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Der nächste Song wird ihnen präsentiert von …

sprint

Der US-Mobilfunkanbieter Sprint scheint der erste Kunde von MediaDefender (seufz …) zu sein. Das zu ARTISTdirect gehörende Unternehmen spezialisiert sich auf „den Schutz von Inhalten“ sowie „alternative Distributionsmodelle“ und fiel in der Vergangenheit durch gefakte BitTorrent-Tracker und ebenfalls gefälschte Video-Sites auf, nämlich negativ.

Eines dieser alternativen Modelle sieht nun vor, anstelle des Artworks eines Songs oder Albums beim (kostenfreien) Musikdownload Werbung zu platzieren. Der erste Künstler, dem diese zweifelhafte Ehre erwiesen wird, ist der weltberühmte Rapper Plies. Sein Debütalbum, das in alle Filesharing-Systeme „eingespeist“ wird, soll auf unseren (ach nee, auf euren, ich benutze ja gar keinen) MP3-Playern mit Sprint-Logo erscheinen.

Während die einen diese Art von Werbung als Spam bezeichnen, loben andere die Tatsache, dass sich wenigstens mal jemand Gedanken um alternative Refinanzierungsmodelle ins Sachen Musik gemacht hat.

Schön ist das nicht. Dennoch ist der Einzug von immer mehr Werbung ins Musikgeschehen wohl leider unaufhaltsam. Im Veranstaltungsbereich sind Konzerte oder Parties ohne zahlreiche Firmen-Logos längst die seltene Ausnahme, selbst namhafte und sicher nicht schlecht verdienende Bands finanzieren sich immer häufiger durch Koops mit Unternehmen oder durch sehr großzügig honorierte Auftritte bei Firmen-Events. Dort werden – bei bekannteren Künstlern wohlgemerkt – aus 10.000 Euro Gage mal eben 100.000 oder mehr.

Die Tatsache, dass Einnahmen durch den Verkauf von Tonträgern der Vergangenheit angehören, hat bereits dazu geführt, dass Konzert-Eintrittspreise Höhen erreicht haben, die man als obszön bezeichnen darf. Und auch die Preise für Merchandising haben in den letzten Jahren enorm angezogen.

Obwohl es eine schöne Utopie ist, wird es den halbwegs erfolgreichen Künstler, der sich mit „ab und zu ein bisschen“ Verdienst zufrieden gibt oder der seine Berufung als konstantes Freizeit-Hobby betrachtet, eher selten geben. Zu vergänglich scheint das Zeit- und Chancenfenster der Popwelt und statistisch zu unwahrscheinlich ist die tatsächliche Möglichkeit, die Liebe zur Musik in Bares umzusetzen, als dass man sich diese Möglichkeit entgehen lassen würde. Und noch seltener werden Dritte ihre Arbeit dem Künstler honorarfrei zur Verfügung stellen.

Sieht man es als gegeben an, dass es den „Kauf“ von Musik nicht mehr lange geben wird, gibt es scheinbar nur wenig verbleibende Möglichkeiten für Künstler, sich zu refinanzieren. Eine davon ist die Verknüpfung der eigenen Marke mit anderen, also die Werbung.

Nein, schön ist das nicht.

[via]

35 Kommentare

  1. 01

    „Eine davon ist die Verknüpfung der eigenen Marke mit anderen, also die Werbung.

    Nein, schön ist das nicht.“

    Das dachte ich mir auch bei Yahoo und Spreeblick.

  2. 02

    is der beitrag jetzt darauf abgezielt, die yahoo-diskussion neu zu entfachen?
    ansonsten klingt das alles naemlich ziemlich geblendet… (also find ich)

  3. 03
    Georg

    Interessante Ansicht von Johnny. Kann ich so teilen. 600 EUR für ganz vorne bei Barbara Streisand in der Waldbühne sind „way out of reach“.

    Ich ziehe eher den Umkehrschluss, das der Content also die Musik nix Wert ist und nur das BlingBling drumrum zu (meinem Geld nicht) zu machen ist.

    Das Klingeltöne nur der Anfang waren sollte doch allen schon klar gewesen sein.

  4. 04

    @Don Alphonso & 2
    Tief durchatmen, Kirche im Dorf lassen und froh sein, dass es bei uns noch nicht so schlimm ist.

    @ Johnny
    Danke, du hast völlig recht !

  5. 05

    Werbung auf Plakat alleine
    macht nicht allen Käufern Beine.

    Läuft der Werbefilm im Fernseh’n,
    alle dann zum Abort gern geh’n.

    Auch Marketing im Handisplay
    bleibt mir schnurz und einerlei.

