25

9to5

Ich: Beim Tischtennis haben wir nicht gut ausgesehen.
Max: Also ich habe sehr gut ausgesehen. Nur gespielt habe ich Scheiße.
Für dich hast du aber Recht.

Ich: Ich kann nur gut aussehen oder mich bewegen.
Die Musik. War die auch ironisch?
Max: Die Musik war doch okay, glaub ich.
Ich: Country.
Max: Fand ich trotzdem okay.
Ich: Ich frage mich, ob der kleine Junge, der hier im Kiez Akkordeon spielt, das auch ironisch meint.
Max: Die Veranstaltung war kein gespielter Witz, sondern ein gespieltes Wortspiel.
Ich: Wichtigster Satz des Abends: „Aber eine sehr schöne Location.“
Max: Irgendwie schon. Bis auf den Sichtbeton.
Ich: Habe ich nicht gesehen.
Max: Du warst zu aufgeregt. Der Raum Bremen war davon eingedeckt.
Ich: Ach, aufgeregt. Ich hatte einfach keine Fragen an Stefan Niggemeier*. Er ist für mich wie ein offenes Buch in einer fremden Sprache.
Max: Das war ja okay. Das war wirklich gut, dafür, dass es so spontan war.
Wenn ich aber extra für diesen Vortrag 25 Euro ausgegeben hätte, hätte ich mich beschwert. Und ich glaube, so war es bei den meisten Veranstaltungen.
Ich: Mir ist danach siedendheiß etwas eingefallen:
Max: Was denn?
Ich: Ich hätte interessiert schauen müssen, wenn Stefan geantwortet hat.
Stattdessen war ich hin- und hergerissen zwischen zwei Optionen: Einen epileptischen Anfall bekommen oder einen epileptischen Anfall vortäuschen.

[…]

Ich: Der müdeste Besucher war Felix Schwenzel. Mann, war der müde. Müder als der morgendliche Weckdienst von Dornröschen.
Max: Das stimmt. Noch müder als in seinem Artikel. Und Johnny war da ohne da zu sein. So sind sie, die Superberliner.

Warum so sarkastisch? Wir klingen ja schon fast wie der Spiegel. Vielleicht ist diese spöttelnd-nasale Haltung die – wenn auch nicht einzig denkbare – so doch naheliegendste Reaktion, wenn Leute, die auch noch in einem psychisch und faktisch schwer angeschlagenen Artikel in der Süddeutschen als Superberliner bezeichnet wurden, eine Veranstaltung machen.

Da muss zum Beispiel auf jeden Fall dringend noch einmal erwähnt werden, dass die digitale Bohème erben wird:

Dahinter scheint eine Haltung zu stecken, die die ehemalige Berliner Kultursenatorin Adrienne Goehler als „Bohèmehaftigkeit auf der Grundlage einer späteren Erbschaft“ bezeichnet.

Aha.
Wenn man eine Konferenz der Versicherungswirtschaft besucht – erben die Teilnehmer da nichts? Haben Versicherungsvertreter unsterbliche Eltern? Und was veranstalten sie dann mit ihrem Erbe? Ein Leben wie ihre Eltern? Oder schaffen sie etwas Neues? Interessantere Versicherungskonzepte?
Ich weiß es nicht. Ich zerbreche mir nicht den Kopf der Versicherungswirtschaft. Warum aber die digitalen Irokesen soviel Häme auf sich ziehen? Weil sie etwas machen. Weil sie da sind. Weil sie sich Zielscheiben auf dem Kopf wachsen lassen.

Ganz unironisch war es eine sehr amüsante Veranstaltung. Von wie vielen Kongressen kann man das schon sagen?

Max hat auch noch eine Zusammenfassung:

Die Digitale Bohème ist eine Bohème voller Missverständnisse.
Auf der Konferenz 9to5 wurden es noch ein paar mehr.
Die Spree war übrigens sehr schick.

