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Hässlich und erfolgreich

craigslist

Da ist was dran, an dem von Herrn Praschl Knecht verlinkten Artikel bei CMS Wire:

Die erfolgreichsten Websites sind grottenhässlich. Craig’s List, Amazon, Ebay (ganz besonders furchtbar), MySpace (noch grausamer)… unter gutem Design versteht man etwas anderes. Dennoch scheinen diese und andere Sites für die Benutzer hervorragend zu funktionieren, geht man doch davon aus, dass für Unternehmen dieser Größenordnung die Usability im Vordergrund steht.

Die vom Autor Gerry McGovern angeführten Vergleiche aus der Echtwelt (der Grand Canyon, Juwelen) halte ich für etwas weit her geholt und glaube, dass man die Parallelen eher in der gedruckten Werbewelt suchen sollte. Denn genau so, wie uns der Briefkasten-Papier-Spam den Eindruck vermitteln soll, dass wegen der Preisaktualität „ganz schnell“ gedruckt werden musste und eben keine Zeit für ein anständiges Layout blieb, dürfen Websites, bei denen die Besucher Geld ausgeben sollen oder auf denen viel Produkt-Werbung zu sehen ist, meiner Meinung nach nicht zu edel oder gar teuer daherkommen. Alles muss minutenaktuell und brandheiß aussehen um Schnäppchen und Last-Second-Chancen vorzugaukeln. Das Auge isst zwar mit, aber bezahlen tut es nicht.

Fairerweise sollte man anmerken, dass Amazon immerhin das nicht völlig grund- und sinnlose Prinzip der Karteikarten-ähnlichen Reiter-Navigation zum Quasi-Standard gemacht hat und sich die o.a. Sites bei Link-Farben (blau, unterstrichen) am ältesten Web-Standard orientieren, Puristen haben also zumindest hier wenig Grund, sich zu beschweren.

25 Kommentare

  1. 01
    bongokarl

    amazon finde ich gar nicht so übel. besser übersichtlich als so futuristisch abgespacet, dass kein mensch mehr lesen kann, was für produkte er gerade sucht…

  2. 02

    Das war der Herr Knecht. Der Herr Praschl hat doch da schon lange nichts mehr geschrieben.

  3. 03

    Oh, danke. Der schreibt nur noch auf seinem Geheimblog, vermute ich? :)

  4. 04

    Sorry, MySpace ist hässlich und gerade deswegen laufen die Leute ja zu Facebook über…
    Von wegen großer Erfolg benötigt Usability benötigt schlechtes Design…

  5. 05

    Ich finde Amazon eigentlich ganz hübsch. Zweckmässig hübsch.

  6. 06

    Ich find amazon ganz hübsch. sowohl die us- als auch de-version. und eBay ist nicht grundhässlich, sondern nur schlecht geordnet … jedenfalls meiner ansicht nach.

  7. 07
    Daniel

    Also, das ist doch Unsinn. Schlecht ist niemals gut. Für nichts. Und wer denkt, er könnte teure Dinge billig bewerben, hat die letzten 100 Jahre Werbegestaltung verpennt.
    Dass ebay und amazon so hässlich sind, liegt an ihrer Marktmacht. Sie sind trotz des fehlenden Designs und vor allem TROTZ der fehlenden Usability so erfolgreich. Nicht weil. Und die Gründe für deren Erfolg waren andere (Marktverdrängung).

  8. 08
    paolo pinkel

    Finde weder Amazon noch ebay sonderlich hässlich (aber auch nicht sonderlich schön) sondern insgesamt einfach nur mehr oder weniger praktisch- und nur darauf kommt es mir (und anscheinend nicht nur mir) an. Kann da keine fehlende „Usability“ (*das* ist übrigens ein ganz hässliches Neusprech-Wort) erkennen und hoffe einfach, dass an den für mich interessanten Seiten auch in Zukunft „die letzten 100 Jahre Werbegestaltung“ unbemerkt vorbei ziehen werden.

  9. 09

    @Daniel

    Ich finde, dass Amazon (de) eines der besten Onlineshop-Systeme hat. Spontan fällt mir nicht ein einziger Onlineshop ein, bei dem das Einkaufen unkomplizierter geht.

  10. 10

    Ich glaube es geht weniger um Design und Usability sondern dass die Seiten vor allem einen Nutzen fuer den Benutzer haben. Darum sind sie erfolgreich.

    Die Leute gehen nicht auf eine Seite weil diese besonders huebsch ist und nur in Grenzen weil sie besonders einfach zu benutzen ist, sondern hauptsaechlich weil sie einen Nutzen bietet. Weil sie ihnen hilft ein Ziel zu erreichen.

    Die Leute gehen zu Amazon weil sie dort am billigsten die Buecher kaufen koennen (oder dies zumindest glauben). Hier ist das Ziel das Buch billig zu kaufen, nicht dies in einer besonders angenehmen Umgebung zu machen.

    Die Leute gehen zu eBay weil sie glauben dort das breiteste Angebot zu finden und am besten ein Schnaeppchen machen zu koennen. Hier ist das Ziel etwas aussergewoehnliches zu finden dass man woanders nicht finden kann.

  11. 11
    Smou

    „If it looks like it works
    and it feels like it works
    Then it works“

  12. 12

    Gerade Websites mit User Generated Content (MySpace, Delicious, ebay) haben bitteschön neutral bis hässlich zu sein, weil damit dem ungefilterten Amaturcontent Rechnung getragen wird. Wenn alles hübsch und stylisch aussieht (Vergleiche bloomstreet), dann hat man das Gefühl, die Scheiß Design- und Werbefuzzis bügeln meinen schönen UGC glatt, was keiner will!