    Nur das Werben um die Frau,
    damit nehm ich es genau!

    Konrad Fischer
    Marketingkexperte

  6. 06

    so grundsätzlich finde ich blogs/kinofilme/städte ohne werbung auch schöner. aber wenn es hilft, bestimmte projekte wie blogs/kinobetreiben/denkmalrestauration mitzufinanzieren, dann kann ich damit leben.
    und es gibt echt schlimmeres als ein werbelogo auf dem mp3-player-display. werbeeinblendungen in den song oder in den film (oder zwischen die szenen, geliebtes privatfernsehen) oder als pop-up ohne klar markierte schließungsoption über der webseite zum beispiel.
    schade natürlich, wenn so ein geschäftsmodell von leuten gestartet wird, die bisher schon keinen guten ruf hatten.
    Ich weiß auch nicht, wer vor jedem song auf das playerdisplay schaut, um die werbung wahrzunehmen…

    allerdings glaube ich unabhängig von diesen grundüberlegungen nicht, dass die musikindustrie das nötig hat. die verdienen so schon immer noch richtig gut geld auch trotz digitalem gesauge. und überteuerte ticketpreise mit den fehlenden einnahmen aus tonträgerverkäufen zu begründen, halte ich für falsch, johnny. die 600 euro für frau streisand oben kommen zustande, weil menschen so doof sind, dass zu zahlen. und vielleicht auch, weil die shows immer aufwendiger produziert werden. oder weil die suite für frau streisand und das hotelstockwerk für die entourage so kostspielig waren. aber nicht weil keine cd’s mehr verkauft werden.
    die meiste kohle vom tonträgerverkauf geht an die plattenfirma. die hat aber meist wenig mit dem touren ihrer acts zu tun, verdient also dabei auch nix.

    feine kleinere bis mittelgroße bands veröffentlichen über alternative betriebswege, spielen zu bezahlbaren preisen und kommen auch durchs leben. und wenn sie sich wie beispielsweise freundeskreis neuerdings einen werbepartner exklusiv dazuholen, dann kann mensch das traurig oder unglaubwürdig finden. wie bei den blogs auch. mensch kanns aber auch sein lassen, weil der output immer noch gut ist.

    und britney spears songs dürfen meinetwegen auch werbeunterbechungen beinhalten. merkt eh keiner.

  7. 07

    Johnny, manchmal frage ich mich, ob dir die Ironie deiner Aussagen eigentlich wirklich nicht selbst bewusst ist – oder ob es wirklich nur ganz einfach Firmenpolitik ist:

    „Schön ist das nicht. Dennoch ist der Einzug von immer mehr Werbung ins Musikgeschehen wohl leider unaufhaltsam. Im Veranstaltungsbereich sind Konzerte oder Parties ohne zahlreiche Firmen-Logos längst die seltene Ausnahme,…“

    Und was ist mit dem Einzug von immer mehr Werbung ins Bloggeschehen – z.b. durch dein [DIE VERWENDUNG DES URSPRUENGLICHEN NAMENS DES UNTERNEHMENS WURDE UNS UNTERSAGT]?

    Und was ist mit dem überdimensionalen Bannern bei deiner Veranstaltung re:publica? (http://www.spreeblick.com/2007/04/11/banner/)

    Ich sage nichts gegen Werbung in Blogs und auch nicht gegen Firmenlogos im Veranstaltungsbereich. Aber kannst du dir mal bitte ganz, ganz kurz an den Kopf fassen?!

    Du regst dich über genau die gleichen Dinge auf – früher bei Internetpublikationen, jetzt machst du das selbst deshalb ist es mittlerweile für dich dort nicht mehr schlimm – und heute in der Musikbranche – DIE DU SELBER MACHST.

    Also Butter bei die Fische: Ist das bewusstes Belügen der Leserschaft, oder wie kannst du den Widerspruch erklären.

    Ich verstehe es nicht. Wirklich nicht.

  8. 08

    Das Gleiche wird bei Serien und Filmen in naher Zukunft mit Product Placement geschehen. Viele Einnahmequellen bleiben ja nicht mehr. Unschön, ja.

    re:[DIE VERWENDUNG DES URSPRUENGLICHEN NAMENS DES UNTERNEHMENS WURDE UNS UNTERSAGT]. Nee, das muss jetzt hier nicht schon wieder sein. Die Leute mit ihren Beißreflexen, herrjeh.

