf- und Bikinifotos von ihr im Netz finden — mutig, aber von mir aus.
    Für wahrscheinlicher halte ich allerdings, dass sie darüber nicht so richtig nachgedacht hat.

  101. 101
    Der Jan

    @Nero: (Ironie ein) Ja, StudiVZler sind die 68er 2.0. (Ironie aus)

  102. 102

    Es gibt derzeit offenbar Fake-Kettenmails, dass das StudiVZ kostenpflichtig würde, wenn man nicht innerhalb von 24 Stunden diese Nachricht… blabla…

  103. 103

    Zum einen möchte ich mal Mo zu zitieren: uns zwar nicht viele, aber die Entscheider und das ist das Entscheidende.

    Zum anderen ist StudiVZ nunmal etwas anderes als Blogs. Beide nur über Klicks miteinander zu vergleichen ist so, als würde man Blockhütten mit Segelyachten vergleichen, weil bei ja aus Holz sind.

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