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Beim Spielen zuschauen

zugucken

(Foto: awnisALAN)

Kann es etwas nervtötenderes geben, als anderen Leuten beim Computerspielen zuzusehen? Kann es?

Ich glaube nicht.

Dabei sind die einfacheren Games noch am besten zu ertragen. Faustkämpfe und Autorennen z.B. machen in der Regel nicht viel weniger her, als ihre Fernsehevorbilder, und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich früher Kumpels beim Space Invaders zocken zusehen konnte, ohne in Tiefschlaf zu verfallen.

Doch mit zunehmender Komplexität von Spielewelt und Interaktivität nimmt der Unterhaltungsfaktor für Außenstehende drastisch ab. Abenteuer- und Rollenspiele — witzigerweise nicht selten betitelt als »großes Kino« — sind für den Zuschauer doch wohl der absolute Horror.

Während man in Trailern oder Gameplay-Videos nur ausgewählte Situationen, grandios inszenierte Kämpfe und perfekt gemeisterte Durchmärsche bestauenen kann, ist man im echten Leben mal wieder gnadenlos der tragischen Realität ausgeliefert.

Hilflose Sprungversuche zur nächsthöheren Ballustrade; ständige Abstürze in die tiefsten Dunkeltiefen dank falsch eingeschätzter Perspektive; endloses Backtracking durch bereits erkundete Level, auf der verzweifelten Suche nach irgendeinem wichtigen Utensil, welches blöderweise übersehen wurde.

Nicht zu vergessen: On-Screen-Textmitteilungen, womöglich mit Mehrfachauswahl für die Antworten.

Unter normalen Umständen kaum auszuhalten.

Richtig schlimm wird es jedoch, wenn man selbst bereits »dort« war, etwaige Aufgaben bereits gelöst und den Endgegner, an dem sich der Freund gerade (unverständlicherweise) die Zähne ausbeißt, bereits besiegt hat.

»Du musst nur…«

»Ja, ich weiß, ich versuch’s ja.«

»Ne, Du musst…«

»Ja-ha! Lass mich!«

»Ich will doch nur…«

»Ich wa-heiß! Ich schaff’…ich schaff’… Waaaaah!!!«

Wenn der Controller auf den Boden fliegt, die Haare büschelweise in den Fäusten hängen, dann, ja dann ist’s wieder spannend. Vorher und nachher aber — unerträglich.

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