    Eins nur: Wenn man den [DIE VERWENDUNG DES URSPRUENGLICHEN NAMENS DES UNTERNEHMENS WURDE UNS UNTERSAGT]2.de-Server kein Javascript ausführen lässt, zerschiesst das das Blogdesign von hier und zumindest stefan-niggemeier.de. Zumindest bei mir mit Firefox und Noscript.

  9. 09

    Marcel, stimmt. Und immer wenn ich mir mit dem Hammer auf die Finger haue tuts weh.

  10. 10

    Hm? Meinst damit, dass ich was Offensichtliches gesagt habe?

    Ich bin kein Programmierer, deshalb kenne ich mich damit nicht aus. Aber es ist das erste Mal gewesen, dass ein geblocktes Script eine Seite völlig zerschiesst. Die Kommentare wurden entweder gar nicht angezeigt oder eigenartig formatiert (bei niggemeier.de sah’s noch wesentlich schlimmer aus). Vielleicht lag es auch an was Anderem, aber nachdem ich mir die von Noscript geblockten Seiten angesehen und [DIE VERWENDUNG DES URSPRUENGLICHEN NAMENS DES UNTERNEHMENS WURDE UNS UNTERSAGT]2 freigegeben habe, ging es wieder.

  11. 11
    Tim

    @Johnny: Dass es weniger Bands werden, glaube ich nicht. Im Gegenteil heute gibt es mehr denn je. Und viele von ihnen verdienen nicht unbedingt besonders gut. Schau dir doch mal allein die ganzen Nischenszenen an: Differenzierter denn je.
    Und angesichts der Werbehysteriker wünsche ich Spreeblick übrigens Nerven aus Stahl, jesses.

  12. 12
    Acid

    Wie heißt die Werbung denne?
    musi.cal?

  13. 13

    @Tim: Mit Werbehysteriker meinst du jetzt Johnny, wegen seinem Artikel oben, oder? ;-)

  14. 14

    So bekannt ist Nena nun auch nicht.

  15. 15
    Tim

    Hihi, lustig andré.

  16. 16

    Mein MP3 Player kann gar keine Werbelogos anzeigen. Das Gerät ist auch zum Glück nicht von der Firma in der Live Earth Initiator Al Gore im Aufsichtsrat sitzt und zufällig unter dem Deckmantel des Klimaschutzes zu mehr Online Musik Käufen aufruft. Dürfte man noch „Hallo?“ schreiben oder sagen würde ich jetzt Hallo? schreiben.

    Unabhängig von oben geschriebenen würden mich Firmenlogos in der Jackentasche aber eher nur sehr stark eingeschränkt interessieren.

  17. 17

    Also, ich sag dazu jetzt einfach mal garnix.

  18. 18

    hat einer von denen, die vergleiche zwischen „blog mit werbung“ und „song mit werbung“ ziehen, jemals selbst ernsthaft musik gemacht?

  19. 19
    martin

    die ProSiebenSat.1 Media AG hat im ersten quartal 2007 ihren umsatz um 7,7% auf 501 mio. euro steigern können. die arena sport rechte und marketing gmbh hingegen muss aufgrund mangelnder zuschauermasse die nächste saison bundesligafußball zusammen mit premiere anbieten.
    werbung scheint also nicht so schlecht anzukommen, wie manche meinen, bzw. die schmerzgrenze ist wohl doch ziemlich hoch…

  20. 20
    DieterK

    Die Aktion von Atlantic und Sprint ist Werbung/Marketing, kein neues Geschäftsmodell.

    Anders sieht es bei We7 (Peter Gabriel) aus. Die versuchen tatsächlich, mit Werbung verseuchte Tracks zu verschenken und daraus ein Geschäft zu machen. Johnny, Du kennst Dich doch mit Tausenderkontaktpreisen etc. aus :), kannst Du bitte mal erläutern, wie das ökonomisch funktionieren soll? Wie viel ist ein Download für ein werbetreibendes Unternehmen wert? Kann da genügend Geld für Interpreten, Komponisten, Labels und We7 zusammen kommen?

    Gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen sinkenden Tonträgerverkäufen und steigenden Konzertpreisen? Ich glaube nicht. Die Interpreten / Tourveranstalter verlangen so viel, wie der Markt hergibt. Außerdem sind die Interpreten am teuersten, die sowieso keine (neuen) Platten verkaufen. Und umgekehrt: Welche der aktuellen „žSuper-Stars“, „žPopstars“ usw. können (spätestens ein Jahr nach ihrem Debüt noch) Hallen / Stadien füllen? Außerdem sind die Labels (bis jetzt) nur in Ausnahmefällen an den Konzerteinnahmen beteiligt. Ein Ausgleich kann gar nicht stattfinden. Und wenn man genau nachrechnet, dann haben sich nicht einmal die EMI-Deals mit Robbie Williams und Korn (Beteiligung an Konzert-, Merchandising- und Sponsorshipeinnahmen) gelohnt. Und der back lash hat doch längst begonnen. In Amerika sind Live Nation und Ticketmaster mindestens so verhasst wie die RIAA-Labels.

