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Angela Merkel

Wenn ich in einer Diktatur groß geworden wäre, ich wäre Anwalt geworden. Die einfache Rechnung: Wo wenig Recht, da auch wenig Lernstoff. Angela Merkel hat sich dagegen für ein Gebiet entschieden, bei dem es keinen Unterschied gibt zwischen Demokratie und Diktatur. Ich meine nicht das Amt des Parteivorsitzenden, ich rede von der Physik. Diese Wahl ist charakteristisch für Merkel. Sie ist unideologisch und fleißig. Das sind gute Eigenschaften, gerade wenn man sie mit denen ihres Vorgängers vergleicht, der unideologisch und eitel war.

Die Frage ist: Wie wenig Ideologie verträgt das Amt des Bundeskanzlers? Ein aktuelles Beispiel: Angela Merkel möchte sich ausdrücklich nicht äußern zu der Debatte um Jugendkriminalität, die ihr Parteifeind Koch angestoßen hat. Das letzte Mal, dass ich jemandem gesagt habe, ich könne noch nichts dazu sagen, ich müsse die Ereignisse erst noch sacken lassen, war, als mich meine Freundin Larissa am 11. September 2001 angerufen hat und wissen wollte, was ich davon halte. Klar, von mir wird nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und daher kann ich Thesen raushauen, für die man Merkel an den nächsten Baum knüpfen würde. Und trotzdem: Überhaupt mal eine These wäre doch schön.

Vor der Wahl war Merkel auf dem besten Wege, eine deutsche Maggie Thatcher zu werden. Und ich meine damit natürlich: Auf dem schlechtesten Wege. Jetzt, da sie weiß, dass sie gegen eine realexistierende linke Mehrheit anregiert, will sie niemals in Leipzig gewesen sein.

Nach allem, was man so hört, ist Merkel im privaten Umgang wesentlich pflegeleichter als der zur Polterigkeit neigende Schröder. Und dennoch lässt sie manchmal einen leichten Hang zum Undemokratischen erahnen. Wie es wäre, wenn Merkel durchregieren könnte, kann man nur ahnen. Vermutlich wäre Deutschland eine Mischung aus Singapur und Rostock-Lichtenhagen.

So aber kann man es nicht einmal ahnen, wo sie hin will mit dem Land. Ihre Staatsräson ist im Moment dieselbe, wie die von Helmut Kohl und Gerhard Schröder: Solange ich an der Spitze stehe, wird alles gut.

Die oberste Verwaltungsfachkraft des Bezirks Bundesrepublik ist mit Sicherheit nicht so dumm, wie es dumme Kritiker gern darstellen und auch nicht so uncharmant, wie es manche sehen wollen. Sie ist offensichtlich uncharismatisch, aber das ist Franz Beckenbauer auch. Was ihr fehlt, das ist eine Idee für Deutschland. Für Helmut Kohl war das die Einbindung in die EU, für Gerhard Schröder der Anschluss an Russland. Merkel hat keine Idee.
Schlimmer wäre nur, wenn sie eine hätte.

60 Kommentare

  1. 01
    Hr. Lohmann

    Ähm, sollte Chemie nicht Physik heißen? Und auch dann sind die Unterschiede mehr als mächtig in den Fächern und den Anforderungen…

  2. 02
    A

    Nix Chemie, Physik!
    Wenn schon rumstänkern, dann bitte richtig!

  3. 03

    @Hr. Lohmann:

    hatte den fehler schon korrigiert.
    so was passiert, wenn die bildredaktion zum selben zeitpunkt im artikel ist wie der schreiber.
    hatte das falsch im kopf, vlt wegen des instituts für physikalische chemie, wo sie gearbeitet hat

  4. 04
    adrian

    Ich verstehe immer nicht wie Menschen denken können Politiker sind dumm und wissen nicht was sie tun. Ihre ganze Kariereleiter besteht darin Dinge, die sie im Kopf haben durchzusetzen. Entwerder, weil Sie sie fuer richtig haltenn, oder weil man einfach weiter nach oben kommt.

