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Vier Väter

baby
Foto © Upsilon Andromedae

Sie sind unsere nächsten Verwandten, sie sind beinahe wie wir in winzig und es gibt immer noch mehr von ihnen als man denkt. Mag man auch hoffen, dass der Blick auf sie mehr über uns selbst verrät, so muss man doch immer wieder feststellen, dass man von ihnen kaum etwas weiß. Ich rede nicht von Bonobos, ich rede von Kindern. Spreeblick, Deutschlands vermehrungsfreudigstes Weblog, hat Menschen gefragt, die wissen müssen, wie das denn nun so ist mit den Kindern. Väter.

Kain, 34, ist Grafiker aus Berlin und hat eine 23 Monate alte Tochter, der Rechtsanwalt Abel, 39, lebt in München, sein Sohn ist zwei Jahre alt, David, 35, selbständig, lebt in Hamburg hat einen 11 Monate alten Sohn und Goliath, 30, macht in München was mit Medien, seine Tochter ist sechs.

Aufmerksame Leser haben vielleicht gemerkt, dass die Namen erfunden sind. Deshalb gibt es auch ehrliche Antworten. Abel ist der einzige, der mit der Mutter des Kindes verheiratet ist und auch der einzige, der nicht bloggt. Ob es da eine Korrelation gibt, konnten wir nicht herausfinden.

Ist das Kind finanziell zu stemmen? Wieviel kostet ein Baby im Monat?

David: 150 Euro für Essen, Windeln und Klamotten, wenn man 2nd Hand kauft, was Sinn macht. Nochmal 100 Euro drauf für einmalige Anschaffungen wie Kinderwagen, -bettchen und so“™n Zeugs. Reisepass, Kindersitz, Fahrradhelm.

Abel: Ohne Probleme. Ohne Extravaganzen nicht mehr als das Kindergeld.

Kain: Ein Kind ist billiger als man denkt. Es kostet grob gesagt etwa 500 Euro im Monat momentan. Das wird mit der Zeit natürlich mehr. Die ersten paar Wochen sind total kostenneutral und auch jetzt spart man ja an Freizeitausgaben, da man keine Freizeit mehr hat.

Goliath: Hm. Gute Frage. Ist schon was länger her. Aber prinzipiell ist es billiger als man vermutet. Trotzdem noch teurer als man“™s gern hätte.

War das Kind geplant?

Goliath: Wir haben es drauf ankommen lassen. Wir haben nicht nach Ovulation geguckt oder so, aber wir haben immer gesagt: Wenn es passiert, dann passierts. Es war wunderbar romantisch.

Kain: Von mir auf jeden Fall nicht.

Welche Bedingungen müssen stimmen, um ein Kind zu bekommen? Ich meine nicht Fruchtbarkeit und Geschlechtsverkehr.

Kain: Man muss zueinander stehen und füreinander einstehen können. Nur dann kann eine Beziehung noch eine dritte Seele tragen. Alles andere ist egal. Finanzen sind total nebensächlich, auch die Arbeits- oder Wohnsituation ist in der Tat eigentlich ziemlich egal. Wenn man sich psychisch und physisch in der Lage fühlt den größten je erlebten Stress noch zu toppen, dann geht das mit dem Kind.

Goliath: Wir sind da auch ins Blaue rein gegangen. Wir haben uns sehr, geradezu abgöttisch geliebt. Das ist vermutlich keine allzu schlechte Voraussetzung. Obwohl es ja auch andere, pragmatische Beispiele gibt. Man muss einfach bereit sein, etwas zu geben. Das ist es wohl.

David: Vor allem die Beziehung. Mir z.B. war die aktuelle wirktschaftliche Situation, also zum Zeitpunkt des Kinderwunsches, nicht wichtig. Auch die Arbeitslage. Ich war letztlich arbeitslos, ohne großartige Perspektive, ohne konkrete Aussicht auf einen Job. Ich wusste aber… bzw. mir war klar, dass ich im Falle eines Kindes alles machen würde, um Kohle ranzuschaffen usw. „” zur Not hätte ich auf dem Bau gearbeitet.

Wie haben eure Eltern reagiert auf die Entscheidung?

David: Meine Mutter hat sich herzlich gefreut. Sie hatte zwei Wochen vorher von ihrer besten Freundin erfahren, dass diese Oma würde und meinte, sie wäre „žtotal neidisch“ gewesen.

Kain: Gelassen und solidarisch.

Goliath: Meine Eltern fanden das super. Ich glaube die haben gerne eine große Familie. Ist wohl wieder dieses „žgerne geben“ – Syndrom.

Abel: Mein Mutter war beglückt als sie erfuhr, dass sie Oma wird. Mein Stiefvater war desinteressiert, was eher ein generelles Problem unserer Beziehung war, er ist kurz nach der Geburt gestorben. Mein leiblicher Vater war und ist distanziert. Er wollte keine Kinder und Enkel deshalb wahrscheinlich schon gar nicht.

Wolltet ihr einen Jungen oder ein Mädchen? Warum?

Abel: Das war mir egal. Wir haben beim großen Routineultraschall in der 20sten Woche erfahren, dass es ein Junge wird. Vor Freude geweint habe ich allerdings, weil ich dabei erfahren habe, dass er gesund ist, es ihm gut geht, er mit den Beinen strampelt und am Daumen lutscht.

Kain: War mir egal.

Goliath: Klar. Ich bin ein Mann, ich wollte einen Jungen. Ich wollte Roboter kaufen gehen, Bagger angucken, Raketen bauen. Ich bekam ein Mädchen, was erstmal sehr viel mit der Farbe Rosa zu tun hatte – und hat. Und mittlerweile liebe ich es.

Haben eure Partnerinnen euch während der Schwangerschaft tyrannisiert?