    Richtig ist, dass die mittleren, die halbwegs erfolgreichen Künstler in Zukunft wegfallen. Es gibt nur noch Blockbuster, die spätestens nach dem zweiten Album vergessen sind, und den unendlich langen Schwanz der Amateure. (In wie weit das „žWeb 2.0“ diesen eine Plattform gibt, um mit ihrer Musik Geld zu verdienen, wird sich zeigen.) Allerdings waren Musiker, die sich von Tonträgerverkäufen ernähren konnten, schon immer eine winzige Minderheit. Gibt es eigentlich Statistiken, ob in den letzten Jahren weniger neue Künstler Verträge bei den Majors bekommen haben? Angesichts der unüberschaubaren Menge von Schrott, der in den (verbliebenen) CD-Läden verstaubt, scheint es fast so, als ob immer noch ohne Sinn und Verstand veröffentlicht wird.

    Generell ist die immer engere Verbindung von Werbung/Marketing und Musik nicht die Lösung, sondern eine der Ursachen (Marketingorientierung schon bei A&R-Entscheidungen, Konzentration auf Blockbuster usw.) des Niedergangs der TONTRÄGERINDUSTRIE (im Unterschied zu praktisch allen anderen Sparten der MUSIKINDUSTRIE).

  21. 21
    beggar

    @André #7
    Wo ist das Problem? Kennst du nicht die feinen Unterschiede? Oder ist das Kritik an der gesellschaftlichen Urteilskraft? Ich empfehle dir einen trockenen Bourdieu vor dem Schlafen gehen, entspannt ungemein!

  22. 22
    Peter H aus B

    Kunst (Musik, Theater, Literatur, Malerei) ist heute (fast) genauso beliebig wie Werbung.
    Passt also schon

    Das eigentliche Problem ist hier nicht die Werbung.
    Das Problem ist die Musik an sich. Wer macht warum Musik? Gibt es noch „Künstler“ die Musik um der Musik willen machen, oder geht es nur um Ruhm und Asche? Eher letzteres.
    Beruf kommt von Berufung – welche Band/Sänger/Schauspieler kann das heute noch von sich behaupten?
    Schauen wir mal zurück:

    Bis in die Anfänge des letzten Jahrhunderts, also vor Beginn von Radio und Grammophon und ähnlichen Massenmedien, waren die meisten Künstler arme Schlucker. Aber sie haben den Beruf trotzdem ausgeübt: weil sie sich dazu berufen fühlten. Aber auch in dieser Zeit und den Jahrhunderten davor gab es Künstler, die Stars wurden und von ihrem Beruf mehr als gut leben konnten. Und die waren wirkliche Stars, d, h. tatsächlich exzeptionell. Manche sind heute noch unerreicht.

    Schauen wir nach vorn:
    An welche Künstler aus unserem Jahrhundert bzw. dem letzten wird man sich in 100 /200 Jahren noch erinnern? Da bleibt nicht viel….

    Fazit:
    Wer glaubt, mit Kunst auf die Schnelle mal eben reichlich Asche einzufahren – der sollte seinen Lebensweg überdenken.
    Künstler sind nicht mit normalen Arbeitern zu vergleichen (Nichts gegen normale Arbeiter).
    Kunst ist keine normale Arbeit. Es ist etwas besonders, etwas zu erschaffen was noch kein anderer getan hat.
    Und das will man schaffen, ob es entlohnt wird oder nicht.

    Ein Lied kann jeder Depp schreiben, einen Hit auch.
    http://www.amazon.de/KLF-Das-Handbuch-schnelle-Weg/dp/3931126226 ist ein Beweis dafür.
    Tatsächlich hat die Band Edelweiss mit dem Song „Bring me Edelweiss“ sich an dieses Buch gehalten. Nr.1 wurden sie damit zwar nicht, aber bis auf Platz 4 hat es gereicht. Kunst war das aber nicht.

    Echte Kunst wird allerdings nie aussterben, denn es werden immer wieder Ausnahmetalente geboren, die dazu berufen sind und Kunst machen, obwohl sie davon eigentlich nicht leben können.
    Ich könnte gut auf das meiste verzichten, das heute als Kunst auf den Markt geworfen wird, speziell im Bereich Musik.