    Es IST also viel schlimmer, Merkel hat eine Idee oder ein Ziel will und wird es aber nicht ans Volk verraten. Warum kann man sich fragen. Ja warum verheimlichen Menschen manchmal Ihre taten…

    Damit hat Sie ja schon angefangen als Sie direkt Kanzlerin geworden ist. Ich kann mich noch gut an Ihre Salami-Takti Sprueche erinnern, die Sie rausgehauen hat. „Deutschland muss laaangsam ein Schritt nach dem anderen machen.“
    So langsam das keiner checkt wohin es eigentlich geht, bevor es zu spät ist.

  5. 05
    adrian

    soll heißen:
    Oder weil man mit den „richtigen“ Taten weiter nach oben kommt.

  6. 06
    Hr. Lohmann

    Hatte ich mir fast gedacht – aber für das Bild hat’s sich ja gelohnt, schöne Illustration – „aussagekräftig“ quasi

  7. 07

    @adrian:
    Merkel ist aber nicht deshalb die Kariereleiter heraufgefallen, weil sie irgendetwas durchgesetzt hat, sondern weil sich ihre Konkurrenten zerlegt haben.

  8. 08
  9. 09

    Ich bin ja der Meinung, Merkel könnte eine großartige Außenministerin abgeben. Aber solange mir auch nach langem Grübeln niemand einfällt, der Deutschland an ihrer statt regieren könnte, soll sie mal lieber Bundeskanzlerin bleiben. Nicht, dass das nachher jemand wie Beck (Kurt) macht.

  10. 10
    herr_m

    Sie hat eine Idee. Die verrät sie aber (vorerst) nicht. Einmal 2005 reicht ihr.

  11. 11

    die hätte uns in den Irak geschickt. Also jetzt nicht mich und dich, aber uns als „Deutsche“.

  12. 12

    Ich sage nur eins: Diese Mundwinkel. Als hätte sie sich Botox rein spritzen lassen …

  13. 13

    Mir geht das ähnlich. Merkels Stil hat eine gewisse Unfassbarkeit. Keine Position, auf der man sie wirklich festnageln könnte. Dabei ist ihr Stil aber vor allem eins: erfolgreich. In einer Zeit, in der viele Politiker nur noch sehr konkrete, aber auch sehr wenig umsetzbare Forderungen aufstellen (siehe Koch im aktuellen Fall), fällt Merkels besonnener Führungsstil positiv auf.

    Ich meine auch, dass Merkel nicht deswegen Bundeskanzlerin geworden ist, weil sich ihre Konkurrenten selbst zerlegt haben (@Yoshi), sondern weil sie schlicht besser ist als ihre Konkurrenten. Nicht rechter, oder linker, sondern besser.

  14. 14

    @Simon: Ich denke nicht, dass Merkel sich durchgesetzt hat, weil sie besondere FÄhigkeiten besitzt oder besonders durchsetzungsfähig ist. Oftmals ziehen andere im Hintergrund die Fäden. Die Wirtschaft hat z.B. einen großen Einfluss auf die Politik und wer weiß welche Interessen da wieder hinter stecken ;)

  15. 15

    Gut ist die Fage, wie wenig Ideologie das Amt des Bundeskanzlers verträgt – weil sie zeigt, dass vielen gar nicht mehr bewusst ist, dass zwischen Machtpolitik und Idologien (die längst tot sind) noch eine Alternative existieren könnte. Zum Beispiel eine Politik, die sich an Zielen statt an Problenen orientiert.

    Solange dir Bürger aber nicht auf diese Idee kommen, wird Frau Merkel mit ihrer jetztigen Politik am besten ihre Macht erhalten können. Zumal bei einer großen Koalition, weil sie ja tatsächlich mit der SPD und nicht gegen eine linke Mehrheit regiert.

  16. 16

    Ich denke schon das Merkel eine idee hat. Nur ist diese so schwer fassbar, weil sie darin besteht die polemischsten und geltungssüchtigsten Politiker (Merz, Koch, Schäuble, etc…) dem Volk im Medienlicht zu präsentieren (und da verbrennen zu lassen) und dann die reaktionärstmögliche Position durchzusetzen, die danach noch möglich erscheint – und genau das ist ihre idee.
    Die Frage nach ihrem Ziel ist müßig, denn es ist ja nicht so, daß die Richtung nicht schon erschreckend genug wäre.

