0

Weltkriegs-Shooter

krieg

(Foto: warrenski)

Ich steh‘ auf Shooter. Ganz ehrlich, ich mag das. Horizontal, vertikal, zwei-, drei- und gern auch eindimensional; Ego, top-down und Verfolger, Aliens und Terroristen, Jäger und Gejagter, linear, non-linear, wenn’s kracht und rummst — Rock’n’Roll, ich steh‘ drauf! :D

Mit einer Gattung aber komm‘ ich überhaupt nicht klar: Flackern die Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs in begehbarer Form über meinen Schirm, wende ich mich immer wieder… immer wieder… kopf- und achselschüttelnd ab.

In amerikanischen Foren heißt es dazu gerne, wir Deutschen würden keine WWII-Games mögen, weil wir die Vorstellung nur schwer ertragen könnten, auf unsere Großväter zu schießen:

I guess it would be kind of weird playing a military FPS that is aimed at killing your great grandfather.

Nunja. Ich für meinen Teil kann das bestreiten. Ich sehe da weder meinen Großvater noch meinen »unverbesserlichen« Pöbel-Nachbarn aus Kindheitstagen. So viel Abstraktionsfähigkeit bringe ich gerade noch mit.*

Was genau stört mich also? Wovor schrecke ich zurück?

Ich kann es nicht richtig festmachen, aber ich schätze, dass es an der realitäsgetreuen Wiedergabe geschichtlicher Ereignisse liegt. »Originalschauplätze«, »echte Missionen« – ein Spiel, welches den Zweiten Weltkrieg z.B. als pure Hintergrundgeschichte hätte, würde vielleicht anders auf mich wirken.

Gleichzeitig hätte ich bestimmt ähnliche Vorbehalte, wenn ich eine Anti-Terroreinheit spielen sollte, die »klassische Geiselnahmen« zu lösen hätte. Landshut, Gladbeck oder so.

Evtl. hätte ich sogar Probleme, in einem virtuellen Formel-1-Auto zu sitzen und gegen Nicki Lauda auf dem Nürburgring oder Ayrton Senna in Imola zu fahren; richtig komisch dürfte es werden, wenn es darum ginge, besimmte geschichtliche Ereignisse zu verhindern.

Meinetwegen das Kennedy-Attentat, Herrhausen, den 11. September.

Schwierig.

Mit großer Verwunderung registriere ich auch immer wieder Forderungen, doch »endlich auch mal die Deutschen« spielen zu können.

Offenbar hat die Anziehungskraft solcher Spiele also auch etwas mit Identifikation zu tun. So, wie ich mich weigere, in FIFA als HSV aufzulaufen, scheint es einigen sauer aufzustoßen, als Allierte nach Berlin marschieren zu müssen, anstatt – sagen wir mal –, in Level eins die Wahl zu haben, Paris niederzubrennen. Und so weiter…

Ob man würde desertieren können?

Ich möchte noch festhalten, dass ich WWII-Shooter ganz allgemein für genauso unbedenklich halte wie alle anderen Ballerspiele. Mir geht’s hier einzig und allein um meine Gefühle bei einem ganz bestimmten Setting.

Denn ich mag Shooter, ganz ehrlich.

— — —

* Umgekehrt wäre dieser Vorwurf übrigens mal einer genaueren Betrachtung wert: Sehen die in den Computergegnern echte Menschen? Sehen die also »meinen« Opa?

Diesen Artikel kommentieren