    Ich höre schon die Schreie: Kulturfaschist.
    Nee bin ich nicht, jeder hat das Recht, sich als Künstler zu fühlen, zu produzieren und zu publizieren. Nur wundern darf er sich nicht, wenn dabei nix rumkommt.

  23. 23

    @beggar: Ich nehme mal an, dass du mit „Bourdieu“ nicht Veröffentlichungen dieses Herren meinst: http://en.wikipedia.org/wiki/Pierre_Bourdieu

    Du meinst wahrscheinlich eher „Bordeaux“ – den Wein. In dem Fall würde ich dir wiederum raten wesentlich weniger davon zu trinken – vielleicht verwechselst du Entspannung mit Abhängigkeit.

    Wenn du das geschafft hast, kannst du mal über den Teilsatz von oben nachdenken: „Du regst dich über genau die gleichen Dinge auf – früher bei Internetpublikationen,…“, dich etwas mit dem beschäftigen was du kommentierst und feststellen, dass es diese „feinen“ Unterschiede für Johnny wohl nicht gibt / gab.

    Jetzt beschwert er sich nur nicht mehr über Werbung im Internet – macht er ja mittlerweile selbst, sondern über Werbung in der Musikbranche. Da verdient er ja selbst fast kein Geld mehr.

    Wenn er aber gut in der Musikbranche etabliert wäre – so wie bei Internetpublikationen – wette ich, würde er genau das gleiche machen, von dem er oben sagt: „Schön ist das nicht.“

    Bei Spreeblick ist der plötzliche Wechsel vom Werbehasser zum Werbeliebhaber auch durch die Leserzahlen gekommen (Nach-Jamba-Nutzerzahlenanstieg). Was er ja auch offen zugibt – erst kürzlich wieder beim [DIE VERWENDUNG DES URSPRUENGLICHEN NAMENS DES UNTERNEHMENS WURDE UNS UNTERSAGT]-Start.

    Nur warum dann immer hinstellen (lies dir mal das Getue auf [DIE VERWENDUNG DES URSPRUENGLICHEN NAMENS DES UNTERNEHMENS WURDE UNS UNTERSAGT].de durch und vergleiche das mit der Realität) und etwas besseres sein wollen und alles mögliche (gibt noch vieles anderes) kritisieren, was man dann – wenn z.b. die Leserzahlen stimmen – selbst macht.

    (Aber wahrscheinlich wirst du das nach deiner Flasche „trockenen Bourdieu“ gar nicht mehr begreifen (wollen). Aber du befindest dich damit am richtigen Ort – Zigarettenwerbung bei Toni Mahoni – Podcasts unter Alkohol – und Johnny hat einem anderem kritischen Kommentator (wo anders) schon mal empfohlen, er solle doch Drogen nehmen.)

  24. 24
    nicnac

    Hm André,

    diese Oberlehrerattitüde steht Dir nicht.
    Es ist ein ungemein leichtes Ding, andere in Grund und Boden zu schreiben. Sofern die gämgigen Methoden einigermaßen geläufig sind. Es ist weitaus schwieriger, fundierte Kritik mit dem Aufzeigen von alternativ gangbaren Verfahrensweisen zu verbinden.
    Und genau daran hapert es bei Deiner Anklagerede gewaltig. So bleibt nur der Eindruck, Du wolltest hier einen Prangerthread starten.
    Was erwartest Du eigentlich von dem Team, das uns hier täglich mit guten Themen zu versorgen weiß?
    Tagsüber schuften sie in den Kohlenminen von Berlin und des nachts sitzen sie bei Kerzenschein in der ungeheizten Kemenate und bloggen uns das Blaue vom Himmel?

    Angesichts Deiner Anmaßerei gelüstets mich nach ein, zwei Pullen guten Rheinweins, um Dich und Deine Penetranz aus meinen Gedanken zu schwemmen :). Somit bist Du es, der es anderen geraten erscheinen läßt, zu Drogen zu greifen!
    Puh!

  25. 25
    Tim

    dieterk, warum sollten denn alle halbwegs erfolgreichen künstler wegfallen? das leuchtet mir nicht ein. bands der klasse robocop kraus oder beirut, verdienen doch genug um zu leben (behaupte ich mal frech). und es gibt doch einige, die nicht weit oben in den charts auftauchen, aber doch kultig genug sind, um leute auf ihre shows zu holen.
    den abstufungen sind nach untern keine grenzen gesetzt, aber auch nach oben nicht. das, was ich sterben sehe, ist die studioband. was man heute produziert, dass muss auch auf die bühne und zwar möglichst oft, sonst ist ebbe in der kasse.
    nochmal meine meinung: rock+popmusik ist vielfältiger denn je.