Kain: Nur selten. Wobei es schon Stimmungsschwankungen und Sensibilitäten gab, die man nicht verstehen kann und auch nicht muss. Der Mann muss schon in der Lage sein, da drüber wegzusehen und auch mal ein paar Paradoxien durchgehen zu lassen.

Goliath: Die befürchteten Gefühlsschwankungen? Fand ich nicht extremer als vorher. Ist aber bei einer Südländerin vielleicht auch nicht so einfach auseinanderzuhalten.

Abel: Das kann man so nicht sagen. Widerspruch war allerdings eher konfliktfördernd. Und sie hatte gelegentliche Anfälle gleichzeitigen Lachens und Heulens. Ich fand es eher lustig. Die Veränderungen an ihr waren jedenfalls nicht nur körperlich. Ich hatte allerdings nicht erwartet, dass alles beim Alten blieb. Das war hilfreich.

Wart ihr bei der Geburt dabei?

Kain, David: Ja.

Goliath: Natürlich. Das war für mich sehr wichtig. 20 Stunden im Kreissaal, mit einer kleinen Pause, wo die Kindsmutter wegen einer sog. PDA (Rückenmarksspritze) mal entspannen konnte und ich auch ein Stündchen mit dem Kopf auf das Krankenbett gelehnt pennen konnte. Danach habe ich alle angerufen, sogar meine Stammkneipe.

Abel: Es war ein Notkaiserschnitt in der 35. Woche, also einen knappen Monat vor Termin. Ich wäre verrückt geworden, wenn nicht.

War die Geburt das wichtigste Ereignis in eurem Leben?

Kain: Nein. Aber doch sehr, sehr eindrücklich und der hellste Wahnsinn.

Goliath: Ja. Es ist unglaublich. Und es war dramatisch. Grünes Fruchtwasser und so. Da kam das Kind dann raus und musste erst noch schnell die Lungen abgepumpt bekommen, bevor es den berühmten Klaps bekam und zum ersten Mal schrie. Ich vergesse nie wie der Arzt das kleine Ding zum abpumpen gab, er hatte es dabei wie ein nasses Handtuch überm Arm hängen. Scary!

David: Wichtig nicht. Aber emotional ohne Ende.

Hättet ihr das ausgehalten?

Kain: Ganz ehrlich: Ich glaube ja. Obwohl es schon verdammt schmerzhaft und anstrengend sein muss. Aber machbar. Wie man weiß.

Goliath: Wahrscheinlich nicht. Ich bin eine Pussy wenn’s um Schmerzen geht.

David: Keine Ahnung, aber ich denke schon. Die Frage ist ziemlich doof, denn bei uns passt das Kind nicht durch, und das Aushalten selbst ist ja nix spontanes. Hätte ich 6 Monate lang Tritte in den Bauch bekommen und alles, und dann zig Stunden die Wehen, hätte ich auch die Geburt ausgehalten.

Was sagt eure Partnerin: die schlimmsten Schmerzen, die sie je hatte?

Kain: Ja, obwohl es vergleichsweise schnell ging und quasi alles im Halbschlaf ablief

Goliath: Merkwürdigerweise hat sie die Schmerzen schnell verdrängt. Sie hat sich selbst darüber gewundert, dass sie sich nicht mehr so richtig daran erinnern konnte. Wir haben dann beschlossen, dass das wohl eine sinnvolle evolutionsbedingte Geschichte sei, damit die Frauen nicht nach dem ersten Kind schon keinen Bock mehr auf weitere haben.

Arbeitet die Mutter des Kindes?

Kain: Ja. Nicht Vollzeit aber doch mehr als halb.

David: Derzeit nicht, aber sie wird im November voll anfangen „” der Kleine ist dann ein Jahr alt.

Goliath: Ja. Sie hat bis in die Schwangerschaft hinein gearbeitet und sehr bald danach, ich glaube, als die Kleine um die 5 Monate alt war, auch wieder angefangen. Ich konnte dabei sein und ihr helfen.

Abel: Halbtags. Sie fing ein halbes Jahr nach der Geburt wieder an zu arbeiten.

Ist das Kind für euch oder für die Frau ein einschneidenderes Erlebnis?

Abel: Bei uns ist das ausgewogen. Sie ist sicher keine Übermutter. Ich beschäftige mich allerdings lieber mit meiner Familie, als mit Kumpels einen Saufen zu gehen.

Kain: Machst du Witze? Das Kind ist der Fakt, der ab Geburt und schon davor dein ganzes Dasein komplett auf links dreht. Für beide. Nur die Frau fühlt das schon in sich wachsen und hat eine klarere Vorstellung von dem, was da passiert. Als Mann bekommst du das erst bei der Geburt so richtig mit, das jetzt alles anderes ist. Da ich nun auch voll arbeite und sie nicht, ist es letztlich für sie natürlich mehr Anpassung im Tagesablauf.

Goliath: Wohl eher für sie. Also für mich sicher auch, aber es ist irgendwie für sie grösser. Kann ich auch nicht wirklich erklären, warum. Ich nehme es halt hin, es ist mein Kind, es ist da, ich bin glücklich und stolz darauf. Für sie ist das Kind ein neues Universum.

Verbringt ihr genug Zeit mit dem Kind? Oder zuviel?

Kain: Natürlich viel zuwenig. Das kann einem nicht genug sein. Es ist so großartig, jeden Tag sehen zu können, was es Neues kann.

Goliath: Zuviel wohl kaum. Ich verbringe soviel Zeit wie möglich mit dem Kind, achte aber darauf mir auch genug Zeit für mich zu nehmen.

David: Schwer zu sagen, aber ich denke, ich verbringe mehr Zeit mit ihm, als es durchschnittlich möglich ist. Ich arbeite zuhause, meine Freundin ist den ganzen Tag am Start, ich verbringe so viel zeit mit dem Kind, wie ich kann.

Wollt ihr weitere Kinder?

Kain: Später vielleicht. Im Moment reicht es uns beiden.