Und Holm Friebe kam auf einem fliegenden Pferd angeritten.

* Ich bin unter Androhung körperlicher Gewalt gezwungen worden, Stefan Niggemeier zu interviewen.
Das Resultat ist hier zu hören.

25 Kommentare

  1. 01

    Muss es nicht „siedendheiß“ heißen?

  2. 02
    Malte

    klar, danke

  3. 03

    Dürfte man das Interview im freien Radio senden?

  4. 04

    Gewöhnlich sitzen sie in der Mittagssonne in einem Café am Prenzlauer Berg, surfen mit dem iBook durch die Weltgeschichte, nippen am Latte und nennen es Arbeit: Berlins digitale Bohème.

    ganz schön schlecht recherchiert, dieser artikel. tss, wer hat denn heutzutage noch ein ibook??

  5. 05

    vielen dank für das „etwas machen“ und „da sein“.
    ich bin ja eher faul und auch gar nicht richtig da.

    edit: ich habe noch ein ibook, aber ich bin ja auch eher faul und auch gar nicht richtig da.

  6. 06
    Malte

    @ fireball
    ich frag mal. was für ein freies radio denn?

  7. 07
  8. 08

    @Malte: Radio ARA, Luxemburg.
    Wäre lieb. Die Sendung (und damit wohl hoffentlich auch die Hörer) beschäftigt sich relativ oft mit Blogs und Podcasts, von daher würde es passen. :)

  9. 09
    Malte

    wow, wir werden international;)

  10. 10

    Wow, danke :) Na dann, heute zwischen 16 und 17 Uhr, Radio ARA, 105,2 und 103,3 oder halt den Livestream auf ara.lu :)

  11. 11

    „Auf der Grundlage einer späteren Erbschaft“ soll doch bedeuten, dass man sich diese Bohèmehaftigkeit nur erlauben kann, wenn man sich keine Gedanken um solch profane und weltliche Dinge wie z.B. Altersvorsorge machen muss, weil man später erben wird, oder?

    Insofern doch gar nicht so humorlos, auch wenn man natürlich einräumen muss, dass nicht alle Mitglieder der DB später erben werden.

  12. 12
    Malte

    @ Armin
    Aber machen sich nur Leute um ihre Altersversorgung Gedanken, die nicht erben? Oder ist nicht Altersversorgung der Fetisch einer überängstlichen Gesellschaft? Versteh mich nicht falsch – ich sorge auch vor. Aber die Mutter meiner Freundin macht sich über uns lustig, weil sie sich erst jenseits der Vierzig darum gekümmert hat. Und ihren Freunden damit schon als spießig galt. Ich glaube, das ist einen Artikel wert. vlt später mehr.

  13. 13

    Das unwillig Zähe war doch das beste an den Fragen, und die beste Antwort war: BILDblog-Leser lesen nicht die BILD.

  14. 14

    Die etwas reifere Dame, die in der ersten Reihe neben mir saß und am Anfang Euch aufforderte, Euch vorzustellen, fragte mich übrigens ein paar Minuten später, ob das hier denn nicht um Bildmitarbeiter ginge, die bloggen und was das denn nun genau sei. Als ich ihr erklärte, dass das Bildblog ein Watchblog sei und _über_ die Bild schreibe, verlies sie schließlich sichtlich enttäuscht den Raum.
    So ist das mit den Erwartungshaltungen.

  15. 15
    Malte

    @ marcel
    ach, warum hast du denn nichts gesagt? ich freue mich immer, wenn ich den kommentatoren ein gesicht zuordnen kann. chancengleichheit.
    die frau war wohl aus dem langhans-harem. kann auch kein vergügen sein, so ein harem.

  16. 16
    Maltefan

    @Malte
    Gehört die Mutter Deiner Freundin evtl. sowieso der Generation der Seligen an, die sich schon deswegen eigentlich gar keine Gedanken um die Altervorsorge machen mussten weil sie von Staats wegen ohnehin schon bestens versorgt waren? Oder, was ich noch putziger finde, der verbreiteten Spezies der 68er, die aus der bequemen Beamtenposition heraus Revolution gemacht haben (oft Lehrer)?