  26. 26

    Yo Spreeblick, im Sommer bloggen ist viel schwieriger..

  27. 27

    nicnac: Ehrlichkeit gegenüber den Lesern. Wenn ich Johnny etwas vorhalte, dann sind es NUR SEINE EIGENEN ANSPRÜCHE mit denen er sich einen Namen gemacht hat.

    Ich fand es immer gut, dass Johnny mit Spreeblick Geld verdienen will und es somit professionell betreibt. Auch da wo es viel Gegenwind bei der Spreeblick-Verlagsgründung und der Professionalisierung gab.

    Aber na gut: Du kennst Spreeblick wahrscheinlich noch nicht so lange und ausserdem gibt es einen ganz klaren Trend, den man bei fast allen Blogs beobachten kann: Die Leserschaft passt sich dem Autor an.

    Es gibt einen Blogger, der verwechselt immer Äpfel mit Birnen, und wenn der sich über was aufregt, dann muss man immer erstmal nachschauen, ob nicht das Gegenteil der Fall ist. Aber seine Leserschaft feiert ihn als „Experten“.

    Dann gibt es offenbar Leser, die immer etwas vorgemacht haben wollen – das Gute vom Himmel geschrieben – und die es überhaupt nicht juckt, wenn der Autor dann immer genau das Gleiche selbst veranstaltet.

    Und so geht das immer weiter … und wenn du in einem Blog intelligente, ehrliche, unvernebelte Kommentare liest, dann ist das schon mal ein gutes Anzeichen.

    Ja in meiner „Anklagerede“ fehlt vieles, vieles, vieles – ist alles schon gesagt – wahrscheinlich bist du neu in dieser Weinkneipe mit Raucherblog.

    Ich hatte mich nur ausversehen wieder hierher verirrt – muss aber sagen, dass ich sehr, sehr viel gelernt habe. Danke dafür. Ehrlich.

  28. 28

    Ich hoffe, das das Konzept für „den weltberühmten Rapper Plies“ aufgeht. Dann könnte er sich wenigstens einen vernünftigen Zahnarzt leisten.

    Ansonsten kann ich mich nur André Fiebig und DieterK anschließen. Selten, das ich mal einen Artikel von Johnny nicht verstehe, aber dieser gehört dazu. Besonders die Ticketpreisgeschichte hat nun wirklich nichts mit der Kombi Musik/Werbung zu tun. Das sich Eintrittspreise in kaum noch nachvollziehbare Größenordnungen entwickelt haben, hat seine Wurzeln in den 90’er Jahren des letzten Jahrhunderts. Mit mp3+Werbebabberl hat das nix zu tun. Auch die Gagenentwicklung hat mit der Tonträgerindustrie wenig bis nix zu tun.

    Und nun zur Werbung: Auf meinem mp3 Player gibt’s im übrigen kein Display (der alte Shuffle ist halt die Telecaster unter den mp3 Playern)und statt Plies läuft da gerade Herman Brood. „Das war vielleicht der letzte wirklich große Rock`n Roller, ihr saublöden Backpfeifen!„, um mal Danny Dziuk zu zitieren.

  29. 29
    heidrun

    ich bin ja eine von denen, die nicht wirklich was gegen [DIE VERWENDUNG DES URSPRUENGLICHEN NAMENS DES UNTERNEHMENS WURDE UNS UNTERSAGT] und werbung hier und so hat, zumal ich das bild vom „armen, aber leidenschaftlichen künstler“, der sich allen widrigen materiellen umständen zum trotz in ungeahnte höhen aufschwingt, wie beispielsweise in kommentar 23 angerissen, als sozusagen „selbstbetroffene“ ziemlich albern finde (da gibts so ne schöne textzeile von den cardigans: „so you should give him all that he needs – water and poetry…“)
    trotzdem finde ich den ton des artikels („schön ist das nicht.“) ohne jeden bezug zur eigenen arbeit in diesem zusammenhang auch etwas komisch, muss ich sagen.

