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Morgen kommt der Weihnachtsmann, bringt uns Coca-Cola…

Weihnachtsmann

(Foto: Kecko)

Morgen ist der 24. Dezember, Weihnachten, Heilig Abend. Gemäß abendländischer Tradition erscheint ein alter Mann mit langem Bart, gekleidet in rot und weiß, und legt den »guten Kindern« Geschenke unter einen Tannenbaum.

Böse Kinder haben Angst vor ihm, und ganz schlaue Kinder hört man manchmal sagen: »Blöder Kommerz-Mist. Weihnachten, Tannenbaum — alles nur Kommerz. Der Weihnachtsmann z.B., der wurde ja erfunden von Coca-Cola. Ho-ho-ho, ja-ha-ha-ha!«

Weihnachtsmann und Coca-Cola also.

Boah, Leute, ich kann es nicht mehr hören…

Die Behauptungen lauten ja in etwa so:

  1. Der Weihnachtsmann ist eine Erfindung von Coca-Cola.
  2. Die rot-weiße Kleidung des Weihnachtsmannes ist eine Erfindung von Coca-Cola.
  3. Der Weihnachtsmann mag vielleicht keine direkte Erfindung von Coca-Cola sein, aber früher, vor der Werbung, da war alles besser das bei uns der Nikolaus, ähm, das Christkind, beziehungsweise war das anders, weil… die Geschenke, die brachte, also… ich weiß auch nicht, aber auf keinen Fall der Weihnachtsmann, und schon gar nicht an Weihn… am 24. Dezember.
  4. Die Amerikaner waren nie auf dem Mond.
  5. Elvis lebt.

Yup.

Nun schauen wir zur Abwechslung mal in die Geschichtsbücher, OK?

Der braune Sirup mit dem lustigen Namen wurde Ende des 19. Jahrhunderts erfunden, genauer gesagt am 8. Mai 1886. Sechs Jahre später wurde die Coca-Cola Company gegründet.

Die berühmte Werbekampagne mit dem freundlichen, dicken Weihnachtsmann startete 1931; in Amerika heißt dieser — wie allgemein bekannt — »Santa Claus«.

Wäre der Weihnachtsmann also eine Erfindung von Coca-Cola, dürfte vor dem Jahr 1931 niemand von ihm gehört haben. Wäre die rot-weiße Kleidung eine Erfindung von Coca-Cola, dürfte es von vor 1931 keinerlei Abbildungen rot-weiß gekleideter Weihnachtsmänner geben. Wäre der Weihnachtsmann eine Erfindung von Coca-Cola, hieße er hierzulande ganz sicher nicht »Weihnachtsmann«.

Überhaupt stellt sich die Frage, wieso um alles in der Welt Coca-Cola eine Werbekampagne mit einer Figur starten sollte, von der entweder noch niemand etwas gehört, oder die jedermann ganz anders im Kopf hatte. Hier handelt es sich ja nicht um Meister Propper oder einen Fuchs mit Hausbau-Ambitionen.

Schaut man sich die fragliche Werbung denn auch mal an (Himmel hilf), dürfte schnell klar werden, dass Coca-Cola mit dem rot-weißen Weihnachtsmann schlicht und ergreifend eine bestehende Figur gesucht und gefunden hatte, die perfekt zur Marke passte.

Aber was ist schon Logik, und wer glaubt denn noch an flickr-Bilder, hm?

Morgen kommt der Weihnachtsmann,

Kommt mit seinen Gaben.

Trommel, Pfeife und Gewehr,

Fahn und Säbel und noch mehr,

Ja ein ganzes Kriegesheer,

Möcht‘ ich gerne haben.

Bring‘ uns, lieber Weihnachtsmann,

Bring‘ auch morgen, bringe…

Das, liebe Gemeinde, ist nicht etwa der offizielle Werbesong zur Coca-Cola Truck-Tour 1931, sondern ein um 1840 entstandenes Weihnachtslied eines gewissen Hoffmann von Fallerlsleben. Yo, der Hoffmann von Fallersleben.

Vierzig Jahre vor Entdeckung des süßen Kopfschmerzmittels besang also ein deutscher Dichter bereits den Weihnachtsmann. Er besang nicht »Sankt Nikolaus« — er besang den Weihnachtsmann. Wann, so frage ich ganz ketzerisch und selbstbewusst in die verdutzte Runde, »kommt« wohl dieser »Weihnachtsmann«; und was macht er bloß mit »all seinen Gaben«?

ICH weiß es nicht, so viel steht fest.

Wie auch immer. Der Witz der ganzen Geschichte ist, dass es Coca-Cola irgendwie geschafft hat, als Erfinder des Weihnachtsmannes zu gelten, und dass ein ganzer Haufen kommerzkritischer Schlauberger meint, auf Basis dieser Fehlinformation seine Umwelt belehren zu müssen. Man könnte es als Ironie bezeichnen, wäre es nicht so unsäglich nervig und absurd.

Denn Kommerzialisierung hin oder her, die Geschichte vom Weihnachtsmann, Nikolaus, dem Christkind und Knecht Ruprecht ist viel älter und komplexer als jeder Werbeclip. Es ist die Geschichte von Jesu Geburt, eines türkischen Bischofs und 95 ans Kirchentor genagelter Thesen. And then some. Das sind fast 2.000 Jahre christlicher Tradition, gepaart mit dem ganz und gar menschlichen Wunsch nach Familie und Besinnlichkeit.

Lasst Euch also bitte nichts vorgaukeln, und lasst Euch vor allem nicht die Freude aufs Fest und den Spaß am rot-weiß gekleideten Bartträger nehmen. Und den Geschenken, denkt immer an die Geschenke. :)

In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!

»Ich hoffe, Ihr wart alle recht artig…«

3 Kommentare

  1. 01

    This is way better than a brick & mortar establsihnmet.

  2. 02
  3. 03

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