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Leiden

Danke der Nachfrage: Ich trinke Kaffee. Gerade. Und leide. Ja, schimpft mich ruhig Andi Möller. Aber ich darf nur drei Stunden Fußball die Woche kucken. Ich meine: drei Stunden! Aber wenn ich mehr schaue, werd ich vermutlich enterbt. Noch ne Woche, und ich überleg mir das vielleicht. Und das W-Lan hier fällt die ganze Zeit aus. Und überhaupt. Sogar das Wetter ist nicht mehr das, was es mal war.

Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, bewegen sich französische Fußballkommentatoren was das Niveau anbelangt im zweidimensionalen Raum. Beckmann und Kerner wären eine Wohltat im Vergleich zu der zu mousse au chocolat verquirlten Scheiße, die hierzulande als statthaft gilt. Kein Wunder, das Fußball links des Rheins einen vergleichsweise niedrigen Stellenwert genießt – man muß schon leidenswillig sein, um sich das anzutun. Kostprobe gefällig? Immer gerne:

A: Ein schöner Querpass, nicht war, Marcel?
B: Ja, ein großartiger Querpass.
A: Man muß ein guter Spieler sein, um so einen Querpass spielen zu können.
B: Ja, der war großartig. *** ist schon ein großartiger Spieler.
A: Schade, das *** in der Mitte verpasst hat.
B: Ja, da fehlten ein paar Zentimeter.
A: Die berühmten Zentimeter!

Der berühmte Sachverstand! Glücklich, wer in Frankreich Fußball schaut und kein Französisch spricht. Vielleicht ist er ja deswegen der Sport bildungsferner Schichten. Man weiß es nicht und will es so genau auch gar nicht wissen.

Jedenfalls habe ich genau 70 Minuten ManU gegen Chelsea gesehen und gelitten. 40 Minuten Deutschland gegen Norwegen und gelitten. 60 Minuten PSG gegen Lorient und gelitten. So sehr gelitten, dass für Gedanken keine Zeit blieb.

Ein paar dann doch. Ferguson könnte sich für nen Mafiafilm von Scorcese casten lassen. Frauenfußball ist ansehnlicher als Männerfußball. Und es ist ein Armutszeugnis für einen – wie heißt das nochmal? ambitionierten? – Verein, Pauleta in den Sturm zu stellen, der ungefähr so viel Gefahr ausströmt wie Plastikblumen Insektenlockstoffe.

Bleiben noch zehn Minuten fürs Finale am Sonntag. Die ersten fünf, und die letzten fünf.

Was ein Leben. Ich geh jetzt Fever Pitch lesen. Zum dritten Mal.

Keine Kommentare

  1. 01

    Hoffentlich nicht auf französisch.

  2. 02
  3. 03

    Frauenfußball ist ansehnlicher als Männerfußball?

  4. 04

    Ich finde: ja. Viel technischer, weniger Fouls, flüssigerer Spielfluß… Langsamer auch. Fürs Fernsehen wahrscheinlich zu ungewohnt, aber live schau ich mir lieber ein Frauenfußballspiel an, als ein Männerfußballspiel. Und das Halbfinale war echt gut. Klar: anders. Aber gut.

  5. 05

    Anders ja, geb ich dir Recht. Aber das Halbfinale der Deutschen Frauen fand ich jetzt nicht so berauschend. Vor allem nicht im Gegensatz zum zweiten Halbfinale. Das war das erste Mal das mich Frauenfußball nicht gelangweilt hat. Aber ist ja Ansichtssache ;-)

  6. 06

    … „flüssigerer spielfluss“ ??? fred, komm bitte wieder nach hause, bevor dir dit deutschsprech ganz weggeht, ja?!

  7. 07

    Wenn der Redefluß fließt, fühl ich mich befleißigt, mich flegelnd zu fügen.
    Uff, es geht noch… Andererseits: Früher war auch schon mal besserer.

  8. 08
    das.ben

    Pauleta ist uebrigens mehrfacher Torschuetzenkoenig in Frankreich. Gut moeglich dass er vielleicht langsam nach und nach aelterer geworden wird.

  9. 09

    Davon hab ich gerüchtehalber auch schon gehört. Aber ich hab bisher noch kein Spiel, kein einziges von Pauleta gesehen, das mir das ansatzweise erklärbar gemacht hätte.

  10. 10
    Samuel

    Naja. in dem Spiel hat er ein Tor gemacht, oder? Ein tolles übrigens…;)

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