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Schwatzbock

Friedbert Prügler, pardon: Pflüger, Ritter von der komischen Gestalt, ist unter die Kommunikatoren gegangen. Fortschrittlich, wie es in der CDU sonst nur die Friseure sind, scheut er den direkten Bürgerkontakt nicht und hat sein eigenes Blog eröffnet: trügers, nein, pflügers.berlin.blog.

Was den vagabundierenden urbanen Penner da erwartet, sind drei Postings geballte Webkompetenz: Herr Klüger packt direkt im dritten Eintrag den Godwin aus:

Ich habe die große Sorge, dass der voranschreitende Vertrauensverlust in die Politiker eines nicht all zu fernen Tages erneut den Wunsch nach einem „starken Mann“ wach werden lässt. Das wäre furchtbar!

Schade, dass Herr Krüger sich die Gelegenheit hat entgehen lassen, seine hehren Gefühle mit einer mehrfachen Inanspruchnahme des Ausrufungszeichen auszuweisen. Immerhin mochte er nicht darauf verzichten, die Ernsthaftigkeit seines Raisonnements durch schwarze Hinterlegung zu verdeutlichen. Schicklgruber, ick hör die trappsen.

Herr Büglers Gedankenwelt jedenfalls oszilliert zwischen handfesten Erfahrungen und hochphilosophischen Betrachtungen: Einen Boxkampf, den er mit seiner Frau Sybille besucht, nimmt er zum Anlass, festzustellen, dass es viele Gemeinsamkeiten zwischen Boxern und Politikern gäbe. Weil beide Tiefschläge einstecken müssten. Anscheinend ist da noch Bedarf an Analogien, deswegen stelle ich hier ungefragt ein paar zur Verfügung: Politiker sind wie ein Haus, wegen des Kamins. Oder aber: Politik ist wie eine Omnibushaltestelle. Da kann man auch mit seiner Frau hingehen.

Seine oben erwähnte, virutelle Sorgenfalte Hüttler betreffend nutzt Flügler, zu erwähnen, dass er seine Eltern kauft, sich um den Käse sorgt, Sportsucht plant und überhaupt ganz so ist wie seine Kinder. Er ist einer von allen, und als solcher … egal.

Das ganze nennt Friedbert Glüpfer übrigens, ganz weltläufiger Kalauerkönig, seinen „schwarzen Blog“. Hoffentlich wird in den Kommentaren angemessen randaliert.

(via)

28 Kommentare

  1. 01

    Der Herr Pfründler (haha) (*lol*) scheint vor allem ein Meister des „Hand ans Kinn“ zu sein und beweist damit Kernkompetenz im Medienauftritt.

  2. 02

    Hm. Versteh nur ich nich was daran lustig sein soll, ein ziemlich belangloses Politikerblog (gibts öfter als man denkt – aber was solls?) auf die Schippe zu nehmen und das nur auf die billige Tour, den Namen immer zu verdrehen?
    Hab schon witzigeres gesehen…

  3. 03

    Also. „schwarzer Blog“ fand ich jetzt tatsächlich recht amüsant. Mal davon abgesehen, das hier wieder mal „das“ mit „der“ verwechselt wurde…

  4. 04

    Amüsant hin oder her – ich finds grundsätzlich schon mal sehr positiv wenn ein Politiker bloggt, geschweige denn weiß was ein Blog ist. Frag mal Herrn Schäuble nach „Blogs“ – der kann dir sicher keine Definition dazu geben und wird was von Bombenbauanleitungsdiskussionsverbreitern o.ä. reden. Und das nicht, weil er Schäuble ist, sondern weil er – wie viel zu viele andere Politiker auch – keine Ahnung vom Internet (mangels persönlicher Erfahrung) hat und trotzdem leider Sachen in diesem Bereich entscheiden darf.
    Deswegen finde ich, dass jeder Politiker, der ein Blog betreibt, z.B. im Bundestag grundsätzlich schon mal eine fundiertere Meinung (und sicher auch benutzerfreundlichere Meinung) zu Internetthemen haben wird – einfach weil er besser weiß um was es geht. Die politische Einstellung kommt da dann noch dazu – aber das darf dann wieder jeder für sich selbst entscheiden, ob er lieber grüne, schwarze oder rosa Blogs liest.