Abel: Unbedingt. Allerdings muss ich erst ein stabiles Einkommen haben. Zur Zeit bin ich ohne Job und der Arbeitsmarkt für Juristen ist auch in München ein einziges Fiasko.

Was vermisst ihr am meisten, seitdem das Kind geboren wurde?

Kain: Selbstbestimmte Heimkehrzeiten.

David: Ruhe. Auf mehreren Ebenen. Vor allem lange Ruhezeiten, also länger als eine Stunde

Abel: Unbeschwerte Zweisamkeit und die Gelegenheiten einmal in den Tag hineinleben zu können.

Folgt ihr irgendeinem Erziehungsmodell oder entscheidet ihr von Fall zu Fall?

David: Kein Modell. Gesunder Menschenverstand und das Prinzip „žEs ist ein Kind und hat keine Ahnung, was eine streng limitierte Auflage des White Album ist. Wenn er es isst, muss ich aufpassen, dass er sich nicht verschluckt.“ So in etwa.

Goliath: Ich bin schon autoritär. Ich mache auch klare Ansagen. Vielleicht sollte ich die manchmal besser begründen, das kann gut möglich sein, aber ich lerne ja auch noch. Ich glaube ich habe einen ganz guten Mittelweg zwischen der mit dem man quatsch machen kann und der der mir sagt was ich machen soll. Das geht auch manchmal daneben. Aber das ist mir egal. Ich hasse Erziehungsratgeber. Ich hasse schon Ratschläge! Ich will meinen eigenen Fehler machen!

Kain: Menschenverstand und Gefühl. Wobei das in Stresssituationen schon
hilfreich wäre, sich auf irgend so eine Haltung besinnen zu können. Habe ich aber nicht. Versuche eben, authentisch zu sein, hm.

Habt ihr Pläne für euer Kind?

Kain: Es soll gesund belieben und dann selbst entscheiden.

Goliath: Sie soll Paläontologin werden. Sie möchte aber Popstar werden. Na gut, auch ok.

Wen mag das Kind lieber? Euch oder seine Mutter?

Kain: Die Mutter. Ich werde zur Zeit vom Kind meist des Raumes verwiesen. Scheint irgend so eine Phase zu sein. Soll ganz normal sein.

Goliath: Seine Mutter.

Abel: Ich glaube, er mag uns beide gerne. Das beruht auch auf Gegenseitigkeit.

Schon mal richtig in Panik gewesen, weil das Kind gehustet hat?

Goliath: Nein, ich bin da immer eher der Besonnene. Ihre Mutter kriegt schnell Panik.

Kain: Klar. Und es war auch angebracht.

David: Er hatte mal den Klebeverschluss eines Tempotütchens „žgegessen“, und der klebte dann an seinem Gaumen, halb im Rachen. Er hat gehustet und geschrien, und wir hatten zwar keine extrem hektische Panik, aber – Panik, ja.

Abel: Anfangs. Das legt sich aber recht schnell, auch weil ich gelernt habe, dass plötzlicher Kindstod eine echte Ausnahme ist. Und Kinder nicht so ohne Weiteres an einem Stück Brezel ersticken.

Wie war die erste Nacht mit einem Baby in der Wohnung?

Kain: Noch irrer als die Geburt selbst, finde ich. Dass da so ein Wesen zwischen euch liegt und atmet, ist total verrückt. Und man spürt in dem Moment die absolute Verantwortung völlig unmittelbar. Denn wenn du jetzt nicht aufpasst und dich falsch drehst im Schlaf oder überhaupt irgendwie was Blödes passiert … du bist der einzige (also beide natürlich), der auf das Baby aufpasst und voll verantwortlich ist. Das ist ein überwältigendes Gefühl.

David: Unglaublich anstrengend. So sehr, dass ich mich kaum noch erinnern
kann, weil verdrängt. Zu laut, zu gestresst, völlig überfordert… er wollte nicht trinken (gestillt werden), er hat die ganze Nacht gebrüllt. War schlimm.

Abel: Unwirklich. Aber ich war erleichtert, dass die Beiden endlich zuhause waren.

Schonmal bereut, ein Kind bekommen zu haben?

Kain: Ernsthaft nein. Natürlich bedauert man häufiger die Einschränkungen und auch gedanklichen Mehraufwände, die man halt so hat. Aber eintauschen will man das auf keinen Fall mehr.

David: Nicht wirklich, beziehungsweise: nicht so. Manchmal wäre es, wie gesagt, sehr schön, wenn man alleine sein könnte, aber eben nur für bestimmte Anlässe.

Abel: Eher nicht schon früher Kinder bekommen zu haben.

Wie hat sich die Beziehung zu eurer Frau geändert?

Kain: Das Vertrauen ist auf beiden Seiten gewachsen.

Abel: Die Romantik hat gelitten.

Goliath: Wir haben uns getrennt, aber nicht wegen dem Kind. Es hat nur keinen Sinn gemacht „žnur“ wegen einem Kind zusammen zu bleiben.

Seid ihr wie eure Väter?

Goliath: Ich werde ihm immer ähnlicher.

David: Weiß ich nicht. Keine Ahnung, wie mein Vater war, als ich so klein war. Ich hoffe nur, dass ich nicht so werde.

Abel: Ja und Nein. Ich war bei der Geburt meines Kindes 15 Jahre älter als er. Mein Kind war kein Versehen. Und ich habe meine Frau aus freien Stücken geheiratet. Mein Stiefvater hat sich wiederum wenig für mich interessiert. Ein festes Vaterbild, dem ich bewusst oder unbewusst nacheifere gibt es bei mir nicht. Das empfinde ich in der jetzigen Situation als Vorteil, denn es gibt Raum für eigene Entwicklungen.

Kain: Hör bloß auf. Ständig und ich hasse mich innig dafür. Aber so richtig. Das macht mich autoaggressiv und todtraurig. Ich versuche andauernd, dagegen anzukämpfen und so zu sein wie ich bin.

