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Wie man Krebse fängt – und was Krebse dagegen tun

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Wahrscheinlich wird der folgende Erlebnisbericht waschechte Krebsologen allerhöchstens zu einem genüsslichen Gähnen animieren. Wir von Spreeblick, Deutschlands einzigem Krebs-Watchblog, wussten jedoch vor unserem Dänemark-Aufenthalt noch nicht, was wir jetzt wissen:

Krebse sind echt sehr in Ordnung.

Die Sichtung von Kleintieren im Urlaub löst bei Erwachsenen oft Nervosität (Mücken oder Ameisen im Schlafzimmer), Ekel (Kakerlaken oder Nacktschnecken in unmittelbarer Körpernähe) oder Mitleid (Kröten am Autoreifen) aus, in Kindern jedoch setzt sie Forschergeist, Experimentierfreude und biologisches Interesse frei.

So entstehen bei den „Lieben Kleinen“™ während der Beobachtung von Insekten und Amphibien nahezu wissenschaftliche Dialoge, bei denen die Älteren von ihrer Lebenserfahrung profitieren („Guck‘ mal, die beiden Kröten spielen Sexen!“ – „Quatsch, die sind dazu doch noch viel zu klein.“ – „Na und? Die müssen ja schonmal üben.“), und bei unterhaltsamen Feldversuchen wie dem täglichen Kröten-Grand-Prix auf dem Gartentisch wird das physikalische Lernen rund um die Schwerkraft auf spaßige Weise Teil des Spiels („Menno, meine ist schon wieder runtergefallen!“).

Natürlich stehen Eltern helfend zur Seite, erklären geduldig, warum die Schnecken nicht mit ins Bett dürfen („Raus damit!“) und stehen beratend bei der Auswahl eines temporären Aufenthaltsortes der neu gesammelten Spielkameraden bereit. Und so erhielten die beachtlichen Massen an Krebsen, die sich täglich ansammelten, ein mit Steinen, Wasser und Meeresleckereien gefülltes Plastik-Terrarium, welches ihr Überleben sicherte.

Krebse fängt man so: Ein Stein wird zusammen mit mit einem Stück Wurst an einer längeren Schnur befestigt. Der Stein wird bevorzugt in der Nähe eines Stegs ins Meer geworfen, doch jede „normale“ Küstenstelle funktionierte in unserem Fall ebenso gut. Man wartet ein wenig und zieht den Köder dann langsam bis zu einer zugänglichen Stelle Richtung Strand, wo man die dem vermeintlichen Fast Food folgenden Krebse mit einem Kescher einsammeln kann.

Die Freilassung der Tiere war zwar Bestandteil des Spiels, meist jedoch abendliche Aufgabe der Eltern, denn bei den Kindern war oft einfach etwas dazwischengekommen (Anruf des besten Freundes, Wetter- oder Stimmungsumschwung, ADS).

Und so saßen wir eines Abend vor unserem unweit des Strandes gelegenen Häuschen, als wir ein Kratzen aus dem Terrarium vernahmen, das zu diesem Zeitpunkt noch bevölkert war. Der Größte der Insassen plante die Flucht und stellte sich furchtlos dem Blitz der Handy-Kamera.

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Nur… warum bewegte er sich nicht weiter? Mühelos hätte er unserer Meinung nach den finalen Klimmzug schaffen können, doch er machte keinerlei Anstalten, weiter zu hangeln. Denn er wartete. Auf die kleineren Krebse. Diesen nämlich griff er buchstäblich unter die zahlreich vorhandenen Arme und bot ihnen seinen Körper als Brücke in die Freiheit an.

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Dass die Kleinen, die noch im Krabbelalter waren, die Chance mehr oder weniger geschickt nutzten, versteht sich von selbst. Einige fanden den Weg über den Rücken des Chefs,

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während dieses Exemplar beim anderseitigen Versuch noch die Zeit für ein Lächeln in die Kamera fand.

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Es muss erwähnt werden, dass die gemeinsame Flucht viel Anstrengung zu kosten schien und wir daher irgendwann helfend eingriffen. Als sich alle Krebse an Land befanden, setzte nach einigen Sekunden der Orientierungssuche der Seitwärts-Marsch Richtung Meer ein.

Krebse als soziale Fallstudie der Kinderregel „Die Großen helfen den Kleinen“.
Wer hätte das gedacht?