  30. 30
    Christov

    Letzthin wieder ein Plakat gesehen, auf dem für irgendeinen Downloadshop-Getränkeproduzent-Verbund mit dem Argument geworben wurde: 3 Millionen Songs für lau. Das erschreckt mich als Musikant und betrübt mich als Mensch. Und wenn Johnny oben schreibt, dass beim Download die Cover durch eine Werbung ersetzt werden, dann verstehe ich sein „schön ist das nicht“ durchaus auch in einem ästhetischen Sinn. Ich weiss, ich bin da sehr altmodisch, und vielleicht sollte ich mich schon mal daran gewöhnen, nur noch in einzelnen Songs zu denken, aber ich fand’s schon schön, als man sich noch die Mühe zu einer hübschen Zusammenstellung machte, zu einem im Idealfall einheitlichen Verbund von Liedern, die sich gegenseitig auch was zu sagen haben, und das ganze mit einer Umschlaggestaltung ergänzte.
    Ist halt schon so, dass die Kunst flöten geht, wenn einem Song statt eines Gesichtes, eines Namens oder eben eines Covers eine Reklame zugeordnet wird. Und wenn ich das weiterdenke und mir vorstelle, dass irgendeines Tages die einzige Möglichkeit, von der Musik zu leben, diejenige ist, die eigene Musik einem Konzern zu „widmen“, weil ansonsten – im Gegensatz zu den Abspielgeräten und anderem technischen Brimborium – ja eh niemand mehr für Musik (mithin für eine geleistete Arbeit) zu bezahlen bereit ist, dann wird mir durchaus trüb zumute. Denn eben: Schön ist das nicht.

  31. 31

    Nur mal so zwischendurch:

    Marketingmusik

    War einmal eine Musikus,
    niemand wollt‘ ihn hören.
    Tönte er, so gab’s Verdruß,
    sein Klang tat nur stören.

    Fragt er sich, wie krieg ich’s hin,
    besser anzukommen,
    liegt’s an meinem Klang allein,
    was könnt sonst mir frommen?

    Traf er einen Werbeking,
    der konnt’s ihm verraten:
    Dudel, jaule, spiel und sing –
    doch Du mußt verbraten:

    Etwas Geld für’s Marketing,
    hier, auch da und dort.
    Piepsegal dann Dein Gekling –
    Tönt an jedem Ort.

    Doch woher das viele Geld
    nehmen und nicht stehlen?
    Ließ er sich als aller Welt
    Fernsehtrottel wählen.

    Damit war sein Glück gemacht.
    Für ein ganzes Jahr
    hört man ihn von Früh bis Nacht
    plärren wunderbar.

    Und schon war das Jahr herum,
    schnell ging es vorbei.
    Jetzt war’s wieder andersrum:
    Niemand mag sein G’schrei.

    Doch mit dem verdienten Geld
    setzt er sich zur Ruh,
    weil ihm gar nix mehr einfällt,
    hört er lieber zu.

    Konrad Fischer

  32. 32
    beggar

    @André #24
    Nein, keinen Bordeaux. Obwohl ich gegen einen guten Rotwein keine Einwaende habe. Ich meine *den* Bourdieu, dessen Bekanntschaft ich nicht aus eigenem Antrieb gemacht habe, er wurde an mich heran getragen. Durch Menschen, die beruflich mit Menschen zu tun haben – genau das ist auch bei mir der Fall. Ich beschaeftige mich mit sozialen Netzwerken, je nach Perspektive in Randbereichen des Internets oder Mitten drin in WebZwoNull.

    Von hier ist es ein kurzer Weg zu Bourdieu und seinem Standardwerk „Die feinen Unterschiede“. Ehrlich gesagt, habe ich dieses Buch bisher nur in Auszuegen gelesen, da es wirklich harter Stoff ist. Trotzdem beschreibt Bourdieu genau das, was dich so veraergert: Die feinen Unterscheide – und natuerlich wie sie entstehen, warum, wieso, weshalb. Interessant ist, dass in Cornelius Herstatt’s lesenswerten Buch Produktentwicklung mit virtuellen Communities viele Aussagen enthalten sind, die mit denen von Bourdieu uebereinstimmen.

    Jetzt stellst du dir die Frage, warum ich ueber Buecher laminiere, waehrend sich Spreeblick zu deinem Problem entwickelt hat. Dort wird genau diese Problematik vorhergesagt! Zentrum, Satelliten, Lurker, Cliquenbildung, Eliten, Darstellung, Abgrenzung und Geld. Es gibt keinen Grund fuer negative Gefuehle auf Spreeblick oder andere social network complaints. Eine natuerliche Entwicklung und du lebst in einer Utopie.

    Das stimmt nicht ganz. Fuer mich ist der gesamte Komplex WebZwoNull social networks, collaboratoring etc. eine Utopie. Neben dem Vertrauensverlust des Internets, die schleichende Aufloesung des „Sozialen Internet“ durch finanzielle und gesellschaftliche Kraefte, stellt sich die Frage nach dem „Danach“. Was kommt nach den ganzen social platforms? Das Erloesmodell muss von Beginn an neben dem Businessplan auf der eigentlichen Plattform vorhanden sein. Nur: Waere es dann so erfolgreich? Wuerde ich dieses Post auch in einem Blog ohne Leser schreiben?

