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Gabentisch: Tanja

Auf den letzten Drücker haben Spreeblick-Autoren überlegt, welche Geschenke sie unseren Leserinnen und Lesern wirklich ans Herz legen können. Hier sind die Tipps von Tanja, die von Andreas, Johnny, Malte, René und Frédéric findet ihr durch Klick auf die Namen.

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In einer besseren Welt fände ich mich um Weihnachten herum auf etwas Bequemem vorm Kamin und sähe Filme, in deren Vorspann der Name Hepburn für adäquate Unterhaltung stünde.
Und sobald mein Mann aufwachte, den hier:

Moby Dick

Was für ein Film!
„Nennt mich Ismael“ und los! Der Wind pfeift und lässt das Schild der Hafenkaschemme in den Angeln quitschen. Drinnen wird gesoffen und gesungen: Männer! Unheilvolle Geschichten machen raunend die Runde und wenn Orson Welles als Prediger üble Prophezeiungen von der Schiffs-Kanzel über die demütige Gemeinde bläst, klebt man gläubig gebannt an seinen Lippen – zu Recht! Denn das rhythmische Hämmern des Holzbein Ahabs (Gregory Peck, Gregory Peck!), der ruhelos bei Nacht seine Runden an Deck zieht, gleicht dem schicksalhafte Ticken der Uhr, die für alle bis auf einen an Bord abläuft!

Lesen soll man das natürlich auch! Die Dünndruck-Ausgabe von Manesse ist die Schönste. Klein und handlich- ab in die Koje!

Mehr Meer, mehr Abenteuer:
Die Endurance

Am 5.Dezember 1914 startet Ernest Shackleton aus Südgeorgien in Richtung Antarktis. Ziel der Expedition ist es, die Antarktis von West nach Ost zu durchqueren, eine Strecke von 2900 Kilometern. 27 Mann, darunter ein blinder Passagier (!) sind an Bord der Endurance, die nach eineinhalb Monaten das Widdell-Meer erreicht, wo sie schon neun Tage später für neun Monate vom Eis eingeschlossen wird, was so eigentlich nicht stimmt: danach zerbirst das Schiff unter dem Druck der Eismassen. Man verlässt es und macht sich für weitere drei Monate mitsamt der Rettungsboote (und die aus Gummi waren noch nicht erfunden!) aber ohne nennenswerten Erfolg auf den Eisweg. Shackleton bricht also mit kleinem Team auf, um Hilfe zu suchen. Nach vier Monaten kehrt er zurück und rettet sie alle!

Eat this, Ahab!

Gestorben wird erst nach der Rückkehr in die englische Heimat, denn die Admiralität freut sich über zähe Männer für den ersten Weltkrieg.

Tolle Story? Nix! Alles wahr und dabei überhaupt nicht deprimierend, denn zur Mannschaft gehörte Frank Hurley, ein Fotograf, der, weil man nach spätestens zwei Monaten „Schiff auf Weiss“ in Motivnot gerät, geknippst hat, was sich ihm bot: Männer beim essen, schlafen, Fussball spielen, Hunde-kraulen. Grossartige, leichte Bilder sind so entstanden (ich trau‘ mich nicht, „eindringlich“ zu schreiben), die mehr erzählen, als das Logbuch es je könnte.

Und als wäre das ganze Unterfangen nicht schon irre genug, hat man die auf Glasplatten (Glas! Platten!) belichteten Fotos während der gesamten Odyssee mitgeschleppt. Zum Glück! Gönnt euch allein schon darum die große, gebundene Ausgabe und macht es euch damit gemütlich. Brrrrrrr…..

Kaffee? Kaffee!

Aus irgendeinem Grund gehört die Espresso-Maschine seit einigen Jahren zum deutschen Weihnachts-Must-Schenk (vielleicht weil sie besser riecht als ihr Vorgänger, das fiese Raclette). Espresso-Maschinen kann ich nur empfehlen, wenn sie richtig richtig teuer sind. Alle anderen sehen nicht aus und machen vorwurfsvolle Geräusche, deren Ursache sie erst nach Ablauf der Garantiezeit preiszugeben bereit sind.

Finger weg.

Kauft stattdessen diese kleine, schmucke Espressokanne aus Porzellan:

Meine funktioniert seit acht Jahren und blubbert freundlich in Dur. Sollte einem das Schätzchen doch mal aus der Hand rutschen, freut man sich gleich noch mal, denn bei Manufactum kann man alles Kaputtbare für günstig nachkaufen.

Und wo wir gerade dort sind:

„Heute vor einem Jahr“ war ja mal eine populäre Spreeblick-Rubrik (was ist der eigentlich zugestoßen?). Die analoge Version gibt es auch bei Manufactum:

Das Dekadenbuch.

