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Untot

Es gibt diese Spieler, an die man keinerlei persönliche Erinnerung hat, und die trotzdem Teil des fußballerischen Gedächtnis sind. Sie huschen als Namen ohne Gestalt durch die Gedanken, und bestenfalls sind einige Anekdoten und Sinnsprüche übriggeblieben, vielleicht noch die verschwommene Erinnerung an ein wichtiges Tor, oder sogar nur der Spitzname. Aber nichts plastisches mehr.

Zum Beispiel Jürgen Wegmann. Gestern erfuhr ich, dass Jürgen Wegmann von Hartz IV leben soll, anscheinend. Jürgen Wegmann, dachte ich. Kobra. Fußball-Aphoristiker. Uli Stein. Faustschlag. Frisur. Dunkel ist’s bisweilen im Kämmerchen der Erinnerung.

Kann ja nicht angehen, dachte ich mir. Schau mer mal bei den Schalke-Kollegen, ob es da nicht Lustiges und/oder Erbauliches zu lesen gibt. Und? Nichts. Nichts. Nichts. Viermal nichts.

Vielleicht, dachte ich, gibt’s ja was bei den Dortmundern: Die hat der Wegmann 1986 ja mit seinem Tor vor dem Absieg bewahrt. Und? Nichts. Gar nichts.

Und bei den Bayern? Wieder nichts. Gar nichts.

Und die technorati-Ergebnisse beschäftigen sich auch ausschließlich mit seinen lustigen Sprüchen und seinem sozialen Absturz. Scheint tatsächlich ein Untoter zu sein, der Mann.

Keine Kommentare

  1. 01

    Das letzte Lebenszeichen, das ich von Wegmann wahrgenommen hatte, war ein Bericht über seinen steilen Abstieg und ein Gnadenbrot als Lagerarbeiter bei Borussia Dortmund. Wenn nix mehr hilft fragt man die . Da erfährt man, dass er sogar diesen Job verloren hat und auch eine Karriere als Profi-Schiedrichter nicht geklappt hat (kein Wunder, es gibt ja auch keine Profi-Schiedsrichter. Hätte man ihm auch vorher sagen können, finde ich).

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