  17. 17

    Den Artikel finde ich gut, weil er beim Lesen einige Dinge in Frage stellt, die man in den Medienberichten über die Kanzlerin dargestellt bekommt.
    Ich denke Frau Merkel handelt sehr überlegt und sitzt ähnlich wie Kohl die Dinge aus. immer dann wenn ein deutscher Kanzler mehr Berichte über seine Auslandsreisen erhält als über inländische Themen dann ist das ein Indiz, dass er sich zu Hause durchlaviert und lieber abwartet.

    Worauf wartet Frau Merkel?

  18. 18

    Es ist die Unglückseligkeit der Großen Koalition. Ich glaube, gegen eine starke Opposition könnte Frau Merkel durchaus glänzen; und wählerischer sein, was ihre Parteifreunde betrifft. Ich respektiere sie durchaus, auch wenn ich nicht für ihre Partei gestimmt habe. Aber so wie es jetzt läuft… Nicht schön.

    Ja, das ist wohl dieser „leichter Hang zum Undemokratischen“. Das Problem ist nur, dass wenn man diesen Leuten den Verdacht vorhält, sie würden zum Totalitären neigen, fühlen sie sich beleidigt. Aus ihrer Sicht ist alles umgekehrt: Sie verteidigen die Freiheit mit allerletzten Mitteln, sie haben den Dolch im Rücken – und der Stoß kommt von dieser Scheiß-Intelligenzija, diesem blinden und naiven Bildungsbürgertum, welches sich leisten kann, über die Welt mit einem zweierlei Maßstab zu urteilen: in der schlechten Welt geht es ihnen gut, sie sind deren Profiteure, wenn auch mit keinem guten Gewissen; in der besseren Welt, die sie predigen, gibt es keinen komfortablen Platz für sie, aber die Wahrscheinlichkeit, dass diese „bessere“ Welt zur Realität wird, ist so gering, dass man sich durchaus den Luxus leisten kann, für diese Welt aktiv einzutreten.

    Also sind die „Realisten“ dagegen. Idealismus ist für sie ein Schimpfwort. Im Manchen haben sie Recht, aber im Großen untergraben sie die Prinzipien dieser schönen Gesellschaft (als Einwanderer hoffe ich, dass ich diesen Satz ohne Verdacht auf kleinbürgerliche Anmaßung stehen lassen darf). Sehr schade alles… Man wird den Verdach nicht los, dass die ganze westdeutsche Erfolgsgeschichte nur ein Produkt der Besatzung ist; und jetzt, wo die USA an ihrem Tiefpunkt angelangt sind, bekommt man einen Ablaß und kann sich austoben.

  19. 19
    Liz

    Wie sie sich im ganz privaten Umfeld verhält, weiß ich nicht. Von einer glaubwürdigen Quelle, die gelegentlich mit Frau M.s Mitarbeitern zu tun hat, höre ich allerdings, dass sie im Kanzleramt ein hartes Regime führen soll, dass die Stimmung dort noch nie so schlecht gewesen sei. Sie soll launisch und herrschsüchig sein, und keiner traut sich freiwillig zu ihr rein, wenn etwas Unangenehmes zu besprechen ist. Ach ja, und die Personenschützer müssen hinter ihrem Haus verschwinden, wenn sie heimkommt, weil sie die nicht sehen will… Klingt für mich ziemlich abgehoben und nicht nach jemandem, den ich privat auch nur kennenlernen möchte.
    Sie ist ganz sicher kein bißchen dumm und hat ihr Ziel – Macht(-erhalt) – genau vor Augen. Ihr völlig sinnentleertes Geschwafel mit den immer gleichen Parolen und Stichwörtern treibt mich die Wand hoch. Außerdem denke ich, sie hat dieses etwas ungeschickte Auftreten regelrecht zur Kunst erhoben und perfektioniert. Wie sie da immer so leicht verunsichert über den roten Teppich trippelt und sich umsieht – das kaufe ich ihr keine Sekunde ab, dass das echt ist.
    Ach, ich könnte noch stundenlang so weiter machen – es regt mich einfach alles auf an ihr. Das tut nicht gut so spät am Abend…

  20. 20
    deprigirl

    Das ist eine böse Frau, die Merkel.

  21. 21
    Niclas

    „eine Idee für Deutschland“

    Also so ganz unabhängig davon, ob D Waffen exportiert, ob D hier und da und überall unbemerkt Großmachtpolitik betreibt, ob Schröders „Anschluss an Russland“ vielleicht genau das bedeutet, ob die EU nicht vlt. ein Mittel zu dieser ist, ob man hier und da „interveniert“ — „humanitär“ natürlich — es braucht auch noch eine „Idee für Deutschland“? Einen Führer vielleicht?

