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Kürbiskerne zum Spieltag

Hilfe. Bitte, Hilfe. Dieser Adidas-Spot: fürchterlich. Es steht zu befürchten, dass ich mit dem noch bis zur EM drangsaliert werde. Wie bitte kann man bei elf (elf!) gesprochenen Worten mittels des Dialogs einen Spot dermaßen verhunzen? „Eine Minute“, meine Fresse. Kein Mensch sagt „eine Minute“, noch nicht einmal der in sprachlichen Dingen nicht eben das Maß aller Zitate Lukas Podolski. Aber am allerschlimmsten: die Pointe. Kein Mensch ruft, wenn der Mitspieler Florian heißt, auf einem Fußballplatz Florian Florian. Kein Mensch. Fußballplätze sind Brutkästen für Spitznamen. Erstens ist man sowieso immer derart ausser Atem, dass neben all dem Rasseln und Pfeifen, das der Lunge entweicht, man höchstens zwei Silben am Stück rausbringt. Und zweitens – ach, was solls. Kommen wir zu den Spielen.

Hannover – Bremen 4:3
Super-Symbolfoto: So sieht das aus, wenn ein Rosenberg explodiert. Interessiert leider keinen, weil die Bremer Hintermannschaft derbst einen drin hatte.

Bochum – Karlsruhe 2:2
Es wird langsam Zeit, sinnlos darüber zu spekulieren, bei welchem Verein mittlerer Kategorie Sestak im Laufe der nächsten Saison als Fehleinkauf auf die Tribüne geschickt wird. Ich sach ma: Hertha.

Stuttgart – Wolfsburg 3:1
Das war ja ein kurzer Frühling. Der Winter sah da schon ganz anders aus, mal kucken, obs der Sommer bringt.
(file under: Mottomannschaften olé!)

München – Duisburg 0:0
Gestern noch habe ich mich gefragt, wann es Hitzfeld gelingen wird, selbst bei Ribéry das Mittelmaß aller Dinge hervorzuzaubern. Nicht allzulange, offensichtlich.

Frankfurt – Schalke 2:2
So sehr er sich auch anstrengt und müht und quält: Es ist Kevin Kuranyi schlechterdings nicht gegeben, ein nachdenkliches Gesicht aufzusetzen. Wenn er es doch tut, oder vielmehr: versucht, oder vielmehr: seine Versuche den Zuschauer zu glauben veranlassen, Kevin Kuranyi denke nach, ähnelt seine Mimik der meines Gemüsemannes, wenn er sich wieder an einem Kürbiskern festgebissen hat.
Übrigens sieht das Logo von 3ecken111er, von Herrn Wieland verdächtig nach hangman aus. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist.

Keine Kommentare

  1. 01

    Herrje, jetzt hab ich Hamburg-Cottbus vergessen. Ausgerechnet Hamburg-Cottbus. Menschmenschmensch.

  2. 02

    Ich hätte das Obige zum Adidas-Spot vermutlich genauso geschrieben und doch muss ich widersprechen.

    Wie lange ist noch zu spielen? Eine Minute. Das ist doch eine ganz natürliche Antwort, daran gibt es nichts zu deuteln, zumindest als Antwort auf die von mir gestellte Frage, im Kontext des Spots vielleicht nicht, aber ansonsten sagt man durchaus „eine Minute“. Meine Minute ich.

    Außerdem schrob ich letztens, dass keine Minute Mensch „ich liebe es“ sagen würde, wie uns das ja so ein ähnlicher Spot vorgaukeln will. Dann bekam ich einen Kommentar, in dem sich jemand meldete, dass er das sehr wohl sagen würde.

    Und auch wenn ich die im-Seminar-Laberer „ich erzähle mal von meinem Hund“ schon immer hasste, muss ich sagen, dass es in meinem Team einen Florian gibt, der zwar einen Spitznamen hat, der aber durchaus des öfteren auch auf dem Platz mit seinem vollen Namen gerufen wird; vornehmlich dann, wenn er etwas, im Sinne des Spiels, nicht moralisch, Gutes getan hat. Dann ruft man ihn tatsächlich Florian. Oder wenn er bitte die Trikots waschen soll, was er aber immer wieder geschickt umgeht.

    Bei Sestak tippe ich aber eher auf Leverkusen, wohin ja Bochumer für gewöhnlich zuerst wechseln, Gekas, Freier, Bastürk.

    Einer der Jugendvereine von Knut Reinhardt ist übrigens der TuS Quettingen. Quettingen ist ein Stadtteil von Leverkusen, in Bochum spielte Reinhardt allerdings nie.

  3. 03

    Ich widerspreche dem Widerspruch, zumindest teilweise: Auf ein „Wie lang noch?“ kann natürlich ein „eine Minute“ folgen, aber nicht auf ein „wir müssen“. Das „eine Minute“ bedeutet hier ja „gleich“, und da der Mensch auch in der Sprache ökonomisch ist (meistens), sagt er statt „eine Minute“ normalerweise (Empirie! Empirie!) „gleich“. Außerdem hat das „eine Minute“ einen schäusterlichen Satzrhythmus: jeder, der es verwendet, sollte gegeißelt werden. Das darf man in Deutschland leider nicht, schade eigentlich.
    Und „Florian“ sagt bei uns nur der Trainer. Wenn ich den Ball haben will, der mir vom Fuß ge… der einem anderen vom Fuß gehoppelt ist, schreit kein Mensch „Florian“. Keiner. „Flo“ is da schon viel, „hey“ deutlich üblicher.
    Aber da Du ja Trainer bist (und wahrscheinlich höflicher als ich),…

  4. 04

    Ruft ihn nicht seine Frau „Florian“? Wobei man so ja auch eher seinen Sohn ruft, nicht seinen Mann…

  5. 05

    Ja, seine Frau auch: aber ganz am Schluss, als er schon am weggehen ist, da ruft ihn auch noch son Mitkicker Florian.
    (Wer sich genötigt sieht, den Spot jetzt bis zum Ende anzukucken: Tschuldigung. Das hab ich nicht gewollt.)

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