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Der König der Bongo

manu chao

In der Liste der beeindruckendsten Konzerte meines Lebens landet der Mano-Negra-Gig im Hamburger Logo Anfang der Neunziger ganz weit oben. Dieses Erlebnis ist bis heute der Grund, warum Manu Chao, der sich als damaliger Sänger der Band mit Anlauf direkt und kopfüber ins Publikum begab und damit die Hauptaktivität der folgenden zwei Stunden vorgab, in meinen Augen und Ohren nicht viel falsch machen kann und warum ich ihm seine Solo-Erfolge der letzten Jahre (sogar in Deutschland!) von ganzem Herzen gönne.

Nun gibt es endlich eine neue Single, aber wenn der geschätzte Kollege meint, Manu Chao sei „seinem Stil treu geblieben“, dann wage ich zu widersprechen.

Denn zwar klingt Chao stimmlich auch auf Rainin‘ in Paradize wie er eben klingt (nämlich grandios), aber das Bemerkenswerte an dem Song, der durchaus über sympathisches Ohrwurmpotential verfügt, ist doch die musikalische Abkehr vom Band-Sound. Sattdessen ein straighter, vielleicht sogar dumpfer Drumcomputer mit 8tel-Gitarren, ein Sound, mit dem Billy Idol Mitte der 80er Erfolg hatte. Geht man vom Berliner Straßenbild aus, ist das 80er-Revival noch nicht vorbei, der Song könnte also funktionieren.

Wenn mir jetzt noch jemand das unsägliche Video erklären kann, in dem die Kapelle zwischen Dokumentarbildern aus Krisen- und Kriegsgebieten herumalbert?


Manu Chao – Rainin' in Paradize
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26 Kommentare

  1. 01
    leo

    Kann mir nicht helfen… Manu Chao klingt toll, aber er spielt immer wieder das gleiche lange Lied… Das ist wohl mitunter das Schicksal von Musikern, die einen (klaren) eigenen Stil entwickeln.

  2. 02

    ich versteh das video auch nicht, ich habe mano negra auch geliebt und ich hatte nie etwas gegen den erfolg von manu chao.

    aber die nummer hier ist irgendwie so unhookig…verdammt, also auch nicht der sommerhit..

  3. 03

    Der Song wächst. Das Video schrumpft.

  4. 04

    ohrwurmqualitäten ja. aber nicht jeder ohrwurm ist auch ein gewollter, geschweige denn, ein guter.

  5. 05
    Marcus

    Leider habe ich weder Mano Negra noch Manu Chao je live sehen können. Meine abgenudelte „In the Hell of Patchinko“ Live-CD (wäre es Vinyl, wären die Rillen durchgerizt :-) )gibt aber immerhin eine Ahnung von der Power eines solchen Gigs.

    Johnny, das mit Billy Idol hättest Du nicht schreiben sollen. Wenn ich jetzt das Lied höre, sehe ich einen Billy mit Rastas und Tüte an der Oberlippe, der Englisch mit spanischem Akzent spricht :-)

    PS: Das Video ist glaube ich irgendwie globalisierungskritisch gemeint …

  6. 06
    xam

    das video erklärt sich durch den text des liedes und nicht durch die musik. wenn es in einem lied um bestimmte konflikte geht macht es sinn diese im video zu zeigen.

  7. 07

    Das Video scheint eine Art Nebenprojekt der Zusammenarbeit von Manu Chao und Emir Kusturica an der Doku über Maradona zu sein. Ich habe beschlossen, es zu mögen.

  8. 08
    AP

    Mano Negra ist damals leider völlig an mir vorbei gegangen. Und nun muss ich mir immer wieder sagen lassen, wie grandios die Konzerte damals waren. Mist.

  9. 09
    Peter H aus B

    Ich kann dabei nix finden, ist halt auch eine Art zu sagen: es stinkt.
    Bob und Bono machen das hochglanzmässig, Manu Chao halt so.
    Ausserdem, wenn das in heavy Rotation auf MTV und Viva läuft.. warum nicht.
    Wobei das in den USA bestimmt zensiert wird.

    Da man Lyrics ja nicht mehr so ohne weiteres schreiben darf:
    http://soundsugar.net/pblc/ManuChao-RaininInParadise.htm

    BTW: ich mag solche musikalischen Endlosschleifen

  10. 10

    Der „Sommer-Hit“ von Manu Chao ist für mich auf jeden Fall „Me llaman calle“, Titelsong zum Film „Princesas“. http://youtube.com/watch?v=jqilNi-QuYs

    Auch dieser wird auf dem im September erscheinenden Album La Radiolina vorhanden sein. Und da der Sommer auf sich warten lässt… wird es vielleicht ja noch was im September mit dem Hit.

    Außerdem war Manu Chao seit „Proxima estacion esperanza“ nicht untätig. Er veröffentlichte das (rein französischsprachige) Album Siberie m’etait contéee + Bilderbuch von Zeichner Wozniak, und produzierte das letzte Album von Amadou und Mariam aus Mali.