    Worum geht’s?

  22. 22

    Nicht uncharmant? Privat vielleicht. Ich hab sie einmal gesehen in offizieller Rolle. Aber halbprivat sag ich mal.
    Sie kam mit nem Auto angefahren vor das Literaturhaus Stuttgart, wo ne CDUtagung war. Frau Schavan kam auf sie zu (ich weiß nicht mehr war das vor oder nach dem ‚wer wird Fraktionschef/Spitzenkandiddat/irgendwas, Oettinger oder Schavan-Ding, ich mein danach.) Jedenfalls streckte A. Schavan die Hand aus und Merkel reagierte nicht und begrüßte sie nur so. Schavan schnell die Hand weg. Die Stimmung war klar. Ich dachte nur: „Ohoh.“ Das war kein öffentlicher Event…

  23. 23
    Frank R.

    Mir sind Menschen, die immer und zu allem eine Meinung haben, unheimlich. Sich informieren, nachdenken … und erst dann sprechen, hat eine ungeahnte Qualität. Ob als Politiker oder Privater.

    Und bitte was denn nun? Idee/Vision ja oder nein? Gut oder schlecht? Einen Standpunkt einzufordern, ohne selbst einen zu haben (oder ihn nicht klar ausdrücken zu können) ist … ja was nun? Nervig? Dumm? Oder schlicht geschwätzig? Vielleicht keines von dem, aber ärgern tut es mich trotzdem.

  24. 24
    LC

    Ein Politiker braucht nicht mehr Ziele wie das Volk, dass ihn wählt, und die Wirtschaft, die den Staat maßgeblich finanziell trägt. Ohne Rückhalt bei diesen beiden Gruppen kann man vielleicht die Steuern anheben oder mal ein bisschen senken, kann die Bedingungen für Polizei oder Gesundheitssystem anpassen oder sich anderen Staatschefs plaudern. Es liegt in der Natur einer Demokratie, dass die Politik lediglich reagiert.

    Frau Merkel mag persönliche Ziele oder vielleicht auch gesellschaftliche Ziele haben – aber sie weiß wohl ganz genau dass sich dafür (abgesehen von einer kleinen Elite) Niemand interessieren würde. Insofern ist Ihre Kanzlerschaft viel authentischer und ehrlicher als die von Gerhard Schröder, der offensichtlich dachte er könne wirklich agieren und ein Volk von kurzsichtigen, eigenbrötlerischen und phlegmatischen Menschen eines Besseren belehren.

  25. 25

    Vor der Wahl war Merkel auf dem besten Wege, eine deutsche Maggie Thatcher zu werden.

    Durchaus. Ich hatte dies erhofft.

    Und ich meine damit natürlich: Auf dem schlechtesten Wege.

    Was wäre daran schlecht gewesen?

    Jetzt, da sie weiß, dass sie gegen eine realexistierende linke Mehrheit anregiert, will sie niemals in Leipzig gewesen sein.

    Was beweist, dass gerade ein konsequent liberaler Kurs den Menschen gutgetan hätte. Denn diese beschriebene linke bzw. etatistische Mehrheit gibt es wirklich. Deshalb haben wir ja die Probleme, die wir eben haben. Diese sind linksgemacht.

  26. 26

    Ich denke, Merkel hat schon so ihre Ideen für Deutschland. In erster Linie ist sie aber an real existierender Machtpolitik interessiert und arbeitet hier mit sehr stillen, aber äußerst erfolgreichen Methoden. Man darf sie schon dafür bewundern, wie sie ihre innerparteilichen Kontrahenten, allen Vorran Roland Koch, in die zweite Reihe verfrachtet hat.

    Politisch erspart sie sich jedes Charisma, weil dieses sie angesichts der großen Zweckehe mit der SPD ohnehin nur angreifbar macht. Sie beschränkt sich lieber auf die „Verwaltung“ der Deutschland AG und profitiert von einem guten, konjunkturellen Zyklus. Nebulös versucht sie dann und wann Themen wie Klimaschutz oder die EU-Verfassung zu belegen. Themen, bei denen sie von keiner Partei ernsthaft Fundamentalkritik bekommen kann, weil ja irgendwie „alle“ dafür sind.