Welche Fehler deiner Eltern wollt ihr nicht machen?

Kain: Selbstvertrauen vorenthalten, überbeschützen, Schwierigkeiten abnehmen, zuviel Angst haben, kein Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes haben. Frag meinen Therapeuten.

Abel: Viele Fehler meiner Eltern werde ich deshalb nicht machen, weil die Rahmenbedingungen ganz anders sind: Ich bin viel älter als sie, habe meine Jugend gelebt und nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Ich lebe in einer Zeit, die weit weniger von sozialen Zwängen geprägt ist. Was ich in jedem Fall vermeiden möchte ist dass mein Sohn ohne Vater aufwachsen muss.

David: Ich mache mir darüber keine Gedanken. Ich habe auch keine Liste mit Fehlern meiner Eltern. Wenn“™s irgendwie geht, möchte ich bei meinem Kind/meinen Kindern bleiben, mich also nicht trennen, aber was weiß ich schon.

Verwöhnt ihr das Kind?

Abel: Materiell nicht. Sonst schon.

Kain: Nein. Keine Schokolade, Fernsehen nur wenn die Mutter nix davon mitbekommt.

Goliath: Manchmal schon, ja.

Geht ihr euren Freunden mit Kindergeschichten auf die Nerven?

Kain: Wahrscheinlich ja. In Anwesenheit der biotickenden Freundinnen muss man da besonders aufpassen.

Goliath: Ich glaube nicht. Ich erzähle nicht viel über sie. Aber ich zeige sie gerne rum und gebe mit ihr an, wenn sie dabei ist

Abel: Bis jetzt hat sich noch keiner beschwert. Mag sein, dass die Begeisterung schonmal mit mir durchgeht.

David: Glaube nicht. Ich versuche es zu vermeiden und rede in der Regel nicht aus eigenem Antrieb über Wickeln oder neu erlernte Fähigkeiten. Auf Nachfragen versuche ich mich möglichst kurz zu fassen. Es ist ein Kind „” Milliarden andere wanderten vorher auf und ab.

Oder habt ihr nur noch Freunde mit Kindern und merkt gar nichts mehr?

Abel: Eine Tendenz ist das sicherlich. Nur noch Freunde mit Kindern zu haben. Die Sachzwänge, die unser Kind mit sich bringt, sein unerschöpfliches Aufmerksamkeitsbedürfnis und auch seine Lautstärke erfordern sehr viel Verständnis der Umgebung. Fehlendes Verständnis dafür wiederum lässt mich zunehmend kalt: Gewisse Rahmenbedingungen sind nunmal fix und er ist keine Stereoanlage, die man nach Belieben leiser drehen oder ausschalten kann.

Kain: Da ist auf jeden Fall was dran. Man muss sehr aufpassen, dass man nicht im Strudel von kontaktwütenden PEKiP, Babyyoga und -schwimmen, Elterninitiativ-Kita und musikalische Früherziehungskreisen eingesogen wird. Aber Väter sind da selten aktiv, so dass man als Mann da oft gut gegenhalten kann. Mütter sind deutlich gefährdeter nur noch Mütter zu treffen. Wobei ich oft denke, das macht denen Spaß und der Austausch unter Erfahrungsgenossinnen ist auch extrem wichtig. Das könnte Vätern sozusagen auch mal nicht schaden. Deshalb war ich auch fast ein Jahr im PEKiP. Aber weil da nur Mütter um mich waren hatte ich dann auch keinen Bock mehr auf die Stillprobleme und den Kram. Da konnte ich einfach nicht mitreden.

Goliath: Oh Gott, das würde ich nicht aushalten.

David: Ich habe keine Freunde mit Kindern. Zum Glück und leider.

Seid ihr gute Väter?

Kain: Sicher könnte ich ein viel besserer Vater sein.

David: Hoffe doch. Ich verbringe viel Zeit mit meinem Sohn, und ich bin sicher anders im Umgang als meine Freundin.

Abel: Ich hoffe einer zu werden.

Wie hat euch das Kind verändert?

Kain: Ich bin selbstsicherer und kämpferischer geworden. Man hat jetzt einfach was zu verteidigen und muss auch an die Zukunft denken. Langfristigere und nachhaltigere Planung, finanziell, zeitlich und auch strategisch ist angebracht. Früher wusste ich oft nicht wo und was ich am kommenden Freitag bin. Heute weiß ich das auf 2 Monate im Voraus.

Abel: Meine Prioritäten haben sich verändert. Ich mich kaum. Vielleicht bin ich ernsthafter und besorgter um die Zukunft.

David: Eigentlich wenig. Es hat Auswirkungen auf meine Freizeit und all das. Mich selbst hat es vielleicht insofern verändert, als dass es mich noch weiter „žgeerdet“ hat. Wenn ich meinen Sohn sehe, sehe ich etwas Wichtiges. Andere Dinge sind nicht so wichtig.

Goliath: Ich bin noch friedlicher geworden, als ich es ohnehin schon war.

Seid ihr konservativer geworden?

Kain: Nein. Eher zynischer und ellenbogiger.

Abel: Sicher, aber nicht politisch.

Wie ist euer Verhältnis zu den anderen Eltern auf dem Spielplatz?

Abel: Das kommt darauf an, ob sie mir sympathisch sind: Höflich bis freundschaftlich; da unterscheidet sich für mich der Ort der Begegnung nicht von anderen. Zwangssolidarisierung ist mir fremd.

Kain: Kommt drauf an. Nette junge Mütter oder Babysitter sind oft dankbare und angenehme Gesprächspartner. Ernsthaft: Ich bin so 1-2 mal die Woche in der Situation. Die Leute da sind meistens super nett und man kennt sich dann tatsächlich nach ein paar Wochen schon. Meistens kommt ein Kontakt ja über irgendeinen Spielzeugkonflikt der Kinder zustande, und da bricht das Eis schnell.