Bonus-Track 1: Das Liebesleben der Nacktschnecken.
Bonus-Track 2: Kröten als zwingend notwendige Gäste beim allabendlichen Catweazle-Schauen. Was man nicht sieht ist, dass die Kröten nichts sehen. Denn sie sitzen allesamt mit dem Rücken zum Monitor. Dieses trotz Kühlwalda demonstrativ zur Schau gestellte Desinteresse an menschlicher Kultur sorgte dafür, dass es der einzige TV-Abend für die Banausen blieb.

kroeten-tv

43 Kommentare

  1. 01

    Krebscontent! Und was für welcher. Das fand ich jetzt wirklich faszinierend, und schön finde ich es auch, wie Du den kleinen Kulturgut (Catweazle!) nahebringst. Als nächstes dann Futzi :-)

  2. 02

    Also, wirklich erstaunlich.

  3. 03

    Um mögliche Verwirrungen zu klären, denn die Frage kam gerade per Mail: Der große Krebs hatte mehrere Anläufe unternommen, daher hängt er auf den Bildern auch in unterschiedliche Richtungen. Irgendwann dauerte das alles so lange, dass wir befürchteten, er würde sich geradezu opfern, doch auch die Kleinen schien es zu viel Kraft zu kosten. Ein faszinierendes Schauspiel jedenfalls, ob sie es alle allein geschafft hätten, kann man nur raten.

    Falls jemand Links zum Sozialverhalten von Krebsen hat, würde mich sehr interessieren, ob das ein bekanntes Vorgehen ist.

  4. 04
    Elepferd

    Wann gibt’s den wieder einen Podcast von euch zu hören?

  5. 05

    Morgen, glaube ich.

    Wenn…

    Na du weißt schon.

  6. 06
    Matthias

    Sind das alles eure Kinder?

  7. 07

    Es würde mich zwar extrem wundern, aber wenn Du das jetzt als neu entdeckt hättest, vielleicht gibt es ja einen Preis der deutschen Krebsforschung oder so.

  8. 08

    Matthias, nee, zwei eigene reichen vollends. :)

    Sebastian, würde mich auch sehr wundern, aber ich finde nichts dazu…

  9. 09

    Zitat „Spreeblick, Deutschlands einzigem Krebs-Watchblog,“ – haar, da muss ich euch widerlegen!

    Siehe hier … http://tinyurl.com/2vtgez frisch von gestern. Allerdings ist mir da nur eine gemeine Wollhandkrabbe vor die Linse gekommen. Wobei erstaunlich genug mindestens 50 m vom nächstmöglichen Lebensraum entfernt.

    Leider kann man die Viecher nicht essen ;-) an die Tierschützer: weil lohnt nicht ist ja nichts dran ;-)

    Gruß aus dem Norden ;-)

  10. 10

    Ich weiß gar nicht, wie ich als Kind in Norwegen Krebse gefangen habe, aber ich weiß noch gut, dass mir beigebracht wurde, wie man sie in die Hand nimmt, ohne dass sie zwicken: Man kommt mit der Hand von hinten und greift mit Daumen und Zeigefinger quasi an das Scheren-Ende, das am Körper liegt.

    Ansonsten war dieses Sozialverhalten völlig neu für mich. Hätte ich nicht erwartet. Steckt doch meist mehr in den Tieren als man denkt.

  11. 11

    Erinnert mich an irgend so ein Buch. War gallertartige Masse in den Krebsen?
    Das Buch hat sonst bestimmt niemand gelesen.

    Zu den Schnecken: Verstehe das Verbot nicht. Ich nehme immer Schnecken mit ins Bett. Am liebsten nackte.

  12. 12
    Harm

    Dem aktuellen Blog-Trend zu Flauschzotteligkeit & Bauschismus wird hier ein Grzimek-esker Einblick in die wahren Wunder der Natur entgegengestemmt. Ich finde sommerlichen Tiercontent super, aber bezweifle dass Du damit mit Hasen-, Kätzchen- und Schafs-Content konkurrieren kannst. Gab’s denn da keine Strandhundewelpen?

  13. 13

    Pah, das ist ’ne Serie! Das wird Deutschlands größtes Kuschelblog hier!

  14. 14

    Ha, ich haette da das unschlagbare Alpaca-Katzen-Duo zu bieten. Gegen so viel Flauschizotteligkittencuteheit habt Ihr doch keine Chance.

    Your turn…

  15. 15

    Das ist ja wirklich spannend! Danke für diese aufschlussreiche Natur-Doku. (Ganz ernstgemeint.)

    @Paulus: Bei gallertartiger Masse muss ich an Frank Schätzings „Der Schwarm“ denken… Wer weiß, vielleicht planen auch diese Krebse die Weltbeherrschung.