  5. 05

    Aber das nach wie vor authentischste politische Blog ist das von Julia Seeliger: http://www.julia-seeliger.de , finde ich.

  6. 06

    Es ist ja nicht gesagt, dass Pflüger weiss, was ein Blog ist, vielleicht hat er nur eine halbwegs fitte Pressestelle.

  7. 07

    Naja, ein Blog bedeutet immerhin, dass er die Einträge selbst schreibt. Wenn er das natürlihc nicht tut ist es Beschiss – aber „bloggen“ setzt wenigstens grundlegende Internetkenntnisse voraus, die keineswegs selbstverständlich bei Politikern sind. Schaut euch einfach mal dieses Video an(„Ins Internet… bin ich bisher glaub ich.. ein oder zwei mal gegangen“ / „Ich weiß nur, dass es Leute gibt, die da so ein Programm entwickelt haben, mit dem man einzelnen Fundwörtern.. da was finden kann. Aber ich mach das nie.“), da kullern euch die Augen raus. Und so ist leider der aktuelle Stand der Dinge. Alles was daran was verbessert sollte man mal nicht von Haus aus runtermachen, schon gar nicht wegen eines (unlustigen?) Namens…

  8. 08
    sven

    @Sebastian: Diese These wollte ich hier auch gerade einwerfen…zu spät, also nur ein d’accord von mir!

  9. 09
    Heiko

    Das ist schon frech. Ein Politiker richtet sich ein Blog ein und schon ist es wieder nicht recht. Wenn Politiker nicht bloggen, ist es nicht recht. Wenn sie gar nicht selber bloggen, sondern jemanden unter ihrem Namen bloggen lassen, ist es auch nicht recht. Wenn sie aber doch selbst bloggen, wird die Nase gerümpft. Nicht einmal der Anfänger-Bonus wird gewährt.

    Das ist aber gar nichts gegen die missbräuchliche Verwendung von „Godwin`s Law“, die hier nur noch mit der Brechstange herbeigezwungen wirkt. „Godwin`s Law“ (http://en.wikipedia.org/wiki/Godwin's_law) bezieht sich auf unpassende Analogien am Ende einer Diskussion, während hier ein Blogeintrag vorliegt, der gerade den Anfang einer Diskussion darstellt. Hinzu kommt, dass Herr Pflüger eine nachvollziehbare Aussage getroffen hat, in der er den reichlich abstrakten Verweis auf Hitler nicht als Ersatz für ein fehlendes Argument verwendet hat, sondern in dem dieser Verweis ein berechtigtes Argument darstellt. Bekanntlich wird „Godwin`s Law“ aber gerne dazu missbraucht, unliebsame Meinungsäußerungen zu deklassieren oder abzuwürgen. Dabei taucht dann immer das Missverständnis auf, es handele sich um ein Werkzeug, mit dem man eine Diskussion beenden könne. Tatsächlich handelt es sich nur um eine in Worte gefasste Gesetzmäßigkeit, die auf Beobachtungen im Usenet basiert.

    Damit bleibt als verbleibende Aussage für den Beitrag nicht mehr übrig als: „Ich mag nicht, was Herr Pflüger schreibt.“. Peinlich.

    Mag sein, dass es sich mal wieder nur um verkappte Wahlkampfwerbung handelt (Wo ist da eigentlich der Unterschied zu anderen Bloggern?) oder dass seine Beiträge nur kalkuliertes Politikergeschwurbel sind.

    Aber dann sollte man das vielleicht auch so schreiben und nicht größtenteils auf Nebensächlichkeiten herumreiten, an der Sache vorbeireden und eine ‚Webkompetenz‘ einfordern, die viele andere Blogs dann ebenfalls nicht aufweisen würden.

  10. 10

    Eben, ein Blog als Politiker selber schreiben und dabei auch authentisch sein oder schreiben zu lassen und schon mal gleich ankündigen, dass er wahrscheinlich eher nicht auf die Kommentare antworten wird „¦ dazu braucht“˜s keine dynamische Homepage und die Bezeichnung „žBlog“.