Goliath: Ich hasse andere Eltern. Nicht alle, aber die meisten. Vor allem auf dem Spielplatz. Dauert ewig bis man die findet, mit denen man sich nicht über die letzte Ausgabe Öko-Test unterhalten muss.

David: Recht seltsam. Meist sind es Frauen, und das ist sehr komisch, weil da tatsächlich ausschließlich über Kinder und Breimachen und so gesprochen werden kann. Väter sind sehr distanziert, schwer zu beschreiben. Man kommt kaum in ernsthaften Kontakt, eigentlich betrachten alle nur ihr Kind und passen auf, dass nichts passiert, und währenddessen sagt man Sachen wie „žwie alt“ und „žhübsche Hose“ und so.

Es folgt noch ein zweiter Teil mit praktischen Fragen.

55 Kommentare

  1. 01
    Vater

    Vater werden ist nicht schwer – Vater sein dagegen schöner :)

  2. 02

    klasse interviewidee. auch wenn einige fragen leicht suggestiv daherkommen. freu mich auf den 2. teil.

  3. 03

    Hach, ich kann mich in allen Vieren wiedererkennen. Super Interview-Idee!

  4. 04

    Erstgebärende sind nicht repräsentativ. 1-6jährige brauchen kein DSL6000, Klavierunterricht, Dauershuttleservice, … Haste trotzdem schön gemacht.
    Freue mich auf Teil3 in 3-5 Jahren wenn bei diesen Vätern die Zweitkinder anstehen.

  5. 05

    prima artikel. :D
    ich lese mich da auch in einigen aussagen.

  6. 06
    Jan(TM)

    „Habe eure Partnerinnen euch während …“ fehlt da nicht ein n?

  7. 07

    Da fehlt vor allem die Frage „Habt ihr eure Partnerinnen tyrannisiert?“ ;)

    Ist korrigiert, danke dir!

  8. 08
    beggar

    Uiuiui. Demnaechst ein Test von Internet-Angeboten fuer frischgebackene Eltern? Im 2. Teil bitte die richtig miesen Fragen wie:

    „Wieviel Papa bleibt fuer das Kind, wenn man Freiberuflich 60 Stunden die Woche arbeitet – plus 10 Stunden fuer An- und Abfahrt?“

    „Wie viel Zeit mir der Mama bleibt fuer den Papa, wenn er nach 70 Stunden Arbeit nach Hause kommt?“

    „Welche Chancen seht ihr, aktiv das etablierte System zu veraendern?“

    „Da sich in unserer Gesellschaft nur Maenner verwirklichen koennen, seid ihr jetzt am Ziel eurer Traeume?“

    „Was faellt euch als Mann bei folgendem Satz ein: Frauen koennen Familie, Karriere, Freizeit und Kinder haben“

    „Als Vaeter: Wie bewertet ihr Ideale wie das der CSU oder des modernen Metrosexuellen? Jetzt wo ihr voellig ohne Lobby und gesellschaftliche Wertschaetzung existiert!“

    (;

  9. 09

    Generell finde ich ja die Frage was ein Kind kostet
    ziemlich blöd. Das hat was von Return on Investment Betrachtung oder von Fragen wie „Kann ich mir dieses Hobby leisten, oder doch lieber 3 Wochen Clubschiff anstatt?“.

    Das ist so als würde man eine Umfrage machen was das Leben für einen selbst so kostet. Was für eine sinnvolle generische Antwort könnte man darauf geben? Hartz IV?

  10. 10

    Kinder sind eine Freude, ein Geschenk, wie meine Mutter sagte. Später dann entdeckt man den eigenen Vater in sich und schliesst einige Kapitel ab, die noch offen waren.

    Ich brauchte Tricks:
    Kann-ich-krieg-ich sagen Kreisch und Quengel und dies ist der Trick: Ich warte mit der Antwort, nehme mir einige Sekunden bis ich weiss, dass die spontane Reaktion („Krieg ich ein Eis“ – „Nein!“) auch wirklich meine Ansicht ist und nicht situativ automatisiert. Denn klar ist: ein Ja ist ein Ja, ein Nein ist ein Nein.

  11. 11

    *besserwissermodus* malte, deine einleitung stimmt nicht ganz, unsere nächsten verwandten sind unsere geschwister (also, wenn wir welchen haben), denn mit deinen teilen wir 100% eines gen-dings, mit unseren kinder und elternteilen teilen wir nur 50% der gene.

  12. 12
    beggar

    Ich muss mich korrigieren. Die Frage
    „Was faellt euch als Mann bei folgendem Satz ein: Frauen koennen Familie, Karriere, Freizeit und Kinder haben“

    muesste so formuliert werden:
    „In welcher Rolle findet ihr Euch als Maenner bei dem folgendem Satz: Frauen koennen Familie, Karriere, Freizeit und Kinder haben“
    (;=

  13. 13
    Malte

    @ kosmart
    das passiert, wenn einem die lieblingslektorin sagt: „so versteht man den satz nicht“. nach der korrektur verschiebt sich dann der sinn. aber das fällt natürlich nicht auf. grummel

  14. 14
    ichichich

    man könnte auch väter interviewen die wirklich arbeiten müssen ;-)

  15. 15
    Tim

    Ja, Väter die richtig arbeiten gehen. Und Väter, die schulpflichtige Kinder haben. Kinder bis 6 Jahren sind easy. Da ist auch ein spontanter Kurztrip immer drin. Mit der Schule und wenn sie älter werden, müssen alle Aktivutäten vorgeplant werden – und dei Kinder haben ihre eigenen Vorstellungen. – und dann können sie auch teuer werden, wenn man nicht aufpasst („ich will ein Pferd“).

  16. 16
    Kathrin

    Einfach wunderbar!!!!!!!!

