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Gabentisch: Frédéric

Auf den letzten Drücker haben Spreeblick-Autoren überlegt, welche Geschenke sie unseren Leserinnen und Lesern wirklich ans Herz legen können. Hier sind die Tipps von Frédéric, die von Tanja, Andreas, Malte ,René und Johnny findet ihr durch Klick auf die Namen.

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Ich schenke nie: Ich verhelfe Bücher zu Lesern. Das ist zwar wenig originell, dafür aber persönlicher als eine erste Scientology-Sitzung.

Wichtig ist, in nächtelanger Arbeit ein Persönlichkeitsprofil des Gegenübers zusammen zu zimmern, um ihm ein Buch überreichen zu können, das seinen Charakter in meiner Absicht beeinflusst. Grob gesagt: Wenn jemand fürchterlich geizig ist, und jedes mal die Getränkerechnungen auf Heller und Pfennig auseinander klaubt, schenke ich ihm die zweisprachige, in Känguruhleder gebundene, mit Goldinitialen verzierte Ausgabe der Eugénie Grandet, schlage sie in Seide und verziere das Ganze mit einem gezwirbelten Diamantband. Und wenn mir dann der Beschenkte (oder die Beschenkte) zuflüstert, das sei nicht nötig gewesen, schwenke ich einen 1868 Armagnac und sage: „Doch. Sehr sogar.“

Leute, die nicht häufig genug vor die Tür kommen, müssen Kästners Fabian lesen; Kulturfaschisten, die Krimis und Science Fiction für unter ihrer Würde halten, werden zu Weihnachten Arno Schmidt oder Dietmar Dath auspacken; Gourmets und Gourmands, die jede Woche ein neues Restaurant ausprobieren, kriegen Hunger; Publizistikstudenten Media Control, prüdere Zeitgenossen Radiguet oder Bataille; Bildungsfetischisten, die große Stücke auf ihre Belesenheit halten, schenke ich den Mann ohne Eigenschaften oder Ulysses: großartig, die erstaunt-verschämten Gesichter zu sehen, wenn man nach drei Wochen fragt, wie weit sie schon gekommen sind.

Und wenn gar nichts geht — Robert Walser geht immer. Oder Nabokov.

Persönlich bin ich eher Freund pragmatischer Geschenke. Ich bin alles andere als böse, wenn mir freudestrahlend eine neue Kaffeetasse überreicht wird, und Socken machen mich glücklich. Etwas ausgefallener wäre natürlich ein neues Monde diplomatique-Abo, oder die Lascars-DVD. Aber die ist wohl noch gar nicht raus, glaube ich. Vielleicht auch „Ah, das Love Ding“ von Monika Rink, soll toll aussehen, das Buch.

6 Kommentare

  1. 01

    kook books sehen immer toll aus ;)

  2. 02
    werther

    … und noch ein wunderbares Buch: Christoph Ransmayr: Der fliegende Berg.

  3. 03
    PiPi

    Wer nicht in den Genuss eines Buchgeschenkes von Frédéric kommt,
    weil er nicht einschätzbar ist, kann zumindest selbst danach suchen.

    Die Frage ‚Buchfinder‘ ergibt zumindest Ergebnisse.

    ;-)

  4. 04

    Wer Bücher schenkt, kann auch gleich Gutscheine verschenken. Buch-Geschenke sind fast die einzigen Geschenke, die ich übelnehme: Jedes beraubt mich eines Grundes, selbst in einen Bücherladen zu gehen.

  5. 05

    @jörg friedrich: wenn der buchverschenker ahnung hat, führt´s bei mir immer dazu, dass ich noch öfter im buchladen bin als sowieso schon.

  6. 06
    Felix

    Da hab ichs wirklich gut, obwohl in einem kleinen Kaff im Allgäu wohne, nämlich in Leutkirch, im achsowunderbaren Süden Deutschlands, komm ich auf meinem Heimweg erst an einer kleinen Bibliothek vorbei und anschließend an zwei Bücherläden.
    Dann kann ich immer nach Lust und Laune (also oft) hineinspazieren und mir die Neuheiten anschauen um dann festzustellen, dass ich a nicht so viel Geld habe mir alle Bücher zu kaufen und b kein Platz für alle Bücher im Rucksack hätte.
    ;-)

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