    Viele meiner Kollegen haben zunehmend Kontakte zu Politikern, die jetzt auch gerne mal ein „žeigenes Blog“ gerne hätten. Is‘ so schön „žen vogue“ Das ist sehr lustig zu sehen, wer sich dann wirklich darum kümmert, wohin die Vorstellungen gehen auch hinsichtlich der späteren Inhalte. Augenöffnend.

  11. 11
    sven

    Eins noch…

    Ich habe die große Sorge, dass der voranschreitende Vertrauensverlust in die Politiker eines nicht all zu fernen Tages erneut den Wunsch nach einem „žstarken Mann“ wach werden lässt. Das wäre furchtbar!

    Gehts noch, Pfrüdhert?

    @heiko: Vielleicht sollte er sich lieber Gedanken machen warum es einen Vertrauensverlust gibt, oder?

  12. 12

    Also, daß irgendwann jeder Idiot sein eigenes Blog hat, damit müssen sich die altgedienten Blogpioniere wohl abfinden, das reicht noch nicht zur Verurteilung. Sogar meine Mutter schreibt jetzt eins, aber die ist auch beileibe nicht irgendein Idiot. Namensverdrehungen habe ich auch schon deutlich bessere gesehen als die da oben, aber Pflüger ist ja ausdrücklich bereit, Tiefschläge einzustecken, also ist das auch okay. Daß er überhaupt bloggt, zeigt an sich nur, daß er auf die Ratschläge seiner Pressetante hört, leider liest sich das, was er da schreibt, reichlich beknackt, aber alles andere wäre ja schon eher eine Nachricht wert gewesen. Ich habe mal versucht, per Kommentar zu randalieren, bin mir aber nicht sicher, ob Pflügers Pressetante es durchläßt.

  13. 13

    Naja, immerhin gebt ihr ihm bei all dem Quatsch einen schönen Trafficboost. Besser kann mans ihm eigentlich nicht rechtmachen („Hey, schau mal.. kaum hab ich mal ein Blog, rennen tausende von Spreeblicklesern über meine Seiten… Sollten wir Spreeblick nicht in der Dankesrede nach der nächsten Wahlkampagne lobend erwähnen?“)

  14. 14
    sven

    Mensch Johannes, Friedbert verkauft doch nichts. Bei Politikern ist ‚any pr is good pr‘ wohl eher falsch…

  15. 15
    ajo

    Hmm, irgendwie hatte ich Godwin’s Law anders in Erinnerung. Irgendwie sehr viel verwerflicher als das, was Pflüger in seinem Beitrag sagt.

    Aber gut. Wenn ich 7 Absätze über sein egales Blog schreiben, dabei so etwas wie Relevanz simulieren müsste und mir so wie dir überhaupt nichts einfallen würde, würde ich das vielleicht auch so machen.

  16. 16
    Sonja

    @heiko – Moment, ich denke mal, Frédéric benutzt Godwin in diesem Sinne:
    There is a tradition in many newsgroups and other Internet discussion forums that once such a comparison is made, the thread is finished and whoever mentioned the Nazis has automatically „lost“ whatever debate was in progress.
    Es ist also schon ein bisschen lustig, dass Pflüger das in einem seiner allererste Beiträge schafft. (Zugegeben, kein Schenkelklopfer.)

    Aber ganz was anderes – „schwarzes Blog“ wär ja lustig, aber heißen tut es anschenined „Pflügers. Berlin. Blog.“. Naja.

  17. 17
    Frédéric

    @ Sonja: Schwarzer Blog, siehe erster Eintrag bei Pflüger.

  18. 18

    die anspielungen auf die vorfahren hitlers finde ich köstlich :)

  19. 19
    Jan(TM)

    Was will uns der Autor mit diesem Artikel sagen?