  17. 17
    heidrun

    „Ja, Väter die richtig arbeiten gehen.“ stöhn. denn freiberufler und grafiker etc. arbeiten ja gar nicht „richtig“. argh.

  18. 18
    Malte

    @ heidrun
    vlt hat ja das „drei von ihnen bloggen“ irritiert. denn wer bloggt, kann ja nicht arbeiten. oder so.

  19. 19

    Ich glaube, einen habe ich wiedererkannt. Schön wäre es gewesen, noch eine andere Generation Väter dazu zu holen, um mal die Erfahrungen eines alten Sacks zu hören.

    Aber so ist es ja eine Art Ratgeber für Blogger, die auch mal Vater sein wollen. Auch okay :-)

  20. 20

    100% Gene teilt man nur mit seinen einigen Zwillingsgeschwistern. Ansonsten bleibts bei — im Schnitt — 50%.

  21. 21
    heidrun

    genau, das hier ist von faulen bloggern für faule blogger. zielgruppenanalyse hätten wir damit schonma.

  22. 22

    @einbecker hm. aber geschwister bedienen sich aus 100% gleichen genen papa+mama, oder? das kind eines menschen hat nur meine gene mit mir gemeinsam. mit den genen der mutter hat der vater nix gemeinsam (im normalfall).

  23. 23

    kosmar: aus 50 % mama und 50 % papa erbibt sich nur bei eineiigen Zwilligen 100% kind. sonst statistisch weiterhin 50%, wobei die stichprobe so groß ist, dass wohl wenig von diesen 50% abgewichen wird.

    (sprich: meine 50 % sind ja nicht identisch mit den 50 %, die mein bruder von meinem vater hat. statistisch sind die nur zu 25 % deckungsgleich. und 2 x 25 % ergibt nun mal 50 %.)

  24. 24

    @einbecker da hast du recht. aber der pool aus dem man sich bedient ist bei geschwistern doch der identische.
    während der pool von vater und kind sich um schätzungsweise die hälfte unterscheidet. oder, wie?
    aber ich bin ja weder statistiker noch genetiker. ich hab einfach nur irgendwo gelernt, dass die geschwister einem ‚ähnlicher‘ sind als die eltern. genetisch jetzt. ist es nicht auch bei knochmarkstransplantationen und solchen dingen am besten geschwister als spender zu haben?

  25. 25

    Erschreckt hat mich das hohe Alter der Väter. Ich finde es immer sehr rührend, wenn sich jemand liebevoll um seinen (dem Anschein nach) Enkel kümmert, bis das Kind dann laut „Papa“ sagt. In Deutschland fehlt dank einer verkorksten Familienpolitik leider eine ganze Generation von Vätern. Da müssen dann Großväter schon mal ihre Söhne an Vaters statt vertreten.

  26. 26
    lana

    über wowereit lästern, hier aber das heterosexuelle elend breittreten, das hamwa gerne. nee nee: nach dem kind ist vor der scheidung.

  27. 27

    Ich fühle mit Tim und ichichich und auch blogtrainer. Irgendwie hat man bei dem Interview das Gefühl, dass Prenzlberg überall zu sein scheint. Die digitale Bohème, die sich jetzt biologisch vermehrt oder vermehren will, interviewt Väter, die zum Teil bald als Opis durchgehen, irgendwas mit Medien oder erfolgreich machen und bei denen das Kind dann noch die schicke Einrichtung ergänzen soll.

    Naja, genug gemosert, ich bin Vater von dreien (Tendenz steigend) und blogge trotzdem und wünsche den Vieren interessante Zeiten.

  28. 28
    Goliath

    einrichtung ergänzen? aua.

    oder besser gesagt: entschuldige, das wir erst ein kind haben.

  29. 29

    Okay, da sind sie mit mir durchgegangen. Jetzt ist mir ja auch aufgefallen, dass das mit „erfolgreich“ ja auch nicht immer stimmt und deine Tochter (Goliath, also der Vater) schon sechs ist. Entschuldigung für den exzessiven Rant.

    Ich ärgere mich wahrscheinlich mehr darüber, dass sie mich nicht interviewt haben :-) und über die Prenzleltern hier in Berlin, die jetzt anfangen zu heulen, dass ihre Kinder eventuell nicht in ihrem schönen Retortenstadtteil zur Schule gehen können, sondern mit unseren ganz normalen Kindern, deren (Nicht-)Familien und Problemen konfrontiert werden.

  30. 30
    Malte

    @ blogtrainer
    wann sollte man den kinder bekommen? die spanne reicht hier von 24 bis 37, wären teenagerschwangerschaften besser?

  31. 31
    Goliath

    ok maggi! das kann ich gut verstehen. furchtbar wenn so schulen zum prestige werden. das ist ungefähr das, was ich gemeint habe, als ich sagte, das man sich auf dem spielplatz mit den meisten fast nur über die letzte ausgabe öko-test unterhalten darf….:)

  32. 32

    @Malte: Mitte 20 ist noch okay fürs erste Kind, 37 ist definitiv schon ein gutes Alter, um sich auf die Enkel zu freuen. Wer von Euch strebt denn an, unbedingt der Älteste bei der Elternversammlung zu sein? Elternversammlungen im Seniorenwohnheim kommen wohl auch noch auf uns zu, wenn sich der Trend der späten Geburt nicht unmkehrt.

    Aber mal im Ernst: 2,5 Kinder bis 30 und dementsprechend 6,25 Enkel bis 60 – das wäre demografisch ein guter Durchschnitt. Haben unsere Eltern und Großeltern locker geschafft.

  33. 33
    David von oben

    @Maggi: Ich bin wirklich keine gute Projektionsfläche für Deinen Neid. ;)

    @blogtrainer: 37 = Enkel? Lass mal nachrechnen. Mit 19 war ich noch in der Schule. Meine damalige Freundin ebenfalls. Meine ausgedachte Tochter aus dieser unglücklichen Zeit tat’s mir also nach und brachte kurz vorm Abitur Zwillinge zur Welt. Jetzt, so als Opa in den besten jahren, hab‘ ich endlich die Zeit, mich um ein Baby-Pärchen zu kümmern und meiner Tochter der Vater zu sein, den sie sich immer gewünscht hat.