„Ein anderer Kalenderblick, mit dem nicht die Tage eines Jahres, sondern die Jahre eines Tages gezählt und betrachtet werden.“

Endlich könnt ihr die Beobachtung eurer chronischen Erkrankungen übersichtlich dokumentieren, was sehr nützlich sein kann: Wenn man z.B. sechs Jahre hintereinander am 15. Dezember einen Asthma-Anfall in der U-Bahn notiert hat, nimmt man im siebten vielleicht doch lieber den Bus!

Zum Beispiel hierhin:

Wochenlang habe ich mich gefragt, was wohl mit all den Schubläden passieren soll, die mich durch’s Schaufenster des leeren Ladens angähnten. Ganz klar: hier entsteht ein Schubladen!

Da macht man nichts falsch. Schubladen gehen immer!

Den gesammelten Schüben oller Kommoden und Schränke wurde eine zweite Chance gegeben: Im schlichten neuen Rahmen gefallen sie nun Minimalisten, Dali-Fans und mir.

Das Projekt [13terShop] fand ich schon gut, als es entstand.

Die interaktive DVD, die Kolja Mensing und Florian Thalhöfer daraus gebastelt haben, ist konservierte Leidenschaft für die Banalität des Schicksals.

Man klickt sich von Manuela über Sandra zu Peter und Hubert, erfährt wenig Neues und ändert doch ganz beiläufig und zeigefingerlos seine Sicht auf die Menschen, die einem tagtäglich begegnen. Die DVD enthält ein fettes Booklet mit den Tagebucheintragungen und treffsicheren Schnappschüssen der Autoren, der Soundtrack stammt vom guten Jim Avignon.

So. Und wenn da jetzt nix passendes für eure Mischpoke dabei ist, kann ich euch auch nicht helfen!

10 Kommentare

  1. 01
  2. 02
    Jan(TM)

    Das Dekadenbuch ist aber mal richtig genial. Ich hatte z.B. am 15. Dezember jetzt schon 37 mal hintereinander Geburtstag, muss ich mir jetzt Sorgen machen?

  3. 03

    Mir gefällt die Moby Dick Übersetzung von Friedhelm Rathjen (ISBN: 3861507110) am besten. Die Federzeichnungen von Rockwell Kent sind einfach wunderschön :)

  4. 04

    @Jan(TM): Oh Schreck! Weiss deine Mutter davon?

    @Florian: Danke für den Tipp, die Ausgabe kannte ich noch gar nicht!

  5. 05

    Wow, die beiden Ideen von Manufaktum sind wirklich interessant. Könnte man sich auch selbst schenken…

  6. 06

    @Tanja Kreitschmann: Die Rathjen-Übersetzung ist nicht nur wegen der Federzeichnungen interessant. Ursprünglich sollte sie im Hanser-Verlag erscheinen, aber dem war sie dann wegen der Rauhheit der Sprache und wegen der Originaltreue nicht genehm. Sie haben dann Matthias Jendis engagiert, der ihnen eine glatte, nett zu lesende Version des Moby Dick übersetzt hat. Schön ist, dass es jetzt beide Übersetzungen gibt.

  7. 07
    erlehmann

    Gebt’s zu, das ist unmarkierter [DIE VERWENDUNG DES URSPRUENGLICHEN NAMENS DES UNTERNEHMENS WURDE UNS UNTERSAGT]-Content.

  8. 08

    Manufactum gehört ja definitiv zu den Shops mit der Überschrift „Alles, was keiner braucht, und trotzdem schön ist.“ Diese Läden, die es auch in echt jetzt überall gibt, sind die idealen Geschenke-Ideen-Liferanten: Da gibt es so viel Zeug, was keiner hat, weil’s niemand braucht, und worüber man sich trotzdem freut… Vor allem gibt es da auch so Sachen, die man einfach verbraucht: Apfelwein, lange Nudeln, asiatische Gewürzmischungen… fein das alles.

  9. 09

    Genau, die Rahtjen-Übersetzung bei 2001 (kommt ja auch hier vor)

    Was anderes geht gaaaaarr nicht!

    Wirklicht nicht.

  10. 10
    frank

    Nachdem nun meine 3. Espressomaschine in diesem Jahr das Zeitliche gesegnet und der Espresso aus der klassischen Alu-Kanne einfach lausig schmeckt, scheint mir das Teil eine Alternative. Die preiswerte Version ist natürlich schon aus. Hab ich ein Glück. Dann wirds wohl doch das Rasiermesser. Oder ich warte einfach bis nächstes Jahr, auf „1000 Stories“ von F.Th. u.
    K.M., vielleicht schenkt`s mir ja einer.

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