    Maggie Thatcher? Nein. Dafür fehlen ihr die Mehrheitsverhältnisse. Und auch der politische Wille zum bedingungslosen (und an meinen Vorredner gerichtet: menschenfeindlichen) Neoliberalismus.

  27. 27

    Und auch der politische Wille zum bedingungslosen (und an meinen Vorredner gerichtet: menschenfeindlichen) Neoliberalismus.

    Dazu:

    1.) Definiere „Neoliberalismus“ [handelt sich aus meiner Sicht um ein linkes Universalschlagwort].

    2.) Ich stehe ja persönlich eher auf den klassischen Liberalismus.

    3.) Wenn der „Neoliberalismus“ [was auch immer das iss] schon „menschenfeindlich“ sein soll, was war dann der real existierende Sozialismus in der DDR bzw. ist der real existierende Neosozialismus in der BRD?

  28. 28
    MakeAMillYen

    @alle:

    Welcher Politiker hat denn ueberhaupt eine Idee? Die nicht entweder populistisch oder wahnsinnig waere?

  29. 29
    sunny

    äh malte rufe das nächste mal lieber nicht so laut. ;) jetzt wird geschlosen gegen die jugend in deutschland vorgegangen – ich halt das nicht aus. welche gottverdammte jugendkriminalität muss denn auf einmal bekämpft werden? ich verstehs nicht, ich versteh es einfach nicht.

    trichtertaktik, faz

  30. 30
    Xerxes

    Es ist schlicht und ergreifend das Amt, das sie trägt. Sie ist furchtbar medioker.

    @Liz

    „Sinnentleertes Geschwafel.“

    Dass man weinen könnte.

  31. 31

    Was hat das Private eines Politikers für eine Bedeutung für die Politik, die diese Person betreibt, oder für die breite Öffentlichkeit? Frau Merkel kann von mir aus Neigungen habe, die nicht jugendfrei sind oder sonst wie mit ihrem Mann herum springen; Zumindest solange sie nicht diese Ideen in der Politik auslebt.
    Die Privatsphäre sollte auch von Politikern gewahrt werden.

    Frau Merkel ist in ihrem Amt als Bundeskanzlerin Vorsitzende der Regierung. Damit repräsentiert sie auch die Politik unseres Landes, folglich ist es auch ihre Aufgabe auf internationalen Konferenzen zu sprechen.
    Für die Innenpolitik wäre es zwar wünschenswert, wenn sie häufiger von ihrer Richtlinienkompetenz Gebrauch machen würde, allerdings ist sie nicht die Alleinverantwortliche für die Innenpolitik. Dafür gibt es ja gerade die Ministerien mit ihren jeweiligen Vorsitzenden.

    Es muss immer eine Balance zwischen Innen- und Außenpolitik gefunden werden. Es hilft unserem Land nicht erheblich, wenn wir die Arbeitslosenquote senken können, wir aber gleichzeitig katastrophale Beziehungen so Frankreich, den USA oder Russland hätten. Diese Balance zu finden ist sehr schwer (es ist ja auch etwas, was sehr abstrakt und nicht zu greifen ist) und keiner wird das perfekt machen — auch eine Frau Merkel nicht, dennoch könnte es wesentlich schlimmer sein.

    Ich bin der Meinung, dass wir bei der letzten Wahl des kleinste alle Übel bekommen haben. Weitere vier Jahre Schröder wären einer politischen Katastrophe gleichgekommen — in vielerlei Hinsicht.
    Das Problem an unserer Koalition ist jedoch das ständige Hin und Her zwischen den Fraktionen, in welche Richtung es eigentlich gehen soll. Es scheint manchmal so, als ob ein Koalitionsvertrag vollkommen irrelevant für Politik sei. Und insbesondere die schweren parteiinternen Probleme der SPD machen der Koalition zu schaffen. Eine solche Koalition kann auf Dauer nicht vernünftig handeln. Das sieht man an der aktuellen Diskussion zum Jugendstrafrecht: Der CDU fordert härtere Gesetze und die SPD (in persona eigentlich nur Kurt Beck — manchmal fühle ich mich dort auch langsam an die Westerwelle-Partei (ehemals FDP) erinnert) sagt sofort, sie sei dagegen. Da habe ich den Eindruck, dass die SPD trotz Koalition Opposition spielen möchte.
    Und mehr als „zur Geschlossenheit“ auffordern, kann dann auch Frau Merkel nicht. Sie hat schließlich „nur“ Richtlinienkompetenz.