    So in etwa?

  34. 34

    Ich glaub, ich interview mich mal selber, irgendwann :-) Oder wir machen gleich einen Stock aus dem Artikel – die Fragen eignen sich wunderbar.

  35. 35

    @David: Da kommt vieles zusammen. 13 bis 14 Jahre Abitur, dann noch 14 Fachsemester. Viele vertrödeln doch ihr halbes Leben und sinnieren dann mit Mitte 30 darüber, ob Kinder schon „in ihre Lebensplanung passen“. Spätstarter eben, um nicht „Schlafmützen“ zu sagen. Es gibt Länder auf dieser Erde, wo man mit 17 das Abitur hat und mit 22 an der Doktorarbeit schreibt, wenn man das Zeug dazu hat. Kinder und Studium passen übrigens hervorragend zusammen: Wann im Leben kann man sich besser Zeit für Kinder nehmen, als während des Studiums?

  36. 36

    Kinder und Studium passen übrigens hervorragend zusammen: Wann im Leben kann man sich besser Zeit für Kinder nehmen, als während des Studiums?

    mein lieber herr blogtrainer, dann lebst du aber noch in einer welt der diplom- und magisterabschlüsse, denn frag mal einen bachelorstudenten, wo der sich kinder innerhalb seines studiums vorstellen kann. diese aussage ist jedenfalls angesichts des fortschreitenden bologna-prozesses ziemlich realitätsfern.

  37. 37

    @martha dear
    ganz genau. ein bachelor lässt keine zeit mehr für kinder. und bei den müttern, die ich kenne, blieb bisher immer schnell das studium auf der strecke. anwesenheitspflicht, pflichtveranstaltungen usw, lassen die nötige flexibilität nicht mehr zu.

  38. 38

    @martha & ovit: Wo kein Wille ist, ist natürlich auch kein Weg. Mit der Einstellung, dass sich Kinder und Studium nicht vertragen, beginnt doch das Dilemma der Spätgebärenden oder gewollt Kinderlosen. In den frühen Berufsjahren muss dann die beginnende Karriere als Ausrede herhalten. Und so wird geschoben und geschoben, bis es nicht mehr geht.

    Zur Studienorganisation: Anwesenheitspflicht und Pflichtveranstaltungen sind imo für einen geordneten Alltag studierender Mütter und Väter eher dienlich als abträglich.

  39. 39

    Zur Studienorganisation: Anwesenheitspflicht und Pflichtveranstaltungen sind imo für einen geordneten Alltag studierender Mütter und Väter eher dienlich als abträglich.

    wie gesagt: realitätsfern. beurteile keine situationen, die du nicht selbst einschätzen kannst. das studium mag zwar genauer strukturiert sein, aber die vor- und nachbereitung, welche ebenfalls in die endwertung eingeht, ist umso intensiver. das hat also nichts mit unwillen zu tun. lass mal dein kind krank werden, dann hast du z.b. schon ein problem mit der anwesenheitspflicht und dem pensum. einem geregelten nebenjob am tage nachzugehen, ist bei solchem studium so gut wie unmöglich. und wer möchte bitte einen nächtlichen kneipenjob, wenn er gerade ein kleines kind daheim hat?? klar, die einfache lösung bei dir hieße nun wahrscheinlich studienkredit. aber: bekommt man den so einfach und zu welchen konditionen? außerdem ist es doch ein tolles gefühl zu wissen, dass man nach dem abschluss erstmal schön abzahlen kann. und bafög kann man z.b. als studienanfänger oft knicken, sobald die eltern „zu viel“ verdienen. elternunabhängiges gibt es nur in ausnahmefällen und dann wäre man mit sicherheit auch schon älter.

    also vielleicht guckst du dir in zukunft erst einmal die grundgegebenheiten an, bevor du alles dufte und sooo einfach findest und menschen verurteilst.

  40. 40

    ich werde den müttern in ihre bleichen und gestressten gesichter, wenn sie doch mal wieder einen kurs nicht beenden können, sagen: „Wo kein Wille ist, ist natürlich auch kein Weg“
    ich habe nicht gesagt, dass studium und kind nicht geht. ich wollte nur sagen, dass dieser satz „Kinder und Studium passen übrigens hervorragend zusammen: Wann im Leben kann man sich besser Zeit für Kinder nehmen, als während des Studiums?“ völlig obsolet ist und nicht mehr die gegenwart widerspiegelt. es passt eben nicht mehr hervorragend sondern ist mit großen zeitaufwand und emotionalen stress verbunden.

  41. 41
    claudia

    so viele kommentare schon – was offenbar zeigt wie nah jedem der verwandte „kind“ oder „vater“ ist – und vielleicht steht es schon irgendwo:
    1. kinder sind das beste was man in seinem leben machen kann
    2. „eure kinder sind nicht eure kinder, es sind die söhne und töchter der sehnsucht des lebens nach sich selbst. … ihr seid die bogen, von denen eure kinder als lebende pfeile ausgeschickt werden“ – motto für alles elterliche
    3. macht doch mal ein ähnliches interview mit alten väter, vätern, deren kinder zwischen 15 und 19 sind, und mit den müttern; ein thema groß und mit wellenbergen, schaumkronen und seeungeheuern wie das meer.

  42. 42

    @martha dear: Mir liegt es fern, jemanden zu verurteilen. Dass die finanzielle Situation vieler Studierender sie dazu zwingt, jobben zu gehen anstatt zu studieren, ist m.E. ebenso ein Ergebnis verfehlter Politik wie das Fehlen kostenloser Krippen- und Kindergartenplätzen für studierende Eltern.