  16. 16

    Vielleicht hatte der große Krebs aber auch nur einen Krampf im Bein und wurde von den kleinen Krebsen schamlos ausgenutzt?!

  17. 17

    Martin, sieh doch nicht immer alles so negativ. ;)

    Armin, ich kontere mit freiem Katzen- und Hundecontent für alle!

  18. 18
    jochen

    auszug von so einer astro-site (zweiter Absatz!):

    Eigenschaften des Krebses:

    Zum Krebsgeborenen paßt die Beschreibung „harte Schale, weicher Kern“. Obwohl er sehr gefühlvoll ist, öffnet er nicht jedem sein Herz und seine Seele.

    Krebse sind sehr hilfsbereit und haben oft einen Rat für andere. Für sich selber sieht es aber anders aus.

    hilft das evtl. weiter?

  19. 19

    Johnny, ich schlage zurueck mit dem Kittenator.

    Beat that…

  20. 20

    @Johnny(17): Du hast Recht, ich muss mal an die Ostsee :-)

    Zum Thema Katzen-Content immer wieder gern verlinkt: What Jeff Killed

  21. 21
    Uwe

    Auf dieses interessante Sozialverhalten wurde ich auch im letzten Jahr von meinem 10-jährigen Mentor hingewiesen. Grössere Krebse stellen sich sogar schützend vor unbekannte, kleinere Tiere mit erhobenen Scheren in die Plastikwanne.
    Alltäglich geschnorrte Fischköpfe beim Fischer eignen sich ebenso hervorragend für den Krebsfang… Ein fachmänischer Palsteg durch Auge und Maul mit einem Angelschnurrest des gleichen Fischers und die Jagd beginnt. Und dann das allabendliche „Nein, der Fischkopf bleibt hier und wird nicht mitgenommen“

  22. 22

    Uwe, endlich, der Hint eines Beweises, danke!

    jochen: Na sicher, jetzt ist alles klar! Und die Fische?

    Armin…. hm…. okay. Qualität statt Masse: Nimm dies!

  23. 23
    jochen

    das haelt sich die waage.

  24. 24
  25. 25

    Die Viecher heißen Krabben.

    Ansonsten:
    Spreeblick zeigt jetzt Urlaubsfotos und Kindergeschichten. Toll.

  26. 26

    Nee, nee, Christoph, die hießen Rob, Rüdiger und Silvy, ich hab‘ gefragt.

  27. 27

    Johnny, gut, Du hast es so gewollt, Du laesst mir keine andere Wahl: prepare urself for da RASPBERRY OF DEATH!

    Ha!

  28. 28

    Okay, Armin. Da hilft keine Gnade mehr. Jetzt wird aufgerüstet. Jetzt kontern wir mit…

    VIDEO!

  29. 29

    Gnade? Jetzt gibt’s keine Gnade mehr, jetzt gibt’s Singing Kitten.

    So!

  30. 30
    MIAUUU

    Alt, aber guter Katzenstoff: http://www.myvideo.de/watch/1657957

  31. 31
    Uwe

    Danke Armin. Ist das CocoRosie?

  32. 32

    So schön kann scheinbare Irrelevanz sein (oder war Kommentar 25 etwa sarkastisch gemeint?)! Schönster Beitrag im Netz seit Wochen! Urlaub muss echt was Tolles sein… Ich will auch!

  33. 33

    Armin, du hast es nur dir selbst zuzuschreiben. Es ist allein deine eigene Schuld, was ab jetzt passiert:

    I wanna take you to a gay bar.

  34. 34

    Haha, da habe ich mir sogar ein T-Shirt von drucken lassen, bzw. vom Schwestervideo We like the moon.

  35. 35

    Oh, Johnny, Ich fuerchte da muss ich ablehnen, denn, weisst Du, I Fell in Love With a Girl

  36. 36

    Armin, okay. Ich gebe mich geschlagen und gucke mal, ob ich im Plattenladen was passendes für dich finde.

  37. 37

    Johnny, ich glaube auch wir sollten Schluss fuer heute machen: I iz dun“¦ absoluteleh dun.

  38. 38
    jochen

    schon? schade.

  39. 39

    Okay, Armin. Dann mach ich auch Schluss.

  40. 40

    Meine zwei Lieblingsblogs widern mich mich ja gerade so was von an :>
    Blöder Bauschismus.

  41. 41

    Schon schlimm Christoph, dis party sux, nicht wahr?

  42. 42

    Um mal aufs Sozialverhalten der Krebse zurückzukommen: GREAT!

  43. 43

    ist ja ursüß…

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