  32. 32
    sunny

    @Christopher: aber warum sollte man das jugendstrafrecht ändern?

  33. 33

    @sunny: Na wegen dem Dingsda, dem Schläger da in München. Erst Handy-Verbot, dann abschieben!

  34. 34
    sunny

    so wurden früher kriege geführt, gell? vielleicht soll das die rentner an den prager fenstersturz erinnern, gell, jetzt geeeeeeeeeeeh’s looooooos. auf sie die jugend, zurechtstutzen und abbutze.

    yeah, yeah, yeah… ;)

  35. 35

    „Wie es wäre, wenn Merkel durchregieren könnte, kann man nur ahnen. Vermutlich wäre Deutschland eine Mischung aus Singapur und Rostock-Lichtenhagen.“

    Malte Malte… das geht zu weit!

  36. 36
    Westpfalz-Johnny

    Naja, ob man Frau Merkels Ideen generell als schlimm bezeichnen muß…?
    Finde ich die Ideen von Frau Künast oder Frau Roth wesentlich schlimmer. *grusel*

  37. 37

    Ich weiß noch immer nicht so recht, was ich von Merkel halten soll. Auf der einen Seite tritt sie mir zu wenig in Erscheinung, auf der anderen Seite bin ich eigentlich froh, dass sie ihre Minister und Parteifreunde auch mal machen lässt. Ob nun jeder Kanzler eine oberste Mission verfolgen muss wie Kohl z.B. mit der EU ist allerdings fraglich. So langsam werde ich wohl also doch mit Merkel warm. Aber für eine heißblütige Liebe dürften die Emotionen dann wohl doch nicht reichen.

  38. 38

    Und nun gibt Sie ihrem alten Parteifreund Roland koch auch noch Schützenhilfe. An was da mal wieder gemauschelt wird…

  39. 39

    Angie hat sich doch geäussert zum Them Jugendgewalt:
    „Vor dem Wiesbadener CDU-Publikum rief die Kanzlerin, unter jugendlichen Gewalttätern sei rund die Hälfte nichtdeutscher Herkunft. „Es muss alles getan werden, damit nicht die Minderheit die Stimmung diktiert.“ Die Politik müsse über Erziehungscamps, Warnschussarrest und den Entzug der Fahrerlaubnis für Gewalttäter sprechen.“
    (http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/merkel-macht-den-koch/?src=MT&cHash=9901603508)

    Also der Entzug des Führerscheins führt dann zu weniger Gewalt? Oder wie?

  40. 40

    schröder hat sich bei gazprom „eingearbeitet“. seiner meinung (ich nenne es rechtfertigung für seine kohle, die er dort abgreift) nach, sind wir abhängig von den russischen rohstoffen. harhar der sack (mir ist bange, ob der kommenden preiserhöhungen)

    wo wird wohl angie „enden“?

  41. 41

    a. Merkel hatte zweimal Glück: Zuerst, als Helmut Kohl auf sie aufmerksam wurde und „sein Mädchen“ nach Bonn holte. Das zweite Mal, als die CDU inklusive Schäuble im Schwarzgeldsumpf versank, und deshalb nur noch sie als Parteichefin tragbar erschien. Der „Rest“ war Disziplin und Geschick beim Erlangen und Sichern von Macht.

    b. Ich vermute, Merkel hat durchaus eine Idee für ihre Politik. Und zwar Interessenpolitik für ihre Kolleginnen vom Kaffeekränzchen, nämlich für die Damen Springer, Mohn, Herz und Quandt. Wo sie dem mal nicht gerecht werden sollte, da beugt sie sich aus machtpolitischen Gründen den Stimmungs- und Mehrheitsverhältnissen.

    c. Ähm, Malte, ich möchte deiner Aussage widersprechen, dass Ideologien tot seien. Ideologien sind doch vom Wortsinn her Gedankengebäude rund um eine zentrale Idee herum. Die aktuell wirkmächtigste Ideologie wird gemeinhin „Neoliberalismus“ genannt. Allerdings wird uns schon seit mindestens 25 Jahren angebliche „Ideologiefreiheit“ gepredigt, so dass uns so manche Ideologie kaum noch zu Bewusstsein kommt.

