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Die Ente der Musikindustrie

duck
Foto © avixyzEigentlich lautete der Titel dieses kurzen Hinweises „Propagans“, blöderweise ist Donald Duck jedoch eine Ente. Ganz im Gegensatz zu Renés Hinweis auf eine aktuelle niederländische Ausgabe des Donald-Duck-Magazins, in der Donald zum CD-Massenkopierer werden will, den die „Duckies“ Tick, Trick und Track aus moralischen Gründen sowie Dagobert als fieser Plattenfirmenboss aus wirtschaftlichem Interesse stoppen.

Den „Scheiß Disney-Moralzeigefinger“ sieht René vor sich, aber ich habe mich köstlich amüsiert! Denn obwohl ich aufgrund eigener Erfahungen mit dem Disney-Konzern der vorletzte wäre, der selbigen verteidigen würde, glaube ich wie Ernesto von torrentfreak.com nicht daran, dass die niederländische Anti-Piraterie-Organisation BREIN der Auftraggeber des Comics sein könnte.

Die Mini-Enten kopieren eine CD, da ihnen das Geld zum Kauf fehlt — sie erklären, dass sie später das Original kaufen würden. Angesichts der für ihn neuen Kenntnis des CD-Kopierens wittert Donald das Geschäft seines Lebens, wovon ihm seine Neffen, die alten Moralapostel, schwerstens abraten. Bevor Donald seinen Plan umsetzen kann, erscheint auch noch Dagobert, dem selbstredend die Plattenfirma gehört, und verurteilt seinen Neffen ob der Millionen, die ihm entgehen würden.

Die Moral von der Geschicht‘: Es ist völlig okay, mal eine CD zu kopieren (und absolut legal in den Niederlanden), es ist nicht okay (und völlig illegal in den Niederlanden), dies im großen Umfang und aus wirtschaftlichem Interesse heraus zu tun und Plattenfirmenbosse sind fiese Millionäre, die nur immer noch mehr Geld wollen (ich kenne leider keine niederländischen Plattenfirmenbosse).

Etwas simpel alles, na klar, aber es gibt moralisch zwiespältigere Geschichten, die Kinder lesen könnten.

Der Chefredakteur des Magazins, Thom Roep, hat auf Anfrage von FOK beteuert, dass BREIN oder andere Organisationen nichts mit der Story zu tun hätten, man habe die Geschichte ins Heft genommen, da sie zeige, wie smart Tick, Trick und Track im Gegensatz zu ihrem Onkel wären. Für den stark moralisierenden Ton der drei Neffen hat sich Roep entschuldigt, er gab zu, dass dies etwas zu dick aufgetragen sei.

9 Kommentare

  1. 01
    erlehmann

    onrealistisch ! ik wil donald in de gevangenis zien.

  2. 02

    Soviel ich weiß war es schon seit Carl Barks Zeiten so, das viel Stories einen moralischen Aspekt verfolgt haben. Typisch amerikanisch sozusagen. Wahrscheinlich sind wir es nicht gewohnt, da die meisten Disney Sachen für Europa ja auch hier produziert werden (z.B. Lustige Taschebücher in Italien) da ist die alte Barksche Moralapostelei wohl untergegangen… :-) Ich finds OK, solange die Story nicht an den Haaren herbeigezogen ist…

  3. 03

    Ist zwar hinreichend bekannt, aber das hier finde ich da schon schlimmer…

  4. 04

    Das Symbolbild ist der Burner (sic). Selbstgebrannte Ente.
    Das alte Spreeblick Design hat mir übrigens besser gefallen.

  5. 05
    Peter H aus B

    @onkel peppy

    Wohin das führt sieht man ja:
    Salinger, Mark Twain, Truman Capote, John Steinbeck und viele mehr dürfen in einigen Bundesstaten der USA nicht mehr gelesen werden..

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,439628,00.html

    Man kann’s auch übertreiben mit der politischen Korrektheit!

  6. 06

    @Peter H aus B: Da gebe ich dir vollkommen recht, ich bin auch nicht dafür, dass man es übertreibt.
    Und mit Sicherheit kann man vieles überinterpretieren (Assoziatonen von Disney-Tieren und deren Akzent bzw. Dialekt gabs ja schon immer – man achte beispielsweise mal auf die Tauben in „The Wild“ oder die Raben in Dumbo) und Zensur ist eh der falsche Weg, aber interessant finde ich es schon.

  7. 07
    Robert

    Ich finde die Comic-Idee fabulös toll (zwei Adjektive für mehr Power!). Besser als Jonny jedenfalls, wegen dem ich jetzt einen furchtbaren Knast auf brutzelige Ente habe. Na toll!

  8. 08
    Hendrik

    „Typisch amerikanisch sozusagen“
    Interessante Idee, leider sehr unwahrscheinlich. Barks Ducks wurden damals zwar noch in den USA veröffentlicht, die Auflagen wurden aber immer geringer. Bereits die Comic-Geschichten seines Nachfolgers DonRosa wurdne beinahe ausschließlich in Europa veröffentlicht, in Micky-Maus-Heften und Einzelbänden. Da diese Geschichte in Holland spielt, gehe ich davon aus das die Geschichte von William van Horn entwickelt wurde… gänzlich ohne amerikanische Einflüsse, denn in den USA sind die Duck-Comics in jeglicher Form seit den 90ern eingestellt.

  9. 09

    Gibt es diese Geschichten nicht überall schon wie Sand am Meer? Naja wie dem auch sei, dieses Thema ist irgendwann eh durch, aber das Bild und der Titel harmonieren super!

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