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Pamuwas?

Damals, in den Neunzigern, kurz nach der Wende, da dachte manch einer, Berlin sei die kommende Weltstadt, Aushängeschild eines erstarkten Deutschlands, das die Weltwirtschaft wegfegen würde wie die Herden von Arbeitsmigranten die Blätter von den Straßen, eine große Stadt, mit großer Vergangenheit, mit leuchtender Zukunft, der Mammutbaum, die blaue Blume innerhalb der blühenden Landschaften.

Also begann man, wie das immer so ist, wenn große Hoffnungen winken, mit großen Projekten. Nahverkehrsnetz, Sanierung ganzer Stadtteile, Verwandlung des Potsdamer Platzes in ein Outdoormuseum moderner Architektur („Schau mal, Betong!“ – „Und Glas, Glas!“) – ach, man könnte so viele Beispiele bringen.

Das schönste steht im Görlitzer Park, und wenn da heute Touristen vorbeilaufen, halten sie es für eine südsyrische Palastruine aus der glorreichen Vergangenheit Berlins. Dabei sprudelte da noch vor 10 Jahren lustig Wasser. Das war einst ein Pamukkale-Brunnen, ein soziokulturelles Kunstwerk, in dem man baden konnte. Soziokulturell, das heißt, man baut in Kreuzberg einen türkischen Brunnen mit portugiesischem Sandstein. Das sah ganze sechs Wochen recht nett aus, dann kam der Frost, und der Sandstein fror bitterlich, während in seinem Innern das Wasser sich zu härten begann. Da hat es den Sandstein glatt zerbröselt, wie man in Bayern sagen würde.

Seither steht der Pamukkale-Brunnen lustig im Görlitzer Park und tut so, als wäre er eine Touristenattraktion. Seit zehn Jahren ist nicht so ganz raus, wer jetzt schuld am Zerbröseln war. Am Ende wird wahrscheinlich das gefrorene Wasser zu den 3,5 Millionen Schadensersatz verurteilt – man weiß das nicht so ganz genau in einer Stadt wie dieser, wo Wahnsinn Methode hat.

Wenn ich allerdings sommers in den Görlitzer Park gehe, um an der Ruine des soziokulturellen Kunstwerks ein soziokulturelles Bier zu trinken, soziokulturelle Musik zu hören und soziokulturelle Gespräche zu führen, wünschte ich mir manchmal, zum Bau der ganzen Penisimitationen am Potsdamer Platz hätte man auch soziokulturellen Sandstein verwendet.

13 Kommentare

  1. 01

    Da gibt’s ’ne Menge Gebäude, bei denen man sich das wünscht… eine große Menge.

  2. 02

    Obrigado, Frédéric! Tesekkür ederim!

  3. 03
    Frédéric

    Bir sey degil, Monsieur Grau.

  4. 04
    heidrun

    kafimi burluyusun benimle? (leider mein einziger türkischer satz, und ich weiss noch nicht mal, wie man ihn richtig schreibt. sowas lernt man beim türkischen fernsehen, tsts)

  5. 05

    „wo Wahnsinn Methode hat“…oder Mode…^^

  6. 06

    Berlin Schulden sind doch sowieso „banana-rama“. Da ist es doch fast egal, ob man weitere Gutmenschentempel oder Phallussymbole der Globalisierung baut.

  7. 07
    sn

    Einfach nur so, damit man es noch einmal lesen kann:

    Berlin Schulden sind doch sowieso „banana-rama“. Da ist es doch fast egal, ob man weitere Gutmenschentempel oder Phallussymbole der Globalisierung baut.

  8. 08
    Keiner

    Berlin Bashing at its best.
    Ick sach mal:
    http://ahoipolloi.blogger.de/stories/841374/

  9. 09
    Peter H aus B

    Was soll das? Meckern, nicht recherchieren und die Backen aufblasen?
    Der Bezirk hat einen Auftrag vergeben, der „Baumeister“ hat Mist gebaut und weigerte sich neun Jahre, das einzusehen und Ersatz zu leisten.

    tagesspiegel vom Mai 2007
    „Das schier endlose Trauerspiel um den Pamukkale-Brunnen im Görlitzer Park in Kreuzberg scheint sich nach neun Jahren zum Besseren zu wenden: Am Dienstag setzte sich der Bezirk auch vor dem Berliner Kammericht mit seiner Auffassung durch, dass der Schöpfer der monumentalen Brunnenanlage, Bildhauer Wigand Witting, für die kurz nach der Einweihung aufgetretenen Schäden aufkommen muss. „žDamit gibt es für uns endlich Rechtssicherheit“, sagte gestern Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Die Grünen). „žDer Schaden wird ersetzt. Mit dieser finanziellen Aussicht können wir nun ein Sanierungskonzept erarbeiten.“ Das solle schnellstmöglich geschehen…………Bürgermeister Schulz widersprach dem Vorwurf, der Bezirk habe zu lange die Richtersprüche abgewartet und den Brunnen verfallen lassen. Schulz: „žBevor der Schadensersatzes nicht geklärt war, konnten wir nicht handeln. Das verbietet uns die Landeshaushaltsordnung. “

    BTW: das wäre in jeder anderen Stadt genauso.

    Aber wenn einem sonst nix einfällt….dann schreibt man halt über Pamukwas und Schneewitchen.

  10. 10
    Frédéric

    @ Peter H aus B: Ich hab gemeckert? Wo denn?
    (Vielleicht ist das Berlinwerdung: zu meckern, und man merkts noch nicht mal.)

  11. 11
    Peter H aus B

    Ach, ist das etwa ein objektiver Bericht?
    Dann hab ich zwischen den Zeilen gelesen, was gar nicht zu lesen war.

  12. 12

    Ähm, naja, nur weil der Senat sich nicht mit Steinen auskennt, und in ihrem 100seitigen Gutachten jede Seite von Sandstein reden, muss das nicht jeder so hinnehmen. Denn es ist Kalkstein! Und den kann man nicht einfach in BilloBeton packen, denn es ist kein Sandstein. Kalkstein hat ganz andere Strukturen, so das man ihn anders verarbeiten Muss. Die Unterkonstruktion dieses Brunnens ist miserabel!
    @Peter H aus B.:
    Du hast zu viel Tagesspiegel gelesen, oder sonst was. Die schreiben alle den selben Mist ab, und der Künstler muss halt mit leben und 10 Jahre im Gerichtssal verbringen. Traurige Welt!

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