  42. 42

    Herrlich politisch wird das hier wieder. Schön. Man könnte meinen, die Hamburger Wahl zeitigt auch in unserem ICE-Vorort seine Wirkung :)

  43. 43
    Thomas

    Okay, es war ein Versuch. Wir haben gesehen: Eine Frau als Bundeskanzler(in), das geht einfach nicht. Wir haben ja die Möglichkeit das zu korrigieren…

    … wenn sich denn eine Alternative böte.

  44. 44

    Es ist traurig (vor allem für sie), das sie offenkundig so schlechte Ideen hat, das sie besser aussieht, wenn sie profillos und unverbindlich bleibt.

  45. 45
    Westpfalz-Johnny

    vielleicht hätte sie in einer schwarz-gelben koalition mehr profil…

  46. 46
    PiPi

    Der Thread bzw. das Politische Thema an sich kann man ohne eigentliches Resultat bis zum Ende der Ursprünglichen Frage als unendlich weiterführen.

    Bis zur nächsten Bundestagswahl!

  47. 47
    schreibvieh

    Mh, scheiss neues Design. Da starrt mich seit drei Tagen die Merkel an, wenn ich Spreeblick aufrufe und irgendwo am Rande quetschen sich die Features vorbei, um blos nicht aufzufallen. Nee, gefällt nicht!

    OK, jetzt werde ich gemein: Das ist voll Print, ey!

  48. 48
    Schlingensief

    @Sophie: Das ist ganz sicher keine Schlingensief-Aktion, sondern saudummer Fußball-Nationalismus von Dir und Deinen Freunden bei Fooligan, german humor at it’s wurst! Schickt Euch, Herrn Koch und Frau Merkel doch gleich mit, dann bleibt man hier wenigstens von Eurem Schdenfreude-Schenkelklopf-Humor verschont.

  49. 49
    Frédéric Valin

    @Schlingensief: Wasn mit Dir? Und was is mit fooligan? Und überhaupt: alles klar soweit?

  50. 50
    Thomas

    @Schlingensief: dieser feine subtile Humor braucht Sekunden.
    In dieser Aktion geht es um Mutationen des Massenkonsums.
    Leuten geben eine Menge Geld für Dinge aus, die sie kurz
    befriedigen, später aber schnell wieder vergessen oder gar
    los werden wollen.

    Die Seite braucht nur einen ordentlichen Webdesigner.

  51. 51
  52. 52

    Den Begriff „oberste Verwaltungsfachkraft des Bezirks Bundesrepublik“ finde ich sehr treffend, denn das ist sie auch und so verhält sie sich.

    Wenn man sich das lächerliche Gedöns um Sarkozy und seine neue Freundin anschaut, kann man um so eine „uncharismatische“ Kanzlerin fast schon froh sein.

  53. 53

    Vielleicht weiß Merkel nicht, wo sie hinwill mit diesem Land, aber du wusstest scheinbar auch nicht, wo du hinwolltest mit diesem Artikel?!

    Ein „Mischung aus Singapur und Rostock-Lichtenhagen“ das klingt zwar verdammt gut, aber da kann sich natürlich jeder reindeuten, was er gerade möchte. Das ist ja nicht mal Meinung, geschweige denn These oder Argument.

    Sehr bezeichnend, dass sich unter so einen leeren Beitrag nun schon der 53. Kommentar einfindet. Da darf man sich auch nicht wundern, dass Merkel die beliebteste Politikerin des Landes ist. Ist Spreeblick zum Abbild der Bundesdeutschen Mentalität geworden?

  54. 54
    Red Devil

    In unsicheren Zeiten ist Stabilität ala Merkel etwas positives, auch wenn sie auf Ideenarmut basiert ;-)

  55. 55
    GelbeGurke

    In der DDR gab es auch „ganz normale“ Verbrechen, wie Diebstahl, Mord usw.
    Nur wenn jemand Kritik am Staat äußerte, ging es etwas anders zu, als in einer Demokratie.

  56. 56
    rtfm

    „Deutschland habe keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und sozialer Marktwirtschaft für alle Ewigkeit, sagte Merkel, …“
    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/30/0,3672,2322974,00.html

    Die Mischung aus Singapur und Rostock-Lichtenhagen passt da glaube ich ganz gut.

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