    Die reden sich nämlich leicht. Ich drücke, Arbeitgeberanteil eingerechnet, im Monat über 1000 Euro für die Rentenversicherung ab, die ich allerdings als großzügige unfreiwillige Spende ohne die geringste Aussicht auf irgendeinen Return werte. Und genau deswegen legt man halt dann von dem kümmerlichen Rest auch noch einiges auf die Seite, wenn man nicht bis 97 arbeiten will. Wenn man erst mit 50 anfängt kann man ja gar nicht mehr soviel zusammenraffen, dass man damit über die Runden kommt, und heutztage gilt ja im Grunde sowieso, dass man zusammenraffen muss, wenn es sich grade ergibt und solange man kann, also wenn Geld reinkommt. So mancher 50jährige hat sich in letzter Zeit schon über den versiegenden Geldstrom gewundert ….

    Mag ja alles spießig sein, aber ich steht zu meiner Spießigkeit. Wenn ich allerdings sowieso schon Geld hätte oder erwarten würde, vor Eintritt des 70en Lebensjahres welches zu erben, würde ich mir auch keine Gedanken über Geld machen :-P

  17. 17
    Malte

    wie schon gesagt, ich werde da mal etwas ausführlicher zu schreiben. es gibt da sehr viele aspekte, die es zu bedenken gilt. aber bitte beachten: die unterteilung spießig/nicht-spießig stammmt weder von mir noch von der mutter meiner freundin, sondern von ihrem freundeskreis. und von den leuten weiß ich nicht, was sie so locker sein lässt.

  18. 18
    Maltefan

    @Malte
    Ich meinte ja auch nicht Deine Schwiegermutter im speziellen, sondern bestimmte Vertreter der Althippie/68er-Generation. Ich kenne nämlich so Kandidaten, die aus dem bequemen rundum-versorgten Beamtenleben heraus sich nicht entblödet haben, ungepamperte Menschen, die sich Gedanken über später machten, als Spießer zu bezeichnen.

  19. 19

    @malte (#15) Es ergab sich eben nicht. Ihr wart ja immer im Rudel unterwegs. Soll man sich da dazwischen drängen und dann sagen, ‚ach übrigens ich bin der soundso und lese immer und kommentiere ab und an auf spreeblick‘? Ja, vielleicht. Max saß ja auch kurzzeitig neben mir. :)
    Beim nächsten Mal dann.

    Langhans-Harem könnte hinkommen vom vermuteten Alter der Dame. Besagter Herr stieg ja auch alle drei Tage im Radialsystem rum.
    Schöne Location übrigens.

  20. 20

    Ach! Dann sag doch ein Wort.

  21. 21
    lana

    ER hat schon eine zukünftige schwiegermutter! und diese info gibts so nebenbei, ganz ohne leitartikel. dabei hatte ich mir schon die ferse abgeschnitten! maltefan, wer heiratet jetzt wen?

  22. 22

    DIGITAL IST BESSER

  23. 23
    Maltefan

    @lana
    K.A. Ich bin jedenfalls schon verheiratet.

  24. 24

    @Malte: Deine Texte finde ich wirklich großartig. Aber du solltest dich nie wieder mit körperlicher Gewalt zu einem Interview überreden lassen. Oder war das eine Parodie auf Harald Schmidt und das Desinteresse am Interviewpartner nur gespielt? ;)

  25. 25
    Malte

    @ Ronny
    der punkt ist: ich bin kein profi. ich kann fragen, wenn mich etwas interessiert, aber ich hatte schon einmal ein interview mit stefan, das sehr lang war – und es ist mir nicht gegeben, so zu schauen, als würde ich etwas zum ersten mal hören.

Diesen Artikel kommentieren