  13. 13

    Die Hässlichkeit einiger erfolgreicher Seiten ist lediglich ein weiterer Beweis für die Macht des Netzwerkeffekts.
    Nicht mehr und auch nicht weniger.

  14. 14

    Dass Amazon eigentlich ganz okay ausschaut, wird einem spätestens beim Vergleich mit CD wow klar – die haben aber meistens auch noch günstigere Preise.

  15. 15

    Leider glaubt man ja als Künstler, um MySpace irgendwie nicht herum zu kommen. Ist man erst mal dabei passiert aber u.U. auch nichts. Außer daß man sich in unregelmäßigen Abständigen auf der Suche nach neuen „Freunden“ – die einem auch nichts bringen – mit der Site herumschlägt und dann bei solchen wo es geht monstermäßige animierte Werbebanner abkippt.

  16. 16

    Letztendlich findet sich das doch auch in gewisser Weise im normalen Leben wieder: Ein oder zwei Abende können auch mit einem/einer schönen aber dummen Partner/in interessant gestaltet werden…auf Dauer wird man sich aber jemanden suchen der einen auch versteht und die eigenen Wünsche erfüllen kann. ;-)

  17. 17

    Einige Großunternehmungen wie Ebay oder Amazon arbeiten ziemlich kräftig um das Layout der Seiten zu verbessern, Man merkt das vor allem am Beispiel von Amazon. Vor 5 Jahren war die Seite wirklich grottenschlecht, jetzt ist es schon viel besser.

    Google dagegen setzt immer noch auf „žsimplycity“ wie ich vermute. Die Startseite von Google ist zu 98% genau wie vor 5 Jahren.

    Was Craig“™s List betrifft war ich auch schockiert — Das sollte eine der erfolgreichsten Seiten sein? Niemals !!! dachte ich mir“¦ Danach habe ich etwas recherchiert und habe herausgefunden, dass die Craig“™s List sich als wirklich hilfreich erwiesen hat. Die Seite hat eigentlich ihrem Sozialem Faktor und der Hilfsbereitschaft von Craig“™s List-TEAM zu verdanken.
    Interessant ist aber dass es nicht immer auf das Aussehen an kommt.
    Gruß, Chris.

  18. 18
    vellist

    Puristen haben sehr wohl Grund, sich zu beschweren. Gerade über die Großen im Netz. Zwei Schlagworte: „Webstandards“ und „Barrierefreiheit“.
    Bei eBay & Co. wird munter Code zusammengepantscht, als wäre noch 1999.

  19. 19

    die meines wissens nach allererfolgreichste seite im netz (google natürlich) sieht aber doch gar nicht so schlimm aus, oder?

  20. 20

    Karl Rosenkranz, Ästhetik des hässlichen (1853):

    „Gewisse Quallen, Sepien, Raupen, Spinnen, Rochen, Eidechsen,
    Frösche, Kröten, Nager, Pachydermaten, Affen, sind positiv
    häßlich.“

    Dies Reinigen des Häßlichen vom Unbestimmten, Zufälligen,
    Charakterlosen, ist ein Act der Idealisirung, die nicht im
    Hinzuthun eines dem Häßlichen fremden Schönen, sondern in
    einer prägnanten Hervorkehrung derjenigen Elemente besteht,
    die es zum Gegensatz des Schönen stempeln und in denen, so zu
    sagen, seine Originalität, als die des ästhetischen
    Widerspruchs liegt.“

    „Das Häßliche muß also durch die Kunst von allem ihm
    heterogenen Ueberfluß und störsamen Zufall gereinigt und
    selbst wieder den allgemeinen Gesetzen des Schönen unterworfen
    werden.“

    wie bereits angedeutet in:
    http://www.datenstroeme.de/2007/06/29/myuglyspace-vs-karl-rosenkranz/

  21. 21

    Alles korrekt, aber, sorry Johnny:

    Amazon hat in der Aufzählung nix zu suchen. Über Geschmack beim Design kann man sich immer streiten, aber Amazon hat extrem viel Aufwand in die Usability gesteckt – und ich finde, das merkt man auch an jeder Ecke. Die ganze Bedienung ist (für eine eCommerce-Site) dieser Größe extrem kundenfreundlich.

    Ich empfehle die Lektüre einiger Bücher von Usability-Pabst Steve Krug («Don’t make me think»), der u.a. Amazon als positives Beispiel für Usability herausnimmt und auch erklärt, warum.

  22. 22
    Patrick

    Komisch… über GENAU DAS Thema hab ich mir gestern auch Gedanken gemacht. Gerade MySpace finde ich furchtbar hässlich… was soll das denn bitte sein?? Mal ehrlich, da lob ich mir StudiVZ (ja… ich weiß), das schaut wenigstens schön aus.

  23. 23

    Also was an Amazon.de hässlich sein soll kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.
    Ebay hingegen finde ich ebenfalls total überladen und unsortiert – noch dazu ist das Surfen auf Ebay eine wahre Tortur ob der rießigen Datenmengen und der wohl sehr langsamen Server. Vor allem im Vergleich mit Amazon macht Ebay einfahc kein Spaß.

  24. 24
  25. 25

    Hier geht es doch vor allem um Funktionalität und Einfachheit.

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