  43. 43

    dann solltest du dich einfach mit solchen pauschalaussagen vorsehen: Wo kein Wille ist, ist natürlich auch kein Weg. Mit der Einstellung, dass sich Kinder und Studium nicht vertragen, beginnt doch das Dilemma der Spätgebärenden oder gewollt Kinderlosen.

    zumal für mich noch ein wichtiger faktor in puncto kinderkriegen hinzu kommt, der bisher eher ungenannt blieb und das ist nunmal der richtige partner. wenn man den noch nicht gefunden hat, warum sollte man dann mit mitte 20 nachwuchs zeugen?

    (und jetzt komme mir bitte keiner mit, die singles wären halt einfach zu doof, jemanden zu finden!)

  44. 44
    heidrun

    überhaupt, warum sollte man sich dafür anpfeifen lassen, dass man mit ende 20 noch kein kind hat? soll leute geben, die erstmal gern ihr eigenes leben auf die reihe kriegen, was bestimmt nicht die schlechteste voraussetzung für ausgeglichenes elterntum ist. zumal auch keine kinder kriegen völlig in ordnung geht, dafür muss man kein egoschwein sein. diese vorwürfe finde ich wirklich absurd.

  45. 45
    David von oben

    @ martha dear: Also bei mir steht unter „Vorraussetzungen“: Vor allem die Beziehung. :)

    Wie auch immer. Betrachte ich meinen Freundeskreis, sehe ich ein recht verschwommenes Bild. Es gibt da z.B. sowohl langjährige Beziehungen als auch immer-wieder-Singles. Die ersten, die Kinder bekommen haben, waren seit 10 Jahren oder so zusammen, beendeten die Verhütung aber erst nach

    gemeinsame Wohnung √
    Hochzeit √
    Studienende √
    fester Job für IHN √

    In den anderen vier festen Beziehungen sieht’s nur unwesentlich anders aus, jedenfalls ist der fehlende Partner schlicht nicht das Problem. Was vielen wichtig zu sein scheint, vor allem, wenn sie aus nicht ganz so üblen Verhältnissen stammen, ist eine Art „gesicherte Unterbringung“. Also große Wohnung, oder vielleicht sogar Garten, blablabla — das bedingt eben ein gesichertes Einkommen usw. Viele scheinen echt zu meinen, Kinder benötigten ab dem ersten Tag ein eigenes Zimmer.

    Die immer-wieder-Singles sagen dagegen: „Ja, Kinder, schön wär’s, aber ich hab‘ ja niemanden.“

    Bei mir war’s z.B. auch so, dass ich auf die passende Partnerin „gewartet“ habe (so weit das überhaupt geht), und als sie dann „da war“ relativ schnell wusste, dass ich mit ihr alt werden wollte und Kinder bekommen. Ich hätte auch gern zwei Jahre früher mit dem Kinderkriegen begonnen, nur hat SIE gebremst von wegen Studienende und Job und erst mal bisschen mehr Sicherheit und so.

    Bei einem anderen Pärchen hier ist das genauso: Sie will fast seit dem ersten Tag, er musste erst heiraten, Studium beenden, festen Job haben, entsprechend macht sie jetzt also auch erst mal ihr Studium fertig, weil „soo kurz vor Schluss ist halt auch doof“.

    Bei wieder anderen sieht’s so aus: Seit 1999 zusammen, beide wollten erst mal fertig studieren, als das soweit war, fanden sie nur Probejobs und wissen eigentlich seitdem nicht, wo sie im nächsten halben Jahr leben werden. Dass sie nun schon seit sechs Jahren zusammen wohnen und auf der Stelle treten, ist dabei unwesentlich, da sie ja immer davon ausgehen, „in Kürze“ weg zu sein.

    Ich weiß aus meinem erweiterten Bekanntenkreis auch von Abtreibungen. Paare, schon ewig zusammen, so scheint es, gemeinsam getroffene Entscheidung. Die wollen auch Kinder, auch zusammen, nur nicht jetzt.

    Zusammenfassend würde ich aus eigener Erfahrung sagen, dass (zumindest in einem studentischen Umfeld usw.) der richtige Partner zwar für viele die Voraussetzung fürs Kinderkriegen ist, das Fehlen eines Partners jedoch nicht den Aufschub verursacht. Zumindest in meinem Umfeld spielt die Angst vor finanziellen Problemen eine riesengroße Rolle, gepaart mit einem diffusen Wunsch nach Zukunftssicherheit, vermutlich anerzogen.

  46. 46

    @david: ich meinte es mehr auf die kommentare bezogen, weil mir das bisher eher außer acht gelassen schien, obwohl es doch ein durchaus wichtiger faktor in dem ganzen spiel ist :)

    dass man nicht nach überleben der berühmten 3monatsgrenze sofort an nachwuchs denkt, ist mir dabei ebenso klar und ich würde meinen freunden wohl auch kaum dazu raten. ich wollte nur darauf hinaus, dass derartige punkte den zeitpunkt eben auch verzögern und man das kaum mit unwillen (siehe blogtrainer) begründen kann. es gibt z.b. in meinem umfeld auch paare, die lange zusammen waren, letztlich getrennt, aber auch froh sind, dann doch keine kinder bekommen zu haben. und das finde ich nicht verdammenswert. das zeugt für mich auch von verantwortungsbewusstsein (siehe heidrun). seinem kind, die besten ausgangsmöglichkeiten in form von sicherheit bieten zu wollen, ist bei weitem nicht egoistisch, wenn man sich sicher ist, wirklich eins (oder mehrere – das wäre nun wahrscheinlich der nächste diskussionspunkt hier ;)) haben zu wollen.

  47. 47
    heidrun

    exakt. und dabei spielt das alter eine eher untergeordnete rolle. ich kenne leute, die mit mitte 20 schon festgefahrener sind als so mancher mitte 70. :-)

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