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Spielen mit Kind

kids rule

(Foto: Digital Sextant)

Eigentlich wollte ich letzte Woche einen Artikel über Half-Life 2 verfassen; ich bin ja einer der wenigen, die das Spiel vor Erscheinen der Orange Box noch nie gespielt hatten. Da war ich gerade in Ravenholm, und heute… heute bin ich es immer noch.

Diese Woche wollte ich etwas zu »Mass Effect« machen, aber leider bin ich noch nicht groß zum Spielen gekommen. Wie ich überhaupt derzeit kaum zum Spielen komme. Computerspielen, wohl gemerkt.

CDs im Raum verteilen, Bücher zerfetzen und 130 Mal im Kreis um den Tisch rennen spiele ich den ganzen Tag.

Mein Sohn ist neulich 13 Monate alt geworden, und seit einem Monat bin ich mit ihm allein zu Haus. Seine Mama bringt die Brötchen heim, und ich bring‘ dem Kleinen das Laufen bei. Ich soll ihm auch das Essen mit Löffel und Lätzchen beibringen, aber ich drücke mich momentan noch sehr geschickt um diese Aufgabe, weil damit unweigerlich eine ganze Menge Putzkram verbunden ist — noch mehr Aufwand, noch weniger Zeit.

Von der ohnehin wenigen Zeit.

Der knapp bemessenen, nur häppchenweise präsentierten Zeit.

Ein Tag sieht ja ungefähr so aus: 7.00 Uhr aufstehen, 8.00 Uhr Frühstück, 12.00 Uhr Mittagessen, 15.00 Uhr Zwischenmahlzeit, 18.00 Uhr Abendbrei, 19.00 Uhr Schlafenszeit. Dazwischen fünfmal wickeln und einmal für rund 120 Minuten schlafen. Er; manchmal auch ich.

Einkaufen, Haushalt, Krabbelgruppe, Spielplatz, Vorlesen, Bauklötze, Singen, Fangen, Beulen pusten, Finger pusten, Welt erklären, »Nein«-Üben (ganz viel davon), Anziehen, Ausziehen, und ehe man sich’s versieht ist später Nachmittag und man selbst fix und alle. Am Abend lockt die Xbox, doch wenn der eigene Magen lauter knurrt als die 360 lüftet… wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich jede Wette eingehen, dass all die kollabierenden Spieler, von denen man so liest, alleinerziehende Väter sind.

Naja, ich will nicht klagen. ;)

Aber Zocken geht aktuell nur unter Zeitdruck.

Zu Beginn hatte ich noch versucht, seinen zweistündigen Mittagsschlaf für eine Spielsitzung zu verwenden, nur leider hält sich der Knirps nicht an feste Öffnungszeiten. Und wenn mitten im wildesten On-Screen-Getümmel aus dem Kinderzimmer ein Kriegs Hungerschrei ertönt, kann man schlecht mit Argumenten kommen. Sowas wie »später«, »gleich« oder gar »Geduld« hat mein Sohn ja noch nicht mal konzeptionell auf dem Kasten.

Also bleibt nur der tiefe Abend, wenn Mama auch schon wieder da ist. Der klassische Zeitrahmen für hart arbeitende Telespieler eben: 21, 22, vielleicht auch erst 23.00 Uhr; je nachdem, ob wir was kochen oder uns noch unterhalten. ;)

Das geht zwar, theoretisch, doch heißt es gleichzeitig beten und hoffen, dass die Nacht ruhig bleibt, und das Bündel im Gitterbett keine (mitlesende Eltern werden das kennen) Phantom-Zähnchen bekommt. Spätestens um 7.00 geht’s ja auch trotz Hardcore-Nacht wieder von vorne los. Wüsste echt gern, wie die Kleinen das hinbekommen… ich jedenfalls brauch meinen Schlaf.

Jaja, das Leben ist hart als spielender Papa, ich sag’s Euch. Und ich meine ausdrücklich nicht die Dinkelkeks-Reste auf dem Gamepad oder die mobile Doppelschirm-Konsole in der Tiefkühltruhe.

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