  20. 20
    frezter

    Haha; „Friedbert Prügler“ der Name ist doch ausgedacht, oder. harhar

  21. 21
    Frédéric

    Okay, kurz zur Erklärung:
    1. Ich finds prinzipiell auch gut, dass Pflüger bloggt. Bei aller Verachtung – das dürfte inzwischen kein Geheimnis mehr sein – die ich für die Pflügers Resterampe hege, eine einigermaßen funktionierende und innovative Opposition würde Berlin sicherlich nicht schaden. Der Ströbele kann ja nicht alles allein machen. Weil ichs gut finde, verlinke ich ihn.
    2. Unter Vorbehalt. Weil ich das, was er bloggt, totale populistische Scheiße finde. Vor allem den „starker Mann“-Vergleich finde ich unter aller Sau. Die momentane Politik führt uns in die nächste Diktatur, und das ist schlimm – jaja, alles klar. Und Pflüger macht alles besser. Mit solchen Vergleichen kann mans mir tatsächlich nicht recht machen
    @ Johannes: Mit der gleichen Begründung könnte jeder Politiker jeden Schreiberling, der über Politik schreibt, lobend erwähnen.

  22. 22

    „Ich habe die große Sorge, dass der voranschreitende Vertrauensverlust in die Politiker eines nicht all zu fernen Tages erneut den Wunsch nach einem „žstarken Mann“ wach werden lässt. Das wäre furchtbar!“

    Worüber regt ihr euch auf? ICH habe diese Sorge auch (nja, in erster Linie habe ich die Sorge, meine Brille zu finden, aber ihr wisst was ich mein). Sinkende Wahlbeteiligung, desinteressierte Jugend…
    All das führt vermutlich nicht direkt ins Vierte Reich, aber gut ist es mit Sicherheit nicht.

    Dieser Eintrag ist enttäsuchend, er ist „populistische Scheiße“.
    Er enthält zwei Aussagen: Politiker sind doof (Schon immer ham die uns beschissen, die da oben! Schon immer sag ich!) und CDU ist doof.
    Der zweiten schließe ich mich an, doch du könntest auch einfach sagen:
    Gut, dass es noch ein Politikerblog gib, schlecht das es von der CDU ist, und nciht von Feministischen Volksfront (FVF), oder was auch immer du wählst.

    Und der Begriff „Der schwarze Blog“ ist WITZIG (auch wenns sich irgendne PR Tante ausgedacht hat=. In diesem Fall ist es auch logischer die maskuline Form zu verwenden, wegen der Anspielung auf DEN schwarzen Block, der sich aus Steineschmeißern rekrutiert. Ihr Humorfaschisten.

  23. 23
    Jan(TM)

    Ich lese da einen CDU Mann der sich den Realitäten stellt. Frédéric ernähr dich geistig mal 14 Tage von BILD und RTL Nachrichten, misch dich unter das einfache Volk* – dann wirst du verstehen was er meint. Also ich kann seine Sorge sehr gut verstehen und höre da nicht Adolfs Vater, sondern eher einen deutschen Haider trapsen.

    *Otto Normal SPD/CDU/PDS Wähler

  24. 24
    sven

    Hier hören manche den Haider trapsen, aber geht aktuell nicht der Strom nach Links?

  25. 25
    Dokter

    3 witzige Droiden – ein menschliches original:
    Heintje / Andreas Möller / Pflüger !!!
    faäält nur mir das auf ? :)

  26. 26
    Dokter

    Die Kinn-abstütz-Pose, auf seiner Seite, die Nachdenklichkeit und somit das Vorhandensein eines Hirns simulieren soll, ist echt DER Klassiker !
    Man müßte sich echt autogrammKarten von ihm schicken lassen – wasn Spaß!

  27. 27
    Frédéric

    @ Jan(TM): Was er meint, ist, dass er mit solchem Schwachsinn „die einfachen Leute“ dazu kriegt, das Kreuzchen hinter seinem Namen zu setzen. Und sowas hat einen Namen: Scheißdreck Populismus. Und weil wir hierzulande keinen Haider hatten, wird sich das Wörtchen „erneut“ bestimmt nicht auf denselben beziehen. Außer Herr Pflüger denkt großdeutsch, aber das will ich ihm nun wirklich nicht unterstellen.

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