    Kein Grund zur Trauer, André. Das schoene am Internet ist: Du klannst es dir selbst besorgen, Spreeblick 2.0 sozusagen. Jetzt fehlt nur noch ein Blog. Und wundere dich nicht ueber kritische Posts, die deine Glaubwuerdigkeit in Frage stellen…..

  33. 33
    DieterK

    @Peter H aus B (13)
    „žKunst (Musik, Theater, Literatur, Malerei) ist heute (fast) genauso beliebig wie Werbung.“

    Ganz genau! Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Kultur und Marketing. (vgl. Nobrow von John Seabrook). Das Problem sind aber nicht die „žKünstler“ bzw. die „žDeppen“, von denen zwar jeder ein Lied schreiben kann, aber eben keinen Hit. Der Autor / Urheber / Musiker / Künstler hat praktisch keinen Einfluss darauf, ob sein Werk zum Hit wird. Entscheidend sind die Marktstrukturen, die Vermittlungskanäle, das Marketing, die Finanzierungsformen der Kulturproduktion.

    Der Mythos vom Künstler kam genau in dem Moment auf, als ein Markt für Kunst entstand. Vorher waren „žKünstler“ Handwerker, abhängig von kirchlichen oder adeligen Auftraggebern. Die (Selbst-)Stilisierung zum „žKünstler“ war dann (auch nur) eine Vermarktungsstrategie. Die Gegenüberstellung von Kunst und Kommerz — im Musikbereich z.B. in Form von Majors und Independents — macht (wenn überhaupt) nur in speziellen Situationen Sinn. Pauschal kann man damit nichts erklären. Oder ist Bob Dylan etwa kein Künstler, nur weil er von Anfang an ganz genau auf die geschäftlichen Aspekte geachtet hat?

    @Tim (26)
    In Bezug auf die Vielfalt hast Du Recht. Und vielleicht können in Zukunft auch mehr Interpreten als bisher aus eigener Kraft (ohne einen Vertrag mit einem Label anzustreben) mit ihrer Musik Geld verdienen oder sogar davon leben. Meine Aussage zum Wegfall der halbwegs erfolgreichen Künstler bezog sich auf die Politik der Tonträgerindustrie, der Majorlabels. Die konzentrieren sich nur noch auf die wenigen Acts, von denen sie sich Mega-Profite versprechen. Beispielsweise wurden bei der BMG (kurz vor der Fusion mit Sony Music) alle deutschen Interpreten gekündigt, die weniger als 50.000 CDs verkauft haben.

    Das alte Rock-Modell vom (langsamen) Aufstieg auf der Karriereleiter (wobei sich Qualität durchsetzt), das Simon Frith mit einer Pyramide (breite Basis aus Amateuren, Mittelbau, und Superstars an der Spitze) symbolisierte, gibt es nicht mehr. Wenn heute irgendein Interpret aus Sicht eines Majors Erfolg verspricht, wird er für ein paar Wochen intensiv vermarktet. Wenn er die Zielvorgaben nicht erreicht hat, kommt der oder die nächste dran: RCA Records hat in Amerika (angeblich) gerade die TV- und Printwerbung für das neue Album von Kelly Clarkson stark reduziert. Eine Woche nach der Veröffentlichung. Grund: My December war nicht auf Platz 1 in die Charts eingestiegen. Jetzt hat Carrie Underwood oberste Priorität.

    Weiß jemand, wie die Geschäftsmodelle von We7 (Vertrieb) oder RCRD LBL (Label) funktionieren sollen?
    Durch Werbung finanzierte Downloads können doch maximal ein paar Cents für Komponisten/Interpreten/Labels abwerfen, einen Bruchteil der iTunes-Einnahmen (60 bis 70 Cent pro Download).

    Die Vorstellung, dass die werbetreibenden Konzerne in Zukunft direkt (am Markt vorbei) darüber entscheiden, welche Musik gepusht wird, ist wirklich keine schöne. Außerdem dürfte mit den „žkostenlosen“ Angeboten auch intensives Data-Mininig sowie die Kontrolle des Nutzerverhaltens verbunden sein.

  34. 34
    Shiraz

    Ehrlich gesagt, habe ich dieses Buch bisher nur in Auszuegen gelesen“

    Vielleicht solltest du ihn erstmal ganz durchlesen bevor du weiter mit „sozialen Netzwerken“ herumdilettierst.

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