    Bei all diesen Produktionen ist immer Manu Chao rauszuhören, sei es durch das „Pling“ von King of Bongo, die immer wieder zu hörende Sirene, oder Textzeilen die sich seit Jahren (auch schon zu Mano Negras Zeiten) durch seine Songs ziehen.

    Nach „Band-Sound“ klingt Manu Chao spätestens seit dem Album Clandestino nur noch live.

    Und trotzdem muß ich Johnny recht geben, irgendwie hat der neue Song was Billy Idol mäßiges :-)

  11. 11

    Ollie, vielen Dank für das Update! Ich fürchte, scheint, als habe ich den Mann etwas aus den Augen verloren…

    Dass das Video generell zum Text passt ist schon klar, ich verstehe diese Beastie-Boys-artigen Einlagen im Zusammenhang einfach nicht.

  12. 12

    Obwohl ich die Musik und Manu Chao mag, muss ich doch zwei Dinge bemerken. Zum einen spricht es scheinbar kritische Geister an, die auch beim Feiern an alle Konflikte der Welt denken (müssen). Zum zweiten ist es eine geschickte Vermarktungsstrategie mit starken Bildern ein Video zu drehen. Es ist doch eine bedeutungsvoll inszenierte Ästhetik der langlaufenden inhaftierten Soldaten im Irak. Eine Frage ist sicherlich inwieweit es legitim ist, sich einer von US-Militär und den embaded-Journalisten erzeugten Bilderwelt zu bedienen. Sicherlich nur, wenn es gelingt diese umzudeuten. Aber ob dies im Video erreicht wird?

  13. 13
    NoCarsGo

    „Meinten Sie ‚Man Chaos Parade‘?“ — verdammt, im iTMS gibt’s das noch nicht zu kaufen. Wann soll die Vorab-Single denn erscheinen?

  14. 14

    Hmm, gefällt mir nicht, klingt nach einer „modernen, an die Zeit angepassten“ Version von Manu Chaos Stil.

    Ich kann Euch auch Amadou & Mariam wärmstens empfehlen, wie bereits von Ollie Banana geschrieben, entspannte Musik im Stile von „Manu Chao Classic“.

  15. 15

    Schade, ich mag den Kerl sehr. Aber dieser Song und das prätentiöse Video sind nicht gerade erstklassig. Oder halt sekundär, wie wir – gebildete Berliner – zu sagen pflegen. Dieses Pathos wäre schick in den Achtzigern, gerade erträglich in den Neunzigern, kommt aber heute unmöglich daher. Verbildlichung und Verbalisierung des politischen Feuilletons. Da war schon der schwedische Zahnarzt Dr. Alban vor über 10 Jahren gewitzter und musikalisch fetziger mit seinem „Fire“ (vergleiche den Text – irgendwie dasselbe).

  16. 16

    Ich mag den Song, aber wie die meisten lieber ohne Video.
    Man kann ihn gratis runterladen unter: http://radiolina.manuchao.net/RainininParadize.mp3.zip
    (via sueddeutsche.de: Manu Chao oder: Heiligendamm, damm-damm)
    Die Krisengebiete im Video? Marketing?

  17. 17
    clara

    und selba?

  18. 18
    dussel

    komisch. ich mag das video. bin ich wohl der einzige hier.
    und dass ich damals zu jung für manu chao war werde ich mir nie verzeihen.

  19. 19
    JACK

    Laberrabarbär!
    Ich bin froh das er ma wieder was neues bringt!
    Alter Stil hin oder her.
    Er macht gute Musik

  20. 20

    Cool, ein Bus in dem es regnet!

  21. 21

    @Jack: Rischdisch!
    Ich freu mich erstmal das es was Neues gibt.
    Und mal ehrlich, müssen wir immer in allem einen tieferen Sinn sehen?
    Das Lied ist ein netter Ohrwurm. Das freut mich. Mehr nicht.
    Hoffe das der Gute bald mal wieder nach Deutschland kommt.

  22. 22
    henker

    das video gefällt mir ehrlich gesagt auch, wenn man genau hinsieht wurde sich da sogar ziemlich viel mühe gemacht, die bilder stimmen mit dem text überein, was bedeutet, auch leute die den text nicht vertsehen, haben direkt eine ahnung worum es in dem lied geht. hört sich zwar nicht so an wie die alten sachen, aber hey, der war schon immer ein weltenbummler mit vielen verschiedenen musikeinflüssen und -stilen.
    alles in allem ein sehr eingängiger track

  23. 23

    Das Konzert in der Arena war einfach super und nicht zuletzt deshalb, weil viele Mano Negra Songs gespielt wurden. Das neue Album von Manu Chao finde ich aber auch toll. Wer mehr über ihn wissen will, der lese das Interview auf http://www.carpeberlin.com.

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